uxb Treue ver Untertanen seines gewaltigen ! freundnachbarliche« Zusammengehen mit den Ätm' geistlichen Reiches, um so größer waren seine! seroaitoerr al« der Vertretung desjenigen Teile«
Erfolge als Väter der katholischen Kirche. Seine
Ich empfehle dir
Er konnte
Dezbr. 1864 übte PiuS IX. in noch derer Weise sein Lehramt aus, indem rühmte tEncyklika „Qaanta cura* SyilabuS (Zusammenstellung von 80 religiösen Irrtümern) veröffentlichte. ba8 ein Schlag inS Gesicht für de«
umfaffen- er die 6c» mit dem moderne« Äs war modernen
Zum 25. Todestage Papst Pius IX.
Sin Vierteljahrhundert ist heute verfloffen seit de« Heimgänge deS unvergeßlichen Hl. Vater- Piu« IX, eis ei der größten Päpste und der größte« Männer unseres Jahrhundert«.
LIS im Jahre 1848 auch in Rom die Revolution au-brach und sei» Minister.Roffi ermordet wurde, floh PiuS nach Gaeta und konnte erst 1850 wieder nach Rom zurückkehren. Im Jahre 1860 riß Viktor Emanuel, König von Sardinien, einen Theil deS Kirchenstaates an sich. Ein neuer Versuch, den ganze» Kirchenstaat wegzunehmen, den Garibaldi 1867 «achte, wurde durch de» Sieg der päpstliche» Truppen am 8. November zwar verhindert, doch im Jahre 1870 wurde nicht nur der ganze Kirchenstaat, sonder» Nom selbst dem Papste entriffe» und dem neuen Köniz» reich Italien «inverlridr, veffe« Hauptstadt Rom seit 1871 ist.
Zwar hatte PiuS IX. im Jahre 1870 biS auf de» Vatikan alles an weltlichem Besitz verloren, aber um so mehr entfaltete sich die Liebe
S Zentrum und Konservative.
Die Bundesgenossenschaft, welche bs« Zentrum und die Konservativen, soweit sie nicht dem Äom- mando de« Bunde« der Landwirte folgten, bei dem Kamps« um den Zolltarif mit einander verband, hat vielfach den Gedanken einer dauernde« freund- schaftltche« Verständigung zwischen de» beide« große« Parteien wieder» zur Erörterung gestellt. Luch wenn den genannten Parteien selbst solche Erwägungen ferngeblieben wären, so würde doch schon die radikale Presse durch ihr SBflien gegen die „konservativ klerikale Reaktion* dafür gesorgt habe», daß der Politiker sich mit dem Inhalte diese« Schlagworte« zu beschäftige« hatte. Einige Vorgänge der letzten Zeit geben aber besonderen Anlaß, dieser Frage näherzutreten. Der „Korrespondenz für die Zsntru««presse* wird in diese« Zusammenhänge au« parlamentarische« Kreise« geschrieben: Prinzipiell betrachtet, konnte dem Zentrum natürlich nicht» lieber sei«, al« ein
Papstregierung ist nicht nur die längste — er war 32 Jahre Papst — sonder« auch eine der w chtigste« der ganzen Neuzeit. Viele Selig- und Heiligsprechungen sanden unter ihm statt, und viermal versammelte sich um de« Statthalter Lhristi eia großer Teil der Bischöfe der katho» l'ichen Welt: so am 8. Dezember 1854, als PiuS IX. feierlich den Glaubenssatz vo« der unbefleckten Empfängniß Maria vor mehr als 200 Bischöfen verkündete; so Pfi-wsten 1862, als die 26 japanische« Märtyrer im Beisein vo« 300 Bischöfen heilig gesprochen wurde«; so am Peter- und Paulsseste 1867, dem 1800jährigen Jubiläum des Martertodes oer Apostelfürstr« Petrus und Paulas, wo über 500 Bischöfe erschieue«, um dem Nachfolger beS hl. PetruS ihre Huldigung barzubringen. Sm 8.
Unpolitische Zettläufe.
