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mit Anter-aktimgs -Anlage „Mustrirte Sonntags-Intung"
M 12.
JuLöa, Freitag, dm 16. Januar 1903.
30. Jahrgang.
Die Macht des Geldes. Kriminal-Roman von Arthur Eugen Simson. $5 ------ (Nachdruck verboten.)
„Und wo willst Du die Beweise suchen?" sagte Friedrich.
„Im Grabe des angeblich Verstorbenkn."
„Sind dazu bereits Schritte getan?" fragte Hallstäst.
„Sie werden ix de» nächsten Tagen geschehen. Vor allen Dinge« handelt eS sich nun darum, die Leute hier festzuhalten. Mache» Sie die Polizei darauf aufmerksam; liegt leine Berechtigung zur sofortigen Verhaftung Gruners vor. so muß der Mann scharf überwacht und unter irgend einem Vorwande a» der Abreise verhindert werden. Inzwischen gehe ich zu Madame Griesheim, um auch hier die Flucht zu verhindern. Ich werde mich bei ihr über daS rohe Benehmen ihres Bruders beschweren und ihr erkläre», daß er unter jeder Bedingung eine befriedigende Genugtuung geben müsse."
„Damit wirst Du Deinen Zweck nicht erreichen," erwiderte Friedrich achselzuckend. „Wenn der Schnrke keine Genugtuung geben will —"
„So werden wir ihn dazu zwingen," fuhr Gustav fort; „wir können'« ja auch nicht und Fräulein Hallfiädt wird gewiß gern darauf verzichten, daß er fie um Verzeihung bittet. Ich bezwecke ja nur, ihn hier festzuhalten, bis ich fichere Beweise habe, und wir müffen alles aufbieten. um das zu erreichen."
„Ich werde dar meinige tun," nickte Hallstädt.
„©• stehen Sie jetzt, damit keine Zett versäumt wird," drängte der Advokat; „Du bleibst hier, Friedrich, wir finden wohl nachher noch eine ruhig« Stund«, in der wir Über unser« eigenen Angelegenheiten plaudern können."
Der alte Herr nahm seinen Hut und eilte hinaus. Friedrich machte noch einmal einen Versuch, Gustav zu bewegen, von seinem Vorhaben abzustehen, aber Varnay achtete nicht auf ihn und seine Gründe; er entfernte fich ebenfalls, um Elisabeth zu besuchen.
Er wußte sehr wohl, aus welche« Grunde Friedrich nach Luzern gekommen war und ihn aufgesucht hatte; er zweifette keinen Augenblick daran, daß Paula den Bruder geschickt hatte, um ihn zurückzuhatten, und er fand darin seitens seiner Braut eine Bevormundung, die ihn erbitterte.
Aber er erinnerte fich auch, daß Elisabeth e8 gewesen war, die diese« Mißtrauen in di« Seele seiner Braut gesäet hatte, und seine ganze Erbitterung richtete fich gegen diese Frau, die mit ihren Machinationen sein Lebensglück zu vernichten suchte.
Als er in die Straße, in der fie wohnte, einbog, fiel es ihm sofort auf, daß fie heute belebter war, al« an den früheren Tagen. 6t sah mehrere Gruppen von Personen au« der unteren Volks- klaffe, di« fich eifrig mit einander unterhielten, aber er achtete nicht darauf, erst al« er in da« verstörte Gesicht des Dienstmädchen« blickte, da« ihm die Han«tür öffnete, wurde er aufmerksam.
„Ist etwa« besonders vorgefasten?" fragte et.
„Wissen Sie e« noch nicht?" erwiderte da« Mädchen. „Lieber Gott, welch' ein Unglück!"
© Falsche Wahltaktik.
I» Danzig hatte, wie schon mehrfach er« wähnt, das Wahlkomitee der Zentrumspartei für die ReichStagScrsatzwahl Stimmenthaltung de» Zentrumswähler» empfohlen, obwohl im Jlchre 1898 da« Zentrum mit über 8000 Stimme» an dritter Stelle kam. Hebet die Gründe, warum unsere Parteigenosse» in Danzig diesmal »icht zur Wahlurne gehe» zollten, hat man bisher nichts erfahren, obwohl d»S Befremden über diese Haltung tu der ZentrumSpreffe stark genug zum Ausdruck kam. Wir können heute auch eine Aeußerung der «Köln. Bolksztg/ in diesem Sinne verzeichne», der allerdings die irrtümliche Annahme zu Grunde liegt, daS Zentrum habe einfach zu Gunsten der Konservativen abgedankt. Sin solcher Beschluß wäre unseres Erachtens nicht einmal so schlimm wie bie Parole der Stimmenthaltung, denn er hätte, astgemein befolgt, wenigstens dazu führen können und müssen, daß statt des Sozialdemokraten der, wie ein freisinniges Blatt gesteht, allgemein beliebte konser- satise Bewerber in die Stichwahl gelangt wäre.
