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JuLöa, Dienstag, den 16. Dezember 1902.

29. Jahrgang.

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0 Nach dem Siege.

Der Kaiser, der sich während des ganzen Verlaufes des Zollkampfes eine vielbemerkte Zurückhaltung auferlegt hat, «ährend er bekannt« lich in derselbe« Zeit wiederholt Anlaß nahm, nach cwbetw Richtungen hin seiner Ansicht und seinen Wünsche« Ausdruck zu geben, hat jetzt nach Bollendung des Tarifwerkes doch gezeigt, daß er dir Bedeutung desselben würdigt und den Erfolg, den inSbesonderS der Reichskanzler Graf Bülow mit dem glücklichen Gelingen des Tarife- er« rungen hat, in vollem Maße anerkannt. Der Kanzler und seine Gattin waren am Sonntag beim Kaiser und der Kaiserin zum Frühstück ge­laden. Dabei überreichte der Kaiser de« Grafen Bülow dre Kette der Hohrnzollernordeus. Der Kaiser soll dem Grafen Bülow sogar die Er« Hebung in den Fürstenstand angedoteu, der Kanzler aber gebeten haben, davon Abstand zu nehmen. Auch die brtheiltgten Staatssekretäre erhielten besondere Auszeit nungen: Graf Posa- dowsky die Kette zum Großkreuz des rothen AdlerordenS, Freiherr von Thielmann, der Staats« fekretär des RrichSschatzrmtS den rothen Adler« srden erster Klaffe, Freiherr von Richthofen, der Staatssekretär deS auswärtige» Amtes den könig­lichen Kronenordrn erster Klaffe. Von den an­dern deutschen Fürste« war der König vo.n Sachsen der erste, welcher dem Reichskanzler gratultrte. Er beglückwünschte ihn telegraphisch »herzlichst zur Annahme der Tarifoorlage und zu dem hierbei erzielten großen Erfolge-.

Daß Graf Bülow und seine Staatssekretäre dem Tarifwerke eine ganz außergewöhnliche Be­deutung beimeffen, ging auch daraus hervor, daß stein der ISstündigen ReichstagsfitzunZ am Sams­tag und Sonntag bis zum Schluffe, also bis gegen 5 Uhr Morgens ausharrtsn. Allerdings zeigten sich auch die Reichßboten im große« und Janzen durchaus nicht ermüdet. Je weiter die Sitzung vorschritt, um so größer wurde dieSpannung und «m so lebhafter die Stimmung. Ma', kann den Männern, welche das deutsche Volk v-rtreten, nicht die Anerkennung versagen, daß sie eine ge­waltige, auch physisch bedeutsame Leistung mit dieser Riesensttzunz vollbracht haben. Nur ver- einzelt sah man einen Abgeordneten für einige Zeit in einer verlorentn Ecke der Ruhe sich hin- gebe». Im großen und ganzen waren über 3OO Abgeordsete nach Abschluß der Antrick'schrn Dauerrede immerfort am Platze. Wie ein Bienrr- schwarm wogte es im Saale. Man unterhielt sich aufs lebhafteste. Unaufhörlich eilten Abgeordnete die Bänke auf und ab, bald hier, bald dort eine Unterhaltung anknüpfend. Nur aus der sozial­demokratische« Sette war es still geworden. Singer saß regungslos da. Nicht einmal Antrick, der Rekordredner des Reichstages, hatte den Saal verlaffen, um der wohlverdienten Ruhe zu pflege«. Auch er saß still auf seine« Platze, zerstreut in einer Zeitung blätternd. Vielleicht sagte er sich jetzt, daß feine enorme Arbeitsleistung nichts ge-

Die Macht des Geldes.

Kriminal-Roman von Arthur Eugen Simson.

22 ------ (Nachdruck verboten.)

»Wohnten der Beerdigung viel Personen bei?"

»Nu: di« nächsten Nachbarn."

»Und wa« geschah nach dem Begräbniß?"

»Die Zimmer wurden gereinigt und gelüftet, dann kam alles wieder ins alte Geleise. Herr Gruner reiste einig« Tage später ab, und Madame sprach davon, daß st« ebenfalls verreisen wolle."

»Hatte ste diesen Entschluß schon vor meinem Besuch gefaßt?".

»Wenigstens hatte sie vorher schon davon ge­sprochen. Das ganze Mobiliar wurde unter der Hand verkauft; ich wußte e«, aber mich ging'» weiter nichts an, ich hielt « auch für da« Beste, «ich gar nicht darum zu kümmern."

