Jutöa, Samstag, den 27. Dezember 1902.
M 297.
29. Jahrgang.
i Fuldaer WJeitung L nit de« Beilagen ______~__________—
„TllusWe Sonntags »Zeitung , „Suldaer Ge$d)id)t$bläftef* und rofleffe-nsft.
@ Das Familiendrama im sächsischen Königshause
gibt leider einem nur zu großen Theile der Presse zur Verbreitung recht unwürdiger Klatschereien Beranlaffung. Schmok schreibt sich die Finger wund, um seinem Publikum das Neueste, Pikanteste und Sensationellste über die unselige Thal der Kronprinzesstn und ihre familiären und persönliche» Beziehungen tagtäglich auf den Kaffeetisch legen zu können. Diese Klatsch- und Tratschpreffe, unter welcher sich natürlich die unterschiedlichen „farblosen" Generalanzeiger usw., sowie die vom .Vorwärts' s. Zt. so scharf charakterifirte „semitische Preffe" besonders her» vorthun, kennt keinerlei Rücksicht auf die so schwer heimgesuchte» Familien Wetttn und Habsburg» Lochringe».Toskana, nicht einmal auf die Kron- Prinzessin selbst, obwohl sie sich an diese in wider» licher Weise heranzudränge« sucht, sie entschul- digt oder gar offen „da- Recht ihres HerzenS" gegenüber einem „rauhen, bigotten Semabl" pro» llamirt; denn es ist keine Ehre, von dieser Preffe gefeiert oder verthetdigt z« werde»!
Schmok i ' natürlich ei» durch und durch „moderner" Mensch und steht auf dem Stand» punkt, daß Jeder und Jede das Recht hat, „sich voll auSzuleden". Darum hat von vornherein jede Frau, die ihren Gatten, die selbst ihre Ender verläßt, um einer sträflichen Neigung zu folgen, seine vollste Sympathie. Mit dem betrogene» Manne hat Schmock kein Mitleid; im Gegentheil, dem geschieht nur sein Recht und »arum hat er auch so altfränkische, so „rauhe und bigotte" Anschauungen von Pflicht und Ge- wiße». Pflicht! Puh! Wie kann man heutzutage überhaupt noch von Pflicht sprechen! Und„Ge- wiffen" — du lieber Himmel, was thut Schmok mit einem Gewisse»? Welche moralische» Verwüstungen solche Fälle anrichten, davon kann man einen Begriff erhalle», wenn man durch seinen Beruf gezwungen rst, den Spuren der flandallüsternen Preffe nachzugehen.
Ra» fragt sich: „Hat die Prinzessin auch nur mit einem einzigen Gedanken an das ungeheuere Aergerniß gedacht, das ihre Handlungsweise Hervorrufen mußte?" ®8 ist kaum zu glauben, den» ein einziger Gedanke daran hätte genügen mflffen, um sie von dem verhängnißvollen Schrllte abzuhalten. Es bleibt daher immer noch die Möglichkeit, ja eine gewiffe Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß die Prinzessin im Augenblicke ihrer Thal nicht voll bet Besinnung gewesen sei» könne. Krankhaft überreizte Empfindungen kom» men bei Frauen ja zuweilen gerade dann vor, wenn fie, wie diePrinzesfin, sich in gewissen Um» stände» befinde». Sonst hätte fie unbedingt an die Folge» ihrer That denken müssen. Wie diese Folgen beschaffen find, lehrt ein Blick in die sozialdemokratische Preffe; fie kann kaum ihre» Jabel verbergen, und mit grinsendem Be» Hagen überschreibt der.Vorwärt-' de» „ungeheuren
Me Macht des Geldes.
Kriminal-Roman von Arthur Eugen Simson.
30 ------ (Nachdruck verboten.)
6. Kapitel.
I« ihrem luxuriös ausgestatteten Salo» empfing die junge Frau in eleganter Toilette de» einstigen Geliebten.
Gustav Varaay mußte fich gestehe«, daß fie ihm nie zuvor in solcher strahlende« Schönheit erschienen war; aber btefe Schönheit machte auf ih« leinen Eindruck mehr, kostete es ihn doch »eberwind lttg genug, seinen Groll zurückzu- drängen und ihr mit scheinbar herzlicher Freund, lichkeu entgegenzukommen.
