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f .ulustnrte Sonntags-Zeitung'1, „Fuldaer GescWsblaflef* und rofierfonsfe ’
J£ 297. Jutöcr, Samstag, den 27. Dezember 1902. 29. Jahrgang.
G Die große liberale Partei!
Jedesmal bann, wenn die verschiedenen liberalen Parteigruppen sich so recht der Ohnmacht und Zer. fpliUcrnng de» politischen Liberalismus bewußt »erden, erheben sich beschwörende un» mahnende Stimmen, welche die Liberalen zur Einigkeit auf. fordern und den Zusammenschluß zn einer graßen liberalen Partei predigen. E« ist dies |. B. eine alte Spezialität der ehrwürdigen „Tante Boß* in Berlin, aber anch die ausgesprochene« Organ« der freisinnigen Bereinigung lassen von Zeit zu Zeit ihrer Sehnsucht nach der großen liberale« Partei die Zügel schieße». Da« ist sehr begreiflich, denn die freisinnige Vereinigung betrachtet sich als den eigentlichen Kern und Stern de« Liberalismus in Deutschland, als den gegebenen MUtelpunkt, um den sich all« liberalen Elemente non rechts und links, von den Netionalliberaleu bis einschließlich zur freisinnigen und süddeutschen Volkspartei gruppiren könnten. Einzelne Vertreter dieser kleinen, aber »ach ihrer Meinung zu großen Dingen berufenen Partei gehen sogar so weit, auch di« Sozialdemokraten in di« groß« liberale
wichtigen Ereignisse bedeutend früher zu berichten, als die anderen Blätter hiesiger Gegend.
Durch ausgiebige Benutzung des Fernsprechers sind wir in der Lage, über alle bedeutende Vorkommnifle in der Welt rasch zu be- nchten. Durch Vertrag mit dem Wolff'schen Depeschenbureau haben wir uns die Uebermitte- lung der
Wichtigsten Depeschen aus dem In- und Anstande
gesichert. Diese Einrichtung hat bei unseren Lesern S'vße Anerkennung gefunden. Bei besonderen nlassen erleichtert die .Fuldaer Zeitung' das
Berständniß der Artikel durch
© Karte» *«> IU»stratiaue«, © wie überhaupt weder Kosten noch Mühen gescheut werden, wenn es gilt, das Blatt zu vervollkommnen.
Den zahlreichen Freunden der Geschichte unserer Vaterstadt wird die neue Beilage unserer Zeitung:
„Jutöcrer Heschichtsbräiier", die monatlich erscheinen, hochwillkommen sein.
Die amtlichen Bekanntmachungen, sowie die polzverkäufe, Marktberichte und ähnliche Anzeigen von allgemeiner Wichtigkeit werden aus En für unseren Leserkreis in Betracht kommenden Kreisen sämmtlich in der .Fuldaer Zeitung' veröffentlicht.
Mögen deshalb unsere Freunde in Stadt und - dafür sorgen, daß die .Fuldaer Zeitung^ nicht nur in jedem Wirthshause aufliegt, sErn auch in jeder katholisch en Familie z« finden ist.
, , ■*** Neu hinzutreteude Abonnenten er- ZE«, wenn sie der Expedition (Fuldaer 7^"bndruckrrei, Harmonie) die Postgnittnng senden, «e Zeitung vom Tage der Bestellung an bis Ende
Dezember unentgeltlich und ftauko.
Unpolitische Zeitläuse.
------ (Rachdruck verboten.) © Berlin, 26. Dezember 1902.
Auch zu Sylvester brennt der Ehrlstbaum noch. Rach den Festtagen setzt die Abschiedrsttmmung ein; das alte Jahr empfiehlt sich und Niemaod «acht de« Versuch, diesen Gast noch länger zurück, zuhalten. Es wird mit einem bischen Wehmuth und recht viel Neueruugrsucht zur Thür« hinaus, komplimentirt.
