„Wie groß ist der Betrag?"
„Zehntausend Thaler."
Gustav Barna, fuhr langsam mit der Hand »der de» dunkeln Bollbart; e« war ihm selbst peinlich, die »erzichtleistung auf die Summe von ihr |H verlange«, aber wie die Dinge jetzt lagen, konnte er nicht anders, er mußte da- Anfinne« an fie stelle«.
„Ich gebe Jh«en zu bedenke«, daß Sie vor ei«er ernsten Frage stehen," sagte er. „Fräulein Hagen wird aus eine gerichtliche Berfolgnng verzichte», wenn sie daS Geld, das chr ganze- Ben- mögen bildet, zurückerhält; ich rathe Ihne«, ihr die Pol er vorläufig zu übertragen, damit fie et« fichere« Unterpfand in Händen hat; später möge« Sie dann mit Ihrem Bruder berathen, in welcher Weise die Schuld getilgt werden soll."
„Und da» könne» Sie von mir fordern?" et» wkberte di« Wtttwe entrüstrt. „Sie selvfi wolle» mir dm Bettelstab in di« Hand gebe« und mich ar« »nd hilflos in« Llend hinaustreiben? Das hätte ich «immer geglaubt — ein« unedlen Bache hielt ich 6ie nicht fähig! Vergangene Sreigniß« möge« Sie berechtigen, mir Borwürfe z» machst, aber Sie haben nicht da« Recht, Rach« an mir M üben."
Der Advokat preßte die Zähn« auf die Unter« kippe; er hatte diesen beletdtgenden «orwnif er» wartet; dennoch konnte er nur mühsam dem «roll gebieten, der in seinem Inner« auffiieg.
„Sie greif«« mich persönlich an," sagte er, „und doch wißen Sie. daß ich hier nur krast «eine« Amte« d«u Auftrag einer anderen Pers,» vollziehe. Eie, wie Sie sich «»«drücken, an d« Bettelstab bringen, kenn wahrUch nicht in meiner
A«» dem Reichstage»
282. «ttzung oata 9. Dcjcwtcr 1802,1 Uhr.
Auf der Tagesordnung steht die verathung deS Ln- traae« Sribrr-Basferman« und Ben. auf Ab« Luder«», de« § 44 der Geschäftsordnung» Die neue Fast««« soll dahin laute« daß da« Woit zur Geschäft »ord «ung nut nach freiem Scmeffe« de« Präsidenten erthrtlt «erde» soll. Auch soll et«« Bemerkung zur Geschäftsordnung die Dauer ne« fünf Minute« nicht übersteigen dürfen.
Ab«. Siwe« <«»».), »ur Geschäftsordnung, erhobt Widerspruch da,«,«», daß dies«r Autra, außerhalb b«t Reihe ter I itiativauträ,« zur «rrhandluu, kommt. Lr beantrage daher Absetzung de» «e,»«stand«« von der Tagesordnung.
Ab,. Baffermaww (Ratl.) bittet um Ablehnung diese» «ntra,r». Die »erhandln«,e« fce» Hause» vom 12. Dezember stellten hinreichend klar, daß e» sich bet Berathun, de» vorliegenden Antrag» um einen Recht», bruch, wie Vorredner e» nannte, nicht handele. Zur Sache sei die Majorität jederzeit in der Lage, ein, •«» schäfrSordnung, die ihr nicht »esalle, zu ändern. Die Arr, wie di» ä ßerstr Link» dir Aaläs ^gkeit von Bemerkungen zur Beschäftsordnun, au»,«nutzt habe » langen Reden, sei geradezu eine Verhöhnung der Mehrheit de» Hause» g« esen. (Rufe: Sehr richtig! Sein« sämmtlichen Freund« würden den Antrag Gröber an- «rhmen. (Beifall bet der Mehrheit.)
Nachdem Ab,, ^achwick» (fr. »g,.) sich Singer an- geschloffen, wird die Absetzn«, von der TageSordn^n, abgelehnt mit 225 gegen 56 Stimmen bei 10 Stimm«, enchaltnngen. «
Das Hau» tritt dann i» die Berathun, de» An- tra,«» Gröber ein.
