ertung W
mit <tt
•"•„UMrirte Sonntags-Zeitung*, „SuMaet BesdMtsbiater' und Eottertt-nsft.
«rWül «M fl
j Fuldaer
JE 298.
Jucöa, Montag, dm 29. Dezember 1902.
29. Jahrgang.
StßrüWe« nof dss 1. Aartal 1903 der »Fuldaer Zeitung«werde« fortwährend von alle« Postanstalte«, Land- briefträger« «ud vo« ««ferer Expedition (Harmonie) entgegeugeuommeu.
Versammlung der Centrumspartei.
Fulda, 29. Dezember 1902.
Der CentralwahlauSschuß der CrntrumSpartr; für den Regierungsbezirk Kassel hatte die Wähler auf gestern Nachmittag zu einer Versammlung in den großen Stadtsaal eingeladen, und in rech großer Anzahl waren die Wähler sowohl auS der Stadt, als auch auS der Umgegend erschienen, so daß der Saal bis auf den letzten Platz gefült war.
Der Vorsitzende des Wahlausschusses, Herr Beigeordneter R. Kircher, eröffnete die Versammlung mit einer herzlichen Begrüßung der Erschienenen. Auf den Vorschlag des Herrn Landtagsabgeordneten Geh Regierungsrath Dr. Goebel wählte die Versammlung Herrn Kircher zum Vorsitzenden, und auf deffen Vorschlag zu Beisitzern: den DiözesanpräseS der ka- tholischen Vereine, 'Herrn Domkapitular Prof. Dr. Arenhold, den Vorsitzende» der Metzgerinnung, Herrn Obermeister S. I. Schwarz, den Zweiten Beigeordneten der Stadt Fulda, Herrn Rentner Aug. Müller und den Vor- fitzenden des Fuldaer Bauernvereins, Herrn Direktor Schoppmann.
Als erster Redner nahm dann, von der Versammlung lebhaft begrüßt, Herr RrichStagSab- geordneter Herold das Wort zu folgende» Ausführungen:
Der Einladung des CentralwahlauSschusieS, hier in dieser Bersammlnng über die THStigkeit des CentrumS in der letzten Session der Reichstages zu berichten, bin ich gerne nachgekommen, weil ich stets darauf bedacht bi», eine möglichst enge Fühlung mit den Wählern z» halten. Im Vordergründe des politischen Interesses stand in letzter Zeit di« Zollgesetzgebung, nämlich daS Zolltarifgesetz mit 12 Paragraphen und der Zolltarif mit 946 Nummern. Die Berathung derselben hat über ein Jahr gedauert. Im November »nd Dezember 1901 fand die 1. Lesung in S Sitzungen statt, dann ging die Vorlage an eine Kommission, die 112 Sitzungen abhielt, die 2. Lesung erforderte 38 Sitzungen und die 3. Lesung endete mit der 181/»- stimdigen Sitzung vom 13./14. Dezember d. I. Im Großen «nd Ganzen darf mau sagen, daß die Vorlage mit Umsicht und Sachkenntniß ausgearbeitet war und die verschiedenen Interessen berücksichtigt waren. Da aber der Zoll auf die wichtigstm landwirthschaft- lichen Erzeugnisse zu niedrig -»gesetzt war, entspann sich der Kampf hauptsächlich um die Zölle der Land- wirthschaft. ES handelte sich zunächst darum, eine Majorität zu schaffen, und das war recht schwierig; doch gelang er schließlich durch da» bekannte erste Kompromiß eine Mehrheit herzustellen. (Redner führte die einzelne« Bestimmungen dieses Kom- promifleS an und wies nach, daß diese Sätze sowohl für die landwirthschaftlichen wie auch für die industriellen und gewerblichen Kreise annehmbar erscheinen mnßten.) DaS Centrum hat für dieser Kompromiß dir zum letzten Augenblicke gekämpft «nd ist auch der
Die Wacht des Geldes.
Kriminal-Roman von Arthur Eugen Simfon.
21 —— (Nachdruck verboten.)
Darüber ging Elisabeth mit geringschätzigem Achselzucken hinweg, indem sie behauptete, eine Maske könne sie niemals täuschen, und Gustav Varnay habe nie daS Talent besessen, Komödie zu spiele».
