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mit Ilnlerhattungs Beilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung" • “ Pdenegagf Hr. 8 (Barmonie). _
SFuföa, Samstag, den 10. Januar 1903.
M7.
30. Jahrgang.
De«tfche« Keich.
Berlin, 9. Januar 1903
+ Zer preussische Kronprinz wird am 19. d. M. in Petersburg erwartet. Sein dortiger Aufenthalt soll fünf Tage dauern. Der Kronprinz wird im Winterpalais wohnen. Die Deutschen von St. Petersburg wollen ihm zu Thren eine größere Festlichkeit veranstalten.
+ chraf Aompesch ist von einer Wähler. Versammlung seines DLr-ner Wahlkreises wieder als Kandidat für die RnchktagSwahl aufgestellt. Einstimmig wurde das Verhalten der Zentrums- Partei gegenüber dem Zolltarif gutgeheißen.
+ Die AvvernfNNg des Aotschrtt-r» v. Aolkeve« wird ziemlich allgemein als sichere Tatsache behandelt. Nur über die Gründe gehen die Meinungen noch auseinander. Die ,Nat. Ztg.' bestreitet, daß die Ablehnung deS SchiedS- amtS durch Präsident Roosevelt die Ursache der Abberufung Hollebens sei; ein Wechsel auf dem Washingtoner Posten sei schon seit längerer Zeit erwartet worden. Inzwischen wird behauptet, daß auch der deutsche Gesandte in M xiko, Herr v.Herzking, einen längeren Urlaub erhalten hab, und auf seinen Posten nicht zurück« kehren werde. Die Bestätigung dieser Nachricht wird abzuwarten sein.
+ A-r Nachfolger Wirchows, al« Vertreter de« 3. Berliner Landtagswahlkretser wird der Stadtverordnete Rosenow sein Nach langen und erregten Debatten in einer freisinnigen Wahl- männerversammlung siegte dieser mit 380 gegen 261 Stimmen über seinen Mitbewerber, den Reichrtagsabgeordneten Stadtschulrat Dr. Zwick. Rofenow war der Kandidat der mit Eugen Richter unzufriedeueu Freisinnigen Volk«« parteiler. Daß er siegte, ist nicht zu verwundern; standen doch alle freisinnigen Blätter Berlin« außer der ,Freis. Ztg.', die Richter leitet, in der Verurteilung der Obstruktion gegen ihn. Im Lande denkt man vielfach ander«.
+ Zwei Metrik-. Das erste lautet:
.Ich ««stehe «in, ein glänzend geführter Feld»»« macht mir eine gewiffr ästhetische Freude. Einen solchen Feldzug hat letzt die Sozialdemokratie mit der le* Heinze geführt . . . . Kunst, Wissenschaft und Bild»"« habe» sich in Deutschland unter die SJit« tiche der Sozialdemokratie flüchte» müssen. Wir find so wett, diese Partei schon gar nicht mehr e»t- dehren zu können .... Richt minder bewundern«« wert al« der Scharfblick der sozialdemokrati« scheu Fraktion .... ist di« Klugheit, mit der sie die Obstruktion sofort emstellt«, al« da» Ziel erreicht war, ufro.'d
Das zweite lautet:
.Einen ungeeigneteren Moment für einen Hymnu« auf de« sozialdemokratischen Führer (gemeint ist Mommsen« Artikel) konnte e« gar nicht gebe», al« de» jetzigen. Sind in dem eben beendete» Parlamentarischen Kampfe di« Sozialdemokraten nicht doppelt geschlagen, indem sowohl der Zolltarif angenommen, wie die »eschäftsordnuna dauernd |M ihren Ungunpen verändert ist? Und welcher Führer Ist r« gewesen, dessen unbegreiflicher Renommisterei fie in erster Linie ihre Niederlage »er- banken? Herr Bebel! .... Nein, dem Diktum vom
Die Macht des Geldes.
Kriminal-Roman von Arthur Eugen Simson. 30 ------ (Rachdruck verboten.)
»Sie wögen recht haben", erwidert« er ge- daukeuvol; »indes die Behörde seiner Heimat muß ja am besten darüber urteilen können. Sie hat ihm btt« Zeugni« eine« Ehrenmannes gegeben, und mit diesem Zeugnis ist er abgereist."
Er war von seinem Sitz aufgestanden; voll Erstaunen schaute sie zu ihm auf.
„Sie wollen mich schon wieder verlassen?" fragte sie.
