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mit AnterKaktungs -Meikage „Iüusirirte Sonntags-Zeitung"
•ml und verlaz der Saldaer Actieiidra^eret peiersgaAe Nr. i lvarmonie).
Jß 23. JuL^-a, Domerstag, den 29. Januar 1903.
30. Jahrgang.
Diepatentierten„Arbeitersreunde".
Es ist em Glück, daß der Arbeiterstand andere unb praktischere Freunde hat, als seine sozialdemokratischen Schutzpatrone, die fich selbst mit viele« schönen Worte« und Versprech»«, ge» das Patent ausgestellt habe«, die Arbeiter, freundlichkeit einzig und allein in waschechter Farbe seilzuhalte». Diese patentierten Arbeiterfreunde haben fich gegenüber der unbequemen Tatsache, daß die ganze sozialpolitische Gesetzgebung von andete» Leuten, insbesondere durch die eifrige und taktisch kluge Mitarbeit des Zentrums zustande gebracht worden ist, eine bequeme Doppelstellun; zmecht gemacht. Das eine mal find sie ganz un- schuldig an diese« Gesetzen, das andere mal find dieselben Gesetze alleiniges Verdienst der Sozialdemokratie — wir'S eben trifft. Wo immer etwas a« den Arbeiterverficherungs- und Arbeiterschutz' Gesetzen getadelt wird, da sagen fie de« Leute«: „Seht, daran ist das Zentrum, oder daran find die bürgerlichen Sozialreformer schuld!" Dabei verschweigen die Genoffen aber, daß jene Gesetze überhaupt nicht zustande gekommen wäre«, wenn das Zentrum nach dem Muster der Sozialdemokratie fich nur auf große Forderungen versteift und nicht durch Verhandeln mit der Regierung und de« übrigen Parteien noch manche Ver« befferungen der ursprünglichen Vorlage« durch, gesetzt hätte. Und str verschweigen ferner wohl« weislich, daß die sozialdemokratische Fraktion selbf durch ihr Verhalten gegenüber den sozialpolitischen Gesetzentwürfen die Beseitigung mancher Mängel geradezu verhindert hat. Mir Recht konnte ihr nach Vollendung der grundlegenden sozialen Gesetze der Zentrums. Abgeordnete Hitze in der Reichstags. Sitzung vom 14. Januar 1893 den Borwurf machen:
„Ueberhaupt muß ich bedauern, daß dir Herren von der sozialistischen Partei uns in all' diesen Stagen oeS «rbeiterschutzrS sehr wenig praktisch unterstützt haben. Im entscheidenden Augenblicke haben fie gegen alle so,taten Gesetze gestimmt. Wenn wir «S ebenso Hütten machen wollen, so würden wir heute so weit sein wie vor 20 Jahren und nie weiter kommen. Sie können ja sagen: eS hat nichts geschadet, bt< Majoritäten waren doch sicher. Aber ich möchte betonen- "daß wir manche weitere For. derung, ,.B.tmArbeiterfchutz-Sefetze, hätten durchsetzen können, wenn wir ans ihre volle Unterstützung bis zur Echlußabstimmung hätten rechnen können."
ES ist heute der Mühe wert, einmal a« dieses vernich lende Ur teil über die Haltung der Sozialdemokraten zur soziale« Gesitzzebung Su erinnern, wo letztere in ihrer Presse und ihrer lgitatio» die Verdienste des Zentrums um den Arbeiterstand bei jeder paffenden Gelegenheit herabzusetzen bestrebt ist und diese ihre Hetzarbeit im Hinblick auf die kommenden Reichstagswah. le« noch steigern werden.
Nun sollte man sagen, die Sozialdemokraten, die bis in die neueste Zeit hinein gegen alles gestimmt haben mit der Begründung, die betr. Gesetze seien „so schlecht und ungenügend", daß man besser ganz darauf verzichte, würde« fich doch wohl hüte«, ein ander mal für fich einen Verdienst an so „grundschlechten" Machwerken zu beanspruchen. Indes — wte's halt trefft! „Seht, daS alles verdankt ihr unö!" erklären die Genossen kaltblütig dann, wenn an der Arbeitern« ficherung, am Arbeiterschutz, an den Gewerbegerichten rc. etwas — gelobt wird. Und
Die Macht des Geldes. Kriminal-Roman von Arthur Eugen Simson. •46 ------- (Nachdruck verboten.)
