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CTTOBSIBR

30. Jahrgang.

Iuköa, Montag, den 26. Januar 1903.

t

Kriminal-Roman von Arthar Eugen Simson.

------ (Nachdruck verboten.)

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ttehungskrast für Dich, als der Freund, der sich hier langweilte."

»Kannst Du mir da« verdenken?* scherzte Friedrich. »Wenn «in Verlobter sich langweilt, so ist das eine betrübende Sache, aber daß er für andere ein langweiliger Gesellschafter ist, wirst Du zugeben. Und Theodore ist wirklich ein reizendes Mädchen; ich würde mich glücklich schätzen, wenn sie aber das sind nur stomme Wünsche, beffer, daß man die Trauben zu sauer findet, al» daß man durch vergebliche« Springen den Spott herausfordert. *

»Und weshalb sollten sie für Dich zu hoch hängen?*

Ich besitze nur meine Ehre und meinen Degen!*

Das wird dem Vater Theodore« genügen/' Dem reichen Manne? Ich glaube es nicht.* Da kenne ich ihn bester; Hallstädt ist in diesem Punkte vernünftig; er liebt seine Tochter viel zu aufrichtig, al« daß ihn bei der Wahl seine« Schwiegersöhne» kleinliche Bedenken testen könnten. Di« Bürgschaft, die dein Charakter ihm für die Zukunft seine« Kinde« bietet, wird ihm vollständig genüge», laß Dich also nicht butci unbegründete Bedenken entmutige».*

Die Zett ist kurz."

Ach wat, folge dem Spruche Goethe«, er kannte die Frauen; Theodore ist eine von jenen Fraurnnaluren, die im Sturme gewonnen sein wollen und lange« Zaudora nicht Ueben."

Friedrich schüttelte sinnend das Haupt.

Wird man nicht glauben, zu dieser Werbung könne nur die Aussicht auf «int reiche Mitgi t mich bewogen haben?* fragte er.

Gustav sah sich jetzt in di« peinlich« Not» weudigkeit versetzt, einen Entschluß fasten zu wüsten; er überreichte de« Freund« den Brtof, der, nachdem er ihn gelesen hatte, mit bedenklicher Miene da« Haupt schüttelte.

»Ich würde nicht hingehen*, sagte Friedrich; »Dein Au«bleiben wird sie erkennen lasten, daß sie nicht« mehr von Dir z» «rwarten hat.

Satze ich ihr da« nicht mtt dürren Worten, so wird sie an ihren Hoffnungen festhalt«» «nd in späteren Brief«» mich »lt Vorwürfen überschütten , erwiderte der Advokat »achdenklich;schon au« diesem Grunde ziehe ich di« Offenheit vor.*

Mag fein, aber einmal muß st« doch m« voll« Wahrheit erfahren. Du hast ja auch einen Brief erhalten.*

Von Hallstädt*, erwiderte Friedrich, und m seinen Auge» leuchtete e« freudig auf; »er schreibt mir, daß er übermorgen den Wanderstab «eiter zu setzen gedenke, vorher aber «oll« er morgen noch einmal den Rigi besuche» und dort über» nachten. 6g ladet mich zu dieser Partie «in

Und Du wirst natürlich di« Einladung au« nehmen!* _

Ich fürchte Deine Vorwürfe, wenn Du Dich morgen wieder langweilst.*

Scherz beiseite, Friedrich, ich rate Dir zur Annah««.*

Kannst Du denn zweifeln, daß ich dazu schon entschlossen bin? Ich werde morgen früh «U dem erste» Schiff fahren, und komme ich nicht al« Der« tobtet zurück, dann kann ich meine Hoffaungen z» Grabe tragen.* . ,

Auch in diesem Halle würde ich doch nicht verzagen*, erwidert« Gustav, während er ein«

So überlaß sie ihrem Schicksal!*

Ich darf «r jetzt nicht mehr.*

Wa« hindert Dich daran?*

In erster Reihe da» Wort, da« ich dem Agenten verpfändet habe, dann aber auch meine Pflicht, die mir gebietet, da« Vermöge» Deiner Schwester zu retten. Ich seh« jetzt wieder die Möglichkeit, e« zu können; nm so ernst-r tritt jene Pflicht an «ich heran. E« handelt sich ja nur um einen Aufschub von einigen Wochen und ich denke, auch Dir wird er nicht unangenehm sein?*

Wem sollt« der Aufenthalt a» diesem herr­lichen See unangenehm weroen?* sagte Friedrich begeistert.