»Gruner kehrt« von seiner Reise wohl nicht zurück?"

»Rein. Madame sagte freilich, er werde jeden­falls wiederkommen, aber ich habe von Anfang an nicht daran geglaubt. Sie selbst wollte zu einer Tante reisen; aber sie sagte mir nie, wo diese Tante wohne, ich weiß t» auch heute noch nicht."

Der Advokat heftet« den Blick erwartungsvoll auf 6«.

»Sie scheinen ein kluge« Mädchen zu sein", sagte er, »das geht aus dem Resultat Ihrer Br- sbschiungen hervor. Erinnern Sie sich nicht, daß -grau Griesheim« oder Trinkgefchirre selbst ge- niretgt oder ganz beseitigt hat? Denken Sie

nützt. Ste hat im Gegentheil der Mehrheit de« Entschluß eingegeben,de» »angebrochenen" Sonntag Vormittag noch vollends der Erledigung des TarifwerkeS zu widmen. Während draußen in der ReichStagSrefiauration der ReichSwirth die blanken Goldfüchse und Thaler zählt, die er der Obstruttion verdankt und dabei heimlich de» Vor­satz faßt, seine» Ctgarrenbedarf nur »och bei Antrick zu decken, während deffe» Rede ihm mehr­fach daS Bier ausgegangen war, find auch drir.xen im Saal die Schriftführer am Zählen. Sie zählen Sttmmkarten und zähle» ste wieder, damit kein Fehler das wichtige Schlußresultat beeinträchtige. Während dessen schon empfängt der Reichskanzler von vielen Abgeordnete« aus der Mehrheit die Glückwünsche. Er bat auch Grund, manchen der Abgeordnete« dankbar di: Hand zu schüttel», ebenso wie dem Präsidenten Graf Ballestrem, der vom Beifalle der Mehrheit umbraust wird, wie er die endgültige Annahme des Zolltarifs mit 202 gegen 100 Stimmen verkündigte. Nur aus de« sozialdemokratischen Reihe« klingt «och ei» geärgertes »Pfui!" herüber, was aber Graf Ballestrem nicht Übel nimmt, weil, wie er scherzend bemerkte, er es selbst einmal gebraucht habe und daher wiffe, daß es nicht so böse gemeint sei.

E« verlohnte sich wohl, diese Schlußszene in dem großen Drama noch einmal festzuhalten, denn nicht oft wird e« im deutschen Reichstage vor­kommen, daß seine Berathnngcn sich zu so dramatischer Höhe erheben. Die unterlegen« Sozial­demokratie knirscht, aber fir haben sich ihre Grube selbst gegraben. Nun, wo sie platt am Boden liegen, schleichen sich die Herren von der Frei­sinnigen Vereinigung, die sich beim wilden An­sturm tapfer an ihre Rockschöße gehängt hatten, schru bei Seile. Liest man dar ,Berliner Tage- Matt', so könnte man meinen, nur die Sozial­demokraten seien die Geschlagenen in diesem Kampf«. Wie ein galizischer Schnorrer, den man vorn zur Thür hinauswirft, hinten wieder herein- kommt, um auf andere Weise zu »ersuchen, ein Geschäftchen zu machen, so sucht auch Herr Dr.

,Berl. Tageblatt' der Situation bereit« wieder die beste Seite abzugewlnnsn. Nur ganz schüchtern stellt er es noch als fraglich hin, ob der neue Tarif, wie Graf Bülow meinte, zum Segen des Vaterlandes gereichen werd«. .Um­somehr" hofft er, daß auch mit diesem Instrument sich unsere Handelsbeziehungen zum Auslande »aufrecht erhalten lasten". Vor Tische la» man'» anders. Da konnte Herr Dr. Barth nicht genug prophezeien, daß mit einem solchen Tarif sich keine Handelsverträge machen lasten. Aber Herr Dr. Levysohn kommt schneller auf die Füße, als sein Parteiführer Barth; er denkt daran, daß bei Be- rathungen der Zünftigen Handelsverträge im Reichs­tage doch noch ein Geschäftchen zwilchen den Freisinnigen und der Regierung zu machen wäre. Schon heute gibt er der Regierung zu verstehen, daß sie dann in erster Linie suf die Unterstützung der Linken angewiesen sein werde. Wir zweifeln nicht, daß Graf Bülow über diese Fixigkeit, mit welcher die retirirende Freisinnige Vereinigung sich hinten herum wieder an ihn heranzufchlängeln sucht, herzlich lachen wird. Er wirb sich über­leg««, daß ihm di« Stimmen ver Linken zwar bei Brschlußfoffung über di« neuen Handelsverträge angenehm, daß sie aber nicht entscheidend sein

einmal nach, vielleicht taucht eine solche Er­innerung auf."

