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30. Jahrgang.

Jut-a, Mittwoch, den 4. Februar 1903..

JE 27.

Die Politik der Abschlagszahlungen.

Aufhebung de« § 2 de« Jesuit«»' gesetzt« — da« «ar der positiv« Teil der Er- Strang, die der Reichskanzler Graf Bülow am Die««tag im Reichstage abgegeben hat. Noch keine Diäten für di« R«ich«tagrmttglieder — da« war der negative Teil. Nicht al« ob diese Forderung der Diäten au« sachlichen Gründen ein für allemal abgelehnt würde; nein, .heute noch" glaubt man allerhand Rücksichten nehmrn zu sollen, .heute noch" ist mau daher .n'cht in der Lage", bte Zustimmung der Verbündeten Regierungen in Aussicht stellen zu können. Graf Bülow persönlich — daran« machte er kein Hehl — ist ein An» Hänger der .Gewährung" von Diäten, aber e« gibt Leute, die noch etwa« zurückgeblieben sind hinter ihrer Zeit, die noch widerstreben, und auf diese muß man Rücksicht nehmen. Muß mau? Muß man wirklich? Der Reichskanzler sprach von den Opfern, welch« die Bundesfürsten gebracht haben bet Gründung de« Reich«, darum sei keine große Neigung zu solchen Aenderungen der Reich«» oerfaffung vorhanden. Dies« Logik verstehen wir nicht. Der wahre Grund für die Haltung de« Bundesrate« liegt darin, daß man c« nicht für gut findet, den Wünschen de« Reichstage« großes Entgegenkommen zu zeigen. Man will di« Zucker­düte nicht auf einmal leeren.

Aus demselben Grunde wird auch »och nicht das ganze Jesuitengesetz beseitigt. Die Er» klärung deS Reichskanzlers über diese Frage lau­tete wörtlich: .Die Zulassung vo» Mederlaffun» zen des Ordens der Gesellschaft Jesu würde auS den Gründen, welche den Erlaß vom 4. Juli 1872 herbeigeführt haben, die Zustimmung der Verbün» beten Regierungen nicht finden. Dagegen bin ich der Ansicht, daß die konfessionellen Verhältnisse innerhalb deS Deutschen Reiches eS nicht länger notwendig erfchernen laffe», einzelne deutsche Staats» angehörige deshalb, «eil sie dem Orden der Ge- sellschaft Jrsu angehören, unter die Bestimmungen eines Ausnahme-Gesetzes zu stellen oder dem Reiche gegenüber ausländischen Angehörigen dieses Ordens eine besonder« AusweisungS-BefugniS zu belaffen. Jch glaube vielmehr, daß die allgemeinen Reichs» und Staatsgesetze genügen werde», um den ktrch» liche» Frieden zwischen de« beiden christliche» ve» ke»»t»iffen zu sichern. In diesem Sinne werde ich, soweit ich einen Einfluß auf die Instruktion der preußischen Stimmen im BundeSrote habe, zu den vorliegenden Initiativ. Anträgen des Reichs- tage- Stellung nehmen."

Die Initiativ»Anträge deS Reichstages, die der Reichskanzler hier erwähnt, wurde» am 1. Februar 1899 — also vor vier Jahre»! — im Reichstage berate«. Der eine Sesetzent» wurf trug den Namen deS Abg. Grafen Hompesch und forderte die Aufhebung deS ganzen JefuitengesetzeS, der andere trug denNamen d«S Abg. Ltmdnrg-Stirum und forderte die Auf» Hebung wenigstens deS 8 2 des JisuitengesetzrS.

Die beide« Paragraphen deS JefuitengesetzeS laute«:

§ 1. Der Orden bet Gesellschaft Jesu und bte ihm verwandten Orden und »rdenSähnltchen Kongre­gationen find vom Gebiete deS Deutsche» Reiches auS- geschloffen. Die Errichtung vo» Riederlaffunge»» ist untersagt.

8 2 Die Angehörigen d«S Ordens der Gesellschaft Jesu oder der ihren »ernandteu Orden und ordenSSHn-

An Rmb auf der SSchrbmg.

