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JuLöcl, Samstag, den 3. Januar 1903,

30. Jahrgang.

Kriminal-Roman von Arthur Eugen Simson.

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------ (Nachdruck verboten.)

Was ist den« so Furchtbares geschehen?"

„Tein auffallender Verlust hat ihn auf die Vermutung gebracht, daß er betrogen sei« müsse."

„Ist es nur Vermutung, dann liegt die Gefahr doch nicht so nahe —"

„8r wird bald Gewißheit haben; er hat eines der bezeichneten Kartenspiele mitgenommen und mir erklärt, daß er dasselbe mit de« Rest seiner Zigarre der Polizei übergeben «olle."

„War eS eine von de» bewußte» Zigarren?"

„Jawohl; der Chemiker muß daS Opium entdecken, und die Anklage hat dann einen sicheren Beweis, auf den ste sich stütze» kann. Ich begreife diese Dummheit und Rücksichtslosigkeit nicht. Griesheim kannte unsere Projekte; fast scheint eS mir, als habe er sie absichtlich durchkreuzen wolle». Gr mußte ja »orauSfehen, daß der alte Man» Verdacht schöpfe» würde, zumal er schon ta|

Berlin, 2. Januar 1903.

+ Die Kröff«««- de» ^«edtoges, der auf den 13. Januar einberufe» worden ijt, erfolgt an diesem Lage Mittags 12 Uhr im Weißen Baal« des hiesigen königlichen Schlosses. Zuvor findet Gottesdienst um 11 Uhr in der Dom« »nterimSkirche und um IVUhr in der HedwigS- ktrche statt.

l erlebe» würde, da gela»g auf eiumal die Ver- stSndigung zwischen de»Regierunge« u»d den OrdnungS • Parteien deS Reichstages, die nun ihrerseits fich z« energischer Bekämpfung der Ob­struktiv« aufraffte» und zusammentaten. Damit hatte die Obstruktion die Schlacht verloren, und die Rächt vom 13. auf de« 14. Dezember sah «ach der längsten aller bisherigen Reichstags- Sitzungen, und nachdem die Obstruktiv» »och eiu­mal alle Kunst hatte spiele« und de« Genosse« Lntrick sogar eine achtstündige Dauerrede hatte hatte« lasse«, die Niederlage der Sozialdemokratie endgültig besiegelt: der Zolltarif wurde mit 202 gegen 100 Stimmen angenommen.

Wie bei jeder Verständigung zwischen Leuten, die ursprünglich von sehr verschiedene» Ansichten ausgehen, habe» auch bei der Verständigung bei dem Zolltarif alle Beteiligte» vieles von ihre« Forderungen aufgebe» müsse». Ware» die Zu- geständnissr der landwirtschaftsfreundlichen Par- teien groß, so «raren diejenigen der Regierung doch auch sehr bettächtlich. Jedenfalls wäre die Landwirtschaft nicht besser, sondern erheblich schlechter gefahren, wenn der Tarif nicht zu stände gekommen wäre und das sehen auch alle verstän­dige« Vertreter derLaxdwirte et«; nur der Bund der La»d«irte will es nicht eiusehe«, «eil er die großen Schlagworte für sei»e Agitation braucht. Sr hat eine förmliche Kriegserklärung gegen sämt­liche Mehrheit« - Parteien des Reichstage-, Ko«, servatioe, Reichspartei, Ce«trum und National- liberale erlaffe». Das Cr«trum «ahm diese KriegS- erklärung gelassen auf, da eS fich ja seither schon im Kriegszustände mit dem Bunde der Lanowirte befindet. Die ReichSpartei antwortete mit dem AuSttitte der beteiligten Abgeordneten, vorax ihres Führers v. Kardorff auS> dem Bunde der Landwirte. Die Konferoativex regte» fich wohl auch etwas, lenkte» dan» aber

