FuldaerMZeitung
M 34.
Butöa, Donnerstag, den 12. Februar 1903.
30. Jahrgang.
•B.
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(Nachdruck verboten.)
Die bleiche Mondsichel stand über der Felsen«
und Türme.
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An einem vergitterten Mauerfensterche« stand Omar und starrte iw die mondhelle Nacht hinaus. Allein mit dem höckerigen Burgwächter war er auf der Felsenburg zurückgeblieben, die anderen zogen zur Fehde auS. Wre sicher hatte er gehofft, mit ihnen ziehen zu dürfen! Nun sperrte man ibn in diese dunkle Zelle ohne Erklärung, auf Befehl des Ritters. Es war entsetzlich! Schlafen konnte er nicht. Sein Seist war zu lebhaft mit denen beschäftigt, die wun in Kempf und Fehde
„Armer Jarbi! Und ich bin hier «ingeschloffen und kann Dir nicht helfen.'"
»Ist auch bei Leibe nicht nötig! Der Sieg ist einer unrechten Hiebe, wert. Wir nahmen reiche Beute mit.*
„War geht dort vor?* fuhr er den herkulischen Söldner vor seiner Zimmertür an. Der grinst« ihn an und berichtete mit unangenehmem Lache«:
.Der Knabe wehret den Kriegsknechten die Verteilung der Waffenröcke."
weichen Teppich ausßreäte und gähnend nach dem erfrischenden Morgentrunke griff. Da drang lauter Wortwechsel aus dem Burghof zu ihm herauf. Sich aufrichtend gewahrte er den Jüngling Omar, der in heftiger Erregung vor einer Gruppe Kriegs« knechte stand, die die Gewänder der Gefangenen unter fich teilten.
malige Teuerungszulage. Sie suchten das ein« flaßrrichste Mitglied der Gemeindevertretung, den Hüttendirektor M., auf und trugen demselben ihre Wünsche vor. Zur Antwort wurde ihnen
-F IleSer die Kauakvorluge hat fich der neue preußische Eisenbahnmtnister Budde in der Budgetkommisfion des Abgeordnetenhauses dahin geäußert, daß die Arbeiten für eine neue Vor« läge im vollen Gange seien, daß aber infolge einer durch die Verhältaiffe gebotenen Ver« änderung der Kanalführung, d. h. wegen der betr. Grundstücksoerhältniffe, eine Verzögerung hätte erfahren müffen. Die Vorlage soll also wohl nach de« Wahlen dem Landtage wieder zugehen.
+ Ko«fe»vakive und ZLrmd der Laxd- wirtte. Der konservative Reichstags« adgeordnete Graf Roon erläßt eine scharfe Erklärung gegen die Leitung deS Bunde- der Landwirte. Er habe mit seinem Freunde ». Kröcher angenommen, daß daS „verletzend« Rundschreiben" deSengerenBundesvorstandes durch die Mitte Januar an die konferoattoe ReichStagssraklio« gerichtete Mitteilung deS Herr« von Waiqenheim als zurückgenommen gelten sollte. I« der öffentlichen Bundesversammlung im Zirktls Busch am 9. d. MtS. habe aber Freiherr von Wangenheim gegenüber Herr« von Kröcher auSdrücklim erklärt, daß jenes Rundschreiben vom 13. Dezember nicht zurückgenommen sei. Dazu bemerkt Graf Roon: „Der engere Vorstand deS Bundes hat also damit die uns zugefügte politische Kränkung — ohne Widerspruch in der Versammlung zu finde« — aufrecht erhalten, statt ste zu bedauern und zu entschuldige». AuS diesem Grunde sehe ich mich veranlaßt, hierdurch meine« Austritt aus dem Bunde der Landwirte zu erklären. Obwohl selbst eifriger und für das Wohl der Landwirtschaft immerdar treu besorgter Landwirt, steht mir doch da- Ansehen der alte« christlich-konservativen Partei (ohne deren Hülfe nebenbei gefaxt, der Bund »temalS zu erheblichem Wachstum gelangt wäre) hundertmal höher als der Bund der Landwirte.* Ob Herr Graf o. Roon wohl viele Nachahmer findet in der konservativen Reichs- tazsfraktio»? Nach den bisherigen Erfahrungen ist schwerlich daran zu denke».
ein« Donnerstimme laut, der sogleich tiefes Schweigen folgte. Omar sah den Ritter in seiner , . , schwarze» Stahlrüstuna auftauchen und bald da-
bürg und übergoß mit fahlem Scheine die Mauern rauf in den Turmgewölben verschwinden. Dann "" wurde er wieder stille und ei.sam wie zuvor.