„Ich bebaute, nicht länger das Vergnügen habe« zu können", erwiderte er mit scheinbarer Herzlichkeit; »ich bin ein geplagter Mann; selbst auf «einer Erholungsreise verfolgen mich meine Lmtrgeschäste.*
.Wir sind ja in den Grrichttferlen!"
.Schleunig« Sachen müssen trotz der Ferien rasch erledigt werd«», und mein Set tretet hat ee föt nötig gefunden, mir einige Fälle zur Begut« achtung einzusenden. Da «erbe ich wohl diesen ganzen Abend den Akten widmen müssen; eine angenehme Arbeit ist da« sicher nicht."
»Hnb ich bette mit Sicherheit darauf ge- rechuet, daß Sie heute Abend mein «ast fein wölben!* sagt« Elisabeth virwurftooll.
,.x »Bomifle mich nicht die Pflchl, diese freund« leche Einladung abzulehnen, so würde «ich nicht« abhalten können, fie mit herzlichste« Danke an« -«nehmen, j
.Kopfe BevelS", stelle ich das gerade umgekehrte entgegen: es ist nicht blo« die Zwietracht der Liberalen, die ihre Schwäche in Deutschland wacht, sondern es ist vor allem die ErbweiSheit der Junker, der unendlich überlegene politische Beistand der Konservativen, der fie immer wieder bei un« zur Herrschaft beruft und ander Herrschaft erhält und die Liberalen au«schließt! Nie i« der Weltgeschichte hat r« talentlosere (in höherem politische» Sinne) Parteien gegeben al« heute die Oppositionellen in Deutschland, der politische Verstand fehlt ihnen in einem Maste, dast man es ebensowohl traurig wie lächerlich nennen kann."
Wer diese beiden Urteile mit einander vergleicht, wird nicht so leicht erraten, daß fie von ein und demselben Verfasser herrühren: Herr Professor HanS Delbrück schrieb das erste Urteck im Juniheft von 1SOO, das zweite im Januarheft von 1903 seiner .Preußischen Jahrbücher' nüber. Der .Vorwärts' stellt die beiden Urteile einander gegenüber, um Herrn Delbrück eins auszuwischen und seine .Urteilsfähigkeit in Frage zu stellen. Nun, im allgemeinen nimmt man doch sonst an, daß ein Man» mit den Jahren klüger wird. Hat Herr Delbrück «un im Jahre 1900 oder im Jahre 1903 mehr Ur« teilsfähigkeit bewiesen; Die Antwort ist nicht schwer; Herr Delbrück wird bei sich selbst heute wohl nicht mehr zweifelhaft sein, daß er vor zweieinhalb Jahren in einer Täuschung befangen war. Die sozialdemokratische Obstruktion war bei der lex Heinze nur deshalb erfolgreich, weil sie damals noch etwas neues und verblüffendes für den Reichstag an sich hatte, und weil dieser obendrein durch gewiffe mächtige Einflüsse behindert war. Zum z weitenmale hätte die sozialdemokratische Obstruktion nur gelingen können, wenn die Reichstagsmehrheit aus ganz erbärmliche« Schwächlingen bestanden hätte.
+ Die Alkg. Zt-.< schreibt:
Durch die Preffe ist vor kurzem die Nachricht gegangen, daß die bulgarische Regierung das zwischen Bulgarien und verschiedenen Mächten darunter auch Deutschland, bestehend.' Han« delSabkommen gekündigt hat. Die Nachricht ist, soweit fie sich auf Deutschland bezieht, nicht
IV’ tCvt/ VI; CIH
land und Bulgarien nicht besteht. Es hat 1897 zwischen den beiderseitigen Regierungen nur ei« Notenwechsel stattgefunden, durch den Bulgarien der deutschen Einfuhr de« Genuß der Vorteile aus der österreichisch-ungarisch-bulgarischen Handelskonvention vom 9. (21.) Dezember 1896 in Gemäßheit der Meistbegünstigung zufichert, von Deutschland dagegen der bulgarischen Einfuhr die Behandlung auf dem Fuße der Meist- begünstigung zugestanden wird. Deutschland hat auf Grund der Kapitulationen mit der Türkei vom 23. März 1761, sowie nach Artikel 8 Absatz 3 des Berliner Vertrags vom 13. Juli 1878 Anspruch auf meistbegünstigte Behandlung in Bulgarien. Daran wird selbstverständlich durch Kündigung und durch späteres Außerkrafttreten der handelspolitischen Vereinbarungen Bulgariens mit den unseren Mächte« nichts geändert.