H Berlin, 5. Februar 1508
Sie werde« wirklich nicht alle! SS gibt mmer «och eine Masse Menschen, die gerupft ein wollen. Da werde» große Prozesse abge- »alte« gegen betrügerische Baukdirettore» und onstige Börsengauner, ober daS Publikum „spekuliert" doch weiter und läßt sich immer wieder faule Papiere anschmiere». Und wen« alle Zeitungen die haarsträubendste» Enthüllung«»
vor Schwäche nicht mehr vollende». Gott aber wußte die Gedanke» des Sterbende«, der ihm offenbar seine hl. Kirche empfehlen wollte, und er hat sein Gebet erhört. Mit PiuS glaubte» die Gegner den letzten Papst zu Grabe getragen, aber sie irrte» sich. Dreizehn Tage später bestieg ein anderer den Stuhl Petri, unser glorreich regierender hl. Vater Leo XIII. Die einzelnen Päpste sterbe», aber daS Papsttum stirbt nicht.
Liberalismus. Die großartigste Tat im Pontifikate Pius IX. war die Einberufung des 20. Allgemeinen (vatikanischen) Konzils auf de» 8. Dezember 1869.
Seit mehr als drei Jabrhu»derte, nämlich seit Beendigung des Konztels von Trient, war kein ökumenisches Konzil abgchatten worden. Nie hatte dir Kirche so lange ohne «in solches gelebt. Die katholische» Bischöfe, über 700 an der Zahl, erschienen auS allen Teile» des Erdb^lcZ. Auf diesem Konzil wurde die Unsehlbarteit des Papstes erklärt, welche ihm dann zur Seite steyt. wenn er als oberster Hirt und Lehrer der Kirche in Sachen deS Glaubens eine Entscheidung gibt, die für die ganze Kirche bestimmt ist. Mit Staunen sah die ungläubige Welt den Katholizismus, dessen Verfall sie erwartete, trotz aller Angriffe gegen das Konzil in einer Weise geeint, wie nicht einmal die kleinste Sekte innerhalb einer einzelnen Nation es war.
Dann brach der Kulturkampf aus. Bekannt und auf dem ganze» Erdkreise berühmt ist sein Ausspruch „non poaaamas* (wir könne» nicht), de« er dem Liberalismus entgegensetzte, ei« Wort, daS auch heute noch kurz und klar das Verhältnis der katholischen und ungläubigen Welt darstellt.
Bitteres Weh durchzuckte die Herzen vo« Millionen Katholiken, als am Abend des 7. Februar 1876 der Telegraph die Kunde über die Länder deS Erdkreises verbreitete, der edle PiuS fei nicht mehr unter den Lebenden. Der Haß der Kirchenfeinde hatte die letzten Lebensjahre des große» Papstes mit Schnurzen getränkt. Gott ließ das Unrecht zu, um seine» treuen Diener in der Geduld zu bewähre«, bis er ihn abrief in daS Land der Vergeltung. „O Gott, den ich stets geliebt und gesucht habe, nimm mich auf!" So tief er im Lause seines letzten Tages wiederholt aus, und kurz vor Begin« des TodeSkampses segnete er die Kardinäle und sprach zu ihnen: „Ich tat alles, was mir möglich war, für die Kirche usb diese» Heil. Stuhl. Mein Gott, der du die Herze» siehst, du weißt, daß ich die Wahrheit sage.
der protestantischen Mehrheit de« deutsct en Reiche«, der ähnlich wie da« Zentrum bi« Achtung vor der Autorität hochhält und demgemäß Ire« zu Thron und Altar hält. Diese Erwägung iß um so wichtiger, je mehr unsere Zeit eher auflösesd als vereinigend zu wirken scheint und daher eine desto stärkere Betonung der einigenden Momente bei den posttiveu Parteien notwendig macht.
ist un« daher vollkommener Ernst mit dem Wunsche, ein gedeihliche« Zusammenwirken zwischen Zentrum und Konseroatioen, zwischen Katholik?» und positive« Evangelische« zu fördern und zu pflegen.