Eine gebückte Gestalt schlich unter seinem Fenster vorbei.
„War ficht Dich an?* braust« der Ritter auf.
Schurken seid ihr all«!* rief der empörte _ ~„die Gefangenen beraubet
ihr der armseligen Flicken. Ist da^ ritterlich?*
„Holet ihn herauf!* gebot der Ritter. Gleich darauf stießen die erbosten Knechte den fich gewaltsam gegen ihre Angriffe wehrenden Jüngling in« Gemach.
WohnungSentschädigung auszukommen, i» Arbeiterhäusern wohnen. Die Tätigkeit der katho- lische» Lehrer sei weniger erfolgreich, daS setze man an dem ungezogenen Benehmen der Kinder auf der Straße. Die Witwen der früh ver- storbenen Lehrer müßten auch etwas nebenbei !zn verdienen suchen. DaS Gehalt der Lehrer sei für zehn Monate genügend, zwei Monate ! feLn ja Ferien. Eine den Lehrern gewährte TeuerungSzulaae würde daS Volk zum Aufruhr bringen. — Wenn diese Angabe» richtig find, dann wird man es den Lehrer» nicht verdenke» können, daß sie gegen eine so unwürdige Anschauung, wie ste jener Hüttendtrektor, der wahrscheinlich fich über seine» Küchenzettel jegliche Vorschrift von anderer Seite entschiede« verbitten würde, zum Ausdruck gebracht haben soll, mit S-trüstung protestierten. Insbesondere ist auch »icht einzusehen, warum die katholischen Lehrer schlechter gestellt sein sollen, als ihre protestantische« Kollegen. W-itauS de« schärfsten Tadel verdient natürlich die Art der Begründung, die so .ussisch ist, daß es schwer fällt, an die Richtige keit der vorstehenden Mitteilungen zu glauben.
X Kime, gehässige« Anostre»««, macht der Abgeordnete Dr. Schädler ei» Ende,indem er der.Köln. Ztg.' schreibt:
Amtsverbreche» verurteilt, betreibt zur Zett die Wiederaufnahme seines Prozesses mit Hochdruck. Gelingt ihm dies nicht, so rechnet er, dem,Berl. Tagebl/ zufolge, auf einen eklatanten Gnaden-
+ Ar- Karl Hf-t-r-, der frühere Reichs-1 dem zweiten Teile der Resolution Albrecht be- kommiffar Ostafrika, dann wegen schwerer schäfttgt fich mit der Frage eines Maximal- ... «... arbeitStageS auch der folgende neue, von den Zentrumsabgeordneten Stütze!, Dr. Freiherr von Hertling, Dr. Hitze und Trimborn gestellte Antrag:
Der Reichstag wolle beschließen: Die ver- bündele» Regierungen zu ersuchen, in die Gewerbeordnung die Bestimmung aufzunehmen, wonach für die derselben unterstellten Betriebe die regelmäßige MaximalarbettSzett zehn Stunden beträgt.
Unterzeichnet ist der Antrag außerdem »och von den Abgeordneten: Prinz Arenberg, Dr. Bachem, Biefenbach, Brau», Broekma»», Bu- Miller, CahenSly, Dasbach, Engelen» Euler, Fallt», Frank, Fritzen-Düffeldorf, Fritzen-Rees, Gröber, Holzapfel, Graf v. Homprsch, Dr. Jäger, Kirsch, Letocha, Dr. Marcour, Roereu, Dr. Schädler, Schmid-Jmmenstadt, Schüler, Schwarze« Lippstadt, Sittart, Dr. Spahn, Laich, Freiherr von Thüneseld, Wattendorff, Dr. Wrißenhagen und Wörle.
Die ,Rölit. 3t«.' gibt i« Nr. 102 vom 6. Februar in einer Korrespondenz auS München u. a. bezüglich
weniger Gehalt als ihre evangelischen Kollege». Da die wiederholte Bitt« um Gleichstellung bis j'tzt regelmäßig abgelehnt wurde, bemühte» fich die am meisten betroffene» Lehrer um eine ein-
Drr Ritter lächelte nur höhnisch, während ein drohendes Gemurmel durch die Rechen der Knechte ging. Zu diesen wandte sich mit teuflicher Freude der Ritter.