Ha te daS Zentrum aber Gründe, nicht mtt den Konservativen zusammenzugehen, so war daS doch keine Ursache, fich gänzlich der Abstimmung g» enthalte«. Ob ein Erfolg zu erwarte« war oder nicht, ist hier ganz nebensächlich. Auch die Nähe der allgemeinen Reichstagswahlen kann bie Stimmenthaltung bei bet Ersatzwahl nicht recht- festigen. Im Gegenteil hätte fie ein Grund mehr sein müsse», um in bie Ersatzwahl, und zwar möglichst mit einem eigenen Bewerber, tatkräftig einzuzteife», wat auch kein Erfolg zu erwarten, so wäre bie Wahl doch eine treffliche Srerzier-SHegenheit für bie Parteiorganisation und ihre agttatorische« Kräfte und gleichsam eine General-Probe für bie nächste Wahl gewesen. WaS hat man jetzt erreicht? Daß die Blätter die ZentrumSwähler jetzt als HilsSttuppe teil« bet Konservative«, teils der Sozialdemoktate« betrachten; daß bie sozialbemoktatrsche Presse sich de» Anschein gibt, al» wen» säm.liche Zentrums. Wähler für de» kon.ervativen Kandidaten gestimmt betten. SS ist daher für Zentrum und Konfer- vattve einen Rückgang von 2000 Stimme« heraus- gerechnet. Da» ist natürlich falsch, da sicher höchstens der dritte Teil der Zent.umSwähler für den Konservativen geüimmt hat. Der sozialdemokratische Zuwachs von 1700 Stimmen kann ebensogut teilweise auf die Beteiligung von Zen- lrumSstimmen zurückgeführt werden, wenn auch der größere Teü jener 1700 Stimmen zweifeaoS de» freisinnige» Verlust von über 1000 Stimme« «klärt.
Aber gerade diese Rechnung zeigt, wie «er- kehrt t» den meiste» Fälle« die Stimmenthaltung iS: zum große» Tell folge« die Wähler dieser Parole nicht und falle« andere» Parteien zu. Daraus könne» fich sehr leicht dauernde Der- Aste ergeben, besonders wenn bie gleiche Abstinenzparole fich noch einmal wieberholen sollte. Soweit aber bie Wähler derselben wirklich folg!«, werben sie auf hiese Weise gerabezu an Wahl- ttäßheit gewöhnt. Eine wettere üble Wirkung ist bie, baß bei späteren Wahlen die andere« Parteien kaum noch mit dem Zentrum rechnen.
jedenfalls aber viel weniger zu Zugeständnissen geneigt fein werde«.
Wir habe« de» Danziger Fall absichtlich etwas eingehender behau bett, weil wir daran bie allgemeine Mahnung knüpfen möchte«: l)we»n nicht ganz zwingende Gründe »ottiegen (und wann kommt dies jemals vor?), niemals auf bie Beteiligung »n einer Wahl zu verzichten, unb 2) im erste» Wahlgange womöglich überall selbständig vorzugehen. Bonder zweite« Regel wird ja allerdings zuweilen eine Ausnahme gemacht werden müffen; aber diese Ausnahme sollte- nie auf Begnernlichkett, mangelhafter Organisation »der gewohnheitsmäßigem Zusammengehen mtt anderen Parteien beruhen. Wo wirklich einmal guter Grund vorhanden ist, eine andere Partei schon im erste» Wahlgange zu unterstützen, da sollte auch dies nicht geschehe», ohne daß der Kandidat dieser Partei bestimmte Garantie» gibt bezüglich feiner kirchen- und sozialpolitischen Haftung, und man sollte zugleich zu er« reiche« suche», daß bie unterstützte Partei dafür in bestimmten andere« Wahlkreisen ober bei anderen Wahlen volle Gegenseitigkeit gewährt.
