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FuldaerWZeitung

M 32.

Jutöa, Dienstag, den 10. Februar 1903.

30. Jahrgang.

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(Nachdruck verboten.)

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NS

Ans dem Reichstage«

*e> 264. Sitzung vorn 9. Februar 1908, 1 Uhr.

Berlin, 9. Febrnar 1903.

+ Avendfitz««-e» will der Präfide«t von Kröcher im preußischen Abgeordnete! - Hause anberaumen, um die Etalsberatunge» zu beschleunigen. Die Budgetkommiffion möchte allrrairgS die Abende für ihre Sitzungen ft ei» halten, aber der Präsident rechnet trotzdem auf die Zustimmung deS Plenums zu seiner Absicht.

' Nach Erledigung einiger Rechnungssache» fetzt daS Hau» bet sehr schwacher Besetzung namentlich find die Bänke der Rechten wegen der heute tagenden ®e« »eralversamwlu», deS Bundis der Landwirte fast leer die Beratung beS Etats des R eich Sa mt eS deS Inner», Titer Staatssekretär, fort.

de« Bunde«!

+ Der Kurpfuscher Aardeuüött r ist entflohen. DaS war mit Sicherheit voraus» zusehe», denn einerseits hatte daS Gericht nur eine Kaution von 15000 Mark verlangt bei einem Jahreseinkommen, das in di» Hundert» tausende ging!, !uvd andererseits drohte ihm eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Der Staats» anwalt, der eine Kaution von 100000 Mk. be» antragt hatte, ist also jetzt gerechtfertigt. Selbst' verständlich wurde sofort unumschränkter Haft- befehl hinter Nardenkötter erlassen. Auch der Mitangeklagte Dr. Kron heim wurde in Haft genommen.

Her Iknli aef btt Löchrbarg Originalerzählung auS der Beschichte der ehemaligen Jülicher Lande von Aleca Ruth.

zerschnittene Tischtücher können wieder zusammen- genäht werden.

Läßt daS geschickt arrangierte Spiel mit ver» teilten Rolle« die kleinen Landwirte nicht ahnen, daß sie nur zur Schallverstärkung für die Klagen der Großen im Bunde dienen, so bezweckt eine weitere schlaue Rollenverteilung die Sinfangung deS gewerblichen Mittelstandes für die Wahl» zwecke der Landbündler. Während diese im Zirkus Busch die Landwirtschaftretten", rettet" Herr Oertel, der Schriftleiter deS Bundesorgans, im Reichstage den gewerblichen Mittelstand, Handwerker und kleine Kaufleute. Das ist sehr schön ausgedrückt, aber doch nicht fein genug, daß man die Absicht nicht merken könnte. Staatssekretär Graf PosadowSky hat durch seine jüngst vieldeutige Wendung von der Unmöglichkeit, das nicht mehr Lebensfähige zu beleben, Herrn Oertel eine willkommene Hand» habe zu seiner MittelstandLrede gegeben. Am Montag sah er sich infolgedessen genötigt, sein unbedachtes Wort etwas genauer zu formulieren. Jedenfalls wäre eS beffer ungesprochen geblieben.

0 Mit verteilten Rollen.

Wa» man auch sonst von den Regisseuren be« Bunde« der Landwirte sagen mag auf die Mache verstehe« sie sich au« dem ff., da« muß ihnen der Neid lassen. Die jährlichen Gala« Vorstellungen im Ztrku« Busch zu Berlin sind stet» mit unbestreitbarer Meisterschaft arrangiert. Der dietjährtgeu Generalversammlung fehlt aller» ding« ein großer Reiz: die Anwesenheit von Damen, deren tätige, beifallsfreudig« Mitwirkung bei früheren Veranstaltungen nicht zu unterschätze» war. Aber wenn der Minister de« Innern durch seine Sinnesänderung die Versammlungen be« Laubbunbe« ungalanter Weise um eine schmucke Beigabe ärmer gemacht hat, so hat anberersest« sei« Kollege von bet Landwirtschaft, der wackere Herr v. Podbieltki durch sein zornmütige« Tischtuch zerschneiden der Versammlung ein an­regende« Vorspiel gegeben, wie e« sich die Regisseure de« Bundes nicht beffer wünschen konnten.

