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KuUmerMZeitung

30. Jahrgang.

Iul^-a, Donnerstag, den 5. Februar 1903.

M 28.

in* Pertee der Juteoer Xctieiintlerrt »ctoegnie Nr. 2 (Boxwidel.

Jll ihrem Mutterberzen fand der Gedanke an den Todfeind keinen Raum. So vergingen Jahre der lauter stsn Glücke«, al« liebMhe« Äräbkin wuchtz da« Kind heran und gewann aller Herzen. Er hatte der Mutter Schönheit, de« Vater« stolzen, trotzigen Sinn al« Erbteil, und wenn er mit dem hölzernen Schwerte mitten in die Jagd« mente hineini-rang und die vermeintlichen Helden­taten vollbrachte, und mit der Armbrust nach den Mauern schoß, da sah der stolze, glückliche Vater weiter, al« der harmlose Kinderblick. Vor seinem geistigen Auge tauchte ein kühner Hcldenjünglirg auf, in glänzender Rüstung, da« vlreitroß rum­melnd. Er sah ibn dohmj^gen in den wildesten Kampfe«reigen. Und da« Volk jauchzte ihm zu, und Ritter und Fürsten nahten sich ihm huldigend, er sah seinen Nacken ft<5 beugen unter dem R tter- schlag und ja« de« Kaiser« Seite ibn sto'z dahin« schreiten und dieser Heldevjiingling war sei« Sohn, sein Ethelred! Aber in zärtlicher Sorge ruhte auf dem holden Knaben da« Mutterauge, und ihr Herz durchlebt« im Vorau« schon die bangen Stunden, die ihn fort von de« Vater« Burg» fern von der liebenden Mutter Sorgfalt führten, wo fie die Liebe ihres Sohnes mit der Welt teilen mußten. In solchen Augenblicken brach dir fllUe Mutterliebe mit Ungestüm sich Bahn, sie schloß den Knaben in ihre Arme. ,0 Gott, laß mir dieses Glück!" kam es betend über ihre Lippen, und allemal durchschauerte es fie, als falle plötzlich ein Schatten auf den Sonnenschein ihres Stücke-. Erloschene Bilder lebten wieder auf, alte, böse Erinnerungen, und fie hörte die Drohworte: »Fürchte meine Rache! Sie wird Dich da treffen, wo fie Dich am «eiste« schmerzt,"

):( Bomgeistigen" Kampf gegen Rom «nd seiner Abwehr.

Seit einigen Jahren haben sich die sozial« demokratrschen und zahllose freifinnig-demokratische, liberale und sogar manch« sich »konservativ" und »unparteiisch" nennenden Zeitungen zur Ab« lager«ng«stätte allen SchmAtze« gemacht, der au« der ganzen Welt zusammengetragen wird, um di« Kirche Md ihr« Bischöfe «nd Priester, ihr« Orden«- männer und Ordensfrauen, nach einem Ausdruck« eine« »Freidenker«", in dieser Schlammflut zu er«

Nun ist e« ja an sich gewiß nicht« Auf­fälliges oder Erstaunliche«, wenn unter den vielen Hunderttausenden, ja Millionen von würdigen und -ehrenhaften Priestern und Ordsnsleuten sich auch zeit« weise einzelne unwürdige Glieder ihre« Stande« finden und wenn fie nach Hunderten zählten! Denn welcher Stand kann sich rühmen, stet« frei von unsauberen Elementen geblieben zu sein? Tatsächlich gibt e« Zeinen Stand, der einen so ge­ringen Prozentsatz von unwürdigen Mitgliedern aufweist, wie der katholische Priesterstand. Aber indem gleichzeitig alle traurigen Aurnahmesälle auf einmal, in gehäufter Weise au« aller Welt zusarnmengetragen und in ein größtenteils leider sehr unverständige« Publikum wir sprechen natürlich in erster Reihe von den ständigen Lesern der kirchenfeindlichen Skandalpreffs ge« werfen werde«, wird dieses Publikum in den Wahn versetzt, al« ob der katholische Priester, der Mönch, die Nonne von vornherein ein verdächtige« Subjekt wäre, bene jede Schandtat zuzutraueu sei. Dazu kommen die absichtlichen Ausschmückungen und Nebrrtreibungen, die Verdrehungen und Er­stellungen aster jener Fälle, dann ober auch in sehr zahlreichen Fällen die freie Erfindung von Skandalen, denen keinerlei Tatsachen iigrusb« liegen. Gerade diese vollständig erlogenen Skandälfälle bilden nach den Ermittelungen der Zentral-Auskunftstelle der katholischen Press«" mindestens die Hälft« aller Schmutz­geschichten der kirchenfeindlichen Blätter. Der Rest ist größtenteils stark übertrieben oder gänzlich ent­stellt, und nur ein sehr kleiner Teil entspricht im wesentlichen den Tatsachen.