„Ihr sehet selber, der ist ein Lamm geblieben unter Wölfen. Nehmt ihn mit Euch hinab, füllet ihm den Becher, lehret ihn trinken, lehret ihn fluchen, und dann bringet ihn mir wieder her, | wohlerzogen und an Weisheit so stark wie ihr.* | Er winkte ab, und mit wüstem Geschrei zog der ’ Haufe hinweg, den fich mit allen Kräften sträubenden Jüngling mit fich zur Halle hinunter schleppend. Dort hockten um das offene Feuer dis übrigen Genoffen ihrer Verbrechen und drehten den saftigen Braten am Spieß. Der Qualm stieg auf und fand nur unzureichenden Abfluß durch die Mauerlöcher. Die schäumenden Becher kreisten in der Runde, die Zecher tranken ste leer bis auf den Grund.
Gewaltsam zog man den Jüngling in den lärmenden Kreis und zwang ihn, fich an dem Feuer niederzusetzen und den dargereichten Becher zu leeren. Er aber stieß ihn von Abscheu erfüllt zurück, drohende Fäuste erhoben.sich — da legte ein Arm fich um seine Schulter und eine Gestalt ließ fich an seiner Sette nieder und hiell ihm mit bittendem Blick den Becher hin.
„Ergib Dich, mein Bruder, und reize jene nicht zur Gewalttat" — e8 war der Freund, — „ich werde immer um Dich sein," fügte er beruhigend hinzu, und damit setzte er ihm de« Becher an die Lippen. Omar schaute i« seine flehenden Augen und trank den Becher leer bis zur Neige. Et» BeifallSgebrüll erscholl; von neuem wurde der Becher gefüllt und dem Jüngling zum Trinken hingereicht. Diesmal griff er ohne
„Höre, Jarbi*, der Jüngling brachte seinen Mund dem Fenster nahe, „mir steigt der Zweifel auf, ob es eines RÜters würdig, wehrlose Menschen im Schlafe zu überfallen und nur um der reichen Beute halber — das ist Raub! Wie Hunde
beweis deS Kaisers, die Niederschlagung deS Urteils. Hoffentlich täuscht er sich darin!
4- Ki« Gemütsmensch. Die .Schlesische Schulzritung' macht folgende Mitteilungen: I« Laurahütte beziehen die katholischen Volksschul- lehrer je nach dem Dienstalter 20 bis 180 Mk.
Deutsches Keich.
Berlin, 11. Februar 1903.
+ KardtnalMrflvischo, Aopp ist am Mittwoch vom Kaiser in Audienz empfange» worden und war nachher zur FrühflückStafel beim Kaiserpaare geladen. Außer ihm nahmen auch
unter anderem folgendes: „Die Leden-mittel seien nicht teurer, die Kartoffeln feie» bisher billig. Der Lehrer brauche nicht alle Tage Fleisch zu essen. Hülsenfrücht« seien ein nahrhaftes Esse»; man müsse fich nur daran gewöhnen. Der Lchrer könnte, um mit der
sie die feindliche Burg hinanstürmten, die Wälle und Mauern erkletterten, ihre totbrtngenden Speere und Geschosse entsandten, und hörte ihr StegeSgeschrei und genoß mit ihnen die Frucht de- endlichen Siege-. Ahnungsloser Omar! Könntest Du fir nur ein einzige- Mai in ihrem xampfe, ihrem Siege schauen, die Hyänen der Nacht, wie würdest Du Dich ab. wenden voll Abscheu vor jenen, in deren Mitte Du groß geworden. — Ein ferne« Geräusch ließ ihn aufhorchen. Die Räuberschar kehrte zurück. Alsbald ward es in der Burg lebendig. Waffe»-.—.. ........... vllIl,c
fErr Stimmengewirr schlug an be« ein« bringet ihr die Gefangenen dahergeschleppt und, „ö{gm«n n amen tausch«« Ohr, und dann drangen Klage- sperret sie in di« Burgverli«ße;.Ha«, Jarbi, deucht Jüngling außer fich, laute zu ihm her. Ersah schwarze, drohendeGe-> mir, ist feiger Mord!* , H 8 -
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„Jarbi!* rief halblaut der Jüngling, „o Jarbi, bist Du e«."
G Die sozialpolitische Debatte im Reichstag
konnte begreiflicher Weise am Mittwoch »och nicht zu Ende geführt werden, obwohl die Sitzung bis »ach */* 7 Uhr Abends dauerte. Zu Beginn derselben waren aber auch »och 23 Redner vorgemerkt, darunter — Ahlwardt, der die Beschlußfähigkeit anzuzweifeln fest ent- schloffen ist, falls ihm durch Schluß der Debatte das Wort abgeschnitten werden sollte. Der beschlußunfähige Reichstag muß also tun, wie Ahlwardt will; Ahlwardt als Erzieher!