In einem bekannten Witzblatte sieht man Herrn v. Podbielski mitten im Zirkus Busch an etne» Schandpfahl gebunden, während die Herren v. Wangenheim und Dr. Hahn unter dem johlende« Beifall ihrer Getreuen seine» wohlgenährten I Körper mit ihren Pfeilen beschieße». Aber diesen Pfeile« fehlt Spitze und Widerhaken; wtrkungS» los pralle« sie von jenem Körperteil ab, vor den sich Herr v. Podbielski nicht mit dem Lausekanal stoße» laste« wollte, und falle» zur Erde. Und hinter feinem breiten Rücke« ficht man de» Grafen Kanitz bereits die Sekcflaschen entkorken zum BersöhnungStrankopfer. Ja der Tot, man wird die kräftigen Worte, die auch in der diesjährigen Generalversammlung des Bundes wieder gefallen sind, nicht allzu tragisch nehmen. Ebensowenig wie die Bündler das ruinierie Tischtuch des Herrn v. Podbielski tragisch genommen haben. Der Bund der Landwirte braucht die Masten; ih»rn zu lirb? müsse* seine Matadoren täglich ein paar I Minister und Konservative von derpflaumet»J weichen" Art zum F-ühstück verspeisen. De« einen oder anderen Konservative» mag eS auch wirk-1 sich sei« Mandat kosten, vielleicht sogar der I Charakter der konservativen Partei einige neue Züge erhallen r- im übrigen aber wird daS Verhältnis kein- Störung erleiden, solange die Regenten im Bunde trotz der angenommenen demokratischen Allüren doch Fleisch vom Fleische der Konservativen bleiben. Die scharfe Tonart gegen die Regierung, das trotzige Aufbegehren gegen die Konservativen alle diele Fanfaren haben nur den eine» Zweck, dem Instinkt der breiten Maste zu schmeicheln und die kleinere« und msttleren Landwirte darüber hinwegzutäuschen, daß der Bund eine Schöpfung bedrängter Groß» grundbefitzer ist und daher auch i« erster Linie deren Jntereste vertritt. Sind die Wahlen vor­über dann wird beim Siezessekt Graf Kanitz so wenig fehlen wie Herr v. Wangenheim oder der kleine Hahn. Und was die Regierung an» geht nun das Auftreten der Minister im preußischen Abgeordnetenhaus zeigt nur zu deut­lich, daß fie sich in ihrer Zugehörigkeit zur ko», fervative» Partei einschließlich ihres bündler ische« Flügels vollkommen bewußt sind. Theatralisch

zwar wegen seine« weiten Mantel«, der an dem Pferde herab fast bi« zur Erde hing. Auch schien e» mir, al« verberg« er etwa« darunter. Wie ihn der Torschreiber erblickt, tauschen fie Gruß und Wort, und ehe ich noch hinzvkommen kann, ist der Reiter zum Tore hinaus und jagt wie be­sessen auf der Landstraße dahin. Ich erstattete damals wegen be« rechtswidrigen Vergehen« be« Torschreiber« Anzeige, er war inbessrn ver« schwunden, ehe er noch in Strafe genommen werben konnte."

Der Wachtmann schwieg und hielt ruhig be« Fürsten forschenben Blick au«.