ES gibt aber eine ganze Anzahl von Wahlkreise«, wo baS Zentrum hiSher gewohnheitsmäßig andere Parteien unterstützt Hst, während es sehr wohl selbständig vorgehe» könnte und sollte. Im Wahlkreise Ha»an-Gelnhausen z. B., der eine beträchtliche katholische Minderheit besitzt (die Gemeinden des sogenannten „Freigerichts" in diesem Wahlkreise find z. B. so gut wie ganz katholisch), sind die LentrnmSwähler bald vor de» freisinnigen, bald vor den konservativen Parteiwagen gespannt worden, während fie sehr gut eine ansehnliche Stimmenzahl für einen eigenen Kandidaten aufbringen könnten. Das kann nur verwirrenb und zugleich abstumpsend auf die eigenen Grundsätze wirken.
Nimmt man hinzu, welche moralische Stärkung bet Partei e» bedeuten würde, «en« durch möglichst allgemeines, selbständige- Vorgehen bie Gesamtzahl bet Zentrumsstimme« beträchtlich erhöht würde — die Sozialdemokraten stellen deshalb bekanntlich in allen Wahlkreise» eigene Kandidaten auf — so kann eS nicht zweifelhaft sein, für welche Taktik bie Wahlkomitees der Zentrumspartei fich möglichst überall, wo nur irgend eine nennenswerte Zahl von katholischen Wählern vorhanden ist, fich entscheiden sollten. Möchten diese Gedanke« bei der Vorbereitung der nächste« ReichStagswahlen recht beherzigt werde«!
Berlin, 15. Januar 1903
tl Ao» Kronprinz hat, wie die ,Fuld. Zlg.' schon gestern kurz mitteilte, nach herzlicher Verabschiedung von seinem Vater, der ihm bi« zum Zuge da« Geleit gab, am Mittwoch Abend die Reise nach St. Peter«burg angetreten. Auch der russtsche Botschafter Graf Osten-Sacken war
mtt den Herren seiner Botschaft zur Verabschiedung am Bahnhose erschienen.
4- chras Konrad Zfreysing will, wie in einem Auftrage der Avg. Dr. Pichler am letzten Sonntag in einer Wählerverfammlung in Plottling erklärte, kein Mandat zum Reichstage mehr annehmen. Diese Mitteilung wirb im Zentrum allgemeine« Bedauern Hervorrufen. Gras Preyfing ist einer ber ältesten und verdienstvollsten Parlamentarier der Zentrumspartei. Wie die,Donauzeitung' erfGrt, wird an seiner Stelle Stadt- »fetter Hintrrwinkler von Plaitlmg kandidieren.
+ Ao« H* neuen Aandekoverträge« wirb, wie jetzt auch die ofsiz öse ,Sübb. Reichs- korresp.' bestätigt, denn gegenwärtigen Reichstag voranSfichtlich keiner mehr vorgelegt werben. Ma« dürfe überzeugt fein, daß Deutschland durchaus die der Sache angemessene Bereitwilligkeit entwickle, „wenn auch mtt gutem Grund ver. mieden wird, durch übereifrige Einladungen ber beliebten Annahme Vorschub zu leisten, als fei bie Erneuerung ber Tarifverträge einseitig ober Überwiegenb deutsches Bedürfnis. Dieser Grundsatz ist gut; möchte er nur immer recht befolgt werden.