„Wird er nicht das erste Wort von mir erwarten ? Ec könnte mir den Vorwurf machen, daß ich ihm gegenüber nicht offenherzig gewesen sei —"
„N cht doch, ich werde diesen Vorwurf fernhalten."
Sie gingen ins Konversationszimmer, in dem eben dieSaSlampe« augezündet wurden, und bald «ach ihnen fand fich auch HallstSdt ein.
Theodore legte ihren Arm in den des Vaters und verließ mit ihm den Saal.
I« fieberhafter Erregung trat Friedrich aus Fenster; ihm bangte vor der Entscheidung, die Zuverficht Theodores vermochte er nicht zu teilen.
Hallstädt war ein reicher Herr, er kannte den Wert des Geldes und um die Hand seines ein- ztgen Kindes wagte nun ein Mann zu werben, besaß, als eine« ehrliche« Namen.
Wer konnte wissen, welche Wünsche und Hoff, nungen Hallstädt bezüglich der Zukunft setmS Kindes hegte!
Und wenn er nun seine Zustimmung zu diesem Bunde verweigerte, waS konnte und durfte dann noch geschehen, um sein Herz zu erweichen und die Einwilligung zu erlangen?
Vielleicht wäre es doch baffer gewesen, wenn Medrich selbst mit männlicher Offenheit das erste Wort gesprochen hätte; schon darin, daß dies nicht geschehen u:id die Verlobung hinter seinem Mücken bereits erfolgt war, konnte Hallstädt eine«
eS ist ja auch — trotz unleugbarer, auch vom Zentrum nie geleugneter Mängel und Lücken — recht viel zu loben an diesen Einrichtungen; schon vor ihrer in den letzten Jahre« erfolgten Reform haben fie der Arbeiterschaft großen Nutze» gebracht, mnd vor der Wucht der Tatsache« konnte das sozialdemokratische Märchen von der „Grundschlechtigkeit" jener Gesetze selbst bei den blindlings folgenden Anhängern „der Partei" kaum noch standhalte«.
Wie sollten aber auch Einrichtungen dauernd als „grundschlecht" angesehen werden, wie z. B. die gesetzlichen Krankenkassen, welche von 1884 bis 1900 Krankenkosten im Betrage von 1533 Millionen Mark getragen haben, wovon die Arbeitgeber allein über '/r Milliarde Mark aufgebracht haben! Oder die Unfallversicherung, deren Koste«, bisher rund 700 Millionen Mark, die Arbeitgeber allein bezahlen müssen! Oder dir Sewerbegerichte, welche z. B. 1896 in 69000, 1900 in 84000 Fälle» für eine schnelle und billige Erledigung von Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis gesorgt haben! Gar nicht zu reden von dem gründ- legenden Arbeiterschutzgesetz von 1891, dessen großer Nutzen für den deutschen Arbeiter- stand gar nicht ziffernmäßig anzugeben ist!
Somit ist an unserer sozialpolitischen Gesetz, gebung doch ein gut Stück Lobenswertes. DaS hat man selbst in sozialdemokratischen Kreisen immer mehr einsehe« gelernt. Gesteht doch z. B. Genosse Paul Kampffmeyer in den .Sozialistischen Monatsheften' (Sept. 1902) in eisern sehr lobende« Artikel über die deutsche Arbeiterverficherung zu, dieselbe bedeute „eine tatsächliche ökonomische Besserstellung der Arbeiterschaft um 1V» Milliarde Mark". Da steckt nun die „Partei" in einer unangenehmen Klemme. Auf der einen Seite lehnt fie jede Verantwortlichkeit ab, schiebt die ganze „Schuld" an der sozialenGesetzgebungdemZentrumzu, auf-er andern Seite muß fie, wenn fie ehrlich sein will, bekennen: Wir haben gegen sämtliche grundlegende« Arbeiter- veistcherungSgesetze,gegen daSArbeiterschutzgesetzvo« 1891, gegen daS GewerbegerichtS^esetz oo« 1893 gestimmt. Aber diese L:sart können die Genosse« nur brauchen, wen» getadelt wird; wird dagegen gelobt, so müssen natürlich die patentierten Ar- deiterfreunde dieses Lob verdienen, und da so ein „Patentierter" nie in Verlegenheit kommt, erklärt er dann schlankweg: „Seht, daS alles verdankt ihr uns — den Sozialdemokraten!"