Wenn Du mir nun »och sagst, wa« er unter dem Mantel trug, dann wkll ich Dich fürstlich be­lohnen", sagte er und seine Züge verrieten die Bebeutung dieser Aufforderung. Der Söldner hätte sich selbst prügeln mögen, baß hier seine Weisheit zu Ende ging; aber lügen wellte er nicht, und so sagte er sichtlich betrübt:

Der Torschreiber, der Hallunke, war seia Heiser, sonst wäre meiner Seel der Teufel-retter so ungeschoren nicht entkommen. So aber weiß Ich nicht« Bestimmte». Doch muß e« eine kostbare Last gewesen sein, die er unter dem Mantel barg, den« er hatte Acht, al« könne er fie zerbrechen und halt! Da fällt mir ein! Da« muß wa« Lebendige« gewesen sei«, ich sah, wie e« unter dem Mantel fich bewegte. Ja, so war'«, so ist'«, da« kann ich vor Gott beschwören." Der Fürst fuhr über Stirn und Augen, daun ging er, ohne et« Wort zu reden, m<t dem Stadtoberhaupt ftuau«. Kurz darauf kehrte der Bürgermeister in sie Amtsstube wieder zurück und sprach den Söldner an.

Wa« bist Du in Deinem gewöhnlichen Leben, Johannes?"

Gärtner, Ew. Gestrengen."

Dann hast du mehr Glück als Verstand. Der Fürst will dir die Stille als Bmggärtner gebe«. Willst du?" Ob er wollte! Gr tat eine« Freudensprung und somit hatte die Trauerbot­schaft, die so unverhofftes Licht in daS Dunkel brachte, wenigstens einen Menschen glücklich ge­macht.

In dem hohem Rittergemache nahe dem Feuer saß die Fürstin, als Jbichau eintrat.

Udo, du bringst nichts Gutes," sagt« fie, ihm entgegengehend. Er führte fie zu ihrem Lehnstuhl zurück und brückte fie sanft nieder. Er selbst blieb vor ihr stehen.

Jalitta, hast du unser« Knaben, als ich dir ihn auS dem Waffrr heimbrochte, genau angesehen ?" Sie schaute ihn verständnislos an.

Wie du redest, Udo!" sagte fie beinahe vor­wurfsvoll.Ich habe ihn in meinen Armen gehalten, feine aaffen Locken, seinen bleiche« Mund geküßt. Aber ach! wie entstellt er war!" Der Fürst horchte auf.

Du gibst also zu, daß er unkenntlich war? Seine Züge waren bereits in Verwesung über- gegangen, nicht wahr?" Sie schauderte.

So antworte doch," gebot er beinahe heftig. Sie schrack zusammen und brach in unterdrückte- Schluchzen auS. Er beugte fich zu ihr hinab und fragte:

WaS würdest du wohl sagen, Jalilta, wenn dein Sohn noch lebte?"

Sie sah ihn auftichtig besorgt an, fie ward irre an seinem gesunden Menschenverstände. Da

+ Ki« netterSterxvergprozeß" steht in Berlin bevor. Verhaftet wurde bi- jetzt ei» Landmeffer Franz Steldt, Oberleutnant der Landwehr, sowie mehrere Frauenzimmer, die letzteren unter dem Verdacht der Kuppelei; fie sollen dem Steldt und anderen Subjekten minder» jährige, noch schulpflichtige Mädchen zugeführt habe».

Weimer, 9. Febr. 1903. Zu Eingang der heutigen Plenarsitzung de- Landtags ver­las der Staatsminister Dr. Bothe folgende Antwort auf die Interpellation des Abg. Dr. Kiel»Geisa vom 6. Febr.:Bereits bei Bearbeitung be« Hauptvoranschlags für die Jahre 1902/4 ist die Ausbesserung der Besoldungen für die fest angestellten katholischen Geist­lich en geplant worden. Da aber die hierzu erforderlichen Mittel nicht beteit gestellt werden konnten, mußte von Einstellung der Bedarfs - summe in den Hauptvoranschlag leider abgesehen werden. ES besteht nunmehr die Absicht, dem Landtage mit dem nächsten Haupt» Voranschläge darüber Vorlage zu machen." Es darf als sicher wohl angenommen werden, daß die versprochene Vorlage die preu» ßische» Gehaltssätze zugrunde lege« wird, zumal diese die Höhe des Gehalts der evangelischen Geistliche» ja lange «och nicht erreichen.

