30. Jahrgang
Iue-a, Mttwoch, den 21. Januar 1903,
M 16
re
ernstlich zu hemmen.
(Nachdruck verboten.)
1
t
it
»
3«anl»<rtli*: Für Me Setattiox 3»(. $*»*. f8r Jnierate J. Parjellei ix julba.
s
BZ
be 6t
Die Macht des Geldes.
fMl*t*Mtontan von Arthur Eugen Simson.
a ärr a en " i st " w ie H and b üch er, Lnweisnvge« für! * Angesichts der Neuregelung Geschäftsführer und Vertraueusminner, Rund. ; tuteruatio^ale« AaNdelsver^hv^ttr ist os B«Ritatoat rc. Die Sozialkorrefpoudmz $ von Jutereffe, zu mffeu, welchnGestatt Me wurde wie seit Jahren regelmäßig an mehrer« haudelspsMischen DerttaZSv«rhalt»iffe hd, Me hundert Zeitungen wöchentlich versandt; dergleichen Wischen Deutschland und dm'übrige'» LLndmm die Apologetische R«respond«z. die mit de» »«. bestehen. Die .Rcrnf. Ron.' brintzt folgende Z» ginn de« Jahre« 1902 in« Leben gerufen wurde, samm.uftekrwg: KZ°"'UNd Handel, Naturgemäß mußte mit dem äußeren Wachstum vrrtragS°VerhSlt ni ff «Mfindetstch Deutsch und der erweiterten und int«nsiver«n Tätigkett bei la»b nur mit folgenden Ei aaten. Bel^n, Bereis« der Ausbau der Zentralstelle »riechenland, Italien Oesterreich^ngsr», R» gleiche« Schritt halten. Die Zahl der Beamten \ mäni'm, Rußland, Schwch
ist im sichre 1902 von 14 auf 20 gestiegen. Meistbegünstigungs-Verhältnisse st^a» Dana« Reh 7 schriftstellerisch und agitatorisch 1 wir mit Aegypten, Argentinien, Birum, »ul' Die ^iWMonÄ leitet fett blei garien, ThinL Rolumbien, Dänemark, Eeuad«, Jahre» Redakteur Dr. Thissen, die Apologetische \ Frankreich (unkündbar), Großbritannien Korrespondenz (f. 1902) Redakteur Dr. Meffert, von Großbritannien 1897 «'kündigt, inzwischm ftühe- Pfarrer der Diözese Würzburg. Der provsorisch dreimal verengert, läuft am »- wachsende Umfang der Veretn«gefchäfte ließ t« dem Dezember 1903 ab), Guatemala, engerem Vorstände geboten «rscheinen, an Stelle | Japan. Rongostaat, Retea, Liberia, Marokk, de« bisher bestehenden Generalsekretariate», welche« ' Mixcko, Niederlande Einschließlich der Rolmei«, Dr. August Pieper allein verwaltet«, nunmehr Nearagua, Paraguay, Perfien, San Dalva^r, ein dreigliedrige« Direktorium i»«neraldirektor Schweden und Norwegen, und 2 Abteilungrdirektoren) einzurichten. Dasselbe TunrS,TürreiUmguay, 6a*f-b°t- r,tzt sich zusammen au« dem Generaldirektor Dr. I degünstigungS-BerhältniS mit de« "einigten August Pieper und den Direktore» Brauns und Staate« von Nordamerika *•{**£*- 5Dr9 Lohn, welche dem bisherigen General« mehr. Ts ist zwischen diesen und ^utschland IfU «V- 3“' '» d°- »««»««« 1» | kr »•
nerallaris gilt) befinde« wir uns gegenüber Abessinien, Boltvia, Brafilie», Chile. «osta-Rica, Dominikanische Republik, Haiti, Maskat, Montenegro, Per«, Portugal und Venezuela. Mm» ersteht hieraus, welch Riesenwerk die N«regeü«G unserer Handelsbeziehungen zum Ausland« van«
stellt.