Man muß wirklich an de« Spatz denken, der die Schwalbe« daS Nest bauen läßt und fich bann i« seiner ganze« Breite hineinletzt. Mit der größte« Unverfrorenheit steckt „die Partei" das Verdienst an Gesetze«, welche gegen ihre Stimmen zu stände gekommen find, auch einmal in ihre jTasche«, wie's die Agitation gerade mit fich bringt. — Nein, Verehrteste, wer Verdienste um ein Gesetz haben will, der muß für dasselbe seine Stimme hergegeben habe«, der muß vor allem aber auch durch seine praktische Mitarbeit — nicht durch Reden und große Forderunzm — das Zustandekommen des Gesetzes in möglichst vorteilhafter Form gefördert habe«. Und weder das eine noch das andere habe« die Sozialdemc- {taten getan. Da fie aber absolut einen Grund für ihr angebliches Verdienst an der sozialen Ge-
Gründ zur Verweigerung seiner Zustimmung finden.
Schwankend zwischen Fürchten und Hoffen suchte Friedrich gewaltsam seine Erregung zu be- meistern; mochte die Entscheidung auch seine Hoffnungen vernichten, fie sollte ihn stark und ruhig finden, wie es dem Manne geziemte.
Aber er schrak doch zusammen, als eine Hand fich jetzt auf seine Schulter legte und er umschauend in das Antlitz Hallstadts blickte.
„Hier ist meine Hand und mit ihr mein Segen zu diesem Bunde," sagte der alte H:rr; „ich habe mich recht herzlich gefreut, denn ih wüßte keinen Mann, dem ich lieber die Zukunft meines Kindes anvertrauen würde."
„Im ersten Augenblick fand Friedrich keine Worte; auf diese« herzliche Entgegenkommen war ec doch nicht vorbereitet.
Hand in Hand standen die beiden Männer eine geraume Weile einander gegenüber, nur die Blicke pracken, und diese stumme Sprache sagte mehr als Worte es vermochten.
„Daß nur die innigste Liebe mich zu dieser ühnen Werbung bewogen hat, brauche ich Ihne« hoffentlich nicht zu sagen," brach Friedrich endlich S Schweigen, und seine zitternde Stimme be> unbete die tiefinnere Erregung. „Sie wisse«, ich bin völlig mittellos "
„Lassen wir bas," unterbrach Hallstädt ihn abwehrend; „solche Erörterungen würden diesen chöne« Augenblick entweihen. Was ich von dem Satten meiner Tochter verlange, das befihen Sie « vollem Maße, und olles Uebrige ist Neben- fache. Ich weiß, Sie werden mein Kind glücklich
sehgebung haben müssen, so pochen fie auf ihren „moralischen Einfluß", dem allein jene Gesetz- gebung ihre Entstehung verdanke. Nu«, zunächst fei festgestellt, daß das Zentrum bereits ein vollständiges sozialpolitisches Aktionsprogramm besaß, als die Sozialdemokratie kaum ’/i der Zentrumsstimmen aufwies, alfcr noch nicht gar großen Ein- fluffes fich rühme« konnte. Aber auch zugegeben, daß die in bex zunehmenden sozialdemokratischen Wählerziffern fich vielfach nur kundgebmde soziale Unzufriedenheit eine« gewissen Einfluß namentlich auf die Regierungen ausgeübt hat, daß für die Zustimmung mancher weniger sozial gesinnter Kreise zur sozialen Gesetzgebung eine gewisse Besorgnis vor der Sozialdemokratie mitbestimmend war, dies zugegeben — wie hätte denn die letztere ihren gerühmten „moralischen Einfluß" gegen den Willen der Regierungen und der anderen Parteien zur Geltung bringen wollen, etwa durch Hinweis auf bex „Kladderadatsch", bez. dessen fich der große Bebel als falscher Prophet erwiese« hat?!