Richt um 8* beweisen, daß Priester, Mönche und Nonnen keine Menschen, sondern Engel seien, nicht um jede Möglichkeit oder Tatsäch« lichkett eines Fehltritts derselben ober eines kirchlichen Mißstandes zu verneinen, ist diese AuskunftstÄle im Jahre 1909 gegründet worden, sondern um die niederträchtige Beschuldigung des ganzen hochehrenwertsn Priester« und Ordrusstandes zmückzu-»eisen, hat ein Laie diese Einrichtung in« Lrben gerufen. Er hat damit «eiter beabsichtigt und te.lweise auch schon erreicht, das Vertrauen in die Glaub­würdigkeit bet »Gewährsmänner- der kirchen- feindlichen Presse besonders in Italien, Spanien, Frankreich u. s. w. zu erschüttern, dadurch jene Blätter selbst vorfichtiger und ihre Leser

Inserate: Die emfpaltije Petit- reite oder deren Rc:um15Pfg.,R»- Kamen die Petit- reile2S Pfg.; Hi

Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

OrigtualerzLhlung auS der Geschichte der ehemaligen Jülicher Lande von «te-ca Ruth.

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Mit schwindelnden Sinnen lehrte die bleiche Frau wider einen Baumstamm. Die Worte de« Fliehenden durch» b änderten fie. Brun« von Hilt- Hausen war ihr Todfeind geworden, nun fürchtete fie alle« ; wie bet Schatten kommenden Unheils lagerte es sich über ba« Glück ihrer jungen Ehe.

Jagdhörner jubelten, die heimkehrende Schar hielt frohe Einkehr durch da« Hohr Tor. Die Freitreppe hinauf stieg eine hohe ritterl che Mannes­gestalt, der Fürst von Jbttzau. Da trat ihm be« drückt und niedergeschlagen, den Nachhall der eben durchlebten Scene in sich tragend, sein j inge« Weib entgegen. Er nahm sie milde an fein H.rz: War ist Dir, holder Lieb? So bleich, so traurig finde ich Dich! Sprich, wa« ist geschehen?" Zn seliger Hingabe schmiegte fie sich an feine treue Mannesbrust:Ran, da Du wieder zurückgekehrt, mein Ude, ist alle Furcht und olle« Bangen von mir gewichen. Komme, sitze Dich her zu mir, unser Wiedersihn sei ungetrübt.

Und fie lauschte glückatmend seinen Abenteuern auf der Jagd, kredenzte ihm den Ladetrur-k, und der Fürst von Jbichau schaute sein junge« Weib an und sagte sich, daß er den lieblichsten Mund­schenk der Jülicher Lande sein Eigen nenne..

So schwanden wie »m Traume bte Monate dahin. Und dann kam die Vollendung be« seligsten Traumes in Gestalt eine« herzigen Knaben, welcher der schönen Mutter Ebenbild war.

Erscheint tägl ch, m. UuSnahme der Sonn« und Seiet« tagr.Mrrteljährl.

HWI«1 vhneBnugerlohu und Bestellgeld in Rulba und aus­wärts 1 M.50 Pf.

frankiertes Couvert hierfür bei, sowie eine Schreib- gebühr von 1 j*. in Briefmarken. Aufträge und Anfragen, deren Beantwortung größere Arbeit und Z-Uversäumnis erfordert, unterliegen natür« lich besonderer Berechnung. Alle anderen Ein­sendungen könne» nicht auf eine spezielle Beant« wortung rechnen. Doch werden die Einsender in allen dafür geeigneten Fälle» die gewünschte AuS- ku»st meistens in der Monatsschrift »Magazin für volkstümliche Apologetik" sieden, die sowohl durch die Post (vierteljährlich 75 sy ohne Bestellgeld), als auch durch den Buchhandel oder direkt unter Kreuzband von der Expedition (An. ton Heil, Frankfurt a.M.«Sachsenhause») zum Preise von 3 Jk 50 jährlich bezogen werden kann. Wer schnellere Auskunft wünscht, «ende sich wegen Bezuges der »Mitteilungen der C. A. 8. an den Herausgeber Ernst H. Kley in Groß Lickterfrlde.