« Stärkere Schi««««. Der verttm« .Aktionär' schreibt: Wie bekannt, werde« Me Schnellzugsstrecken der preußische» Staat«- bahnen mit stärkeren Schiene« an,««« rüstet, um eine« ruhigen Saug der Züge «« eine größere Betriebssicherheit zu erziele». Hlerpe bemerkte dieser Tage ein schlesisches Blatt, daß nicht nur die Erneuerungen in dem gewöhnlichen wnfange vorgenommen werden sollen, sondern es werde erheblich über diese. Maß hinauSgegange« werden, indem in den »ächsten Jahren nur schwere Schienen für Schnellzuglinien beschafft werden. Die Notiz trifft insofern nicht zu. als sie de» Anschein erweckt, alS ob die Ausrüstung der Schnellzugstrecken mtt schweren Schienen e r ff jetzt beginnen sollte. Tatsächlich werd« schon seit mehr als vier Jahren aus allen Schn«, zugstrecken die abgängige» leichteren Schiene« durch schwere ersetzt. Die jetzige verstärkte 1* wrchsluug bezweckt, die in solche» Streck« nach j vorhandenen leichteren Schiene» schneller zu w fettigen, al» es nach dem Fortschritt derregck- mäßigen Erneuerung geschehe« würde. Mtt d« Einführung der 33,4 Rg. schwer« Schi«« ist im Jahre 1885 begonnen worden.
» Höchst a.M , 20. Ja«. 1903. Am So««, tag fa»d hier die konstituierende Versammlung der ZentrumS-WahlvereinS für d« S^hl- kreis Höchst»Homburg - Ufingen statt. Die B--r-
«m Minister gegen den Maximal. Arbeitstag.
Der preußische HandrlSminister Möller hat sich in einer anläßlich der Eröffnung der Meister, hitfe für die Rheinprovinz in Röl, gehalten« Red« u. a. als Gegner eines Maximal-ArbettS- tagt« bekannt, und zwar mit der sonderbaren Begründ»«,: „Sehr wenige Mensche« gebe» a« der Arbeit zu Grunde." Der Herr Minister dürste dies« Ausspruch etwas *«• überlegt getan hab«, sonst würde er fich wohl gesagt hab«, daß die Geschichte der modnn« industriell« Entwickelung gerade das Srgrntril lehrt. Ra» braucht »icht einmal an die geradezu verheerend« Wirkungen einer übermäßig lang« Ausnutzung der Arbeitskräfte von Rindern und Frauen zu erinnern, infolge deren die gesetzliche Festlegung einer Moximal-LrbeitSdaurr für diese Arbeiter. Rategori« in allererster Linie zu einer unumgängliche« Notwendigkeit geworden war. An die Rinder, und Frauenarbeit wird der Minister auch wohl weniger gedacht haben, als an die Ar« bettSzett erwachsener männlicher Arbeiter. Aber auch von diesen gehen »icht .sehr wenige", son- der« im Gegenteil sehr viele zwar nicht ander Arbeit, aber an den mit ihr, insbesondere mtt der Fabrikarbeit verbundenen Schädigungen ihrer «e. sundheit zu Grunde. Und diese Schädigungen werde» gerade durch überlange Arbeit-« zeit gesteiaert, während fie andekseitS durch an- gemessene Begrenzung der tägliche« Arbeitszeit in ihrer Wirkung erheblich herabgemi«dert werden können. Das traurige Rapitrl der Beruf»- Rrankheiten und namentlich der in Industrie. Arbeiter kreis« so unverhältnismäßig zahlreiche Opfer fordernden Lungenschwindsucht dürste de« preußischen HandelSmiuister doch nicht ganz unbekannt sei», andernfalls könnte» ihm die Der- tretet der sozialen Hy,i«e (GesundheitSlehre) den «g« Zusammenhang zwischen jenen Rrankheüen und der Arbeitszeit bestätig«.
Auch der erwachsene männlich? Arbeiter muß daher die Verhinderung überlanger Arbeitszeit durch ei»« gesetzlich feftgelezten MuximalarbeitS- tag im Interesse seiner Gesundheit vrr. lang« und kann sich daraus berufen, daß mit der steigenden Angestrengtheit der industriell« Arbett seine körperlich« und geistig« RrSfte um je mehr erschöpft werd«, die daS einzige Rapital darstellen, daS er zur Gewinnung seine« Lebens. Unterhaltes eivzusetzen hat. Der Arbeiter muß ein« MoximalarbeitStag ferner im Interesse fti»« geistig.sittliche» Förderung umso, »ehr wünsch«, je nachhaltig« die Gesellschaft b«c$ d« obligatorischen BolkSschul. und Fort» bÜdnngSunterricht, ourch die Berufung zur A«. teünahme am politisch« L b« auch den Arbeit« auf die Förderung seiner Geistesbildung hi«, drtbigt. Der Arbeiter, vor allem die Arbett«in, fvrd«t aber auch mit Recht im Interesse ihre« Familienlebens Beschränkung d« Arbeit«. Ihm«. Zu dieser Frage wurde noch kürzlich in d« Zeitschrift.Arbeiterwohl- (1902, 8 —9. Heft) mA geführt:
,®iie zehnstündig- Arbeitszeit bringt vor allem Ni Nt »achfenden Entfernung der Arbeiterwohnnngen we der Arbeitsstätte eine tägliche 12'/> bi» 18'stündige SrdettSdereitschoft mit stch. Rechnet man dazu acht
muß er doch eine namhafte Geldsumme mttge. nommen hab«, erwiderte der Richt«, d« for« schenden Blick fest aus ihn heftend, „in seiner Börse wurde nur ein klein« Betrag gesund«, und da er in Unfrieden von Ihn« und sein« Fra« schied, so durfte « auch nicht «warte», daß man ihm Geld von hi« nachsenden würde."
