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-JSrÄÄi* -- .Ulustrirte Sonntags-Zeitung*, „SuMaer SeschichtsdiAtet' und rotieiie-Mir.

29. Jahrgang.

Iuk-a, Montag, dm 8. Dezember 1902.

M 282.

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Berlin, 6. ®ejembet ISO®.

Wahlparole für die Mafien schaffe», Zweifel-

fache» direkt auf de« Kopf gestellt werde»; «ü

züeich»ta«»Wa-l«» find — so JJ* .Kölnische Volkszeitung- — für di« nächste Zeit in de« meiste» Wahlkreisen der Le». trumi ein dringender Bedürfniß, namevtl,ch nach den jüngsten Vorkommnifie» Im Reichstage. Wohin die «ficht der Sozialdemokraten geht, ist klar: ste «ollen die ReichStagSmehrhett. ««d in erster Linie daS Lentrum, als Ver- aewaltigerin der «echt- der Volksvertretung hi», stelle», und »eben dem allmählich langwellig

„Ich habe meine Pflrcht gethan. so gut ich -r vermochte, «nd mein guter Bater hat fi« durch dankbare Anerkennung mei»er geringen Dienste mir erleichtert. Als er fich dem Ende nahe fühlte, rief er meine» Bruder u»d «ich an fein Sterbe- lager. Er theilte uns mit. daß er et« Vermöge« von 10,000 Thalern hinterlasse; dann bat er meinen Bruder, auf seinen Anthell an diesem Nachlasse zu verzichte», da so sei»e Sx-steuz ge- fichert sei, ich aber mit der Hälfte dieses klein« Vermögens «enig oder gar »ich:« beginne» könne und die Sorge um meine Zukunft ihm das Scheid« schwer mache. Friedrich war augenblicklich bereit, die Bitte deS sterbenden Vaters zu erfülle»; der Ei»wand, den ich dagegen erhob, wurde weder jetzt noch später beachtet. Mein Bruder überließ mir die ganze Hinterlassenschaft; er berief fich darauf, daß seine Erziehung unserem Bater große Opfer, auferle^t habe und daß er jetzt mit sein« Sage ansreiche, und offenherzig gestanden, ich würde a» seiner Stelle unter denselben Btthält- niffe« ebenso gehandelt haben. Der Vater hatte das kleine Vermöge» in Priorität«» Obligation« angelegt; eS «ar frellich «ine fichere Kapitals- Anlage, aber ich erhielt daraus eine JahreSrente von kaum 600 Lhaler». Diese Summe reichte nicht hin, mir eine standesgemäße Existenz zu stcher»; die« «ob! erkennend, beschloß ich, auf Idem literarischen Gebiete eine» versuch zu mache«, auf dem mein guter Vater so manchen glänzende« I Erfolg errungen hatte. 8» ei» Resultat dieses erste» »ersuche« konnte ich noch nicht denke», als ich in der Zeitung plötzlich ei«, Annonce las, i» der Kapitalien gogen^dreifache Sicherhell «nd 20

ein LhettSder Mitglieder deS Verein« selbst für die Verständigung tu Sachen des Zolltarifs auf den Plan gehet«* ist. Aber alle möglichen liberalen, freifinnige« und demokralischen Blätter »abe» de» Unfinn »achgedruckt; und deswegen st e« empfehlenSwerth, fich noch einmal genauer >amtt zu beschäftige».