Origtealerzählung an« bet Geschichte bet ehemaligen Jülicher Lande von Aleca Ruth.

------ (Nachdruck »erboten.)

Auf der alten Aachener Heerstraße, die ge« Düren führte, jagte auf schäumendem Roffe ein Ritter in glänzender Rüstung daher. —

Die Landleute, die vom Felde und von der Trockenlegung der sumpfigen Uferstrecken heim­kehrten, verwunderten fich und sagten zu einander: .Der tolle BtuvS! Da sei Gott uns gnädig! Wen« der in unsere Lande kommt, gtbt's alle« «al ein UiglSck!"

In der Ferne tauchte« bereit» die-Festungs­werke der Stadt Düren vor dem Ange des schnellen Retter- auf. Hohe Mauern und Wälle umgürteten dieselbe. Runde Türme krönte« die Mauern, ragte« drohend au8 dem Bollwerk her­vor. Vo» de» feste« Warte« lugte« die Wächter »ach den Landstraßen aus, durch Hornfignale das Herannahen reisender Kaufmannszüge, oder irgeno eine der Stadt drohenden Gefahr ver» kündend. Aus dem Häusergewirr ragten die spitzen Giebeldächer und der schlanke Turm deS Bürgerhauses empor, auf welchem der Wächter zu den RatSoersammlungen oder bei feindlichen Üebersälle« die Glocke zog. Fünf Doppellote hoben fich in gewaltiger Konstruktion vo« dem grauen Mauerwerk ab, jedes von Söldner« be» wacht, die jeden Abend dem Bürgermeister die Schlüffe! der Stadttore abzuliefern hatten.

liche» Kongregationen könne», wen» fit Ausländer sind, au« b«m Bundesgebiete auSgrwiesen werbe»; wenn sie Inländer fiub, kann ihnen ber Aufenthalt in bestimmte» Bejirkr» ober Orten «ntersagt ober angrwieseu werben.

Der Reichskanzler gibt keinen Grund dafür an, daß da» Ausnahmerecht, das für die einzelne« Mitglieder der Gesellschaft Jesu aufgehoben werde« soll, für den Orden als solchen und seine Niederlaffunge« fortbestehen soll. Aber wozu Gründe? ES genügt, daß be« deutschen Katholiken nach langer, langer Z:tt wieder einmal ein Stückchen „Wohlwollen" ge­zeigt wurde. Dafür haben sie fich höflichst zu bedanke«. Und wenn fie bann recht brav find, dann wird vielleicht auch einmal das ganze Jesuitengesetz aufgehoben und damit ein AuS- nahmegesetz aus d.r Wett geschafft, daS setzt leider noch fortbestehen muß wegen — der Politik der Abschlagszahlungen! ,,, ,

Oder mußte es wegen des Evangelischen Bundes bet Aufhebung deS § 2 sein Bewenden haben? Gewiß, die Angst vor dem Geschrei dieses sogenannte« „evangelischen" Bundes war lange der Grund für daS Schweigen des hohe» Bundesrates. Aber nachdem man diese Angst anscheinend überwunden hat, wäre eS richtiger gewesen, gleich daS ganze Gesetz zu beseitigen, den« ein gewaltige» Geschrei wird fich auch setzt im Evangelischen Bunde erheben, nicht geringer, als wenn daS ganze Gesetz daS rühmlose Ende gefunden hätte, das e» '.verdient. Nein, diesmal ist nicht der „Evangelische Bund" die Ursache deS stückweise» Abbruchs deS Gesetzes, sondern die echt Bülow'sche Politik der Abschlagszahlungen.