4- Der Ktat b r Zfleich,fch«ld erfordert für 1903/4 rund 100 Millionen Mk für Verwaltung und Anleihezinse», 6,7 Millionen M. mehr als im Vorjahr. An eine wirkliche Schulren- tilgung ist bei dem gegenwärtige« Fiuauzelend natürlich nicht zu denken.
„Sie werden die Arbeit rasch beendet haben; darf ich Sie «ach derselbe« erwarten?"
„Ich würde «ich glücklich schätzen, wenn ich e« Ihnen versprechen könnte!"
„Machen Sie e« möglich!" bat die junge Frau. .Sie können den Schluß ja morgen früh »inzufügen. Mei« Bruder wird wohl sehr spät »eimkomme«, wenn er nicht überhaupt i« Brunnen >leibt; wünschen Sie seine Gesellschaft nicht, so kann er in seinem Zimmer speisen."
Gustav Varnay zog langsam seine Handschuhe an; fie sah da« rroaische Lächeln nicht, da« flüchtig eine Lippen ««zuckte.
„Ich werd« sehen, ob ich ee ermöglichen kann", agt« er; „aber versprechen kann ich nichts."
Er nahm mit einem Händedruck Abschied von hr und atmete auf, ali er das Haue verlassen satte.
Griesheim »ar geflüchtet, «eil er die Folgen »eS falschen Spiele fürchtete und Elisabeth wollte sich de« Anschein geben, ale wisse fie nicht« davon.
Sie «nßt« sehr genau, wo ihr Gatte weilte; le wußte auch, welche« Zweck die Reise ihre« Bruder« nach Brunnen halte.
Gustav hatte »rotz seine« scheinbaren Gleich- mut« sie scharf beobachtet; ihr« Erregung, die sie vergeblich zu verbergen fachte, bewies ihm, daß auch die falsche Berdächttgung und Verhaftung de« Agenten ihr nicht »«bekannt gewesen war.
Und lag nicht in der Bitte, den heutigen Abend mit ihr allein zu verbringe», die Absicht, ih» wieder i» ihre Netze zu locken?
Sie kannte die Macht ihrer Schönheit; sie mochte glauben, daß der Mann, der fie einst ge-
X Der Ktat der Auswärtige Amte» für 1993 berechnet die fortdauernden Ausgaben auf 14 8 Millionen Mk. (+ 900.000 Mk.), die einmaligen Ausgabe« auf 19 Millionen Mk., wovon aber reichlich 18 Millionen auf die Kolonial - Verwaltung entfallen. Der Hauptetat der Schutzgebiete selbst schließt in Einnahme und Ausgabe mit 36-/.Mill. Mk. (— 660,000 Mk.) ab, von denen durch eigene Einnahme« der Schutzgebiete nur 9,350,000 Mk. (+ 100,600 Mk.) gedeckt werden, so daß das Reich 27,4 Millionen (— 1,6 Mill.) zuschießen muß. Dentsch-Ostafrika erfordert 5,6 Millionen (+ 750,000 Mk.) Reichs - zuschi ß, Deutsch - SÜdwestafrika 6,3 Millionen (-1,4 Mill), Kamerun 1,6 Mill. (-600,000 Mk.), Neu - Guinea 900.000 Mk. (+ 160,000 Mk.), Samoa 250,000 (4- 80,000) Mk , Togo erfordert wie bis vor wenige« Jahren keine» Zuschuß. Von den. Neuforderunge« ist bemerkenswert eine erste Rate von 1 Million Mk. zur Fortführung der ostafrikanischen Eisenbahn Tanga-Muhesa-Korogwe «ach Mombo. Die neue Bahn in SÜdwestafrika scheint sich mit der Zeit' besser rentieren zu wollen, ihr Betrieb kostet zwar 1,219,000 Mk., aber sie soll auch schon 940,000 Mk. Einnahme, sowie 275,000 Mk. Fracht-Ersparnisse einbringe«. Für die Expedition «ach Ostafrika ist zum ersten- male ein besonderer Etat aufgestellt, der trotz 13*/s Millionen Mk. Einnahme« aus der chinesischen Kriegsentschädigung noch mit einem Defizit abschlietzt, da die Ausgabe» sich insgesamt auf 151/, Millionen Mk. belaufen, worin nur noch ein Rest von 2,1 Millionen zur Entschädigung deutscher Privatpersonen und Gefellschafte» für Verluste bei de» Wirre« enthalten ist. Immerhin find die Ausgaben gegen das Vo fahr um über die Hälfte (18 Millionen) gesunken.