Ab,. Atiitt (6e«tr ) erinnert an di« Vorschläge, »eiche f. Z. t« der Nationalversammlnn, in Frankfurt
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Siflrit»» einspaltige
Fuldaer
mit (kB KeNagen
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29. JahrgMg
M 284.
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ibrigenS ein Antrag Singer, de» Gegenstand vo« ^bisherigen Erfahrungen »ahezu werthlos sein
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(Nachdruck verboten.)
•ra« n» tk*m m Jattotr lutUimAM OtkHwS« 8». 1 OararaUK
Pie Macht des Geldes.
KrimIuMRoman vo« Arthur Eugen Simson.
Erscheint täglich, w, »oSnahme der G«w-«ud Fein»
„Ich kann Zhnen darüber nicht- sagen, Herr Dvüor. Vielleicht hat Roderich selbst nicht gewußt, daß dieser Schmuck unecht ist; er kann ebenfaö» betrogen worden sein."
„Da« läßt fich wohl nicht «»nehmen," fegte Gustav Darrtay, während er da« Etui wieder schloß. »Ist Ihnen von einer Erfindung etwas bekannt, bie Griesheim gemacht habe» soll?"
.Mein; ich wiederhole, daß er über feine Ge» fchäftz-angelegenhett«» nie mit mir gesprochen hat."
„Heber Hoffnungen, die fich an solche Er- studnngen knüpfe», pflegt man doch mit seine» Ungehörigen zu sprechen."
„Roderich war in dieser Beziehung sehr ver- schloffen; bie Schuld mochte auch wohl an mir Hegen, ich yabe vielleicht z» wenig Theiluahme ge- zelgt."
„Ahr Bruder war mit Griesheim aßocirt?"
„Auch darüber habe ich nie »olle Klarheit er« halten."
»6« weichen mir aus," sagte der Advokat in vorwurfsvollem Ton«; „aber ich werde trotzdem «fahren, wo« ich ,u wißen wünsche; ich bin fest entschloßen, da« Interesse meiner Klientin energisch M wahr«»."
Ei» spöttischer Zug umspielte die Lippen Elisa» bettz».
,M kann Ihnen nur da« sage», wo« ich weiß, erwiderte fie; „und klage« Sie meine« »**
Oamtn di« P uiU 2ö Pf g. ; Diedrrholu-u
>er Tagesordnung abzusetzen, abgelehnt worden. Der Antrag Gröber ist also Gesetz, und er zeigte eine praktische Bedeutung auch alsbald bei der nachfolgenden Fortsetzung der Zolltarif« beraihung. Die „Genoßen" Baudert, Reißhau«, Singer, Grünberg, fie alle mußten erfahren, daß die „Bemerkungen" zur Geschäftsordnung jetzt wirklich ihren Namen verdienen, Reden über alle« Mögliche aber unzulässtg find. Herr Singer ward darüber, daß Vizepräfibent Büsing tgn ragte, worüber er zu sprechen wünsche, so zornig, daß er rief: „Wir verzichten darauf, wie Schulbuben behandelt zri werden." Dafür erhielt er einen Ordnungsruf. Im Uebrigen wiederholte sich immer wieder da« beliebte Spiel mit den Anträgen auf Rückverweisung au die Kommission und auf Uebergang zur Tagesordnung darüber. Der Unfug fand aber wirksame Schranken n der Begrenzung der Redezeit bei solchen An- rägen zur Geschäftsordnung auf 5 Minuten. Immerhin hatte die Obstruktion für heute noch eine große Hoffnung: da« Referat de« „Genoffen" Reißhau«, da« schon gleich in dem bekannten langsamen Tempo snhebt» Bi« zu diesem Augen» blick, in welchem mir unseren Bericht schließen müssen (8 Uhr), hat Herr Reißhau« 5A Stunden geredet, und er scheint noch lange nicht zu tzuse zu sein. Nachher wird man wohl die Weiter« berathunz auf Mtttwoch vertagen. Wen« Alle« gut geht, bann dürste die 2. Lesung Ende dieser oder Anfang« nächster Woche zu Ende gehen. Ob die dritte Lesung noch vor Weihnachten vorgenommen werden soll, steht noch nicht fest. Alle Zeitungsmeldungen darüber sind nicht« al« Vermuthungen.
