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mit Anterhattungs -AnlageIllustrirte Sonntags-Zeitung"

re»ik und Verlag der Fuldaer Lctirndkulerri petersgaffe Nr. 2 CBannimie).

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30. Jahrgang.

IulDa, Freitag, den 30. Januar 1903.

J£24.

© Vorbereitung der Handels­verträge.

Der neue russische Zolltarif hat, wie eine vorläufige Mitteilung besagt, am 26. Januar die Bestätigung des Zaren schalle«. Natürlich beruft sich die betreffende amtliche russische Mit­teilung auf die neuen Tarife, die von anderen Staaten aufgestellt worden. Sen au ebenso wurde auch der neue österreichische Tarifbegründet". Llnsere FreihandelSpreffe stellt sich nun an, als sei damit der sreihändlerische Einwand gegen den deutschen Zolltarif, daß er andere Länder veralt» laffen werde, auch ihre Rüstung gegen unS zu verstärken, bewiesen. Allein daran hat doch im Ernste kein vernünftiger Mensch gezweifelt, daß alle Staaten auf den großen internationalen Bertragkhandrl sich durch eine Revision und Brr- stärkung ihrer eigenen Zollrüstung vorbereite« würden. Und eS kam nur darauf an, wer zu­rrst auf dem Platze war. Von de« großen Staaten war es das Deutsche Reick, und das ist gut so; von den kleineren aber ist die Schweiz dem Deutschen Reichs «och zuoorgekommen. Wen« dir Freihändler weiter darauf verweise«, daß btt österreichische Zolltarif dem deutschen das System der Dopp ltarife für Getreide nachze- macht habe, so hat dies für uriS doch wahrlich nichts Erschreckendes. Was Deutschland an Ge­treide nach Oesterreich-Ungarn ausführt, ist nicht der Rede wert und steht jedenfalls in gar keinem Verhältnis zu der großen Getreideausfuhr Oester- reich-Ungarns nach Deutschland.

Der österreichische Getreide-Doppeltarif bildet vielmehr nur eine Schutzwehr gegenüber Ruß- land, Rumänien und den überseeische« Konkurrenz' ländern. Jasoferu aber kommt er mittelbar auch uns zugute. Wen» z. B. Rußland auch seinen Getreideexport nach Orsterrrich erschwert findet, so wird eS umsomehr zu Zugeständnisse» sowo'fl an die landwirtschaftlichen, wie uno vas noch viel mehr an die industrielle» Interesse« Deutschlands geneigt sei«.

Für uns komme« nicht die landwirtschaft­lichen, sonder« die industriellen Zölle O-ster- reich U'garns in Betracht. Für bitte aber find ebensowenig Minimalsätze ausgestellt worden, wie für dir deutschen Jndustriezölle. Daß sie viel­fache Erhöhungen aufweisen, war als selbst­verständlich zu erwarten. Im großen und ganze» aber wird man die in dem österreichisch-ungarischen Zolltarif-Entwurf der ja übrigens »och keine Gesetzeskraft erlangt hat enthaltenen Industrie- zoll-Erhöhungen nicht als bedenklich für das Ge­lingen einer Verständigung betrachten können. Das Charakteristische an dem österreichisch- ungarische« Entwürfe ist übrigens nicht die Er- Höhung vieler Sätze, sonder» die größere Spezialisierung nach Art, Zweck und Qualität der Waren. I« dieser Beziehung ist kein Unterschied zwischen dem österreichisch­ungarischen und dem deutschen Tarif. Und ganz ebenso ist es mit dem russischen. Hier liegt eben eine allgemeine Ursache vor, dir sich i« allen Ländern mehr und mehr Geltung erzwingt: die Spezialisierung in den gewerblichen Erzeug- «tffen, das Auftauchen immer neuer Erfindungen und Verwendungsarten, hat eine vermehrte

Die Wacht des Geldes.

Kriminal-Roman von Arthur Eugen Simson.

47 ------ (Nachdruck verboten.)

Dann gratuliere ich Dir von ganzem Herzen! Ich sagte eS Dir im voraus, daß Du bei Hall- städt nicht auf Schwierigkeiten stoßen würdest, die Du zu finde« befürchtetest; er hat Dir ge­wiß feine Zustimmung bedingungslos gegeben!"