„Da« ließe fich allerdings behaupt«, mw mein Schwaz« in der Tut ein reicher.Man« gewesen wäre," sagte Srun«. „Ich weiß, vt& lich nicht, was er hivterlaff« hat, ab« an fein« Reichtum habe ich nie geglaubt. Wo« sollte « la mitnehmen? Sanz ohne Mittel konnte « seine Frau auch »icht zurücklaff« —"
„Er hatte kurz vorher über dreitausend Franken gewann«, e» läßt fich annehm«, dch er sie mitgenommen hat. Ein Portefeuille M auch nicht bei dem Tot« gefunden «ord« —*
„Ich glaube nicht, daß « ein« besaß."
„Und außer der Reisetasche hatte « keb» Gepäck?"
„Ich habe keinS gesehen. Wen» diese Tasche ausgestscht wird, so findet man i» ihr vielleicht daS Geld; ich »«mag Ihnen darüb« keine Aas- kunst zu geben."
„Wo waren Sie gest«n?* fragte der Richter, dem dies« Trotz die Salle inS Blut trieb.
Grün« warf daS Haupt zurück; ei» höhnt- sche« Lächeln «mspiette seine Lipp«.
I „Ich halte mich zwar »icht verpflichtet, die»e Frage zu beantworten," sagte «, »aber ich will e« d«noch tu». Ich war in Bru»»«, »m de« bettog«« Freund zu vnsöhn«.
„Aan» kehrt« Sie von dort znrück?
Stm.de» «t den Schlaf, 's» bleibe» täglich 3 bi» S'/X , über 2 Milli«« ausgegeben, darunter an Flug. IM Sicherung des Wahlgeh-imniffes, w'.e sie di« Stm.de» Sem Arbeit« übrig, »» sich dem Familie»' blätter« 1976000, an Heften der Sozial« Tage«. Abänderung zum Reglement ^ab^chnst,,ergedlich ä «s. äs? ä WL । «Sw m ft« B •
WSSfiWÄ®?»»-gS « S «SH*! £I E&eNtig»©SSE
viel Recht be*
lebe» a»ch «entelen g» Meta. — «« ".fe ZMterestm, die der Arbeiter zur U»terstll»»»a fei»er A»rdn«ng bet »er ArbeitrgeUvetNirz»», ,eüe»d macht, liege» weiterhin xm nächste» Inter effede t • efel I fAaft I Da» deutsch- «eit l«« -»»ÜM».» nicht bestehen, wen» die a» Zahl »»b «nfl»b wachsende Arbeiter. bevSllrtung, vor allem der weibliche Lril, nicht voller kär»etlicher Sesundheit med gexfliß-stttlicher rüchtigkeit stch erfreut. Roch weniger wird e« imstande sein, sich »ach außen hi» gelten» ,» weche». Die Erfüllung etner szial-politischen Fvrderung de, Arbeiter, wie dieirnige einer ArbeilSzeitverkärgnng, ist fit, die wesellschajt aber a»ch heute notwendig a«S staatSpelittsche» «rwägungeu im Jntereffe de, Herbeiführnug NS sozialen Friedens.
AuS all dies« Sründen ist das Zentrum ietS für einen gesetzlichen Maximal, ar beit Stag auch für die erwachsenen mSv», ich« Arbeiter eingetreten, wen» eS auch für dir sozialdemokratische Forderung ein« allgemeinen schablon«hafte« Beschränkung der ArbettSzelt ans acht Stund« mtt Recht »icht zu hab« ist. UebrigenS dürfte Herr Mölln, deffen oben er- wähnt« Ausspruch seit«s des anwesend« Zen. rumSabgeordneten Justizrat Trimborn. Löl» sofort seine Entgegnung fand, kaum im lande sei», die vom Zentrum wirksam unterstützten Bestrebungen znr Herbei- führung eine» Maximalarbeitstages
Sette gestanden hatten.
