KuldaerMZeitung
30. Jahrgang.
Iuk-a, Mittwoch, dm 28. Januar 1903.
JßJ 22.
Peutscnes Keim
Berlin. 27. Januar 1903.
tRachdruck verboten.)
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PfMnt9*rtti4: 3ii M* Nedakti« 3»L »an«, fä» Inserate 3. Parzelle» le Lu Ida.
Die Wacht des Geldes.
Kriminal-Roman von Arthur Eugen Simson.
„Sodann müßte die Damr. welche diese £)b« lkgationen reklamiert, ihre Richte beweisen und persönlich geltend machen."
„Würde eS nicht genügen, wenn ste einen, hiesigen Sachver'-valter damit beauftragte?"
„Wenn sie ihn in gesetzlicher Form bevoll. mächtigte, allerdings, aber daS Befitzrecht muß bewiesen werden."
Der Ltzvckat nickte zustimmend.
„Dieser Beweis soll nicht fehlen," sagte er, „ich werde unverzüglich darum schreibet!. G-ur.er hat noch nicht eingestanden?"
„Nein, er war vorhin wieder im Verhör, sein Leugnen wird ihn nicht retten. Daß er die Tot begangen hat, steht fest; überdies sind in seinen Papieren wie in een Papieren Griesheims merkwürdige Dinge gefunden worden. Jener ZwillingS- beudsr, den Frau Griesheim hier geheiratet Haven io«, ist fchdir vor einem Jahr drüben gestorben; ich habe dir amtliche Anzeige darüber ebenfalls in dem Nrchlaß gefunden."
„Ich dachte er mir," fegte Varrcy, den es «leichtert«, daß er auch nach dieser Seite hin keine falsch« Bffchuldigung erhoben hatte. „Ich konnte an dar Märchen nicht glauben, nachdem ich den angeblichen Friedrich GrilSheim gesehen hatte. Und die Trauung hat hier wirklich statt- gesunden ?"
folger«, daß die Zahl der selbständige» Bewerbe, treibenden sich um 14000 verminderte. Diese Tatsache ist richtig, wenn auch in Verhältnis- zahlen auSgrdrückt. nicht so erschrvkrnd. wie Bebel die Sache darstellt. Immer kommt noch auf zwei Gehilfe» ei» selbständiger Gewerbe« treibender. Doch wolle, wir gar nicht leugne», daß der bisherige selbständige Mittelstand roch weitet t» Abnahme begriffen ist und daher deS staatliche» Schutzes durchaus bedarf. Der so« genannte »eue Mittelstand, der auS kauf« männisch-n und technische» Angestellte», Werk« führen» »sw. fich zusammevsetzt und stark zu- nimmt, darf aber gewiß nicht ohne weiteres als Kanonenfutter der Sozialdemokratie betrachtet werden.
den unintrreffante« und undankbaren Fall loS wird; an der Wahrheit der betreffenden Rach« richt zu zweifeln, hat er keine Veranlaffung; er fertigt den Totenschein aus, läßt fich die @e« büßten bezahlen und denkt nicht weiter an die Geschichte."
„Aber nennen Sie das gewissenhaft?"
„WaS wollen Sie? Ein vielbeschäftigter Arzt hat wenig Zeit; ihm will ich die Last der Leichen« schau nicht ausbürden, dazu müßten besondere Mediziner angrstellt und besoldet werden."
Der Beamte schüttelte daS Haupt. ’ .
„Ich will nicht mit Ihne« streiten," sagte er, „aber entschuldigen kann ich in diesem Falle nicht." „ t
„Warte» wir ab, waS wir in dem Grabe finden werden."
„WaS es auch sein mag, ich habe stchere Be« weise, daß der hier ermordete GrttSheim nicht der Zwillingsbruder deS ersten ManneS fein kann; diese Beweise bringen die Frau ins Zuchthaus." ,
Gustav Varnay erschrak; an dieses furchtbare Los, daS Elisabeth bedrohte, hatte er noch nicht gedacht.
„Vielleicht können doch noch Mild-rungsgründ- gefunden werden," erwiderte et. Die Feau wurde möglicherweise von ihrem Manne und ihrem Bruder tyrannisiert —"
„Das entschuldigt fie nicht!"
„Aber es kann Sie Schuld mildern."