„Wir werde» sehen, wer vo» unS beide» recht hat," sagte Gruner endlich ärgerlich; „keinesfalls kau» ich es billigen, daß ihm hier jederzeit die Thüren offen stehe» sollen. Dies zu erreichen war wohl »er Zweck seine- erste» Besuche-. Nu» wird oie Spionage beginnen, und wir find im eigenen Hause keinen Augenblick mehr sicher."
Elisabeth saß neben dem mit üppige» Pflanzen reich dekorirten Blumentisch am Fenster; sinnend blickte sie hinunter auf die stille, wenig belebte Straße.
konnte nicht ander»; die Klugheit gebot mir, ihn einzuladen," erwiderte sie achselzuckend.
„Im übrigen darfst Du meinem scharfen Blick vertrauen; ich kann die Lüge vo» der Wahrheit unterscheiden. Oder theilst Du jetzt auch die Ansicht meines Mannes, daß eS rathsamer sei, heute »och Luzern zu verlasse»?*
„Rein, aber will er allein abreise», so könnte uns das «ur angenehm sein."
„Dazu wird er sich nicht entschließe», seine Eifersucht erlaubt es ihm nicht," spottete die junge Frau. „Er weiß ja, daß ich mit Barna? verlobt gewesen bin —*
unter der Fahne de» Kreuze», das vor 2000 Jahre« aufgepflanzt wurde, an dem alle Stürme der Zett vorübergegangen find und an dem die Gewaltigen der » e <Ärc Macht gebrochen haben. Das Kreuz ist au» allen Kämpfen siegreich hervorgegangen. In hoc signo vinces! Unter dem Zeichen de» Kreuzes werden auch für un» die Erfolge nicht ausbleiben! (Lebhafter, langanhaltender Beifall.)
Herr ReichStagSabgrordneter Müller hielt dann folgende Ansprache:
Meise Herren, der lebhafte Beifall, d°«Me meinem Herr» Borredner gespendet, hat mich außerordentlich erfreut; weiß ich doch, daß er nicht allein seinen Aus- führungen und der Thättgkeil des CentrumS gilt, son. der« auch ihm persönlich für seine eifrige Pflichterfüllung. Herr Kollege Herold hat feit 12 Monaten an der Spitze der Arbeite» für den Zolltarif gestanden und ich muß daß er seine Aufgabe meisterhaft gelöst hat. Große Schwierigkeiten habe» ihm im Wege gestanden, ost schienen solche unüberwindlich zu sei», aber seinem Geschick, seiner Ausdauer und seinem unermüdlichen Fleiß ist e» gelungen, alle Schwierigkeiten zu beste,en und daS Zollfchiff glücklich in de» Hafen z« bringe».
Meine Herren, wie stch der Zolltarif am Ende gestaltet hat, konnte Jeder unbedenklich dafür stimme», trotz aller Proteste, die vo» links und rechts gegen de» Tarif erhoben werde». So wie der Tarif jetzt beschlossen ist, kann kein Mensch behaupten, daß er ein Wuchertarif sei, deshalb habe ich auch mit ruhigem Gewissen dafür stimme» können. Aber ebenso unbegründet find auch die Behauptungen, daß der Zolltarif bie Jutereffe» der Laudwirthschaft nicht genügend berücksichtige. ®8 mag ja fein, daß Manche mehr erwartet haben, aber schließlich galt eS doch einen «ernünftigenMittel« weg zu finde«, der de« berechtigten Interesse« aller BerusSklassen Rechnung trägt, sowohl der Landwirthe als auch der Gewerbetreibenden und der Arbeiter.
Deshalb mußte man sich mit dem Erreichbare» und Zulisfige» begnügen und nicht unerfüllbare Forderungen stellen. Es ist besser, daß wir keine» extreme» Zolltarif bekomme» habe«, sondern eine» gute» gangbare« Mittelweg. Wenn schließlich der Reichstag diese» Mittelweg mit großer Mehrheit a»genommen hat, und in der Hauptsache nur Bund der Landwirthe und Gozialdwnokrate» dagegen stimmten, der erstere »eil chm der Tarif zu niedrig, die letzteren, weil er ihnen zu hoch ist, so beweist die», daß wieder einmal dir ver«u«ft Sieger geblieben ist. Daß dieS geschehen konnte, .ist nicht zu« geringste« Theil unserem Abgeordneten Herold, seiner Klugheit und Mäßiguna zu verdanke», wäre «t nicht gewesen, so wär, der Tarif nicht zu Stande gekommen.