Mit den Verdiensten der patentierten Arbeiter- freunde ist es also nicht weit her. Wie unrühmlich die Haltung der Sozialdemokraten gegenüber den grundlegenden sozialen Gesetzen war, da« haben fie mittelbar selbst zuzeben müssen, indem fie — au« Rüci ficht auf ihre inzwischen etwa« klüger gewordenen Mähler — den neueren Novellen zu jenen Gefetzen zugestimmt haben, allerdings ohne vorhergegargsne praktische Mitarbeit, liebst den Widerspruch, in den fie • dadurch zu ihrer früheren, durchaus ablehne den Haltung gerieten, suchen fie sich damit zu trösten, daß die Novellen eine Verbesserung der belttffenben Gesetze gebracht hätten, welcher sie hätten znstinmen können. Nun, waren jene Gesetze nicht eine viel bedeutendere Verbesserung gegenüber dem ursprünglichen Zustande gewesen? Da« werden die Sozialdemokraten wohl nicht im Ernste bestreiten wollen: sonst muß man fie nur noch einmal an die oben genannten Zahlen und an da» Urteil ihre« Genossen Calwer erinnern.
Nicht nur keine Verdienste haben fich die Sozialdemokraten erworben, auch direkt geschädigt haben fie die Arbeitersache, die Förderung der Sozialreform durch ihre verhetzende Agitation. Es ist ganz zutreffend, was ihnen der Reichskanzler bei der Etatsberatung am 22. Jan. vorhielt: „Verzichten Sie auf die Verletzung der Gefühle, die dem größten Teile be« deutschen Volke« heilig find. So manche Gegensätze können fich bann mildern. So lange Sie da« nicht tun, erschweren Sie die auf Hebung und Gesundung der arbeilenben Klassen gerichteten Bestrebungen der Verbündeten Regierungen und des Reichstages." — Es ist heute dringender denn je nötig, zu sorgen, daß diese« wahre Charakterbild der „patentierten Arbetteifreunde" keinen Augenblick vergessen wird.
Berlin, 28. Januar 1903.
X yriMj Ludwig von Asyeru a* die Deutsche« Hestereeich». Jetzt liegt der Wort
machen, und Theodore verdient es glücklich zu werden. Nur einen Wu«,ch möchte ich noch auS- spreche«, und ich denke, eS wird Ihne« nicht schwer fallen, ihn zu erfüllen."
„Fordern Sie alles —"
„Ich wünsche nichts weiter, als in der Nähe TheodoreS de« Rest meines Lebens verbringe« zu dürfen. Ich stehe allein, daS Schicksal hat mich schwer geprüft; die Erinnerung a« seinen furchtbarste« Schlag würde mich erdrücken, wen« ich in der Einsamkeit' mit ihr mich beschäftigen müßte."
„Ihr Wunsch ist auch der meinige," sagte Friedrich; „wir wolle« darüber beraten, wie er am beste* verwirklicht werden kann. Wolle« Sie dort wohnen bleibe«, wo Sie jetzt Ihre Heimat habe«, so muß ich versuchen, ob ich mich nicht dahin versetzen lasse« kann —"
„DaS wäre mit zu großen Schwierigkeiten und mancherlei Unannehmlichkeiten für Sie ver- knüpft," erwiderte Hallstädt kopfschüttelnd: „ich kann wohne« wo ich will, und bet meinem Kinde fhbe ich überall eine Heimat. Wir können« ja später berat«; einige Tage bleiben wir wohl Msammen, da finden wir also Zett genug, um über dies und anderes zu reden. Und nun kommen Sie, Theodore erwartet Sie; fie wünschte nur einige Minuten allein zu bleiben, um fich ganz n daS Glück hinelMlfinde«, das so unerwartet ie bet« ff en hat."
Arm in Arm schreiten vie beiden Herren hinaus; wer ihnen in die leuchtenden Augen chaute, der konnte fie beneiden um daS Glück, >aS rein und ungetrübt in ihnen fich spiegelte.
laut der Kaiserfestrede des Prinzen Ludwig vor. Darin finden fich folgende beachtenswerten Sätze: „Die Deutschen im Reiche freuen fich bet Macht und des Ansehens deS Reiche-, fie freuen fich, daß fie mit ihren Nachbarstaaten, in denen Millionen von Deutsch« leben, in bestem Einvernehmen find. E» fällt ihnen nicht ein, die irredenti« stifchen Anregungen und Bestrebungen anderer Deutschen zu unterstützen, und fie wünsche», daß fie auch Bürger ihres Staates bleiben und, soweit fie einer Monarchie angehören, treu zu ihrem Monarchen find. Das schließt aber nicht aus, daß fie baß größte Interesse nehmen an bereit Schicksal, unb sie wünsche», daß fie wie bisher auch in Zukunft Deutsche bleiben mögen unb bie deutsche Sprache auf ihre Nachkommen vererb« mögen."
