FuIÄaerMZeitung
mit Äti Bdtigte
fflustffrte Sonmags-Ztihmg*, Juldaer GesdMtsbläfttt* tmd rofle*?Dsft.
30. Jahrgang.
Iuk-a, Mittwoch, den 7. Januar 1903.
G Die Auswahl der Abgeordneten.
AlS kürzlich offiziös in Abrede gestellt wurde, daß der Bundesrat sich in Bälde mit bet Frage der Einführung der ReichStagSdiSten beschäftigen werd-", haben wir dieser Ableugnung nur eine formelle Bedeutung beigemeffen. Was bestrüten werden konnte, war nur die bestimmte Behauptung, daß der Bundesrat sich in der nächsten Zeit schon mit dieser Frage zu befasse» haben werde; wir hatten den« auch selbst die Nachrichten von der nahe bevorstehenden Tin» führung von Diäte« als etwas verfrüht bezeichnet. So lag die Sache in der Tat. Wer bestreiten wollte, daß der nächste Reichstag Diäten erhalten wird, der weiß entweder nicht viel oder er darf es nicht sagen, well er ei« OfftziosuS ist. SS steht nicht nur fest, daß der Reichskanzler Graf Bülow die Einführung von Diäte« empfiehlt, sondern daß auch die große Mehrheit deS BundeSrateS einem solchen Vorschläge ohne WettereS zustimmen würde, wenn der Reichskanzler ihn formell machen würde.
Man spricht zwar noch von dem Widerspruche einiger Bundesfürsten, aber wir glauben »icht, daß dieser Widerspruch noch lange aufrecht oder noch lange ein Hindernis für die Gewährung von Diäten sein wird. Auch hier macht sich ein Umschwung bemerkbar, seitdem durch die Reichs- tagSvsrhandlvnge« des letzte« Jahres die Tatsache immer klarer geworde« ist, daß der Mangel an Diäten nicht die Sozialdemokratie hemmt, wie BtSmarck gemeint hatte, londern daß die Sozialdemokraten gerade infolge deS Diäten- mangel- der anderen Parteien (chre eigene« Abgeordneten beziehe» ja Partetdiäten) i» der Lage ist, lange Zeit hindurch de« ganze« Reichstag zu terrorisiere« und die wichtigste« Vorlage« der Regieru«gen zu gefährde». Ma» darf als ficher betrachten, daß diese Erwägungen auch für bee Kaiser mitbestimmend waren, seinen früheren Widerstand gegen Diäten aufzugebe». Dazu kam dann »och sein Wursch, baß wirkliche Arbeiter- vertretet, die nicht Sozialbemokratev find, in de« Reichstag gewählt »erben. Dieser Wunsch hat wenig Aussicht auf Erfüllung, solange bet Mangel an Diäte» einfache» arbeitet« es unmöglich «acht, ei« Reichstagsmandat anzunehmen.
Wen« mm also getrost erwartet werden darf, baß die Einführung von Anwesenheitsgelber« für bis ReichstagSmilglieder nach den nächsten Reichs- tagswahlen «icht mehr lange auf sich warte« laffen wird, so folgt daraus für die Wähler und Wahlkomitee« der Parteien, daß sie bei der Auswahl ihrer Kandidaten schon bei der nächsten Reichstagswahl «icht mehr so bewegt sich zu fühlen brauchen, wie die« sellher der Fall war. @« können also mehr Angehörige der unbemittelten Volks klaffen und de« Mlltelstande« al« bisher ei« Reichstagsmandat annehmen. Wir hoffe«, baß infolgedessen der nächste Reichstag eine Reche tüchtiger Settreter sowohl des Arbeiter- standes wie auch de« Handwerkerstandes und