Und speziell in Brunnen!* fügte Gustav lächelnd hinzu.

Die Röte der Derlegenhett übergoß da« Anil! \ de« Premierleutnant«; er schlug vor dem forschen­den Blick de« Freunde« di« Augen nieder.

Woran« willst Du da« schließ«»?* fragte er.

Aus Deinen Leußerungen über Fräulein Hallstädt. Wa« hattest Du denn gestern den Tag in Brunnen zu tun? Früh am Morgen btt Du hingefahren, um dem alten Herr» die Ver­haftung Gruner« zu berichten, und c« war Nach, al« Du zurückkehrtest. Die Parti« nach Fliielen an der Sette Theodore« hatte also größere An-

da» ihr neue Wähler zu Hunterttausende» zu« treibt.* Nicht« al« verlogenste Heuchelei! Ge­rade die .Volkszeitung' bemüht fich mit aller Absicht, inwahnwitziger Skrupellofigkett* der Sozialdemokratie Agitationsmaterial zu liefern. Daher auch ihr neueste« Märchen, das aber doch ar zu dumm ausgefallen ist. Graf Ballestrw st ja vielmehr deswegen zurückgetreten, well die .Kreuzzellung' ihn wegen seiner Zulassung der Kritik kaiserlicher Reden getadelt hat. Und mm solle« auf einmal die Wünsche der.Kreuzzellung' )ie Bedingungen deS Grafen Ballrstrem sei»! )öher kann man den Blödsinn wirklich nicht mehr treibe».

* Der Auuderrat hat eS abgelehnt, einem ihm auS Gastwirtskreise» zugekommenen i tzesuch zu entspreche», aus seiner bekannten Ver­ordnung vom 23. Januar 1902 die Bestimmung u beseitigen, wonach de» Angestellten in Aast- uad Schankwirtschaften in jeder dritte« ! Loche, in Gemeinden mit mehr alS 20000 IEinwohnern in jeder zweiten Wüche ei« un­unterbrochene Ruhezeit vo»24vtunden u gewähren ist. Die vereinigte» AuSschüffe des Bundesrats für Handel und Verkehr und ür Zoll- und Steuerwese», sowie die vereinigte» AuSschüffe für Zoll- und Steuerwese», für Handel und Verkehr» unv für Eifenbah«e^, Post und Telegraphen hiellen heute Sitzung.

* Ja Amerika weiß man noch immer nicht recht, was man mll der Sintere Iriedrich» >e» Kroßen, welche bekanntlich der Kaiser ür Washington schenken will, anfange» soll, da »er republikanische Staat schlecht für ein Denk­mal eines absoluten Königs paßt, der zu den Vereinigte» Staate», die damals noch nicht exi­stierte», in keiner Beziehung stand und steh«» konnte. In Washington zirkuliert das Gerücht, daß das Staatsdepartement die deutsche Regie­rung aufgefordert hat, die Statue, die im^Rai aufgestellt werden sollte, vorläufig zurückzu­halten, da der Platz vor der Kriegs-Akademie, wo die Statue errichtet werden sollte, infolge mancher Ausschachtungen in schlechter Verfassung sei. Deutschland soll die Statue zurückhallen, bis Amerika sie verlangt, da man befürch- tet, daß sie bei längerem Lager» dort beschädigt werde» könne. In betreff dieses Gerüchtes woll- len amtliche Stellen keine Auskunft geb»«, indeffeu wird es vielfach geglaubt. Taffächlich würde ei» solcher Wunsch von einer Ablehnung nicht wett entfernt sein. Die angegebenen Gründe find offm- bar Scheingründe; den Platz kann man schon Herrichten und die Amerikaner find bautechmsch hinreichend gescheit, um eine» Schuppen zu bauen, in dem eine Statue zeitweilig lager» könnte, ahn« daß ihr etwas passierte. Sie haben schon be­deutendere Bauwerke fertig gebracht.