Bei der Riesenlast der Arbeit, der stets wach­senden Unkosten und beschränkten Einnahme» der ,0. A S. erscheint es dringend wünschenswert, daß diese Winke allseitig beherzigt und befolgt werden mögen.

mißtrauischer zu mache», mindestens aber dem Ätholtschen Volke, zumal den einfachen, schlichten Manne, dem eS an Kenntnissen ans diesem Ge­biete fehlt, wieder den Mut zu stärke» und Waffen der Abwehr in die Ha»d zu gebe» gegenüber der Verleumdung, bte nicht nur ge« »ruckt von Hand zu Hand, sonder» bei der arbeit wie am Biertisch vo» Mund zu Mund geht.

Daß diese Aufgabe eine hochwichtige sei, er« kenne» sofort alle berufe»en Männer, und eS nahm daher die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Bon« einen Antrag an, durch welche« -alle Katholiken auf die Zentral-AuSkunftSstelle der katholischen Preffe aufmerksam gemacht a«b namentlich auch ermahnt werde», alle ZeitungSblätter, in welche« st- Angriffe auf u«sere hl. Melioion und ihre Diener finden, an die genannte Aarkunftsfielle einzu- fenbe». Diese Mahnung hatte gu en Erfolg. An Material hat es der Zent-al-AuSkunftSstelle niemals gefehlt. Seit einiger Z4t wird fie auch vom Auslande stark mit Anfrage» und bergt, in Anspruch genimme». Anderseits ist bet Um« stand, daß die Zentral-AuSkunstSflelle mehr und mehr begannt und geschätzt wirb was durch zahlreiche Anerkennungen von Kardinälen, Bischöfen und anderen Autoritäten bewiesen ist, die Ursache, baß ihre Anfragen sicht fast in alle» Fälle» in der zuvorkommendsten und cffensten Weise beantwortet werbe». Möge der Dank für diese Bereitwilligkeit, der zum Teil übrigens auch staatlichen Behörde, gebührt, auch an dieser Stelle einen Platz finden!

Nun hat allerdings die von bet Zentral- AuSkunstrstelle zu bewältigende Arbeitslast einen derartigen Umfang angenommen und damit zugleich auch die Summe bet Unkosten, daß es Sache der berufenen Faktoren fein wird, auf baldige Sicherstellung des Utternehmens und einer geordneten Wirksamkeit desselben Bedacht zu nehmen. Doch ist eS nicht die Aufgabe dieser Darlegung, Vorschläge bezüglich der O.gani- sation rc. zu mache», sondern fie bezweckt nur, einige Winke zn geben, durch deren Beachtung diejenigen unserer Leset, welche fich für die apologetische Wirksamkeit bet Zentral-AuSkunftS« stelle tnteresfieren, immerhin ein Beträchtliches dazu beitragen Kannten, um bi« ArbeilS« und Uakostenlast des Unternehmens zu ermäßigen. Wit bitten bähet, folgende Grundsätze beachten zu wollen:

1) Die Einsendung von Zeitungsblattern mit Angriffen aus die katholische Kirche, Veileum- dünge» ihrer Priester rc. ist nach wie vor drin« gend erwünscht. Doch möge man solche Artikel, die fich auf Verhältnisse ober Personen in Frank« reich, Belgien, Holland, England, Amerika, Spanien, Portugal und Italien beziehen, fotta» an Herrn Dt. Kaufmann in WeismeS (Faymon- oille), Reg.-Bez. Aachen, und zwar am einfach­sten in offenem Couvert als Drucksache, schicken, olles Mb rige jedoch nach wie vor an Chefredakteur Ernst H. Kley in Groß-Lichterfelde 3 (Berlin), Albrecht »raße 5 a. Dadurch wird überflüssiges Hin- und Herschicken, Schreiberei und Porto er­spart.

2) Wer eine spezielle Antwort auf feine Einsendung wünscht, füge ein adressiertes und

