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30. Jahrgang

Iuröcr, Mittwoch, den 7. Januar 1903.

Uentiicltts»

»Komm Mütterchen noch einmal an'r Fenster", rief der Greis mit lauter Stimme dem schwer­hörigen Mütterchen zu, das an seiner Sette auf dem Sopha saß. Er führte die Zitternde an's Fenster.

»Hörst Du Frauchen, wie die Glocken klingen?" Sie nickte mit dem Kopfe.

Genau so schön, so weihevoll 'wie seit vielen Jahren. Sie läuten zum Beginn des neuen Jahres."

Es wird wohl das letztemal fein, daß wir sie hören", flüsterte die Greisin,bald ist'« zu Ende." '

Wie Sott will, Mütterchen, er findet uns bereit. Er schenke uns seine Gnade, daß wir dort öden über den Sternen da« herrlichste Geläute zu seiner Ehre hören können."

Dar ist das schönste Glück, da« Euch im neuen Jahre zuteil werden kann", sprachen dte Glocken und dann brausten sie noch einmal mit mächtigen Akkorden:

Lobet den Herrn, ihr Menschen, und preiset ihn, denn seine Güte währet ewiglich!"

Und leise, leise klangen sie aus.

frtediser- Sinnes seinen Weg wallte. Er blickte auf, da fiel sei» Auge auf das Bild einer Frau.

Ja, Muttrrle, damals, wie schön war's doch, als ich noch all' dieser Sorgen ledig war und nicht wie heute zu wachen hatte über Geld und Gut!"

Er sprang auf und strich sich mit der Hand über dte Stirn.

Warum kann'- nicht heute sein, wie'S früher war? ES muß anders werden. Für wen raffe ich Reichtümer zusammen? Kinder habe ich keine. Und in dieser Sucht nach Geld uns Gut vernachlässige ich mein Weib und laffe es einsam durch'S Leben gehen."

Er öffnete die Tür und trat in eis anderes Zimmer. Hier saß eine Frau allein am Tische. Sie hatte das Haupt in die Hand gestützt und «ar so über einer Handarbeit eingeschlafen.

Der Satte faß e fie um die Schulter; fie «achte jäh auf und blickte ihn erschreckt an.

Erschrick nicht, Mathilde," sagte er zärtlich und zog fie zu sich empor.Du sollst fortan nicht mehr allein fei«. Was nützt es uns, noch mehr Geld zu sammeln für lachende Erben. Laß' unS mit unserem Selbe Gutes tu« und uns rechte Herzensfreude schaffen!"

Er küßte sein Weib, dessen Augen in Freude«, tränen erglänzten.

So ist's recht, viel Glück und Heil im neuen Jahre!" klangen die Neujahrsglocken.

* . *

Hinter dem vergitterten Fenster des Gefäng- niffes stand der jugendliche Gefangene und lauschte dem Glockenläuten. Träumerisch blickte er zu den Sternen empor.

Im neuen Jahr« werd' ich frei, dann hab' ich meine Tat gesühnt und dann---"

Sollst Du ein anderer Mensch werden", brummten die Glocken.

Ja, das will ich; Verzeihung erflehen bei meinen Eltern, denen ich Kummer bereitet, Ver­zeihung bei dem, dem ich durch meine Untreue Verlust zugefügt und dann ein anderer Mensch werden mit Gotte« Hilfe."

Mög's Dir gelingen im neuen Jahre!" tönt« int Geläute der Glocken.