* Ai« Zahl der Millionäre belief sich bei derlehtenErgänzungssteuerveranlagunginPreußen auf 6601 gegen 6016 im Jahre 1899, hat also in diese» drei Jahre» um 585 od.r 9,7 Prozent zugenommen. Unter ihnen befinden fich 5 mit Vermög« von mehr als 40 Millionen. 189» wurden 4 Millionäre ermittelt mit Vermöge» von mehr als 50 Millionen Mark. Das größte Vermögen batte ein Millionär mit 186 bis 187 Millionen Mark. I» Jahre 1899 war »acheiner

G Gras Ballestrem wird, wie ma» hoffen darf, eine Wieder- wähl zum Präsidenten annehmen. Auch der Reichskanzler Graf Bülow hat ihm einen Besuch abgestattet, um sein Bedauern über den Rückttitt deS Grafen Ballestrem auSzuiprechen. $8 ist aber, trotz der augenblicklichen Hetze der inksliberalen und sozialdemokratischen Preffe legen ihn, die allgemeine Ueberzeuguna, daß der Reichstag »och nie einen besseren Präsidenten hatte als de» Grafen Ballestrem. Immer mehr erkläre» sich unbefangene Beurteiler den Zwischenfall vom Dienstag auch auf einfache Weife, die wir von vornherein vertrete» haben, »ämlich so, daß dem Präfidenten nach der Art, wie Herr von Vollmar anhob, über den Fall Krupp* zu sprechen, die Trennung des Persönliche» vom Politische» dabei unmöglich schien, «i« begreiflicher Irrtum, de» der Präsi- beet am Donnerstag offen eingestand dadurch, daß er den Abgeordnete» Bebel, der die Sache geschickter anfing als Herr von Vollmar, ohne Widerspruch über de» politischen Teil der Kaiser- rede» au« Anlaß des Falles Krupp sprechen ließ.

Leider haben auch einige Zentrumsblätter nach allerhand anderen Gründen suche» zu rnüffe» geglaubt und ebenso auch »ach dem Rück- ttitt des Grase» Balestrem wieder nachtieferer * Gründe» geforscht. Dadurch hat ma» lediglich den Feinden des Graf«» Ballestrem neuen Anlaß gegeben, gegen diesen die schröde Verdächtigung ausrechtzuerhalte», als ob äußere Einflüsse den Grase» Ballestrem zu feinem Vorgehen bestimmt hätten. Wer die- annimmt, kennt den Grasen Ballestrem schlecht. Dieser pflegt seine Ent- schlüffe stets ohne irgendwelche Vorbesprechung mit andere» zu fasse». Tatsächlich hat er so­wohl am Dienstag wie am Freitag alle Welt, die Regierung, Vizepräsidenten, all« Parteien einschließlich deS Zentrums vollkommen über- rafcht. Wenn man gegen unsere Erklärung, die den Zwischenfall vom Dienstag auS der momen­tanen Situation ableitet, die sichtlich große Er­regung des Grafen Ballestrem inS Treffen ge­führt hat, so können wir in dieser Erregung, zumal wen» man bedenkt, daß die vorauf- gegangene« Zolltarifkämpse auch die Nerve» deS stärkste» »nd ruhigsten Mannes ruiniere« konnten, nur eine Bestätigung, aber keine Widerlegung unserer Auffaffung erblicke«.

Graf Ballestrem ist übrlge»S, nachdem er die Aufregungen der letzten Zett verwunden, wieder bei gutem Humor und wird sicherlich, wen» et die Wiederwahl onelmmt, mit derselben Gelassen­heit und Festigkeit wie früher seines schwierigen ArnteS wallen.

durchaus zu würdigen Vorübergehenden Bet- ttmmungen räumt da« deutsch« Volk keinen lauernde« Platz in feinem Herzen ein, und es zweifelt nicht, daß die Veranlaffungen dazu mmer fetten« werde«. Aufrichtig u«d von Herzen wünschen wir alle heute, daß Gott den kaiser und sei« HauS segnen und chützen möge für und für.

Deutsches Keich

Berlin, 24. Januar 1903.'