„Warten wir, welche neue Verbreche« noch hinzukommen werde»! Die Leute find hier auf« getreten, als ob fie über ein kleiner Fürstentum
+ Srinz «Ludwig »•« Kayern sollte bekanntlich nach Angabe deS ,Berl. Tageblattes, »ic Abficht habe», auf die ReichStagSrede des tdrasen Bülow über die Swinemünder kaiser-Depesch- i» etner»KaifergeburtStags« rede zu antworten. Er hat nun tatsächlich bei einer Festfeier der Reserveoffiziere wieder daS . )och auf de» Kaiser auSgebracht, aber ohne die Swinemünder Depesche zu erwähnen. Er sprach edigltch über die Förderung deS Germanische» Museums in Nürnberg durch Kaiser und Reich. DaS .Berliner Tageblatt' meint jetzt, Prinz Ludwig habe die „von ihm angekündigte Rede über daS Swinemünder Kaiser-Telegramm ver« chobe»." Damit will daS ,Berl. Tageblatt' »ffenbar nur verdecken, daß eS wieder einmal chlecht unterrichtet war.
* Hrb-«»verl-iy»«g an ei» Schiff. Das Marineoerordnungsblatt veröffentlicht nachstehende kaiserlich« Ordre von heute: „Ich will Meinem KanonenbootJltts zur bleibenden Erinnerung und zur Ehrung de« hervorragenden Verhalten« einer Besatzung im Kampf mit den Takufortt am 17. Juni 1900 eine besondere Auszeichnung zuteil werden laffen und bestimme: Iltis hat auf der Back über dem Vordersteven aufgesetzt den Orden poar le merite und auf dem Flaggenstock einen Flaggenknopf nach Mir eor gelegtem Muster zu tragen." — Eine gleichzeitige Verfügung der Staatssekretärs Tirpitz besagt, daß der Flaggen« knöpf den Orden pour le merite, umgeben von einem Lorberrkranz, zeigt, welcher die Inschrift trägt: „S. M. S. Jlti», 17. Juni 1900."
Hc GrafNaKestrem ist, wie unter den Auszeichnungen zu Kaisers Geburtstag mit geteilt wird, zum erblichenMitgliede des preußische» Herrenhauses ernannt worden. Die verlogene sozialdemokratische Hrtze wird natürlich behaupten, dies sei der „Lchn" dafür, daß Graf Ballestrem als Präfident deS Reichstages die Besprechung deS Falles Krupp verhindert hat. Tatsächlich hat wahrscheinlich die Auszeichnung des Grasen Ballestrem gar nichts mit be» letzte« Vorkommnissen im Reichstage z« tun; auch der frühere Präfident deS preußische« Abgeordnetenhauses, Abg. v. Köller, hat eine hohe Auszeichnung, nämlich den Schwarzen Adlerorde«, erhalten. Daß ein Man« wie Graf Ballestrem eine Auszeichnung erkält, ist gewiß nichts verwunderliches. Urbrigens ist der .Vorwärts' auf die wiederholte energische Aufforderung der.Germania'. Beweise für seine Verleumdung, daß Graf Ballefirem i« fremdem Auftrage gehandelt habe, brrzubritge», die Antwort bisher schuldig geblieben. Wollte man dir Ehrung des Grafe« Ballestrem mit feiner Amtsniederlegung in Verbindung bringen, dann könnte man daraus eher den Schluß ziehen, daß der Kaiser jenen Tadler« Unrecht gibt, welche dem Grafen Ballestrem zum Vorwurf ge« macht habe«, daß er die Besprechung kaiserlicher Kundgebungen im Reichstage Überhaupt geduldet
mit Ilnterhattungs-Beilage „Illnstrirte Sonntags-Zeitung!' ~ prkr«sa»r tot. S (»armmk). _
Einrichtung in England, ausgefükit werde« kann. Der Standesbeamte ist »icht verpflichtet, fich persönlich von dem Tode der betreffenden Person zu überzeugen; die Erlaubnis zur Beerdigung wird auf Grund eines ärztlich ausgefertigten Totenscheines gegeben."
„So sollte der Arzt um so gewissenhafter sein."