Bereitwilliger und freudiger, als ich es erwarten konnte," nickte Friedrich.Sie sind beide mit mir herübergekommen, meine Braut und ihr Vater; ich hoffe. Du wirst meine Ein- ladung zu einem kleinen Frühstück nicht ab- lehnen."

Das wäre ja eine Beleidigung! Aber die Einladung kommt mit zu einer ungelegnen Stunde; ich habe noch eine Arbeit zu erledigen und außerdem soeben diese« Bries erhalte», mit dem ich zum Untersuchungsrichter gehe« muß. Lies nur die Zeilen; Du wirst aus ihnen er­sehen, daß mich meine Vermutungen nicht irre geführt haben."

Friedrich kam der Aufforderung nach; ein Ruf der Entrüstu»g entfuhr seinen Zippe».

DaS ist stark!" sagte er.Man sollte nicht glaube», daß ein solcher Betrug möglich wäre. Du wolltest dte Frau gestern ja besuche» ?

Das ist auch geschehen, und bei dieser Se- legenheft kams zum vollständige« Bruche. Sie verlangte von mir, daß ich sie retten solle; ich habe kein Blatt mehr vor den Mund genommen und ihr alle Sünde« osrgeworsen. Und nun

Spezialisierung in der Verzollung zur notwendigen Folge.

War de« russischen Tarif von de« andere« bisher genannten unterscheidet, ist der Umstand, daß er nicht nur für einzelne Produkte, sondern für die gesamte Einfuhr einen Doppeltarif darstellt, eine« höhere« Kampftarif und eine» niederen Vertrags tanf. Bekanntlich bestand die gleiche Absicht anfangs auch i» Deutschland. Hier hat man es dann aber für richtiger gehalten, sich nicht zu sehr die Hände zu binden. Auch der russische Finanzminister hat erkannt, daß bet Doppeltarif mit seinen hohe« Kampfzölle» bie Sätze selbst werben in bem telegraphische» Rrsum« allerdings noch nicht mitgeteilt unter Umstän­den für Rußland selbst eine drückende Last wer­de» kann, und er hat sich daher hinsichtlich des Zeitpunktes für daS Inkrafttreten des neue« Tartfes vollständig freie Hand oorbrhaUen. So kann et teils nachgiebig, teils drohend auftreten je nach Bedarf, und es scheint fast, als sollte« unter Umstände« auch Teile beS Tanses vorweg in Kraft gesetzt werde« können, um einen Druck auf ein Land, daS russische Waren un­günstiger behandelt, ausübe« zu Knie«. Gedacht ist dabei anscheinend zunächst an Amerika wegen seiner DWrenzieru», des russischen Zuckers.

Im übrigen muß man genaueres abwarte», bevor man ein Urteil über de« 'neuen russischen Zolltarif fällen kann.

-d- Die städtischen Lebensmittelzölle.

Skr einigen Tagen ist in mehreren bayerischen Z-ntrurnZblätter» ei» Artikel erschienen, d.r kurz und bündig verlangte, eS sollte der Paragraph 102 deS ZslltarifgesetzeS wieder aufgehoben wer­den, der bestimmt, daß vom Jahre 1910 ab die Gemeinden keine Abgaben mehr erheben sollen für Lebensmittel, bie von auswärts her siege« führt werden, der kurzweg die Aufhebung der städtischen Oktrois vom ge* *a»rte« Zeitpuitke ax bestimmt. Der Verfasser deS Artikels ist ein ge­schätzter Zentrumsjournalist, gewiß auch von uns geschützt; aber bsistimmen können wir ihm nicht, winiaftens nicht m seinem ceteram censeo von bet Notwendigkeit bet Zerstörung des bewußte» Paragraphen.