Eine Wochenschrift ,Die Zukunft- betitelt, (fie ist sonst gar nicht centrumSfreundlich), hat dieser Tage berichtet, da» Centrum hätte fich beim Zolltarif wieder einmal als die geschickteste Partei gezeigt. Wen» dies zutrifft, so möchte ich beifüge», im Centrum Hat fich Jiim Zolltarif unser Abgeordneter Herold al» einer der geschickteste» gezeigt.
Wie kläglich find di» Konservativen a»S- ei»a«dergefallk», vo« de« Freifinnigen ist die Hälfte vor der Schlnßabstimmung davon gegangen, selbst vo» der Sozialdemokratie hatten fich 17 Mann entfernt, da» Centrum aber blieb einig und geschloffen, und war, abgesehen vo» den Kranke», nahezu bi» auf den letzte» Mann zur Stelle trotz einer 19 Stunde» dauernde» Sitzung. Diese Rachtfitzung hat gezeigt, wie grundlo» die ewige« Nörgeleien der so,ena«»te» liberalen Presse über den unfähigen Reichst«, find'; wir habe« gezeigt, daß wir Ordnung im Reichstag halten wolle» und können, und daß wir «ns nicht von einer chikanöse» Minderheit verhöhnen lasse». Diese Obstruktion, welche wochenlang unter dem Beifallsgeheul der sog. liberalen Presse den Reichstag in seinen Arbeiten störte, hatte unsere Geduld erschöpft, das Maaß war übervoll, da machten wir kurzen Prozeß und stellten die Ordnung gleich gründlich wieder her. Wenn jetzt über Rechtsbruch lamentirt wird, so ist das Unsinn; der Reichstag hat das Recht, seine Geschäftsordnung selbst festzusetzen und sie jederzeit nach Bedürfniß zu ändern. Dabet hat nicht die Minderheit zu bestimmen, was geschehen
Regierung scharf entgegengetreten. Als alle privaten «nd offizielle« Vermittelungsversuchs und Unterhandlungen erfolglos blieben, standen wir vor der Frage, ob wir den Tarif so wie er fich bis d«hin gestaltet hatte, ab. lehnen oder annehmen sollte». Um eine Entscheidung treffen zu können, mußte« wir prüfen, was durch das neue Gesetz erreicht werde und war bei der Ab. lehnung desselben eintreten werde. Die Vortheile bestanden in der Bindung der Getreidezölle, der Erhöhung des Se«er«ltarlfs für fast alle landwirth- schaftlichen Erzeugnisse: Pferde, Rindvieh, Schweine, Federvieh, Eier, Butter, Käse, Obst, Holz, Gärtnerei- Erzeügniffe rc. (Redner wies im Einzelnen nach, wie in all diesen Dingen die Zölle nach dem neuen Tarif günstiger gestellt sind als bisher.) Ferner bringt das neue Gesetz eine Beschränkung der gemischten Tranfitlager, die Aushebung der Zollkredite bei der Einfuhr von Getreide, die Aufhebung der kommunalen OktroiS auf Lebensmittel bis spätestens 1910 und die Wittwen- und Waisenversicherung der Arbeiter. Beim Scheiter» der Vorlage würde kein neuer Tarif vorgelegt werden, sondern entweder eine Verlängerung der bestehenden H«ndelSverträge von Jahr zu Jahr oder der Abschluß neuer Verträge auf «rund des bestehenden sehr ungünstigen Tarif» erfolgt sein. Nach langen Berathungen war die Centrumsfraktion sich darüber einig, daß fie mit Entschiedenheit für den neuen Tarif eintreten müsse. Der Tarif bildet eine gute Unterlage für die HandelSvertragSverhandlungen. Auch für die Laudwirthschaft ist kaum etwa» verloren; eS handelt fich nur darum, daß die Regierung beim Abschluß derVerträge nicht zu nachgibig sei: darum find dieBeschlüffe der 2. Lesung wichtig. Die vorgeschlagene Resolution: „Die Stellung des Reichstage» zu den