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Fuldaer

29. Jahrgang«

Iut-a, Montag, den 22. Dezember 1902.

M294.

mit dti Btilag«

Hhistrfrte SonntagsZtiiunge, .Juidaet GescbitbfsbMfltT und rofterfe«n$ft.

G Eine Probe auf das Exempel.

Mittelparteiliche Politiker find an der Arbett, in Fortsetzung der Miquel'schen Sammlungspolitik das alte Kartell unseligen Andenkens in er- weiterter Gestalt wieder aufleben |U lassen. Es trifft fich gut, daß in demselben Augenblicke, in welchem diese Bestrebungen sich ans Tageslicht heraus wagen, auch schon die Probe auf da« Exempel in einem bestimmten Falle gemacht wird. Für die Reichstagsersatzwahl In Danzig, im Wahlkreise des verstorbenen Abg. Rickert hatten di« Konservativen den General a. D. v. Hey de« breck als Kandidaten aufgestellt. Andererseits stellten die Freisinnigen, nnd zwar angeblich aller Richtungen nnd mit Unterstützung der Rational« liberalen, den Bankdirektor Karl Mommsen in Berlin, einen Sohn de« bekannten Profeffor« Mommsen, al« Bewerber um die Nachfolge Rickert« auf. Plötzlich schlug die .National« Zeitung' Alarm, indem sie darauf hinwie«, daß der Plan besteh«, al« gemeinsamen Kandidaten der Konservativen, de« Crntrum« und der National' liberalen den vortragenden Rath im preußischen Handel«ministerium Lusenrky, welcher Mitglied der nationalltb«ral«n Partei ist, aufzustellen, und daß dieser Plan von Berlin au«, von national« liberalen Abgeordneten eiftigst betrieben werde, im Gegensatz zu der Meinung der Danziger National­liberalen.

Die.National-Zeitung' war gut unterrichtet, nur hätte sie betonen dürfen, daß der genannte Plan nut von jenen nationalltberale« Abge­ordneten auSzivg. DaS Tentrum ist offenbar garnicht gefragt worden; man hat einfach al« selbstverständlich angenommen, daß das Gentrum gutmüthig seine Stimme« de» Konser« vaiioen und Rationalliberalen überlaffen werde. Sieht man fich aber die Ziffern der letzten Wahl an, so findet man, daß über dreitausend Een« trumsstimmen, nicht ganz dreitausend konser­vative Stimmen, aber gar keine natio­nal liberale Stimmen abgegeben wurden! Und da tollen Centrum und Konservative just einen Nationalliberalen wählen! Das Tentrum und die Konservativen können aus diesem An« sinnen entnehmen, wie es bei künftigen Wahlen unter dem Zeichen eines Kartells, an dem auch sie bethetligt wären, in einer große» Reihe von Wahlkreisen zugehen würde. Sie würde» da»» meistens auf eine» Abgeordneten aus ihrer Mitte verzichten und einen Nationalliberalen oder Frei­konservativen wählen müffen, wril angeblich ein solcher msttelparteilicher Kandidat eher Aussicht hätte, die Stimme» der linksstehende» National- liberalen und einzelner Freisinnigen zu erhalten. Auch in Danzig war di« Spekulation so, daß die dortigen Natsonalliberale» nur dann für ein Kartell mit dem Centrum und Konseroattorn zu

haben sein würden, wenn der Kandidat aus den Nationalliberalen entnommen würde. Die Be­scheidenheit dieser Herren, die bei den letzte» Wahlen nicht eine einzige Stimme aufgebracht habe», läßt offenbar nichts zu wünschen übrig

Danzig war allerdings früher nationalliberaler Besitz; als aber Rickert von den Nationalliberalen zur Sezession und von da »eiter zu den Frei­sinnigen überging, scheint das Gros seiner national­liberale» Wähler mit ihm z» den Freisinnigen

Die Wacht des Geldes.