+ Der DekeGirientag der bayerische» Heutr««»Partei, der am nächsten Montag und Dienstag stattfinde» sollte, ist mit Rücksicht auf die Unsicherheit der parlamentarischen Sage verschoben worden. E« ist klar, daß bie bayerischen Abgeordneten von den Zollberathungeu, falls — was sehr wahrscheinlich ist — diese bis i» die nächste Woche hineindauern —, nicht zwei Tage, auch nicht einen Tag fernbleiben tonnen. Hoffentlich ergibt fich demnächst ei« günstigerer Zeitpunkt für den Delegirtentag.
• Dem Reichstage ging eine Denkschrift des Ztzeich»ü«nzker» zu, in der Bezug genommen wirb auf die Rekla mat ione» Deutschlands gegen Venezuela. Die Denkschrift besagt:
Venezuela «atz bet kaisetl. Regierung durch die Be tzaudlung der deutschen «ellawattonex zu ernsten Be> schwerdeu Anlaß. 9» handelt fich um Forderungen ü Venezuela wohnender Deutscher und um Ansprüche deut scher Unternehmer wegen Nichterfüllung der von bei venezulantschen Regierung vertragsmäßig üdernommen« Berdtndltckkeiten. Während der letzten Bürgerkrieg« tf dort ansässigen Drutschrn durch Erpressung, Zwang» anleih««, Wegnahme d«» «iehe» und Plünderung de Häuser und Ländereien bis 1900 «in Schaden von runl 1,700,000 Volivare», au» dem neuesten Bürgerkrieg allein von rund 8 Millionen BsltvareS erwachsen. An melfach« Reklamationen erließ die venezolanische Re giernng am 24. Januar 19(1 ein Dekret, nach dem ein lediglich an« venezolanischen Beamten bestehende »o« missten über Reklamationen ent,cheiden sollte. Diese! Dekret erschien unannehmbar, weü ersten» all au» der Zeit vor Castro» Präfidentschaft stam menden Ansprüche unberückfichtigt bleiben, zwei ten» jeder diplomatische Einspruch aukgeschloffe,
Untersuchung«nchter überlaßen. Wen« Ihnen ba Andenken an den Berstorbeuen theuer ist, bau beugen Sie btt ge:ichttichen Unteesuchung vm Sie würden dadurch auch Ihrem Brnder eine großen Gefallen erzeigen."
„Wie kann ich be$ V
„Einfach dadurch, daß Sie die gerechten Av sprüche de« Fräulein Hagen befriedigen."
„Ich kenne diese Ansprüche nicht."
„Die Dame istum zehutauseno Thaler betröge worden."
„Da« bedauere ich, aber ich bin nicht in de Lage, ihr die Summe »urückzahlen zu können."
„Bielleicht befindet fie fich noch in dem Nach laß Ihre« Manne«.'
„Da» ist sehr unwahrscheinlich."
„aber immerhin möglich. Roderich Griesheir hat diese« Geld erst kur, vor seinem Tode ii Eisenbahn Obligationen empfangen; diese Werth papier« könnten fich ja hier »och vorfiuden."
„Dann müßte ich sie längst gefunden haben' „Haben Sie de» Nachlaß schor geordnet?"
„So wett er zu ordne» war, jawohl," er widerte Elisabeth, seinem forschenden Blick ml ernster Ruhe begegnend; „ich habe keine Werth papiere entdeckt."
„Und Sie haben auch leine Ahnung davor wo sie geblieben sein könnten?"
„Richt die geringste I Ich weiß nur, daß »i derich Schulden hinterlaße» hat, die zu deck« «eine Mittel nicht «mreicheu werben."