j „Kanonenköntg" Krupp, der kurz nach diese» »»griffen eine» unerwarteten Todes starb. Ci» Strafverfahren, welches auf Verlange« Krupps gege» de« .BorwlrtS' eixgeleitet worden «ar, wurde nach seinem Tode wieder eingestellt — ein Triumph, de« man der Sozialdemokratie nicht hätte beretten sollen. Die Aachener Kaiserrede bildete ein feierliches Bekenntnis zum Christen- tum; der Kaiser stellte fich, Reich, Volk und Heer unter den Schutz der Kreuzes und erwähnte da­bei auch eine rühmende Bemerkung des Papstes über die Lage der Katholiken ix Deutschlaxd. Ergänzt wurde diese Arußeruxg durch die Rede des kaiserlichen Ehrengesandteu ax den Papst, deS Generalobersten vox Loe bei der Papstfeier in voxx. I« der liberalen Presse erregte dieser Zwischenfall großes Mißbehagen. Um so mehr freute sie fich über die Görlitzer Rede, worin der Kaiser unter verschiedenen anderen Freiheiten auch die Freiheit in der Weiterbildung der Religion dem deutschen Volke wünschte. Natürlich kann fich diese Aeußerung nur auf den Protestantis­mus beziehen; so verstanden beweist sie neuer­dings, daß der Führer des liberalen Prote­stantismus, der Berliner Professor Harnack, einen großen Eixstuß auf den Kaiser gewonnen hat.

Andermatt ihn gerupft hatte. Gr durfte ihn gar nicht zum Sp»ele aufforderx."

„Ich hatte eS ihm auch verboten!" sagte Elisabeth entrüstet.

„Der kleine Gewinn will ja gar nichts bedeuten; beschäftigt fich die Polizei mit der Sache so —"

„DaS darf nicht geschehen, um jeden Preis muß es vermiede« werden!"

Griesheim trat in dem Augenblicke ein; mit höhnischem Lächeln hörte er die Vorwürfe der beiden an.

„Ich verspreche nichts."

„Dieses Versprechen liegt in Ihrem eigenen Interesse. Ich gebe Ihnen nochmals mein Wort darauf, daß Ihre Rechte gewahrt werden sollen. Wollen Sie mir die Karten anvertrauen, so werde ich fie einer scharfen Prüfung unterziehen —

„Geben Sie fich keine Rühe," unterbrach ihn der alte Herr, der jetzt vor der Türe des Salon« stand; „ich weiß selbst sehr genau, waS ich zu tun habe."

Theodore erschrak, als fie i« das totesbleiche Antlitz deS eixtretende« Vaters blickte; er staxd »sr ihr, ehe ste Zeit fand, eine Frage ax ihn zu richten.

„Wir müsse» dieses HauS verlassen, mein, Kind," sagte er in einem Tone, der keinen Wider- spruch duldete. „Du wirst auf dem Heimwege das Vorgefallene erfahren."

Elisabeth blickte fragend chre« Bruder an, Gr zuckte die Achseln, als ob er sagen wolle, er könne ihr jetzt keine Erklärung geben.

Schweigend ging Theodore hinaus, um Hut und Mantille anzulegen. Gruner folgte ihr.

„Glauben Sie nicht alles, waS Ihr Herr Vater in der Erregung Ihnen sagen wird," flüsterte er, „und vor alle» Dingen halte« Sie

1 ihn zurück, Schritte zn tun, die er später al« übereilte Handlungen bereuen müßte. Ich werde morgen nach Brunnen komme« u«d mich bemühe«, die Angelegenheit in Ordnung zu bringen."

„Bemühen Sie fich nicht," sagte HallstSdt, der in demselben Moment aus dem Salon heraus- trat, al« Gruner nach seinem Hut griff; „den Weg zum Schiff könne» wir allein finden."

„DaS heißt mit andern Worten, Du sorgst nur für dich und nimmst dabei auf «ns keine Rücksicht!" erwiderte Gruner auffahrend. „Werne Hallstädt nun seine Entdeckungen dem Advo­katen Barnay mitteilt, find wir alle verloren/"

„Ich hoffe, er wird mit ihm nicht mehr zu­sammenkommen," sagte Elisabeth.

„Und wenn eS der Fall wäre, waS läge da­ran?" spottete Griesheim, während er in dem Zimmer auf« und niederwanderte. „Suchen fie un« hier, so werden ste daS Nest leer finde», und «ach Italien werde» sie un« nicht verfolge» wollen."

Gruner verbeugte fich und wechselte mit dem Mädchen verstohlen einen bedeutungsvollen Blick. Einige Minuten später «ar er mit seiner Schwester allein.

Die langverhaltene Wut gegen den Schwager brach sich jetzt Bahn.