I« einem Punkte hat der Berfäffer recht: gerade in Bayern spielt bie Sache eine ganz be­sondere Rolle. Denn i« keinem andern Bundes­staate ist der Brauch, von elngr-sührten Nahrungs­mittel» örtliche Aufschläge zu erheben, so allge­mein, wie gerade im Königreiche Bayern; und außerdem kommt »och etwas anderes t« betracht, nämlich bie Tatsache, daß im allgemeinen die Semeindeumlagen in len boy-rische» Städten nichts weniger als niedrig sind. In Norddeutsch- land glaubt man vielfach, Städte mit Kommunal« steuer» in Höhe von 200 v. H. der direkten StaatSsteuern gebe es nur im rheinisch.westfäli­schen Jndustrtebezirke. DaS ist indessen ein starker Irrtum. I« manchen kleinen bayerischen Landstädten haben die Kommunalabgabrn dieselbe Riesenhöhe erreicht, so beispielsweise in Dillingen c. d. Donau 230 Prozent, Schweinfurt 180, Kempten i. Allgäu 148, Ditzingen mehr als 170 Prozent und so fort. Es gibt also in Baywn sehr viele Städte, für die die Lebensmfttelaboaben möchte ick, offen gestanden, die Frau dennoch retten; könnte sie durch die Flucht sich dem Atme der Gerechtigkeit entziehen, ich wollte ihr gern die Wege ebnen; es ist ein schauriges Los, ei» junges Leben im Zuchthaus« vertrauern zu müffen."

Konnte sie es nicht voraussehe«, ehe sie die verbrecherischen Handlungen beging? Und kann eS noch einem Zweifel unterliege», daß sie an diesen Handlungen fick beteiligte?"

Gustav Varnay wanderte einigemale auf und nieder, dann blieb er v.r dem Freunde stehen.

Wer ihre Vergangenheit kennt, der muß sie verurteilen," sagte er,und dennoch ka»» ich dem Gefühle des Mitleids nicht wehren, das sich in meinem Herzen regt."

Die betrogene Gesellschaft hat Dir bie Wahrung ihrer Interessen anertraut!"

Der ganze Nachlaß GrieSheimS ist konfis­ziert, eine bedeutende Selbsumme befindet sich in den Händen des Gerichts. Ja so. Du weißt das noch nickt, der Untersuchungsrichter hat mir gestern die betreffenden Mitteilungen gemacht. Ja dem Nachlaß haben sich sämtliche Wert- po piere Paulas vorgefunden."

So wäre das ganze verloren geglaubte Ver­möge» gerettet?"

Nicht nur daS; an diesem Funde zerschellen auch alle boshafte» Verleumdungen, deren jene Frau sich bedient hat, um uns zu trennen."

Und dieser Verleumdungen wegen darfst Du tetne Nachsicht üben!" erwiderte Friedrich.

Im Prinzip hast Da recht, ab>r könntest Du eine Frau, die Du vor Jahre» geliebt hast, in

in ihrem Haushalte eine ganz besondere Rolle spielet»; denn wenn bie Gemeinde-Umlage« ohne­hin sehr hoch geworden find, hat man alle» Grund, vor /mer weiteren Erhöhung derselben alle k özliche und auch wirklich berechtigte Scheu zu habe».

Verichiedene Blätter, die zu der letdenfchast- lichen Oppostlion gegen den neuen Zolltarif und daS Zolltarifgesetz gehören, daS jenen begleitet, haben sich mit ungeheurem Jabel jenes Zentrums« artikel« gegen die Aufhebung der städtischen Lebensmittelabgabe» bemächtigt und ihn als Vor­wand dazu benützt, allerhand Bemerkungen loS» zulaffen über bie unüberlegte Hast, mit der die Mehrheit im Reichstage gearbeitet habe und der­gleichen mehr; und deSwegen ist es nötig, daß die Zttitrumspreffe so allgemein wir möglich der Wahrheit gemäß feststelle, daß jener Artikel ganz und gar nicht die Stimmung innerhalb der Zen­trumspartei richtig kennzeichnet. Denn erstens ist der rechte Zeitpunkt, Bedenken gegen jene» Zollgesetz-Paragraphen zu erheben, vollkommen verpaßt; das hätte früher geschehen müffen, wenn es überhaupt eine« Zweck haben sollte. Und außer, dem kann man getrost sagen, daß eine ganz er­drückende Mehrheit der Zentrumspartei auch sach­lich auf dem Boden jenes Paragraphen mit seinem Verbote der städtischen Oktrois steht, um diesen nun einmal üblichen Freudeausdruck der Kürze wegen auch hier zu gebrauchen. Mit Gewalt ist die neue Zollgesetzgebung unter Dach gebracht worbe». Es hieße ja alle bie Geister der Ob­struktion von neuem entfeffeln, wollte mau wieder einzureißen anfangen, nachdem man erst nur unter der Anwendung von Gewaltmittel« ben Bau vollenden konnte.