Die deutschen Katholiken dürfen diesen 3. Fe> bruar deS Jahres 1903 blau anstreichen in ihrem Kalender. Er reißt wieder eine Bresche in den Manern der Kultur kampfsgesetzgebung und macht die Resie immer unansehnliber und unhaltbarer. Auch Dank, innigster Dank dürfen wir sage», aber er gilt nicht so sehr der Regierung, die ein große» Unrecht teilweise beseitigen will, son­dern bett Männern, bi« das katholisch« Volk tm Reichstag« vertreten und unermüdlich ihre Forde­rung der Aufhebung des Ausnahmegesetze» immer wieder erneuert haben und auch fernerhin er­neuern werden, bi« bet letzte Stein der Gesetz- gebung der 70er Jahre Weggeräumt ist. Ihrer Ausdauer, ihrer Klugheit gilt unser Dank, unsere wohlverdiente Anerkennung. Da» katholisch« Volk aber wird seinen Dank in die Tat ««setzen, in­dem e« diese Männer auf« Neue mit seiner Ver­tretung beauftragt.

Herrisches Weich«

Berlin, 3. Februar 1903.

4- Der deutsche Iaudwirtschaslsrat u»d der «e«e Zolltarif. Am Dienstag trat ber deutsche Landwirtschaftsrat zusammen, und gleich in der ersten Sitzung kam e» za bemerkenswerten Auseinandersetzungen zwischen de» Häuptlingen vom Landbunde einerseits und den besonnenen Vertretern der Landwirtschaft andererseits. Der Reichs- und Landtagsabgeordnete v. Olden- bürg, der „Kronprinz" des Bundes, beantragte eine Resolution, durch welche die Zustimmung deS ständigen Ausschusses zum Antrag Rarborff mißbilligt wurde. Jhi stand ein anderer des Frhrn. von Ow (Württemberg)

Vor einem dieser Tore, dem Phtlippstor, be­geh?!« der Ritter Einlaß, gab seinem Pferde bte Sporen uttb sprengte in bte Stabt hinein. In den engen Straßen herrschte rege« Leben. In bte Kaufhallen unb Kirchen kau und ging die Menge, und in den Zunfthäusern fanden fich beratschlagend bte Meister be« Handwerk« zusammen.

Hoch ragten die mit ihren Giebeln nach der Straße gerichteten Häuser empor. Sie bestanden au« Fachwerk; da« obere Stockwerk trat über das untere hervor und ließ die engen Straßen und Gaffen noch winkliger unb unvorteilhafter er­scheinen. ,

In der Näh« ber jetzigen Anuakirch« erhob fich in alter Zeit eine von bem römischen Feldherrn M. Agrippa erbaute feste Burg, bte Königsburg genannt. Auf dem Söller derselben stand ein junge« glückstrahlende« Weib, von dem Purpur­scheine M verglühenden Abendrot« umfleffen. Gleich flüssigem Golde umwallten sie bte blonden Locken; ein schimmernde« Diadem krönte die stolze Stirne, unb mit seinem Glanze funkelten um die Wette bie kostbaren Steine der biamantbesctzten Gürtel«, der ihr reiche«, faltige» G.wand zu- sammenhielt.

„Ob er heimkehrt?" drang e» in banger Frage von ihren Lippe», unb ängstlich forschend schweifte der Blick au8 den blauen Augen hinüber nach der staubigen Landstraße. Die schlanke» Hände, die auf d.m Marmelstei» oer Brüstung ruhte», faltete» sich zum Gebet, und über ber schönen Beterin blaute ber Himmel, und die eilende» Wolke» »ahme» ihre» Herzensgruß mit:

gegenüber, wonach das Vorgehe» deS ständigen AuSschuffes gebilligt und über den Antrag Oldenburg zur Tagesordnung übergangen wird. Der Antrag Ow wurde mtt 40 gegen 16 Stimmen angenommen; 12 Mitglieder, meist Angehörige deS ständigen AuSschuffeS, enthielte» sich der Abstimmung, weil fie natürlich nicht Richter in eigener Sache fein wollten. Der Bund der Landwirte hat also Inder Ge- famtoertretung der deutschen Landwirtschaft eine entschiedene Niederlage erlitten.