„Darf ich Sie als Feind oder als Freund empfangen?" fragte fie, indeß jenes reizende Lächeln, das ihn so oft bezaubert hatte, ihre Lippen umspielte.
„Unbedingt als Freund," erwiderte er, in» dem er ihre Hand an seine Lippe« zog. Die Verhältnisse haben mich gezwungen, eine Er» hollmgLreise anzutreten; ich wollte Luzern nicht pasfiren. ohne Ihnen meine Aufwartung zu machen."
„ ®r führte fie zum Diva» und nahm in einem Eiessel vor ihr Platz, und kein Zug in seinem Antlitz verrieth sein wahre- Denken.
»Ich konnte das nach dem Briefe, den ich »ar ttniger Zeit von Ihne» erhielt, nicht er» warten," sagte fie in halb scherzendem, halb vor- wurfSoollem Tone; „Sie werde« entschuldig«.
Famllien-Skandal" mit den frech verallgemeinernden Worten: „Monarchisches Familienleben." Die Sozialdemokraten hatten in der letzte» Zeit durch eigene Schuld fich sehr in die Tinte geritten. Das wird aber alles wieder reichlich anf- gewogen durch solche StückSfälle für fie. Nur zu oft geben Mitglieder fürstlicher Familien den anti- monarchischen Parteien Ursache zu ausgelassener Freude.
Man kann nur wünsche», daß das Bewußt, sein der Pflicht, den Ehrenschild der Familie rein und blank zu erhalten und dem Volke Vorbild, nicht Gegenstand unreiner Neugier zu sein, die Dynastien in allen ihren Mitgliedern beseelen möge. Wir haben, Gott Dank, Fürstenhäuser genug, die ihrem Volke mit gutem Beispiel vor- anleuchten. Auch das sächsische Königshaus gehört zu ihnen, denn für die That der unglückliche» Prinzesfin kann offenbar Niemand ihrer Angehörigen mitverantwortlich gemacht werden — es sei denn ihr ältester Bruder, der ähnliche exzentrische Neigungen zu haben scheint. Jedes gesunde sittliche Empfinden wird eS daher durchaus billigen, wenn sowohldaS sächfische Königshaus wie das Oberhaupt des habsburgischen Kaiserhauses keinen Zweifel an der Strenge ihrer sittlichen Ausfassung lassen. Im Uebrige« geht es die Oeffentlichkeit gar nichts an, waS die Nächstbetheiligten zu thun gedenken. ES ist geradezu unglaublich, was in dieser Beziehung von einet gewissen Preffe gesündigt wird. Man spricht da z. B. von einer völligen Trennung der Ehe und einem päpstlichen Dispense dazu in einer Weise, die zeigt, daß die Schreiber vom katholischen Eherecht keine Ahnung haben. 88 bedarf keiner Versicherung, daß das katholische sächsische Königshaus sich streng innerhalb der Gr«zen der kirchliche» Gesetze halten wird, die wohl eine räumliche Trennung, aber keine Lösung deS Ehebandes, sofern eine Ehe gütig abgeschlossen war, kennen.
X Alkoholisums und Geistesstörung.
Wen» wir - die verheerenden Folgen überschauen, die her gewohnheitsmäßige Alkohol» mißbrauch hervorruft, so müssen wir zu der Uebrr. zeugung kommen, daß von allen Störungen, denen wir hier begegnen, diejenigen der Geiste-lhättgkeit am häufigsten und von einschneidenster Wirkung find. Gewiß find jene krankhaften Organoerände- rangen, welche eine Schädigung bet normalen körperlichen Verrichtungen herbeiführen könne«, keine sellene Erscheinungen. Die Erkrankungen de» Magen», der Leber, de» Herzen« und de» Gefäßsystem» auf der Grundlage de» Alkoholitmu» nehmen einen breiten Raum in den Statistiken der Krankenhäuset ein. Die Störungen bet Geiste»thätigkttt greife» jedoch um viele» schwerer i» die soziale Existenz de« Trinker« ein unb find in ihren Folgen nicht zu Übersehe». Der Schaden, den die Verstand«thätißkeU und da« sittliche Gefühl erleiden, hebt den Trinker au« seinem Berufe heraus und führt ihn seinem wirthschaftlichen Ruin entgegen; mehr oder minder lavganhaltende Geisteskrankhell, die bei jedem Rückfall in die verderbliche Gewohnheit wiederzukehren pflegt, macht ihn zum ständigen Insasse», der Irrenanstalt; der
daß ich diesen Brief nicht beantwortet habe — die betreffende Angelegenheit hat mir Steiger genug bereitet. Ich weiß heute «och nicht, wie damals die Dinge lagen und ob Sie wirklich zu der Anklage gegen meinen verstorbenen Gatten berechtigt waren; aber tief gekränkt hat es mich doch, diese Anklage aus Ihrem Munde ver- nehm« iu müssen."