Krirnimrl-Roman von Arthur Eugen Simson.

17 ------ (Nachdruck verboten.)

»Daraus dürfen Sie vertrauen," nickte Theo­dor«.An« dem Briefe, den Sie mir über­brachte», erkannte ich, daß auf das Glück Paula« ein dunkler Schatten gefallen war; sie blickt be- sorgt in die Zukunft, sie fürchtet, daß her schöne Tranm in Rebel zerrinnen könne ich versteh« da» alle« nicht, mich mußte dieser Wanielmuth überrasch«». Run freilich geben Sie einen Schlüffe! zu dem Räthsel, aber lösen kann ich e« noch immer rsicht."

Arm in Sim schritten die beiden längsrm zum HotÄ hinunter.

61 wird wohl nur eine Laune gewesen sein," fegte er;ernste», ruhige« Nachdenken muß meine Brant «kennen lassen, daß ich dieser Laune nicht nachgeben durfte. Roch in der letzten Stunde woKfe sie mir beweisen, daß diese Reise im Snmbe genommen eine Thorheit fei, die uns allen nur Sergen und Aufregungen bringen würde."

Die Aufregungen «erden sich fteilich nicht venüefeen lassen, aber «a« »hüt'«, wenn nur der tzrfolg da« Werk krönt! Wa« halten Sie von meinem Projekte? Gruner wird vielleicht schon teufe überzeugt fein, daß er mein Herz im Sturme «Hort habe

Er ist ein gefährliche« Projekt," unterbrach er sie ;ohne e« zu wissen oder z» ahne», konnte» Sie sich verleiten lassen, diesem Mann«, wenn

übergegangen zu fein. Wie die »Nationalltberale Korrespondenz' jetzt zugtbt, war es das Bestreben der nationaMeralen Parteileitung, nach Rickerts Tode den Versuch zu machen, Danzig für die Nationalliberalen wiederzugewinne». Das ist an fich gewiß das gute Recht der Nationalliberalen; aber wenn fie den Versuch machen wollen, chre früheren Wähler wieder um ine nationalliberale Fahne zu sammeln, dann müffen fie doch selb­ständig vorgehe», nicht aber auf de» Krücken derKlerikal-Konservativen Reaktion" einen Ab­geordneten ihrer Farbe in de» Reichstag bringe» wolle». Damit haben sie weder bei den Resten der nationalliberalen Partei in Danzig, die fich erinnerten, daß der jüngste Eisenacher Parteitag ja gerade gegen dieKlerikal-Konservative Reaktion" Front machte, Anklang gefunden, noch auch bei den Konservativen; diese letzteren erklären näm­lich, daß fie an der Kandidatur Heydebreck festhalte». Von der Danziger Parteilei­tung de« Tentrnms liegt »och keine Aeußerung vor, man darf aber bestimmt annehmm, daß diese keinesfalls gewillt war, den National- liberalen die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Das Centrurri kann, falls die Sach­lache dies anzmathen scheint, mit den Ksnser- vattoe» fich verständigen, um vielleicht statt des Freifinnigen eine» Konservativen oder Centrums­mann in die engere Wahl mit den Sozialdemo­kraten zu bringen, aber auf die Handvoll Nationallibrralen braucht eS sicher keine Rück­sicht zu ersinnen. Offenbar ist wzwischen auch den Machern der Kandidatur LusenSky, als welche die ,National>Z«itung' die nationalltberale» Ab­geordneten Dr. Paasche und Sieg bezeichnet, die Unmöglichkeit derselben klar geworden, denn jetzt verkündet die ,Natio»olliberale Korrespondenz', Saß die Kandidatur LusenSky fallen ge­lassen worden ist. Zugleich erklärt sie feier­lich, sie lehne eine Fortsetzung desnochge­drungenen" Zusammengehens der Mehrheit«- Parteien beim Zolltarif für die fernere politische Aktion entschieden ab. Der FnchS und die Trauben! Jedenfalls hat dieser mißlungene Versuch, daS entschlafene Kartell wieder aufer­stehen zu laffe», auch in nationalliberalen Kreisen ernüchternd gewirkt. Möge er auch sonst überall Beachtung finden.

