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«tt Itnterhattungs-MeilLge „Mufirirte Sonntags-Zeitungs
30. Jahrgang.
Jut-a, Freitag, den 6. Februar 1903.
M 29.
Von den Schlag auf Schlag «folgenden Enttäuschungen niedergeschmettert, zog der Fürst sich in fein Gemach zurück. Er hatte di« Fürstin seit dem entsetzlichen Geständnis nicht wiedergesehen, seine Gedanken, sein Herz «eilten bei dem entschwundenen Liebling. Run sah er ste in dem Halbdunkeln Gemache unbeweglich bei dem offenen Feuer fitzen und in die Glut starren. Er erschrak über ihr gramvolle« Aussehen und vergaß aller. Die alle Liebe zu ihr erwachte wieder und von tiefem Mitleid erfüllt schloß er ste in seine Arme und bettete ihr müde« Köpfchen an seiner Brust. „Mein liebe« Weib", flüsterte er.
Sie fand keine Worte, sie «einte schweigend den Harm ihre« Herzen« an seiner Brust au«. Dann richtete ste fich hastig empor, krampfte ihre Hände im Schoße und schaute mit Verzweiflung«- vollem Blick zu dem Gatten auf.
„Er hat Wort gehalten!" Und dem entsetzt aufhorchenden Fürsten erzählte ste, wa« ste die langen Jahre hindurch in ihrer Brust verschlossen, die noch so lebendig vor ihrem Geiste stehende Szene im Burggarten.
Er sprang auf und rannte wie ein Wahnsinniger umher.
„Brun« von Hilthausen? Und da« konntest Du mir verschweigen? Julitta! Julitia! Schlimmer« Händen konntest Du unfern Knaben nicht überliefern!" Da« Zimmer ward ihm zu eage, er eilte planlo« durch die langen Säle, und dann sah ste ihn im Burghof mit großen Schritten umhergehen, den Kopf in tiefem Nachfinnen gesenkt. —
So vergingen die Tage, die Wochen. Inzwischen wurde alle« zu eine« Feldzüge gegen den
Raubritter Hilthausen, deffen Burg dem Verfall nahe und in beträchtlicher Entfernung von Dürerr lag, Tag und Nacht gerüstet. Die Dien« eilte« mit Fackeln auf dem Burghof umher, an allen Ecken waren Pechpfannen entzündet, sodaß die König«burg tagerhell «leuchtet war, nur oben iat Erker brannte ein trübe« Llchtlein, da weinte einsam und vergkffen ein Mutterherz in doppelter Verlassenheit.
Al« der erste Strahl de« Frührote« im Ost« fich zeigte, stand da« Heer d« Söldlinge marsch» b«eit. Schon wollte der Burgherr sein Roß besteigen, al« ein starke- Gemurmel unter de« Kriegsleuten seine Aufmerksamkeit erregte.
„Wa« gibt'«?" fragte er, und da trat d« Heerordner hervor und begann:
„E« ist ein Fischer am Wall, der einen seltsamen Fund getan haben will. E« ist ein dunkleu Gerücht zwar, aber ich denke, ehe wir von hinu« ziehen, könnte näherer Bescheid un« von nölen sein "
„Schafft den Fischer zur Stelle", gebot bet Fürst.
Richt lange dauerte e«, so öffnete fich wieder da« Tor, und die Mannen schleppten einen zittern« den, um sein Leben fl henden ärmlich gekleidet« Mann herbei.
Dieser fiel vor dem Fürsten nieder und flehte ihn an, seiner zu schonen, da er nicht« wiße.
„Wenn Du ohne Umschweife gestehst und Deine etwaige Schuld bekennst, ist Dir «eine Gnade zugefichert", sagte der Fürst.
„Schuld?" schrie der Geängstigte auf, „achk wa« kann e« dem Fürsten schaden, wenn em Armer, wie ich, ihm zuweileu ein seltene« Fischlein wegkapert, um e« zum Kaufe aus.vbieten?"
Ans dem Reichstage.
wo 251. Attzmrg uom 5. Februar 1908, 1 Uhr.