„Meine Pflicht als Anwall mußte ich erfüllen," erwiderte er ruhig; „mich kränkt eS auch, daß Sie hi dieser Pflichterfüllung gehässige Ab» fichten sehen wollten. Offen gestanden, ist auch mir die Sachlage nicht recht klar geworden, und ich fürchte, daß wohl niemals volle Klarheit hineinkommen wird."
„Ich für meine Person kann nichts dazu beitragen," sagte Elisabeth, leicht da- Haupt wiegend; „ich stehe da selbst vor einem Räthfel, wenn daS Dokument, auf welches die Anklage fich stützt, wirklich echt ist. Aber ich erinnere mich dunkel, vor einiger Zell eine Betlobungs- anzeige gelesen zu haben — ist Fräulein Hagen wirklich Ihre Braut?"
Er nickte schweigend.
„Dann gratulire ich von Hetzen —"
„Lassen wir daS!" sagte er rauh mit einer abwehrenden Handbewegung; „auch die herzlichste» Glückwünsche können den Unstern nicht bannen, der über mir zu walten scheint."
I» den dunklen Augen Elisabeths blitzte es kaum merkbar auf. Er hatte daS in einem so schwermüthigen Tone gesagt, daß fie die Anstich- tigkell feinet Behauptung nicht bezweifeln konnte.
„Sie find nicht glücklich?* fragte fie theil- nehmend.
moralische Untergang schließlich, dem so mancher Trinker anheim fällt, treibt chn dem Verbrechen in die Arme.
E« ist ein nicht geringe» Verdienst der Aerzte unserer Zeit um die geistige und materielle Volk«' Wohlfahrt, wen» fie in zahllosen Schriften auf diese Schäden hingewiesen haben. Neuesten» untersucht Dt. Hubert Schnitzer, Chefarzt der Äflden- mühler Anstalten in Stettin, in einem gemeinverständlichen billigen Schristchen (Alkoholismvs und Geistesstörung, Berlin, Hermann Walther, 28 S., gr. 8, Preis 60 Pfg.), die Störungen der Geistesihätigkeit, welche beim Alkoholmißbrauch in der Regel eintreten. Es ist ein überaus düstere» Bild, da» der Nervenarzt auf Grund einschlägiger Forschung und eigener Erfahrung von den überaus traurige» Folge« der Trunksucht in kurzen Zügen entrollt. Aber et berichtet nur That- fachen und fie geben nur einen Theil des unsäglichen Elends wieder, in welchem so viel Menschenglück und Menschenhoffnung begraben liegt. Wenn fich unter den verbrecherischen Geisteskranken ver West Riding Irrenanstalt zu Wakefield in England jß den Jahren 1884—96 66 pCt. Trinker befanden, so ist das eine Zahl, die eine furchtbare Berurtheilung de« Alkoholmißbrauch« enthält. Rach dem Berichte eine« franzöfische» Arzte» sollen von den 4000 Geisteskranken, sie alljährlich iu den Straßen von Paris aufgegriffen werden, etwa 33 pCt. Gewohnheitstrinker sei». Unter 1000 Idioten, die in den Jahren 1880—1890 in der Pariser Irrenanstalt Bicätre aufgenommen wurde», stellte stch Alkoholmißbrauch der Baiers in 471, der Mutter in 84 und beider Eltern in 65 Fällen heraus, also im Ganze» in 60 pCt. der Fälle. Au« de» rusfischen Irrenanstalten wird berichtet, daß etwa 15 pCt. sämmtlicher Fälle von Geisteskrankhetten auf Alkoholmißbrauch zurück- zuführen find, während in Polen dies bet etwa 14 pCt. der Geisteskranken der Fall ist.