x Aus dem neuen Reichs- Haushaltsplan

für daS Geschäftsjahr 1902/03 veröffentlicht die halb- amtliche »Nordd. All,em. Zt,.' eine Reihe von Einzel- heiten, aber noch nicht« über fo wichtige Etat«, wie de» Poll-, de» Militär- und den Marineetst, sowie die End­zahlen. Der neue Voranschlag ist »och ganz auf der Anuahmeeiner Fortdauer deS w trthschaftlichen Niedergänge« aufgebaut. 60 find die Zollein- »ahmen auf 472,6 Millionen Mark, d. h. 11,1 Million«» weniger, al« im laufende» Etat ver­anschlagt, die Zuckerfteuer auf 98,6 Mill. Mark (weniger 16,8 Millionen Mark), die Salz­steuer auf 79,1" Mill. Mark (weniger 247000 Mark), die »erbrauchSadgabe von Branntwein auf 108,7 Mill. Mark (weniger 1,9 Mill. Marl), die Brausteuer auf 80,8 Mill. Ml. (weniger 784000 Marl). Diese» Minderei»nahme« an Verbrauchssteuer» stehe» freilich auch einige Steigerungen, sowie die neue Schaum­weinsteuer mit 4'/i Millionen Mark gegenüber, aber fie ändern nicht« an dem Ergebntst, daß die Einnahme» aus Zölle» und Verbrauchssteuern 795'/« MMM ^Wwa»>NMMNMaMWUWW»WWWW«Wa«I»lIIWWWN'M, auch nur scheinbar, Rechte einzuräumen, von denen er bann sicher Gebrauch machen wird."

Fürchten Sie da« nicht," sche,zte fie;ich werde jedes Wort überlegen, ehe ich e« ausspreche. Soweit ich diese Leute kennen gelernt habe, ist nur -durch List etwa« zu erreichen, man muß fie selbst betrügen."

Darin pflichte ich Jhnr» bei," erwiderte er, und so schwer es mir auch fällt, die unangenehme Rolle zu spiele», bin ich doch dazu entschlossen."

Sie waren vor dem Gasthofe angekommen; an der Thür de« Restanrationslokal« stand Hall- städt, die Rückkehrenden erwartend.

Einige Minute» später saßen fie allein an einem Tischchen; Hallstädt forderte eine Flasche Bordeaux.

Wann wollen Sie Ihre» Besuch in Luzern machen?" fragte Gustav, nachdem die Gläser ge­füllt waren.

Wir beabsichtige», morgen früh direkt von hier an« hinzufahren," erwiderte Theodore.

Hm. Würde es andere Reisepläne störe», wenn ich Sie bitte, damtt bi« übermorgen zu warten?"

Ich keiner Weise", sagte Hallstädt;wir be­suchen dann morgen Nachmittag noch einmal den Axenstein und machen die Toni nach Luzern erst übermorgen."

Unb weshalb wünschen Sie es?" fragte Theodore.

Xm verschiedenen Gründen. Ich will morgen mit dem erst« Zuge von hier abreff«, dann kann ich 6«6ea zehn Uhr schon in Luzern sein. Rommen Sie übermorgen, so können Sie beobachten,

Millionen Mark um 28,8 «illiouen Mark gegen ba« laufende Etatsjahr zurückblei-be».

