eitung
Fuldaer
lllustrirte Sonntags »Zeitung
TU1D.
30. Jahrgang
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mit den kellagen —\ „Suldaer 0esd)id)fsblätter" und Cot|^r^;Iisfe
MtHnjri uf >« 1. Äiartil 1903 der »Fuldaer Z e itrrug'werde« fort- Während vo« allen Postaustalte«, Land- driefträgeru «nd vo« ««serer Expedition (Harmonie) »och entgegenge«o«men.
K. Das Jahr 1902. i.
So ereignisreich und wechselvoll war daS Jahr 1902, daß wir uns in diesem Rückblick ganz besonderer Kürze befleißigen mflffew, wenn wir alle für unsere Leser wichtigeren Seschehniffr des kirchliche« und politische» Lebens verzeichnen und ins Gedächtnis uns zurückrufen wolle». Unveränderlich freilich ist die katholische Kirche in ihrem Wesen, denn sie ist götllichen Ursprungs, sie bleibt „der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht». Auch in ihrer äußeren Gestalt hat daS Jahr 1902 ihr nicht allzugroße Lenderunge« gebracht. Bor allem lebt und regiert als ihr ver- ehrtes Oberhanpt «och immer der vo» einem mächtigen Geiste beseelte erhabene GreiS auf St. Petri Stuhl, Leo XIII., der am 20. Februar 1902 in das 25. Jahr, seines Pontifikats ringe- trete« ist. Ei« Jubeljahr ist daher auch das »o» diesem Tage begonnen« Regierungsjahr des Papstes. Im Dome non St. Peter stimmte er am 3. März (seinem Krönungstage) das Tedeum seines Jubiläums an, und mehr als 50,000 Menschen jubelten bei dieser Feier dem erhabeue» Stellvertreter Jesu Ehrtsti zu.
Bon den Oberhirten der katholischen Kirche in Deutschland war eS dem ehrwürdige« Bischof von RegenSburg JgnatiuS von Vene- ströy, vergönnt, am 19. März sein SOjährigeS Prtesterjublläum zu fekrn. Wege« seines hohen Alter-, daS indessen der Frische seiner Geister keinen Abbruch; getan, hatte er fich schon vorher, unbekümmert um eine liberale ZeitungShetze, in Frhrn. Sigmund so« Ow eine« Weihbischof erkoren. Sine ähnliche gehässige Fehde entspann sich muh dem am 9. März «folgten Tode des Bischosr Dr. PrtruS v. HStzl vo» Augsburg; auch sie konnte nicht »«hindern, daß der Bamberg« Dompropst Dr. Maximilian Lingg am 10. Hili feierlich als sei» Nachfolger inthronisint wurde. Auch die Kölner Erzdiözese v«lor am 13. Mai ihren Oberhirte» Dr. Hub«t vtmar; au seine Stelle tritt der biShnige Weihbischof Dr. Anton Hub«t Fischer. Sine besonders eindrucksvolle kirchliche Kundgebung bildete die Ausstellung der Heiligtümer in Aachen, bei welcher Weihbischof Dr. Fisch« eine otelbem«kte Rede üb« die Berechtigung ber katholischen Re- liguienoerehrung hielt. Eine hochbedeutsame Aeuße- rung katholischen Lebens war di« 49. General- Versammlung der Katholiken Deutschlands in Raunheim. Ihre wichtigsten Momente waren die Teilnahme zahlreicher Katholiken auS Elsaß- Lothringen, die bisher dem katholischen Leben Derttschlauds meistens fern geblieben waren, dann die Betonung d« OrdenSftage und sck ''Aich die Kundgebung d« Einheit d« gesan^n katholischen Bewegung, in welcher der „politische" oder
Die Wacht des Geldes.
Kriminal-Roman von Arthur Eugen Simfon.
Sa ------ (Nachdruck »«boten.)
Er nahm an dem Gespräch in der unbefaugeusten Weise teil und in der Unt«haltung mit Theodore log auf sein« Seite eine so kühle, gemessene Zmückhallung, daß man wohl mit ziemltcher Sicherheit annehmen durste, er »erde fich niemals mit i&r befreunden.
Er mochte wohl ahnen, daß ihre Briese a» Paula Hagen zu dem Bruch beigetragen hatten; die» ging schon daraus hervor, daß er es vermied, die Rede auf sein« Braut zu bringen.