„Er hat alle« verdorben!" tief er. „Hallstädt weiß, daß dein Man» auS dem falschen Spiel ein Gewerbe macht; er hat tausend Taler an ihn verloren und will die Geschichte der Polizei anzeigen."

teilt W

Sieberi

und Schäfer und Hellinger (katholisch). DK Intendantur setzt fich zusammen au« dem Inten- danturrar RrinSdorff, Vorstand, den Inten- dantnrräten Köstli», Dr. Engel und dem Inten­dantur- und Baurat Wpland. Bei gegeben find der Intendantur sechs Inten dantursekretäre und ein technischer Sekretär. Als Juflizbeamte befinden fich bei der Brigade OberkriegDgerichtS- rat Bolle,, KriegSgerichtSrat JornS und zwei MilttärgerichtSschreiber.

„Wis Ich auch darüber nachdenke, von welcher Seite ich auch die Sache betrachten mag, immer wicker komme ich zu dem Schluß, daß Ihr Schwager ein Schuft ist," sagte er endlich. „Hier ist noch der Rest von der Cigarre, die er mir ge­geben hat; ich werde das Kraut untersuche« lassen — der Chemiker wird schon da« Gift heraus finden."

„Welche Vermutung! ' erwiderte Gruner mit scheinbarem Entsetzen.

„Er wäre nicht dar erstemal, daß man mit einer Cigarre das Opfer betäubt hat, um <« leichter plündern zu können — der sinnverwirrende Rausch, der so plötzlich mich befiel, hat jede..fall« seine Ursachen."

„Ich kann e« nicht fassen, wie Sie zu diesem Verdacht kommen, der doch meinen Schwager ohne »eitere« zum Verbrecher stempelt. Lassen Sie un« do« Borgefallene ernst und ruhig unter­suchen — kommen Sie, wir «ollen einen Spazier­gang machen —"

Hallstädt schüttelte energisch den Kopf.

„Ich muß danken," sagte er; „nach diesen Erfahrungen kann niemand mir verargen, daß ich sobald wie möglich nach Brunnen zurückkchre."

„Dann »erde ich mir erlauben. Sie morgen zu besuchen, versprechen Sie mir, bi« dahin Seine Schritte zu tun."

Mann mir keinen Schrecken ein. Sure Projette soweit fie sich auf da« Fräulein Hallstädt beziehen, find Illusionen, die fich niemals verwirkliche» können; da ist mir der Spatz in der Hand lieber, als die Taube auf dem Dach."

Die Wange» der jungen Frau erbleichten;

« sarkastisch. „Ich habe für die »e,ah- fich esis^ Gäste^zum erstenmal "^ttr^^diesemDacke lu*9 ber “nb mü W«« albernen

- - aberI Hutungen. und Behauptungen jagt der. alt halten?"

wieder ein. Die Nationalliberalen endlich find viel zu sehr mit den unzufriedenen freihändlerischen Elementen in ihrer Partei beschäftigt, als daß fie Zeit und Kraft hätten, fich auch noch gegen den Bund der Landwirte zu wenden. Völliger Katzenjammer herrscht natürlich auf Seiten der I Geschlagener-, obwohl sie fich durch eine Flut von zornige» Schimpfereien und Drohungen ei» traft- meierisches Aeußere zu geben suchen. Um )o er­freulicher ist e« für die deutschen Katholiken, daß daS Centrum im Reichstage bei den entscheiden- de« Abstimmnnge« vollständig einmüthig und ge­schloffen war; so darf es getrosten Stute« in die nächste« Reichstagswahlen gehe«.

Der Kaiser hat durch die hohe« Aus­zeichnungen, welche er dem Reichskanzler Grafe« ! Bülow, dem StaatSsek'?M ». Posadowsky usw. verliehen hat, bewiese?', daß auch er ihre Ver­dienste um den Zolltarif hochschätzt. Ix feixen | verfchiedexen öffentliche« Aeußerungen hatte er vor­her jede Stellungnahme in dem Zolltarifkampfe vermieden. Vox feixex Reden machten beson­ders diejenigen groß S Aufsehen, welcher er in Marrenburg bei Einweihung der restaurierten Schloßkirche, dann bei einem Besuch in Aachen, I ferner ix Essen, in Görlitz und inBreSlau hielt. Die erstere richtete fich gegen den „polnischen llebermut", die Essener und Breslauer Rede gegen die Sozialdemokraten aus Anlaß der persönliche« Angriffe des .Vorwärts' auf den