Aber wenn man sich nicht in Luftschlösser verlieren will, ist e« notwendig, nicht nur da« prinzipiell Wünschenswerte, sondern auch die gegebenen tatsächlichen Verhältnisse in« Auge zu fassen u.-d zu erwäge», inwieweit diese da« erwünschte Ziel zu fördern oder zu hindern geeignet find. Uno «da muß doch rund heran« gesagt werden: Die Tatsachen sind so wenig erfreulich, daß sie unseren aufrichtigen Wunsch nach eine« freundschaftlichen Zusammengehen mit -be» Konservativen zurzeit kaum besser denn al« einen — „frommen" Wunsch erscheinen lassen.
Da ist zunächst auf wir« schaftlichem Gebiete nicht zu verkennen, daß die Konservative«, kaum nachdem sie i« ihrer Mehrheit bei de» Kämpfe» um de« Zolltarif ei«e« Anlauf genommen batten, um sich auS den Fessel« deS Bunde- der Landwirte zu befreien, gleich darauf wieder mit dem Bunde einen faule« Friede« geschloffen haben, der nur zwei Deutunge« zuläßt: entweder habe» sie mutlos sich in die Rolle des irdene« Topfes gegenüber dem eiserne« gefunden, oder aber sie find in der Täuschung be äuge«, ohne Schaden an ihrer Selbständigkeit auch weiterhin den Bund als Mauerbrecher für ihre eigene Politik gebrauchen zu können. Auf alle Fälle wird dabei aber nur der eiserne Topf, der Mauerbrecher den Vorteil, de» endgilttge» Triumph sür sich, nicht für die konservative Sache einheimsen
I« politischer Beziehung ist die Geguev- schast der meiste» Ronfeioatioen gegen die Bolls« rechte, gegen dar allgemeine, gleiche, gehet«« Wahlrecht und alle« das, waS zu seiner tatsächlichen Durchführung dient, ein schweres Hindernis für eine Verständigung zwischen de» Konservativen und dem Zentrum. Der Widerstand gegen ReichStagSdiäten, gegen die Sicherheit der Wahlfreiheit, ihre Zustimmung zu de« Grundsätze«, die der Minister v. Rheinbaben dieser Tage im preußischen Abgeordneten Hause vertrete» zat, und die auf völlige Aushebung der Wahl- reiheit aller Beamten hinaus lausen, erwecke« im Zentrum und in der ganzen katholischen Wähler» schäft die allerpeinlichsten Empfindungen. Auch die Art und W-ise, wie konservatioerseiiS die Trakehner Schulzustände drurteilt wurde», iß nicht geeignet, im Zentrum Sympathi«.» für die Konservativen zu erwecken. Achtung auch der lautlichen Autorität ist dem Zentrum nicht gleich- >ebeutenb mit Knechtseligk U, bureaukratischer Leberhebung und Engherzigkeit.
Auch in religiöser Beziehung gefalle« u»S die Konservativen nicht immer. Die unklare und widerspruchsvolle Halturg, die sie gegenüber der chamlofen Uebertretuag göttlicher und mensch- icher Gesetze, wie sie in dem Duellunfug liegt, an den Tag legen, widerstreitet dem katholische» impff «be« ebensosehr, wie die Verbissenheit, mit der auch zahlreiche konjervative Kreis, und Blätter u«S bekämpfen, ober doch mindestens auch gegen unsere gerechteste» Beschwerden sich taub stellen.
Diese Aufzählung vo» schwerwiegenden Diffe- renzpunkte» könnte leicht noch vermehrt werde». Doch wir habe» keine Freude daran und nee- ichte» gern darauf, nachdem schon das Gesagte eiter vollauf genügt, ein vertrauensvolles Zn- ammenwirken kaum «och als möglich erscheine« u lassen. Wenigstens ist dir Zeit offenbar noch nicht gekommen, wo man mit besserem Vertraue» rnes ideale Ziel ins Auge fassen kann. Kür )ie Wähler der Zentrumspartei ergibt sich ? ßtau >ie Lehre, daß sie sich nach wie vor nur auf hre eigene Kraft oettaffes dürfen. Der Weg geht nicht rechts »och links, sondern immer gerade aus, zwischen Gegner« rechts und inkS und zwischen Extreme«, die sich darin berühre^, daß fie un« Katholiken nicht Wohlwollen.