Wenn übrigens alle Redner so wenig Selbst- zücht üben, wir der sozialdemokratische Vertreter . von Hanau, Herr Hoch, der eine — irren wir uicht — 2V» stündige verworrene Rede über alles Mögliche und Unmögliche hielt, dann kann die Sache noch gut werden. Herr Hoch widerholte natürlich die gewohnte» sozialdemokratischen BerLSchttgungen gegen die Voztalpolttik anderer Parteien, besonders des Zentrums. Mit großer Entschiedenheit trat diesen Vorwürfen der natio- nalliderale Abg. Dr. Paasche, gewiß kein Freund deS Zentrums und auch ein Gegner der sozialpolitischen Anträge deS Zentrums, die fich um eine» Antrag Slötzel-Hertling zu Gunsten ' eines allgemeinen 10 stündigen MaximalarbeitS- Aes vermehrt haben, entgegen. Mit großem Geschick verteidigte er außerdtm die Krupp'schen Wohlfahrtseinrichtungen. Vorher war auch Staatssekretär Graf PofadowSky verfchiedenen Aeußerunge» deS Herrn Hoch enigegengetrelen. D^w Ertrag Jäger (Ztr.) entsprechend soll im vachstm Jahre eine Uederficht über die bisherigen Maßregel» auf dem Gebiete deS Wohnungs- wesenS gegebe» werde». Den Semeindeoer- waltung-n gab der Staatssekretär den beherzigens, werten Rat, Versuche mtt dem Erbbaurecht zu machen und sich soviel Grund und Bode», als sie nur irgend können, zu sichern. Möchten die Städte dieses Wort de- herzigen! Wieviel Unterlassungssünden haben fie da schon auf dem Gewissen!
Weiter sprachen heute noch die Abg. Müller- Meiningen (stets. Volksp) und Schrader (steif. Volksp) die beide sozialistisch zu bremsen suchten — namentlich die ZentrumSanttäze gingen ihnen zu weit —, sowie der konservative Abg. von Walder-Reizenstein, der die landwirtschaftliche Berufsgenoffenschast gegen sozialdemokratische Angriffe verteidigte.
Die Debatte wird am Donnerstag fortgesetzt werben.
Di« Gestalt richtete fich empor. „Du wachest noch, Omar?" gab dieser flüsternd zurück, „so spät in der Nacht!"
„Mir war so bang« um Dich, guter Jarbi. Bist Du heil und unverletzt?"
, _' — ——ti — । Der lachte sorglos. „Einer hat mich mit dem
k^xMe'hnen Schritt für Schritt, wie Handschwert über di« Schulter gehauen, weiter fi* M‘ --------"""''nicht«. Nun eile ich, di« Wund« vom Blut« rein
zu waschen!"
dem jungen Domdetan einen Bischofssitz versprochen habe, womit eS jetzt nach der auf dem Katholikentag Seltenen Rede für absehbare Zeit vorbei fein dürste.' ngegenüber sehe ich mich zu der Erklärung veranlaßt : 1. Herr v. Landmann hat mir nie einen Bischofssitz versprochen; 2. in meinen durch daS Kultusbudget veranlaßten Berhandlungen oder sonstigen Besprechungen mit Herrn v. Landmann ist niemals auch nur mit einem Wort eine derartige Eventualität berührt worden.
Erscheint täglich m-LuSnahmeder Sonn-und Feiertage. Bierteliährl.
-e,nge»rei, ohne Bringerlohn
Bestellgeld in «ulda und auS» wärtSlM.bOPs.
+ Der Attgvstivon-Derei« zur Pflege der I katholischen Presse hielt am 9. und 10. Februar seine alljährliche General Versammlung in Berlin ! ab. Sie ergab vir vollständig« Einmütigkeit drr katholischen Presse in der uneingeschränkten Billigung deS Verhalten- der Zentrums- Fraktion im Reichstage, besonder- bei den Kämpfen um den Zolltarif. Eine eingehende Behandlung wurde I aul ». e. bezüglich
bnn# s ®e!awt' ®itt* grenzenlose Wut über"de" Kultusministers v.^ndmann
druck trug, wi. bei einem Zusammensein mit den Absägung soll, wie glaubwürdig behauptet wird, wenig» Abgeordneten im Reichstage betont wurde, wesent-1 stens teilweise daher rühren, daß der -zenirumkschützling lich dazu bei, die gutenHoffnunge» deSZrntrums für die kommenden Reichstags wählen zu verstärken. Sin Veteran der Presse, von dem wir sonst öfters recht pessimistische Reden bei solchen Anläffea gehört habe», stand nicht an, ausdrücklich einen kcäfiigen Optimismus zu proklamieren. Das Richtige ist rool)i; auS dem Pessimismus den Ernst, auS dem Optimismus die Freudigkeit der Arbeit zu entnehmen und so besonnen, doch frische« MuteS in de« Wahlkampf einzutreten.
