Jahrgang.
Iul'Sa, Dienslag, den 13. Januar 1903.
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Verantaxrtlich: Für dl« Xrtsttie» J«f. Saaw, für Inserate I Parzelle» in Fulda.
Inf in» Verla« de» Fuldaer Lctieud-u««»et pdma«l< Rr. t (»anceefc). „
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kein Zweifel bestehen, aber auch fir sind Mensche« und in ihren Anschauungen bis zu einem gewisse» Grade abhängig von ihrer Erziehung und Umgebung. Es liegt daher im Jntereffe der All« gemeinheit, daß sie nicht i» den engherzigen Aus« faffxngen einer einzelnen Kaste, z. B. derjenigen, die durch daS KorpS-Wes« auf de» Universitäten vertreten wird, aufwachse», aber auch nicht in Anschauungen, die den verderblichen Lehre« gt« wisfer moderner Philosophen entspringe».
Berlin, 12. Januar 1903’
+ Die Aa»de!»verlräge. Nach eine« Artikel der ,Köln. Zeitung', der offiziös i»spiriert zu sein scheint, soll die Vorlage der HandelS- verträge kaum vor Ende dieses oder A»« sang nächsten JahreS zu erwarte« sein.
+ Gin Fandest»«»-» O-fetz. Dem Der« nehme» »ach wird dem Abge irdnetenhaus« sofort »ach der Eröffnung des Landtages ein Gesetzentwurf, betreffend die Landestrauer zugehen.
-s-Ate Airekttoa de» Stettiner
hat, wie nachträglich bekannt wird, »icht »ersucht, ihre Arbeiter zur Unterzeichnung der Ergeben« heitSadresse an den Kaiser (auS Anlaß der Krupp-Affäre) zu oeranlaffen. I« der scho» erwähnte« Pr»test»ersam«lu«g der Arbeiter »webe mitgeteilt, daß einzelne Meister deS Werkes sich mit einem derartige« Ansinne« an die Direktion gewandt habe«, daß aber diese erklärt hab«, sie könne »icht zu der Angelegenheit Stell««g nehme», jeder Arbeiter müsse seiner eigenen Meinung folgen. DaS ist durchaus korrekt, »nr ist et nicht recht verständlich, wie dann so siele Arbeiter die Adresse unterzeichnen konnte« »ur a«S Besorgnis, sie würden sonst ihr Brot verlieren. Sind die „einzelnen Meister" trotz jene» ablehnende« Bescheides der Direktion so kühn gewesen, auf eigene Faust auf die Arbeiter eixen Druck auszuüb« und ihnen womöglich gar die Meinung brizubringen, daß fie bei einerWeizerang, ihre Unterschrift zu gebe», entlaffen würde«? DaS wäre doch stark! Ma« wird als» doch wohl noch weitere Aufklärung abwarte» mäffe».
X Ao» none Meichoetat ist am Samstag Nachmittag dem Reichstage zugegange«. Er schließt, wie wir schon gestern «ach de« An« naben der,Rordd. Lüg. Ztg.' mitteilen konnte», in Einnahme und Ausgabe mit 2 464 972 734 ML. ab, da« find fast 1601/« Millionen Mark mehr al« im leefeaben (Siet. Trotzdem aber «nb trotz einer Minderung der Einnahme« «m fast 24 Millionen Mk. sollen die Ma tri kn l ar- beiträge der Einzelstaaten nur um 14,8 Mill, Mk. erhöht werden. Mer bi« et« stellen sich auch die Ueberwetsu«gen de« Rrichs an die Eiuzel- staaten um 14,1 MÜl. Mk. ntebriger. So ist e« denn kein Wunder, daß zur Deckung de« Defizit« »»« 1183/* Millionen die Anleihen in ver. stärkte« Maße berangrzog«« werde«; im Ganzen
Q Landbund und Konservative.
Die konservativen Parteiführer haben deutlich genug bewiese», daß fie geradezu ängstlich besorgt sind, einen Bruch zwischen Konservativen und Bund der Land wirte zu vermeide«. Auch auf bünd« lerischer Seite beweist ein sehr widerspruchsvolles Verhalten, daß man zwar gute Lust hat, de« „nicht parierenden" konservative« Abgeordnete« das „Fliegen" beizubringen, daß man es aber doch noch nicht wagt, es zum Aeußersten kommen zu kaffe«. Wohl oder übel möchte man einstweilen beisammen bleiben. Trotzdem aber läßt fich der verhaltene Groll auf beide« Seite« nicht ganz unterdrücke«, und während man einerseits immerfort wiederholt, die Konservative« und der Bund dürfte« sich nicht trennen, trifft man doch andererseits alle Vorbereitungen für eine Trennung, falls fie doch unvermeidlich werden sollte, und sucht daher die Wähler hier in bünblerischem, dort in konservativem Sinne zu bearbeite« und festzulegen.