die Jesuiten einzeln in Deutschland leben und auch eine Ordenstätigkeit hier entfalten dürfen, aber „Nie. derlaffungen" dürfen fie nicht gründen. Diese« halbe Entgegenkommen, welches zudem noch durch die in den E nzelstaaten bestehenden besonderen Beschränkungen und Verbote beeinträchtigt wird, wird sicherlich zu mancherlei Sonderbarkeiten und „Unstimmigkeiten" führen. Das weiß auch der Reichskanzler ganz gut im Voran-. Trotzdem begnügt er sich mit einer halben Maßregel und vermeidet es, das ungerechte Ausnahmegesetz auf einmal zu beseitigen, wahrscheinlich weil er glaubt, den Katholiken nicht zu viel Wohltun auf einmal zeigen zu dürfen. Gerechtigkeit auf Abzahlung — so ungefähr könnte man sein gegenpolitifches System kennzeichnen. Dem Zorne de« evangelischen Bundes wird er aber auch so nicht entrinnen, und er hätte daher ebensogut gleich die Aufhebung des ganzen Gesetzes in Aussicht stellen können, wie seine stückweise Abtragung. Immerhin ist das Zugeständ- niß, welches der Reichskanzler der Gerechtigkeit, nicht den Katholiken gemacht hat, anerkennenswert und für die Katholiken auch nicht ganz ohne praktische Bedeutung. Mitglieder der Gesellschaft Jesu werden jetzt auch zum Beispiel Volksmissione» halten, Professuren annehme« dürfen usw., vorau-gesetzt natürlich, daß die Gesetzgebung des betreffenden Einzel- staates nicht im Wege steht. In Sachsen z. B. werden Jesuiten auch fernerhin nicht wirken dürfen. Jedenfalls aber darf das katholische Volk seinen Vertretern im Reichstage dankbar dafür sein, daß sie durch iyre Ausdauer in der Erneuerung unserer gerechten Forderungen und durch ihre kluge Politik bewirkt haben, daß wenigstens ein Anfang mit der Tilgung eines alten Unrechts jetzt gemacht werden soll-
Beharrlichkeit kommt zum Ziele. Das sieht man jetzt im Reichstage. Auch in Einzelstaaten werden die deutschen Katholiken, wenn sie wie bisher einig und beharrlich ihren Willen zur Geltung bringen, schließlich nicht ohne Erfolg bleiben. Wie z. B. in Baden, wo aller wütende Geschrei der Kulturkämpfer nicht über die Tatsache hinweg täuschen kann, daß man die Katholiken braucht, um zu verhindern, daß die Sozialdemokratie gänzlich mit der politischen Vertretung auch den Liberalen und Konservativen aufräumen wird. Die Katholiken find, wie der Zen- trumSführer Wacker kürzlich betonte, bereit dazu mitzuwirken, daß die Ordnungsparteien sich gegen die Sozialdemokratie zusammenschließen, aber fie werden sich nicht wegwerken und nicht ausdrängen, dort wo man durch sein Verhalten zeigt, daß man von den Katholiken ebenso wenig oder noch weniger wissen will, wie von den Sozialdemokraten. Aehnlich steht es überall, besonders freilich in Süddeutschland. Uebrrall ist er freudig begrüßt worden, daß daS Zentrum in Bayern auf seinem jüngsten Parteitag sich für eine energische Politik und erneut gegen da« System Crailsheim, diesen Krebsschaden Bayern-, erklärt hat. Dai Zentrum wird zweifellos auch hier im Landtage beharrlich und unerschrocken diese entschiedene Huf« faffung zur Geltung bringen.
Die Zolltariffrage, die für Deutschland zunächst erledigt ist, ist jetzt in Oesterreich und in Rußland aktuell geworden. Die Zolltarife dieser beiden Länder sind nun auch der Oeffentlichkeit übergeben. Ihre Sätze find zweifellos sehr hoch, aber das war voranSzusehen; sie wären auch ohne den deutschen Zolltarif so hoch ausgefallen. Zweifellos find diese hohen Sätze aber aus da« Abhandeln eingerichtet, und werden in den Handelsverträgen bedeutend ermäßigt werden.