Generalversammlung de« Rheinische« Bauer«- verei«« in Neuß erklärt, daß die ,Rheinische Volksstimme' alS Organ de« Vorstandes de« Rheinischen Bauernvereins gegründet worden fei und er von seinem Amt als Vor fitzender deS Vereins zurücktretex müff--, wenn es ihm nicht gelingen sollte, die richtige Auffassung in der Zweckbestimmung des BlatteS herzustelle». Die Seneraloersammluxg nahm mit allen gegen vier Stimmen eine Resolution an, in der eS heißt: „DieSeneraloersammluxg billigt wieder­holt die Stellungnahme, die der Präfident gegen

* 3M« »eite Aerrenhausgevände, das Ende dieses Jahre« i.r Benutzung genommen werde« soll, wird auch im Innere« mancherlei künstlerischen Schmuck erhallen. In de« Nische« der MckNaxd de« Treppenhauses werden zwei alegorische Figuren „KöxigSkeue" und „Vater­landsliebe" Platz finde», die nach Entwürfe« de« Bildhauers Stark in Bronze gegossen werbe«. Mit der Ausführung des großen Deckengemäldes ix der Wandelhalle ist der Maler Han« Kobec- steix betraut worden. T*'

Schmuck der Wandelhalle stehen die Entscheidungen noch aus. In dem großen ReprSsextationssaale, ____

[ber über der EinaangShalle liegt, werde« Hermen des Rheinischen Bauernverein«, Graf der acht preußische» Könige Aufstellung finde», «pee, hat nach ber »Köln. VolkSztg.' in einer Der große Sitzungssaal, der 280 Plätze erhalten " ' ' ' — .

wird, wird vollständig mit Holz getäfelt und mit reichem Holzwerk eingedeckt. Künstlerisch ausgestaltet wird endlich auch das schmiedeeiserne Gitter, daS die Cour d'honneur j ach der Straße zu abschließen wird.

• Neamteuflelkenöesetzung in der ost- aftatifchett zSesatznngsörigade Für die redu,irte ostastatische BesatzungS-Brigade wird die neue Beamtenbesetzung bekannt gegeben. Vier Geistliche bleibe» bei der Brigade, und zwar die Herr» de HaaS, Dr. Lehr (evangelisch)

- »Mm«Jllustnrte Sonntags-Zeitung", „Yuldaer 0esd>icbts6lätief' und talerie-Dsfe.

* Kinheittiche Ztzechtschreiü»«,. Der vom Bundesrat in seiner letzten Sitzung gefaßte Be­schluß über die Einführung der neuen deutschen Rechtschreibung lautet folgendermaßen: 1. Eine einheitliche Rechtschreibung in ben Schul­unterricht unb in den amtlichen Gebrauch ber Be- Hörden einzxführen und von dieser Rechtschreibung nicht ohne wechselseitige Verständigung der Ber- bündeten Regierungen untereinander und mit Oesterreich abzuweichen; 2. al« Zeitpunkt für die Einführung der neuen Rechtschreibung in de» Schulen, insofern fie nicht schon zu einem frühere» Zeitpunkte erfolgt ist ober erfolgt, ben Beginn be* Schuljahre« 1903/1904, und al« Zeitpunkt für die Einführung in den amtlichen Gebrauch aller Behörden de« Reich« und der Bundesstaate», ins­besondere bei allen amtliche« Veröffentlichungen, den 1. Januar 1903 festzusetzen; 3. aus die Ein­führung ber neuen Rechtschreibung im Verkehr ber kommunalen unb sonstigen nichtstaatlichen Behörden in geeigneter Weise hinzuwirken.