„Sie besitzen eine Lebensv«ficher»»g«'Poliee?
„Die mir wahrscheinlich erst dann ausbezahl wirb, wenn ich meine Rechte auf gerichtliche» Wege geltend gemacht habe."
würde». Nachdem alle «ersuche de» Mimsterrefideuten in Caracas, da» Dekret in diesen drei Punkte» abzu« ändern, gescheitert waren, erklärte er bestimmt, daß die kaiserliche Regierung fich nunmehr genöthigt sehe, dem Dekret Überhaupt ihre Anerkennung zu ver- sagen. Sehnliche Erklärungen gabeuauch England, Amerika, Italien, Spauten und die Nieder, lande ab. Da Venezuela auf dem Standpunlt beharrt, daß «8 die Fremden nicht ander» al» die Staat»« angehörigen behandeln könne und daß es die Reklamationen als innere Angelegenheit betrachte, hat die kaisert. Regierung die de«t,chen Reklamationen selbst geprüft und. soweit sie begründet sind, bei der venezolanischen Regierung anhängig gemacht. Venezuela stellte daraus eine befriedigende Lösung durch den Kongreß m «u8» icht. Letzterer nahm aber nur jenes ungenügende De» iet wieder auf. Weitere Erörterungen lehnte Venezuela ab, da die Regelung fremder KriegSreklamationen auf diplomatischem Wege aukgeschloffen sei. Da» steht mit dem Völkerrechte nicht im Einklang. Dam dem ganzen «erhalten der venezolanischen Regierung hiernach nur da» Bestreben zu erblicken war, den fremden Rekla- mationeu die ihnen völkerrechtlich gebührende Regelung zu versagen, und da außerdem im letzten Bürgerkriege di« Deutschen von den venezolanischen Reg'.erunz»truppen mit besonderer Gewaltthätigkeit behandelt worden waren, waS, wenn es ungestraft bliebe, den Eindruck erwecken könnte, als seien bie Deutschen in Venezuela fremder Willkür schutzlos preis,egeben, hat der kaiserl. Geschärt», träger von Caracas am 7. Dezember der venezolanischen Regierung einUlti natusi überreicht, in dem alsbaldig« Zahlung der Kriegsreklamationen bi» 1900 und eine be« r «digende Erklärung «egen Festsetzung und Sicher- uellung der Reklamationen auS dem neueste» Burger« kriege verlangt wird. Gleichzeitig sollen auch die 5Reb> lamationen deutscher Firmen au» dem Bau de» Schlacht- Hofe» in Caracas lowie die Ansprüche dcr Deutschen Großen Lenezuela-Eisenbahn-Gesellschast auS der tgr zustehenden Zinsgarantie Erledigung finden. Sollte auf da» Ultimatum nicht alSbalb eine befriedigende Antwort erfolgen, würde bie kaiferl. Regierung i« ihren, Bedauern genöthigt fdn, die Gorge für die Durchsetzung der deutschen Ansprüche selbst zu übernehmen.
fflustrirte Sonntags-Zenting", „Suldaer LerchichirblAiet' und rotterte-Dsfo gfuCba, Mittwoch, den 10. Dezember 1902.
chrllgeld in und an».
scheiden. Zur letzten Sitzung der Kommission war deshalb außer Singer Niemand erschienen. Darauf hat Singer den Vorsitz niedergelegt. Um seine Blamage zu verhüllen, behauptete er allerdings in dem Schreiben an den Abgeordneten Roer«n, den stellvertretenden Vorsitzenden der Kommission, «r habe keine Neigung, Vorfitzender einer Kommission zu sein, deren meiste» Mitglieder die Geschäftordnung nicht respektiren wollten. Masematten! ES hat lange genug gedauert, bis dieser FuchS die Trauben sauer fand. — An Stelle des Abg. Büsing, der auS der Kommission auSgeschieden ist, tritt der Adg. Hofmann -Dillingen (notl.)