K. Das Jahr 1902.

IV. (Schluß.)

Nach außen hi« ist dem deutschen Reiche, Gott sei Dank, auch im Jahre 1902 der Friede« erhalten geblieben. Der Dreibund der mittel, europäischen Mächte, der am 28. Juni wiederum verlängert und alsbald durch einen Besuch deS jungen Königs von Italien am-Berliner Hofe bekräftigt wurde, bewährt sich noch immer als Hort des Friedens in Europa. Gleichzeitig be­tonen auch die Mächte des ZwribundeS, Rußland und Frankreich, deffen feierliche Be­deutung. DaS Einvernchmerr Oesterreich-Ungarns mit Rußland in den Balkanfragen, das erst iu den letzten Weihnachtstagen wieder durch ein Besuch deS russische» Aeußernmintfiers Graf Lamsdorff in Wien bestätigt wurde, trägt dazu bei, den ursprünglichen Gegensatz zwischen Drei- bund und Zweibund nicht zum AuSbruch kommen zu lassen, und wirkt auch unmittelbar frieden- erhaltend, indem eS darauf auSgeht, durch Be­treiben von Reformen in der türkischen Ver­waltung und durch Niederhaltung der bulgarischen und serbischen Eroberungsgelüste die gegenwär­tige« Macht Verhältnisse auf der Balkanhalbinsel zu erhalte«. Ob freilich die Unruhen in Maze, boxte« im nächsten Frühjahr nicht doch in ver­stärktem Maße zum Ausbruch kommen, läßt fich nicht Voraussagen.

Aehnlich wie Oesterreich-Ungar«, mar auch die Regierung des Deutschen Reicher, besonders unser Kaiser, bemüht, die herkömmlichen freund, schaftlichen Beziehungen zu Rußland zu pflegen. Aus Anlaß der russischen Flottenmanöver weilte Kaiser Wilhelm mehrere Tage im August mit Kaiser Nikolaus in Reval. Den Besuch des Zaren in Frankreich (September 1901) hatte Präsident So übet schon mehrere Monate vor- her, Ende Mai, in Petersburg erwidert. Daß der deutsche Kaiser auch zu England die Herz- lichsten Beziehungen zu unterhalten wünscht, ist bekannt; vom 8. bis 17. Rgvember weilte er i« England bei seinem Ohm König Eduard. Bor Beleidigungen durch die deutschfeindliche englisch« Presse war er trotzdem nicht geschützt. Dieselben Bestrebungen betätigte Kaiser Wilhelm auch gegenüber den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Sie führten im Februar und März zu der viel Aufsehen erregenden Reise deS Prinzen Heinrich nach Amerika und zur Taufe" der neuen Kaiserjacht, die in Amerika gebaut worbe« ist, durch Frl. Alice Roosevelt, die Tochter deS Präsidenten. Die amerikanische Presse wurde damals durch den Kaiser und seinen Bruder hoch ausgezeichnet, ihre Leiter so- gar mit kommandierenden Generalen verglichen. DaS hinderte auch dort einen Teil der Presse nicht, a«§ Anlaß der deutschen Streitigkeiten mit Haiti und Venezuela kräftig gegen Deutsch- land zu hetzen.

Diese Streitigkeiten, die teil» durch Verletzung der deutschen Flagge, teils durch Nichterfüllung von Verpflichtungen gegen d.utsche Untertanen, durch Beleidigung und Mißhandlung von Deut­schen entstanden waren, führten am 7. September zur Zerstörung deS haitianische« Rebellenschiffes Grete L Pierrot durch dar deutsche Kanonenboot Panther und am 10. Dezember zur Wegnahme der venezolanischen Kriegsfahrzeuge durch die ver­einigten deutschen und englischen Kriegsschiffe. Er besteht die Aussicht, baß der Streit mit Vene­zuela, an welchem außer Deutschland und Eng- land auch Italien beteiligt ist, vor das Schied», geeicht im Haag gelangt, nachdem Präsident Roosevelt die Annahme des Schiedsrichteramtes abgelehnt hatte. DaS waren glücklicherweise die einzigen kriegerischen Ereigniffe auf dem Welt, theater, an welchem Deutschland beteiligt war.

Auch sonst zeigte fich daS Jahr 1902 fried- licher als feine letzten Vorgänger. DaS jähre- lange heldenhafte Ringen d«S tapferen Buren. Volkes in Südafrika mit der englischen Hebet* macht wurde am 1. Juni durch den Frieden von Bereeniging beendigt. Die Bärenführer hatten zwar auch in diesem Jahre noch verschiedene sieg- reiche Gefechte bestanden, fie hatten sogar den General Lord Methuen gefangen, den sie jedoch bald wieder freiließen, aber fie erkannten doch, daß der Krieg niemals mit einem siegreichen Friedensschlüsse für fie endigen könne; und daß er nach und nach zur völligen Ausrottung ihrer Raffe führen mußte. Deshalb und aus Mitleid mit ihren Frauen und Kindern ergaben fie fich gegen daS Versprechen, daß ihre Heimat dem- nächst eine Selbstverwaltung nach Art anderer englischer Kolonien erhalten sollte. So konnte »en« König Eduard am 9,August feierlich