+ §a» preußische Saterland ist immer »och nicht genugfam „gerettet". Die.Magde­burger Zeitung' kündigt eine neue Maßregel gegen bie polnische „Gefahr" an. Vom 1. April ab sollen die EisenbahnbirektionS- bezirke Erfurt, Halle und Pofen und Magde­burg, Breslau und Kattowih zu je einer Gruppe vereinigt werden, innerhalb deren ein Austausch deS mittleren und niederen Beamtenpersonals stattfinden soll. Nament­lich solche Beamt«, die in unmittelbare B rührung mit dem Publikum (!) treten, werde» von dieser Nomabisierungs-Vorschrist betroffen. Sie werben dafür de» Herren am grünen Tisch in Berlin Dankeshnldigurg darbringen müffen, sonst werben sie am Ende gar — gelöhningt.

+ In« Gesandter» i* Aeneznela soll bem .Tag' zufolge ber erste Legationssekretär der deutsche» Gesandtschaft in Haag, Legattonrrat v. Prolliu«, ernannt fein. Diese Meldung wirb ber ,Nat. Ztg.' von unterrichteter Seit« al« „utt< zutreffenb" bezeichnet — was nicht ausschließt, baß Herr v. Prolin« boch für jenen Posten aus- ersehen ist, wenn bi« gegenwärtig« Spannung ein Ende gefunben hat. Damit hat «« aber einst­weilen noch gute Weg«.

+ Der ZsostKtat gab am Dienstag in ber Budget-Kommission deS Reichstages Anlaß zu einigen intereffanten Erörterungen. So sprach ber Abg. Dr. Paasche (*atl.) von der verschleierten Defizitwirtschaft der Reichkpost, deren Vertreter eine solche allerdings energisch bestritten. Sin Antrag Paasche, die Anleihen für Telephon - u»d Telegraphen - Anlagen im Post - Etat selbst nach und nach zu tilge», fand wenig Gegenliebe; er wurde abgelehnt. Die Anleihen für solche Anlagen, die eine Rente versprechen, werden alS produktiv aufgefaßt und damit gerechtfertigt; bis­her wurde» solche Kosten nämlich stets aus den laufenden Mitteln bestritten, nicht auS Anlechen. Die Automobile tm Postdienste haben sich, wie der Staatssekretär erklärte, nicht bewährt. Die elektrischen Automobile wurden schon nach kurzer Zett „krank" und mußten dann 14 Tage außer Betrieb bleiben; auch ließen sie es an Sicherheit derartig fehlen, daß man ihnen gewöhnliche Post­wagen zur Aushilfe »achsenden müsse. Auch Ben­zin. Automobile seien noch unzuverlässig und daher unbrauchbar. Um so mehr Vorsicht ist an- gebracht gegenüber allzu ooreiligen Forderungen für da» militärische Selbstfahrerwesev.

An- dem Reichstag*.

wo 249. «Sitzung vom 8. Februar 1908, 1 Uhr.

Vizepräsident Graf StokSerg eröffnet in Vertretung deS verreisten Präsidenten Grafe« Ballestre« die Sitzung mit der Mtttetlu»g, daß der Kaiser dem Reichstage eine »tue Fl»tte»tabelle (Vergleich der englische» »nd deutsche» Panzerschiffe und gepanzerten Kreuzer) ge.

hinüber zu dem, der in de» fernen Jagdgründen da« gefährliche Wild erjagte uxb nun auf den unsicher» Wegen auf der Heimkehr war. — Ob er wieder kehrt?

Sie schtttt in de» Burggarten hinab unb wandelte auf de» kiesbestreuten Pfade». Hebet bie blühende» Beete gebeugt, beschnitt der alte Burggärtner die Blume». Sie nickte ihm freunb« sich zu und verschwand i» den schattigen Wege» unter den Rotbuche». Ihr treuer Wächter, ber große zottige Schloßhund, schritt ihr gravttätisch und seiner verantwortlichen Stellung eingedenk zur Seite unb »ahm attch jetzt zu ihren Füße« Platz, als sie auf der Moosbank sich niederließ und träumerisch in oie Abenddämmerung blickte.

Da trat eine Rittergestalt unter den Bäume» hervor unb stand im nächsten Augenblick vorder erschreckt zurückweichenden Fürstin.