„Nehmen wir hier den Fall, wie er ist. Ein Blutsturz wird während der Abwesenheit der Hausarztes fingiert und mit alle« dazu erforderlichen Mitteln in Szene, gesetzt; mitten in der Nacht wird ein fremder Arzt, der nebenbei außer- ordentlich beschäftigt ist, aus dem Bette geholt. Wie es in solchen Fällen zu gehen pflegt, weiß man; der Arzt war mürrisch, er wünschte sobald wie möglich wieder Heimzukommen. Nun wird er in ein halbdunkles Zimmer geführt; den Kranken, den er im Bett findet, kennt er weiter nicht, rr steht ein kreideweißes Grficht, er ficht das Blut, der Pulsschlag ist auch nicht normal, bk Angehörigen weinen und jammer« — na es ist eine Geschichte,- wie fie häufig genug vor- gekommen sein mag; er verschreibt und ordnet an, was in solchen Fällen zu verschreiben und avzuordnen ist, und verspricht, am nächsten Morgen rotebet zu kommen. Was nun hinter ben Kulissen passiert ist, wissen einstweilen nur die Beteiligten, aber für alle Fälle find dir besten Vorkehrungen gettoffen. Am nächsten Morgen wird bem Arzt die Mitteilung gemacht, der Patient sei von einem zweiten Blutsturz befallen worben, und gestorben. Der Doktor zuckt die Achseln und ist ganz zufrieden damit, daß er
hat. Demnach würde der Kaiser also auctlenee«, daß seine öffentlichen Kundgebungen auch von dem Reichstage besprochen werde« können und solle«. - Durch die Berufung inS Herrenhaus verliert Graf Ballestrem sei« Mandat zum Ab- georduetenhause für den Wahlkreis Tarno« witz- Beuthen-KönigShütte- Zabrze- Kattowitz.
4- Aon» sächsische« Aofe läßt fich di« .Frankfmter Zeitung' an« Dresden berichten, daß wischen dem König und de« Kronprinzen Mei- nungSverschiebeuhetten beständen, die bi» zu einem persönlichen Korflikt sich ausgewachsen, und daß >er Kronprinz auf die Thronfolge verzichten «olle zu Gunsten seine» ältesten Sohne». An diesem Klatsch ist kein wahre» Wort.
» Die Seide« älteste«Söhne de» deutsche« Kaiser« werden «ach dem.Offervatore cattolico' « der zweite« Hälfte deS Aprll auf ihrer Pa- ästina-Fahrt vom Papste empfange« werde».
X Die Nerch»ta,«wa-ke» sollen nach dem neuen Reglement, daS Graf Bülow dem Bundesrate unterbreitet bat, in Zukunft bis 7 Uhr Abends (bisher 6 Uhr) dauern, vermutlich wegen »er Setlangfamung der Wahlhandlung durch dir Vorfchriftr» zur Sicherung deS Wahlgeheimnisses, sowie im Interesse der Arbeiter, die bis 6 Uhr zu arbeiten haben. UebrigenS wird das neue Verfahren sicher nur in der ersten Zeit, solange es noch ungewohnt ist, Verzögerungen herbeiführen. In Baden, wo eS feit 1896 bei den Landtagswahlen eingeführt ist, hat eS fich außerordentlich bewährt; ebenso in Norwegen, Belgien, England, Australien, Amerika u. s. w., wo es schon länger eingeführt ist. In Australien ist daS System schon bald 50 Jahr- alt. Die Kosten, von denen die konservattven und landbündlerischen Blätter sehr viel WesenS machen, werden zweifellos überall da, wo fie die Gemeinden, die zu ihrer Tragung zunächst verpflichtet find, zu sehr belasten, vom Staate getragen werden. Nach dem neuen Reglement soll es den Bundesstaaten überlassen bleiben, ob und wieweit sie die Koste» der erforderliche» Neueinrichtungen übernehme» wollen. . ,
