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mit den Beilagen
Ulustrirte Sonntags-Zeitung“, „iuldaer Gescbicbtsblätter* und rotierfe-risfe.
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JE 281.
Jut-a, Samstag, den 6. Dezember 1902,
29. Jahrgang.
L. Ein neues ^Leben Jesu".
Die aagimeixe Verlags Gesellschaft in München bietet ein prachtvoll tllustrtrtes Leben Jes«, zu dessen Herstellung Philipp Schn- wacher und Professor Dr. Joseph Schlecht in Bild und Wort zusammengearbeitrt haben. TS war eine schwierige Ausgabe, hier etwas Neues und Würdiges zu schaffen; sie scheint uns aber in glücklicher und glänzender Weise gelöst zu sein. Für die kirchlicheHaltung deS Ganzen bürgt schon die Druckerlaudniß, welche der Hoch». Herr Erzbischof von München - Freifing persönlich et« theilt hat.
Die prächtig kolorirten Bilder wollen dem modernen Geschmack mehr Rechnung tragen und in verklärtem Realismus Sie Tchetmniffe deS Lebens Christi schildern, ohne die alten klasfi« scheu Darstellungen dabei auS dem Auge zu laffen. Sie find durchweg edel und stimmungsvoll ge« halte« und zeigen den Meister der Technik, wie fle einen Blick in die fromme Seele bcS Küsst« ttrs er öffnen. Ganz vorzüglich gelungen erscheinen uns die Botschaft der Engels an Mario, der zwölfjährige Jesus im Tempel, JesuS und die Samariterin, die Bergpredigt, die Auferweckung der Tochter des Jairus, der göttliche Kinderfreund, die Kreuzabnahme und die Grablegung deS Herrn. Ferner find farbenprächtig dargestellt die Geburt Jesu, die Anbetung der Weise», die Flucht nach Egy,ten, die heilige Familie, der Tod des heil. Joseph, die Taafe Jesu, die Versuchung Christi, die ersten Jünger Jesu, die Hochzeit zu Kana, dir Tewprlreinigung, JesuS in Nazareth, der wunderbare Fischfang, die Berufung deS Zöllner« Lroi, die Heilung des Besessenen, der Hauptmann von Kapharnaum, der Jüngling von Naim, der Kranke am Teiche Bethesda, JesuS und Magdaleno, die wunderbare Brodoermrhrung, die Uebertragnng der Tchlüffelgewalt an Petrus, dir Verklärung, Je «S lehrt die Jünger bete», die Heilung deS Bl ndgeborenrn, die Auferweckung des LazaruS, Jesu Einzug in Jerusalem, die Fußwaschung, daS hl. Abendmahl, JesuS am Orlberg, die Gefangen» nehmung, JesuS vor KaiphaS, die Verleugnung des Petrus, die Verspottung, JesuS vor Herodeß, die Geißelung, die Dornenkrönung, der Fall unter dem Kreuze, die Annagelung, der Tod des Hei« landeS, die Auferstehung, bte Frauen am Grabe, die Erscheinung d?S Auferstandenen, die Himmelfahrt, JesuS zur Rechten deS Vater«. Außerdem rin« Reihe von Randbildern, die wohl mehr, aber keineswegs ausschließlich iu OrnamentirungS« Zwecken, vielmehr auch zur Ergänzung und Be« lrbung dienen; so u. A. die Weisen, die nach dem wunder baren Sterne Ausschau halte«, der verlorene Sohn, alttestamenlliche Vorbilder und Weissagungen. Man kann aus diesem bloßen Wrrzeichniß ersehen, welch' reiche Fülle da geboten wird. E>n flüchtiger Anschauen rcicht sreilich nicht aus, um die Schönheit der Darstellungen zu erfassen. Man muß sich in die Betrachtung der einzelnen Bilder versenken und die im Texte ausgesprochenen Gedanken auf sich wirken le ff en.
Der Verfasser de« Texte«, der hochw. Herr Professor Dr. I. Schlecht, durch die Auffindung und Herausgabe einer alten lateinischen lieber« srtzung der ZMfapostel-Lrhre, einer der werth vollsten Schriften de« christlichen »lterthumr, durch seine Beschreibung der bayerischen Kirchevprooinz, durch feine Mitwirkung an dem Prachtwerk der Leo-Gesellschaft »Die kathol. Kirche" besten« be kannt, hat hier gezeigt, daß er mit seiner Gelehr- iamleü eine innige und finnige Frömmigkeit ver> bindet. Er hat e« verstanden, seinem Werke die rechte, edle Popularität aufzuprägen.
