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29. Jahrgang
Mut-a, Samstag, den 20. Dezember 1902.
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[] Moderne Religion.
In seiner eigene« Biographie erzählt einmal Alban Stolz, daß er in seiner Jugend zum Pantheismus sich hinzezogen gefühlt habe. „Bott selbst war in meiner Vorstellung eine Natmkrast, da- Prinzip der Natur, welches erst im Menschen- kopf zur höchsten Vollendung gelange." Daran knüpft er dann die Bemerkung: „Wenn in einem unwiffenden, denkblöden Mnderkopf nationalistische und phanteistische Religionsansichten zusammen, gerinnen könne», so scheint Nationalismus und Pantheismus nicht durch tieseS, sondern durch seichtes Denken sich zu erzeugen."
An dieses Wort des berühmten VolkSschrist. stellerS wurden wir erinnert, als wir ei» Büch, lein von M-yrr-Benfty zu Gesicht bekamen, das den stolze» u»d vielversprechenden Titel ttägt: „Moderne Religion", — aber weder etwas Modernes noch etwas von Religion enthält.
Nichts Modernes: denn was der Verfasser ootbringt, ist rin ausgewärmter Buddhismus und wenn der Verfasser die Religion erklärt als „das Gefühl des Zusammenhangs mit dem All" (6. 188) so ist das ein unberechtigtes Spiel mit dem Wort Religion, denn diese bedeutet zu allen Zeile« die Verbindung des Menschen mit Gott.
Für Gott aber hat der neue Religionsstifter keinen Platz in seinem Weltall, er wiederholt mit Nietzsche das Wort: Gott ist tobt. Und warum wird Gott für abgesetzt erklärt? Weil es in der Welt Leiden gäbe. Leiden und Urbel aber seien mit einer göttlichen Vorsehung unvereinbar. Herr Mr per deklamirt:
„Wer einmal einen von Hirngespinsten (d. h. religiösen Gedanken) ungetrübten Blick gethan in die Tiefen menschlichen Jammer-, in die bittere Noth, daS graue Elend, die nagende Pein, die Leib und Seele gleichmäßig zu Grunde richtet und so manches Menschenleben in lebenslängliche Todesqual verwandelt, für den ist eS c«8 mit der Vorstellung, als ob Verstand und Güte unser Schicksal lenkte», dem müffe» alle Theodizeen, alle Reden von väterlicher Züchtigung zu unserer Besserung, oder von väterlicher Gerechtigkeit von Schuld und Strafe als unsinnige Redensarten, wenn nicht als kalter, Herz- und finnloser Hohn erscheinen." (S. 15.)
Wir wissen nicht, wo und wie oft der Herr Meyrr-Benfiy einen Blick gethan hat in die Tiefen menschliche» Eiend-, er verräth das auch gar nicht. Jedenfalls haben Hunderttausende und Millionen von Menschen in de» schwerrn Stunden de« Lebens aus der christlichen Religion die Kraft geschöpft, des Lebens Last trage« zu können. Der Leidensmuth und der Duldermuth dieser Millionen, welche mit Nichte», an ihrem GotteSglauben irre geworden, steht einstweilen der Behauptung dieser Modernen entgegen, daß die Betrachtung deS UebelS in der Welt zum Unglauben führe.
WaS hat denn diese „moderne Religion" als Trostmittel zu bieten? Es wird uuS verfichert: „ES ist die Vollendung und der Sieg der modernen RUigion, daß sie uns lehrt, die» wirkliche Weltall, in seiner Ungerechtigkeit und Blindheit aller Vernunft, Moralität und Güte bar, «ne eS ist.
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ohne Anthropomorphismus und ohne alle fromme" Erdichtungen, als unsere» Vater zu em' pfinden und uns ihm nicht in willenlose^ Unterwerfung oder in düsterem Trotz gegenüber zu stellen, sondern mit kindlicher Liebe und Vertraue« hinzugeben." ($. 170.)