Mit diesen Worten, die — in Anknüpfung a« die Feier des Germanischen Museum- gesprochen — übrigens auch eine Anspielung über bie damals in der Schweiz gepflogenen Erörterungen auS Anlaß der Nürnberger Rede beS Professors Vetter enthalte», hat Prinz Lubwig zweifellos nicht nur der übergroßen Mehrheit der Reichsdeutsche«, sondern auch allen gut hcchS« burgisch gesinnten Deutsch Oesterreichern aus dem Herzen gesprochen.
4- chraf Mackestrem hat in einem Schreiben an de« Präsidenten deS preuß. Abgeordnetenhauses feine Ernennung zum Herrenhaus mitflliebe unb bamit das Erlöschen seine« Mandats für den 5. Landtagswahlkreis deS Regierung-bezirh» Oppeln mitgeteilt.
* Bei dem Festmahle des Aeichstage» au» Anlaß des Kaisergeburtstages brachte der erste Vizepräsident Graf Stolberg den Kaisertoast auS. Er feierte bie Einigung Deutschlands, bie Friedensliebe deS deutschen Reiches. Beim Eingänge seines TrinkspruchS gab Grchf Stolberg seinem Bedauern darüber AuSbruck, daß er an dieser 6hHe stehe, „an der wir mein« verehrten Herrn Nachbar (Graf Ballestrem) |u sehen gewohnt find". „Ich tröste mich aber damit, daß dies Interregnum bald sein Ende haben wird, und daß ich die- Amt, welche- ich jetzt oertretungSweife führe, bald den bewährten Händen werde zurückgeben könne», die eS bisher geführt haben."
+ Miquel als Livekaler. Von dem ver. storbene» Finanzminister v. Miquel erzählt die ,Nar. Ztg/ zu feinem Ruhme, daß er in de« letzte» Jahren seiner Amtsführung alles — und mit Erfolg — aufgeboten habe, um bie Einbringung eines Gesesentwurf- flber die Dotation ober über bie äußer« Verhältnisse der Volksschule zu verhindern. „Wenigstens — so schreibt daS liberale Blatt — in der Gegnerschaft wider Orthodoxie und KlerikaliSmuS, in dem Wider will« gegen den Rückschritt auf dem Gebiete des geistigen Lebens war er wieder der alte, auch war er in den Jahre« 1899 unb 1900 M mächtig, als daß die Versuchung, der er zur Zeit deS Zedlitz'schen Entwurfs vorübergehend erleg« war, fich durch ein Zugeständnis auf diesem Gebiete in der Macht zu erhalten, damals für ihn bestanden hätte." Diese Ausführungen sagen unS
Am Morgen nach diesem Abend brachte der Portier deS Schweizerhofes in Luzern in gewöhn, ter Weife den Gästen die mit der Post eingetroffene» Briefe.
Varnay hatte sich nach dem Frühstück in feste Zi nmer zurückgezogen, um einige Anfrage» feines Stellvertreters zu beantworten; er wollte hier die Rückkehr des Freundes erwarten, um mit ihm über die Heimreise zu beraten.
Seine Mission war beendet, sobald die Nachricht« be« VersicherungS-Agenten eintrafen, bie Sehnsucht nach der Braut zog ihn zur Heimat zurück.
Was sollte er hier noch? Der Prozeß geg« Elisabeth unb ihren Bruder ging auch ohne ihn seinen gewohnten Gang; bas Ense deSselb« konnte er ohnehin nicht abwarten.
Das Schiff von Brunnen mußte gleich ei» treffen; Gustav wollte seine Arbeit beeil«, um bei bet Ankunft des Freundes zur Verfügung zu stehe«.
In dieser Arbeit wurde er durch den Eintritt deS Portiers gestört; hastig öffnete er dm Brief, dm der Eintretende ihm Überreichte.
DaS Schreibe« enthielt die sehnlichst erwarteten Nachricht«.
„Machen Sie sich daraus gefaßt, Kenntni» von einem Schurkenstreich zu erhalten, wie et wohl selten oorgekommm ist," schrieb der Agent. „Ich hätte Ihn« telegraphiert, aber da ich nicht wissen kann, in welchen Beziehungen bk Saunet >ort zu ben Telegraphen. Beamten flehen, so zog ch vor, eS zu mtterlvssm; Sie erhalten dadurch sie Nachrichten einige Stunden später, aber nm so ausführlicher.