«ehnliche R ckgänge zeigen die Stempelab« gaben, wen« fie auch bei 98 Millionen Mark ®e< sammtertrag nur um 1,8 Rill. Ml. im Ganzen niedriger veranschlagt »erden. Im Einzelne» zeige» erhebliche Rückgä»ge: die Wechselstempelsteuer mit 11,9 Mill. Mark (um 296000 M.); die Stemprlabgabe für Werthpapiere, Kaufgeschäfte »sw. mtt 78,5 Mill Mark (um 1,3 Mill. Mk§. B-u diesen -1,8 Mill. Mark entfallt» 528000 Marl auf die ei,e»tltche» Börsengeschäft,. Doch darf ma» hier nicht oh»e »eitere« auf eine» Rückgang im Börsenhandel schließen; gerade die Erträge der «örsensteuer werde», wie einmal offen ausgesprochen werden muß, durch be­trächtliche Steuerhinterziehungen ge­schmälert.

Einen solche» Vorbehalt müße» wir auch hinsicht­lich de« veranschlagten Minderertrages der Zucker- steuer mache«, denn an dem erwarteten Rückgang derselben ist nicht nur die «irthschaftliche Lage schuld, sondern anch di« in dieserSeffion beschlossene Herab­setzung der Zuckersteuer.

Bon weiteren Einnahmen deS Reich« find dir aus den ReichSeisenbahnen mit 87,9 Mill.Ml.( 1,9 Mill. Mk.), der Rr.chSdruckerei mit 7,9 Mill. Mk. ( 201000 Ml.), dem ReichSinvaltdenfondS ( n Zinsen) mit 10,1 MS. Mk. (- 4,6 Mill. Mk.) ver- anschlagt. Bei letzteren ist allerdings zu berücksichtige«, daß die Zinse» von einem halb«» Jahr schon im BorauS (beim lauf«»de» Stal) vereinnahmt wurden. Von den Einnahmen der Post- und Telegraphenverwaltung, die eine Hauptstütze d s Reichsbudget« bilden, erfährt man leider noch nicht«.

Die Au«gabe» halten fich, soweit-fie mitgetheilt werden, im Allgemeine» in den bisherigen Grenzen. Rur der Kapitalzuschuß für Invalide »zwecke er­höht fich hauptsächlich in Folge der Mindereinnahme a» Zinsen uw 8 Mill. Mk. und erreicht damit de« Betrag von 38,9 Mill. Mk. Die fortdauernde» Aus­gaben der ReichSeisendahnverwaltung erhöhe» fich um 13 Mill. Mk. (auf 66,8 Mill. Ml.), während die einmaligen Ausgaben sich um inSgrfammt 1,8 Mill. Mk. (auf 15,8 Mill. Mk.) verringern.

Interessant ist von diese» Mitthetmngen im Heb rigen nur noch, waS Äbei da« Schutzgebiet von Kiautschou gesagt wird. Der Reichszuschuß »wd mit 12'/« Mill. Mk. (- 377000 Mk.) beantragt, wogegen nur eine eigene Ei »ahme deS Schutzgebiete« von 455000 Mk. ( 95 000 Mk.) erwartet wird. Aller- ding« find jetzt tat Anfang« noch besonders große Aus­gabe» zu leiste», von denen fich diejenigen für Hafen-, Hoch- und Tiefbaute» und bergt, hoffentlich später be­zahlt mache» und angemeffe» verzinst «erden. Für Hafenbauten find drei Mill. Mk., für Hoch, und Ttes- baute» einschließlich Landerwerb fast 2 Mill. Mk , für Betheiltgung an Beschaffung von Wohn- und Arbeiter- Häusern 200 000 Mk., zur Regulirun, der Wlldbäche und zur Aufforstung 106 OtO Mk., für Seezeichen und Bermeflungsarbeiteu 40 000 Ml., zur Beschaffung eines Schwimmdock« usw. alS 3. Rate 1'/* Mill. Mk. vor­gesehen. Die Militärverwaltung erfordert 2,4 Mill. Mark (- 78 000 Mk., die Eivilverwaltung 967 000 Ml. (- 167000 Ml.); für ArmtrungSzwecke «erden700 000 Marl gefordert.