In Prenzlau hat am SamStag eine Ver» sammlung des Bunoes der Landwirte — also auch innerhalb des Bundes suche», wie kürzlich in Ratzeburg die Freikonservatioen, so ander- wärts die Konservativen für ihre Dache zu wirken —7 eine Resolution angenommen, welche geradezu erklärt, daß der Abgeordnete deS Kreises, von Winterfeld, gegen die Interessen der Landwirtschaft gehandelt haben würde, wenn er nicht fürden v. Kardorff'schen Antrag und das Zolltarifzesetz gestimmt hätte; fie sprach dem konservativen Abgeordneten ihre« „aufrichtigen Dank" und ihr „voller Bertrauen" auS. Wiederholt hatte der anwesende Bundes- direktor Dr. Hahn das Wort ergriffen, um diese Resolution zu bekämpfen, aber ohne Erfolg. Hier zeigte fich also, daß es auch für den Buna der Landwirte keineswegs ungrfährltch wäre, mit den Konservativen vollends zu breche».
Bemerkenswert ist auch eine Versammlung deS konservative» Verei»S für de« Kreis Gardelegen, die nach der ,K «uz-Zeitung' außerordentlich stark besucht gewesen fein soll. Diese Versammlung sollte nämlich die Antwort auf eine Versammlung deS Bundes der Land- wirte sein, die am S. Januar ein Mißtrauensvotum gegen den Abgeordneten von KrScher beschloffen hatte, und zwar wiederum wie i« Perlebrrg und Pritzwalk unter tätiger Mitwirkung des BundeSdirektorS Dr. Hahn. Die konservative Versammlung am 11. Januar beschloß nun »ach einet Rede des Abg. von Kröcher „einstimmig" eine Resolution, durch welche die Abgeordneten, die für den An- trag Kardorff gestimmt habe», deS „vollen Vertrauenr" der Versammlung versichert und die Angriffe gegen fie „nicht gntgeheißen" werde».
F.-rner hat am SamStag in Rostock eine Versammlung der Bundes der Landwirte stattgefunde», welche nach einem ausführlichen Referat des Abg. Rettich, der als erster der Konservativen zur Verständigung mit der Re- gierung gemahnt hatte, eine von dem gleichfalls konservativen Abg. v. TrexenfelS ein» gebrachte Resolution an, die — dem Bundes-
Vorstand Dank ausspricht „für seine hmgebende Arbeit im Jntereffe der Landwirtschaft und des Mittelstandes". Dieser Beschluß läßt fich ohne Kenntnis deS Wortlautes und deS genaueren I». Halles der Rede» usw. nicht recht würdigen. Doch verspricht die bündlerische .Deutsche Tageszeitung' einen „eingehenden" Bericht über die Versammlung, so daß man annehmen darf, daß der Verlauf derselben ihr bester gefallen konnte, wie der Verlauf der Versammlungen in Ratze- bürg, Prenzlau und Gardelegen, über die fie mit verlegenem Schweige» hinweggeht.
DaS KrtegSglick in dem einstweilen noch etwas fryschmäuslerisch angehauchten Bruder- kämpfe zwischen den Konservativen und dem Bunde schwankt also noch unentschieden hi» und her. Nicht darauf aber kommt eS uns bei dieser Zusammenstellung an, wer ix dieser oder jener Versammlung Steuer blieb, sondern nur auf die Feststellung der Tatsache, daß jetzt schon die Bemühungen der konservativen Führer, daS Kriegsbeil zu begraben, nicht überall Erfolg haben. Man steht zwar, wie ungern offenbar die Kämpfer fich messen (von einem gewissen Kampf- Hahn vielleicht abgesehen!), man erkennt aber auch, wie schwer es auf die Dauer sein.wird, die Auseinandersetzung zwischen der alte« politischen Organisation und der jungen wirthschaft- lichen-Klaffen»raa«isattoA zu vermeiden. Gelingt dies sorgliche Bemühen auch fernerhin und end- giltig, bann bedeutet eS ganz gewiß nicht den Steg der alten, gemäßigte», sondern de» der radikale« Richtung.