In Frankreich „regiert* Herr Combes einstweilen noch, obwohl seine Freunde ihm nicht mehr trauen. Die Lage ist völlig unklar. Klarer ist es, daß Frankreich auch in seiner Auslandspolitik Mißtrauen verdient. ES steckt sich hinter Castro und die Bereinigten Staaten, um die Beilegung de«' Konfliktes zwischen Venezuela und den Blsckademächten zu hintertreiben. Ob mit Erfolg — steht noch dahin.
Erfreulicher für den allgemeinen Frieden ist die Niederlage, b e der Sultan von Marokko seinem Nebenbuhler Bu Hamara beigebracht hat. Doch ist ' auch hier Vorsicht angebracht. Schon einmal war Bu Hamara zum Rückzüge gezwungen, und er kam doch wieder mit neuen Kräften. Allerdings versichern die amtlichen Meldungen, daß Bu Hamara gefangen sei. Ob die« wahr ist, wird man mit absoluter Gewißheit wohl erst nach einiger Zeit be- urteilen können.
Wochen-Kmidscharr.
Nachdruck verboten.
X Fulda, 7. Febr. 1903.
Auch nach glücklicher Ueberwindung der Präsidial- krifi«, welche den erwünschen Ausgang hatte, die Wiederwahl des Grafen Ballestrem mit einer imposanten Mehrheit, gab es noch intereffante Momente genug in den Reichstagsverhandlungen der letzten acht Tage. Zunächst veranlaßte die Polen frage hier wie im preußischen Abgeordnetenhause lebhafte Debatten. Im Reichstage stellte sich die Regierung auf den Standpunkt, die Polensrage gehöre nur vor daS Forum des preußischen Landtags, sie erhob also den parlamentarischen Kompetenzkonflikt. Aber, daß hierin der eigentliche Grund ihrer Sprödigkeit gelegen, wurde ihr wenig geglaubt; in Wirklichkeit wich die Regierung einer Erörterung im Reichstage au«, weil sie dort eine große Mehrheit gegen ihre Poler.politik hat, während fie im preußischen Landtage durch den Chor der Landräte und Kommerzienräte immer auf eine kräftige Beifallresonanz rechnen kann. Diesem Chorus genügt es völlig, wenn die Herren Minister energisch versichern: Die Regierung wird unbeirrt an ihrer nationalen Ostmarkenpolitik festhalten. Und damit basta I Mit derselben Schneidigkeit wurden auch die Vorfälle der letzten Monate, die auf gewisse Zustände im Osten — auch abgesehen von der Be« haudluog der Polen — ein recht wenig erfreuliche« Licht werfen, abgetan.
War es beim Gestütsetat im preußischen Abge- mduetenhauseder Trakehner Schulprozeß, der beu Minister und noch schärfer die Wortführer der Rechten zu einer mehr „forschen*, als überz-ugendenBerteidigung des Landstallmeisters vvn Dettingen veranlaßte, so war es in demselben Hause beim Etat der indirekten Steuern der am Freitag schon im Reichstag, bei der auch vom Zentrum unterstützten Interpellation der Polen mehrfach gestreifte Fall Löhning, der das anmutige Bild von dem in gewiss n Kreisen de« preußischen Osten« yerrschenden Kastengeistes, Bur^au- kratismus und amtlicher Unfreiheit vervollständigte. Der vorgesetzte Minister de« ehemaligen Provinzial- stenerdirektors Lvhning richtete gegen diesen verschiedene persönliche Angriffe, auf die Herr Löhning eine deutliche Antwort gegeben hat. In sachlicher Beziehung war der Rechtfertigungsversuch deSMinisterS überaus schwach. Er wiederholte zwar, daß die Pensionierung LöhningS nicht durch dessen Verlobung, sondern durch seine Gegnerschaft gegen die ministerielle Polenpolitik veranlaßt sei, gab aber keine Erklärung dafür, warum er dann da« Abschiedsgesuch LöhningS gerade nach bft Mitteilung von seiner Verlobung mit der „Feldwebel«tochter* erzwungen hat. Außerdem konnte Löhning als nichtpolitischer Be> amter gar nicht gezwungen werden, die Regierungspolitik zu vertreten. Wenn er das Ansinnen, auf • seine polnischen Unterbeamten einen Druck in dem Sinne auszuüben, daß fie gegen ihre Ueberzeugung wählen sollten, al« v e r f a s s u n g « w i d r i g ablehnte, so war er im vollem Recht, und e« ist bedauerlich, daß dieser verfassungswidrige Grundsatz der gegenwärtigen Regierung im preußischen Abgeordnetenhanse keine schärfere Zurückweisung feiten« aller Recht und Freiheit der Staatsbürger wahrenden Parteien gesunden hat.