Ml Griesheim sp ach er üb« die Gesetzgebung in Amerika und mit dem Bruder Elisabeths unterhielt er fich eine geraume Zett über die Besteigung des Pilatus, die er an einem der nächsten Tag« unternehm« wollte; der jungen Frau gegentb« ab« war « so liebenswürdig und herzlich, daß Theetore ihr Erstaunen über dieses KerstellungS- telent kaum verbergen konnte.
Die Einladung zur Tafel lehnte « ab; er «ah« in der Mittagsstunde Abschied, und niemand ahnte, daß er mit de« nächsten Schis nach Brmmen fuhr, um dort Hallstädt und Theodore zu erwarten-
„Wie urteile« Ei« über ihn?" wandte Elisabeth fich zu dem Mädchen, da« scheinbar in Sinnen verstinken vor fich hinblickte. „Glauben Sie nicht auch, daß e« leicht ist, ihn zu betrügen? Er ist eine aufrichtige und für den Eindruck de« äugen«
praktische Katholizismus keine geringere Bedeutung und Existenz-Berechtigung besitzt, als der sogen, religiöse Katholizismus. Diese Frage, von einigen unruhige* und unklaren Köpfen aufgersllt, hat üb«haupt das Denken besonders d« geblldrten deutsche« Katholiken im letzten Jahre vielfach und lebhaft bewegt. Damit im Zusammenhänge ent- stand dann auch die Frage »ach mancherlei Re- formen deS kirchlichen Lebens, die vielfach gefördert wurden; berechtigte und unberechtigte Be- streburigen liefe« hierbei durcheinandek. Klärend wirkten die Hirtenschreiben der bayerischen BischSse und dn am Grabe deS hell. Bonifatius in Fulda »«sammelte» Bischöfe Preußen-, sowie eine Rede des Bischofs Wilhelm Keppler von Rottenburg über wahre und falsche Reformen.
Die Einigkeit der deutschen Katholiken hat durch diese Erörterungen keine» Schaden «litte«, ebensowenig die Kraft und Geschloffenheit ihres politische» Auftretens. In dieser Beziehung war vo« besonderer Wichtigkeit die Beratung und Beschlußfassung über den Toleranzantrag des Cent rums im deutschen Reichstage. Am 5. Juni wurde der Antrag angenommen. Schon bei der ersten Beratung hatten die Vertreter von Mecklenburg und Braunschweig, die wohl auch einem moralischen Drucke deS Reichskanzlers folgten, gesetzliche Aenderungen »er- sprachen, durch welche den Katholiken chrer Länder für die Zukunft freie öffentliche Religionsübung gesichert werden sollte. Diese Versprechungen find bisher freilich nur zum Teil eingelöst worden, Am meisten befriedigt die Lösung der Frage in Mecklenburg, obwohl der Staat fich auch hier noch weitgehende Rechte vorbehalten hat. I» Braunschweig dagegen ist daS neue Katholikengesetz noch sehr unbefriedigend, wie auch einzrlne liberale Blätt« zugegeben haben. In Sachsen endlich bleibt alles beim Alten. „Alles beim Alten", daS ist im übrigen auch die Marke für den Stand d« Kirchenpolitik in Deutschland. Die wesentlichsten von den ölten Fordnungen der deutschen Katholiken wurde» auch iw vergangenen Jahre nicht erfüllt. Roch immer find katholische deutsche OrdenSmänuer, die weiter nichts verbrochen haben, als daß fie dn Gesellschaft, die de» Rame» Jesu trägt, Treue gelobt haben, vom Boden deS deutsche» Vaterlandes ausgeschlossen. Frei schalten und walte« dagegen unsere Segn«. In Bade« haben fie eine OrdenShetze inszrnirt, die vor keiner Gehässigkeit zurückschreckt, und die in ihrer Leidenschaftlichkeit, durch die fich besond«s der Karlsruher Hochschulprofessor Böhtlingk heroockhut, nicht einmal die Ehrfurcht vor dem greifen Herrscher- paare schonte. Man gründet dagegen Eoan- gelisationSgesellschasten, um die Katholiken ihrem Glauben abtrünnig zu mach«, und sucht die LoS vo« Rom-Bewegung auf deutschen Boden, besoudnS nach Bayern, Württemberg, Lothring« und Schlesien zu übertragen. Ei» eigener Organ «scheint in München, um fich dieser Aufgabe zu widm«. Nebenh« zeigt d« Kampf durch Ausspülung, b. h. zumeist freie Er- findung aller möglichen Skandalgeschichten und ihre Verbreitung in b« Tagespresse. Ala besondere „Feste" treten dazu die Versammlungen be« Evangelischen Bandes und de« Gustav Adolf-
blick« sehr empfängliche Natur; um so tief« muß e« ihn schmerzen, wenn « erkennt, daß «an mit dem heiligste« Gefühle feine« Herzen« ein falsche« Spiel gespielt hat."