* Wo vkeivt die sitttiche KntrSsi«»-? In Nr. 305 des .Dortmunder Tageblattes' v. I. lesen wir: „Vor einigen Wochen Hai sich i« sozialdemokratischen Lager Hollandsein Ehedrama abgespielt, dem eine gefeierte Schriftstellerin zum Opfer gefallen ist. Sie hat einige Tags nach ihrer Hochzeit mit einem geschiedenen Ehemann, der in Folze seine« großen Reichtums und zeitweiliger Spendelaune auch in der deutschen Sozialdemokratie eine Rolle gespielt hat, im Vondeltelche in Amsterdam ihren Tob gesucht und auch gefunden. Die erste, geschiedene Frau sitzt mit einer Anzahl noch nicht der Schule entwachsener Kinder in Utrecht." Wenn diese Geschichte, so bemerkt dazu die ,Tremonia', in bürgerlichen, namentlich in katholischen Kreisen spielte, würbe man spaltenlange Entrüstungsartikel — unter reichlicher Verwendung von Fettdruck — in ben sozialdemokratischen Blättern lesen; aber jetzt ist alle« mäuschenstill.
* Der Kisenvsyumiuister n»d die neue Iltchtfchreivrrsg. Zn dem Beschlüsse deS Staatsministerin«-, betreffend die Einführung der neuen Rechtschreibung, hat der Eifenbahnminister durch Erlaß vom 31. v. M. bestimmt, daß die neue Schreibweise auch in den für die Akte» bestimmten Entwürfen angewenbet werden soll. De« älteren Beamte» kann auf Wunsch die Fortführung der bisherigen Schreibweise gestattet werden. Der vorhandene Vorrat an Drucksachen und
liebt hatte, dieser Macht auf dir Dauer nicht widerstehen könne, und auch diese Absicht war nut eine Komödie, der unlautere Zwecke zugrunde lagen. Und eben deshalb, weil fie nur an ihre eigenen unlauteren Absichten dachte, war e« ihm so leicht geworden, sie zu täuschen.
Gelang e« Gruner, Hallstädt zu beschwichtigen, bann kehrte Griesheim ohne Zweifel in einige« Tagen zurück; im andern Falle mußte man befählen, daß er verschwunden blieb und seine Helfershelfer ihm nachfolgten.
Der Bater Theodore« mußte dieses Opfer bringen; er konnte die Anzeige ja später, nach der Verhaftung dieser Verbrechergesellschaft, immer noch machen.
Der Advokat wanderte Über d'e alte, historisch merkwürdige Kapellbrücke, um auf der Post an> zufragen, ob Briefe für ihn angekommen seien.
Ungefähr auf der Mitte der Brücke standen einige Polizeibeamte, die mehrere Kähne auf dem See Ausfluß zu überwache» schienen.
In den Kähnen standen Schiffer, die mit langen Stangen da« Wasser durchsuchte« und dabei i« Zickzack von Ufer zu Ufer fuhren Die Borlibergehenden bliebe« stehe«; a«ch Gustav konnte bet erwachenden Reugier nicht gebieten.
Siner der Beamten berichtete, wa« hier vorging.
Ei« Schiffer hatte an diesem Morgen der Polizeibehörde die Anzeige gemacht, er habe in der vorigen Rächt in der Bähe der Kapellbrücke eine« Hilferuf gehört und müsse hieran« annehme», raß ein Mensch verunglückt sei. 6r habe zwar ba« ©einige getan, um dem Bedrängten zu Hilfe
Stempeln, Druckplatten rc. soll aufgebraucht werden — I» der „Uebergangsperiode" wird die neu- und die alte Schreibart ohnehin wohl etma- durcheinandergehen. fiWMä
X A-r Sozialpolitik des Zeutrmu» glaubt die sozialdemokratische Presse deswegen eins anhängen zu könne», well in einem badischen Zevtrumsblatt ei« Arbeiter ausrechnet, daß er für die tägliche Ernährung einer Familie von vier Köpfen ohne Kleidung, Wohnungsmiete re. 2,37 Mk. gebrauche, während sein Verdienst sich auf nur 2,16 Mk. täglich belaufe. Ohne die Rechnung des Arbeiters irgendwie anzweffeln zu wollen (wir kennen ja die örtlichen Preise an dessen Wohnort nicht), müssen wir doch fragen, was seine Ausstellung mit der Sozialpolitik des Zentrums zu thu« hat. Das Zentrum hat nie behauptet, daß 2,16 Mk. ein anständiger Loh» für einen Familienvater wäre. Das Zentmm hat vielmehr stets eine