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1I1u$trirte Sonntags-Zeitung

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Mutöa, Samstag, den 6. Dezember 1902.

M 281.

n#b die Rechte wird auch I erwiderte der Mrteizinalrath, der fich ix em« rlaß Dich darauf; sür mich! Srffel nieteetgelaffen und nie Zigarre äuge,«»

dabei sein« Lippe».

„Doch ich beete manchmal auch an andere Dinge," sagte er: „aber dann find eSkeine erfreu, lichen Gedanken. ~ "* */ ’“w ’“x

einmal kommen, verlaß Dich darauf, .

Haar auf dem Diva» vor dem Kaffeetisch, während ein noch junger, schlanker Herr auf dem weiche» Teppich langsam auf« und niederschritt.

Ich will Deine Ansicht ja nicht bestreite«, liebe Mutter/' sagte er in herzlichem Tone, „will auch zugebe«, daß ich jetzt in dem Alter bin, in dem man wohl an die Gründung eines eigenen Herdes teerten darf, aber daS kann mich doch nicht bestimmen, eine Dame, für die ich nichts fühle. älS meine Gattin heimzuführen. Du hast mit da verschiedene Damen vorgeschlagen; sie find alle hübsch, alle liebenswürdig und alle ver. mSgend, aber zu feiner einzigen von ihnen fühle ich jene Zuneigung, die ja doch die Grundlage späterer L ebe bilde» muß. Wenn einmal die Rechte kommt. Mutter, dann werde ich nicht lange säumen."

„Ich sede keine Möglichkeit, daß Du jemals die Rechte finden wirst, wenn Du unS nicht ge­stattest, sie für Dich zu suchen, Gustav," er­widerte die Mediztnalräthin; „Du bist vom frühen Morgen bis in di« Nacht hinein be- schäftigt, »erbringst Deine Zett nur in Deinem Bureau oder im GerichtSsaal und denkst an nicht« andere«, als nur an Deine Prozesse und Deine Akten."

Der Advokat war in der Mitte des Zimmers stehen geblieben: er strich mit der Hand langsam über den schwarzen, sorgsam gepflegte« Bollbart, und ein Zaq schmerzlicher Wehamth umzuckle

von?"

„Dar ihren Freunden einzngestehe», ist sie M stolz", schattete die alte Dame ein, „fie wollte immer hoch hinaus. Ihre eitern waren brave, ,'rrünsttg denkende Leute, nnr hätten sie bei der Erziehung ihrer Kinder die Zügel etwa« straff« anztehen müffen.'' , _ „

.Die alten Leute kann kein Borwurf ttefe»,"

gehen lediglich dem Cen'rum zu gute kommen wird. Hoffentlich wird fie hiermit keinen Eindruck machen. Jetzt müffen alle einstchtigen Politiker ich vereinigen, um der Revolution vorzu- »engen." Wir haben dieser beherzigenswerthen Mahnung nichts hinzuzusügen.

X Der KrutrumvKvEeordnete Moritz hat, vm sich gegen einen Vorwurf zu rechtfer- ige» an die.Neue bayerische LardeSzettung', deS Bauernbündlers Memmtnger einen Brief ge­richtet, welchen das Blatt buchstäblich, d. h. mit einige« orthographische« Fehlern mitthrilc. Da­rüber fieht man den .Vorwärts' und sein Edtn- bild, die ,Demokratische Volkszeitung' in Berlin die Nase rümpfen. Der .Vorwärts' z. B. spricht von einer „seltsamen Rechtschreibung". Zu be­merken ist, daß der Abg. Moritz ein einfacher Bauer auS Unterfranl#» ist. Hat der .Vor­wärts' aus Arbeiterkreifen noch niemals Zuschriften erhatten, die mit der Orthographie auf Kriegsfuß standen? Namentlich die Za chrtften von Berliner Arbeüern werden vermuthlich nicht bloS viele orthographische, sonder« auch sehr viele grammatische Schnitzer enthalten. Selbst wenn gebildete Leute in Berlin sich miteinander unterhalten, sprechen fie keinen Satz ohne solche Fehler. Jedenfalls verdient es eher die Bezeich­nung „seltsam", wen» ein Blatt, welches die Interessen der Proletarier, der minderbemittelten und mindergebildeten Volksschichten vertreten will, über die Orthographie eine« einfachen Mannes aus dem Volke wir ei« Penfionsback- fisch die Nase rümpft. Drr Spott über das Schreibe» des Abg. Moritz ist umfoweniger an­gebracht, als es in der Sache selbst den Herren der Linken, wie auch den extremen Bausrnbünd- lrrn Wahrheiten sagt, die fie recht wohl beher­zigen könnten. Ganz richtig bringt er den Gr- danken zum Ausdruck, daß rin Abgeordneter, wenn et auch mit dcm zwischen Regierung und Mehrheit geschloffenen Kompromiß nicht zusriedrn ist, dennoch sich veranlaßt srhe» wird, dafür zu stimme», angesichts der Haltung der sozialdemo- krattschen Juden. Wenn diese stch solche Mühe geben, da« Gesetz zu hintertreibe», so muß jeder Freund der Landwirthfchaft in der Thal zu der Ansicht komme«, daß dieses Gesetz doch nicht so schlecht sein kann, wie unkluge Eiferer eS dar­stellen.