Zunächst muß man immer wieder darauf Hinweisen, daß die Städte siebe« Jahre Zeit dazu haben, sich bie Dinge genau anzusehen und sich zu überlegen, wie sie sich am besten au» der Affäre ziehen können. Ma» rührt sich ja auch zur rechten Zeit ganz wacker: schon im bevor­stehenden Frühjahr soll in Dresden ei« Städte- Tag statt finden zu dem Zwecke, über die beste» Mittel und Wege zu dem geeigneten Ausgleichs der Ausfalles an städtischen Einnahme« zu be­raten. Hoffentlich werden diese Beratungen in Dresden einen wirklich praktischen Verlauf xehmen, nicht »ur zu vollkommen zwecklosen erneute» Protesten und dergleichen mehr gegen die Auf­hebung der Oktrois führen.

Gerade in der gegenwärtigen Karnevalszeit drängt sich ein Gedanke mit aller Macht auf: geeignete und kräftige Besteuerung von Ver­gnügungen außerhalb und innerhalb von Vereinen wird eine sehr paffende neue Quelle städtischer Einnahmen sei». Wir denken nicht daran, etwa unS gegen die alt hergebrachte« Vergnügungen und Scherze in der Faschingszeit ereiftrn zu wolle». Aber Niemand wird leugnen können, daß diese Vergnügungen in der -neuere« Zeit überhand genommen haben, so daß sie durch ihre Vielheit fast zur Plage geworden find. ES würde ein ganz gesunder und volkswirtschaftlich auch heilsamer Grundsatz sein, solche Vergnügungen, wo das noch nicht der Fall ist, mit kräftigen Abgaben zu belegen.

Im übrigen aber müffen ganz besonders zwei Gesichtspunkte scharf im Auge lebalten werden:

den Abgrund hinunterstoßen, in dem sie rettungs­los verloren ist?"

Ist es Deine Schuld, daß dieser Abgrund vor ihren Füßen liegt? Ist sie nicht mit sehen­den Augen auf ihn zugeschritten? und kann man Dir den Vorwurf machen, daß Du sie hinunter» gestoßen habest?"

Ich bestreite das alles nicht*

So laß denn ben Dingen ihren Gang gehen; der Anteil, den Du daran host, bestand nur in der gewiffenhaften Erfüllung Deiner Pflichten."

Noch eins; der Zwillingsbruder Griesheims ist bereits vor einem Jahre in Amerika gestorben; eine amtliche Urkunde feines Todes fand man ebenfalls in den hinterlassenen Papieren."

Dann wars kein Kunststück, die Rolle des Bruders zu sp'elen, spottete Friedrich;man brauchte ja nicht zu fürchten, daß dieser Bruder plötzlich auftauchru und ben Betrug enthüllen würde. Ist Deine Arbeit wirklich so eilig, baß sie nicht bis zum Nachmittag liegen bleiben könnte?"

Ich möchte sie gern so bald als möglich er­ledigen."

Meine Braut erwartet Dich in meinem Zimmer."

Dann werde ich sie freilich begrüßen müssen," sagte Gustav scherzend;so komm' denn, ich bin bereit, bie Pflichten bei Freundes zu erfüllen."

Sie gingen hinaus; draußen im Korridor blieb Friedrich an der Treppe stehen.

Ich will doch lieber persönlich mit dem Ober- kellner wegen des Frühstücks sprechen," versetzte er; geb Du schon voraus, ich komme sogleich nach."

Ohne eine Antwort abzuwarten, stieg er rasch

daS find bie größtmög'iche Sparsamkeit im Rot- Hause und der Grundsatz, bei der Einführung neuer kommunaler Abgaben unter allen Umstände« darauf bedacht zu sei«, daß von ihnen nur und ausschließlich die Wohlhabenden getroffen werde«, der kleine Mann aber vollkommen unberührt da­von bleibt. Allgemeine Winke und Ratschläge für die Ausführung dieses letzten Grundsatzes kaffen sich en dieser Stelle nicht gebe», denn da zu find bie Verhältiifle i* de» verschiedenen Bundesstaaten und gar in den vielen einzelnen Städten viel zu verschiede«. Aber es müßte wunderlich zugehe«, wenn eS nicht überall gelinge«« sollte, unter strenger Beobachtung dieser beiden Gesichtspunkte geeigneten Ersatz für die Lebens- Mittelabgabe« zu finden, ohne die kommunale Steuerpuote zu erhöhen.