+ Metze« eine« Schukdotalionstzefetze* ü von der konservativen Partei der preußische« Abgeordnetenhaufe« eine Interpellation ein« gebracht worden. Auch da« Zentrum wird dies« Interpellation unterstützen. Von privater Ion« < ervativer Seite wird uns außerdem berichtet, daß ' lie Konservativen mit dem Gedanken umgingen, elbst dem Haus« den Entwurf eine« Schul- >otatlon«gesetzr« vorzulegen. Daran glauben wir nun einstweilen nicht, denn für die Initiativ« . einer einzelnen Partei de« Haufe« eignet fich eine o umfangreiche und schwierige Materie doch kaum. Außerdem besteht der Wunsch, die Session vor Ostern zu schließen. Die Regierung wenigsten« rechnet sicher darauf, ebenso auch, wie wir au« >ester Quell« wiffen, auf die Schließung de« Reichstag« vor Ostern.

+ Ier,Dorrvarts< schämt sich. Bei dem Protest Bebels gegen die letzte« Kaiserreden siel der ZwischenrufGemeinheit* aus den Reihe« der Sozialdemokraten, u»d der Präsident rief den unbekannte« Rufer, der wie Graf Bülow nach­her bemerkte fich schämte, seinen Name» zu nennen, zur Ordnung. Der .Vorwärts* aber, der die Rede Bebels sonst mit allenSehr richtig!*, Sehr wahr!* undBravo!* auS de» Rühen der Genoffen wörtlich im Stenogramm mitteilte, Unterschlug de» ZwischenrufGemeinheit* und ließ daher auch de» Präsidenten a» dieser Stelle nur eine nichtssagende Bemerkung machen. Auch in seinem schwülstigen Stimmungsberichte, in welchem er die Rede BebrlS in der tollsten Weise verhimmelte, schwieg er wohlweislich von jenem rohen Zwischenrufe und dem Ordnungsrufe deS Präsidenten. Auch in den folgenden Nummern schweigt fich der.Vorwärts über dieses unan­genehme Intermezzo auS. UebrigenS war auch Bebel durch de» ungezogenen Zwischenruf sehr peinlich berührt, den» et drehte fich erregt nach dem Rufer um und verwies ihn mit einet ener­gischen Handbewegung zur Ordnung.

4- Kon einemmenen Attentat nnf die Nedefreitzeit" faselt die .Berliner Volks- jeitung' des Herrn Cohn, indem fie Über eine angebliche Meldung fich entfetzt, wonach Graf Ballestrem die Annahme feiner Wiederwahl an die Bedingung geknüpft habe, daß die Geschäfts­ordnung dem Präsidenten gegen die Hereinziehung d»S Kaisers in die Debatte verstärkte Befngniffe einräumen solle. Wir haben «irgendwo eine solche Meldung entdeckt. Sie ist offenbar auch nur bet orientalischen Phantasie der.Volkszeitung" selbst enffprungen. DaS Blatt des Herrn Cohn knüpft data« eine Anzahl übetgefchnappter Be- metlungen nnb schreibt zum Schluffe:Der ganze Unverstand bet Reaktion in allen seinen krankhaften Schattierungen unb wahnwitzige» «krupellofidkeite» scheint sich verschworen zu haben, der Sozialdemokratie für die nächsten Wahlenein Agitationsmaterial znltefern,

Hallstädt nnb Theodore werden da« nicht glauben und wa« die anderen denken, wa« kümmert'« Dich?*

Nicht«, er ist wahr! Man hätte viel zu tun, wollt« man sein Handeln von dem Urteil der Leute abhängig wachen. Und doch ist'« nur eine Frage de« Augenblick«*, fuhr Friedrich träumerisch fort; bietet sich der rechte Augenblick nicht, bann z«t- fließen bie schönen Hoffnungen in Nebel.*

Der Augenblick bietet fich oft, unb häufig wirb er verpaßt*, sagte Gustav Varnay ernst; man erkennt e« erst später, unb der Storger ist bann um so größer.*

So warten wie; denn ab, wa« bi« Z«it bringt*, erwidert« der Premierleutnant,er- zwingen läßt e« fich nicht. Du warst also bei der Beerdigung «rietheim« nicht zugegen?*

Nein, wozu noch die Komödie fortsetzen? Die Ma«ke kann nun abgeworsen werden, Madame Griesheim wird ohnehin vermuten, daß . . .*

Er brach ab; der Kellner trat auf den Balkon und legte zwei Briefe auf den Tisch; der eine war an Gustav Varnay, der andere an den Premierleutnant Hage» adressiert.