„Könnte er Ihnen nicht auch den Vorwurf machen?" erwiderte Theodore. ,6ie sagten mir ja, sie seien mit ihm verlobt gewesen."
„Nein, zu diesem Borwmf ist er nicht berechtigt. Von einer wirklichen Verlobung war bemal« keine Rebe, und wenn er scherzhaft hin geworfene Aevßerungen mißverstand, so «ar be« doch nicht meine Schuld. Wir liebten uu«, wie Jugeubgespiel« einend« zu lieben pflegen; gleubte Gustav Barney, auf diese Liebe auch für die Zukunft Hoffnungen gründen zu dürfen, so mußte er auch auf eine Enttäuschung gefaßt sei«; denn von meiner Seite geschah nichts, was solch« Hoffnungen eine feste Stütze versieh."
„DaS kann ich bestätig«," nickte Gruner, der hinter dem Sessel Theodore« stand; „aber ich glaube nicht, daß Barnay diese Enttäuschung so bald »«giss« hat."
„Znlrümmerte Jug«dhoffau»g« Hinge« ja immer, auch im späteste« Alt« noch einmal nach," sagte Elisabeth, ich vermute auch, daß er sie Anvage, di, Fräulein Hagen gegen «ich «hob, als eine rvillkommene Gelegenheit betrachtete» mich jene Enttäuschung vergelte» zu laffen; spät« hat er dan« eingesehen, welch großes Unrecht er mir antat."
„Ob er es wirklich eiugefeh« hat?" fragte Gruner in spöttischem Tone. „Ich glaube eS nicht, mir will die Freundlichkeit dieses Mannes nicht gefall«."
Verein«, bie fich auch in diesem Jahre wieder, speziell bei den Hauptv«sammlungen in Hagen und Kassel, durch alle« Andere eher al« durch Versöhnlichkeit ausgezeichnet haben.
Demgegenüber hat erfteulicher Weise auch die katholische Abwehr kräftiger eingesetzt. Den Verleumdungen der Kirche und ihr« Dien« tritt bie Eentral-ArlSkunststklle der katholischen Presse Schritt für Schritt entgegen, seit dem April diese« Jahre« auch durch eine eigene Monatsschrift. Dor Valkeoereiu für da« katholische Deutschland hat ebenfalls bie apologetische Tätigkeit in den Bereich seiner Aufgaben gezogen. Flugschriften und Broschüren traten in vermehrter Zahl auf den Plan, um bie katholische Wahrheit zu verteidigen. Hochschulprofessoren halten apologetische Vorlesung«. Aber freilich dürfen wir nicht glauben, damit genug gethan zu haben. Roch große Aufgaben, bie neue Mittel erfordern, harren der Lösung. So tritt bie katholische Kirche Deutschland« in da« neue Jahr ein, leider ohne Anzeichen einer Hoffnung, daß e« ihr den ersehnten Frieden bringen werde.