ausreichende Bezahlung der Arbeiter gefordert; das Zentrum wird niemals Lohnherabfetznngen, die nicht durch eine durchaus zwingende Notlage des Geschäfts begründet find, billigen, eS wird eine solche Notlage aber auch nur dann anerkennen, wen» ohne Herabsetzung der Löhne der Betrieb eingestellt oder eingeschränkt werden müßte, waS für die vielen Arbeiter, die dadurch ihr Brot verloren, zweifellos ein noch größeres Uebel wäre als eine Minderung de« Lohnes. Wen» also der Arbeitet gerechten Grund hat, über eine Lohnherabsetzuug zu klage», und wenn er dann ein Rezept verlangt, wie er mit dem verminderteu Lohn noch seine Familie ernähren soll, so liegt darin «ur eine Anklage gegen de« Arbeitgeber, der ben Loh» ohne Not herabsetzte, aber niemals gegen daS Zentrum, bas keinen Fabrikanten der Well zwingen kann, höhere Löhne zu zahle«. ES ist daher eine nichtswürdige Hetzerei, wenn die sozialdemokratische Preffe dem Zentrum unterschiebt, es werde- dem Manne klar zu mache» suchen, wer so wie so hunger» müffe, der könne auch ein wenig mehr hungern. Niemals haben die Eyzlalpolitiker des Zentrums irgend eine Veranlassung gegeben, ihnen derartige Ansichten zu unterschieben. Wenn man aber von uns ein Rezept geg.n niedrige Löhne verlangt, so fragen wir die sozialdemokratische Preffe, welches Rezept denn sie dagegen habe. DaS Zentrum sucht wenigstens durch praktische GrgenwartSarbell die Lage der Arbeiter allmählich zu beffern, die Vozialdemokratie aber, welche die meisten sozial- politische« Gesetze abgelehnt hat, hat für den Arbeiter nur die Vertröstung auf einen Zukunftsstaat in nebelhafter Ferne, während sie für praktische Maßnahmen wie z. B. die Anbahnuneiner Witwen- und Walsen-Bersor-ung durch Reservierung eines größeren Teils der Zolleinkünfte dafür nur Hohn und Spott hat — und zwar obwohl sie selbst nicht umhin kannte, für den ZentrumSantrag, der dieses Zier verfolgt, zuzustimmen 1
X Ate Stimm««g de» sächsische« Avisier. Da» Stlmmungsbilb, welche« im freisinnigen ,Berliner Tageblatt' und in der nationalliberalen ,Dresdener Zeitung' ein evangelischer Bunde»« bruber entworfen hat, findet insofern bett Beifall bei sozialdemokratischen .Vorwärts', al» e« sehr unverblümte Drohungen gegen ba« König«- zu kommen; aber in ber stockdunklen Rocht seien feine Bemühungen refultatlo« geblieben; die Polizei möge nun die nötigen Nachforschungen an- stellen.
Von dem Verunglückten war nun bi« jetzt noch keine Spur gefunden worden; aber die Nachforschungen sollten fortgesetzt werben, 6U die Dunkelheit ihnen ein Ende machte.
Gustav interessierte sich für die Sache ni$t; er nahm die unterbrochene Wanderung wieder auf und fand auf der Post außer einigen Geschäftsbriefen such einen Brief Paula«, dessen Inhalt ihn sehr unangenehm berührte.
Machte Paula ihm auch keine direkten Vorwürfe wegen seiner Reise, so la« er doch zwischen ben Zeilen, daß sie Ihm zürnte und baß ihr Mißtrauen noch immer nicht geschwunden war.
Er kannte ben Grunb de« Mißtrauen«, er wußte, daß Elisabeth die böse Saat in da« Herz seiner Verlobten gesäet hatte, und e« beunruhigte ihn ernstlich, daß diese Saat schon so fest und tief Wurzeln schlug.
Wa« fie schon vor seiner Abreise verlangt hatte, forderte sie jetzt noch einmal von ihm — sofortige Rückkehr und volle Verzichtleistung auf die Verfolgung Elisabeth».
Er konnte ihr diesen Wunsch nicht gewähre«; fie wußte ja auch nicht, wie die Dinge inzwischen sich gestattet hatten; unter ben obwaltenden Um- stäuben durste man auf die Verfolgung jetzt nicht wehr verzichte«.
Und wen« Paula da« j-tzt auch nicht einsehen wollte, später mußte fie doch erkenne«, daß er In dieser Angelegenheit nur ihr eigene« Inter ess«