X Sesfi-n-Mnß. Wir hatten i» der ,Fuldaer Zeitung' geschrieben, daß in unterrichteten Kreisen das Ende der Reichstaas- wider preußischen Lanbtagssesfion bis Ollern erwartet werde. Die ,Freis. Zig.' Eugen Richters meint nun, das sei allerdings möglich, aber wegen der Diäten!osigkeit des Reichstages nicht sehr wahrscheinlich. — Unfete Meldung bezog fich natürlich nur auf die Ab- fichten, die in Regierungskreisen und auch in unterrichteten parlamentarischen Kreisen bestehen. Man holt in diesen Kreisen auch an der Auffassung fest, daß mindestens im preußischen Landtage, wahrscheinlich aber auch im Reichstage, nötigenfalls mit Hilfe von Abendfitzungen, die Erledigung alle: parlamentarischen Aufgaben fich ermöglichen lassen werde. Unsere eigene Auffassung ist allerdings — daS wolle« wir der ,Freis. Ztg.' gerne zugeben — bezüglich deS Reichstages »icht so hoffaungSfreudig, und zwar auS demselben Grunde, den auch die »Freis. Ztz.' angibt. ES sei denn, daß die Regierung sich schon dabei beruhigt hat, daß ihre sozialpolitisch m Vorschläge wieder unerledigt bleiben als „schätzbares Material" für später! ■____
Vor allem aber hat Bebel ganz vergesse«, zu erwähnen, daß bei der Landwirtschaft zwar die großen Besitzer an Zahl und Grund- befitz abgenommen, die kleinen und mittlere« aber beträchtlichen Zuwachs auch an Besitztum aufzu- weisen haben. Die Zahl der landwirtschafttichen Kleinbetriebe ist von 1882 auf 1895 um 98100 gewachsen. Der hessische sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Dr. David in Mainz hat am 23. d. M. i« einer Stuttgarter Versammlung diese Tatsache zugegeben. Sie hat auf ihn solche« Eindruck gemacht, daß er ganz auf die Vertretung der sozialdemokratischen Grundsätze vergaß und den Bauer« mit Schmeicheleien und guten Ratschlägen, wie fie ihre Einnahme« ver- bessern können, um den Bart ging, während doch nach dem sozialdemokratische» Oberpropheten Engels der Untergang der Bauern un- vermeidlich sein soll (»Vorwärts' vom 12. November 1894) und Bebel auf dem Breslauer Parteitag von 1895 erklärte: „Wir können dem Kleinbauer» »icht feiee Käufer- vierung versprechen. Das würde nicht «ur unserer ganzen bisherigen Partettättgkrit, sondern auch unserem Programm widersprechen." (Parteiamtlicher Bericht S. 117.) Und da kommt jetzt Herr David und empfiehlt den Bauern Genossenschaften, Kunstdünger u.-s. w. und spricht salbungsvoll von der „In- tereffrnsolidarttät (Interessengemeinschaft) der unerschütterlichsten Art" zwischen Bauern und Ar- beitern. Recht hat er ja, wenn er z. B. betont, daß die Arbeiter de» Schaden davon hätten, wen» die Bauern vernichtet würden und deshalb in die Städte strömten, um sich hier billig a!S Arbeiteranzubiete«. Aber sozialdemokratisch ist das nicht. DaS haben vielmehr bisher stets die verschrieene« „Agrarier" gesagt und das ist z. B. auch i» einer vom Abg. Dr. Heim auf dem Mannheimer Katholikentage vertretenen Resolution nachdrücklich betont worden. Ebensowenig braucht man die Sozialdemokraten, um G -n o s s e n s ch af t e« m gründen, z. B. zum gemeinschaftliche» Kunstdüngerbezug. Die christlichen Bauernvereine find längst
geile ober bereit Raum15Pfa.,Re- klamen die Petit- jeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
[ 0 Sozialdemokratische Spiegel- I t ftchtereien.
I (?3fn seiner letzten ReichStagSrede hat Herr v-b-l, der da- Prophetien *un einmal nicht lassen kann, so oft er auch schon damit hinein- gefalle» ist, wieder einmal den „allgem-i»-» Kladderadatsch" vorauSgesagt. Rur war er diesmal so vorsichtig, hinzuzufüge»: „Wann — wisse« wir nicht." Früher war Bebel weniger zaghaft. Wie ihm sein Parteigenosse Auer, den man merkwürdiger Weise weder während deS Kamps-S um den Zolltarif »och während der GtatSdebatte im Reichstage bemerkt hat, einmal vorhiett, hat Bebel den „großen Kladderadatsch" zuerst spätestens sür daS Jahr 1889 prophezeit ; bann ließ et, al» das Jahr 1889 seine Prophezeiung nicht erfüllte, Vie gegenwärtige Weltordnung noch biS Mitte der 90er Jahre bestehen, um den Beginn des Zukunftsstaate- dann genau auf da- Jahr 1898 zu verlegen. Auch dieses Jahr und vier weitere gingen herum, ohne daß di- alte Welt auS dem Leim ging. Der „geleimte" war also offenbar Herr August Bebel.
