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J2 292. Jutta, Freitag, den 19. Dezember 1902. 29. Jahrgang.

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G Eisenbahnreformen.

Von der Personentarifreform im Königreiche Sachse» ist in den Blättern soviel die Rede, daß man daran- «ur schließen Ian». eS könne nicht mehr »eit bis zur Annahme der sächstschen Vor­schläge auch in anderen Bundesstaaten fein. Und doch ist schon früher gemeldet worden, daß die Vorschläge Sachsens von den anderen Bundes­staaten abgelehnt worden seien. Ebenso wird neuerdings verbreitet, daß die bayerische Regie­rung sich der sächsische» nicht anschließen würde. Andererseits will die .National-Aeitung' freilich wissen, daß diese Meldung mindestens verstüht sei, ebenso wie eS jene erste Meldung nach einer halbamtlichen Verlautbarung auS Dresden war. Jedenfalls scheint der Umstand, daß die sächsische Regierung ihren Reformplan unter allen Um­stände» durchführe» will, zu beweisen, daß sie mit großer Sicherheit wenigstens auf eine» späteren Anschluß der preußischen Verwaltung rechnet. Gerade die sächsische Etsenbahnverwaltung ist in so mancher Beziehung von der preußischen ab­hängig, daß ma» kaum annehmen kann, sie werde chren Tarif in einer Weise gestalten, welche der UebergangSverkehr nach und von Preußen un. günstig beeinfluffeu könnte. Unter diesen Um­ständen verlohnt es sich auch außerhalb SachsenS, die sächsischen Reformvorschläge sich etwas näher anzusehen.

Wir habe» schon als den Grundgedanken der sächsischen Reform nicht Ermäßigung, sondern Vereinfachung der Fahrpreise, und zwar mit einer Abrundung nach oben, bezeichnet. Bisher kostete nämlich das Kilometer bei einfacher Fahrt:

1. Kl. 8 Pfg., 2. Kl. 6 Pfg„ 3. Kl. 4 Pfg., 4. Kl. 2 Pfg.

Bei Rückfahrt:

1. Kl. 5'/- Pfg., 2. Kl. 4 Pfg., 3. Kl. 22/s Pfg., 4. Kl. 2 Pfg.

Laut Entwurf soll das Kilometer berechnet «erden mit:

1. Kl. 7 Pfg., 2. Kl. 4V1 Pfg., 3. Kl. 3 Pfg., 4. Kl. 2 Pfg.

Bisher kostete also Hin- und Rückfahrt zusammen für daS Kilometer in der

1. Kl. 13V, Pfg., 2. Kl. 10 Pfg., 3. Kl. «V- Pf,., 4. Kl. 4 Pfg.

Rach der Reform wird Hin- und Rückfahrt zusammen kosten in der)

1. Kl. 14 Pfg., 2. RI. 9 Pf,., 3. Kl. 6 Pfg., 4. Kl. 4 Pfg.

Daraus ergibt sich, daß die Fahrt in der 2. und 3. Kl. etwas verbilligt wird in der 1. aber etwas vertheuert, während sie i» der 4. Kl. sich gleich bleibt. Nu« wird kein »ernünftiger Mensch gegen eine Erhöhung des Fahrpreises der 1. Kl. etwas einzuwenden haben, sie dürfte sogar getrost noch etwas kräftiger ausfallen.

Wer nun aber glaubt, daß demnach die Reformvorschläge ganz in der Ordnung wäre» und für die mittleren Klaffen doch auch eine Lerbilligung bedeute», der vergißt der Zuschlag von 1 Pfennig auf daS Kilometer, bei Hin- und Rückfahrt also von 2 Pfg., der fortan für die Benutzung von Schnellzügen entrichtet werden soll. Bei Hin- und Rückfahrt werden aber de- kannüich vorwiegend Schnellzüge benutzt. Diese