„Schade, daß er geht, aber gut ist'« doch!* Diesen räthselhasten Aulspruch that einmal ei« guter Freund, als wir Studenten vam Bahnhof zurückt,hrten, nachdem wir einem Ginoffe« da« Abschiadsgeleite gegeben hatten. Da« war et» interessanter Kamerad gewesen, der uns manch« frohe Stunde bereitet,, manche schöne Anregung gegeben und manchen guten Freundschaftsdienst ge. leistet hatte: aber er hatte auch seine Etgeuhetü« und Launen gehabt und gelegentlich Tharheite« und Aergerniff« augezeUelt. Er «ar eine gemischte Natur, und deshalb gab es keine« Abschiei»
Wochrrt-Krrrrdschim.
Nachdruck verböte«.
X Fulda, 27. Dez. 1902.
Nachklänge zumZollkampf im Reichstage beherrschten auch in dieser Woche noch die politischen Auseinandersetzungen. Möchten sie, soweit sie uu- ftiedlich und disharmonisch noch in die heilige Weihnachtswoche hineinklingen, durch die gewaltige Friedensund Freudenbotschaft der WeihnachtSglocken übertönt und zum Schweigen gebracht werden I Gewiß, der politische Kampf ist nothwendig, um Recht und Vernunft zum Siege zu führen, aber er nimmt doch oft sehr unerfreuliche Formen an, und darum kann eine Beruhigungspanse, eine Gelegenheit zur Einkehr und Ueberlegung, wie sie dar erhabene Ge» burtsfest der Welterlösers bietet, besonders nach dem wilden Streit im Reichstage nur al« nützlich und heilsam, freudig begrüßt werden. Es gibt freilich Leute, die von der Schürung deS Hasses und der Erbitterung leben, und die daher auch bij, heilige Weihnachtszeit nicht achten; wir meinen die S o z i a l - demokraten, die kurz vor dem Feste mit dem Aafrufe ihrer Fraktion „an das arbeitende Volk" ihrem Ingrimm über ihre schmähliche Niederlage im Reichstage Luft gemacht habe». Das langathmige Schriftstück bietet denjenigen unter uns, deren besondere Aufgabe die Widerlegung der sozialdemokratische» Verdrehungen ist, eine treffliche Unterlage für ihre abwehrende Thätigkeit in der Presse, in Flugblättern und in Versammlungen. Es wird daran gewiß nicht fehlen Die frühe Bereitschaft und die Opferwilligkeit der „Genossen", an die jener Stufruf sich wendet, sollten aber auch allen Andereu, die auf christlicher Seite zur Mitarbeit berufen sind, und das heißt schließlich: allen katholischen Männern und Frauen ein An-
! I Partei «ingliedern oder doch durch ein Schutz- und Trutzbündntß sich mit ihnen verbind«« zu wolle«. ' Zu diesen Schwärmern gehört auch der B«r. liner Strafrechtlehrer Professor vo« LiSzt, : den der Zollstreit in die politische Arena herab- , "führt hat. I« der besagten »Bosstschen Ztg.' , stellte er ein Programm auf für eine große liberal« Partei, gibt ihr auch sogleich die Wahl, parole für die nächsten Reichstagswahlen und zeichnet ihr den Weg vor, auf welchem sie zu Einigkeit und Ansehen gelangen könne. Sieht man sich die Sache näher an, so ist sein Pro- gram« weiter nichts als das Programm der freisinnigen Vereinigung: Zuerst natürlich Frei, handel dann patriotischer BewllligungSeifer für alle Militär», Marine» und Kolonialforderungen, weiterhin kräftigere Betonung deS sozialen 9t* dankens. AlS Wahlparole empfiehlt Herr von LiSzt: Erhaltung des allgemeinen, gleichen, direkte» und geheimen ReichStagSwahlrechtS. Wie f»B
I aber die große liberale Partei zu Stande komme»? Herr v. LiSzt meint, in den einzelne» Wahlkreise» müßten sich alle liberalen Wähler zusamm« schließen, ein gemeinsamer Programm feststes«, und auS den Abgeordnete», die auf Grund des» selben gewählt werden, müsse sich die neue Par. tei von selbst ergeben. Daß ist ja kolossal einfach. Wir fürchten nur, die Wähler, aurge- nommen di« der freisinnigen Vereinigung, werde» Herr v. LiSzt nicht den Gefallen thun, nach seine» Vorschlägen zn verfahren. DaS die jetzige« Parteiorganisationen der Nationalliberalen, der freisinnigen und süddeutschen Volksparteien sich Herrn v. LiSzt zu Lieb« nicht auflösen werd«, ist klar. Für di« freisinnige BolkSpartei läßt Herr Eugen Richter in seiner Freisinnige« Zä- lang schon jetzt keinen Zweifel an einer runde« Absage. Sr spottet über „das Phantom der großen liberalen PaUei" und meint wohl nicht mit Unrecht, solche Betrachtungen zn Begin« der Wahlzrit könnten erfahrungsgemäß die Einigkeit auf liberaler Seite nicht fördern, sondern nur weitere Uneinigkeit in die Reihen der Liberale» tragen.