Bauernstände« aufweisen wird. Natürlich gilt auch für diese Vertreter der Grundsatz der Ser« faffung, daß der Abgeordnete ein Vertreter do« ganze« deutschen Volke« ist. Und dazu find gewiß nur die Besten eben gut genug. Darum darf nicht allein die Beliebtheit der betreffenden Kandidaten in ihren Stanbeskreife« ausschlag' gebenb fein, sondern in erster Linie die Tüchtigkeit. Wer einmal selbst mit angesehen hat, wie die eigentlichen Arbeitsbienen unter unseren Abgeordneten sich abrackern und ihre besten Mannes- jahrs opfern, ihre Gesundheit auf« Spiel setzen müssen. um nach ihrer Ueberzeugung dem Vaterlande zu dienen und die Aufträge ihrer Wähler zu erfüBen, der wird un« beistimmen, wenn wir auf« neue die Mahnung »««sprechen, namentlich auf die Wahl solcher Abgeordneten bedacht zu sein, die in Berlin nicht nur mitstimmen, sondern auch mitreden und, wa« noch wichtiger ist, auch in den Kommissionen Mitarbeiten können. Mehr Arbeitskräfte! Diese Mahnung sollten «ament- lich die Wähler be« Zentrums jetzt ganz besonders beherzigen. , „
Für heute mag e» genügen, auf biefe Er- forberniffe hingewiesen zu habe«. Nur baS Eine sei noch betont: Wenn wir empfehlen, dem Reichstage frisches Blut zuzuführen, so liegt darin kein Borwurf gegen die bewährten bisherigen Abgeordnete«. Manche von ihnen haben nicht die Absicht, wieder ein Mandat anzunehmen; viele andere, die zugleich dem Landtage ihres Heimatsstaates angehören, werde« ftoh fei», wenn sie sich auf die Ausübung ihres Landtags- Mandates beschränke« können. Dadurch wird eine ganze Anzahl von Mandaten für den Reichstag frei, und es kann bei dieser Gelegenheit sehr gut basür gesorgt werbe», baß bet Uebelstanb bet allzu viele» Dopprlmanbate eingeschränkt werde. Scho« für die preußischen Abgeordneten ist eS schlimm genug, wen« sie von Abstimmung zu Abstimmung zwischen Reichstag und Landtag hin- und hergehetzt werden, und zwar in Zukunft oft genug vergeblich, da sie wegen der Verkürzung der namentlichen Abstimmungen durch die lex Aichdichler doch meistens zu spät kommen »erden ; noch übler find aber natürlich diejenigen Reichstagsabgeordneten daran, die zugleich dem bayerischen oder württembergischen oder badische» Landtage usw. ««gehören. Gerade Süddeutsch- land hat daher auch ein besonderer Jntereffe an bet Einführung oo« ReichStagSbiäten, unb es ist beShalb kein Wunber, wenn — wie wir hören—sübbeutsche Regierungen ihre« Ei«, fiuß in Berlin geltenb machen, um bie Einführung solcher Diäten zu bewirken. Unb nu» frisch a«S Werk! Die Auswahl bet Abgeordneten und die Borberettung der nächsten Reichstagswahlen überhaupt »erträgt keine« Auffchub mehr.
Berlin, 6. Januar 1903
+ Zum sächsische« Ahesirett wird auS Senf gemeldet, daß bet beutscheKonsulBothe
Die Macht des Geldes.
Kriminal-Roman von Arthur Eugen Simfon.
27 ------ (Nachdruck verboten.)
.Ich werbe Dich begleiten," sagte fein Schwaget, bet schon mit bem Hute in bet Hand bereit staub; „bie Reisetasche trage ich, komm" nur, bomit wir den Zug nicht verfehle«."
Griesheim schien dagegen einen Einwand et. heben zu wollen, aber da auch Elisabeth ihn bat, bie Begleitung ihres »ruber! anzunehmen, so protestierte er nicht weiter; et mochte wohl selbst fühl«, baß et etwas zu viel getrauten hatte, und schon 6ix8 diesem Grande bie Begleitung wünschenswert war.
Die junge Frau blieb allein zurück; fie »ahm eine Zeitung vom Tische unb setzte sich in ben Diva», unb bald schiene» ihre Gedanken mir noch mit bem Blatte beschäftigt zu sein.
Endlich kehrte Grauet zurück; mit erstaunter Miene trat er ein.
»Du bist «och nicht zu Bett gegangen?" fragte er.
»9ch wollte ans Deine Rückkehr warten," erwiderte ste ruhig, indem sie die Zettung bei- ■eite legte.
»DaS wa : unnötig, ich hatte ja de« Haus-
»Ich fürchtete, Ihr würdet be« Zug nicht ntebr erreichen."
„Zell «genug!" sagte er achselzuckend. „UebrigeuS habe ich ihn mit bis zur alten Brücke begleitet." Q
„Richt bis tum Bahnhof?"