Das Mädchen schüttelte ablehnend das Haupt.

»Ich weiß scho«, woran Sie denken", er- widerte ste, »ich hab' ja auch einmal diese« Ver. dacht gehabt; aber ich mag nachdenken wie ich will, ich kann nichts finden, was diesen Verdacht bestätigt. Haben ste ihm etwas eingegeben, dann haben sie sich auch vor der Entdeckung zu sicher« gewußt, und es wird »ie herauSkommen."

Wer weiß!" sagte Gustav Varnay achsel- zuckend.Sie hege» auch Verdacht, aus Ihren Worten geht das deutlich hervor, und ein solcher Verdacht wird nicht aus der Luft gegriffen. Ist es Ihne« bekannt, ob Griesheim Geld oder Werthpapiere hinterlaffen hat?"

Geld muß sicher dagewesen sein; am Tage vor feinem Tode war der Tisch mir Gold und Banknote« bedeckt, und Madame saß davor und zählte das Geld."

Und sie hat «S mitgenommen?"

»Ob sie es mitgenommen $at oder ihr Bru­der kan» ich nicht sage«; ich weiß «ur, daß ich eS an jenem Tage gesehen habe und daß eS eine große Summe gewesen sein muß. Madame hat nur eine« kleine» Koffer mitgenommen; einen großen Theil ihrer Garderobe verkauft« sie vor­her für ei«e» Spottpreis."

Wenn ich das alles nur früher gewußt hätte!" sagte der Advokat ärgerlich.Die Siegel mußten sofort angelegt werde»"

Dar hätte Ihnen auch nichts genützt, Herr Doklor, die Leute waren mit allen Hunde« ge« hetzt! Wie ost ist Ihne» mit einem Prozeß ge-

werden. Auch nach den nächsten Wahlen wird bi« Entscheidung weder bei den Exttemeu recht», noch links, sondern bei der wahren Mittelpartei, dem Centrum, liegen und nächstdem bei den National- liberalen, die ja auch nur eine Politik der mittleren Linie verfolgen können.

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Berlin, 15. Dezember 1902.

+ M«e NanKsagnu« erläßt im Namen des Reichstags-Eentrums Graf Hompesch an alle Verbände, Vereine und Versammlungen ka­tholischer Männer aus allen Theilen deS Reiches, welche durch ihre so warme Zustimmung zum Verhalten der Centrumspartei in ihrem schweren Kampfe gegen die Obstruktion und in Bezug auf den Zolltarif ihre vollste An« erkennung dargebracht und dadurch ihr eine so große moralische Unterstützung gewährt haben."

'+ Mommsen junior, Bankdirektor und Stadtverordneter In Berlin, ist von der Frei­sinnigen Vereinigung als Reichstagskandidat für Danzig ausgestellt wo.de«.

+ 3M« Strafverfahren gegen bett .Aorrvärts' soll nach einem Ersuchen der Fa­milie Krupp an die Staatsanwaltschaft ein­gestellt werden. Der ,Berl. Lokal-Anzeiger' begründet diesen nicht unbedenklichen Schritt mit der Krankheit der Fran Krupp, die den Auf­regungen eines solchen Prozesses nicht gewachsen sei, und mit der Erwägung, daß die Ehre Krupps nach de« imposanten Sympathiekuubged. «gen für den Verstorbenen eines weiteren Schutzes nicht mehr bedürfe. Wir haben der Familie Krupp selbstverständlich keine Rathschläge zu geben, fürchte« aber, daß sie sich hinsichtlich der Wirkung ihres Verzichtes einer schweren Selbsttäuschung hingibt.