ES ist auch schlechterdings nicht abz»seh«. wie z. B. in Militär» und Marinesrage» die Liberale» unter einen Hut gebracht werde« sollen. Eugen Richter und feine Getreue» bekämpfen de« Militarismus aufs schärfste, Barth u«d Genosse» dagegen find ausgesprochene Militaristen. Andererseits zieht Eugen Richter aber auch «ine scharfe Grenzlinie gegen die Sozialdemokratie, bie er al« Klassenpaetei verwirft, während auf der anderen Seite die unverbesserlichen Optimisten der freisinnigen Ver- Einigung an eine Mauserung der Sozialdemo- trotte zu einer kleinbürgerlichen und sozialpolitische« radikal-liberalen Partei glauben und des- »egen einen Bund zwischen dem alten Liberali» mur und seinem Sohne, dem Sozialismus, tmpfehlen. Ueber diese Gegensätze kommt mau | nicht hinaus. Das Reicht tagSwahlrecht ist M einigende Parole durchaus «»genügend, da trotz der Kröcher'fche« RetchstagSrede und der B-» firebungen einzelner Scharfmacher die große Mehrheit deS deutschen Volk«- und auch der liberalen Wähler mit Recht nicht an eine ernst» liche Bedrohung deS RrichStagSwahlrechtS glaubt.
Dem Phantom der großen liberale» Partei wird also auch Professor von LiSzt nicht zu Fleisch und Bein verhelfen. Die Professoren haben »un einmal gewöhnlich Unglück, wen« sie sich mit praktischen Frogen beschäftigen. Für Herr« v. LiSzt, der ein berühmter Strafrechtslehrer ist, wäre es ebenso wie für den berühmten Historiker Mommsen besser gewesen, wenn sie dar alte Wort beherzigt hätten: Si taeuissee, philo- sophns mansisiea — hätten sie still geschwiegen, so hätten sie ihren Ruf als kluge Deuker behalte»!
schäft" mit dem protestantischen Pastor a. D. Kötzschke am Niederrhein meinen wir natürlich nicht.
In Oesterreich-Ungarn läuten die Weih- nachtsglocken den Frieden leider nicht. Der verhäng- nißvolle Sprachen st reit geht weiter, nachdem die sehr verständigen Vorschläge der gemäßigten deutschen Parteien von den Tschechen in der Hauptsache abgelehnt und mit Gegenvorschlägen beantwortet, die das Hirngespinst eines „böhmischen Staatsrechts" nicht opfern wollen. Ebenso wem, hoffnungsvoll sieht es mit dem Ausgleich zwischen den beiden Reichshälfte« aus. Eine neuerliche Zusammenkunft der beiderseitigen Minister in Wien führte zu keiner Einigung. Man munkelt sogar von einem Entlassungsgesuch des ungarischen Ministerpräsidenten v. Szell. Gekriselt hat es jüngst auch im Reichs- Kriegsministerium. Der Kriegsminister von Krieghammer trat zurück und wurde durch den Feldmarschall-Leutnant Pitreich ersetzt, von dem man vielfach eine Reihe militärischer Reformen in „moder- nem" Geiste erwartet. Hoffentlich geht er namentlich dem Duellunfug in der Armee energischer als sein Vorgänger zu Leibe.