Mit Verlaub; we»n man die Bezeichnung „unfinnige Redensarten" brauchen will, so ist daS hier am Platze. Etwas Banalere- ist wohl noch fette* gesagt worden. Also diese- Weltall, da- nach dem Verfasser selbst nur „bittere Roth, nagende Pein, lebenslange Todesqual" de« Lebe» wesen bietet, das soll man als liebende» Vater »erehren an Stelle Gortes! Aber warum denn nicht an diesem selbst festhatten und dafür das blinde Schicksal auf den Altar setzen? Ja, wenn da- eine« bessere« Trost bieten würde I Aber das ist doch erst recht die Quelle der Verzweiflung! Oder sieht Herr Meyer in der Selbstmordmanie der Gegenwart eine» Beweis bei Lriben-mutheS und der praktischen Leistungsfähigkeit der modernen „Religion"?
Doch Herr Meyer nennt sich einen Zarathustra- Menschen und da wollen wir ihm die Antwort geben lassen durch seinen Meister Nietzsche.
Als eimnal D. F." Strauß das Weltall vsr- glich mit einer , ungeheueren Maschine mit eisernen gezahnten Rädern, mit schweren Hämmern und Stampfen, zwischen denen der Mensch elendiglich zu Grunde gehen müffe, und daun als Trost bei« fügte: „Es bewegen sich in ihr nicht bloß unbarmherzige Räder, es ergießt sich auch lindernder Del* — da richtete Nietzsche au Strauß die Frage: „Wie nennt man doch das Del, das an den Hämmern und Stampfen einer Maschine niederträufelt? Und was würde e« den Arbeiter trösten, zu wiffen, daß dieses Del sich auf ihn er« gießt, während die Maschine seine Glieder faßt?" (Vgl. Nietzsche, David Strauß, Der Bekenner und Schriftsteller.)
Wir erlauben uns, dieselbe Frage an Herrn Meyer zu richten hinstchtiich der Alls als einer „liebenden Vaters".
Ja gewiß, da« Nebel, die Leiden, die zehrenden Sorgen, — dar alles ist eine recht unangenehme Mitgift für den Menschen auf seinem Lebensweg, aber erträglich hat diese Last nur da» Christenthum mit seinem Kreuz und seiner Lehre von der göttlichen Vorsehung gemacht. Herr Meyer, dem diese Lehre eine unsinnige Redensart ist, muß sich hierüber von Karl Jentzsch (im Feuilleton der ,Franks. Ztg/ Nr. 338 v. 6. Dez. 1902) belehren lassen, daß aus den Marterwerkzeugen auf dem Dperatioustisch nicht auf die Grausamkeit de« Chirurgen geschloffen zu werden pflege. Ueber da« Universum al« „liebender Vater* hat Jentzsch den berechtigten Spott:
„Ein Scheusal, da« seine Kinder mit Haifischrachen frißt und mit glühender Lava verbrennt, da« mag ich nicht zum Vater; die Zumuthung, einem Wesen, da« hier al« Krokodil, dort als Vulkan, dann wieder als Pestbazillu« erscheint, mich mit kindlicher Liebe mb mit Vertrauen hingeben zu sollen, verdient gar keine Erwiderung.*
Da« ist ein verdienter Spott. Was man aber sonst zu bemerken Gelegenheit hat, daß nämlich der Haß gegen das Christenthum stet« mit einer bewunbernßwerthen Unkenntniß des christliche« Katechiimu« zusammentrifft, da« zeigt auch die Schrift „Moderne Religion" von MeyepBenfry.