Mtt einem Eesammt-Arthetl über den neuen Bor- anfchlag müffen wir zurückhalten, bis auf die weiteren «tat«, tnrbesondere Mlitär- und Marinertat, sowie di» Endzahlen vorfiegen.

Berlin, 20. Dezember 1902.

* Außer dem Etat wird nach Weihnachten den Illreadesvattz auch der Gesetzentwurf Über die kaufmännische» Schiedsgerichte be­schäftigen. Er wird, wie die,Hamb. N.' hören, dem Reichstage wohl noch im Januar zugehen.

so daß dar Parlament i« die Sage gebracht würde, fich in dem diesmalige» TaguNgsabschnitte mit nicht weniger als drei sozialpolitische» Entwürfen zu beschäftigen, und zwar außer mit der genannten Vorlage noch mtt dem Ge- setzentwnrfe über die gewerbliche Kinder­arbeit, der bereits die Vorberathung in der Kommiffion paffirt hat, und mit dem Entwürfe überdteVerhütung der Phosphornekrose.

+ Ate A«mdel»vertrags»erllartdkn»ge« werde», rote die offiziöse,Düdd. ReichSkorresp/ durchblicken läßt, bald nach Neujahr be­ginnen, und zwar einsiweilen ohne Kündigung der alten Verträge. Damit stimmt eine aus deutschen ReichstagSkreisen nach Wien gelangte Meldung überein, wonach Deussch- land die Handelsverträge derzeit nicht kündige», sonder» vorerst neue Verhandlungen einleiten will; erst wenn diese stocken sollten, würde die Kündi­gung erfolgen. Die deutsche ReichSregierung will die Kündigung der alten Verträge also einstweilen »och al« Druckmittel in Reserve hatte».

X Aie llat-ottsHttzeologisch- IafinUät i* Steatzsiurs kann jetzt alsbald inS Lebe» treten. Das Abkomme» hierüber zwischen dem päpstlichen Stuhle und der preußischen Regierung ist perfekt und seinem Inhalte und Wortlaute »ach am Samstag bekannt gegeben worden. ES entspricht in der Hauptsache dem Rkchtszustande, der für die älteren katholisch-theologischen Fakul­täten in Preuße« gilt. Die Ernennung der Professoren sollnach vorherigem Ein­vernehmen" mit dem Bischof von Straß­burg erfolge«. Bei den preußische« Fakultäten soll kein Profefforohne vorherige Rückfrage" bei dem Bischof angestellt werde», der das Recht hat, wegen begründeter Einwendungen gegen Lehre oder Wandel des Betreffenden feine Zulassung abzulehnen. Das 'ist offenbar kein wesentlicher Unterschied. Bem Bischof steht ferner das Recht zu, die Einrichtung einer Ersatzprofessur zu verlange«, wenn der 6«»eittae Jndab-r der Pro­fessur trotz gütlichen ZmedeuS dabei bleibt, durch Lehre ober Wandel sch als unfähig zur Fort­setzung feines Lehramt ll e> weist; sie Anstellung desselben als StaatSbrafefec bleibt dadurch un­berührt. Dem Bischof ßatd ferner die Bor- lesungSoerzeichniffr vorzultM und die Lehrbücher anzugeben. Sie Fakultät soll feine Bemerkungen über rein theologische Gegenstände ehrerbietig aufnehmen und nach Möglichkeit beachten. Auch hat der Bischof ein Auffichtsrecht Über die Pro- feffore» in ihrer Eigenschaft Geistliche und ist berechtigt, mit Borwiffen des Ministeriums die geeignete Zurechtweisung eintreten zu laffe». Andererseits hat die Kirche zugestanden, daß in dem Großen Seminar zu Straßburg, da« bisher die ganze Ausbildung der Geistliche» in Händen hatte, theologische Vorlesungen in den auf der Universität vertretenen Fächer» nicht gehalten werden dürfen, ein Ver­bot, das für andere Seminare nicht besteht. Nur »och die praktische Schulung zur Ausübung deS geistlichen Berufes soll dem Seminar obliegen. Anzuerkennen ist jedoch, doß die Fakultät eine sehr reiche Besetzung erhalten soll; siir Apologetik, christliche Archäologie und kanonischer Recht sollen besondere Lehrfächer eingerichtet werden. Die liberale Preffe begrüßt dieses