+ Die Mehrheit de* Ateichstase«. welche in der Gesammt-Abstimmung für das Zolltarif- Sssttz stimmten, setzt sich aus 86 Mitglieder« deS CrntrumS, 29 Konservativen, 20 Abgeordnete der Reichspartei, 48 Nationalliberale, S Deutsch-Han­noveraner, 6 Pole«, 4 Elsaß-Lothriugern und 4 Fraktionslosen zusammen. Das Crnttum hat bis auf den Abgeordneten Gzmula, der sich der Abstimmung enthielt, geschloffen für das ganze Gesetz gestimmt. Von be« Konservativen stimm­ten 12 gegen das Gesetz, von den Nationallibe­ralen der Abg. Büsing. Der Parole deS Ban­de» der Landwirthe, welche die Ablehnung der Gesetzes forderte, folgte« also nur 12 Konserva­tive, ferner die Antisemiten und einige Fraktions­lose, im Ganzen 25 Mann, während 42 andere ReichStagS-Abgeordnete, die ebenfalls dem Bunde der Landwirthe angehören, für § 1 des Zollgesetzes mit dem Anträge Rarborff stimmten und, wie eine parlamentarische Korrespondenz auS glaub- würdiger Quelle erfährt, werden diejenigen Bundes- Mitglieder, die für be« Antrag Rorborff ein« getreten sind, an der Spitz« des gesammten schlesi­schen Großgrundbesitz?- «och vor Wiederaufnahme derReichsta^s-Sitzungen ihre Scheidung vom Bunde vollziehen. Inzwischen bläst die.Deutsche Tageszeitung' »frisch auf zu weiterem droht worden! Sie lachten darüber, sie sagte« den betrogenen ins Gesicht, wenn sie sich nicht gedulden wollten, würden sie gar nichts bekom­men, denn es fei gar nichts da. Dagegen war nichts zu mache«, Geld hätte« sie in unserem Hause niemals gefunden."

Wurde eS so gut versteckt?"

D.e Schatulle, in der es lag, stand im Schlafzimmer unter dem Fußboden; wer das nicht wußte, suchte sie da sicher «ichl. Aber sie wollten mir ja andere Mittheilunge« machen"

»Jetzt noch nicht", unterbrach der Advokat sie rasch,es hängt eben aller von de« Sntdrckunge« ab, die ich noch zu machen hoffe. Ich wiederhole Ihne«, Sie werde» eine glänzende Belohnung erhalten, wen» meine Nachforschungen den ge­wünschten Erfolg habe»; aber dazu ist ei vor alle« Dingen «öthig, daß sie die strengste Ver­schwiegenheit beobachten. Niemand darf erfahren, daß wir über diese Angelegenheit gesprochen haben; mit keiner Silbe dürfe« Sie verrathe«, welche Frage ich an Sie richtete und welche Antwort Sie darauf gaben. Wollen Sie mir daS versprech«»?"

Sie habe» mich nur auShorchen wollen?" fragte das Mädchen unwillig.

Ich habe nur wiffen wollen, ob meine Ver- muthungen begründet find, und ich will Ihne» nicht verhehlen, daß Ihre Mittheilungen Werth für wich haben. Vielleicht werde ich mich später auf Ihr Zeugniß berufen; bis dahin verlange ich Schweigen, Sie solle» mit dem Lohn zufrie­den fein."

Das Mädchen wagte nicht, einen Einwurf zu

Rampfe"; für ober wider! das müffe die Losun bei den Wahlen fein. I» Danzig und Röntg»* berg hält der Bund am 19. Dezember Ver­sammlungen ab, in denen Herr v. Wangen ­heim und A. Rösicke sprechen werden.