[] Die Neujahrsbetrachtungen
der Berliner Zeitungen find als Spiegelbllder der polittschen Stimmung i» den von ihn« vertretene» Kreis« nicht ohne Jntereffe. Auf einen recht trübseligen Ton find die Betrachtungen der liberale« Blätter gestimmt, «tsprechend der Ried«!age, die fich der wirtschaftliche Liberalismus soeben im Reichstage geholt. Die links- nanonalliberale .Nationalzeitung' fabelt von einem „Bündnis des KlertkaliSmuS mit d« konservattvev Partei" und von der „Gefahr zunehmend« Beherrschung unseres öffentliche» LebenS durch die Mächte deS Rückschritts". Aehnlich orakelt daS „freifinnige" ,B«lin« Tageblatt' von „weit«en reaktionär«" Nachwirkung« der Wirtschaftspolitik des Grase» Bülow. Dieses Blatt, das de» Grafen Bülow bei seiner Kmennnng zum Reichskanzler mit überschwänglichen Lobeserhebungen begrüßte, weil es von ihm eine „liberale" Politik erwartete, möchte auch jetzt noch an der Selbsttäuschung sesthalt«, daß Graf Bülow innerlich kein „Reaktionär" sei. Aber freilich, die „reaktionären Mächte", denen er fich versehrieben, werden ihn vorerst nicht herauSlaffe» auS ihrem Banne. Daran wird Graf Bernhard v. Bülow ebenso Schiffbruch leide«, wie Otto von Manteuffel, b« Minister des romantischen König- Friedrich Wilhelm IV., d« innerlich auch kein „Reaktionär" war, fich ab« auS Gründen feiner ministeriellen Praxi« den „Reaktionären" verschrieb« hatte. So ba« ,Berl. Tagebl.', da« zum Schluffe wieder einmal von dem .gemeinsam«, weithin l«cht«den Sanner* be« „echten Liberalismus" phantasiert, um welche« sich alle Liberal« gegen die „Reaktion" scharen müßten. WSHr«d bie bürgerlich-radikal« Blätter ihr Philistertum durch den Appell an die Furcht vor b« „Reaktion" aufzurütteln suchen, ist ihr Bundesgenosse im Zoll- kampf, ber sozialdemokratische ,Vorwärts', wieder ganz auf den fiegesgewiss«,prahlerischen Ton gestimmt, mit dem auch die H«r« Bebel und Singer so g«n fich spreizen. Die „Genossen" scheine« ihre Rtedttlage im Zollkampfe, bie fie gerade burch ihre Großsprecherei fich zugezogen,
schon mied« vttgeffen zu hab«. D« .Vorwärts schließt seinen phrasengeschwollenen Neujahrsartikel mit dem Satze, bie Sozialdemokratie sei „die hoffende Seele der Welt". Kan» schon fein — denn „Hoffen und Harren macht Manche« zum Narren". Auch mit einem schwungvoll« Gedichte traktiert der .Vorwärts' seine Les«, die der „Sage vorn Wald von Dunsadal" gedenken sollen; wo« fich die Les« be« .Vorwärt«' wohl unter diesem Walde denken werden? „Kampfjahr" Üb«schreibt ber .Vorwärts' dieses gereimte Brimborium. Es ist kein Zufall, daß auch bie landbünblerische .Deutsche Tagesztg.' ihre Neujahrsbetrachtung „Ein Jahr bes Kampfe«" übttschreibt. D« Bund b« Landwirte lebt ebenso von Unfrieden und Unzufriedenhett wie bie Sozialdemokratie, « ist nichts and«e» al« die Sozialdemokratte be« platten Landes. Im Gegensatz zu diesen vorwiegend polttischen Betrachtungen ist diejenige der konservativen ,Kreuzztg.' auf einen ernst- religiös« Ton gestimmt. Sehr ausführlich gedenkt fie teilnahmsvoll der Buren; bie inner- beutsche Politik berührt fie nur kurz in einigen Sätzen, in welch« fie an ba« Wort erinnert, die Lage mache den Eindruck, al« ob wir am Vorabend einer Revolution stäuben. Die,Kreuz- ztg.' spricht also von ber Gefahr einer Revolution im selb« Augenblick, in welchem bie liberale Presse bie Gefahren ber Reaktion an die Wand malt. E« wird also wohl mit beiden Gefahren nicht so schlimm fein.
Berlin, 31. Dezember 1902.