Aus der Kriminalstatistik.
Die gestern i« der.Fuldaer Zeitung' gegebene« Zahlen über die Vermehrung der Ver- brechen verdienen eine besondere Beachtung. Es wurden im Jahn 1900 im ganzen 469 819 (im Vorjahre 478 139) Personen wegen 563 819 (574 339) strafbarer Handlungen rechtskräftig verurteilt. DaS Jahr 1899 war bisher daS an Gtraffälle« reichste Jahr; ihm kam daS Jahr 1898 fast gleich, während da« Jahr 1897 fich nicht viel vom Jahre 1900 unterscheidet. Bei Begin» deS letzten Jahrzehnts de» verstoffene« Jahrhundert», im Jahre 1891, wurden wegen 498 751 Straftaten 391064 Personen verurteilt. Die Zahl strafbarer Handlungen hat in diesem Jahrzehnt als» um etwa 13 Prozent, die Zahl der verurteilten Personen um etwa 20 Prozent zugenommen. Dabei ist allerdings daS gleichzeitige Wachstum der Bevölkerung, namentlich aber die -Einführ»«, neuer Strafbestimmungen zn berückfichlizen. Man denke a» die Bestrafungen wegen unlauteren Wettbewerb», wegen Zuhälterei usw. Im Jahre 1900 z. B hat selbst die stark eingeschränkte lex Heinze schon zahlreiche «e- strafnnge« gezeitigt, obwohl fie erst in der zweiten Hälfte de» JahreS zur Anwendung kam. Be- St man diese Momente, so wird von einer en Zunahme der Berurteilunge« kaum gesprochen werden können.
Da» beweist freilich «och nicht, daß die Klinnnalstatistik geeignet wäre, die Klage» über Z»»ahme von Vertohung, der Verbreche« im Rückfall usw. zu widerlegen. Richt jede Art
sittlicher Verrohung fällt unter das Strafouch, nicht alle Straftaten roetben entdeckt, nicht alle und nicht immer gleichmäßig streng bestraft. Wenn z. B. die Verhängung der Todesstrafe seit noch nicht 20 Jahre« bis auf die Hälfte der Fälle herabgegange« ist, so darf man daraus auf keine Ab«ahme der Mordtaten schließe». Biel- mehr liegt die Ursache dieser Erscheinung wesent- lich an der Veränderung in de» Anschauungen der Geschworenen. Unter dem Einflüsse bekannter Theorie« find diese immer weniger geneigt, die volle Vorsätzlichkett u«d Ueberlegung bei Mörder« anzunehmen. Die Todesstrafe wurde im Jahre 1900 immerhin «och 38mal (1882/87 durchschnittlich 74«al) verhängt, auf lebenslängliche Zuchthausstrafe aber gar nur 5mal erkannt. Der Strafrichter hatte eben auch hier die Wahl auf eine geringere Strafe zu erkennen, und er ist da- bei zunächst dem herrschenden Zuge zur Milde gefolgt. Im ganze« wurde« 9721 Per- somn zu zeitweiser Zuchthausstrafe verurteilt, wovon gut die Hälfte wegen Diebstahls. Die Verurteilungen wegen Meineids find um 1,4 Prozent, also unwesentlich gesunken, dagegen die- jenigr« wegen unstttlicher Handlunaen und wegen Betrugs im Rückfälle gestiegen. Urberhaupt ist eine ständige Zunahme der Rückfälligen zu beobachte«, sodaß man sagen kann: Die Steigerung der Kriminalität beruht «icht auf der Zu- «ahme der Zahl der Verbrecher, sonder« auf der verwehrte«^ Rückfälligkeit derselbe«. DaS gibt zu denken. * Ob dabei nicht auch die wachsende Bevorzugung leichterer Strasarten eine Rolle spielt?