druck, die Kontrolle der Stimmzettelabgabe und die ungleichen Stimmzettel selbst verkümmert wirb. Sehr energisch betonte der württembergische Zentrumsführer auch bie Notwendigkeit von Diäten sowohl im Jnlereffe der Arbeiter wie auch bet Süddeutsche». Dagegen machte Abg. Gröber gegen den freisinnige» Betrag auf Neu­einteilung der Wahlkreise da« schwerwiegend« Bedenke» geltend, daß darin zweifellos eine schwere Benachteiligung der ländlichen Bevölke­rung liegen würde. Vergeblich bemühte fich der freifinnige Abg. SB i em er, diese Bedenken zu zerstreue». Nebenher äußerten fich die erstge­nannten Redner auch über die zugesagte Auf­hebung des § 2 des Jesuitengeseye«, und zwar in zustimmenoe» Lim e. Abg. Gröber trat noch besonders der Anschauung entgegen, daß dieser Zugeständnis keine Bedeutung habe; er zeigt, wie noch in den letzten Jahren der § 2 wieder­holt i» Anwendung gekommen sei. Zwischen­durch fi-l eine mehrstündige verworrene Rede des schwäbischen Demokraten Hoffmann-Hall für Abrüstung und ewigen Friede», die selbst bei seinen Freunden auf der finke» viel Kopf» schüttel« und Gelächter hervorrief. Am D o » » « r 8- tag geht bie Debatte weiter und hoffentlich zu Ende.

X Aer sozialdemokratische Avgeordnete Agster ist am Mittwoch im Reichstage von einer geistigen Erkrankung erfaßt und vorübergehend iw einem der Zimmer des Reichstags untergebracht worden. Geheimer SanitätSrat Abg. Dr. Ende- manu hat dem Erkrankte» ärztliche» Beistand geleistet. Wie in sozialdemokratische» RfichstagS- Ireifen erzählt wird, trägt er fich mit verschiedenen Wahnidee», so hält er fich für den König von Württemberg und hat auch religiöse Wahnvor» stellunge». Er soll »ach derselben Qrelle ver­schiedene Abschiedsbriefe geschrieben und fich Selbstmordgedanke» hingegeben haben. Nach andere« Angabe« wies er auch ehe« Streifschuß an einer Rörperfeite auf. Doch wird dies insofern bestritte», als nur die Kleioungversergt fein soll; Agster habe die Kugel vor dem Schuffe auS d er Patrone entfernt. Ein vorsichtiger Selbstmord kandidat! Manche zweifeln daher an der Echt­heit feiner Geistesgestörtheit und mache» zugleich über feine BermögenSoerhältniffe Angaben, die wir nicht kontrollieren könne«. Agster hatte schon einmal einen ähnliche« Anfall und mußte eine Heilanstalt ausfuchrn. Agster ist Arbsttersekretär und vertritt de» Wahlkreis 9. Baden. Umfo erstaunlicher, baß feine Parteigencffen ihn nicht längst veranlaßt habe», fein Mandat niederzulege». Einem konservativen Abgeord­neten machte die sozialdemokratische Preffe erst jüngst Vorwürfe, baß er fein Mandat nicht »überleg'», obwohl er es nicht ausübe. IhrGr- noffe" Agster aber konnte doch auch fein Man­dat schon lange nur roch scheinbar auSüben.

+ Die Andgetkommisfion de* Avge- ord«etenh»«se* erledigte am M'twoch den Justizetat ohne jede Aenderung. Dabei wurde mttgetrilt, daß sämtliche OderlandeSgerichte sich gegen die Aufhebung der Gerichtsferien erklärt hätten. Doch soll mit den Ferienfachen nach neuen, weniger engherzigen Grundsätzen ver­fahren werde», um den Wünschen der Geschäft-«

»Ja," sagte et,bie alte Agnefia sagte zwar, man holte fie vorn Meeresgrund, aber nun weiß ich'- besser auS Deinen Augen kommen sie, ja!" und er deutete entzückt auf bie blinkende Träne, die an der langen Wimper des feuchten MutteraugeS hing.

Gerührt von der kindliche» Einfalt, nahm fie den kleine» Sprecher auf bie Arme, barg ihr »'sicht in feinem Lsckenhaar und weinte der Perlen" noch viele. Und bann war fie erleidftert und getröstet. Sie stieg in ihr stilles Erkerzimmerche« hinauf und fetzte fich a» den Spinnrocken, während bet k eine Ethelred vor ihr auf dem Tkppich mit seiner Armbrust spielte.

DaS Rädchen schnurrte, bie Spinbel dreht« fich, so spann fie die Fäden endlos dahin, aber »och schneller waren ihre Gedanke». Sie flogen zurück zur heimatliche» Burg bis zu jenem Zeit­punkte, ba der ritterliche Fürstensohn fie heim­zuholen kam als seines Herzens Königin und treue Malierin auf der fio-.zen Königsburg. Ein liebliches Lächeln umspielte ihren Mund, bie Hände sanken müßig i» be» Schoß unb bie langen Wimper« legten fich über das glänzende blaue Auge. So lehnte fie sich traumverloren in den hohen L-hnseffel zurück.