Nnr mühsam gelang es den Slockentöneu, fich Bahn zu brechen durch die Doppelfenster der elegante« Billa und durch die schweren Vorhänge. Aber fie kamen doch hinein, wenn auch leise, biS an de« Schreibtisch, an dem beim Hellen Schein der elektrischen Lampe ein Man« fich über die Rechn«-gSbücher beugte. Die Stirn in Falte» gelegt, rechnete und rtebnete er.

Ich habe viel verdient, aber es ist doch noch nicht genug, ich muß noch mehr arbeite« ur b mehr erwerben," murmelte er in den weißen BaU.

Da flüsterten der Neujahrsglocken Töne an sein Ohr. Er horchte auf; seltsam, wie ihm um'S Herz wurde, wie er ihn gemahnte an »ergangene Zetten, da er frohen Mutes und zu-

Durch daS kleine Fenster oben am Dache des großen Mietshauses dringt der Schall der Neu« jahrSglocken.

Die Glocke» läuten dar neue Jahr ein," spricht leise die bleiche Frau, die an dem Kranken­bette des Gatte« fitzt. Sie faltet still die Hände und betet, während die Tränen ihr über die Wangen rinnen.

Der Kranke schlägt die Augen auf; er blickt so klar und freudevoll sein Weib an, daS ihn liebend umfaßt.

Hörst Du, wie schön die Glocken läute«, Wilhelm," so fragte fie ihn.

Ja, ich höre fie, Luise, und ich freue mich deshalb. Komm' laß unr zusammen bete« für dar Glück, daS unS der Herr geschenkt."

Und fie dankten Sott, daß er den Gatte» nach langem Krankenlager gesunden ließ, fie dankten ihm, daß er gute Menschen sandte, die der Familie Unterstützung gewährten und dem Manne wieher Arbeit versprachen, fie dankten ihm, daß er ihnen Brot gegeben für die Kinder, die im Rebenzimmer schlummer«.

Schütze sie, o Herr im neuen Jahre vor Elend und Kummer und giß ihnen Glück und Segen!" so läute« die Glocken.

gekrönt werden, nachdem man die Krösunz anfangs wegen des BunnkrlegS, dann aber »ege« schwerer Krankheit des Königs lange hatte hinausschiebe« müsse». Die Burengenerale jedoch, Botha, Dewet und Delarey wanderten durch die Länder, um Geld für ihre notleidenden Lands- leute ju sammeln. In Berlin wurden fie vom Volke mit höchster Begeisterung gefeiert und mit großen Spenden erfreut, während der Hof, daS Beamtentum und die Offiziere sich fern hielten. Sin Empfang der Generale durch den Kaiser war nicht zu Stande gekommen; durch wessen Schuld, blieb unaufgeklärt.

Wie in Afrika, so war England auch in Asten auf die Stärkung sein«« Einflüsse« bedacht. Am 12. Februar schloß e« mit Japan ein Bündni« ab. Japan erhielt dafür ,m Stärkung seiner Flotte eine Anleihe von 150 Millionen Mark. Um so mehr suchte freilich auch Ruß. land seinen Einfluß in Ehina zu befestigen; durch einen Vertrag gestand e« die Räumung der Mandschurei zu, die ihm ja doch sicher bleibt. Einen Gegenzug Frankreich« gegen die eng. lische Polttik bildete der Vertrag Frankreich« mit Slam, mit dem freilich nicht alle Leute in Frank­reich iufriebetf find.