X Im Aeichotage brachte am Dienstag die Beraihung des Antrag- Gröber, welcher Bemerkungen zur Geschäftsordnung, wozu der Präsident »sch freiem Ermessen daS Wort soll ertheilen können, auf die Dauer von 5 Minuten beschränkt, nicht den erwarteten erregten Widerstand der Linken. Die Sozialdemokraten waren auffallend ruhig; ein Umstand, der allgemein auf die letzte Fraktionssitzung der Sozialdemokraten vom vorigen Samstag zurückgeführt wird. Diese Sitzung ist nämlich überaus stürmisch verlaufen. Die Genoffen geriethen sich derartig in die Haare und beschimpften fich gegenseitig in einer Weise, daß die Einsichtigeren unter ihnen die diZnstihuende» ReichstagSdiener auS dem Korridor entfernte», damit diese nicht Ohrenzeugru des wüsten Bruderkrieges feie». Besonders soll der Abg. v. Volkmar wegen der Ungezogenheiten in den letzten Plenarfitzungen energisch vom Leder gezogen und die radaulustigen Esemeute zur Ordnung gerufen haben. Offenbar haben die ruhigeren Köpfe gefiegt, und zwar, wie auS einer Andeutung deS Abg. Bebel in der DienStagSfitzung zu entnehmen ist, deshalb, weil die Sozialvemokraten fürchten, durch Fortsetzung der Radauszenen nicht nur immer weitere Verschärfungen der Geschäftsordnung zu provo- zire«, ohne dadurch die schließliche Annahme deS Zolltarifs hindern zu können und auch Wasser auf die Mühle der Scharfmacher zu leiten, welche das unsinnige Gebühren der Sozialdemokraten dazu ausnutze», um für Aufhebung deS Reichstagswahlrechts Stimmung zu machen. Herr Bebel hat den Antrag Gröber am Dienstage zwar mit großer Lebhaftigkeit, wie das seinem Temperamente entspricht, bekämpft, aber eS klang doch ein refignirter Zug durch seine Rede. In Sachen deS Zolltarif« jedenfalls zweifelt offen- bar auch Herr Bebel nicht mehr an dem schließliche» Siege der ReichStagSmehrheit. Gegen de» Antrag Gröber sprachen fich selbstverständlich auch die Abgg. Richter und Barth aus, während von Seite der Mehrheit nur der Abg. Gröber dm Antrag empfahl, der mit großer Mehrheit angenommen wurde. Nach einer SeschSstsordmmgs - Debatte, die wohl durch ein Mißverständniß deS Vizepräfidenten Grafen Stolberg herbeigeführt wurde, wurde zunächst ein Antrag Singer aufUebergsng zur Tagesordnung über den Antrag Gröber abgUehnt, dann dergleichen ein Abänderung- - Antrag de- Abg. v. Scheele-Wunstorf und darauf der Antrag Gröber in namentlicher Abstimmung mit 176 gegen 125 Stimmen bei 6 Stimmenm»Hal;ungen an« storbeneu Gatten eine« Verbrechens an, so bin ich «S dem Andenken an den theuren Toltrn schuldig, ihn zu vertheidigen."
„Da« wäre i» diesem Falle vergebliche Mühe; der Betrug liegt zu klar auf der Hano. Wenn Ihr Bruder zu Hause ist, so wünsche ich unverzüglich mit ihm |tt sprechen."
„Er hat eine Geschäftrreise «getreten." „Wann?"
„Bor einigen Tagen."
„Wohin? Wann wird er zurückkehren?"
,,E« thut mir wirklich leid, aber ich kann auch diese Frage» nicht beantworten," sagte Elisabeth, und wieder umzuckte der Spott ihre Mundwinkel. ,,S« ist möglich, daß mein Bruder in den nächsten Tagen schon zurüKehrt, aber er kann auch einige Wochen fortbleiben, und wo er fich augenblicklich befindet, vermag ich ebensowenig anzugebeu."
Gustav Barnay hatte die »rauen zusammen- gezogen; e« unterlag für ihn jetzt keinem Zweifel mehr, daß Elisabeth in die Betrügereien ihres Manne« eingeweiht war und daß sie absichtlich die Unwahrheit sagte, um die Sache noch mehr zu verdunkeln und sich selbst die Früchte de« Betrüge« zu sicher».