+ As» G-lerawz-sfetz ht Meckilsustwrg, da« die katholische und reformirte Küche der luthe­rischen Landeskirche gleichstellt, ist vom Landtag in Malchin angenommen worden nur mit der Bedingung, daß zu Ordensniederlaffungen die Zustimmung der Stände (des Landtags) erforderlich sei. Ohne den Toleranzantrag des Cen­trum« hätten die Katholiken in Mecklenburg diese» Erfolg nicht errungen.

+ Heber die ÜSuftigen Aautzetovertrüge und oie Kündigung der gegenwärtigen wurde» am Freitage im Reichstage allerhand Gerüchte verbreitet, die theilweife auch ihren Weg in die Berliner Presse sanden. Go soll die Regierung den Führer» der MehrhettS-Parteien mitgetheilt haben, daS ganze Zolltarif»Gesetz müsse bis zum 23. Dezember verabschiedet sein, wett zu Neujahr eine Kündigung der Handels- Verträge, und zwar vom Auslände her, zu er»

Deutsche* Keich.

Berlin, 5. Dezember 1902.

+ Die AufheSnug de, Aesuiteugesetze» beunruhigt diejenigen liberalen Gemülher, die von der „Tante Voß" ihre politische Weisheit be» ziehen, noch immer sehr lebhaft. Die.Vosstsche Zeitung' macht, indem sie die bevorstehende Auf­hebung be« Jesuitengesetzes zum mindesten sehr verfrüht al« eine feststehende Thatsache betrachtet, dem Bunde«rath Vorwürfe, weil er seine Haltung zu dem Gesetze nicht von seiner Meinung Über deffen Zweckmäßigkeit und Gerechtigkeit abhängig macht, sondern weil er in seiner Zustimmung zur Beseitigung de« Gesetze« ober doch des § 52 des­selben einen Ausdruck de« Wohlwollens gegen da« Zentrum erblickt und solche« daher nicht ohne Gegenleistung erweisen wolle. Wa« die ,Vosstsche Zeitung' sag», ist viel zu gleichgiltig, als daß wir dasselbe einer Kritik zu unterziehen brauchten. Un« intereifirt auch nicht die Meinung der .Vofstschen Zeitung', sondern nur, wa« die kon­servative ,Kreuzzeitung' dazu jagt. Diese äußert nämlich: „Wir sind der Meinung, daß, wenn der Bnnderrath sich jetzt zur Aufhebung be« § 2 be« Jesuitengesetze« entschließen würbe, hierin nicht iwthwenbig eine Erscheinungsform bet Gefällig­keitspolitik gegenüber dem Centrum liegen würde, fonber« viel eher der Ausdrnck der Erkenntniß, daß die frühere^Haltung de« Bundes­rath« zu dem Gegenstände nicht gerecht­fertigt war. Sachlich stehen wir diesem etwa ebenso kühl gegenüber wie die .Vosstsche Zeitung'. Allein wir verstehen nicht, — und hierin erblicken wir die Eigenartigkeit ihrer Ausführungen — wie man von einem neuen Zugeständnisse gegen da« Centrnm reden kann. Welche wesentlichen Zugeständnisse auf kirchenpolitischem oder mtt der Kirchenpokitk zusammenhängendem Ge- biete sind denn dem Centrnm in den letzten Jahren gemacht worden? Nicht einmal in der Frage der Zulassung konfesstoneller Friedhöfe in den Gebieten deS rheinischenRechtS ist man ihm entgegengekommen, obgleich diese Zulaffung vor 7 Jahren vom Ab- geordnetenhause mit überwältigender Mehrheit gefordert wurde." Mau wird sich diese Kritik der »Kreuzzeitung' (Nr. 569) an ver kirchenpoli- scheu Haltung in der preußischer- Regierung merken müffen für den Fall, daß ihr nahestehende Paftorenkretse wieder einmal üser zu große Be­rücksichtigung der Wünsche deS Centrum« jammern. Die Feststellung der .Kreuzzeituug', daß das Centrum thatsächlich nichts weniger als wohl­wollend von bet Regierung behandelt wirb, ist n»S sehr willkommen. Die .Kreuzzeitung' ist auch einstchtig genug, um zu erkenne», welche Absicht die liberale Hosstsche Zeitung' mit Men Aus­streuungen über die angeblich bevorstehende Aushebung des Jesuiteugesrtzes verfolgt. „Ihr kommt es, so bemerkt die .Kteuzzeitunh", darauf an, die geschlossene Mehrheit, die jetzt im Reichstage für den Zolltarif vorhanden ist, zu sprengen durch die Behauptung, daß ihr Vor-

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mit at» Beilagen

„Suldaer GesdMtsblätter' und rotterie-fisR

Kriminal-Roman von Arthur Eugen Simson.