Diese wenigen Zahle« au» der angezeigten Schrift mögen genügen. Mit Recht verbreitet fich dieselbe mehr über die seelischen (psychischen) Einwirkungen de» Alkohol«, al« daß fie sich in trockener Statistik der krankhaften Körperveränderungen oder in nichtssagenden Lamentationen ergeht. Sie ist auch wett davon entfernt, von allen die völlige Gnthaltsamkett zu fordern. @« soll gewiß zu- gegeben «erden, heißt e« am Schluffe, daß e» zahlreiche Menschen gibt, für die der Genuß von mäßigen Mengen leichter alkoholischer Getränke keine schweren Folgen nach fich zieht, man darf sich aber der Thatsache nicht verschließe», daß bei einer große» Reihe von Mensche« nicht nur schon mäßige Mengen schaden, sondern jeder Tropfen alkoholischen Getränks von verderblicher Wirkung gefolgt sein kann.
Berlin, 24. Dezember 1902.
X Aa» Schiedoamt Aloosevelt» i« dem Aenezuel-» Slreil wird, wie ein vielfach gut
unterrichtetes Berliner Blatt meldet, mit einer wenigstens indirekte» Garantie der Bereinigte» Staaten für die Abwickelung der ornezolanischen Verbindlichkeiten verbunden fein. DaS ist offenbar der Wunsch der Regierungen Deutschlands und Englands und entspricht Übrigens auch der bisherigen Erwartung in Amerika. Die Festsetzung der näheren Bedingungen wird aber wohl »och eine ganze Weile dauern. Wie eS heißt, will Präsident Roosevelt eine besondere Kommission fSr das SchiedS- amt einsetzen. Herr« Castro hat er wissen lassen, daß er vorher ausdrücklich versprechen müsse, dem Schiedssprüche fich unbedingt zu unterwerfe«. Dem Schiedsgericht unterliegt Übrigens die deutsche Theilforderung von 1700000 Bolivares, Über die kein Zweifel bestehen kann, nicht; in der letzten deutsche« Note a« die nordamerikanische Regierung ist dies besonders betont worden.
X Ker preußische Landtag ist durch königliche Verordnung zum 18. Januar einberufe» worden. An demselben Tage nimmt auch der Reichstag seine Sitzungen wieder auf. Hoffentlich läßt eS fich in diesem Jahre ermöglichen, daß beide Parlamente in ihrer Arbeitszeit einige Rücksicht aufeinander nehme». Der Berathungsstoff ist ja für beide nicht mehr allzu groß, wenn nicht etwa doch noch so grundsätzlich wichtige und schwierige Fragen wie Aenderung des Börsengesetzes oder die Kanalvorlage die Parlamente beschäft gen. Das ist aber kaum anzunehmen. Was den Reichsetat betrifft, so widerspricht die offiziöse ,Rordd. L'lg. Ztg.' der Annahme, daß derselbe dem Reichstage erst in der zweite« Hälfte deS Januar zugehen solle. Der Reichstag wird ihn also gleich bei Wiederaufnahme feiner Sitzungen in Hände» haben.
* Agitation für die Aeichola-s- WUhlerr ist dringend»othwendtg ei« geeignetes Agi« tationSschriftche». Dasselbe sollte enthalten, so schreibt die,K. B.', eine Gegenüberstellung deS gellende« autonomen Tarifs, der bisherigen Bet« tragSzölle, deS neuen Zolltarifs, wie ihn die Regierung eingebracht hat, feine Abänderungen in der Zolltarifkommission und die jetzige vom Reichstag und BundeSrath genehmigte Umänderung. Daran müßte fich anschließen eine kurze Geschichte der neue« Zolltarifvorlage, vor allem der Kämpfe, die innerhalb und außerhalb deS Reichstages um dieselbe geführt wurden. ES ist mancher da, der in den Wintermonaten, in welchen man Städter wie Landleute viel leichter in die Versammlungen bekommt als im Sommer, gern einen diesbezügliche» Vortrag halte» möchte, wenn er nur das Material zur Hand hätte. Darum wäre e» für de» Volksverein oder für einen Centrumsparlamentarier, der die Kämpfe durchgefochten hat, eine sehr dankbare Arbeit, eine derartige Broschüre recht bald erscheinen zu lassen. Biele warten darauf.