Prinz und Prinzessin Heinrich sow!« der Herzog von Cccy daran teil.
* Ate Khe be» sächsische« Kronpriuzeu- psarer ist „geschieden". So lautet der Urteilsspruch, den der Dresdener Sondergerichtshof am Mittwoch Nachmittag 4 Uhr 25 Minuten gefällt hat. Um 10 Uhr vormittags hat der Termin, der bekanntlich am 28. Januar auf den 11. Februar vertagt worden war, wieder begonnen. Die Oeffentlichkeit war ausgeschlossen. Al- Sachverständige wurden der Geheime Me« diztnalrat Prof. Dr. Leopold, Direktor der köntglche» Frauenklinik, und der Geheimrat Professor Dr. Fiedler, Leibarzt deS Königs, vernommen. Die Verhandlung wurde mittags durch eine einstündige Pause unterbrochen. Sin Vertagungsantraz war vorher nach drei- viertelstündiger Brralung ab gelehnt worden. DaS Urteil lautet:
Im Namen des Königs! Dir am 21. November 1891 geschloffene Ehe »er Parteien wird wegen Ehebruch drr Frau Beklagten mit dem Sprachlehrer Andre Giron vom Bande geschieden. Die Frau Beklagte trägt die Schuld an der Scheidung. Die Kosten des Rechtsstreite- werden der Frau Beklagte» auferlegt, von Rechts wegen.
Selbstverständlich kann in religiöser Hinficht gar nicht von einer Scheidung der Ehe gesprochen werde». Nach drr Lehre der katholische» Kirche gibt es in der vorliegende» Angelegenheit keine Scheidung dem B.nde «ach, sondern nur eine Trennung, welche die Wiederverheiratung einer bet Ehegatten zu Lebzeiten des anderen unter Strafe der Exkommunikation »erbietet. — Sehr auffallend »st die Meldung, daß Giro» fich von Brüssel nach Lausanne und von da nach Nyon begeben hat, um der Prinzessin beizustehen. Der Uctetl-fpruch wurde der Prinzessin, da An- j walt Lachenal einer Großratsfitzung beiwohnte, durch ihren Bruder Leopold Wölfling übermittelt, den Giron begleitet hat. Die Prinzessin hat, wie der.Franks. Ztg/ gemeldet wird, Giro« telegraphisch zu fich berufen aus Erregung darüber, saß daS Verlangen der Direktion der Anstalt um Uedersendung der für den Aufenthalt der Prinzessin nötigen Papiere von Wien auS abgewiese» wurde. Die Prinzessin, die ihre Niederkunft in La Me- nairie ab warten will, soll de» llrtetlsspruch gefaßt entgegengenommen haben.
Sn Kak anf der MM- y« ä t
Jülicher Lande von Sleca Ruth. j ein« Donnerstimme InuL her fnnfeiA lief««
Inserate: Die einspaltige Prtit- zeile oder deren RaamlSPfg..Rr- kiamen die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wirdentsprechrnd. Rabatt gewährt.
+ Der zrhnstSntzi-e MsximakarSeits- । tag. Außer dem Anttag H yl-Trimsorn und
„Still! Still!" flüstert« der Freund entsetzt, „dies« Red« kann Dich den Kopf kost«». Die Mauern haben Ohren. Schlafe, Omar, schlafe!" Und eiligst verschwand er um die Eck«. — Da löst« fich eine Gestalt au« dem Schatten be« Turme« und drohend leuchtete eine« Manne« Blick durch da« Dunkel.
„Das junge Wölflein will au« der Art", murmelte er, „schon zu lang« ist gesäumt. Der Rnabe fängt an zu denken, da« schadet meinen Plänen. Ich muß ihn vor verschlossene Tore führen und nur eine Pforte ihm geöffnet lassen, — die zum Abgrund führet!"
Die Sonn« stand schon, hoch am Himmel, al« der Ritter in feinem Türkengemache fich auf dem
iS, Inserate I. Parzelle» in Lnlda. ' mit Nnterhattungs-Meilage „Illustrirte Sonntags-Zeitung"