Herr B-bel hat in seiner langen Reichstags- rede aber einen ganz besonderen Grund dasür angegeben, daß der „allgemeine Kladderadatsch" einmal notwendig kommen müsse. Denn, so war sein Gedankengang, alle Staaten der Welt wachsen fich immer mehr zu große» Militär- und Industriestaaten auS. Schließlich werden fie einmal so viel Waren erzeuge», daß es an Absatz dafür fehlt, und dann gibt eS eine» großen Krach. Was Herr Bebel da sagt, ist daS gewöhnliche Bild einer industrielle» Notlage, die aus überstürzter Maffenproduktto» entsteht. Solche Krisen haben wir schon mehrfach erlebt, ohne daß deswegen di- Welt eingestürzt wäre. Auch jetzt befinde» wir uns ja wieder «seit etwa zwei Jahren in einer'solche» Krisis, und man bars annehmen, baß eS noch gut und gern mindestens ein weiteres Jahr dauer» wird, biS eS wieder merklich besser wird. Trotzdem habe» wir nichts davon gehört, daß deswegen irgendwo in der Wett der sozialdemokratische ZukunstSstaat etabliert worden wäre.
Die ganze sozialdemokeatischr Krisentheorie gehört überhaupt zu jene« Lehrsätzen, die von be» scharfsinnigsten Gelehrte« der Sozialdemokratie zum allen Eisen geworfen worden find. Der „Genosse" Eduard Bernstein sagt sogar umgekehrt, daß die wirtschaftliche« Krise« nicht umfangreicher und verheerender würden, sonder» tm Gegenteil an Bedeutung verlieren. Die gewaltige Ausdehnung des Weltmarktes mit dem »ttbeffeiten Nachrichtendienst, der enorm axge» sammelte Reichtum der europäischen Industriestaaten und die Geschmeidigkeit der moderne» Kreditwesens wirken auSglricherd utb mildernd, sodaß nach Bernstein allgemeine SrschästSkrisen nach Art der frühere» wenigstens für längere Zett überhaupt als unwahrscheinlich zu betrachten find.
Bebel Hämmert fich aber hartnäckig nicht »ur an die veraltete Zusammenbruchs-, sondern auch an die ebenfalls längst widerlegte Brrelendungk- und Aussauaungslehre. Er berief sich in seiner Reichstagsreoe auf di- Ergebnisse der Berufs- zählnsgen von 1882 und 1895, um daraus zu
damit vorangegarge«.
Die dauernsreundliche Rede des „Genossen" David ist also nur auf den Bauernfang berechnet, ein Vorwurf, den Bebel auf dem Frankfurt« Parteitag dem „Genossen" v. Vollmar machte. Auf fäche Spiegelfechtereien aber kann heute kein halbwe^S vernünftiger Mensch mehr hereinfaüen.
„Jawohl wegen dieser ruchlosen Komödie wird Madam- fich auch noch zu verantworten haben!"
„Wollen Sie j-tzt zur Verhaftung schreiten?"
„Ich sammle zuvor »och Beweise," erwiderte der Richter; „einstweilen wird sie bewacht, entrinnen kann sie mir nicht mehr. Ich komme eigentlich zu Ihnen, um Sie zu fragen, ob und wriche Schritte bereit» geschehen sind, über den angeblichen Tod de« ersten Gatten Gewißheit zu erhalten."
„Ich erwarte stündlich Nachrichten!"
„T« find also Schritte geschehen?"
„Jawohl, und ich hoff; zuversichtlich, daß die Staattanwattschaft in meiner Heimat meinem Anträge, da« Grab zu öffnen, Folge geben wird."
„Sie hoffen da» nur? Somit wäre e» möglich, daß der Antrag abgelehnt würde?"
„Möglich allerdings; ma» entschließt sic, nicht gern, ein Grab zu öffnen."
„Das war's, was ich wisse« wollte," fügte der Richter; „ich werde »un ebenfalls bei Ihrer Siaatsanwattschaft diesen Antrag stelle« un) zwar auf Grund der Beweise, die ich bereits vorgesunden habe."
„Das kann i» keinem Falle schaden."
„Wen» jener Bruder schon vor einem Jahre aestorben ist, was wird man dann in dem Grabe finden? Ich begreife es nicht, wie es den Leute» möglich war, fich einen amtlich ausgefertigten Totenschein zu verschaffen!"
„Begreifen läßt fich das wohl," erwiderte Varnay gedan^nvoll; „wir stehen hier vor einer Lücke in unserer Gesetzgebung, die nur durch Einführung einer amtlichen Leichenschau, ähnlich der
@etnu imb Feier« Lg^virrtetjihrl. »h«»n»gerlohn und Bestellgeld tn «ulda and au8« WriMSOPs.