Vertheuerung ist sehr erheblich und in mehr als einer Bqiehung ei» schwerer Rachcheil. Zu- «Schst wirkt sie in sozialer Beziehung ungerecht, da sie die Aermeren wie die Reichen ganz gleid i belastet; in der 3. Klaffe muß ebensowohl Pfennig Zuschlag gezahlt werde«, wie in der 1. Klaffe. Dan« aber bedeuten diese Zuschläge eine Durchlöcherung der erstrebte« Berei«fachu«g. Oder ist eS Vereinfachung zu nenne», wen» man i« Zukunft bei Benutzung von Schnellzügen zwei Fahrkarten lösen muß, die eigentliche Fahrkarte und die ZuschlagSkarte? Besonders für de» Durchgangsverkehr nach anderen Staate» ist der Zwang, sich streckenweise mit Zuschlagskarten versehen zu müssen, eine Plackerei und zugleich eine so wesentliche Vertheuerung, daß mancher Reisende fortan feine» Weg lieber nicht durch Sachsen nehmen wird. In Sachsen klagt ma» ja jetzt schon über die Umgehung SachsenS, bezw. über deren Begünstigung durch die preußische Eisenbahnverwaltung. Diese Umgehung wird »ach dec sächsische» »Reform' noch schlimmer werde». Dazu kommt der hier später in AuS- ficht gestellte Fortfall deS KreigepäckS; in de« Vorschlägen heißt eS: „Freigepäck wird zu­nächst fortgewährt". Mit anderen Worten: Später soll eS aufgehoben werden. Der Rei­fende, der aus PriußeZ kommt, wird also dem- nächst bei de« Uebergang auf eine sächsische Bahnstrecke sein Gepäck aufS Neue abwiegen lasse« u«d bezahlen müsse«; schon dieser Umstand allein wird jeden Reisende« mit Gepäck davox abschrecken, sächsische Bahnen zu benutzen.

Die sächsische Regierung will mit der neuen „Reform" nicht «ur sich selbst einige Bequemlich­keiten, namentlich aber erhöhte Einnahmen her­ausschlagen. Ob sie sich mit ihrer Vertheuerung des SchnellzugSverkehrS nicht in ihrer Speku­lation verrechnet, wird mindestens abzuwarten sein. Jedenfalls wirv man in Preuße« nur die Hoffnung aussprechen könne», daß ma» hier mit derartigen „Reformen" verschont wurde und in Bayern und den anderenjBuudeSstaaten wird die Stimmung jedenfalls die, gleiche fei». Trotz der fiskalischen Neigungen, die überall be den Regierungen vorhanden find, möchten wir einstweilen doch nicht glaube«, daß man ander­wärts die sächsischen Vorschläge ohne starke Aende- rungen annimmt.

Berlin, 18. Dezember 1902.

* Daxüerkaß de» Kronprinzen. Der Kronprinz hat an die Arbeiterschaft von OelS, die ihm bei seinem Eintreffen eine Ovation be­reitete, folgenden Dankerlaß gerichtet:

An die Arbeiter meiner Stadt OelS!

®8 ist mir eine aufrichtige Freude gewesen, daß fich viele Arbeiter meiner lieben Stadt OelS der Be­wegung angefchloffen habe», die heute überall durch die deutschen Lande geht. Ihr beweist dadurch, daß keine Gemeinschaft zwischen Such und jene» Elementen bestanden hat oder je bestehe»

wird, die eS gewagt habe», einem deutsche» Manne a» feine Ehre zu taste«, und daß Ihr gesonnen seid, treu zu Sure» Reifet und Bat erlaube zu stehen. DieS freut mich um so mehr, als ich mit meinen lieben Oelser» zusammen gehöre. 6e. Majestät der Reifet, mein geliebter Batet, AllethSchstwelchen ich von der treue» Sestnnnng, welche mir Euer Wortführer heute gelobt, Mittheilun, gemacht habe, hat hierüber eine freudige Senugthunng empfunden. Mir aber wird der heutige Ta, unvergeß­lich bleiben.

Schloß OelS, de» 16. Dezember 1902.

Wilhelm, Kronprinz.

+ §-r freikonservativeAöz. Ar. Arendt ist von einer BertrauenSmännerversammlung de« Bundes der Landwirthe in seinem Mans­feld« Reichstagswahlkreise abgesägt worden, weil er die Interessen der Landwirthschaft «ich genügend gewahrt habe, d. h. weil er für das Kompromiß in der Zollvorlage gestimmt hat. Arendt antwortet darauf mit einer Erklärung, worin er die ixtereffante Mitteilung macht, daß noch am 20. November der Kreisvorfitzexde des Bundes He« Brause-Dederstedt ihm seine Wieder­aufstellung für die nächste Wahl angekündigt har. Dazwischen liegt allerdings die Annahme deS Zolltarifgesetzes. Herr Arendt betont, daß die freikonservattve Partei (oder Reichspartei) stets die berechtigten Forderungen der Landwirthschaft vertueten habe, und erklärt, daß er de» höchste» Werth darauf lege, sein Mandat als völlig unabhängiger Max« wahrzuxehmen, uxd daß « fich diese Selbständigkeit auch vom Bunde der Landwirthe nicht beeinträchtigen laffex werde. Wir wollex eS Hoffex.