eine- englische» Dampfers im Hafen von Puerto Caballo find allerding« nicht geeignet, Vertrauen z« dem friedlichen Vorschläge Castro» zu erwecken. Die Folge war zunächst die, daß die Fort» von Puerto Caballo von den englischen und dentschen Krieg», schiffen beschoffen wurden, bis der englische Dampfer wieder freigegeben und Genugthuung geleistet war. In De«tschland enb England wünscht man natürlich nicht, daß dieser Streitfall zu große Ausdehnung annehme. E» hätte doch etwa« Lächerliche- an sich, wen« zwei Großmächte wie Deutschland und England gegen einen Menschen wie Castro uud seine Räuberbande förmlich Krieg führen müßten. Das Zusammengehen mit England wird in Deutschland auch nicht überall gern gesehen, ebenso wie umgekehrt m England die Gegner der Regierung da» Zusammengehen mit Deutschland tadeln. Unter den gegebenen Verhältnissen war e» aber zweifellos doch da» Richtigste, daß die beiden Mächte ihre Forderungen gemein- schaftlich zur Geltung brachten. Gerade dadurch wird bewirkt, daß die Bereinigte« Staaten von Nordamerika, die einer einzelnen europäischen Macht wahrscheinlich nicht „erlaubt" haben würde», gegen eine« amerikanischen Staat Gewalt anzuwenden, sich einer möglichsten Neutralität befleißigen. Das zornige Gebühren der amerikanischen Presse zeigt deutlichlgenug, weffen man sich unter andern Umständen von Amerika zu verstehen hätte. Die Jingo» sind namentlich deswegen erbost, weil es Deutschland gelungen sei, England in seine Aktion mit hineinzuziehen und dadurch möglicherweise eine Entfrewdang zwischen den befreundeten angelsächsischen Nationen herbeizuführen. Wir glauben aber nach wie vor nicht an eine diplomatisch - militärische EinmischruH der Bereinigten Staaten; eher an eine finanzielle durch Uebernahme der Bürgschaft für eine venezolanische Anleihe zur Befriedigung der ausländischen Forderungen. Zum Danke dafür würde es dann eine finanzielle und politische Kontrolle über Venezuela, als ersten Schritt zur Herstellung einer Oberherrschaft über ganz Südamerika, einzuheimsen suchen.
Freundschaft mit der Sozialdemokratie schon etwa» rissig geworden zu sei», und der Anfruf, den der alte Professor Mommsen erlassen hat, um alle „wukuch liberalen Elemente gemeinschaftlich mit ver Sozialdemokratie in eine große Phalanx gegen „Junker" und „Genoffen" zu sammeln, hat merkwürdig wenig An- Nang gefunden. Nur wenige Tage spielte er in der Preffe eine Rolle. Heute ist schon wieder alles still davon. Die Freisinnige Bereinigung dürfte übrigens noch einen anderen Grund habe», um sich jetzt einer gemäßigtere» Haltung zu befleißigen. Sie spekuliere nämlich offenbar auf einen großen Theil der bisherige« nationalliberale« Wählerschaft, der mit der Haltung der Fraktwn im Reichstage nicht einverstanden ist. Diese Linksnationalliberalen werden um so leichter für die Freisinnige Bereinigung zu gewinnen sein, je mehr diese wieder die Allüren einer nationalen Mittelpartei anzunehmen scheint. So scheinen sich denn auf der liberalen Seite mancherlei Verschiebungen bis zu den nächsten Wahlen vorzubereite».
Aber auch von rechts her wird ein Keil in die bi»- herige Ordnung der Parteien hineingetrieben durch den Bund der Landwirthe, welcher bi» zum letzten Augenblicke der Zollvorlage eine schroffe Opposition gemacht hat und nun mit denjenigen Milgliedern der konservativen Parteien und der Nationalliberalen, welche die immerhin erheblichen Vorthelle, die der Zolltarif der Landwirthschaft gewährt, nicht abweisen wollten, fürchterliche Abrechnung halten will. Der engere Vorstand des Bundes hat ein Rundschreiben erlassen, welche» einen Kampfruf gegen diese Abgeordneten, in der Hauptsache aber gegen die konservative Partei al» solche bedeutet. Da» hat auch die konservative Partei erfaßt und sie hat daher bereits mit einem Gegenbeschluffe geantwortet, dessen Konsequenz eigentlich nur die sein kann, daß die mit dem Bund der Landwirthe durch dick und dünn gehenden Abgeordneten, namentlich aber Herr von Wangenheim al» Präsident des Bunde- und Herr Dr. Oertel al- Leiter de- Bundesorgans aus der konservativen Partei ihren Au-tritt erklären. Andererseits beabsichtigen, wie man hört, »och mehr Abgeordnete, die bisher dem Bunde angehört haben, aber mit dessen extremer Politik nicht einverstanden find, ihren Austritt aus dem Bunde der Landwirthe zu erklären. So bereitet sich auch hier eine reinliche Scheidung vor, die der konservativen Partei nur zum Siege gereichen wird. Sollte sie auch einige Mandate verlieren, so wird sie doch dafür an Festigkeit und Unabhängigkeit gewinnen. Der Bund der Landwirthe scheint mit den beiden antisemitischen Fraktionen, die sich auch im Reichstage ihm vollständig angeschlosse« haben, eine neue Agrarpartei bilden zu wollen.