Möge auch da» Jahr 1903 mit seinen vielen Aufgaben dem Bolkr verein zahlreiche neue Mitglieder, Freunde und Mitarbeiter bring:».
„Ich komme nun zu ein« wichtigen Frage," sagte d« Richter, nachdem er einen Blick in daS Protokoll geworfen hatte. „Nahm Ihr Satte eine bedeutende Geldsumme mtt?"
Die junge Frau schüttelte den Ropf.
„Die Frage kann ich nicht beantworten," er- wttwrte fie; „er hat mir nicht gezeigt, wr» er
„In sein« Taschen wurde eine Börse ge- funde», die »ur eine keine Lumme enthielt; eS Lßt fich nicht wohl aunehmen, daß « mit diesem «bedeutenden Betrag die Reise ar getreten haben soll. Sin Portefeuille sand fich in sein« Tasch« nicht vor; hat « rin solches besessen?"
„Ich muß wiednholrn, daß ich dies« Frage nutzt beantworten kann; wie gesagt, um solche Di»ge habe ich mich nicht gekümmert."
„Wiffe» Sie auch nicht, ob er Gepäck mttge. nomme» hat?"
„Mur eine Reisetasche; mein Bruder trug fie, »i» « den Scheidende» begleitete."
.,Enthielt diese Tasche Geld?"
„Ich weiß e« nicht, ich war nicht zugegev, als « fie packte."
D« Richt« schickte de» Beamt« fort, nm Snm« zu r»f«; erst als dies« ehtgrttettn war, trfwdite er die Witwe, fich zu «tfeni«.
Sr stellte ihm fast biefelMi Frag«, die «
8rt Wttittti» flk te dcholW Vrttschlm»
jat fich im vergang«« Jahre «ach allen Seiten stn «freulich entwickelt. Wa» zunächst den Mit» iliederzuwach» angeht, so haben insbesondere olgende Landesteile «inen außerordentlich« Ans- chwung zu »«zeichnen: ausgeschiedene Mitglieder abgerechnet, hat Rheinland tat Jahre 1902 rund 8000, Westfalen 9000, Schlesien 2500, Hessen- Raffau 2200, Württemberg 2600, Elsaß Lothringen 1000, Hannover 1800, Königreich Sachsen 1500 | neue Mitglieder dem Vereine zugeführt. Während der Sesamtmttgliedttbestand be« Volksverein« ge» leaenttich seiner letzten Sen«al»«sammlung in Mannheim für Ende Juni 1902 auf 269 000 angegeben wurde, beziffert fich derselbe jetzt auf | mindesten« 220000.
Diese« äußere Wachstum ist dem reg«« inneren B«rei»«leben zu verdanken. Der Zentralstelle wurden von Mttte Dezember 1901 bi« Mttte Dezember 1902 unter Angabe de» Tage« und der Redner 998 vom Verein veranstaltete Volk«ottfammlungen gemeldet. Von ber Zentralstelle an« wurden in verschiedenen Lande«t«ilen, in«befonb«e in Rheinland- Westfalen, Schlesien und Sachsen Organisationkkonferenze» für größere Bezirk« veranstaltet, welche bi« zu 100 und mchr Teilnehmer au« allen Ständen aufwiesen.
An Druckschriften wurden — außer der B«ein«zettschrift, der« letzte« Heft al« Soll«, vereinekalender für 1903 6ereü« in einer Auflage von 290000 Exemplaren verbreitet worden ist — b« jungen Frau gestellt hatte; im großen und ganzen stimmte» seine Antworte» mit denen Elisabeths überei».
„Sie sollt« also Ihren Schwager an der Eapellbrücke verlass« haben?" sagte der Richter im Laufe deS BerhörS. „Auf der Brücke selbst muß daS Unglück gescheh« fein, Sie könnt« also nicht weit entfernt fein, als der Sturz inS Woffer erfolgte. Haben Sie keine» Hilferuf ver- nomm«?"
„Hätte ich einen solchen Rus gehört, so würde ich sofort wieder umgekehrt fehl", erwiderte Gruner trotzig.
„Aber ein anderer vernahm ihn, der dem Verunglückt« nicht so «ah« war, wie Siel"
„Vielleicht war daS auch nur eine Täuschung, aber eS kann ja sein!"
„Sie find sofort nach Hause gegang«?" „Sofort."
