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JuLöcr, Donnerstag, den 5. Februar 1903.
JS 28.
30. Jahrgang.
Die Wahlen stehen vor der Tür!
Ist ei denn wirklich nötig, daran jetzt schon zu mahnen? Damit hat e« doch noch gute Weil», einige Monate mindestens noch. Was soll man sich allzufrüh die gut« Laune durch die langweilige Wahlgeschichte verderben. — Er ist kein Zweifel, daß recht viele so spreche» oder wenigsten« denken, leider auch viele, die sich al« überzeugte Anhänger der Zentrumspartei betrachten. Und darum muß solchen bequemen Einwendungen ganz entschieden widersprochen werden. Oder ist der Wahlakt allein entscheidend sür den Aurfall der Wahl? Kommt nicht vielmehr ebenso sehr, ja vielleicht am allermeisten die Vorbereitung — im großen wie im kleinen — in Betracht! Deshalb können wir mit Recht sagen, muß fich jeder treue Z«ntrum«anhäager sagen: Die Wahlen stehen vor der Tür! Jetzt schon, in den nächsten Wochen muß die entscheidend« Arbeit geleistet werden, und nur die energischste Vorbereitung, für di« es jetzt höchste Zeit ist, kann un« den Er» folg verbürge«.
Man sage nicht, wir übertrieben! Die Wähler de« Zentrum« seien alle ganz zuverlässig, da brauche e« kein« lange Vorbereitung, damit ste am Tage der Wahl Mann für Mann ihre Schuldigkeit täten. So günstig steht die Sache denn doch nicht. Unermüdlich sind die Gegner an der Arbeit, di« wirtschaftliche» Streitfrage«, die in der letzten Zeit die O«ff»ntlichkeit beschäftigt habe», gegen das Zentrum au«zubeuten. E« wird verleumdet, geschimpft, geschmäht, gehetzt, in skrupelloser Weise werden die Tatsachen auf deu Kopf gestellt oder, je nachdem es paßt, auch einfach verschwiegen. Da ist die Gefahr groß, daß recht viele schwankend werde», daß ste schließlich etwa« von de« glauben, war st« immer wieder zu hören bekommen, roeatt ihnen nicht Aufklärung und Belehrung über baß wohlbegrünbete Verhalten der Zentrumrfraktion geboten wird. Und jene Gefahr ist um so größer, j, eifriger die Gegner für ihr« Parteisache tätig falb. „Parteigenossen, agitiert für die Reichstag«- wählen!" So liest man z. B. fortwährend in den sozialdemokratischen Blättern und darnach wird auch gehandelt. Man kann beinah« sagen, daß jed«r richtige Sozialdemokrat «in Agitator sür „die Partei" ist und sich überall als solcher betätigt, auf der Arbeitsstätte, im Verkehr, in den Versammlungen.
E« ist aber nicht nur mit der Gefahr zu rechnen, daß die gegneiische Agitation manche bisherigen Zeutrumswähler abwendig macht, es kommt ot«l«rorts noch die bedauerliche Wahl- lauheit hinzu, die man auch Jatereffrlostgkeit für die öffentlich«» Angelegenheiten nennen kann. Er fehlt bet vielen an dem rechten Lerständuir dafür, daß wir auch in den wirtschaftlichen und sozialpolitischen Fragen, die j«tzt meist im Vordergrund der parlamentarische« Verhandlungen stehen, ein einige« und starke» Zentrum nicht entb«hren können. Daher mußte dann ort der letzten Retchstagswahl von 1898 die traurig« Erfahrung gemacht werde», daß in zahlreich,» überwiegend kathol. Wahlkreisen kaum die Hälfte, kaum ein Drittel zur Wahl ging, daher immer wieder die Entschuldigung: Der Zentrums- kandidat kommt j-a sowieso durch! Wa« soll ich mir noch di« Mühe machen, meine Stimme für ihn abzugeben? Wenn solche Leute doch zunächst bedächten, daß allzugroße Stege, gewißheit manchmal zu ernsten Enttäuschungen geführt hat; wenn sie dann aber auch einsehen wollten, daß e« nicht dasselbe ist, ob der Zentrumskandidat mit 10000 oder ob er mit 20000 Stimmen durch kommt, nicht dasselbe, ob auf die Zentrumsfraktum insgesamt V/t Millionen oder 3 Millionen Stimmen entfallen.