Handelsverträgen hänge wesentlich von den festgesetzten Zöllen für landwirthschaftliche Erzeugnisse ab und die Regierung werde insbesondere ersucht, in den Verträgen nicht unter die in 2. Lesung beschlossenen Mindestsätze Herabzugehe»" kommt am 1. Tage nach den Ferien zur Verhandlung und wird ohne Zweifel angenommen. Danach wird die Regierung fich richten müssen, sonst besteht die Gefahr, daß der Reichstag die Verträge ablehnt. Der Bund der Landwirthe verlangt die Herabsetzung der Jndustriezölle; wir aber müssen e» als unsere Aufgabe betrachten, sowohl die Industrie als mich die Landwirthschaft zu schützen. Sodann ist zu bedenken, daß bei den Jndustriezöllen manche Sätze des Tarifs als Kompensationsobjekte, als Unterlage für die Handelsvertragsverhandlunge« in Betracht kommen. Würde« diese Sätze schon im Tarif erniedrigt, so wäre eine Herabsetzung der landwirthschaftlichen Zölle in den Verträgen kaum zu umgehen. ES ist bemerkeuSwerth, daß der deutsche und der bayerische LandwirthschaftSrath, der westfälische und der schlesische Bauernverein dem «e«e» Tarif zugestimmt haben, und daß im Reichstage gerade die praktische« Landwirthe für denselben eut- schieden eingetreten find.
Gegen diese alle kämpft der Bund der «and. wirthe als „einzig wahrer Vertreter der Landwirth- schäft" und wird darin noch fast übertroffen von der »Rheinischen BolkSstimme«. gfaem sogen. Centrumsblatte, welches d«S Centrum bekämpft. Am vorigen Sonntag hielt der Bund der Laich» irthe eine Versammlung in Köln ab; dort wurde die Parole auSgegeben, mehr pricktlsche Landwirthe tat den Reichstag z» wählen. Ganz gewiß ist es zweckmäßig, daß neben den Männern de» Wissenschaft solche der Praxi» aus allen Berufsstände» in den Reichstag gewählt werden, «bar dar ist ficher, wenn die praktische» Landwirthe zahlreicher im Reichstage vertreten gewesen wären, dann würde die Durchdringung des Zolltarifs leichter gewesen sein, denn gerade die praktischen Landwirthe find zuerst und am entschiedensten dafür eingetreten. Diese wissen nämlich, daß nicht Zukunftsmusik, nicht
„Bleibe ich hier bei dir, so muß ihm das zur Beruhigung dienen."
„Ich bedarf keines Wächters, Willi! Lieb wäre eS auch mir, wenn mein Mann eine längere Reise unternehmen wollte, aber ich mache ihm den Vorschlag nicht, weil ich voraus weiß, daß er fich nicht dazu bewegen lasse« wird."
„vo werde ich ihn machen," erwiderte Gruner, „er muß ja die Bortreffiichkeit desselben einsehe,. Mir steht er hier auch im Wege; Fräulein Hall- lädt kann heute oder morgen «ns besuchen, und ich gedenke daS Eisen zu schmieden, solange eS warm ist."
„Griesheim wird Dich darin nicht hindern!" „Direkt vielleicht nicht, aber ich fürchte, daß er indirekt meine Hoffnungen vernichtet. Schon in Andermatt konnte er es nicht unterlassen, Hallstädt im Spiel zu betrügen; der alte Herr ist nicht so dumm —"
„Er hat'« nicht bemerkt." „Diesmal vielleicht nicht, aber —' „In meinem Salon wird in Gegenwart Hall iädt« nicht gespielt werden."
„Da» beruhigt mich nicht," sagte Gruner; ,Gnerhei« wird fich wenig um Dein Verbot kümmern. Wenn Hallstädt den Betrug merkt, bricht et sofort jeden Verkehr mit uu« ab, und die Schande Deiner Ranne« fällt auf hm zurück "
„Uttb glaubst Du so sicher die Hand Theo« dorr» gewinnen zu kännen?"