Berlin, 29. Januar 1908.

X Die Krafideuteuwayl im Neichrlage hatte am Donnerstag nicht nur bie Abgeordnetem nach langer Pause wieder einmal in dicht« Schare« versammelt, sondern auch einen genxtf- tigett Andrang des Publikums zu den Tribüne» hervorgerufen. Wen« die Besucher aber beson- bete Sensationen, große Erklärungen, Heber- raschmigen, wild erregte Szene« und dergleichen erwartet hatten, ban« wurde« sie schwer getäuscht. I« aller Ruhe vollzog fich die Zettelwahl mit Namensaufruf, bie hierfür von der Geschäfts- orbnung vorgeschrieben ist, und es wurde fast halb 3 Uhr, bis das Resultat verkündet wurde: Graf Ballestrem war mit 195 von 585 Stimmen wiedergewählt worden; 89 Zettel, offenbar von Sozialdemokraten und Freisinnige», waren unbeschrieben, einer lautete auf de» Abg Ahlwardt, worüber doS Haus mit einiger Heiterkeit quittiert-, obwohl bei keiner Zettelwahl irgend ein Ulkbruder es versäumt, Herrn Ahl- warbt feine Stimme zuzuwende». Schade, daß neben dem etwas abgebloßttn Antisemttenhäupk- Ung nicht auch Herr Singer wenigstens eine Stimme erhielt! Graf Ballestrem war nicht ftn Hause ««wesend, erschien aber später und erklärte alSbalb, baß er die Wahl, gestützt auf das Ver­trauen einer so großen Mehrheit, mit Dank ax» nehme und sein Amt wie bisher »ach bestem Wissen und Gewissen führen werbe. Damit war das Interesse der Tagesordnung ziemlich er­schöpft. Ohne große Debatte wurden die Pa­tent- und Musterschutz-Abkommen mit Italien und der Schweiz jn 1. »nd 2.Sefnsg erledigt und das Verbot der Verwendung weißen Phosphors t« der Zündwarenindustrie nach einige» Debatte« an eine besondere Kom­mission verwiesen. Auch die zweite Lesung des Kindsrschutzgssetzes wurde »och in Angriff genommen, wobei sich auf sozialdemokratischer und freisinniger Seite wieder bie bekannte Siebe für bie Landwirtschaft geltend machte, in'em man dirse ebenso wie die Industrie dem Gesetze unterwerfen wollte. Die Weiterberatung wurde

die Treppen hinunter; einigermaßen befremdet fitzte Gustav Varnoy seinen Weg fort.

Er klopfte an, keine Antwort erfolgte, und als er nun bie Tür öffnete, hielten zwei Arme ihn plötzlich fest umschlungen. Er wußte nicht wie ihm geschah, als er so unerwartet in die tiefblauen Augen der Geliebten blickte.

Vergib, wenn mein Wort in mein'» Briefe» Dich betrübt hat," fegte sie;ich will Dir fort« vertrauen und nichts soll dieses Vertrauen ee» schültern können!"

Er hielt ihre beiden Hände in den seinige» und sah ihr tief in die Augen.

Konntest denn Du wirklich an mir zweifeln?" fragte er.

Nein, aber Du hattest mir Deine frühere Verlobung verschwiegen, und bann die Be­hauptungen jener Frau ich weiß nicht, wie ich mich rechtfertigen soll, aber ich meine, ohne Eifer­sucht gäbe es keine Liebe. Ich hatte auf die Verfolgung der Betrüger verzichtet. Du aber wolltest nichts davon wissen; ich bat Dich, bie Reise zu unterlassen, Du unternahmst sie dennoch. Ich glaubte daraus schließen tu müssen, daß meine Wünsche keinen Wert für Dich hatten,"

Lächelnd wiegte Gustav das Haupt.

Ich gedachte meiner Pflicht," sagte er;ich mußte sie erfüllen, mein Gewissen erforderte ee und f j schmerzlich es mir auch war, sah ich mich dennoch tzezwungen, Dir die Erfüllung diese« Wunsches zu verweigern. Wie die Dinge jetzt hier liegen, wirst Du wisfin, und was D» «och nicht weißt, ist rasch erzählt. Griesheim ist da­mals nicht gestorben, man hat das Grab geöffnet