4- Adtttntf fte — Kommt fte nidH? Man kann dar Brethchenspiel jetzt wirklich auf die wiederholt angekündigte und ebenso ost wider­rufene Novelle zum Börsenzesetz anwenden. Während die theil« offiziösen, theil« gewissen einflußreichen Industrie- und Handelskreisen Dienste leistenden ,B«l. Polit. Rachr.' ganz bestimmt ver- stcherten, daß die Novelle noch in dieser Sesfion den Reichstag beschäftigen werde, bestreitet die ebenfalls vielfach al» offiziös geltende ,Reue Pol. Korr/ diese Behauptung ganz entschieden. Welcher Ossiziosu« Recht hat, können wir in aller Ruhe abwarten, denn di« Abänderung de« Börsengesetzes hängt nicht nur von den Regierungen, sondern auch — vom Reichstag ab.^ ____

+ Keine Aolktarifnovelke. Gegenüber der Nachricht, daß die Reichsregierxxg mit der Abficht umgehe, eine Zolltartfxovelle dem Parla­mente z« unterbreiten, wird offiziös auf daS Be­stimmteste versichert, daß sie jeglicher Be- gründuna entbehrt. „ES ist," so heißt eS tx d« betreffenden Kundgebung, „zweifellos richtig, daß der Zolltartfentwurf der Regierung aus der ReichStags-Kommisfion mit manchem Echönheits- fehl« herauSgekommen ist. Wir wollex nur auf die Papierzölle sowie einige Texttlzölle Hin­weisen. Aber es ist berechtigter Grund zu d« Annahme vorhanden, daß es fich ebenso, wie der Zolltarif in seiner jetzigen Gestalt eine vollständig genügende Basis für Verhandlungen über den Abschluß von Handelsverträgen bietet, wohl er­mögliche« lassen wird, bet diese« Verhandlungen auch die angedeuteten Fehler zu beseitigen." Auch wir haben bereit» die Nachrichten von einer

baldigen Revision deS Zolltarifs zurückgewiesen zugleich ab« die Wahrscheinlichkeit h«vorg«hoben, daß die vo« der halbamtlichen Kundgebung «» wähnten „Schönheitsfehler", speziell bei be» Papierzöllen, bei ein« spät«en Gelegenheit au«- geglichen werden.

* Die Zfreise der vier Getreidearte« habe» fich »ach der.Stat. Ko«/ im November nur wenig verä»d«t. Die Fleischpreise find im Allgemeinen etwa« zurückgegangen. Beim Schweinefleisch insbesondere beträgt der Rück­gang i» Bromberg, wo d« Preis im Juli d. IS. 135, im August 155, im September und Oktob« 150 betrug und im November d. IS. wieder auf 135 stand, 15 Pfg.; in Stralsund, wo im August d. IS. der Preis plötzlich vo» 130 auf 160 gestiegen war, sowie ix Kassel je 10, ix Danzig und Koblenz je 5, in Frank- furt a. O. 3 Pfennige. Dagegen ist ix Pofe« der Schweinefleifchpreis «euerdingS um 5 Pfennige gestiege«.

* Der jetzt erschienene stenographische Ke- richt über die letzte 18^/»stündige Sitzung der Reichstags umfaßt 104 Seiten. Daß « verhältnißmäßig so kurz ist, kommt daher, daß die 24 namentlichen Abstimmungen, die während dieser Sitzung statifanden, allein schon etwa 4 Stunden in Anspruch genommen haben. Die 8- stündige Rede des Abg. Antrick erstreckt sich über 861/2 Spalten. Er hat im Durchschnitt in bet Minute 160—170 Silben gesprochen. Er ist da« dar Durchschnittttempo einer msttelschnellen Rede. Der Redner hat natürlich, je länger die Rede dauerte, desto langsam« gesprochen.