Im Ganzen hatte als» die Wettlage im letzten Jahre ein friedliche« Aussehen. Weniger friedlich ging e« allerdings In der inneren Politik ver­schiedener Länder zu. In O e st e r r e i ch dauerte n die nationalen Streitigkeiten ununterbrochen fort, und der wirtschaftliche Gegensatz zu Ungarn offenbarte fich in den langen vergeblichen Ver­suchen, den Ausgleich zu Stande zu bringen. Erst in der Syloesternacht kam zwischen den beider­seitigen Ministern, die schon ihre Entlassung an- geboten hatten, ein Abkommen zu Stande, das aber noch der Bestätigung durch die Parlamente in Wien und Pest bedarf. Dagegen ist offenbar die Los von Rom-Bewegnng zu einem Stillstand gekommen. Nicht weniger trugen dazu die Inneren Streitigkeiten unter den Alldeutschen bei, deren Führer fich gegenseitig der größten Schandtaten beschuldigten.

Besser blühte der Weizen der Kirchenfeinde in Frankreich, wo das Ministerium Combes, da» die Nachfolge Waldrck-Rouffeaus antrat, den Kampf gegen die Schulorden mit der größte» Rücksichtslosigkeit und Härte fortsetzte, sodaß eS sogar an mehreren Orten In der Bretagne die Bevölkerung zu gewalttätigem Widerstände reizte. Gleichzeitig wurde Frankreich von großen ».beiter- auSständen erschüttert, die der Regierung sehr unangenehm waren, weil fie einerseits die Ord­nung schützen mußte, andererseits es ober auch nicht mit ihren sozialdemokratischen Hilfstruppen verderben durste.

Dieselbe Rücksicht lähmte vielfach auch di« Energie der italienischen Regierung, die sich dafür durch kirchenfeindliche Pläne Lust zu machen suchte. Aber hierbei zog fich daS Ministerium Zanardelli eine schwere Niedrrlage zu, indem der Ausschuß der Kammer die Ehe- scheidungSvorlage verwarf. @8 war dies zugleich ein Erfolg des Papstes Leo's XIII., der wiederholt energisch gegen daS unchristlich« Gesetz protestiert hatte.

Auch in Spanien hatten die kirchenfeind­lichen Bestrebungen, die im Jahre vorher zu de« wüsten Klosterstürme«, Angriffen auf Kirchen und Prozesfionen führten, keinen Erfolg. Zwar machte das liberale Ministerium Sagasta einen Anlauf zur Beschränkung deS OrdenSwesenS und der Ausgabe» für kirchliche Zwecke, aber eS sch fich doch genötigt, in Verhandlungen mit dem hl. Stuhle einzutreten, die noch nicht beendet find. Inzwischen aber mußte Herr Sagasta selbst von der politischen Schaubühne abtreten. Dreimal reichte er im Laufe deS JahreS ein EntiaffungS- gesuch ein, zweimal gelang ihm eine Neubildung seines liberalen Ministeriums, aber zum dritten Mals ging eS nicht mehr, und der konservative Führer Silvela wurde zur Regierung berufen. Hoffentlich geht Spanien unter der Regierung seines jugendlichen Königs Alfons XIII., der am 17. Mai seine Großjährigkeit erlangte, ruhigeren Zette« und einer günstigeren Wirtschaft- lichen Entwicklung entgegen.

Wohl wäre noch aus manche« Länder« dies unS jenes zu berichten, aber im Ganzen dürfte daS Bild deS JahreS 1902 in großen Zügen für daS Jutereffe unserer Leser hinreichend klar und vollständig gezeichnet fein. Mögen die Sorgen, die es unS am Schluffe hinterlassen, sich nicht erfüllen, dagegen die Keime einer glück­lichen Entwickelung, sie eS hier und da gelegt hat, fich fröhlich entfalten. Insbesondere aber hoffen wir zu Sott, daß et unsere hl. katholische Kirche und unser geliebte- deutsches Vaterland auch im kommenden Jahre beschützen und segnen möge!

Aoch««, 5. Jan. 1908. Dieser Tage tarn ei» Herr i» ein große? Modewarengeschäft und e» entspann ich zwischen ihm und dem ihn bedienenden Verkäufer olgeuder Dialog:Ich möchte ehte setdenr Bluse ür meine Frau in der ungefähren Preislage von 80 >1S 40 Mark."Welche Farbe, wen« ich bitten darf?"Ist ganz egal." ,U»d welche Machart wünscht der Herr?" -Ist auch einerlei." -W'-lcher Statur ist Ihre Frau Pemahlin?"DaS ist ja auch egal."«der, mein Herr, ich kann Ihnen doch keine »lüft verkaufen, wenn Vie mir kein« »nhaltSpunkt JedenDen brauchen Sie auch nicht, ich will r,ne eibene Bluse im Preise von ungefähr 80 -40 Mark, wie sie ist, ist mir gan, egal, umgetauscht wird sie ja doch!"