Wie sehr hatte er damal« fich in ihr getäuscht Wie falsch hatte er ihren Ehrrakter bmrtheilt, auf den er derzett so fest wie auf einen Felsen gebaut
„Er wird diese Reise.nur deihalb angetreten haben, um fich der Berantwortung zu entziehen" erwiderte er in scharfem Tone.
„Können Sie ihm einen Betrug beweisen ?" fragte Elisabeth, und au« ihren dunkle» Augen traf ihn ei» Zarneeblitz.
„Die Beantwortung dieser Frage muß ich dem
Deutsche» Deich.
Berlin, 9. Dezember 1902.
+ Aerr Avgeordneter Müller-Aulda hat seinen Wählern erklärt, daß er eine Wiederwahl zum Reichstage ablehnen müsse. Der .Vorwärts' meint nun, die „Gewaltthätigkeit" der Mehrheit habe Herrn Müller den Reichstag verleidet. DaS ist natürlich Unsinn. Schon vor ewigen Wochen hat uw8 Abg. Müller Mittheilung davon gemocht, daß er in einem Schreibe» an seine Wähler von diesen Abschied genommen habe. Herr Abg. Müller-Fulda hatte bekanntlich schon bei de» Wahlen von 1898 die bestimmte Absicht, kein Mandat mehr anzu- nehme«. Er hatte deshalb ja auch aus seine Wisderausstellung hier im Wahlkreise Fulda verzichtet. Nur der Rus der katholischen Wähler des Wahlkreises Höchst-Homburg Ufingen vermochte ihn, fich dort ausstellen zu lassen, um daS Mandat den Sozialdemokraten zu entreißen und für daS Eentrum zu gewinnen. Wir würden aufs tiefste bedauern, wenn Herr Müller-Fulda feinen Entschluß nun doch au? führen wollte. Die SentrumSfraktion des Reichstags würde in ihm ihren bedeutendstes Fiuanzpoliriker verliere». Wir geben deshalb auch die Hoffnung nicht auf, daß eS gelingen werde, Herrn Müller wiederum «zur Annahme eines Reichstag«Mandats zu bewegen.
+ AE«r«m»»gsLm,Ss-StMge-s find der tUeutrumsfraktion deS Reichstags wieder i» lehr großer Anzahl zugegangen, darunter solche auS Köln Krefeld (an Dr. Bachem), Wen, Deidesheim, München« Gladbach, Delbrück und München. Die letztere führt eine besonders kräftige Sprache. Sie lautet: „Fünftausend Münchener Bürger, vereinigt im katholischen Bürger verband, sprechen der EentrumSfraktion deS Reichstages für ihre «itschiedene Vertyeidigung der parlamentarischen Grundrechte gegenüber dem aller Ordnung, jedem Anstand hohnsprechenden und daS Ansehen des deutschen Parlament« schändenden Gebahren einer von Juden geleiteten Obstruktionsminorität Anerkennung und Dank auS". Sehr scharf verur- »heilte auch die Krefelder Kundgebung „bie empörende, die verfassungsmäßige» Rechte de« Volke« in seiner parlamentarischen Vertretung gefährdenden Vorgänge", „die maßlos unwürdige Haltung einer Minderheit" und „den im dem häßlichsten Auswüchsen fich bekundenden Minori- tätSterrorismuS", während fie zugleich dem Eentrum tiefgefühlten Dank und begeisterte Be- wueberung auSfpricht.
X Ai- G-schätt-ordumtg- Kommission do» Al-icholag«» stand bisher unter dem Vor« sitze de« Abgeordneten Singer, also derselben Herr», der im Plenum die GeschistSunord» nung organifirt hat! ES ist begrefflich, daß die anderen Mitglieder der Kommission keine Hust mehr hatten, unter dem Vorsitze diese« Herr» über Fragen der Geschäftsorbnung zu ent-