Ma» ist so leicht bei der Hand, dies oder jenes an unsere» Abgeordneten auszusetzen, ihnen sogar vorzuwerfen, daß sie in der eine« oder anbei» Frage mehr hätten tu» und erreichen können. Wenn eS fich aber darum handelt, den Einfluß des Zentrums auf die Gesetzgebung zu stärken, und daher nicht nur selbst alle 5 Jahre einmal zur Reichstagswahl zu gehe», sondern auch für ein gutes Wahlresultat nach Kräften mit- zuarbeite«, dann find oft gerade die lautesten Kritiker nicht zu habe«. Wer aber von den ZmtrumS-Abgeordnete» so viel zu verlangen gewohnt ist, der sollte fich doch auch fragen, was beim er sür das Zentrum bisher getan hat und in Zukunft zu tun gewillt ist. Das ist gewiß kein unbilliges Verlangen.
ZmtrumSleute! Die ReichStagSwahle» steh'» vor der Tür! Das geht euch alle an, ihr könnt alle — der eine mehr, der andere weniger, aber jeder etwas — dazu mithelfen, daß unsere Reihen nicht gelichtet, sondern erheblich verstärkt werde», wie es dringend notwendig erscheint augefichtS der gewaltigen Agitation der Gegner, namentlich der Sozialdemokraten. Während diese bei de» letzten Wahle» alle überzeugten Anhänger, aber anch zahlreiche unzufriedene Elemente, die »ut als Mitläufer gelten könne«, auf die Beine brachte« und so zweifellos alle verfügbare«Kräfte aufgeboten
Kitrrartsches.
M«»«» Land betitelt sich ein Werk, welche» Sa« pitLn Sver»rup, den oelannten treuen Begleiter Nansen» auf seinen Polarreisen, zum Bersasser hat. Ans Nansen« Schiff .Fram", welche» Sverdrup erst kurz Derber au» der dreijährigen Haft de» Eise» befreit hatte, war er auf eine »ene gorfd)Hng»rei|e au»gegogen, auf welcher er der d*tbecer ganz neuer, hochinteressanter Länder -nrde. Sein Bericht beginnt soeben mit der ersten g.fmntg zu erscheinen im Be lag von F. A. B otfbau» in Leipzig, der Firma, welcher wir die hervorragendsten Forschungswerke der Neuzeit verdanken, die Werke von Stanley, No-den. skiSld, Schliemann, Slatin, H bin und besonder» Nansen» klasstsche» „In Nacht und @iß*. Frisch und fröhlich versetzt un« der kühne Seemann mitten hinein in das leben an Bord und in der Retfe Hing« der Westküste Grönland«. E« fehlt nicht an humoristischen Borfällen und inte re hinten Schilderungen von Land nnd Leuten. Da» erste «eparatbild, der Brand ter gram, gibt eine furchtbare Episode wieder, bei welcher wenig fehlte, daß die ganze «xpedi ion ein grauenhafte» Ende gefunden hätte. E» folgen drei Vertreter der nördlichste» Menschen, mit welchen die Expedition in Freundschaft verkehrte, und eine Landschaft, deren unbekannte Berge un» in dieser Gegend erstaunen. Mit Spannung sehen wir der nächsten Lieferung entgegen. Wir empfehlen unseren Lesern da« Werk, welche» sehr intereffant zu werben verspricht, auf« angelegentlichste und werben noch auf balfelbe juiftcttommen. Es erscheint in 86 Lieferungen zu 60 Pfennig.
habe», bliebe» damals dem Ze»trum nicht Tausende, «ein Hu«derttnusende in der Reserve. Diese müssen sitzt herangeholt werde«. Dabet müssen alle treuen Zentrums Wähler Mitwirken und ste können es alle, sofern sie nur ernstlich wollen.