[:] zgarme«, 5. Jan. 1908. Nachdem kürzlich mit Schluß der Düsseldorfer Ausstellung der Seifen­fabrik Ang- Luhn u. Eo. in Barmen, als einziger der Branche, dte höchste Auszeichnung, die goldene Medaille, »«erkannt worden ist, verlieh jetzt der Minister für Handel und Gewerbe dieser Firma dte StaatSmrdatlle für gewerbliche Leistungen.

* Mißverstanden. Der Professor Schweifer hat eine Zeitlang bei einer befreundeten Familie zu« Be­such geweilt; al« er abreisen will, drückte er in seiner Zerstreutheit der Hausfrau eine Mark Trinkgeld in die «and. Hausfrau:Herr Professor, Sie haben fich versehen Professor:Nein, ntin, mehr gebe ich nie!"

Wie die Glocke« Muten.

NeujahrSsktzzen von E. Steinhäuser.

--------- (Nachdruck eetioteu.)

Durch dir klare Winternacht, weithin über die schneebedeckten Dächer schallt in mächtigen Tönen da« Zeichen zum Begin« des neue« Jahres: 10 11 12

Glockenläuten, Böllerschüsse, Freudenrufe und Gläserklingen erfülle« die Luft und au8 tausende» von frohen Menschenkehlen töntS hervor:

Glück und Segen zum neuen Jahre!"

DaS neue Jahr ist angebrochen, lobet Sott den Herrn!" so rufen die Glocken und ihr Schall bringt in Palast und Hütte, in die prächtigsten Zimmer deS Reichen, wie in daS stille Wohngemach des Armen, und wo er hereinbricht, da begrüßen ihn die Menschen und seltsam bewegt eS ihr Herz: WaS wird eS bringen das neue Jahr?" * *

Hörst Du, wie die* Glocken läuten," fragte die junge Frau ihren Satte», der eben mit herz- lichem Kusse seine NeujahrSwünsche befiegelt.

Sieh dort unser Kindchen!"

Sie eilt zum vettchen, indem fich die Kleine, ein rosiger Geschöpfchen mit süßem EngelSan- geficht aufgerichtet hat, fein Fingerche« erhebt und erstaunten Blickes stammelt:

Horch da"

Zärtlich umarmt die Mutter die Kleine und der Vater blickt fein Kind mit Stolz und Freude an. Dann zieht er fein Weib an feine Brust. Beide falten die Hände und beten, indessen ihr Kind auf die Kiffe« finkt und lächelnden Antlitzes weiterschläft:

Herr, schenke unferm Kinde Deine Gnade, laß es gut und fromm fein alle Zeit seine« Leben«. DaS sei unser Neujahrswunsch!"

* /

Die Glocken läute« so wunderbar durch die Neujahrsnacht!Komm laß' unS lauschen!" raunt der junge Man« dem jungen Mädchen zu, daS neben ihm an der frohe» Tafelrunde fitzt.

Und fie entfernten fich heimlich. Dort in der Nische deS Balkons stehen sie Arm in Arm und schauen durch die Fenster hinaus zum Sternen- Himmel. Die Braut lehnt vertrauensvoll den Kopf an die Schulter des Bräutigams.

Die Glocke» läute» das neue Jahr ein!" flüstert daS Mädchen.

Ja, mein Herz, das ersehnte neue Jahr, das u»S daS Glück bescheere« soll. Du wirst mein Weib und ich will Dich schützen vor den Gefahren der Welt. Der Sttem Segen geleite uns beim Baue unseres HeimS und GotteS Huld und Gnade bleibe bei unS alle Tage. Und harmonisch, wie der Glocken Klang sei unser Lebe«, Friede u«b Liebe walte stets in unserem Hause."

Beseligt lauschten die Beglückten dem Gesänge der NeujahrSglocke«.