"Der dem Abgeordnetenhause zugegangene cheseßkutwurf LSer die Leudeotraner be- stimmt folgender:
„Btt dem Ableben des Königs, der RSnight und einer verwitweten Roxigtn von Preußen findet eine Landestrauer Satt: § 1. Die Glocken der Kirchen werden Mittags von 12 Uhr btS 1 Uhr 14 Lage lang geläutet. — $ 2. Oiffenlltche Musil, sowie öffentliche Lustbarkeiten und Schauspielvorstrllnngen find vier Tage lang vom Sterbetage (einschließlich) ab unb am Tage der Beisetzung einzustellen. § 8. Wer den Bestimmungen diese« Besetze« zuwiderhandelt, wird mit Geldstrafe von 16 btS 150 Mark bestraft. - § 4. Dieses Gesetz tritt mit dem Tage der Berkstndignng in straft. Die allerhöchste ttabinetSordre vom 28. November 1845, betreffend daS Trauerreglement vom 7. Oktober 1797, und die bisher in Rtaft gebliebenen Vorschriften des letzteren werden aufgehoben.-
4- >»< Vevorsiehenbe» Stichwahl ht Danzig wird der „Korrespondenz für bie ZentrumSpreffe" aus parlamentarischen Kreisen geschrieben: DaS Ze»trum hat fich a« ber Ersatzwahl für ben verstorbene« Abg. Rickert leider nicht beteiligt. Immerhin könnte« unsere Parteigenossen in Danzig bie Stichwahl benutzen, um ben gemachten Fehler wenigstens teilweise roieber gut zu machen. Sie haben fich zu e«t» scheiden, ob fie auch bei ber engeren Wahl auf bie Stimmabgabe verzichten, ober ob sie be« freisinnige« ober be« sozialdemokratischen Kandidaten wählen sollen. Das Letztere ist als ausgeschlossen zu betrauten, aber das Zentrum braucht darum »och nicht ohne weitere« für den Bewerber der Freisinnigen Vereinigung zu stimmen. Nach dem Verhalte» derselbe» im Reichstage, wo fie »ur ei» Anhängsel ber Sozialdemokratie bildete, ist minbestenS zu erwäg?», inwieweit ber Grundsatz vom „kleineren Nebel" hier noch platzgreifen kann. Hat bie Zeutrumspanei eS nicht für nötig erachtet, für ihre eigene Sache sich zu bemühen, indem fie Stimmenthaltung proklamierte, bann hat fie erst recht keine Ursache, einer anberen Partei bie Kastanien au« bem Feuer zu holen — zumal einer Partei, bie so schroff bem Zentrum gegen übersteht wie die freihänblerisch - großkapi-
„Ein Unglück? Ich weiß von nicht«."
„Der Herr ist tn der vorigen Nacht tot in da« Hau« gebracht worden."
„Herr Gruner?"
„Nein, Herr Griesheim!"
„Aber der war ja vrrreist!" sagte Barnoy bestürzt.
„So glaubten wir; fie haben ihn gestern abend spät im Waffer gefunden."
Sollte da« abermal« eine Komödie sein? dachte Gustav, aber im nächsten Augenblick verwarf er den Gedanken wieder. „Melden Sie mich an," sagte er. „Ist Herr Gruner ebenfall« zu Hause?"
„Nein, er ist vorhin aulgegangen."
Elisabeth trug wieder ihr Trauergewand; beim Eintritt Varnays- drückte fie ihr weiße« Battisttuch vor die Augen.
„Ich hatte keine Ahnung von dem furchtbaren Unglück, da« Sie bettoffen hat," sagte er in teilnehmendem Tone. „Ich wußte nicht« andere«, al« daß Ihr Gatte verreist sei."
„Ich ebenfall« nicht, unterbrach fie ihn; „um so ^entsetzlicher war mir diese unerwartete Hiobspost."
„Wann erhielte« Sie dieselbe?"
„Gestern abend gegen 11 Uhr."
„Ihr Bruder war inzwischen wohl von Brunne« zurückgekehrt?"
„Erst kurz vorher," nickte Elisabeth, tief aufseufzend ; „aber Sie irren, wenn Sie glauben, daß ich in dieser schweren Stunde eine Stütze an ihm gehabt hätte. Er war nur mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt; erst heute morgen konnte ich ihn bewegen, Nachforschungen anzustellen, bie in diese« dunkle, erschütternde Ereigui« Klarheit bringen sollen."
tausche und vielfach stark kutturkämpfe- rische Freistnnige Bereinigung. Ohnehin wird es schwierig fei», bei ei»er Stichwahl zwischen einem freiff neige« Bankdirektor unb einem Sozialdemokraten bie katholische Arbetter-Bevölkermtg zu bewege», bem ersteren ihre Stimme« zu gebe«. Soll die Zentrumspartei ttotzbem sich biefer schwierige» unb teilweise odiösen Aufgabe unterziehen, so müßte fie ihre» Wähler» gegenüber wenigste»- darauf Hinweise» können, baß bie freisinnige Bereinigung fich auf be* Standpunkt voller Gegenseitigkeit stelle. Der Fall ist ja nicht ausgeschlossen, daß bei einer späteren Wahl ebi ZenttumSman» oder ei« Kompromiß-Kandidat des Zentrums unb der Konfer»atioen mtt einem Sozial dernokrate» in bie engere Wahl kommt. Werden bann bie Freisinnigen für ben vom Zentrum ausgestellten Bewerber stimme» ober werben fie, wie fie jetzt überall alt ihre» Grunbsatz bekenne», bie Sozialdemokratie gegen bie „konservativ-klerikale Reaktion" unterstützen? Auf diese Frage werden unsere Danziger Parteigenossen sich eine AntwoA erbitte» müssen. DaS läge auch im allgemein- politische» Interesse, unb zwar nicht nur im Hinblick auf bie kommenden allgemeinen Wahle» im Reiche unb in Preußen.