3M«r, 9. Febr. 1903. Wie das,Posener Tageblatt' meldet, verhandelt die GtaatSregierung mit der Kirchenbehörde wegen Anstellung katholischer Wandergeistlicher aus Staats­kosten zur Paflorisirung der deutsche» Katho­liken in polnischen Gemeinden der Ostmark.

* Marienhafe, (Regbz. Aurich), 9. Febr. 1903. Bei der Landtagsersahwahl im hiesigen Wahlbezirk wurden insgesamt 224 Stimme» abgegeben. Baron entfielen auf Gutsbesitzer Millrath (freikons.) 121 und auf Gutsbesitzer von Hülst («all. 103 Stimme».

* Aeidel-er-, 9. Febr. 1903. Vor einige» Tage» fand fich hier auf Einladung des Fürsten v. Löwenstein. Rosenberg eineAvzahl hervorragender Männer aus Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe, Baden-Bade« usw. zusammen, zum Zwecke der Gründung einer badischen Gruppe in ver Anti- Duellliga.

Ersckeint täglich hl Ausnahme bet Som» und geier» tage. Bierteljshrl.

vtzneBrwgerlohn unb Bestellgeld in Etalba uab ans« Lürts1M.5VPs.

+ Nie Zirkus Anfch Versammlung de« Nnnde» der Aandwirte hat am Montag ihren programmmäßigen Verlauf genommen. Unter tosendem Beifall von 5000 Getreuen sagten die Herren v. Wangenheim und Genosse« oll« die Sprüchlein der, di« wir schon so oft aa« ihrem Munde gehört haben. Die Parteien, die den Zolltarif zustande gebracht, wurden gescholten, und dieser" Regierung ein Mißtrauentvotum erteilt, während fich die Buvdesleitung natürlich ihr Ver» trauensvotum beschließen ließ. Die Mitgliederzahl soll fich wie im Vorjahre auf 250000 belaufen. \ Von ihren Beiträgen ernähren fich 50 Wander­redner, 27 Oberbeamte und 112 Bureaudeamte

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Abg. Geriet (kons) führt auS, für feite F.eunde erschöpfe sich die sozialpolitische Frage nicht tu dem Lohnarbeiterfchutz. So wertvoll dieser auch sei, so sei ooch mindestens ebenso notwendig der Mittelstands- sch-tz, vsr allem der Schutz deS Handwerk». Gr und et« Teil seiner Freunde hielte« de« BefähignngSnach- weis für da» ganze Handwerk für geboten, aber er gebe zu, daß diese Frage strittig sei. Spruchreif dagegen sei derBefähigungr-Nachweis für daSBaugewerbe. Weshalb geschehe hierin noch immer «tchtS? Mehr Dampf, Herr Minister! Ferner leide der seßhafte kleine Handel da­runter, daß die Maschen des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerbzu weit sei««. Anklage« wegen unlauterer Reklame feie« zu schwteria durchzusetzen. Aber wenigstens müsse dem Ausverkaufs-Unwesen beffer gesteuert werden

Und der Name bet Mörders?" tief die Fürstin; aber der Alte blieb stumm. Er stand vor seinem Richter! Ernst, fast feierlich trat Aguefia herzu.

Möge Gott feiner Seele gnädig sein", unb bann führte fie bi« erschütterte Fürstin hinan«.

Die Schar der Ritter unb Mannen war zmückgekehrt; auf der Fürsten finsterem Antlitz war die Erfolglosigkeit be« Unternehmen« zu lesen. Schweigend ließ er fich von bem Gestänbni« be« Gärtner« berichten, unb al« die Fürstin ihn fragte, wa« er baraushin zu tun gebenke, sagte er:

Ein letzte« zwar «in überflüssige« - bei der Stadiwache Rachftage zn halten, wer an bem betreffenden Tage zur bestimmten Stunde die Tore paffierte."