„Rein, et wollte eS nicht. Er meinte, be» tauscht sei er nicht und ben Weg kenne er; es mußte ihn wohl ärgern, daß ich ihm meine Be« glettung gewiffermaßen aufgedrunge» hatte."
„Aber ich wäre trotzdem mtt ihm gegangen l"
„Ich wollte eS auch, aber er wurde grob, und da hielt ich eS für beffet, darauf zu »er« zichten."
„Er hatte wirklich zu viel getrunken," sagte Elisabeth besorgt ; „wen» er den Weg verfehlt!"
„Dann kommt et sicher wieder hierher," unterbrach ste ihr Bruder achselzuckend. „Rache Dir nut feinetwege* keine Sorge», Du ke»nst ja daS Sprichwort vo» dem Unkraut. Ich bi« herzlich ftoh, daß et stch auf bem Wege «ach »et« befindet, ich la«« um so beffet bie Angelegenhell mtt Hallstädt orbnen."
„Und in welcher Seife soll da« gescheh-«?"
„Ich kann e8 Dir noch nicht sagen; wahr- scheinlich wirb mit nicht« anderes übrig bleiben, als ihm das verlorene Geld zurückzugrben."
„Wir habe« eS nicht."
„Unbesorgt! Alles hat er nicht mitgenommen, ich habe schon früher Sorge getragen, daß er daS nicht konnte. Und im Stande genommen, weiß ich wirllich nicht, ob eS nicht beffet wäre, wenn wir ihn nie wieder sehen."
„Willi!"
„Wäre bet Verlust so groß? Ich glaube e« nicht. Meint Barna« eS ehrlich mtt Dir, dann könnte et Dir möglicherweise seineHaud reichen —"
„Nimmermehr!"
„WeShnlb sollte daS nicht möglich sei«? Du glaubst ja «och immer seiner Liebe sicher zu fein."
auf öffentliche ober private Wohltätigkeit angewiesen ist.
-j- Dem M»mde de» Aandwirte hat schon wieder eine« seiner angesehenste« Mitglieder ben Rücken gekehrt, nämlich ». Bülow, bet Rrei«. Vorsitzende des Bundes für ben Kreis Sanger- hausen. Als Stund gibt er an, daß die jetzige Taktik der Bundesleitung und bie Behandlung der Vertreter der Landwirtschaft, bie für ben Antrag Kardorss gestimmt haben, verurteilenswert seien.
X Aiverale SeIösive«um-iOiu»G. Die liberale Presse braucht sür sich unb ihr Publikum fortwährenb einen Popanz, wovor fie sich fürchten kann. So melbeten bie,Münch. Reuest. Nacht/ biefet Tage, baß bem «roßhetzog von Baven ein Antrag sämtlicher Minister auf Zulassung von Klöstern vorliege. Dieser Ente, bie bereit« ben Segenfianb gruseliger Be- trachtungen in bet Kulturkampfspreffe bilbet, schneidet nun eine amtliche Widerlegung auS Karlsruhe ben Hals ab. Inzwischen hat ein anbereS Münchener Blatt, bas „farbloS" sein will, einen neuen Popanz aufgerichtet: Neben bem beutsch-päpstlichen Abkommen über die
daselbst am Montag der Kronprinzesfin die Klage deS Kronprinzen zugestellt hat. Sie lautet bekanntlich auf Aufhebung der ehelichen Gemeinschaft und ent pricht einer Klage, die schon vor- her bem kirchlichen Gerichtshof in Dresden unterbreitet wurde. Die Klageschrift enthält die Labung vor baS befonbere Gericht in »reibe« zum 28. Januar. Die Ptinzesfin wirb die Sch ei- bu«g beantragen. Das kann fie nur, indem fie sich selbst Der Untreue bezichtigt!! Ihrem Manne nämlich hat fie, wie ste wiederholt erklärte, gar nichts vorzuwerfen. Rach dem Bürgeri. Gesetz- buche, daS aber hier nicht ohne weiteres anwendbar ist, müßte dann auf Scheidung erkannt werben. Natürlich hätte biefe auf bie religiösen Verpflichtungen ber geschiedenen Satten keinen Einfluß. Der Kronprinz würbe fich natürlich unbedingt daran halte« unb beShalb keine neue Ehe eingehen; von ber Prinzessin dagegen läßt stch nicht voraussagen, ob fie fich au bie kirchliche« Vorschläge halten wird. Es wird berichtet, fie wolle eve»t. zum Protestantismus übertreten; daS wäre ja eine schöne Schmeichelei sür denProtestanttsmuS, ber Aber eine« solchen Gewinn kaum sonderlich ^erfreut sein bürste.