* ^anbtagooorUge«. Außer dem Etat und den Verstaatlichung«oorlagen ist, wie bie ,Germ.' hört, ein belangreicher Gesetzgebung»- stoss für die bcvorflcheud« Tagung de« preußischen Landtage« nicht zu «warten. Zwar befind« fich im Handel«- und im Landwirtschaftsministerinm ein Schlachthaus-Gesetz in Vorbereitung, doch «scheint «« sehr fraglich, ob e« bereit« in dies« Tagung wird vorgelegt werden können. E« handelt fich dabei u. a. um die Regelung der in dec vorigen Tagung heiß umstritt«en Frage, ob vom Lande eingeführte«, b«eit« amtlich unter suchte«, frisches Fleisch in Gemeinden mit Schlachthaus- zwang einer nochmaligen Untersuchung unterworfen »erben darf, und ob, wenn eine solche Untersuchung statt findet, dafür Gebühren zu erheb« sind. Die Frage ist in dem Gesetzentwurf betreffend Ausführung be« Schlachtvieh- und Schweins- beschaugesetzes dahin gelöst worben, daß eine abermalige amtliche Untersuchung nur zu dem Zwecke statthaft ist, um festzustell«, ob ba« Fleisch inzwischen verdorben ist ober sonst eine gesundheitsschädliche Veränderung seiner Beschaffenheit erlitten hat, und daß für diese Untersuchung Gebühren nicht erhoben werd« dürfen. Diese Lösung stellt aber nur eine vorläufige Verständigung zwischen den widerstreitend« Interessen dar. €o ist deshalb ooraeseh« worden, baß bie Bestimmung inbetreff der abermaligen Untersuchung
Elisabeth erwiderte darauf nichts; fie warf ihrem Bruder ein« warnenden, vorwurfsvollen Blick zu; daun erhob fie fich, um ihre Gäste ins Speisezimmer zu führ«, wo die gedeckte Tafel ihrer schon harrte. *
Nach Tisch kehrten die Damen in ben Salon zurück, Gruner begleitete fie; Hallstädt und Griesheim gingen in ein anderes Zimmer, dar der letztere als seine Bibliothek und sei» Rauchkabinet bezeichnete.
Auch dieser Raum war mit Eomfort und Eleganz auSgestattet; ei» Schrank mit Glastüren enthielt prächtig gebund«e Büch«, auf dem Tische läge* Zeitungen und Broschüren, und auch für den Raucher war alle- vorhanden, was « nur wünschen.konnte.
„Sie dürfen wählen," sagte SrieShrim in heiterem Tone, nachdem der alte Herr fich in einen Seffel niedergelassen hatte; „wünschen Sie eine Wafferpfeife, ein deutsches Weiqselrohr, eine kräftige Zigarre oder eine italienische Zigarette."
„Ich bitte um eine Zigarre."
„Sie sollen eine echte Havaneserin hab«; ich für meine Person ziehe eine Waffttpfeif« vor." Hallstadt zündete die Eigarre an und lehnte fich in ben Sessel zurück, der Dinge «ortend, bie nach seiner Vermutung nun kommen mußten.
„Drüben pflegten wir in der Stunde ber Siesta ei» Spielchen zu machen," nahm Griesheim »ach einer Panse da« Wort; die Zett wurde baut t angenehm »«trieben."
„Aber die damtt verbundene Aufregung schadet der Verdauung I"
„Im Gegenteil, fie besördert sie."
„Das lan« ich nicht glauben".
„Und ich stütze mich bei dieser Behauptung auf das Urteil einiger Aerzte, mit denen ich mich darüber unterhalt« habe; im übrig« weiß tth von solcher Aufregung nichts; mir ist es ziemlich gleichgiltig, ob ich gewinne oder verliere; der Gewinn bereichert mich nicht, und der Verlust kau» mich nicht ruinieren." Z
Er hatte fich erhob« und au« einem Schrank ein kleines, elegantes Kästchen geholt, das «jetzt vor fich auf den Tisch stellte und öffnete.
„K««en Sie Pharao?" fragte «, während er einige Kartenspiele auf d« Tisch legte, die fich noch tn Originalverpackung befanden.
Hallstädt nickte zustimmend; eS war ihm, als lege fich ei« Schleier vor feine Aug«; er konnte das nur btt Wirkung des schwere» fratig« Weines zuschreibe», be« er bei Tisch genoffe« hatte.
„Wohlan, hier hab« Sie ein Buch Ratte«; ist es Ihn« genehm, wenn wir d« niedrigst« Satz auf 5 Frank« feststellen?"
„Ich habe nichts dagegen, aber Pharao zu zweien —"
„Bietet dem Bankier allerdings sehr gering« Eharcen, aber wir spiel« ja nicht, um zu gewinnen, sondern nur zum Zettoertreib."
Der alte Herr nickte wieder und legte feine Karten vor sich, um zu pointieren.
Er wußte, daß er verlieren würde; aber er wollte birtmti scharf auspaff« und bei der ersten Gelegenheit den Betrüger entlarve».
L.-ine Vermutung« schienen fich nicht ver- wirklichrn zu woll«; er gewann, bann traf