Der Text lehnt sich an da« Wort der Eoangelien an, ist würdevoll und dem erhabenen Gegenstand entsprechend, dazu noch mit den schönsten Kränzen au« de« christlichen Liederschatz umflochten. Kirchliche Hymnen, mittelalterliche Dichtungen, neuere liebet von Eduard von Schenk, Franz Sichert, Luise Hensel u- A. find dafür verwandt. Rur eine Dxtprobe wollen wir hier anfügeu: „Jeseph weiß, daß er den Sohn be« Allerhöchsten unter seine« Dache hat. Aber e« füllt ihm nicht ein, Reichthum und Schätz, zu begehren. Sr ist glücklich, für Jesu« uno Maria arbeiten zu können. Legt ja — o Wunder der Herablassung! — der Heflaud, obwohl ein schwacher Knaben selber Hand ex zur harten Zimmermanr«arbell, denn „er wollte in allem uns gleichförmig werden, die Sünde ausgenommen". So hat der Herr die Arbeit geheiligt und um armen Menschenkindern, die wir alle unter Adams Fluche seufzen, Math und Trost verliehen zum harten Tage«werke. Im kleinen Ham von Nazareth lösen Gebet und Arbeit sich ab in schönster Ordnung: Gebet und Arbeit und
die innigste Liebe zu Jesu« find er, welche diese heilige Familie so beglücken und verklären, daß Gottes heilige Engel sich darüber freuen und un« sichtbar aus- und einwandeln. Möchte doch jede christliche Familie der von Nazareth ähnlich zu werden trachten!
O fei gegrüßt viel tausendmal, Du Paradies im Thränenthal! Geweiht durch Arbeit und Bebet, O heil'geS HauS von Nazareth!"
Man darf wohl von Bild und Wort sagen, daß der Theologe den Künstler inspirirt und dieser hinwieder den Theologen künstlerisch breinflußt Hai. Die glänzende Ausstattung de« Ganzen: der Farbendruck auf feinem Kunstpapier, der Moleekineinöand mit herrlichem Christu«kopf und Goldtitel machen es zu einem Pcachtwerk ersten Range«. E« ist zu verwundern, daß die Verlag«« Gesellschaft den Preis (20 Mark) so niedrig gestellt hat. Hoffentlich wird dieser Umstand dazu beitragen, daß das Werk einen guten Absatz findet.
Wie viel Geld wird für fade oder leichtfertige Bücher ausgegeben! Hier ist Gelegenheit gegeben, ein gediegene« Prachtwerk von dauerndem Werthe zu erwerben, dessen Gegenstand so erhaben ist. Er soll ja de« Christen schönste Auf. gäbe fein, dar 8eben Jesu zu stndiren und nachzubilden.
Mö:e dar Werk alr Weihnachtsgeschenk in recht viele Familien Einzug halten, christliches Denken und Fühlen fördern, den Glauben an den Gottmenschen und die Liebe zum Heiland in den Herzen beleben und immer mehr entfachen!
[] Der Volksverein für das katholische Deutschland
hat auch auf gegnerischen Seite schon manche ehrliche Anerkennung seiner tüchtigen sozialpolitischen Leistungen gefunden. An Zeugnissen hierfür hat eS in den Hauptorganen der verschiedenen Parteirichtungen nicht gefehlt, und auch die na« tionalsoziale .Hilfe' hat der sozialen Bedeutung deS VoikSvereinS verschiedentlich eine recht un« parteiische Würdigung zu tbril werden lassen. Neuerdings scheint nun daS Organ der Nationalsozialen seine gute Meinung etwas geändert zu haben; eS sucht Gelegenheit, sich am Volksverein zu reiben und glaubt daS u. a. mit folgenden Bemerkungen (in Nr. 45 vom 9. Noo.) thun zu müssen: „DasCmtrum macht heute feine Politik im Volksverein mit einem kath. Lied vorn und einer Papstovation hinten. Der BolkSverein wurde gegründet für die Zwecke der Sozialreform. Heute macht er die gesummte CentrumSpolitik." DaS sagt die '.Hilfe', die selbst gleich hinterher die Wirksamkkit des Volke vereinS folgendermaßen erläutert:
-Der talholische BolkSverein entfaltet eine sehr aus« gebreitet, THStigkeit. Br hat eine soziale Auskunft- stelle, verleiht sozialwiffenschastltche Bücher, gibt eine Vereins,eitschrist heraus für die Mitglieder und eine Prüstdeskorrespondenz. veröffentlicht soziale Schriften, Material für Redner, eine Sozial« und Bpologetifche Korrespondenz für Zeitungen, zahllose Flugblätter rc. Durch feine Unterstützung und Anregung fin» 30 BolkS« bureauS entstanden, ebenso mehrere Ärbeiterfetretariate. Allein im letzten Jahre hat et 116 Aroeilervereine unter- stützt mit Geld oder Büchern, ebenso regt er soziale Etudentenzirlel an und versorgt e mit Büchern, dergleichen bringt er soziale Konferenzen für Geistliche und Lntertichtkkurfe in Arbeiter« und Gesellenvereineu zu Stande. Auf feinem Zentralbureau fiyen eine ganze Anzahl von wissenschaftlich gebildeten Sekretären, die jeder ein Spezialgebiet bearbeiten und dafür auf alle mögliche Weise thätig find. In den letzten Sommern hat der BolkSverein ferner in M. Gladbach dreimonatliche Kurse für Arbeiter veranstaltet zur Ausbildung in BolkSwirthschast und Apo.ogetik."