Seknnuugsgenoffe« «erben! Das wenigsten» kann ein Jeder. Bor allem gilt e«, die Lauen und Sleichgtltigen zu gewinnen, ihre Einwendungen zn widerlegen, Zweifel zu beseitigen usw. Freilich muß man fich dazu zunächst selbst gründlich in Stand setzen. Aber da« ist nicht so schwer, wenn man nur aufmerksam die Zeitung lieft und fich die hauptsächlichsten Angriffe der Gegner nebst ihrer Widerlegung sorgfältig merkt, viel- leicht auch besonders wichtige Artikel aufbewahrt, damit man nötigenfalls immer wieder darauf zurückgreifen lann. Auch gibt eS ja manche tleine Schriften, die in gedrängter Kürze und doch ziem lich vollständig über die aktuelle» politischen Fruge« orientiere». E» sei nur erinnert an die sozialpolitischen Flugblätter des Voltt- vereins sür dar kath. Deutschland (Zentralstelle M.-Gladbach), die ei» ganz vorzügliche» Rüstzeug an die Hand geben, um gegnerische Behauptungen zu widerlege» und die Einwendung«» und Bedenken lauer Parteifreunde zu zerstreuen. Und das tue man dann aber auch, wo immer fich die Gelegenheit im Verkehr mit Freunden, Bekannten und Kollegen bietet. Wo eS angebracht erscheint, mache man auch auf paffende Schriften aufmerk, sam, welche die gesprächsweise berührte F-age genauer erörtern, ober noch besser, man verschaffe dem Betreffenden ein solches Schrtstchen, z. v eine» der genannte« Flugblätter, und bringe später nochmals die Rede darauf, um z« sehen, ob es auch gelesen worden ist Durch solche stille Wirksamkeit kann ungemein viel erreicht werde«, wenn Hunderttausende treuer Zentrumswähler dabei mithelfe». Bei manchem wird gerade da» freundschaftliche Wort eines guten Bekannten das erreichen, »aS alle sonstigen Mittel nicht bewirken konnte»: besseren« dgerechtereWürdigung der Tätigkeit unserer Zentrum« Partei, »ehr Jntereffe für die Wahlen und damit auch Ne«, belebnng des Bewußtseins der Wahlpflicht.
Wir können aber »och mehr tun. Vor allem müsse» wir es un« zur Pflicht machen, in dieser wichtigen Zeit der Wahlvorbereitung keine Versammlung, weder die kleineren Vereins- Versammlungen, noch die große» öffentliche» Brr- sawmlungen der Zentrumspartei oder bei Volks- oereinS ohne die wichtigste Abhaltung z» versäumen. Gerade in den Versammlungen könne» wir recht viel neue Anregung und Belehrung für die oben geschilderte stille Agitation finden. Darum scheue man fich auch nicht, i»
der DiSkufston einmal das Wort zu nehmen, um fich Aufklärung über einen Punkt zu verschaffen, über den man etwa im »«klare« geblieben ist. Dann können wir aber auch alle dazu mithelfe«, indem wir selbst teilnehmen und noch den eine« oder anderen Bekannten mitbringen, die Der- sammlungen der ZentrumSpartsi zu imposanten Kundgebungen zu gestalten, durch welche die Begeisterung für unsere Sache gehoben und damit auch der Ausfall der Wahlen in etwa beeinflußt wird. Daß endlich ein Jeder, de« es Z it und Beruf irgendwie erlaubt, fich der örtliche« Parteileitung als Vertrauensmann zur Verfügung stellen oder wenigsten» i« der letzten Z»tt vor der Wahl durch Flugblätterverbreitung von Hand zu Hand und am EntscheidungStage durch Heran- holen säumiger Wähler Mitarbeiten soll, da» versteht fich sür jeden treuen Freund des Zentrums von selbst.
Die Hauptsache aber ist jetzt zunächst jene stille Agitation, wobei wir alle mittun könne«. Möge «an fich ihre Notwendigkeit augefichtS der erfahrung»gemäß weitverbreiteten Wahllauheit und angesichts der großen Anstrengungen unserer Gegner überall ja recht klar machen; und niemand denke: „Da» besorgen schon andere, dabei bin ich überflnsstg!-
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