* Air sozialpolitische PSttgsteit de» Zentrum» in bet Arbeiter-Witwen- unb Waisenfürsorge wird von der Leitung deS Verbandes der evangelischen Arbeiter- vereine Rheinlands und WestsalenS lobend anerkannt. Das Verba«dSorgan,Evangelischer Arbeiterbote' schreibt:
Aus bem parlamentarische« Leben komme» zwei tute Nachrichten. Der Reichstag hat einen Antra, Trimbor» angenommen, wonach die ,»künftige» Zollrtnnahme», soweit fie über den Durchschnitt bee bisherige» ErträgniffeS hinaus,ehe», zur Funbtru», einer Arbeiter-, Witwen- und Waisenversorgu», diene» solle». Wen» auch diese Mehrertrög»iff» fich höchstens auf 90 Millionen Mark belaufe» «erde», «ährend mindesten« das Dreifache erforderlich wäre, so darf man doch nicht wie nattonalltberale Herren, von »sozialpolitischer Kurpfuscherei" reden. Denn es ist wenigsten» damit ein Grund gelegt, ans dem sich weiter baue» läßt, und die Hauptsache ist, daß der vtaat endlich der »ersorgmi, der Arbeiterwitwen, und
katholisch-theologische Fakultät in Straßburg soll noch ein geheimes Abkommen bestehen, demzufolge die Auswahl der Professoren a« allen theologischen Fakultäten tatsächlich dem Bischof zustehen soll, der auch Mllglieder eines jede« Ordens, z. B. der Jesuiten, zu Professoren berufen könne. Eine solche phantastische Aufschneiderei bedarf keiner Widerlegung. De» Bogel schießt wie gewöhn- sich daS.Berliner Tageblatt' ab, daS zu dieser Münchener Meldung bemerkt:
„Diese Meldung eilt doch wohl de» Tatsache« „etwaS voraus. Aber was »icht ist, kan» ja „noch werben, zumal »achbem jetzt wieber baS „Zentrum ben Zolltarif „gemacht" hat. Man „weiß ohnebieS, baß eS nur vom Zentrum „abhängt, denZeitpunkt zu bestimmen, „an bem bie Jesuiten zutückkehten „dürfen."
Wohlgemerkt: Diesen letzten Satz habe» nicht wir, sondern baS,Berl. Tazebl.' burch Sperrung im Drucke hervor gehoben. Es bilbet fich also , offenbar auf seine „Enthüllung" nicht wenig ein. Schabe nur, daß bem Zentrum noch keine beglaubigte Mittheilung zugegangen ist, baß eS ben Zeitpunkt nur zu bestimmen brauche, an bem bie Jesuiten zurückkehren bürfen. Sonst braucht das ,Berl. Tagebl.' gewiß nicht mehr lange auf bie Rückkehr ber Jesuiten, bie ihm offenbar sehr am Herzen liegt, zu »arten.
* Kuglische Fießenomürdigüeit. Nach Verficheruvgen ber englische« Patrioten, baß bie Vergrößerung ber deutschen Flotte eine Drohung sür England bilbe unb nur zu bem Zwecke geschähe, um eines schönen TageS bie Landung eines deutschen Heeres an der britischen Küste zu ermöglichen, gewährt eS wenigstens ben Reiz ber Abwechselung, auch einmal eine andere Ansicht aus bem Munde eines Engländer« zu vernehmen. Eine solche findet man in ber soeben erschienenen Nummer ber .Contemporary Review', in ber ,Qnibam' in einem »Slave unb Teutone' überschriebene« Artikel ben Nachweis zu führe» versucht, baß Deutschland fich auf* einen Kampf mtt Rußland um bie Türkei mit allen Kräfte« rüste. Rußland, so argumentiert .Quidam', hat ejn für allemal erklärt, daß eS die Erbschaft des kranken Manne« antreten wolle «nd werde. Damit hätte aber zugleich sür die österreichisch- ungarische Monarchie da« letzte Stündlein geschlagen, und daS aus einem solchen Gange ber Ereignisse resultierende Uebergewicht Rußlands ans dem europäischen Kontinent muß natür- gemäß drm Deutschen Reiche äußerst gefährlich werden. Da selbst .Quidam' der Ansicht ist, daß dieser Entscheidungskampf noch in weiter Ferne liegt, so haben wir Deutsche wenig Ber- anlttffung, uns Über bie Enthüllungen beS englischen Journals aufzuregen, aber eS ist doch intereffant, auS dem Munde eines Briten zu hören, daß, «ährend Deutschland mit eifersüchtiger Wachsamkeit bie Vorgänge im Osten beS europäischen Kontinents verfolgen muß, „Konstantinopel nicht bie Knochen eines britischen SrenadierS wert ist."