Diese eigenen Mittheilungen der.Hilfe' lassen den Volksoerein doch wohl all einen Verein erkennen, dessen Hauptthätigkeit auf sozialpolitischem und nicht aus parteipolitischem Gebiete liegt. Die „gesummte Cmtrums Politik kann der Volksverein über auch schon deswegen nicht machen, well er noch in manchen CentrumS- Wahlkreisen leider nur schwach oder gar nicht vertreten ist. Die politische Bedeutung des Volksoereins liegt darin, daß er politische Schulung verbreitet und daS Interesse am politischen Leben anregt und wachhält, die sonstige politische Arbeit aber überläßt et d« Partei Organisation. Was die witzig sein sollende Bemerkung von dem „kathol. Lied vorvL und der Papst-Ovation hinten" unbelangt, so würden die Herren Ration al-Sozialen darüber wohl etwas anders denken, wenn sie mehr praktische Erfahrungen gefummelt hätten in dem Be« streben, größere VolkSmassen für soziale Reform- Arbell zu interesfiren. Dann würden ste es viel- leicht besser verstehen, daß der Volksoerein bei seinen sozialen Bestrebungen auch an daS religiös- sittliche Empfinden deS katholischen Volkes anknüpft, wenn die Gelegenheit dazu geeignet ist.
Von den volkSwirthschaftlichen Kursen deS Volks verein»' behauptet die .Hilfe', daß dort die christlichen GeweikschaftS - Führet »für die CentrumS-Partei zurechtgedrillt- wär-
den. Möge das Blutt sich doch bei den beiden! evangelischen Arbeitern, die am letzten Kursus thetlnahmen, erkundigen, ob dort von Partei-Politik die Rede gewesen ist. Der.Hilfe' steht es im Uebrigen aber wohl in allerletzter Linie zu. eine Einrichtung zu benörgeln, welche unter schweren allerseits gebrachten Opfern nicht- Anderes et«! strebt, als die Arbeiter zur Vertretung ihrer j SkandeSintereffen auf dem Boden der deutschen• Sozialreform und besonders in einer lebevStÜch-1 tigen Arbeiter«Organisation besser zu befähigen.! Was Überhaupt die Ursache der MeinungSände- \ ruug der.Hilfe' über den Volksoerein betrifft, so J hat die.Westd. Arbeiter-Ztg.' wohl nicht unrecht, wenn sie dieselbe folgendermaßen erklärt: »Ginge der Volksoerein Arm in Arm mit dem in's Rheinland entsandten Agitator des Handels Vertrags« Vereins, dem nat.-foz. Pfarrer Kötzschke, und im Sinne öer Herren von der.Hilfe' gegen den Brodwucher" in's Feld, daun fände er auch heute dort noch Gnade."
Unpolitische Zeitläufe.
------ (Nachdruck verboten.) ® Berlin, 4. Dezember 1902.
Im Reichstage wird jetzt in einem fort »zur Tagesordnung Überg«gangen". Bald von links, bald von rechts regnet es Anträge auf einfache Tagesordnung. So ei i Antrag bedeutet auf deutsch: „Ach was, dummes Zeug! Darüber wollen wir weiter kein Wort verlieren, sondern einfach an unsere gewöhnliche Arbeit gehen".
Im gewöhnlichen Leben sollte man fich auch öfters des einfachen UebergangeS zur Tagesordnung bedienen, wie eS schon das bekannt? Liedchen verräth: Weg mit den Grillen und Sorgen! Ich möchte hinznsügen: Weg mll dem Aerger und Groll, weg mit den Zänkereien und Sränketeien, Uebergaxg zur gewöhnlichen Tagesordnung eines vernünftigen Christermenschen!