Da drang vom Schloßhose heraus verworren« Lärm. Sie lauschte, strich sich, wie au« tiefem Traum emporsahrenb, über Stirn und Auge», eilte dann zu dem Fenster unb schaute in den Burghof hinab.

Händeringend liefen die SD eaer umher, warfen scheue Blicke zu« Erker hinauf und führten wirre Reden. Ahnnagsbang schaute die Fürstin in« Zimmer zurück.

1>tr »rMeMtfj. Parzelle, te StiU. mit Unterhaltungs-BeilageIllustrirte Sonntags-Zeitungs

-5 Deutsches Reich.

Berlin, 4. Februar 1903.

+ AnrMittelm-e»-I«y*1 derartige«. Der KreuzerNymphe" erhielt den Befehl, im März eine Mittetmeer-Reise anzutreten zur Ein­schiffung deS Kronprinzen und deS Prinzen EitelFriedrich auf ihrer Orientreise. Prinz Adalbert wird in diesen Tagen auf 8 Woche« zur Ausbildung im Torpedowese« nach der neuen Torpedo-Station in Flensburg Übersiedeln.

+ Der Ausschuß des Anrede» 6e< Land­wirte wird am Samstag hier zusammentrete», um die Beschlüsse zu formulieren, bie in ber be­vorstehenden General-Versammlung gefaßt werde» sollen.

+ Die Meichotagswahke«. Die offiziöse ,Südd. Reichskorrefp.' gibt bie Möglichkeit zu, daß bie Wahlen erst im Herbst vor­genommen werden. Sollte bie Regierung ihre Ansicht geändert haben? Oder handelt es fich hier nur um einen Versuchsballon ober um ein Betäubungsmittel zur Einschläferung ber Wahl­agitation? Mögen sich unsere Freunde dadurch nicht täuschen lassen!

X Nie @tef»Eere<»*g im Ztzeichotage beschäftigte sich auch am Mittwoch noch formell mit dem Etat des Reichskanzlers, materiell mit bin Erklärungen, bie der Reichskanzler am Tage zuvor abgegeben hatte. Der Abg. Derlei erklärte sich namen« eines Teiler der Konser­vative» für Diäten und gegen Beschränkung des Wahlrechtes aber auch sehr lebhaft gegen die vom Reichskanzler neulich in Aussicht gekeilte größere Sicherung des Wahlgeheimnisses. Hierin trat ihm besonders Abg. Gröber (Z!r.) ent­gegen, welcher schlagend nachwieS, wie jetzt daS Wahlrecht des kleinen Mannes durch den Wahl- und in tötltcher Angst richteten sich ihre Blicke auf ihr Kind. Aber fei« liebeS Geplauder, fei« fröhliches Jauchze» durchdrang die weite« Hallen und Rittersäle und ließ fie bald wieder bie ban­gen Sorgen vergessen.

Einer Einladung des Burggrafen von Nidegge» Folge leistend trat der Fürst, zum AuSzuge ge­rüstet, im Jagd kleide zu Gattin unb Sohn, um Abschied von ihnen zu nehmen. Im Burghöfe unten scharrten die Rosse ungeduldig den Boden und die Jagdjunker erwarteten in der Eingangs­halle daS Erscheinen des Fürsten. Dieser schloß »och einmal fein Weid in seine Arme, herzte den munteren Knaben und stieg die breiten Marmor­stufen zum Burghofe hinab.

Die Hörner schmetterte», die Janker bestiegen die schnaubenden Pferde, die Meute gab Laut, und fröhlich zog bie Retterschar zum Burgtore hinaus. Noch einmal wandte fich der Fürst zu- rück; auf dem Söller standen Mutter und Kind und winkte« ihm grüßend nach.

Gebt acht auf meinen Knaben!" tief er zu­rück, und fie hob ihn auf ihren Armen empor, hieß ihn dem Vater den letzten Gruß zuwinken und schaute lange den Dahinziehenben »ach.

Langsam kehrte fie herauf mit dem Knab-n in die Burg zurück. Sie wußte nicht, wie ihr ward, aber seit das Burgtor hinter dem Fürsten fich geschlossen hatte, glaubte fie, daß dem Unheil Tür und Tor geöffnet sei. Ach, wenn er erst wieder daheim und unversehrt wäre!

Schau!" lief da plötzlich ber kleine Ethel- red,nun weiß ich auch, woher die Perle» kommen."

Sie schaute lächelnb auf ihn herab.

Du weißt dak, mein Sohn?"