In Italien hat das radikale Ministerium Zanadelli eine schwere Niederlage erlitten durch die Ablehnung seines Ehescheidung-Projekts im Kammerau-schuß. Trotzdem scheint es sich an sein Amt klammern zu wollen, indem es sich darauf beruft, daß der zweite Theil des betr. Gesetzentwurfes, der aber mit der Ehescheidung gar nichts zu thun hat, sondern die bisher untersagle receruche de la paternite einsühren soll, nicht abgelehnt ist, sodaß die Vorlage noch vor das Plenum der Kammer gelangt. Jedenfalls beweist dieser Vorgang aber, daß das italienische Volk in seiner Masse doch noch an der religiösen Grundlage seines Lebens festhält. In Frankreich ist es gewiß auch noch so, aber die Katho- litt« sind uneinig und verstehen nicht, sich zur Geltung zu bringen. Dwher die Uebermacht der Freimaurer und Revolntionire, die den Kulturkampf mit brutaler Konsequenz durchführen wollen.
Die große Sorge Europas ist noch immer Macedonien. An den Ernst der türkischen „Re- formen" glaubt man Weberin Petersburg noch in Wien noch sonstwo. Deshalb fürchtet man auch ernstlich den Ausbruch größerer Kämpfe im nächsten Frühjahr. Der russische Minister deS Auswärtigen, Graf Lambsdorff, reist in diesen Tagen nach Belgrad und Sofia, am die Bulgaren und Serben zur Ruhe ro mahnen, vielleicht aber auch um ihnen bestimmte Vorschläge zu machen; und er begibt sich von da nach Wien, um mit den östorreichischen Staatsmännern zu berathen, wa« zu geschehen hat, wenn trotz aller Warnungen im Frühjahr der Ausstand auf» Neue sich erhebt. Man braucht nicht gleich an die etwas kühne Behauptung zu glauben, daß Macedonien unter türkischer Oberhoheit eine Selbstverwaltung nach Art Kretas »der gar Bulgariens erhalten solle. Aber auf etwas Aehnliches werden die Wiener Besprechungen wohl hinaurkommen. Jedenfalls kann nur ein gewisses Maß von Selbstverwaltung — m^n braucht d» nicht gleich an eine staatliche Selbständigkeit zu denken — die Ruhe dauernd wieder Herstellen und Europa von einer großen Friedensgefahr befreien.
Außerhalb Europas bezeichnet nach wie vor Venezuela den dunkelsten Punkt am politischen Gesichtskreis. Die Blokade ist von Deutschland und En g land inzwischen auch in aller Form bekannt gemacht worden. Für das beschlagnahmte und in dadeutsche Geschwader eingereihte Kanonenboot „Restau- cador" ist eine deutsche Mannschaft mit einigen Off litten ausgesucht, die demnächst die Au-reise nach Venezuela antreten werden. Präsident Castro, der im eignen Lande hart bedrängt wird, hofft immer «och «ns eine Vermittlung Nordamerika». Präsident Roosevelt scheint aber einstweilen noch Bedenken zu tragen, die Rolle eines Schied»richters zu übernehme«. Ein Thell der amerikanischen Presse hetzt nach wie vor leidenschaftlich gegen Deutschland, macht aber damit anscheinend wenig Eindruck. E» handelt sich keineswegs nur um Geldforderungen, sendet« auch um Gewaltthätigkeit gegen deutsche und englische Bürget Imid andere Beleidigungen, für die man Genugtuung fordern muß, wen« man sich nicht um allen Respekt bringe« will. An Eroberungen ' — das weiß die amerikanische Regierung genau — , denkt Deutschland nicht.