Die einzige große Partei, die von allen diesen Auseinandersetzungen nicht berührt wird, ist das Centrum, welcher von jeher auf die peinlichste Wahrung seiner Selbständigkeit, ebenso wie auf den Ausgleich der verschiedenen «irthschaftlichen Interessen in seinen eigenen Reihen sorgfältig und konsequent Bedacht genommen hat. So steht denn das Centrum in vollständiger Einigkeit da und so kann ei getrost in den nächsten Wahlkampf hineingehen.
Da- Ausland gibt auch in dieser Woche einem Rundschauer wenig Stoff zur Betrachtung. Wenn man von Mazedonien und Venezuela abfieht. War diese interessanten Länder bieten, dürfte auch vollkommen genügen.
Die Reformen, welche der Sultan von Mazedonien auf dem Papier eingeführt hat, werden wohl nirgends ernst genommen. Sehr nachdrücklich beweist die» die russische Regierung, welche in einer Auslassung ihrcs amtlichen Organs dem Sultan zu Ge- müthe führt, was man von ihm erwartet. Aehnliche Schritte tote Rußland, dessen Botschaft in Konstantinopel wieder sehr thätig ist, hat auch Oesterreich-Ungarn unternommen. DaS Einverständuiß, welcher vor einigen Jahren in der Balkanfrage zwischen Rußland und Oesterreich hergestellt wurde, soll anscheinend auch eine neue Bekräftigung erfahren durch eine Reise des russischen Ministers des Aeußern nach Wien. Auch von Deutschland hat der Sultan nichts zu hoffen, wenn er dem Verlangen Rußlands und Oesterreichs nicht nachgibt. Seine Versuche, eine ernstliche Inangriffnahme von Berwaltungsreformen zu verschleppen, werden ihre natürliche Grenze finden mit dem Beginn des Frühjahrs, mit welchem auch der Aufstand aus's Neue ausbrechen und nach allgemeiner Auffassung weit ernstere Formen annehmen wird, als bisher. Allerdings könnte es dann für eine Beruhigung des Landes durch Reformen wohl zu spät sein. Einem Blutvergießen in Mazedonien wird Rußland und wahrscheinlich auch Oesterreich nicht lange ruhig zusehen können.
Die an Venezuela von Deutschland und England gemeinschaftlich vollzogene Vollstreckung ihrer Forderungen steht auch glücklich auf dem Punkte, daß die Blockade der venezolanischen Häsen durch die Kriegsschiffe der beiden Mächte nicht nur proklamirt, sondern auch „effektiv" ist. Wenn Castro Anfangs versuchen wollte, bewaffneten Widerstand zu leisten und sich auch bereits mancherlei Gewaltthate» zu Schulden kommen ließ, so hat er alsbald doch wohl eingesehen, daß er auf diesem Wege sich nicht retten kam. Er hat deshalb Amerika ersucht, ein Schiedsgericht in der Streitfrage zu vermittel». Nordamerika hat aber dieser Angebot nur geschäftsmäßig übermittelt, nicht aber unterstützt. Nachdem Castro in früheren Stadien der Angelegenheit schon wiederholt namentlich England gegenüber eine Schiedsgerichtserledigung abgelehnt hat, scheint man auf Seiten der Mächte nicht gewillt zu sein, den jüngsten Vorschlag Castros anzunehmen. Vielleicht mißtraut man auch dem Abenteurer und hält das Ganze nur für ein Verschleppungsmanöver. Die Zusammenziehung von Truppen in den Hafenstädten und die Beschlagnahme
Wochen-Knudschan.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 20. Dez. 1902.