Glücklich ist, wer vergißt, war nicht mehr zu ändern ist, heißt eS in einem anderen Liedchen. Der Anfang von dem glückseligen Vergessen ist der absolute llebergavg zur Tagesordnung.
Da fitzen zwei und streiten fich. daß die Köpfe rauchen. Die Debatte wird immer spitziger und hitziger, aber eS kommt nichts dabei heraus, al« Verdruß und Feindschaft. Manchmal muß man notbgebrungen eine Pause im Zanke machen; aber abgethan ist die Sache doch noch nicht. Bei der nächsten besten Gelegenhett wird die alte Streitfrage wieder angeschnitten, das eine Wort gibt wieder daS andere, auf dar grobe Klötzchen wird ein noch gröberer Kell gesetzt; die Sache pird immer schlimmer. Nun kommt vielleicht noch ein Vermittler dazwischen, der richten und schlichten will. Auf seine Randglossen antwortet der Eine und der Andere, und ehe man es fich verficht, ist auS dem Duett ein Terzett geworden, aus einem zweifältigen ein dreifältiger Zank, und die letzten Dinge find schlimmer, als die ersten. Jeder von den Kampshähnen hält fich selbst für einen gekränkten Friedensengel, die anderen aber für bö-artige Stänker oder wenigstens für verbissene Schaftköpfe. Wie ist da herauszukommen? Nur durch „einfache Tagesordnung". Strich dadurch. Schwamm drüber, fort mit der ganzen Geschichte, thuen wir, als ob nichts vorgefallen wäre, und gehen in Gedanken, Worten und Werken unserer gewöhnlichen Tagesordnung nach.
Ja, auch in den Gedanken zur Tagesordnung überzugehen, daS ist die Kunst! Die meisten glauben, Gedanken feien zollfrei und eS genüge schon, wenn man fich vornimmt, nichts Feindseliges mehr zu sagen ober zu thun. Nein, das genügt nicht. Wenn man immer noch an den Streit denkt und Über die Vorgänge nachgrübelt, so ist daS Feuer nicht gelöscht, sondern nur vorläufig bedeckt. Beim ersten besten Anlaß schlägt auS der glimmenden Sluth die Flamme wieder empor und da« alte Elend ist wieder da. Zudem ist daS andauernde Denken in einer unangenehmen Sache Selbfiquälerei; statt den Wurm des AergerS auSzuteißen und zu zertreten, setzt man ihn wie ein Blutegel in'S Herz, damit er immer wieder beiße und sauge. Also gründlicher Abschluß ist daS Beste und einfache Tagesordnung auch für die Gedanken.
„Aber man muß fich doch erst auS sprechen", sagt die Obstruktion. Unsinn! Wer Fn«den haben will, soll die Zunge an den Zaum legen und mit einem freundlichen Blick seine Hand recht weit ausstrecken. Wenn es sich um einen häuslichen Zank handelt, so kann man auch die Arme krumm machen und den Gegner einfach an'S Herz nehmen, um ihm den Mund mit einem herzhaften Kusse zu schließen. Dieser Uebergang zur Tagesordnung ist freilich nicht mehr so ganz „einfach", sondern steht etwas „motioirt" aus. wie die Abgeordneten fich ausdrücken. Aber daS schadet nicht«; das Verfahren ist doch kurz und gut.