+ Da» geplante Milttärpensionogesetz ist, wie da« ,Berl. Tagebl.' angeblich zuverlässig erfährt, zurückgezogen worden. Zweifello«
„Wie Du nur reden kannst!" sagte Elisabech in vorwurfsvollem Tone. „Mein Gatte lebt, er steht im blühendsten Mannesalter, und Du willst über meine Hand verfügen! Sehen wir zu Bett, Willi, eS ist spät genug geworden —gute Nacht!"
Eie hatte eine Kerze angezündet, die ste ihm überreichte. Gruner nahm das Licht und entfernte fich.
8. Kapitel.
Erst am Morgen de« nächsten Tage« kehrte Gustav Varna« von Brunnen zurück.
Hallstädt unb Theodore waren freubig überrascht, al« fie'gletch nach ihrer Rückkehr vo« Luzern so unerwartet den Advokaten antrafen. Sie hatten ihm viel zu berichten; fie wollte« mtt ihm Über da« Vorgesallene und da«, wa« «u« geschehe« mußte, beraten. Gustav durfte an diesem Abend nicht an bie Heimreise denken.
Ec zweifelte nicht daran, daß die Vermutungen Hallstädt« durchans begründet waren; Grie«heim hatte fich der z« solchem Zweck präparierte« Liaorre« bedient.
Hallstädt mochte fich selbst die bitterste» Vor- würfe, seine früheren Erfahrungen hätten iha ja vor diesem Betrug schütze« müsse«; er begriff nicht, daß er so unklug gewesen »ar, seine Zügel schießen zu kaffe«.
Die Karte« waren auf der Rückseite gezeichnet, aber erst nach langem Forschen fanden Hallstadt und Barne, die Zeichen, die ber geübte Blick sofort erkennen konnte.
Varna, riet davon ab, der Bohörde sogleich Anzeige zu machen; da da« Spiel in eine« Primckhanse stottgefnuden hatte, so konnte die
Polizei nicht einschreiten, unb es ließ sich voraus- sehen, daß diese Vorschläge weiter Waffen gegen bie Gaunerbande lieferten.
Die Sache jetzt schon an bie Oeffentlichkett zu bringen, hielt Varnay nicht für ratsam ; ihm selbst wurde es dadurch unmöglich gemacht, fei« Rolle »etter zu spielen, unb unter ben obwaltende» Umständen durfte man an bie Verhaftung Gries- beim« nicht denken.
Der Advokat hatte bereits einen andere» Plan entworfen, dessen Ausführung er bem Agenten Schüller übertragen wollte; ergab die Ausführung daS gewünschte Resultat, bann konnte man mit einem einzigen Schlage die ganze Bande vernichten.
Hallstädt vernichtete ungern auf die sofortige Anzeige; aber die Gründe, bie Barna? ihm ba« gegen anführte, mußte er anerkennen, unb da auch Theodore in ihn drang, den Rat deS Advokaten zu befolgen, so fügte er fich mit bet Erklärung, daß er seinen definitive» Entschluß »ach dem Besuch SrunerS fasse« »erbe.
Kaum in Luzern angekommen, empfing Gustav bie Mitteilung, baß schon am vorigen tage ei« Polizeibeamter hn Hotel gewesen fei, ber » einer dringenden Angelegenheit mtt ihm zu rede» gewünscht habe. Wen« er ben Beamten recht verstanden habe, so handle eS fich um Auskunft über einen anderen Reifende«, der gestern verhaftet worbe« sei, fügte ber Kellner hinzu, unb Gustav Barnay ahnte sofort, daß mit ber Agent der Verhaftete sei« könne.
Ohne Verzug begab er fich in daS Bureau des ihm bezeichneten Beamten nud nachdem er sich selbst sorgest«It und legitimiert hatte, erfuhr er, was er bereit« vermutete.