X A> de» Kiätenfrage wird nun wieder, zum Theil von denselben offiziöse« Blättern, die eine günstige Entscheidung deS BundesrathS i« nahe Aussicht gestellt hatte«, zum Rückzug geblasen. Welcher Einfluß mag da wieder dazwischengekommen sein? Daß die Meldung wahr, schetnlich verfrüht war, habe» freilich auch wir betont; aber daß für den nächste« Reichstag
„Ich bin zum zwOenmale betrogen worbe«", antwortete er. „DaS war'S, waS mich zwa«g, für einige Woche« die Heimath zu verlasse«. Ist es angenehm, scheinbarer Theilnahme entsprungene Fragen und Vermathunge« beantworten zu müsse« und immer wieder an da« erinnert zu werden, was man am liebsten vergessen möchte?"
„Ich verstehe", sagte fie leise, „und so komme ich wohl Ihren eigenen Wünschen nach, wenn ich keine hierauf bezügliche Frage mehr an Sie richte. Ich habe zufällig eine Freundin Ihrer Fräulein Braut, oder besser genannt daS Fräulein Hagen tennen gelernt. Sie wöilt augenblicklich mit ihrem Vater in Brannen —"
„Fräulein Hallstädt?"
„Jawohl. Sie werden fie jedenfalls besuchen?"
„DaS weiß ich noch nicht. Ich kenne diese junge Dame nicht, glaube aber vermuthen zu dürfen, daß fie zu dem Brach beigetragen hat."
„Soweit ich sie beurtheilen kann, ist fie ein sehr liebenswürdige« Mädchen; sie klagte mir, daß ihre Freundin ihr in sehr gereiztem Tone geschrieben habe."
„Mag sein, ich kann darüber nicht urtheileu und «erde mich auch nicht Wetter drum kümmern," sagt« Gustav leise; „ich muß dem Geschick dir Stirn bieten und. seine Schläge über mich ergehen lassen. Ihne« hat nach de« Tode Ihres Gatten dar Glück wieder gelächelt!" Ä „Sie haben Friedrich bereit» gesehen; er sagte er mir. Ware« Sie nicht erstaunt über seine frappante Aehnlichkrll mit dem Bruder?"
„Ich hätte nicht gestlaubt, daß Brüder einander so ähnlich sein könnten."
„Bei Zwillingen findet man dar in der Regel." „In den ersten Jahren der Kindheit freilich —" „Auch im späteren Alter noch. Friedrich hatte mich früher schon geliebt; er wanderte nur deshalb nach Amerika au», weil er dem Glücke feine« Bruders nicht im Wege stehen wollte."
„Und drüben hat er Reichthu« erworben?" „Binnen sehr kurzer Zeit," nickte Slssabeth. „Er war stet« ein gewiegter Kaufmann; in einer günstigen Zeit kam et hin, und er verstand eS, die Konjunkturen zu benützen. Alle Untetnehvmngo« hatte« glänzende« Erfolg, unb so wurde er binnen kurzem ein reicher Mann. Ec kam gleich «ach dem Tode feine« Bruder« herüber, und die Lage, in bet ich mich befand, ließ e« mir nicht rathsam erscheinen, die Hand, die er mir bot, zurückzuweisen.'
„Und Ihre Erwartungen find erfüllt morde«?"
„Ja. Friedrich ist ein herzensguter Man«; er erfüllt alle meine Wünsche."
„Mehr können Sie freilich uicht verlangen."
„Ich hoffe. Sie «erde« ihn näher kennen lernen — Sie bleiben doch einige Tage in Luzern?"
„Ich beabsichtige, mich hier einzumiethe« und von hie au» Toure« zu machen."
„In diesem Falle hoffe ich, Sie recht ost in meinem Hause zu sehen," sagte Elisabeth, unfc da» bezaubernde Lächeln umspielte wieder ihre Lippen; e» wirb mir ein große« Vergnüge« fein, Sie hier zu empfangen."
Der Advokat verneigte fich dankend.
„Ihr Bruder wohut auch bei Ihnen?' fragte er.
„Einstweilen, ja. Was soll et mache»? Die Mittel, ei« eigenes Geschäft zu gründen, befi