„Ja, ich glaube es, und wenn ich dieses Ziel erreicht habe, dann werde ich ein anderes Leben beginnen."
„Sind die guten Vorsätze schon gefaßt?" spottete Elisabeth. „Ein andere» Men? Glaubst
Agitation, nicht Schürung der Unzufriedenheit, son der» praktische Thätigkeit von Nutzen sind. Was fin! die „rückenstarken" selbstbewußten Männer, welch wähnen, mehr zu thu» als die im Dienste der Landwirth schäft ergrauten Männer? Zum größten Theil sind ei Herren „ohne Ar und Halm", berufsmäßige Agitatorei und Redakteure, die nicht vo« der Landwirthschaft, sonderi von den Landwirthm leben. Ich habe es im Plenun des Reichstages ausgesprochen: Sie stellen immer An frage die unannehmbar find, um die Agitation auf recht zu erhalten. Der große Staatsmann Dr. Hahi hat erklärt, der Zolltarif sei ein „Erzeugniß enti nationalen Geistes und staatsmännischer Einfichtslofig kett." Da wird der Reichskanzler wohl mit Besorg niß der Genesung des Herrn v. Lucanus entgegen sehen in der Befürchtung, daß derselbe den Herr» Dr Hahn auf seinen Sessel placiren werde. (Heiterkeit.
Auch der Volksverein für das kathol. Deutschtan! ist angegriffen worden, weil er angeblich die Land wirthschaft schädige und industriell sei. Daß ein solche Borwurf ungerecht sei, weiß jeder. Der Volksvereii dient allen Berufsständen; alle haben Nutzen von ihm auch die Landwirthschaft, indem der Volksverein di anderen Berufsstände überzeugt, daß der Landwirth schäft Schutz gewährt werden muß, damit auch fie fü diesen Schutz eintreten. Der Volksverein unterstütz durch seinen Kampf gegen die Sozialdemokratie, durä die Belebung des katholischen Denkens und Fühlens durch die Förderung einer christlichen Sozialpolitik dar Centrum direkt und indirekt, und ich begrüße es mi lebhafter Freude, daß der Volksverein in der letztei Zeit gerade in der hiesigen Gegend einen so erfreu lichen Aufschwung genommen hat.
Aus exttem agrarischem Lager ist daun der Vor schlag gemacht worden, die ländlichen Wahlkreise soll ten agrarische Vertreter, die städtischen und industriel len Kreise dagegen ihre Interessenten wählen. Be kanntlich sollen aber die Abgeordneten nicht Vertrete! einzelner Berufsstände, sondern des ganzen Volkes fein Uebrigens würde auch die Landwirthschaft schlecht da bei fahren, und was würde die Centrumspartei be beuten, wenn ihre Stimmen sich gegenseitig aufheben- Die Centrumspartei vereinigt alle Stände, wie leim andere Partei. Prinz und Bauer, Großindustrie^ und Arbeiter berathen im Centrum gemeinsam, wat zum Wohle aller dient.
Das Centrum ist auch die bestgehaßte Partei; ti aus seiner Machtstellung zu entfernen, ist dar Bestreber aller Parteien — und doch sind alle auf daS Centrun angewiesen, wenn sie etwas erreichen wollen. All« großen Gesetze der neueren Zeit sind unter der Führung oder doch unter der Mitwirkung des Centrums entstanden. Die vornehmste Aufgabe bei Centrums ist die Vertheidigung ber kirchlichen Rechte und auf diesem Gebiets haben wir leider in der letzte« Z«t gar keine Erfolge zu verzeichnen. Wir haben abei diese Aufgabe keineswegs aus dem Auge verloren, denn es gibt da noch gar viele» zu erstreben. Der jetzige Zustand ist auf die Dauer unhaltbar: diejenige Sattei, mit der regiert wird und ohne die nicht» zu tande kommt, wird fortwährend in ihren heiligsten Gefühlen verletzt. Wir müssen da mit Aurdauer weiterkämpfen und da» ganze katholische Volk muß in diesem Kampfe zusammenstehen. Der Kampf gegen daS positive Christenthum ist überall entbrannt; bet Staat hat s. Z. den Kulturkampf heraufbeschworen und jetzt kann er die Geister, die er gerufen, nicht bannen. DaS müssen wir, das muß das katholische Volk thun. Wir find in diesem Kampfe auf uns allein angewiesen, aber daS darf uns nicht ent- muthigen, das muß vielmehr unsere Widerstandskraft stärken. Alle Parteien suchen »ach einer guten durchschlagenden Wahlparole. Unsere Wahlparole ist die eine unabänderliche: Vertheidigung de» Christenthums und der Rechte der katholischen Kirche. Wir kämpfen
Du denn, Hallstädt werde Dir sofort ein große» Kapital auszaylen?“
«Habe ich erst die Hand seiner Tochter, so werde ich auch daS andere erreiche«, das laß meine Sorge sein."