®et Kampf um de» Zolltarif ist beendet: Nach einer neunzehnstündigen Sitzung hat der Reichstag am Sonntag stütz gegen 5 Uhr tntt 202 gegen 100 Stimmen den Zolltanf endgtlttg angenommen. Noch einmal hatten bie Sozial- demokraten alle Künste der Obstruktion sptelen lassen; ihr „Genosse" Anttick hielt eine achtstündige Da«er- rede, die längste, die jemals im Reichstag gehalten worden ist; eine Reihe von Verschleppungsantragen mußten überwunden werden u. s. to., aber alles half nicht», gerade die letzte Kraftanstrengung der Ob- Auktion dient- nur dazu, dar Ergebniß um so sicherer und schneller herbeizuführen und den Steg der Ordnnngsparteien über bte Obstruktion desto deutlicher und glänzender zu machen. E» ist altes deutsches Recht, daß der Unterlegene da» Urthetl schelten darf; de»halb wollen wir es den, Sozialdemokraten und ihren HilsStruppen weiter nicht übel nehmen, wenn sie «och einmal eine Bluthenlese aus ihrem Schimpswörterlixikon zum Beste» geben. Wett, aus die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes ist sicherlich froh, daß der langwierige Zollkampf einstweilen zu Ende ist. Richt nur die Landwirthe dürfe» sich freuen, daß der neue Zolltarif ihnen mancherlei Voltheile gegenüber dem bisherigen Zustande bietet. Auch die Industrie kann jetzt »ach der langen Ungewißheit wieder aufathmen, sie kann sich der ruhigen Zuversicht hingebeu, daß wir Handelsverträge bekommen, die für die nationale Arbett Deutschlands günstig sind; sie darf der Bttsicherung der Reichskanzler» vertrauen, daß auf der Grundlage dieses Zolltarife» langfristige Handelsverträge zu Stande komme« werden, und sie kann daher ihre Produktton wieder auf lange Zeit hmauS einrichten. Das ist aber die Lebensbedingung einer gesunden Industrie; sie kann ihre Rohstoffe vorthetl- haft einkausen und ihre Erzeugnisse gewinnen nur da»» einen sicheren Absatz wenn sie auf lange Zett hinaus ihren Bedarf sowohl wie die Nachfrage zu überblicken vermag. Diese, Interesse besteht aber ganz in demselben Maaße auch für die industriellen Arbeiter; sie können nur dann auf eine sichere unb auskömmlich bezahlte Beschäftigung rechnen, wenn die Industrie nicht durch die Unsicherheit der Exportverhältnisse gelähmt und z» äußerster Vorpcht und Einschränkung gezwungen wird. Dazu kommt, daß da« Centrum die ebenso im Interesse de« Landes wie der städtischen Bevölkerung liegende Aufhebung der städtischen LebenSmittelabgaben, auf die sich die Städte übrigen- einrichten können, da sie erst nach zehn Jahren in Kraft tritt, und die Verwendung der Mehrerträge bestimmter Lebensmittelzölle zur Anbahnung einer Wittwen- und Waisen-Versorgung durchgesetzt hat. Wen» die Sozialdemokraten über diese Erfolge des Centrum» höhnen und sie zu verkleinern suchen, so ist das nur der Ausdruck des AergerS darüber, daß die Sozialdemokraten nicht selbst uud nicht zuerst auf diese guten Gedanken gekommen sind.