Die Zuchthausstrafe nimmt ständig ab zu gunsten der Gefängnisstrafe, die F -ihetts- strafen überhaupt aber vermindern sich bei gleichzeitiger starker Vermehrung der Geld- strafen. Im Jahre 1900 wurde in 227 218 Fällen auf Gefängnisstrafe erkannt — die geringste Zahl feit 18921 — in 601 Fällen auf Haftstrafe (1882/87 durchschnittlich 1413 Fälle!). Vs« 1000 Strafen^ sind im Jahre 1900 nur noch 537 Gefängnisstrafen, das ist die niedrigste bisher da- gewesene BerhältniSzabl. Die Geldstrafe« dagegen find von 98 701 im Durchschnitt der Jahre 1882/87 auf 194 523 im Jahre 1900 gest egen, fie haben fich also 4n diesem Zeitraum nahezu verdoppelt. Unter diesen 194 523 Geldstrafen find 52 054 wegen Körperverletzung!
Diese Milde zeigt sich in derselbe« Weise auch bei de« Berurteil««gen jugendlicher Personen, doch läßt hier im übrige« die Statistik teile sicheren Vergleiche zu. Ist nu« diese wachsende Milde i« der Rechtsprechung im allgemeinen ei« liebel oder nicht? Die konservative.Kreuzztg.' ist geneigt, diese Frage zu bejahen. Wir glauben aber doch, daß man hier mit einer summarische« Beurteilung nicht da« rechte trifft. Der Zug zur Milde wird bei viele« Berbrech« und Vergehen vom Uebel sein, bei andere» ist er aber durchaus berechtigt. Auch kann man kaum sagen, daß die Milde immer a« der richtige» Stelle ein« setze. Manches wird auch heute noch auffallend hart bestraft, andere» wieder mehr al» milde. Da» gesellschaftliche Vorurteil spielt da sicherlich auch eine Rolle. A« dem guten Willen der Richter, streng objektiv zu urteilen, tarnt und soll
Die Wacht der Geldes.
Krimwal-Roman von Arthur Eugen Simsen.
$2 ------ (Aachdruck verboten.)
Zwar schüttelte Hellstädt noch immer da» Haupt, aber er mußte selbst zngebe», baß die Sache jetzt so weit gediehe« war, al» daß man auf halbem W-gr stehe« bleibe« durfte.
Nach der Tafel fuhren Vater und Tochter hinauf z»m Axeustei«; i« de« prächtige« Hotel dort ob« r-ahm« fie do« Kaffee et«; da«« verließ Theodore de« Later, m» bex Waldpark z« besuche«. Sie verkannte «icht, daß fie ein« gewagten Schritt «ntemahm, aber d«rch blefi» Wagnis konnte sie der Freundin de« innere» Frieden zurückgch« mb zwei Merschenherz« glücklich mache« — d»8 wer entscheidend; da» Bewußtsein, die Pflichten der Freundschaft z» erfüll« und eine gnte Tat zu »otoringen, ließ sie üoer alle Gefahren hinwegsehen.
Schon am Eingänge de» Parkes kam Gruner ihr entgegen; der erste Blick ix fein von der Aufregung gerötete« Antlitz ließ erkennen, daß er sie erkannt hatte.
„Zürnen Sie mir nicht, bat er, während er mit dem Hute in der Hand vor ihr stand; „Dem Verlange«, Sie »och einmal wieder- zusehen, ehe Sie von hier scheide», kannte ich nicht widerstehe«. Au» be« Worte» Ihres Herrn Vater« mnßte ich entnehme«, daß Ihre Abreife scho« morgen erfolg« kann, n«d für «ich lag die Befürchtung nahe, daß Sie die
Vermutung mitnehm«, Elisabeth und ich feien an dem Vergehe« meines Schwagers betstligt." „Wie könnte ich da« vermuten?" erwiderte
Theodore ruhig; „wein Vater bat nur mit Herr« Griesheim gespielt, «sb er selbst ist weit entfernt, diese Vermutung zu hegen."
„Ich brauche Ihne» also nicht zu versichern, daß ich keine Ahnung von jenem Betrüge gehabt habe?"
„Rein — wozu auch? Ich bedaure sehr, daß die» vorgefalle» ist; nun aber kann leider da» Gesehene nicht mehr ungeschehen gemacht werde»."
„Und wie denkt Ihr Herr Vater über mich?" ftagte Ernuer mit einem forschenden Blick auf seine Begleiterin, die en seiner Seite langsam weiterschritt.
„8r hat sein Urteil über Sie nicht geändert." „gib Sie, Theodore?"
Sie schlug die dnnklen Ange» z» ihm a»f »ab blickte ihn «ubefang.« an.
„Verlangen Sie von mir, daß ich Ihne» eine Schmeichelei sagen soll?" erwiderte sie in scherzendem Tone.