Gruner war ebenfalls a«S Fenster getreten; er stand seiner Schwester gegenüber, die gebauten- voll ta8 Haupt wiegte.
Mir wll Dein Projekt nicht gefallen," sagte fie; „ich sehe zu große Schwierigkeiten, die Du nicht überwinden kannst. Gesetzt auch, eS gelänge Dir, das Jawort Theodores zu erhalten, Hallstädt wird seine Zustimmung nicht geben, ohne fich zuvor nach Dir erkundigt zu haben. Und er könnte bann eine Auskunft erhalten, die —"
„Ist die Sache soweit gediehen, dann «erde ich auch dafür sorgen, daß er die beste Auskunft über mich erhält," unterbrach der Bruder fie; „ich kenne Leute genug, die mir für Geld und gute Worte gern einen Gefallen erzeigen."
„Hallstädt hat ebenfalls Bekannte in unserer Heimath!" erwiderte Elisabeth warnend.
„Warten wirs ab — kommt Zeit, kommt Rath!"
„Wenn ich nur wüßte, wer der fremde Herr ist, der jetzt schon seit einer Viertelstunde hier vor dem Hause wie eine vchildwache auf- und abgeht! “
„Wo ist er?"
„Der korpulente Herr dort!"
Gruner trat überrascht am Fenster zurück.
„Kennst Du de« nicht?" fragte er. „E- ist der Agent der VerfichrrungSgrsellschaft."
Die Wangen der jungen Frau erbleichten;
fie preßte die Lippe« aufeinander und warf einen Blick auf bex Agenten, dann trat auch fie vo« Fenster zurück.
„Ich habe ihn früher nie gesehen," sagte fie, „waS mag er mit dieser Promenade bezwecken?" „Griesheim sagte uns ja, er sei ihm begegnet; daS Uebiige läßt fich leicht errathen."
„Diese Spionage könnte un« unangenehm werden."
„Das läßt fich nicht bestreiten," nickte Gruner, «ährend er da» Zimmer mit großen Schrüten durchmaß; „ich aber kenne meinen Mann, habe ihn damal« genügend kennen gelernt und weiß, wie man ihn behandeln muß."
„Was willst du thnn?"
„Den Stier bei den Hörnern fassen, da» ist der kürzeste nnd sicherste »eg. Ich speise heute Mittag im Hotel Rigi; »arte also nicht auf mich;
Die junge Frau blickte ihn voll ängstlicher Erwartung an.
„Ich weiß noch nicht, ob die» der richtige »eg ist ,"sagte fie; „du begibst dich in Gefahr."
„Ach »ar, solche Gefahren fürchte ich nicht; )ie heimliche Spionage ist für uns gefährlich«, ihr muß ein Ende gemacht werden."
Er ging hinaus und verließ kurz darauf da» Haus.
„Sieh' bi, trifft «an Sie auch einmal in der Schweiz?" sagte « scheinbar üb«rascht, indem « dem Agenten der stehen gebliebe« «ar, die Hand !vt- „Wie geht», alter Herr? Wollten Sie mich besuchen?"
„Sie gerade nicht»" erwiderte Schüller einiget- maßen verwirrt; „ich bin heute Morgen ihre« Schwager begegnet —"