Aus den Zugeständnissen, welche bte Regie- runge» dem Reichstage gemacht haben, laßt sich schon entnehmen, welch großen Werth auch sie auf das rechtzeitige Zustandekommen des Zolltarifs gelegt habe». Dem entsprechend haben auch der Reichskanzler Graf Bülow und die Staatssekretäre Graf Posadowsky, Freiherr von Thielm-mn und Freiherr von Richthofen zahlreiche Glückwünsche und hohe Auszeichnungen erhalten. Der Kanzler darf letzt mit Ruhe der am 1. Januar beginnenden Zett entgegensehe», in welcher an jedem Tage die Kündigung der bestehenden Verträge, sei es von unserer Seite, sei e8 seitens des Auslands, erfolgen kau». Wir sind gerüstet! Das Ausland mußte nun erkennen, daß Deutschland, wie der Reichskanzler betonte, nicht durch etn kaudinisches Joch hindurchgehen muß, sondern als der beste Käufer der Welt durchaus in der Lage ist, gletch- werthige Zugeständnffse des Auslandes zu erwarte». Die Unkenrufe der Freihändler, daß das Ausland auf Grund dieses Tarif» keine Verträge mit unS abschließen werde, werde» jetzt schon übertönt durch die ganz anders klingende» amtlichen und halbamtlichen Aenßerungen ans Rom, Wien und Pest.
Der lange und heiße Zollkampf hat natürlich Nach- toirkungen mancherlei Art im Gefolge. Die Auseinandersetzungen zwischen den Parteien und innerhalb derjenigen Parteien, welche die Einigkeit i» ihren eigenen Reisen bisher nicht herzustellen wußten, gehen weiter. Äe Nähe bet Reichstagswahlen gibt diesen Auseinandersetzungen eine erhöhte praktische Bedeutung. Auf Seite der Opposition herrscht nach der Niederlage be- grttflicherweise erst recht keine Einmüthigkeit und zuverlässige Kampfe-stimmung. Die freisinnige Volkspartei, welche die Obstruktion nicht mitgemacht hat, wird von den Sozialdemokraten und der sreifinnigen Bereinigung heftig befehdet. Die fteisinnige Bereinigung sucht sich dabei allerdings schon merklich zu mäßigen: ES wäre auch sonderbar, wenn gerade diese kleine Partei gar nicht da» Bedürfniß fühle» sollte, für die nächsten Wahlen nach Unterstützung nicht bloß bei der Sozialdemokratie sich umzusehen; oft genug to rb sie za gegen die Sozialdemokratie der Hllfe anderer Partoien bedürfen. — Dies z. B. schon demnächst bei der Wahl in Danzig. Auch scheint die allzu dicke
Gottesdienstordnung tu Fulda»
Sonntag, 21. Dezember. Do«. */i6,6 und 7 Nh« hl. Messe», 8 Uhr Umgang, Pfarramt, Predigt unb Kommunion der Schulkinder. */ilO Uhr Kathedralamt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl. Messe, 1'/, Uhr «ndacht und Christenlehre, 4 Uhr Predigt und Bruderschaft vom heiligsten Sltarsakrament, 7 Uhr Andacht in der Marienka« pelle. — Atadyffarr'.lrlor 51/, Uhr heil. Messe und Predigt, 8- . und 7 Uhr heilige Messe, 8 Uhr heil. Messe unb Kommunion ver Schulkinder, 91/« Uhr Amt und Predigt, 11 und l1/» Uhr Christenlehre, 8 Uhr fällt ex&, ö Uhr Andacht. — Pfarrkirche mm hl. «eiste. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 4 Uhr Andacht mtt Segen. — AobalUA. «/»IO Uhr. — MrnmeMlirche. 2 Uhr Her,.Jes», «ruderschaftsandacht. — J. 8. 2 Uhr Mutterhaus. — Frauenberg. Hl. Messen um 5 und */»7 Uhr, 8 Uhr Rosenkranzmefle, 9 Uhr Hochamt, 2 Uhr Predigt wto Andacht mit Umgang für die Fünf-Wunden-Bruderschast.
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