Die Beratung des EpezialetatS Reichskanzler und Reichskanzlei und des dazu gestellten Antrages Barth, Müller-Saga« aus Repisto« der WahlkreiS-Sinteili«T wird fortgesetzt. „ „
Ab,. LedeSonr (Ezd.) geht auf verschiedene Puukte der bisherigen Debatte »in und erklärt dabei, daß ferne Partei die Vornahme der Wahlen an einem Sonntag beantragen werde. Der Resolution Barth, Müller-Gaga« würde» seine Freunde selbstverständlich znstimme». Red»« verbreitet sich weiterhin über die Politik deS Reichskanzlers, die nach außen hin viel zu abenteuerlich »«• schneidig sei, wie ». B. jetzt i» Venezuela, nach tun« aber zu chauvinistisch, wie bei der Polenpolitik. Damit verschärfe man vur den Naticnalttätenhaß und lotste außerdem im Jnlande der Korruption Vorschub.
Reichskanzler «ras «Stow bestreitet, daß er etw abenteuerliche Politik liebe. Ja Venezuela wolle» n* gemeinsam mit England und Italien «ichtS anderes, als Sicherheit, Leben und Eigentum unserer dortig« Landsleute schütze». Ich glavbe, ich halte gerade die richtige Mitte zwischen der Politik der Herren ItetS und den Anschauungen»»? Herrn Haffe lvom alldeutsche« verband), den ich eben mir gegenüber sehe. (Heiterkeit.) Wen» die Jntereffe» Deutschlands Weltintereffen geworden find, wie »aS nun einmal der Fall ist, da»«
Der .Vorwärts' schließt mit der Ankündigung: „Die Sozialdemokratie wird dafür sorgen, daß den Winzigkeiten des nationalliberalen Zentrums- Antrages durch die Forderung ernsthaften ArbeiterschutzeS geantwortet wird. Winzig- ketten? Der ,Vorwärts' scheint die jetzigen Berhältniffe schlecht zu kennen, wenn er die Forderungen deS Antrags Heyl-Trimborn als „Winzigkeiten" bezeichnet. Dor allen Dingen wird, wenn den Forderungen des AnttagS entsprochen wird, von großer Bedeutung sein die Heraufsetzung deS Schutzalters in § 135,3 von jetzt 16 auf 18 Jahre. Dazu kommt dann, daß Arbeiterinnen über 18 (bisher 16) Jahre nur noch höchstens 10 (bisher 11), an Vorabenden von Sonn- und Festtagen nicht mehr als 9 (bisher 10) Stunden sollen beschäftigt werden dürfen. Auch der neue § 137» stellt sicherlich einen wesentlichen Fort- schritt dar, wenn er Gesetz wird. (Die zwei letzten Punkte deS Antrags find nur formaler Natur.) Wenn die Sozialdemokraten nun den Antrag übertrumpfen wollen, so ist das ein Kunststück, das ihnen jeder Droschkenkutscher nachmachen kann: warum sollte man nicht ebensogut, wie ste z. B. statt 10 Stunden neun, statt neun acht, sieben oder sechs beantragen können? Vielleicht haben ste auch vor, gu beantragen: „Junge Leute zwischen vierzehn und siebenzig Jahren u. s. w." Das lohnte sich doch wenigstens! Aber was haben solche Ueberbietungen für einen praktischen Wert?
Berlin, 5. Februar 1903.
+ Die Nordseefahrt, welche der Auifer anfangs der zweiten Hälfte dieses Monats anzutreten beabsichtigt, hat als erstes Ziel Helgoland und wird besonders der Besichtigung der Abbröckelungen gewidmet sein, welche an der Nordspitze der Insel durch die letzten Stürme heroorgernfen find. Diese Beschädigungen stad zwar nicht bedeutend, immerhin sollen circa 100 Quadratmeter Land inS Meer gestürzt sein. Auch der sogenannte „Kommanveurstand" der Batterie soll in Mitleidenschaft gezogen sein.
er. -f- Der g8*«be»ret hat den AuSschußan. trägen betreffend, die Ergänzung und Abänderung der Bestimmungen zur Ausführung der Schaumweinsteuer seine Zustimmung erteilt.
+ Iatznenffüchtige Offiziere. Wegen Fahnenflucht werden der Major Frhr. FuchS v. Nordhoff, ein bekannter Herrenreiter, uns der Leutnant Georg v. Thiele, ersterer im kombinierten Jägerregiment zu Pferde, letzterer im 9. Rhein. Jnfanterie-Regiment Nr. 160, verfolgt. Diese Fälle bedürfen der Aufklärung.