Zunächst sei noch einmal die alle Frage ge- lrrift, ob denn die aurländische, die döhmtsche und mährische «erste besser für Brauzwecke fich eigne, al« die deutsche. Eine solche Erörterung ist deswegen auf« neue zeitgemäß geworden- well der liberale »bg. Röstcke-Deffau erst türzllch wieder im Reichstage behauptet hat, die deutschen Brauer könnten dir böhmische «erste nicht ent. behre«. Aber da« Malz aus deutscher «erste ist mindestens ebenso gut wie daS Malz a«$ böhmischer und mährischer «erste; thatsächlrch gibt die deutsche «erste zum Thril sogar eine reichere Ausbeute. Dies trifft vor allen Dingen auf die Frankengerste zu, daun aber auch auf die «erste, die ta Thüringen und 'i« Sachsen gebaut wird. In Westfalen beispielsweise braut man geöt§ ein gutes Bier; und dort hat man bisher fast ganz ausschließlich sächstsches und thüringisches Malz bezogen. Die Fachleute «iffen e« ganz 1 genau, daß das kächstschr Erzeugniß eine bessere Ausbeute verbürgt, als die böhmischen und mährische»; und natürlich trifft dasselbe erst recht zu auf die Frankengerste. Außerdem kann man Haifische Zmgnisse dafür aus Oester­reich selbst anführen. Dort hat kürzlich der Lentral-! verband der Brauerei-Industrielle« dem Ackerbau­minister Freiherrn ». Siovanelli eine Denkschrift überreicht, die fich mit der Hebung der «erste»' kultur tm Lande beschäftigt. In dieser Denkschrift I wird auf die große« Erfolg« hingewiesen, die die Veredelung der Gerstenkullur insbesondere in — Deutschland aufzuweisen habe. Im Auslande er­kennt man also die Vorzüglichkeit der deutsche« Gerstenkullur an. Die Herren Großhändler und »roßbrauer bei uns in Deutschland aber sprechen verächtlich m de« Erzeugnisse» des deutschen ’ GerstenbaueS, und zwar gege» ihr bessere« Wissen. Sie würden ja ganz schlechte Fachleute sein, wen« fie die deutsche «erste in ihren vortrefflichen Eigen- schäfte» schlechter als ihre österreichischen Fach­genoffen kennen sollte». Aber bei den großen Importgeschäfte« mit ausländischer Gerste läßt fich noch ein besonderer Profitchen mit allerhand Spekulationen hrrauSschlage»; und da lassen die Herren lieber de« deutsche« «erstenbauern zu Grunde gehen, als daß fie fich dieses Profitchen entgehe« laffen möchten!

Eine zweite falsche Behauptung ist die, daß in Deutschland Braugerste nicht in hinreichender Menae erzeugt »erde. Aber man kann darüber St Tagesordnung übergehen. Der Gegenbeweis längst und anch schon häufig genug erbracht worden. Wenn nun jetzt der deutsche Gerstenbau genügenden Schutz durch einen ausreichenden Zoll erbält, dann wird er fich erheblich vermehren u»d namentlich auch in Sachse« einen gute» Ersatz für de« Anbau von Zuckerrüben bilden, der im, Laufe der nächsten Jahre ohne Zweifel eine et- werdenden ^rodwuch« -Geschrei eine »wette bebliche Einschränkung erfahren wird. Wahlparole für die Massen schaffe». Zweiset.

Drittens handelt eS fich um eine Untersuchung los wird mit Schlagwörter« dieser Art demnächst ; darüber, ob den» wirklich infolge eine» «ersten- gekrebst werden, gleichviel, ob dabri die Tha^ zolleS von vier Mark der Bierpreis erhöht werde» s ' "

„Ich habe ihr das auch gesagt, und ich denke die Summe wird groß genug sein, um ein kleines Geschäft damit zu begründe«; im anderen Falle wäre freilich die Wittwe darauf angewiesen, irgend -ine Stelle anzunehmen oder durch Hand­arbeit fich zu ernähren."

„Da» wäre dann auch ein traurig-S Los," sagt- die Mutter, „namentlich für eine Dame, die beffere Tage gesehen hat."

„Ja, ja, aber man muß e» n-hmem, wie eS kommt," erwiderte der Medizinalrath achselzuckend, „mau kann nicht steten Sonnenschein im Lebe» verlangen."

Die Unterhaltung wurde in diesem Augen- blick durch den Eintritt deS Dienstmädchens gestört, daS dem Advokate« den Besuch einer Dame meldete.

„Ich komme sogleich," nickte Gustav, „führe« Sie die Dame in mei» Kabinett. — Sollte fie es sei»? wandte er fich zu feinem Bater, als das Mädchen fich entfernt hatte. „Ich kann mir doch nicht wohl denke», daß fi- an die frühere Freund- schäft appelliere« und meine« Rath beanspruche« sollte"

Und wäre es so, da«» bewahre dir deine Kaltblütigkell." sagte die Mutter, „det»e» Beistand brauchst d» ihr drum ja nicht ,« verweigern."

Der Advokat stieg langsam die Treppe hin- unter; feine Bureauränme läge» im Erdgeschoß.

Al« er in sein Privatkabinet trat, sah er fich einer schmarzgekleidete» Dame gegenüber.

„««statte» Sie mir, daß ich mich Ihne» vor- stelle," sagte fie. nachdem fi- die tiefe »erbengasg Gustavs mit einer leichte» Verneigung erwidert I hatte. — „Paula Hage». Tochter deS vor einigen

Mehrheit bei der zwetteu L-fung de« Zolltarifs ange»omme» worden, und durch di- Schuld o-r Sozialdemokratie ist -S leider nicht Ausgeschlossen, daß diese Mehrheit fich bei der dritten Lesung i» eine Minderheit verwandelt.