welchen Eindruck mein Besuch hinterlassen hat; nur verrachen Sie mit keiner Silbe, daß wir einander schon begegnet sind. Vor den Auge» dieser Leute müffen wir einander völlig fremd sein."

Dar werden Sie schwerlich durchführen können", sagte Hallstädt kopfschüttelnd.Madame Griesheim wird ja überzeugt sein, daß Fräulein Hagen Sie an ihre Freundin adreffirt hat."

Ich werde ihr da« auch offenherzig sagen, daneben aber erklären, daß ich noch kein« Zeit ge­funden habe, Fräulein Hallstädt zu besuche». Man wird mich überwachen; ich darf also in den ersten Tagen noch nicht »ach Brunnen reifen, wenigsten« nicht eher, bi« Sie Ihren Besuch in Luzern gemacht haben. Da« übrige findet fich bann später, warten wir den Erfolg de« ersten Schritte« ab."

Abermals schüttelte Hallstädt mit ernster Miene da« Haupt.

Sie werden leinen Glauben finden," erwiderte er;in die Falle, die Sie stellen wollen, wird man Sie selbst hineinstürzen lasse». Aber Sie müsse» dar wissen; ich für meine Person würde vorziehen, mich mit der Polizeibehörde in Ver­bindung z» setzen unb auf dem geraden Wege durchzugehen."

ThÄore billigte diesen Vorschlag nicht, fie theilte die Anfchannnge» be« Doktor«, und von dem Gelingen de« eigenen Plane« war fie z» fest überzeugt, al« daß fie auf denselben hätte verzichten möge».

Di« Pläne Gustav« wurden mit ihre» Einzel- Selten und allen möglichen Folgen noch eine ge­

raume Zeit besprochen, dann ging man zu einem anderen Thema über, dar für den alten Herrn mehr Interesse bot.

Am nächsten Morgen war die Spitz- de« Rigi in dichte Rebel gehüllt; der Sturm umheulte bett Gasthof, den nur wenige Personen auf kurze Zeit verließen, um in die wogende», wallenden Wolken- massen hinunterzuschauen.

Der so sicher erwartete Sonnenaufgang war in die Brüche gegangen; alle« drängte zum Bahn- Hofe, um den unwirthlichen Ort zu verlasse».

Theodore wollte mtt ihrem Vater di- zum zweite» Zuge bleiben. Gustav nahm Abschied von ihnen und fuhr bald darauf nach Bitzna« hinunter.

Die Mittheilungen Theodores hatte» seine» Groll gegen Elisabeth und deren Bruder gesteigevt statt der Liebe, die ihn einst an diese Frau fesselte, fand heute nur noch der Haß Raum ta seiner Seele.

Aar rS nicht genug damtt, daß fie ihn da­mals betrogen hatte? Was hatte er ihr getfem, daß fie heute wiederum daS Glück seines Lebens vernichten wollte?

Nach solche» Erfahrungen durste er leine Rücksichten mehr nehme», keine Schonung walte» lasten; der Kampf hatte eine Wendung genommen, die ihm alles zu raube» drohte, roa8 feinem Sefeu Werth verlieh.

Bei der Ankunft in Vitzna» lag daS Schiff schon zur Abfahrt nach Luzern bereit. Gustav wählte einen gute» Platz und musterte daran mit raschen, prüfenden Blicken seine Ressegefährten