„So rechnen Sie die Tage, die Sie mit an Ihrer Seite z» verbringen gestatten, z» de» an- genehme» Ihre« Leben»?"
„Sie fragen sehr kühn!"
„Verzeihen Sie mir, Theodore, eine kühnere Krage schwebt mir auf den Lippe»; aber noch weiß ich nicht, »b ich fie wage« darf. Woll-u Sie mir gestatte», fie auSznsprechen?"
„Roch nicht; und überdies kann ich sie ja wohl errate«. Hoffe« Sie nicht, daß ich so rasch eine Antwort geben werde; bet Mann, der «m
meine Liebe werben will, muß eS fich gefallen lasten, daß ich ih« zuerst prüfe."
„Wohlan, prüfe« Sie mich!" sagte Gruner, der fich scho« dem erseh«te« Ziele nahe glaubte; „ich hoffe, daß ich ««» dem Examen mit einer glänzenden Zensur dervorgehen werde."
Theodore heckte sich auf eine Bank niederge- laste»; fie lud ihn drtch eine» Wink ei», »eben ihr Platz zu nehme«; sie wollte nicht tiefer in be» Park hineingehen.
„Bor alle» Dinge« fordere ich Offenheit," sagte fie, „»nd ich sürchte, daß ich fie bei Ihnen nicht sieden werde."
„Stellen Sie mich auf die Probe!"
„Meine erste Bedingung wäre, daß Sie mit Ihren Verwandte« gänzlich bre*»n müßten."
„Auch mit meiner Schwester?"
„Ja, auch mit ihr! Gebeu Sie z», daß Elisabeth meine Freundin verleumdet hat?"
„Aber wie kommen Sie nur auf diese Frage?" „Ich will Ihre Offenheit prüfen."
„Rad woraus schließen Sie die Tatsache der Verleumdung?"
„AuS meinen eigene» Beobachtungen."
„Dann beschnldigeu Sie wohl auch mich —"
„»ernt ich eS täte, würde ich bann diese Fragen an Sie richte»? Ich ke»«e auch de« Zweck jener Verleumdung; Elisabeth fürchtete be» Verlobte» meiner Freundin, weil er damal» fich der Betrogene« so energisch »»genommen hat. Die ^ache selbst ist mir ziemlich gleichgülttg; ich ta«u»v nur deshalb auf diese Angelegenheit zurück, weil ich mich überzeugen will, ob ich von Ihnen Offenheit erwarte« darf."
Gruner hatte daS Haupt gesenkt; er zeichnete
mit feinem Stocke Figuren in den Sand.
Für ihn unterlag rS jetzt keinem Zweifel mehr, daß da» Mädchen Elisabeth durchschaut hatte. Aber wenn et die« zugab, lag nicht für ihn selbst eine Gefahr darin?
War e» wirklich nur die Abstcht, ihn zu prüfe», wa» fie zu dieser Frage bewogen hatte, »der lag der Frage ein anderer Zweck zu Grunde?
„Eine fichere Antwort vermag ich Ihn« darauf nicht z« geben," sagte er «ach einer lang« Pause. „Bon oem Betrug, besten mein verstorbener Schwager beschulbigt wurde, ist mit nichts bekannt, «no ich gierte auch kaum, daß meine Schwester Remctnt» davon gehabt hat; mir gegenüber bat fie wenigstens kein Wort geäußert, au» dem ich auf eine Beteiligung ihrerseits schließen durfte. Und wa» die Abficht der Verleumdung betrifft, so möchte ich auch hierüber nicht so scharf urteile»; Elisabeth ist natürlich erbittert auf Ihre Freundin, und in ihrer gereizte« Stimmung mag sie Vermutnngen auS der Last gegriffen habe», denen man, fei e» nun mit Recht oder Unrecht, den Vorwurf abstchtticher Verleumdung mach«
kann."
„Stenn« Sie daS Offenheit?" fragte Theodore
ironisch.
„Wenn ich sage, was ich weiß, was sollte ich daun noch hinznfüg«?"
„Sie wolle« mich nicht verstehen; wie ich über Ihre Schwester urteile, wüst« Sie nu« wist«: ich bebaute, daß wir in diesem Punkt nicht miteinander übere»stimm«."
„Forde« Sie von mir be« Bruch mit Elisabeth und meinem Schwager, so werte ich kein« Augenblick «ich bedenk«. Ihnen die Erfüllung