Da« geschah den« auch, aber mit ganz anderm | Resultate al« der Fürst vorheraesehen. Der Bürger- meister selbst nahm fich der Sache an und erfuhr nach eingehendem Forschen bei der Wache, daß an genanntem Tage zur angegebenen Stunde Ritter Brun« von Hilthausen, in einen weiten Mantel gehüllt, da« Stadttor passiert habe. Ein einziger Söldner erinnerte fich noch genauer de« Vor­gänge«. Diesen nahm der Bürgermeister mit fich auf die Awtistube unb führte ihn dem Fürste« vor.

Sprich, wa« Du weißt", gebot ihm kurz derselbe.

Ich habe be« Vorgang noch genau im Ge- bächtni«, weil ich von Anfang an Misstrauen gefaßt, unb zwar auf den Torschreiber", begann bet Sold«.

Wie erklärst Du ba« näher?"

Hört! Ich lehne also unweit be« Tore« an ber Maner, al« ein Reiter au« der Stadt eiligst bahergesprengt kommt. Der fiel mir auf, und

I6««ee, xa« entlief) de« Nachschübe« unb de« Schein» Ausverkäufen. Und wie lauge solle man warten ans Korrektur der Bücherei-Berorsnung?! Zu wünschen sei, daß mau die kleine« selbständigen Mittelstands. Existenz» mehr aufmerksam mache auf die Zulässigkeit der Selbst- verficheru«, im Jnoaltd.-Berstch.-«esetze. DaS neulich« Wort deS EtaatSsekrekärS:Wir»«en nicht beleben, was nicht mehr zu belebe« ist' fei sehr zu bedauern. Wa» ist denn nicht mehr zu belebe«? Der alte Mittel­stand, dem Graf Pofadowslq neulich einen neuen Mittelstand gegenüber gestellt habe, fei konservativ und staatserhaltend, der neue dagegen sei et« Element bet Unruhe.

Oiaf ^osadowslly teilt zunächst mit, die Re­gierungen seien damit beschäftigt, die «orfchriiten über die Konfektionsindustrie auch anSzndehnen auf die Maßwerkftätten. Die Ausdehnung auf die Hausindustrie, die Heimarbeit, fei sehr schwierig, aber die Regierungen feien davon durchdrungen, daß auch daS erreicht werden müffe. WaS dmBesähiguugsnachweiSsür daS Baugewerbe anlange, so seien von den Regierungen Fragebogen anS» gesandt worden an die Innungen. Aber alS diese Fragebogr« ausgefüllt znrückkamen, habe fich gezeigt, daß dieselben nach einem Schema beantwortet waren, welche? der JnnmigS-Berband deS deutsche« Bauge­werbe» den Innungen zugeschickt hatte (HSrt! hört!). Da» «ar nicht der Zweck der Rundfrage. Wir wollten da» selbständige Urteil der Befragten hören (Stufe: sehr richtig!). Er fei allerdings der Meinung, daß der all» gemeine BefähianngSnachweiS für. daS Handwerk zu den Dingen gehöre, die nicht mehr belebt werden können. Er berufe fich da auch auf den konservative« Abg. JaeobSkoetter. Auch die frühere Stellung der Innungen auS der Zeit, wo fie eine politische Stellung nnd Einfluß auf bas Stadtregirnent hatten, lasse fich nicht mehr beleben. Heute in der Zeit entwickelte« Verkehrs der Eisenbahnen, laffe sich auch der Kleinhändler nicht gegen auswärtige Konkurrenz schützen. Zu helfen fei dem Handwerk nur dadurch, daß man die Bildung der Sandwerker hebe, ferner dadurch, daß sich der moderne andwerker gemeinsam mit seinesgleichen billige Kraft verschaffe wie er eS z. B. bei der Uhrenfabrikation in Oenf und ferner bei der Holzbearbeitung in Rothen­burg a. d. Tauber gesehen habe. Tatsächlich sei auch der Mittelstand nicht im Schwinden, sondern in der Umbildung. Die Zahl der Selbständigen verringere sich allerdings, was mir der Kapital-Anhäufung zusammen­hänge. Aber die EinkommenSverhättniffe haben fich nichr verschlechtert, vielmehr seien dieselben bei de« Ün» selbständigen zum Teil beffer als früher bei den Selb­ständige«. Was den unlautere« Wettbewerb betreffe, so laffe fich ein Waren-Nachschub nicht unbedingt ver­bieten, den« sonst würden oft die RrstbestSnde ganz un­verkäuflich werden. Im Urbrige« werde die Frage wetterer BerooHständigung deSSesetze» über de« unlauteren Wettbewerb fortgesetz-geprüft, und einstweilen sei angeordnet, daß daS bestehende Gesetz möglichst scharf auszuführe« sei. So lange er selbst an dieser Stelle stehe, werde er alle» tun zur Durchführung einer verständigen Sozialpolitik.