Wichtige Mische Dingt
werden sich im neuen Jahre abspielen. Die schwierigsten Fragen von den weittragendsten Folgen erheischen Lösung, al- da beispielsweise find: Streitigkeiten mit Venezuela, die Deckung dc» Reich»defizitS, die Reform des Börsengesetzes, die Verabschiedung des Gesetzes über die gewerbliche Kinderarbeit. Die HandelS- »ertragsverhandlung en müssen alsbald beginnen. Schon hat die Sozialdemokratie, einen Aufruf für die Reichstag-Wahlen erlassen Unter den Agrarier« ist ein Krach abgebrochen. Früher al- sonst beginnt gleich nach Neujahr der Wahlkampf. Heftiger al- seit Gründung des Reiches wird derselbe sich voraussichtlich gestalten. Besonders schwere Kämpfe wird u. A. auch das (Zentrum zu bestehen haben. Ein großer Theil dieser Kämpfe wird und muß in der Tagespresse, die mitten im Leben, aber auch mitten im Kampfe steht, ausgefochten werden. Soll aber der Kampf durchgefochten, der Sieg erfochten werden, dann müssen alleKatho - liken auf dem Plane erscheinen zur Unterstützung ihrer Presse.
Katholiken! Lernt von unseren Gegnern, die da unermüdlich sind in der Verbreitung ihrer Presse. Der hl. Vater, die H. H- Bischöfe, die geistlichen und weltlichen Führer der Katholiken und die Katholikenversammlungen haben es wiederholt als eine Pflicht eines jeden Katholiken bezeichnet, nach besten Kräften an der Verbreitung der katholischen Presse mitzuarbeiten. Katholiken seid eingedenk dieser Mahnung! Haltet die gegnerische Presse fern aus euern Häusern und sorget dafür, daß in jeder katholischen Familie ein katholisches Blatt gelesen wird.
. Die Haltung eines guten Blattes ist auch im Hinblick auf die politischen und sozialen Zeitverhältnisse dringend geboten. Heutzutage ist das ßefen einer Zeitung, die täglich über all diese Dinge rasch und zuverlässig berichtet, ein Be- dürfniß für Jedermann, der für die Vorgänge auf der Weltbühne Sinn und Interesse hat.
Anläßlich des Quartalswechsels laden wir daher unsere verehrten Leser zu recht zahlreichem Abonnement ein und richten zugleich die Bitte an sie, uns in der Gewinnung neuer Abonnenten durch Empfehlung in Freundeskreisen nach Kräften zu unterstützen. Um bei dem herannahenden Quartalswechsel unliebsame Störungen zu vermeiden, ist es gut, wenn man schon jetzt bei den Postanstalten die Bestellung bewirkt, was am einfachsten durch den Briefträger geschieht.
Die ,Fuldaer Zeitung^ mit der achtseitigen Gratisbeilage ,Jllustrirte SonntagSzeitnng' ist das einzige täglich erscheinende Blatt der Centrumspartei in der Diözese Fulda und im Regierungsbezirk Kassel; sie behandelt die neuesten Tagesfragen in allgemein verständlicher Weise. Die politischen Nachrichten sind kurz und übersichtlich zusammengestellt,- den lokalen und provinziellen Vorkommnissen wird große Sorgfalt gewidmet und auf ein spannendes, sittlich reines Feuilleton besonderes Gewicht gelegt. Zahlreiche
sporn sei«, daß auch sie frühzeitig mithelfen zur Vorbereitung guter Wahle« und — zur Füllung der Kriegskassen.