+ Der Landwirtschaft»»«»! hat am Mitt- woch den Vorschlägen deS ReichSgesundheitsamtS zur Abänderung deS Seuchengesetzes zu- gestirnmt. Zum Viehseuchengesetz fanden die Vorschläge deS Referenten Annahme. Gewünscht wild die Festsetzung der Entschädigung für Fälle von Tuberkulose auf den vollen reellen Wert
statt auf vier Fünftel des Werts, sowie die allgemeine Herstellung von Biehladestellen mit un* durchlässigem Boden. Ferner wird auf die Gefahren aufmerksam gemacht, die durch den häufig eintretenden Umzug von Stallschweizern hinficht- lich der Verschleppung von Viehseuchen entstehen können. Einstimmig wurde ein Antrag Winkelmann zu den Erhebungen Über die R entabilität landwirtschaftlicher Betriebe angenommen, worin der Beweis erblickt wird, daß für den Fortbestand der Landwirtschaft ein Schutz der Produkte durch angemeffeue Zölle unbedingt notwendig sei.
* Aerfstgtzare Ztüöestände aus der Be- willigung für ibie Chinaexpedition. Bet der ersten Beratung des Etats sprach Abgeordneter Richter seine Verwunderung darüber auS, daß nn- 15 Millionen Mark von den Ersparnissen aus diesen Bewilligungen als Einnahme in den Etat eingestellt find. Aus einer dem Reichstage jetzt mitgeteilten Nachweisung ergibt fich, daß außerdem noch 19978314 Mark schon jetzt verfügbar find. Dieser Betrag kann also ohne weiteres auch als Einnahme in den Etat eingestellt werden zur Verminderung des Anleihebedarfs.
* Iur zgnrenetnwandernng itt Süd wefiaflifia. Gegenüber den AuSlaffungen einiger Blätter zu der Beurlaubung deS stellvertretenden Gouverneurs von Deutsch-Südwest- asrikaS, Majors v. Estorff, kann die ,Nordd. Allg. Ztg.' mitteilen, daß eine Aenderung der bisherigen wohlwollenden Stellung der Kolonialverwaltung zu der Buren-Einwandrrung nach Südwestasrika in keiner Weise eingetreten ist. Die Abmachungen, die Major v. Estorff mit leitenden Buren wegen Einwandermg in daS Schutzgebiet getroffen hatte geben oirt weniger in den Punkten, die eine Regelung kirchlicher Beziehungen bezwecken, als um Deswillen Anlaß zu Bedenken, weil fie den Buren in anderer Beziehung, namentlich auf dem Gebiete der derSchule, Sonderrechte einräumten, die selbst Reichsangehörigen nicht zugestanden werden können. ES ist anzunehmen, daß eine Wiederaufnahme der Verhandlungen mit den betreffenden Burenführern in kurzer Zeit zu einem beide Teile befriedigenden Abschluffe führen wird.
• Stervekassen der Ltriegerverekre. Bei der Durchführung deS Reichsgesetzes über die privaten Berficherungsunternehmungen vom 12. Mai 1901 find Zweifel darüber entstanden, ob die mit den Kriegervereinen verbundenen Sterbekaffen unter die Vorschriften dieses Gesetzes fallen. Zur Behebung dieser Zweifel macht ein Rund- schreiben deS Ministers deS Innern darauf aufmerksam, daß für derartige Kaffen, insoweit fie den Charakter von prioaien Versicherungsunternehmungen haben, d. h. ihren Mitgliedern ober deren Hinterbliebenen einen Rechtsanspruch auf gewisse Kaffenleifiungen gewähren, besondere, den Vorschriften deS PrioatoerficherungSgesetzes ent- sprechende Kaffensatzungen auf,»stellen sind. Insoweit aber von den Krieqervereinen nicht beabsichtigt wird, ihren Mitgliedern oder deren Hinterbliebenen einen Rechtsanspruch auf die Leistungen aus ihren Sterbekaffen zu gewähren, so daß die Unterstellung dieser Kaffen unter die Vorschriften deS PrivatverficherungSgesetzeS aus-
§ 137 ».
In
D Ein neuer sozialpolitischer Antrag.
Zum Etat des ReichsamtS deS Innern Haber btt Abgg.Frhr. Heyl zu Herrnsheim (ntl.; und Trimborn (Ztr.) eine Resolution beaw tragt, durch welche der Reichskanzler ersucht wird, dem Reichstage alsbald einen Gesetzen^ wurf vorzulegen, wonach der Titel VH der Ge verbeordnung wie folgt abgeändert wird:
I. De. § 135 Absatz 3 erhält folgende Fassung
Junge Leute zwischen vierzehr und achtzehn Jahren dürfen ii Fabriken nicht länger als zehr Stunden beschäftigt werden.