X Der Kttttd der Landwirthe erläßt, unterzeichnet von seinem engeren Vorstande, dem Abg.Freiherrn.v. Wangenheim, Dr. Rösicke- RaiserSlautern und Dr. Hahn ein Rundschreiben an die Wahlkreis- und BezirkS-ISorfitzenden, so­wie an die Vertrauensmänner des Bundes, worin auSgesührt wird, man müffe einen Unterschied mache« zwischen dem Bestreben, die Obstruktion der Linke« niederzuwerfen, und dem wirthschastS- politische« Inhalte deS Antrages Rarborff, welcher die gerechteste« und wichtigste« Forderun­gen der Landwirthschaft aufopfere. Der Rampf um die Ordnung im Reichstage habe den Blick vielfach von dem Kernpunkte des ganze« Zoll­kampfes abgelenkt. Das Rundschreiben, das in der .Deutschen TazeSztg.' drei eng gedruckte Spal­te« umfaßt, wiederholt im llebrigen «ur die be­reits bekannten Redewendungen der landbündle« rische« Preffe, die von keinerlei Rücksicht auf die thatsächliche« Verhältnisse, auf dasjenige, was erreichbar ist und was nicht, angekränkelt find. Mit diesem Standpunkte, alles oder nichts, erreicht man bekanntlich stets nur be« zweiten Theil dieser Alternative, das Nichts, wenn sich so nicht andere Leute finde», die das Erreichbare unter Dach und Fach bringen. So ist eS glücklicherweise i« diesem Falle. Der Bund der Landwirthe hat daher leicht renommiren mit feinerunentwegten" SefinnungS« tüchtigkeit. Daß man irn Lande draußen die Ver- hältniffe, wie fie wirklich find, vielfach weit »Üch- termt und verständiger beurtheilt unb zu würdi­gen weiß, beweist die bedeutungsvolle Absage, welche der WahUrers-Vorsitzenbe deS Bun­des der Landwirthe für be« Wahlkreis Hof i« dem ,Hofer Anz.' a« die lb reffe bet Berliner Leitung des Bundes erläßt. Er erklärt, baß er die BundeSführuug im Wahlkreise niederlege und aus hem Bunde der Landwirthe aus* trete. Er begründet diesen Schritt damit, daß er nach Auszählung der Vortheile des ZolltarifeS der Regierungs - Vorlage für die deutsche Land­wirthschaft die Forderung erhebt, alle der Land­wirthschaft wohlwollenden Abgeordnete« müßten für die rechtzeitige Verabschiedung deS ZolltarifeS eintreten. Da die Central-Leitung des Bundes der Landwirthe anderer Meinung sei, so trete er auS. Der, Hofer Anz/ bemerkt, dieser Standpunkt decke fich genau mit dem anderer maßgebender und einflußreicher Landwirthe und Großgrund- befitzer des Bezirkes. Auch das Hauptorgan der konservativen Partei, die.Kreuzzeitung', hat dieBedeutungbeSRundschreibenS voll erfaßt.J« einer Polemik ihrer Nr. 585 vom Sonntag schreibt fie:

»Der engere Vorstand deS Bunds» erläßt in »er­stehendem Rundschreiben einen Kampfruf gegen die­jenigen Mitglieder der konservativen Partei die au» gewiss« yafter Ueberzeugung der Landwirthschaft nnd dem Ge­meinwohl dadurch am besten zu dienen glaubten, daß fie der Verständigung in der Zolltartffrage beitrat«, so stehen wir dieser Kundgebung gelassen gegen»»«. Wie weit dieser Kampfruf wirksam sein wird, hängt nicht allein vom engeren Vorstände, sondern vielmehr von der Mitgliedschaft deS Bunde» der Landwirthe ad. Ob diese in überwiegender Zahl geneigt sein sollte, einen Bruch mit der fonfer» »atioen Partei gutzuheißen, wird vorläufig in Ruhe abgewartet werben können."

machen; der ernste, strenge Ton, den der Advokat ar. schlug, hatte sie eingeschüchtert; sie fühlte wohl selbst, oaß sie in ihren Acußerungen zu weit ge­gangen war, um j-tzt noch einen Protest erheben zu können.

Sie entfernte sich mit dem Versprechen der strengsten Verschwiegenheit, und Gustav Varnay stützte bas Haupt auf de« Arm unb versank i» Sinnen.

Er hatte jetzt volle Gewißheit, daß Elisabet- ebenso schuldig war wie ihr Gatte; die Aussagen der Magd ließen in Bezug auf diesen Punkt kein« Zweifel «e^r »uskommen.

Wie war da» nur möglich! Nie hätte er ge­glaubt, daß sie, die ein« seine volle, hingehende Liebe besaß, so tief sinken könne. Sie war die Mitschuldig, ihre» Gatten, und jetzt blieb auch die MöglichkeÜ nicht ausgeschlosien, daß fie durch ei» noch schlimmere» Verbrechen den Galten beseitigt hatte, um fich in den Besitz der Versicherungs­summe zu bringen.

Ihr Bruder mochte zuerst die ruchlose Idee ausgebrütet haben; wer konnte es wiffen, welche andere Gründe hinzvgrtreten waren, um ihr die Beseitigung des Gatten al» wünschenswerth er­scheinen zu lassen!

Es war em furchtbarer Verdacht, aber er ließ fich jetzt nicht mehr zurückdrängen. Gusta» Barnay fühlte, daß er keine Ruhe fand, bl» er fich volle Gewißheit verschafft hatte.

Wo aber sollte er fie suchen?

So lange sein Verdacht fich nicht auf bessere Beweise stützen konnte, durfte er nicht die Orff- nnng be» Grabe» verlangen; überdier wünschte