Der Streit zwischen Konservativen und Landbündlern ist schon stark abgeflaut, kaum daß er angehoben hatte. Daran ist aber weniger da- weihnachtliche FriedenSbedürsniß als die beiderseitige Furcht vor den Folgen einer gegenseitige« Bekämpfung schul». Trotzdem find die Konservativen schlecht berathen, wenn sie die längst nothwendige reinliche Scheidung noch weiter verzögern. Um so stärker mästet sich der Kuckuck in ihrem Neste, und schließlich werden sie froh sein, ihm dienen zu dürfe», wenn er sie zum Danke dafür nur nicht aus ihrem eigenen Neste herauswirst. Der Bund läßt sich jedenfalls auch durch die einstweilige Eingrabung des Kriegsbeile- nicht abhalten, in einer Reihe von Wahlkreisen konservative so gut wie freikonservative und nationalliberale Abgeordnete abzusägen, darunter den Abg.Jacvbskötter-Erfurt, de» einzigen Handwerk er i« der konservativen Fraktion! Das ist die vielgerühmte Mittelstand-freundlichkeit des Bundes der Landwirthe!
Die häuslichen Streitigkeiten in der national- liberalen Partei, die sich an die Stellungnahme der Basiermann, Paasche, Sattler u. s. w. zum Zoll- tarifkompromiß knüpften, werde« Wohl nicht ganz ohne Fvlge« bleiben bei den nächsten Wahlen. Offen in Widerspruch zur Parteileitung oder doch zu den angesehensten Führern ihrer Partei setzten sich die Danziger Nationalliberalen, indem sie für die dortige Reichstagsersatzwahl Unterstützung der gre:» innigen Bereinigung proklamirte«, während man von Berlin aus die Ausstellung einer besonderen national- liberalen Bewerbers wünschte in der Person des MinisterialrathS Lusensky, für welchen man auch die Stimmen der Konservativen und des CentrumS zu erhalten hoffte. Al» aber dies« Hoffnung sich nicht erfüllte und die Danziger Nationalliberalen sich bock beinig zeigten, mußte die Kandidatur Lusensky fallen gelassen »erden. Andererseits haben allerdings auch manche nationalliberale« Bereinigungen, darunter neuerdings der LandeSverem für da» Herzogthum Sachfen-Koburg -Gotha, ihrer Reichstagsfraktion ein Vertrauensvotum ertheilt.
Während dieser parteipolitische« Auseinander, setzungen fehlte eS auch nicht an Muthmaßunge« über die nächsten gesetzgeberischen Projekte aus wirthschast- lichern Gebiete: Ueber die künftigen Handelsverträge, über die Novelle zum Zolltarif, g e s e tz und eine solche zum Börsengesetz wurde allerhand hin- und hergerathen, und ein Offizwsus schlachtete den Anderen ab. Als sicher darf jetzt gelten, daß keine Novelle zum Zolltarif kommt, und daß die HandelS- vertragsverhandlunge» alsbald nach Neujahr beginnen sollen. Ob auch schon ein fertiger Handelsvertrag noch in dieser Reichstagssession zu erwarten sei — wie «in freisinniges Blatt zu melden weiß —, da» darf einstweilen füglich noch bezweifelt werden. Ebenso ist eS vielfach verfrüht, wenn schon für die nächste Zeit eine Beschlußfassung de» «undesraths zu Gunsten der Einführung von ReichStagsdiäten angekündigt wird. Daß derselben kein ernster Widerstand mehr entgegenfleht, darf freilich al» sehr wahrscheinlich angenommen werden. Ob nun der vundesrath jetzt »der erst in einigen Monaten die Entscheidung fällen wird, soviel scheint sicher, daß nicht mehr dieser, sondern erst der nächste Reichstag sich im Gennffe von Anwesenheit-gelber« befinden wird. Hoffentlich führt diese Aussicht dazu, bei den Wahlen auch einigen christlichen Arbeiterkandidaten, natürlich nur solche, die im Einvernehmen mit den ordnungsmäßigen Organen unserer Partei, nicht auf Grundlage de» uochristliche« „Klassen- kämpfe»", sondern in vollst« Harmonie mit den anderen Berufsständen ausgestellt werde« auf • dem Bode» der EentrumSpartei zu ReichStagS- mandaten zu verhelfen. Die famose „Minjon-Gesell- ।