Unter solchen Umstände» find di-Warn u« g en deS Kaisers vor der Sozialdemokratie durchaus berechtigt. Der Kaiser hat Recht, wenn er die Behauptung der sozialdemokratischen Agi­tationen, daß wen» die Arbeller nicht der soztal- demokratischen Partei angehörten, fie ihren be­rechtigten Interessen kein Gehör verschaffen könnten, als eine grobe Unwahrheit und einen schwere» Jrrthum kennzeichnet. That- sächlich ist fast Alles, war an sozialer Fürsorge für die Arbeiter geschehen ist, gegen die Sozial- demokratie im Reichstag zustande gebracht worden. Richt die Sozialdemokraten, sondern dre christlich und monarchisch gefaulten Parteien, namentlich daS Tentrum, hat die Berficherungs- und Arbeiterschutzgesetze geschaffen in Verbindung mit den Regierungen. Sicherlich würde dre Sozial­demokratie, wenn fie eine wirkliche Arbeiter­partei wäre und ihrem Abgeordnete» a»S einfache» i Arbeitern beständen, vielmehr thatsächliche Fort- i schritte zu Gunsten deS Arbeiterstandes bewirkt I haben, als es die ewig hetzende «nd alleS ver­neinende Thättgkeit der Umfiurzpartei thu» konnte. Das ist wohl auch der Grundgedanke, der de» Kaiser bewogen hat. zum Schluffe seiner Ansprache die Arbetter aufzuforder», Kameraden aus ihrer Mitte, de» einfachen schlichte» Mann aus der Werkstatt al« »rbeitervertreter de» deutsche» Arbeiterstandes, nicht eine» Sozialdemokrat in die Volksvertretung zu entsende». Wenn ein Blatt meint, der Kars« habe damit eine Gliederung der Bolkrvertretung »ach Stände» «nd Klaffen tm Auge gehabt, so ist bar gewiß falsch, der Kaiser hat lediglich de» Gegensatz zwischen den Herren Sing«, Stadt­hagen »sw. »nd dem einfachen, ehrliche» Arbeiter lebhaft empfunden, als er die »rbeitervertreter von Breslau vor sich stehe» sah. And wenn « dann »och an die wüsten Szene» dachte, welche die Sozialdemokratie jetzt im Reichstag- »nfführt, so iß er gewiß begreiflich, »en» •« Kaiser Wünschte, statt dieser Skandalirer «nd »olksoer- führet wirkliche »rbetterverket« im Reichrtage I« sehe». Möchte» alle politischen Parteien, die da« gegenwärtige Si»gerregime»t im Retchstage »ernrtheilen, «ine »eue lebhafte Agllation gegen die Sozialdemokratie entfalten n»d dabei den letzten Gedanken de« Kats«« well« »««führe»; in praktische Polllik mngesetzt. heißt dieser Gedanke nicht« andere« al«: statt der Sozialdemo­kraten christliche Arbeiter in den Reich«-

-d- Gerstenzoll und Brauerei.

„Die ReichrtagSmehrheit macht fich ebenso wenig ein Gewissen daraus, den deutschen Bi«, export zu unterbinde« wie den BierpreiS im Inland- in die Höhe zu treiben und dadurch dem Umfichgreifen bet «chnapspest Vorschub zu leisten. Wenn eS dem Ce»trum so gefällt, dann haben alle anderen Erwägungen zurückzutreten."

Diese« Geschoß versendet bet sogenannte Handelrvertragsverei«, obwohl, wie man ja weiß,

IhwetaaMtoman von Arthur Eugen Simson.

6 ------ (Nachdruck verboten.)

„Da« warS." nickte der Medizinalrath, „und wir sowohl wie die Eltern Elisabeths hatten Deine Ahnung von Eurer Verlobung, wir konnten somit leinen Einspruch erheben. GrieSbeim war eie feinet Herr, er besaß die eleganten Ma«i«en -ineS Weltmänner; er verstand er, fich bei de« Dame» beliebt z« mache» und den Leute« Sand in die Äugen zu streuen. Et ist nach meinet Leberzengung sei« ganzer Leben lang ein großer Schwindler gewesen, indessen, man soll den Tobten nicht» Schlimmer nachreden."

Di- alte Damr wiegte filmend das Haupt; chr Blick ruhte voll herzlich« Theilnahme ans dem Sohne, der in Nachdenken versunken am Ferch« stand.