„Und wie erklären Sie d« Unfall, der Ihre« Schwager beiroffe« hat?"
„Ich habe darüber noch «icht nachgedacht", sagte G««er, „und es nützt ja auch nichts, w«« man fich d« Kopf darüber zttbricht. Mein Schwager hatte eine« starke« Rausch; eS fiel meiner Schwester u«d mir auf, daß « beim Abeudeffen und auch noch nach demselbm so viel und so hastig trank; eS ist keineswegs unmög- lich, daß « eise» Selbstmord beabsichtigt hat."
„Lag irg«d eine Veranlassung zu dieser Ab. ficht vor?"
„Ich denke doch. Sr hatte mtt falsch« Kart« g-spiett und eine« Freund unseres Hauses um eine namhafte Summe betrog«. Die Ratte« be-
a 8Ä-tw. oder deren TaW BB 1h Sä! , W W W W Uli irile25 W. bet Ok/ IÜEx/ WfflL JwL Wiederholungen
wird entsprechend.
Rabatt gewährt.
6 »rn« un» t>erlaa kr 5nl»«r Xctieniruitexrt OHltlßÄfi’ÄjfuuKU’ P<WJ< H». « (»armoxid.
Deutsches Keich.
“-»rrit'n, 2v. Januar 1903 |
• Sichenmg des Wahlgeheimnisses. I Der Reichskanzler hat in der Sitzung am Dienstag die Erklärung abgegeben, daß dem Bundesrat ei« Antrag unterbreitet sei, im Wege der Ergänzung be« Reglement« für die Reichstagswahlen Bestimmung« zu erlaffe«, wo« nach die Abgabe be« Stimmzettel« in einem Umschlag zu erfolgen und bie Einfügung be« Stimmzettel« in den Umschlag derart stattzufinden hat, daß der Wähler, ohne daß er von irgend einer Person gesehen werden kann, den Stimmzettel in den Umschlag legt. — Der Reichstag Hst bezügliche Anträge der Zentrumspartei und der Freisinnigen Vereinigung zuletzt am 1. Mai 1902 angenommen gegen die Stimmen der beiden konservattven Parteien. Diese Anträge waren in der Form eine« Gesetze« zur Abänderung de« Wahlgesetze« gestellt. E« wird nach näherer Renntni« be« neuen Reglement« zu prüf« fei«, wie wett sich ba«feI6e mit jenem Gesetzesvorschlag deckt. I« bem letzteren war auch bie Bestimmung enthalt«, baß kein Wahlbezirk weniger al« 125 Einwohner enthalten bars. E« liegt auf bet Hand, daß in kleineren Wahlkreis« alle Vorkehrungen sanden fich in den Händen deS Bettogen«, der mit polizeilicher Anzeige gedroht hatte —"
„Griesheim leugnete die Schuld?"
„Vor seiner Frau allerdings, aber ich kannte ihn beffer; mir gegenüber konnte er nicht leugnen."
„Gr betrieb daS falsche Spiel wohl gewerbS- mäßig?"
„Das will ich nicht behaupt«; er war lange in Amerika gewesen, dort mögen böse Beispiele gute Sitte« verdarb« habe«. Ich hatte ihm aller- dtngS versprochen, den betrogenen Freund am nächsten Tage zu besuchen und die Sache so gut wie möglich zu ordnen, aber eS fehlte daneben auch nicht an verdienten Borwürfe» u»d meine Schwester drohte ihm sogar mit gerichtlicher Schei- düng. Mochte die Angelegenhert nun auilaufen wie fie wollte, die Achtung feiner Frau hatte er verloren und der häusliche Friede war für alle Zeiten gestört."
„Und Sie glauben, daß ihn dies zum Selbst, mord getrieben haben könne?"
„ES hat schon mancher auS minder triftigen Gründen feinem Lebe» ei» «»de gemacht."
„Auf eine Entdeckung seiner Betrügereien mußte er jederzeit vorbereitet fehl, und ich zweifle auch nicht daran, daß er eS war," sagte der Richter kopfschüttelnd; „ein notorischer Verbrecher faßt den Entschluß der Selbstentleibuug nicht so rasch. SrieSheim hat die Reise wohl mit dem Vorsatz an, nicht mehr hierher zurückzukehren?"
„Darüber hat er unS im Unklar« gelassen; er wollte ab warte«, welche» Erfolg meine Mission hatte und da»« von »eni auS schreiben." | „War er darüber selbst noch im Zweifel, so
M liiltmcr
Lsri,lM.50Pf.