L. Der § 137 Absatz 2 erhält folgende Fassung Die Beschäftigung von Arbeiterinne» über achtzehn Jahren darf die Dauer vor zehn Stunden, an den Vorabenden bei Sonn- und Festtage die Dauer von neu» Stunden nicht überschreiten.
S. Hinter den § 137 wird eingeschaltet:
darf Arbeit nach Hause nicht mitge- geben werden.
4. Dem § 139 » Absatz 1 wird hinzugefügt: 5. für bestimmte Industriezweige Ausnahmen von den Bestimmungen des § 137 a zuzulaffen.
5. Im § 146 Absatz 1 Ziffer 2 werden die Worte §§ „135 bis 187“ ersetzt durch die Worte: „§§ 135 bis 137 a“.
Der Antrag, der daS Datum vom 4. Febr. trägt, ist außer den genannten Hauptantragstellern unterzeichnet von den Abgg. Dr. Bachem (Ztr.), Broekmann (Ztr.), Dr. Deinhard (natl.), Sngelen (Ztr), Graf v. Galen (Ztr), Grober (Ztr.), HaaS-Erbach (ntl), Hof- m a n n-Ellwangen (Ztr ), Graf Hompesch (Ztr), Kirsch (Ctr.), Lurz (Ztr.), 9Dr. Opfer» gelt (Ztr.), Graf v. Oriola (natl.), Roerrn (Ztr.), Schmtd-Jmmenstadt (Ztr.), Schmidt- Warburg (Ztr), Schwarze-Lippstadt (Ztr), Sittart (Ztr), Dr Spahn (Ztr), Dr Stöcker (christlich-sozial) und Dr. W e iß e n h a g e n <3tr.)
Wenn andere Parteien, und besonders das Zentrum, daS bekanntlich auch den ersten Ar- betterschutzantrag (im Jahre 1877) eingebracht, sozialpolitische Anträge dem Reichstage oorlegen, so taugen fie natürlich nichts — nach sozialdemokratischer Auffassung. Der.Vorwärts' hält sich besonder« darüber auf, daß der Antrag He-l-Trimboru nicht schon früher e «gebracht worden sei. Alle« auf einmal können auch die „Genossen" nicht machen. Warum haben denn überhaupt nicht die Sozialdemok raten schon längst einen ähnlichen Betrag für Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter eingebracht? Mäkeln fie jetzt an dem Antrag, so setzen fie fich dem Verdacht auS, daß dies nur au« Berget darüber geschieht, daß sie selbst zu spät aufgestanden find. Der Hinweis auf die Wahlen besagt gar nichts und ist lächerlich im Munde von Leuten, die im Reichstag überhaupt nichts anderes tun, als Wahlreden zum Fenster hinaus zu halten.
8« Raub auf -er käuizsburz.
OriMalerzählun, an» der Beschichte der ehemaligen Jülicher Lande von Aleca Ruth.
S e ------ (Nachdruck verboten.)
„Sprich Alter," drängte der Fürst hastig, wer ist verschwunden?"
„Ich sah daS Psörtlein offen," jammerte der und griff sich in die Haare, „aber ich sah den Burggärtner in den Blumenanlagen beschäftigt und glaubte, daß eS auf seine Veranlassung geschehen sei — und dann o — o!" —
Erdfahl beugte der Fürst fich über den Hal» seine« Pferde« de« Sprechet zu.
„Und bann?“ drängte er, „vollende! Ich gebiete er Dir!, Wer verschwand durch die offene Pforte? Wer? Wer! Rede - aber sprich wahr!"
Da drängte fich die alte Agnefia durch die bestürzte Dienerschar.
„Der Knabe ist'« — o, mein Fürst!" Er zuckte wie unter einem Keulenschlag zusammen, und jeder Blutstropfen wich au» seinem Gesicht.
„Eihelred!" kam es dumpf über seine Lippen, „ich ahnte e«." Er schwang fich vom Roß herab, die Dienet wichen scheu zurück, und stürmte durch die Säle zum stillen Erker hinaus, wo sein totbleiche« Weib mit vor Entsetzen weitgeöffneten Augen auf dem Ruhebett lag.
„Julitta!" schrie et maßlos vor Schmerz, „wo ist mein Knabe?" und sank stöhnend neben ihrem Lager nieder.
In grauenvoller Ruhe wandte fie sich ihm zu.