+ Ki«e Katholische Lesehafle ist im Ro- vember 1901 in Trier im allbekannten „Roten Hause", das kurz vorher in städtischen Besitz übergegaxge« war, «öffnet worden, Träger deS Unternehmens ist ei« eigens dazu gebildeter Verein. Derselbe briugt die Kosten für Miethe, Reube- schaffungen re. durch Mitgliederbeiträge uxd Sammlung außerordentlicher Zuwendungen auf. Die Benutzung der aufliegende» Zeitungen uxd Zeitschriften und der vorhandenen Bibliothek von Nachschlagewerken und ca. 1300 Büchern an- allen Gebieten deS Wissens ist für sämmtliche Besucher kostenlos. @8 liegen auf: 13 Tages­zeitungen, 8 Sonntagsblätter, 8 illustrirte Monats­schriften, 8 literarische bezw. sozialpolittsche Hebet« fichten, eine Reihe Standes- und V«einSblätt«, 15 gewnbliche Fach blätter und einige Miffions- bezw. Erbauungrzeitschriften. Die Zahl aller im erste« Betriebsjahre zur Benutzung d« Lesehaie erschienenen Besucher beläuft fich auf 14 779. Die BesuchSziffer war, wie zu erwarten stand, im Winterhalbjahr verhältnißmäßig höh« und betrug 9759 gegen 5020 im Sommerhalbjahr Die monatliche Durchschnittszahl betrug 1234, die sonntägliche 80, die werktägliche 41, die höchste tägliche Besuchsziffer stieg auf 147. Kein ein­ziger Tag war ohne Besucher. DaS ist eine er­freuliche Frequenz. Sie beweist, daß die öffent­lichen Lesehallen einem Bedürfxiffe entgegen­kommen. Mögen ähnliche Unternehmungen,fich auch recht bald in anderen Städten bilden, «ro sie möglich sind. Bisher ist di« Zahl katholisch« Unternehmungen dieser Art noch sehr gering.

Die Wacht des Geldes.

Kriminal-Roman von Arthur Eugen Simfon.

1» ------ (Nachdruck verboten.)

»Benn ich es «un nicht thäte?"

„Dann würbe ich Dir Hindernisse in den Weg legen, die Du nicht überwind«« könntest."

„Bah, daraus erwüchse auch kein Vortheil für Dich!"

..Ich glaube das doch; ich würde in diesem Kalle Hallstädt in meine Salons einführen."

„Das kann ohnedies geschehen," s gte Gries­heim.

„Be«« ich die Pläne meines Bruders nicht durchkreuze« will, darf ich das «icht wagen."

„So denke i<ü auch," versetzt« Grün«; „in «nfere Geheimnisse darf er nicht eingeweiht werde«, wenn ich nicht von vornherein alles ver- lwex geben soll. Ich werde Dir Deine« An- theil gebe«, Elisabeth, dafür ab« o«la«ge ich, daß Du in dieser Angelegenheit mir mit Rath »ud That zur Seite stehst."

„Beides soll Dir «icht fehlen."

»And an de« Mißtraue« Hallstäbts, wie an der Klugheit seiner Tochter wird Euer Plan scheitern," sagte Griesheim, mit der Hand üb« den blonden Bollbart streichend. „Denkt doch nicht, daß diese« Märchen Euch alles glaubt; ich vermuthe weit eh«, daß sie uns nur deshalb so freundlich und scheinbar vertraulich entgegen« kommt, um im Interesse der Freundin zu spio- rüren."

Em spöttisches Lächeln umzuckte die Lippen Elisabeths.

„Was würde sie damit erreichen?" fragte sie. „Wir haben uns gegen jeden Angriff, der von jener Seite kommen könnte, fichergestellt uxd deshalb keine Spionage zu fürchte«. UebrigenS tragen die Aeußerungen Theodores den Stempel d« Wahrheit; ich glaube gerck, daß ihre Freun­din in gereiztem Tone geantwortet hat, und es würde mich keineswegs überraschen, wenn die Verlobung schon gelöst wäre. Varxay hat seiner Braut keinesfalls gesagt, daß er vor Jahren mit mir verlobt gewesen ist; fie muß an seiner Aufrichtigkeit zweifeln, und macht fie ihm Vor­würfe deshalb, so kann bieS Verhältnis in bet» selber Stunde zum Bruch führen."

„Und ich wiederhole, was ich schon so oft ge­sagt habe, man hätte besser di« ganz« Geschichte ruhen lass«» sollen," erwiderte Griesheim unwillig, „Hallstädt »ud Tochter würben vielleicht nie da­von «fahren haben. Hrllstä« hat mir zugesagt, uns in Luzern besuchen zu wollen; ich verfolgte dabei andere Zweck«; nun ärgert'» mich, daß ich ihn so dringend eingeladen habe."