+ MU derKrie-oerlllSriMO deoMmtdo» der Aandmirte habe« fich m ben letzte« Tage» wiederholte Beratungen der RetchSpartei.de- Reichstages und freikonservativen Fraktion bei preußischen Abgeordnetenhauses beschäftigt. Wtt ein konservativer Berichterstatter erfahren hab« will, wollen bie Freikouservative« gegenüber bm Bunde zunächst eine„reservierte"Haltu«z beobachtet^ „später" aber eine „gründliche Abrechnung" mfc ihm hatte«. Der AuSttitt des Abg. v. Rarborff u«o deS Herzogs von Rattbor wird also jetzt wohl keine weitere Nachfolge finden. Die fürcht«- tiche Abrechnung, bie man für „später" (nach ben Wahlen?!) bem Bunde androht, wird diese» schwerlich imponiere«, ebensowenig wie die nm- klare Haltung der Konservativen, Mr übrigens auch in der Partei selbst nicht überall Zustimmung findet. Der Abg. PrStorin» ist, wie a«S derselben konservativen Quelle verkantet, „wegen feiner gegensätzliche« Haltung zum Bunde der Landwirte", b. h. also, weil die konservative Partei fich nicht energisch gegen den Bund zur Wehr setzt, a«S der konservativen Reichs« tagSfraktio« ausgetreten. Herr PrätorinS entwickelt also mehr Energie, als selbst der starke Mann" der Konservative«, Herr v. KrScher.
+ Die erste Atatoveratmng im Zstetch». tage soll »ach der zur Zeit bestehende« Abstcht am nächste« Montag, also gleichzeitig mit bet Etatsberatuug im preußischen Abgeordnetenhaus» beginnen. Für die Inhaber von Doppelmandat« beginnt also eine böse Zeit. Im Reichstage wird Namen« be« Zentrum« Abg. Dr. Schädler die Etai«rede hatte».
+ Die Kommission /Sr de« gewerß- kichen Ainderschntz war am Donnerstag im Reichstage zusammengetreten, um den vom Abg. Sittart (Ztr.) erstatteten schriftlichen Bericht festzustellen. Die zweite Lesung ber Vorlage im Plenum soll nach der ersten Etatsberatung stattfinden.
„Sie glauben, daß Ihr Mann ba« Opfer eines Verbrechen« geworben ist?"
„Nein," erwiderte fie hastig, „ich glaube dar»« so wenig wie an einen Selbstmord."
„Wo fand man die Leiche?"
„In der Nähe der alten Brücke. Mein Man» wird über diese Brücke gegangen fein, al« er fich in der vorigen Nacht zum Bahnhof begab; ich kann mir nichts andere« denke«, al« daß er einen Fehltritt gemacht hat. Er hatte viel getrunken; ich bat Willi, ihn zu begleiten, aber mein Ma»» sand darin eine Beleidigung; er duldete nicht, daß sein Schwager ihm weiter, al« zur Brücke, bei Geleite gab."
Die Schatten auf bet Stirne Varnay« werben immer dunkler; ein böser Verdacht stieg in seiner Seele auf, aber er wagte nicht, ihn an«zn» sprechen.
„Kann ich die Leiche sehen?" fragte et.
„Ich rate Ihnen nicht dazu, e« ist ein häßlicher Anblick", erwiderte Elisabeth zögernd, „aber wenn Sie es wünschen, weshalb sollte ich es nicht erlauben? Kommen Sie!"
Sie erhob sich; Gustav folgte ihr in da« Zimmer, in dem der Tode lag.
An die Möglichkeit einer Komödie war nicht zu denken; es war in der Tat eine Leiche, unb zwar die Leiche Griesheim«. Aeußere Spuren einer Verletzung waren, soweit Larnay darnach suchen konnte, nicht zu entdecke»; dennoch wollt« der schlimme Verdacht nicht weichen.
„Haben Sie sofort einen Arzt rufen lassen?" fragte er nach einer geraumen Weile.
„Ich tat'«, trotzdem ich wußte, daß es nutzlos war. Er konnte mir nicht» «etter sagen, als daß