Handelt eS fich um Meinungsverschiedenheiten zwischen Eltern und Jungen, so wird die Tage--
ordnung manchmal noch etwas anderes „rnoti* oirt", nämlich durch einen empfindlichen Hand' schlag oder die Anwendung ungebrannter Asche» Auch dieses Verfahren kann zu einer schnellen und glatten Regelung führen. Rur müssen bte Eltern fich auch merken, daß mit dieser handgreiflichen „Tagesordnung" die Debatte geschloffen ist. Das ewige Schelten und Schimpfen nach der Züchtigung ist verfehlt; man muß erst »arten, ob und wte die Strafe verdaut wird. Wenn der Gezüchtigte fleht, daß die Eltern ober Lehrer gar nicht vergessen ober vergeben wollen, so verliert er die Lust, fich zu bessern, vielleicht sogar die Selbstachtung. Kurze und kräftige Rechtspflege, und dann einfache Tagesordnung! —
Ein skrupelhaster Mensch seufzt nun: Was andere gegen mich gethan haben, will ich ja gern vergeben und vergessen. Aber über meine eigenen Dummheiten und Sünden kann ich nicht zur Tagesordnung kommen, die gehen mir fortwährend im Kopfe herum und machen mich verzagt und unglücklich. Gewiß, ein zartes Gewissen ist eine schöne Sache, aber die fortgesetzte Selbfiquälerei ist ein Frevel an der Barmherzigkeit GotteS. Wenn du deine Miffethaten wirklich bereut und richtig gebüßt hast, |o geht der liebe Sott darüber zur Tagesordnung über, wie er uns verheißen hat. Dafür sollst du freudig Dank sagen, aber nicht den lieben Sott durch Mißtrauen kränken. Wer fortwährend mit nassen Augen rückwärts schaut, kommt nicht vorwärts! Wenn das Vergangene geregelt ist, die Hand an den Pflug und frisch hinein in die bessere Zukunft. Durch die Buße zur Besserung, das ist bte christliche „Tage-- ordnung" Und wenn bet „Uebergang" mit einem Male nicht gelingen will, bann setzt man unverzagt nochmals an und nochmals; bereute Wille wird schließlich dich nicht verlassen. —
Aber die Sorgen! Da liegt einer die Nacht schlaflos in feinem Bette; die Sorgen wälzen fich in seinem Gehirn und et wälzt fich in feinen Federn. Ist er am andern Morgen klüger? Rein, aber matt, verwirrt, nervös und schwach. Er würde viel mehr leisten können im Kampf umS Dasein, wenn et die Nacht hindurch nicht an feine Aufgaben und Nöthen gedacht, sondern einfach geschlafen hätte. Ihm fehlt eben der „Leichtsinn" und er findet den Uebergang yir Tagesordnung nicht. Er gleicht dem Mann«, der eine Wunde hat und in derselben fortwährend herum- stochert, statt ein Pflaster drauf zu legen und die Heilung ruhig abzuwarten. Ohne Sorge geht» ja nicht im Jammerthal; eben dos ewige Grübeln und Spintlfiren und AuSmalen der Schwierigkeiten und Gefahren führt zu nichts (Sutern. Es ist auch nicht christlich, denn der Christ soll seine Sorgen auf den Herrn werfen, nachdem et das Seinige nach bestem Wissen und Können gethan hat. Alles zu seiner Zeit. In den Arbritrstunden muß man fich wacker brau hatten am Hebet legen und Ordnen und AuS« führen. Wenn man aber mit seiner Familie fich zu Tisch letzt ober zum Feierabend, fo muß man über die Mühen und Sorgen zur Tagesordnung übergehen, d. h. fich der Gemächlichkeit widm n. Und vor Allem ist es ein Frevel gegen G srnd. Helt und Leben, wenn man fich die Nachtnh; raubt durch drückende Gedanken. Wozu ist daS Abendgebet da, wenn man nicht Schicht machen will mit bet TsgeSlast unb im Vertrauen auf Gott die nöchige Ruhe gewinnen kam? D e Tagesordnung der Nacht ist der Schlaf; da« gute Gewissen ist das sanfte Ruhekissen, wer ein gutes Gewissen hat, d. h. daS Seinige gethan hat und bestmöglich thuen will, der kirn ruhig bte Augen zumachen bis zum anbei; n Morgen, wo er mit erfrischten Kräften besser vorwärts kommen wirb, als nach einet vet- grübelten Nacht. Also weg mit nächtlichen Stillen unb Sorgen, umgedreht auf die andere Seite und dann zur einfachen Tagesordnung Übergegangen. „Müde bin ich, geh' zur Ruh" usw.
Das Leben ist schwer, freilich. Aber wir machen eS uns selbst noch schwerer. Wir gleichen oft dem Esel, der einen Ballen Schwämme durch einen Bach trug. Er glaubte, seine Last müsse unter bas Wasser getaucht werde«, uns als et tauchte, wurden die Schwämme fo schwer, daß er gar nicht wieder hoch kommen konnte. Durch die Sorgen, Verdrießlichkeiten, Zänkereien und Aergerniffe machen wir uns auch die Unglücks« schwämme des ErdentlebenS noch »um Hebet» fluß voll Wasser, fo daß fie erdrückend schwer »erben. Flott hindurch durch die PlüfnngSbäche, das Herz hochgehalten in Oottoertrauen unb Menschenliebe, kein überflüssiger Spintistren unb Raifonniren, sondern einfachen Übergang zur Tagesordnung, zum fleißigen Ar beit en.
Freilich, beim Arbeiten muß man manchmal schwitzen ober gar stöhnen, weil bet Fluch vom Paradiese dahlnterflrckt. Aber bte Irbttt an fich ist ein großer Segen für uns arme Er den - bewohnet; denn ohne unsere regelmäßige Taget- arbeit würden wir erst reit in Grillen, Sorgen