„Nimm Dein Schwert und töte «ich. — Ich Hab'« verschuldet!"
Jäh sprang er empor, entsetzt starrte er fie an, dann wandte er sich und eilte ohne ein Wort hinaus. Kaum hatte die Tüt sich hinter ihm geschloffen, al« Agnesia eintrat und an dem Lager ihrer jungen Herrin niederkniete.
„Ach, wenn Gott «ein alte« Leben hin- genommen und diese« Unheil abgewands hätte", seufzte fie. Um der Fürstin Mund zuckte e« in verhaltenem Weinen, und wie fie fich auch gegen da« heiße Naß wehrte, e« brach überwältigend durch die festgeschloffenen Wimpern und netzte die seidenen Kiffen. —
Die Junker und Vasallen zerstreuten fich zu Fuß und Pferd nach allen Windrichtungen, um eine Spur von dem verschwundenen Kinde zu entdecken. Die Kriegtknechte und Dienet wurden ausgeschickt, und selbst der Magistrat bot eine Schar bewaffnete Bürget auf, um den Knaben in bet weitesten Umgebung bet Stadt zu suchen. Der Fürst rief die Schloßdienet zusammen, aber ihre Aussagen waren so widersprechend, daß die Sachlage dunkler und wirrer erschien al« zuvor. Rur der alte Burggärtner wußte eine Mitteilung von Belang zu geben. Er hatte den Knaben schlafend auf dem Rasen gesehen und bestätigte auch die Angabe be« Torwart«, daß die kleine znm Waldgrundstück führende Pforte offen gestanden. Weitere« war nicht au« ihm heraurzubringev, und sein mürrische« Schweigen machte einen beklemmenden Eindruck. Inzwischen kehrten nach und nach alle zur Suche Au«gesandten resultatlo« zurück. Zuletzt kamen« die Abgesandte« de« Magistrat« ohne auch nur die geringste Sput auf- gefunden zu haben. Der Knabe schien wie von bet Erde verschlungen.
geschloffen sein soll, haben die Kriegervereine eine Bestimmung in die BereinSsatzung außM- nehmen, daß ein Rechtsanspruch auf die Beihilfe zu den Kosten der Beerdigung oder auf Unten» stützung der Kameraden bei unvermutet ein« tretenden Unglückisällen den Hinterbliebenen eineB verstorbenen Mitglieder brzw. b.-n VereinSmit« gliedern nicht zustehe.
□ Weimar, 5. Februar 1903. In der heutigen Plevarsttzung deS Landtags brachte ber Ibg. Dr. Kiel bezüglich bet Gehaltsaufbesserung bet katholische Geistlichen tae Großherzogtum folg ende Interpellation ein. forderte die Großherzogl. Staatsregierung auf, zu erklären, ob fie Überhaupt gesonnen sei, «tue enbgiltige Regelung deS Gehalts der katholisch« Geistlichen votzunehmen unb das Höchstgeh« auf wenigstens 3200 Mark zu bemessen unb biS zu welchem Zeitpunkt eine solche Vorlage ja erwarten sei. Zur Begründung seiner Interpellation hatte er auSgefÜhrt, daß bereits vor zwei Jahren, alS man eine durchgreifende Gehaltsaufbeffermeg der evangelischen Geistlichen vornahm, vom Regierungstisch auS mitgeteilt worden sei, baß bie Absicht bestehe, sobald die finanzielle Lage der Großherzogtum« eine bessere sei, auch au eine enbgiltigi Gehaltsaufbesserung der katholischen Geistlichen heranzugehen. Er selbst (Dr. Ätel) habe damals hervorgehoben, baß eine solche Gehaltsaufbesserung nicht nur ein Akt bet Gerechtigkeit unb Billigkeit, ein Akt bet Parität sei, nachdem man nunmehr bie evangelischen Geistlichen bedacht und überhaupt alle Standes- beamten aufgebessert habe, eS fei vielmehr auch ein Akt der Klugheit, denn »S liege lediglich mit im Interesse deS Staates, diejenigen Pfattstellen der Fuldaer Diözese, die irn Großherzogtum gelegen feien, nicht durch eine so mangelhafte Dotierung, wie fie tatsächlich herrsche, geradezu künstlich zu einer Art Stellen zweiten RangG oder gar Strafstellen zu degradieren. Gemäß der Geflogenheit wird die Regierung diese Interpellation in einer der kommenden Plenarfitzungem beantworten.