„Rittet Bruns!" rief diese ahnungsbang, wie kommt Ihr hierher? Wen suchet Ihr?" Seine düfiern Blicke erhellten fich, seine Augen glühten unheimlich, „Euch suche ich, Julitta vo» Elmenroth! Fürwahr, lange genug habe ich auf diese» Augenblick gewartet." Sie trat zurück, befremdet, stolz und in unnahbarer Würde.

„Euch scheint eS fremd geblieben zu fei», BrunS von Hilthanfen, was jedes Kind im weiteste» Umkreis weiß. Auf der R3eig8burg weile ich nicht mehr alS Gast, sonder» walte als Göttin des edelsten Menschen in diesen Mauern. Die Fürstin von Jbichau aber steht Euch ferner, als die Jttitta vo» Elmenroth Euch je gestanden."

Finster zogen fich bei diesen Worten seine i

scheute hat, und widmet dann dem verstorbene» Staats- Minister Rud. ».Delbrück, „Mitbegründer de» Reichs", dem „letzten der große» ML»ner an« jener «roßen Epoche," eine» ehrenden Nachruf.

DaS HauS tritt dann i» die »weite Etat»- berat«», rin, zunächst mit dem Sprztaletat d«s Reichstags. Dabei äußer» die Ab» y*<|Midte (hf. «gg), Singer (fojb.), 3>䮫J®a,an (hf. Aedesomr (fozd) verschiedene Wünsche. Ei» Angriff orS Abg. Singer auf bte Mehrheit, die bei den Zoll- kämpfe» die Minderheit vergewaltigt habe, wird vom Ab,. Dr. Aachem (Ztr.) energisch zulüctgewtesen.

Darauf folgt der Etat deS Reichskanzlers.

Sine Resolution Barth unb Müller-Sagan »erlan,t Neueinteilung oer Wahlkreise unter Berücksichtigung ber Verschiebung ber Bevölkerung.

Abg. Kpotzu (Ztr.) begrüßt zunächst bte in AuS- sicht gestellte Sicherung der geheime» Wahl unb erklärt sodann die endliche Gewährung von Diäten an die ReichstagSmitglieder für dringend notwendig. Umso notwendiger, nachdem der Kaiser selbst empfohlen hab«, Arbeiter in den Reichstag zu wählen. AlSdann fordert Redner noch endliche Entschließung de» BundgSratS über die Frage deS Jesuiten gefetzeS im Sinne der wiederholten Beschlüffe dr» Reichstag».

Reichskanzler Graf Noten»; Was die Diäten an­langt, so kann ich persönlich mich den dafür sprechende» ZwrckmäßigkeitS-Gründen nicht verschließen, ich mess« ihnen vielmehr «ine» erheblicher Wert bei, obwohl ich »ach den anderwett gemachte» Erfahrungen über d«n Erfolg der erhofften Maßnahmen nicht ganz sich« bin. Aber ich stehe doch and-rerseitS der Fra»e gegenüber alS oberster Reichsbeamter, der über die Ansichten der Berbündrten Regierungen nicht so htuweggehen kann. Wir alle wiffen, daß f. Z. die Diätenlofigkeit al» not­wendiges Eorrelat deS allgemeine» gleiche» Wahlrechts gedacht war, und noch heute vertreten zahlreiche poli­tische Kreise den Standpunkt: keine Diäten ohne aus» gleichende Maßnahme»! Zum Beispiel Heranfrücknng der Altersgrenze für daS Wahlrecht, und Einführung der Wahlpflicht. Alles Vorschläge, die aber ans An- nähme feiten» diese» Hohen Haufe» nicht zu rechnen Haven werden. Bedenke» Sie auch, daß s. & bei Vereinbarung der ReichSversaffung die Bundm- fürste» auf wettvblle Rechte verzichtet haben. Unter diesen Umständen ist .» b-grerstich, daß Me Neigung zu solchen Aenderungen der ReichSversaffung keine große ist. AuS diesen Gründen bin ich heute noch nicht in der Sage, die Zustimmung der ver» bündete» Regierungen zu een Diäten auSfprechen zu können. (Bravoruf rechts). WaS die Aufhebung Hl JefuitengesetzeS anlange, so erklärt der Kanone noch: Die Zulaffung vo» OrdenS-Niederlaffungen stutze die Zustimmung der Regierungen nicht. Dagegen er­scheint eS denselben nicht länger notwendig, daß auch die einzelne» ReichSa»gehöri»en, welche tzem JesuUenorde» angehören, dem bisherigen Ausnahme» recht unterstellt bleiben. Ja diesem Sinne «erde er namens der preußischen Regierung tm BnndeSrat Stel­lung zu dem bett. Jnitiativ-Sefetz (Aufhebung de« § t de« JefuitengesetzeS) nehmen.