Auch der Reichstag ist, nachdem er am SamStag das Gesetz über den gewerblichen Kinderschutz ohne erhebliche Aenderung in zweiter Lesung angenommen hatte, im Dienstag in die zweite Etatsberatung eingetreten. Dabei gab e« sofort zwei wichtige Erklärungen de« Reichskanzlers. Die eine besagte, daß der Reichskanzler persönlich ei» Anhänger der Einführung von Reichstags» diäten ist, aber sie „heute noch nicht* in Aussicht stellen kann wegen de» Widerstrebens der einen oder anderen Bundesfürsten. Ein Vorwand, aber kein Grund! Steht es fest und wird zugegeben, daß Diäten notwendig sind, um die Beschluß'ähigkeit de« Reichstag« zu sichern «nd ihm frische« Blut nament- Ldi auch dem Wunsche de» Kaisers gemäß au« Arbeiterkreisen, znznführen, so kann und darf die Abneigung be« einen oder anderen Fürsten nicht die Ursache sein, um eine solche von der Mehrheit der gesetzgebenden Körperschaften anerkannte Notwendigkeit zu vereiteln oder auf die lange Bank zu schieben. In Wahrheit steht die Partie so, daß die Diäten kommen werden, und zwar in der nächst-n Legislaturperiode, daß aber der Reichskanzler glaubt, dafür '«och da« eine oder andere einhaudeln zu können. Wir hoffen, daß der künftige Reichstag auf solche Anerbietungen nicht eingehen wird, zumal wenn e« sich um wichtige Dinge handelt, die seiner lleber- zeugung widersprechen. I» dieser Beziehung ist e« beachtenswert, daß der Abg. Spahn namens de« Zentrum« schon jetzt erklärt hat, daß e« sich auf Tauschgeschäfte, die eine Beschränkung de« geltenden Wahlrecht« bezwecken, nicht eintaffen wird.
Die zweite Mitteilung, welche der Reichskanzler de» Volksvertretung machte, bestand darin, daß zwar nicht der wiederholte Reichstagsbeschluß, welcher die Aufhebung deS Jesuitengesetze« »erlangt, wohl aber der ebenfalls vom Reichstag angenommene Antrag von freisinniger «nd konservativer Seite, nur de» § 2 jener Gesetze« anszuheben, nunmehr endlich auch vom Bnade-rate zustimmend be« schieden werden soll. Dann werden also in Ankunft
ultmcv
MuLöcl, Samstag, den 7. Februar 1903
JK 30.
30. Jahrgang.
tttante-rtli*: Sir M< SrtaUion Jet. 31xuu für Jeferete 3. Parjrtlcr in Snlda.
Ont in» Verlag irr Stibert Pdmwfc Ur. t (TsiraonkL
Erscheint täglich, «n. Ausnahme bet Sonn-und Feier« loae.Bierteljatwl.
gt}ug«|irtie ohneBrinfterlodo und Bestellgeld te Fulda uuö aus»
nferJl«: ~'i->
«Rabatt gewährt«
mit den Beilagen
„Illusfrirle Sonntags-Zeitung", „iuldaer GescbichtsBläftef" und rofkne;Ij$fe