„Wrnn diese Bnmuthung begründet ist, bann wind der Wittwe wohl mancher Prozeß drohe»," fache ste. „Die betrogene« Gläubiger streite» fich nm de» Nachlaß, und der arme« Fra« wird nicht» übrig bleiben."

räfyt Maa» hatte fich in eine Lebensversicherung etegetawft," «widerte der Medizinalrath, „diese Summe wird der Wittwe wohl verbleiben."

„Wie groß ist fi-f" fragte Gustav.

-Ich kau» dir« nicht sage»; die jung« grau Mochtet, |« eisern Prozeß genöthigt z» wnden."

Ja diesem Falle würde ich für fie ein- tretens"

Monate» verstorbenen Hauptmanns Hagen. Ich muß um Entschuldigung bitte», Herr Doktor, daß ich Ihre Sonntagsruhe, deren Eis nach de» An­strengungen der Woche gewiß dringend bedürfe», zu stören wage," fuhr fie darauf i» leichtem Kon­versationstone fort, während fie in dem Sessel, de» der Advokat ihr hingerollt hatte, Platz nah«; „ich wollte Sie um Rath und Beistand bitten und habe Ihne» eine lange Geschichte zu erzählen."

„Sie stören durchaus nicht, gnädiges Fräu­lein." erwiderte der Advokat; eS ist mir sogar sehr lieb, daß Sie gerade den Sonntag gewählt haben, i» daS st-teMn-tl-l dieses Ruhetages wird dadurch sür mich eine angenehme Abwechselung gebracht."

Em- leichte Röthe übergoß flüchtig die Wan­ge» Paula'». „Ich muß Vie zuerst mit den Gründe» bekannt mache», die mich bewege» haben, -i»e Ihnen vielleicht unverständliche Tborhell zu begehen," sagte fie, und jetzt ließ der Ton ihrer Stimme di- innere Erregung erkenne», die fie bisher zurückgedrängt hatte. „Mein Bater »ahm schon vor vielen Jahre« seine» Abschied, weil er im Avancement übergangen «ar; « beschäftigte fich mit literarische» Arbtite», und da» Honorar, daS « dafür erhielt, reichte im Verein mit seiner P-nfion hin, unsere Bedürfnisse zu bestreite». Mein Bruder, d« jetzt Premierleutnant ist, be­fand fich damals noch in der Kadettenschule, meine Mutter starb ftüh. Da könne« Sie fich denke», daß auf de» Schullern meines Vater» eine schwere Last lag."

„Unb wohl auch e«f den Ihrigen?* fragte der Advokat theilnehmend. -. .2™.

müßte und die BierauSsuhr auS Deutschland da­durch eine Verminderung erfahren würde.

Der Man» im Volke lacht spöttisch darüber, wen» er solche Behauptungen vernimmt. Den» « weiß, welche «nverhällntßmäßig hohen Erträge jetzt der Ausfuhrhandel mit Bi« abwirft. Die Vertret« der großen Sxportbrauereien erfreuen fich fürstlicher Einkommen, ohne fich sond«lich anzustrenge«. Wo daS Geschäft so blüht, da kann unmöglich die kleine Zollerhöhung besondere Bedeutung haben. Thatsächlich haben die große« Brauereien während d« letzte» Jahre die Bier­preise fortwährend heruntecgesetzt. Während der letzten drei Jahre ist der HektoltterpreiS durch- schnittlich um fünfzig Pfennig herrmtergegangen. Es ist gar nicht daran zu denken, baß biej8r« Höhung deS Gerstenzolles von zwei auf niet Mark allein von ben Brauereien zu tragen sein würde. ES wirb deswegen ficherlich über die Wahrheit hinaus schieße», wenn man annimmt, daß in Folge ein« solchen Serstenzollerhöhung die HerstellungS- ! Brauereien in die Höhr gehe» würbe». Unb ganz gewiß würbe» bi- bayerischen Export- brauereien auch nicht eine« einzigen Kunde« im Auslände vnlieren, wenn fie nachher de» H-kto« IllerpreiS auch um fünfzig Pfennige theurrr an- setzen vürde«. DaS konnte man gerade in d« neuesten Zeit am Pilsener Bier beobachte«. Die B«li»er Händler mit Pilsen« Bier haben de« Preis dafür erheblich heruufzesetzt; bet neue Einfuhrzoll für ausländischer Bier mußte ihnen zum Vorwande dafür dienen. Die Konkurrenz bemächtigte fich des Falles und veranstaltete ei« förmliches Treibjagen gegen das Pilsen« Bier. Aber der Verbrauch desselben hat nicht abge« I Kommen. Wer vorher Pilsener Bier trank, trinkt | e§ noch heute; unb noch Niemand hat vernommen, daß ein Sastwirth wegen der Preiserhöhung des Pilsener Aier-S zu Srunbr gegangen sei.