Gustav erriet den Inhalt seine« Briefe« schon, als er einen Blick auf die zierliche Handschrift der Abreffe geworfen hatte; er sah fich in seinen Vermutungen nicht getäuscht.

Elisabeth bat ihn um seinen Besuch; fie be­klagt« sich bitter darüber, daß «r noch nicht ge- kommen war, nm ihr zu raten und beizustehen; fi« sprach die zuversichtliche Erwartung au«, daß er nach Empfang diese« Briefe» nicht lange zögern werde, die Freundschaft, die er ihr zugesagt habe, auch durch die Tat zu beweisen.

JE 20.

+ Zum Geburtstage des Kaisers.

Kaiser WilhelmII. trittmorge«(27.Jan.) in fein 45. Lebensjahr ein. Er steht also auf der Höhe deS Lebens, in jenem «ter, wo der Man» schon die nächst« Generation inS Dasein hinaurtreten fieht und fich der Pflicht bewußt ist, dieser jungen Generation Führer zu sein in be« Wirrnissen deS öfferttlichen Lebe«S. Auch u«ser Kaiser fieht um fich hoffnungsvolle Söhne, er schickt sie hinaus i« die wette Welt, um ihren Blick zu dehnen und zu schärfen, und er lenkt ihre Schritte in die Bahnen, welche er für sie unb namentlich für feinen ältesten Sohn als den künftigen Träger der Königs- unb Kaiserkrone für die richtige« hält. Der Besuch, den ber Kronprinz dem russischen Herrscherhaus« abgestattet hat, ist zweifellos nicht nur ein Beweis für be» festen Willen deS Kaisers, in der Srbfteundschaft mit dem Zarenhaufe zugleich den Weltftiede» zu erhalten, sondern auch ein Ausdruck deS Wunsches, baß sein Sohn dieselben Bahne« der auswärtige» Polttik stets ei»halte« möge.

DaS deutsche Volk wird im allgemeinen die auswärtige Politik Wilhelms n. auch fernerhin beibebalten wünschen, wenigstens in den großen Grundzügen, die man dahin bezeichnen kann: Erhaltung des Weltfriedens durch Festigung nicht nut der Verträge, sondern auch der persönlichen und familiären Beziehungen der Herrscherhäuser untereinander, sowie durch eine Politik der Ver­söhnung gegenüber Ländern, die unS ftühet feindlich gesinnt waren; dabei Förderung der friedlichen Eroberung der Welt durch Pflege deS überseeischen Handels unb Stärkung des An­sehens deS Deutschen Reiches auf der ganzen Erde durch Zeigen der deutschen Flagge. Diese im ganzen friedlich gerichtete Weltpolitik, die freilich doch nicht immer kriegerische Ver­wickelungen, wie in China und Venezuela, ver­hindern tonn, ist das Wesen der auswärtigen Polttik Kaiser Wilhelms II. Allerdings legt diese Politik dem deutschen Volke schwere Opfer für seine kriegerische Rüstung besonders zur See auf, und man möchte wünschen, daß das Tempo und Temperament dabei zuweilen etwas mehr Ruhe und Bedächtigkeit bewiesen habe.

Immerhin läßt fich eine einheitliche Grund- stimmung in der auswärtigen Politik deS Kaiser« dmh nicht verkennen. Schwieriger ist e», diese» einhettlichen Srundzug in feiner inneren Politik zu finden. Am hervorstechendsten ist wohl der Kampf, welchen Wilhelm II. gegen die Sozialdemokratie, deninneren Feind*, führt; einmal positiv durch kräftige Betonung deS christ­lichen Gedankens unb durch Förderung der sozialen Gesetzgebung, die fteilich keine stettge «ar, unb bann negativ durch die Befür­wortung scharfer Maßregeln gegen dir Sozial­demokratie unb' gegen Ausschreitungen der Ar­beiterbewegung.

DaS deutsche Volk weiß in seiner überwältigenden Mehrheit die große» persönlichen Vor­züge der Kaisers, fein hochgemutes unb beherz- US Eintreten für alles, was er für recht und gut hält, fei» glänzendes Auftrete», feine schwung­volle Beredsamkeit, feine religiöse Gesinnung und Gerechtigkeit gegen Andersgläubige, sein unermüdliche Sorge für daS Wohl deS Reicher