Abg. Aeqk v. Herrnsheim (natt.) empfiehlt die von ihm und r>em Abg. Trimborn beantragte Reso­lution. Redn polemisiert weiterhin noch gegen die sozialdemokraii e Auffassung, daß die ganze sozial­politische Grstz bung überhaupt nur mittelbar auf ba« D'ängen der ». «zialdemokratie von den bürgerlichen Parteien in d Wege geleitet worden sei. In Süd« deutschland sei vieles von dem, was die Sozialdemo- kratei, an Arbeiterschutz gefordert hätte«, schon längst durchgeführt gewesen. (Ruf Singer: lächerlich!). Er verbitte fich ei»es solchen Ruf. Weiter bekämpft Redner die Resolution Albrecht.

Abg. Krüger (sreis. Bp.) verbreitet fich über die Frage der ÄrbeitSlosen-Brrstcherung. So wünschens­wert diese an sich sei, so verbiete eS sich doch, diese Berfichrruna auf den Gewerkschaften auszubauen, wie dies Abg. Wurm verlangt habe, den« die Gewerkschaften seien eine Kampf-Organisalion. Redner lehnt dann den -allgemeinen Besähigungsuachwe S ab, wünscht eine anderweitige Regelung der Ruhezeit im Gaflwirts- »ewerke und spricht sich für die Resolution Gröber, aber gegen einen allgemeine» Moxirnalarbeitstag aus.

Abg. v. ztichthofen (kons.) versichert, seine Freunde würden unentwegt weiter auf dem Gebiete des Arbeiter, schütze» rnitarbeiten. «ber ein großer Teil deS Mittel»

Rein! Nein!" wehrte er mit beiben Händen, der Andere war'«, nicht ich. Aber ich ich bin schuld gewesen, ich hab' ihm sein Opfer in die Hand geliefert unb seit dieser Stunde sollt mir be« Kinde« Schatten und läßt mich alle Qualen ber Hölle durchlosten und ich finde keine Ruhe ach!" Ermattet sank er auf die Kissen zurück unb schloß bie Auqem Mit unheim- licher Ruhe beugte sich bie Fürstin btcht an sein Ohr.

Jodocu«, redet, wer war ber Andere» O, nur ein Wort ein einzige« Jodccar!" Er riß groß und weit die Augen auf und starrte sie an.

Ec kam, a(« ich auf ber Burgmauer saß und die Anlagen pflegte," berichtete er mit haiber- Mter Stimme,unb zeigte mir eine Handvoll Münzen. Dafür sollte tch ihm einen F.sch an« dem Burgweiher holen. Die Versuchung war zu groß, ich widerstand nicht, öffnete ihm auf sein Verlangen bie Pforte, unb währenb er hort wartend stanb, girg ich hin, einen ber vielen Fisch« au« tem Bassin herzunehmen. Ich mußte an bem «naben vorbei unb bemerkte, baß er fest -ingeschlafen war. Um keinen Aufpaffer an ihm zu haben, ließ ich ihn rubig weiter schlafen unb gebuchte ihn später in bk Burg hinein zu tragen. Al« ich aber zurückkehrte, ba war ber Knabe fort unb mit ihm ber Fremde."

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