Die Behauptungen von ben schrecklichen Folgen des Serstenzolles unb gar von bet Möglichkeit, baß dadutch ein weiteres Umsichgreifen bet SchnapSpest verursacht werde« könnte, find also nichts »eitet als Flausen und können getrost ad »ota gelegt werben.

DerKaiserunddieSozmldemokratie.

Am Freitag hat d« Kaiser, wie schon mit* g-theilt, in BreSlau eine Deputation von Arbeitern I empfange«, welche ihm ihre« Dank für daS Ber- trauen auSsprache», da« et in der 8ffe«et Siebe ben deutschen Arbeitern geschenkt hat. Gleichzeitig 8lobte« ste unentwegte Treue mit d« Bitte z« ott, er möge den Kais« segnen unb schütze« hemerbar. Auf diese Huldigung antwortete der Kaiser in ein« längeren Ansprache, deren »ort- laut wir bereit« »itgethetlt haben. Er dankte darin bekanntlich u. .A. de» Arbeitern, daß fie seine in Esse« ausgesprochene« Erwartungen nicht getäuscht und das Andenken seines selige» Freundes Herr» Krupp vorwurfsfrei wahren geholfen. Interessant aber ist die Ansprache durch das, was der Kaiser über die soziale Gesetzgebung, die Sozialdemokratie und die Vertretung der Arbeiter im Parlament gesagt hat.

Der Kai,« hob hervor, daß durch die soziale Gesetzgebung für die Arbeiter eine gesicherte und gute Existenzbedingung bis ins Aller hinein geschaffen worden sei unter Auf­erlegung von recht bedeutende» Opfern für die Arbellgebn. Er wies auch auf die Fortentwicke- lang diese» Werkes in Deutschland hi». Ohne Frage ist der Kaiser berechtigt, die soziale Gesetz­gebung Deutschlands zu rühme». Wir hoffe«, daß die Freude, welch- der Kats« offenbar an dem Ausbau bet soziale« Fürsorge empfindet, eine Gewähr dafür bieten wöge, daß diese Ge­setzgebung nicht zum Stillstand gelangt ist, sondern »e« Bedürfniffeu d« Zeit folgend unter Berückfichttgung der Leistungsfähigkeit der In- dustrie und Landwirthschaft mit Besonnenheit, aber auch ohne kl-imiche Bedenken fortschrette. So gewiß eS richttg ist, daß die Belastungen eine« große» TH-ilS dn Arbeitgeber, namentlich bet kleinere« in Handwnk »nd Landwirkhschaft, kotueSwegS g«htg find, ebenso gewiß ist die bis­herige Gesetzgebung «och nicht ausreichend, um I alle berechtigte» Wünsche bt« Arbeiterstander z« j befriedige». Ein sicherer Fortschritt ist nnr mög. kich, wen« gleichzelliß auf die Arbeitgeber «nd, auch aus die Arbell« Rückficht genommen wird. Daher ist einerseits mit der Aufstellung maß- loser Forderungen, wie eS Brauch der So- zialdemokraten ist, denen die E«eichbarkett ihrer Forderungen gleichgittig ist, nichts xetha»; a»= dererfeitS darf man aber auch daS Kind nicht mtt dem Bade auSschütte« und der Meinung Huld,gen. mit ba sozialen Reform müsse xuw ei» für allemal aufgehört ««den. Leidet hat gerade die ewige Schütung der Unzufriedenheit durch die Ssztaldemokcate» bewirkt, daß immer wettere Kreise besonders deS Mittelstandes eine Ab­neigung vor btt Uebernahme neuer sozial­politischer Verpflichtungen in fich ausgenommen haben. Das hetanSforbernde Auftreten der So- zialdemokratte, wie man S auch jetzt im Reichs­tage erleben muß, ist schuld daran, daß auch die Vertreter einer hesonndete», auf die Leistungs­fähigkeit aller «etheiligten Rückficht nehmenden Sozialreform jetzt mit großen Schwierigkeiten zu kämpfe« habe», um auch nur kleine Fortschrttte zu Stande zu bringen. Da« beweist der Antrag Trim dorn bezüglich einet Wittwe»- und Waise«- »ersorgnng; der Antrag ist mit nicht sehr großer

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