„Wer weiß, wie die Dinge fich noch wenden," sagte Elisabeth; „ich »«be die Augen offen halten nnb unsere Interessen wahr«»."

Damit »ar da« Gespräch beendet; fie ver­ließen jetzt auch den Speisesaal und zogen fich in ihre Zimmer zurück. Der nächste Morgen fand die Reisegesellschaft wieder v«sammett.

Die Sonne schien so hell, wie am Tage zu­vor, dennoch zuckte der Kutscher auf die Frage Hallnädl«, ro « er von dem Wetter halte, bedenk­lich die Achsel«.

Gruner ging mit einem Scherz über die Be­denken hinweg; die Wolken, die in der Ferne am Horizont fich zeigten, konnten nach seiner Bchauplnng den Ausflug nicht zu Wasser machen.

Er war auch heute wieder der liebenswürdige Gesellschafter, der keine Einsilbigkeit und am wenigsten eine Verstimmung aufkommen ließ. Er hatte für alles Sorge getragen; einige Flaschen Wein und ein vortreffliches Frühstück befanden fich m Wagen, und man war ihm sehr dankbar für diese Fürsorge, deren Woulthat man doppelt em« ffand, al« die Wolken fich mehr und mehr zu- ammenballten und jetzt ei« seiner, kalter Regen unablässig niederrieselte.

Der Wagen mußte fest geschloffen »erden; Mantel und Tücher leisteten nun treffliche Dienste.

Die Kälte wurde immer empfindlicher, der naffe Nebel immer dichter; aber Gruner verlor auch jetzt die heitere Laune noch nicht, und seine Heiterkät half auch den anderen über die ärger- iche Stimmung hinweg, die solche Witterung in der Regel hervorzurufen pflegt.

Ma« speiste im Fmkahause und fuhr im Echueegestöb« zum Rhonegletscher hinunter.

Natürlich kam die gigantische Pracki ors Gletschers hinter dem wallenden Nebelschlei« nicht zur Geltung; man mußte wieder umkehren und war herzlich froh, als im Thale von Ander- matt die Sonne wieder die Heimkehrenden be­grüßte.

Ein Spaziergang z»r Teufelsbrücke wurde von Grün« vorgeschlagen und v,x den beide« Damen angenommen. Griesheim und Hallstädt blieben im Gasthofe zurück; sie zogen vor, bei einer Flasche Bino d'Asti eine Partie Piket zu spielen.

Gruner führte Theodore, er und Elisabeth unterhielten daS Mädchen in ein« so fesselnden und interessanten Weise, daß jede Müdigkeit ihm fern blieb, trotzdem der Weg ei» ziemlich weiter war.

Sie kehrten erst kurz vor dem Nachtessen zu­rück und fanden die beiden ix HallstädtS Zimm« noch immer beim Kartenspiel.

DaS Spiel mußte jetzt abgebrochen werben; Hallstädt legte die Karten hin und SrieShei« »«ließ ihn mit der Erklärung, daß « zu jeder Zeit bereit sei, Revanche zu geben.

„DaS hätte vermieden werden müssen!" zürnte Grün«, als er fich mit feinem Schwager «Bei» befand; „die Verabredung, die wir gestern Abend trafen, scheinst Du schon v«geffen zu haben."

„Was mußte vermieden werben?" fragte Griesheim «ihl.

„Das Kartenspiel! Du hast natürlich ge­wonnen?"

„Bah, eine Kleinigkeit, zehn Parthien zu ünf Franken — es ist nicht d« Rede werch."

„Mir ab« kann« den Spaß »«derben."

Griesheim warf daS Haupt zurück; ein trotzig« Zug umzuckte seine Mundwinkel.

„Du wirst nicht verlangen, daß ich so gvoße Rückfichte« auf Dich nehmen soll," sagte « t» barschem Tone; „um Deine Projekte kann ich mich nicht kümmern; 'eS find Privatzw.'cke, »en jenen ich nichts habe."

„Willst Du mir feindselig entgegentreten?* fuhr Grün« auf.

„Nein, das liegt »icht in meiner Absicht, ab« ich will mir auch die Hände nicht binden loffex. Verfolge« wir in dieser Angelegenheit unsere