Abg. Spatz» (Ztr.) spricht namen» des kathol.sche» Volkes seinen Dank für die Erklärung de» Kanzler» hinsichtlich der Aushebung be« § 2 beS Jesuiteugesetze« auS, obwohl daS katholische Volk eS allerdings nach wie vor für Recht halte, daß daS ganze Jesuitengesetz auf­gehoben werde (Bravo im Zentrum). Er wünsche, d«ß nun auch in den Einzelstaaten die Ueberzeugung sich Beachtung verschaffe, daß eS solcher Ausnahmegesetze nicht bedarf, em den Frieden in der Bevölkerung zu wahren. Er hoffe, daß dir Aufhebung deS ß 2 nut der Anfang sei und in absehbarer Zeit bte des ganze» Gesetzes nachfolge» möge.

Abg. Masserman« (ntl.) gibt seiner Genugtuung Ausdruck über die Sicherung der Gehsimwahl und plal- diett sodann sehr eingehend für Gewährung der Diäten. Redner erklärt fiq schließlich noch narnen»' seiner Freunde gegen de» Antrag Ba th Müller-Saga».

Abg. Fürst Momarck bekämpft lebhaft da» 8» langen nach Diäten. Man sollte lieber wie in Spandau Strafgeloer ü.er die nicht anwesenden Abgeordnete» verhängen. (Lachen links).

Abg. v. Dollmar (S. D.) hält e» für bezeichnend, daß da» Zentrum, da» für die so prinzipielle Jesuiten­gesetzfrage lange Jahre lang so lebhaft gekämpft, jetzt so bescheiden mtt einer Abschlagszahlung vorlieb nehme. Wenn der Vorredner die Diäten bekämpft hat mit Rück­sicht und au» Besorgnis vor einem weiteren Anwachsen

Brauen zusammen. „Ich roturne Euch, entfachet bie Gl» t« mir nicht zur Flamme. Schau habe ich Mühe, bas Feuer ia mit zu dämpfen. Weniger möget Ihr," stieß er grimmig hervor, „bie Ihr mich fo schmählich betrogen, nicht tun, als mich anzuhören."

„So sprecht; aber ich bitte Euch, sprecht fe, baß ick Euch anhören darf." Er lachte laut unb höhnisch auf.

„Fütwaht, Ihr hattet viel auf Sure grauen» würbe. Besser wäre es freilich, Ihr hättet da­mals, alS jener fremde Fürst sich Euch huldigend nahte, mehr auf diese Eure Frauen würde ge­halten und hättet für Gold unb einen klingenden Namen nicht so wohlfeil sein sollen." Sie winkte ihm gebietend Schweifen.

„Ich folgte dem Fürsten selbstlos als sein Weid. Nicht Rang und Reichtum lockte mich. Ich denke, Ihr sollet ihn genugsam kennen, dich man ihn seiner selbst wegen lieben kann."

„Gewiß," knirschte er, „ich kenne ihn genug« sau», um ihn glühend zn Haffen und mtt diesem meinem Haffe zu verfolgen bis an das Ende feixet Tage!"

„Mein Gott, was tat er Such," rief fie entsetzt.

„Was er mir tat? D, hohr-voll- Frage! Er nahm mit alles, waS ich liebte, die mir zuaelobte Braut, und damit gab er meiner bessern Regung den Todesstoß. Nun bin ich ber tolle Bruns, gefürchtet, gehaßt, gemieden, und diese zarte Ftauenhanb, diese kleine harmlose Hand vollendet daS Zerfförungswer! ix mir. Wohlan, er hat