* Gegen die Aonünrrenz der MiMstr- mnfiüer hatte der allgemeine deutsche Musiker» verband beim Reichstage Klage erhoben. Dieser hat die Petllion bezüglich der Aufhebung der den Rilitärmusikerx für ihre geschäftlichen Reise» durch die ermäßigten Eisenbahnfahrpreise ge­währten Vergünstigung dem Reichskanzler z«r Berücksichtigung überwiesen. Der BundeSrat «wer hat Ende November beschlossen, der Petttion keine Folge zu geben. Wie die .Deutsche Mustkerztg." schreibt, hat der Kriegsminister auf eine« Aus­spruch deS Kaisers hingewiesen, „daß, auch abge­sehen von dem Spiele« zu öffentlichen Tanzver­gnügungen, das Trage« der Uxiform bei öffent­licher Ausübung außerdienstlicher 'Musiktätigkett einzuschränkex und im allgemeine« n«r dann zu gestatten sei, wen« das Musikkorps geschlossen ober mit einem namhafte« Teile u«ter Leitung des Dirigenten auftrete." Dagegen wolle der , Kaiser dem nicht entgegen fein, wenn auch in Zu­rr Maler Haus Kobec- tuxft kleinere« Truppe« von Militär-Musiker» Ueber be« figürlichen das Erscheine« in Uniform zum Spielen bei Festen von Kriegeroereine« erlaubt werde.

* NHoinischeZssolüsstimme. DerFührer

K. DaS Jahr 1902. n.

Die innere Politik des deutsche« Reiches ging • im Jahre 1902 fast ganz in dem Kampfe um die tüeftige Gestaltung des Zolltarifs auf. Am 12. Dezember 1901 war der Zolltarif am Schluffe einer sehr ergiebigen ersten Lesung an > eine besondere Kommission verwiesen morde«, deren Sitzuxgex fich bis i« den Ottober de« letzte« Jahres erstreckten. Der Reichstag war, wie schon öfters bei großen gelt ^iberischen Werken, am 12. Juni nicht geschlossen, sonder« nur bi« zum Herbst vertagt worben, die Kom­mission aber mußte auch während der Zeit der Vertagung fleißig arbeiten. Um die« zu ermög­liche«, erhielten die Mitglieder der Kommission Diäten, ei« Umstand, durch welchen die Reichs» regierung praktisch gezeigt hat, daß sie gegen ReichStagSdiäten überhaupt keine prinzipiellen, jedenfalls keine vernünftigen Einwendungen mehr zu erhebe» hat; der Widerstand, der immer noch gegen diese Diäte«, welche den Parteien die Möglichkeit geben würben, mehr Vertreter au« den minderbemittelten Volksschichten in ben Reichstag zu entsenden, wirksam zu sein scheint, liegt jedenfalls nicht in der Sache, sondern nur in de» Personen.

Die Zollkommiffion beendete «ach 102 Sitzungen i« der $ weiten Oktoberwoche die Beratung deS Tarifgesetzes und am 14. Oktober trat das Plenum j be« Reichstages wieder zusammen und «ahm I sofort die zweite Lesung des ZolltarifSgesetze« in Angriff. Damals hatte daS Tarifwerk herzlich schlechte Aussichten. Zwar hatte« sich die konfer- vative» Parteien und das Zentrum, sowie einzelne Nattonalliberalen in der Kommiffion über ein Kompromiß geeinigt, das nur bezüglich der Gerste die Mindestsätze der Vorlage für Se-1 treibe wesentlich überschritt, daneben aber auch I bestimmte Mindestzölle für Pferde, Rmdvieh, Schafe und Schweine und für Fleisch festsetzte; aber die Regierungsvertreter hatten denselben scharfe« Widerspruch scho« in der Kommission entgegen gesetzt, und sie erneuerten ben Wider- svnrch in der entschiedensten Form bei der zweite» Lesung im Plenum. Daran schien da« ganze Tarifwerk scheitern zu sollen. Den Retter in der Not machte da die Sozialdemokratie im Bunde mit der Freisinnigen Bereinigung. Sie glaubten noch eins übrige« tun zu müssen, um da« Zustandekommen de« Zolltarife« un­möglich zu machen. Aber gerade dieses Zuviel war sür fie vom Uebel. Ihre Obstruktion, durch welche die Geschäftsordnung zu endloser Verschleppung mißbraucht wurde und die Mehr- heit zugleich in wüsten Radauszenen eingeschüch. tert werden sollte, tatsächlich aber nur zu ent« schloffenem Widerstande angespornt wurde, machte da« unmöglich scheinende möglich: AlS alle auf ba« Wohl der Gesamtheit bedachten Faktoren er« rannten, welch' ungeheuren Triumph die Sozial- , demokratie durch das Scheitern de« Tarifgesetzr« j

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