4 ------ (Nachdruck verboten.)

„Er ist stüher beerdigt worden, als das Ge­setz e gestaltet."

„J:>. solch»» dringenden Fällen erlaubt das Ees tz die s ühere Beerdigung; ich habe mich im Hause selbst von der Dringlichkeit deS Falles üverzrutzt; es war mir, dem Arzte, nicht möglich, in das Zimmer zu gehen, in dem die Leiche lag, Gerüst Ihne, das?"

„Ez würde mir sehr lieb fei», wenn ich darüber rin schriftliches Attest von Ihnen er­halten könnte."

„Wenn Dir eS bezahle«, weshalb nicht?"

„Sehr gern."

Der Doktor legte einen Bogen Papier vor stch und schrieb einige Zülen nieder, die er unter« zeichnete und mit seinem Tiegel versah, und be­reitwillig zahlte der Agent da« verlangte Ho- »«ar.

„Sie würden also raihen, die Summe auS- zuzahlen?" fragte der Letztere.

„Ich habe Ihne« t» dieser Angelegenheit leinen Rath zu ertbeile»," entgegnete der Arzt, ober wollen Tie einen solchen von mir annehmen, so kann es nur der fein, wegen der Zahlung leine Schwierigkeiten zu machen, — würde ein Prozeß gegen Sie angestrengt, so müßten Vie ihn verlieren."

„Ich danke ihnen; das war'S, waS ich wiffe» »oÄe?

warten sei. Zunächst kommen hier Oesterreich- Iwgarn und Italien in Betracht. Mit Ruß- and fei bereits ei» Ei»verstä»dniß erzielt, 0 daß die Vorlage deS neuen deutsch-rus- Ischen Handelsvertrages bereits in rieser Session, wahrscheinlich Ende Januar oder spätestens Anfangs Februar zu erwarten sei. Wir geben diese Gerüchte einstweilen r-i» referi- reute wieder, betonen aber sofort, daß fie in dieser Bestimmtheit wenigstens theilweise sicher falsch find. Immerhin darf man sage»: die Herren haben etwas läute» gehest, fie wiffen nur nicht, wo die Glocke» hängen. So viel kann man ge­trost als sicher annehmen, daß die Regierung natürlich schon für alle Fälle ihre Vor­kehrungen getroffen und stch auch über die Stimmung im ÄuSlande insormirt hat. Die Linke kann daraus extxrhmrn, daß fie ihre Abficht, Wahlen mit teer Zolltarif-Parole zu machen, nicht erreichen wird. Die Parole wirte eher fo laute», wie teer klügere Abgeordn. Richter fie sich gedacht hat: Für oder gegen ute Handelsverträge! Doch es kann auch noch anders kommen.

+ Km-Ä Züchter al« Antisemit. Die Berliner ,Volkszeitung' de» Herrn Cohn, ein »olksparteiliche«, aber in Wahrheit tereiviertel- sozialdemokratisches Blatt, führt einen erbitterten Ämpf gegen den Abg. Richter, weil er die Obstruktion verdammt So ziemlich da» Schlimmste, was diese« Blatt Herrn Richter nachsagen zu können glaubt, ist, daß er heimlicher Antisemit sei. Oarauf hofft fie der freisinnigen Volkspartei auch ie gesummte Judenschast abwendig machen zu können. Zum Beweise ihrer Anschuldigung kreidet ie ihm an, daß er von den ihm unbequemen „liberalen" Blättern in Wendungen schreibe wie: „Herr Arthur Levysohu schreibt in dem Organ des Herrn Mosse"; „Herr Isidor Levy schreibt in der Vosstsche« Zeitung"; ,,e« heißt i» dem Organ be« Herrn Ullstein", „da« Organ be« Herrn Cohn schreibt". Ei, ei! Sollte Herr Richter damit nicht vielmehr sagen wollen, daß diese Organe nicht die Meinung einet Partei, sondern nur die geschäftlichen Jnteresfen hrer Besitzer vertreten?

+ Der N-ich-tsg tagte, oder vielmehr nächtete am Donnerstag noch bis */al2 Uhr Nachts, verhandelte also an diesem Tage i« ganze» 11—12 Stunden. Dabei mußten die Abgeordneten auch wieder einige Radauszenen, beten Mittelpunkt die jüdischen Sozialdemokraten waren, über sich ergehen lasten. Auf diesen Schrecke» zog der Reichstag eS am Freitag vor, eS bet einem fiebenstündigen RormalarbeitStage bewenden zu laffeu. Die FrettagSfitzung begann wieder um 10 Uhr Vormittags, dauerte aber nur bis 5 Uhr Nachmittags. Man kam um einige weitere Referate vorwärts, an die sich gewöhnlich das beliebte Spiel mit den Anträge» aur Rückverweisung an die Kommission und llebetgang zur Tagesordnung über diese Anträge anknüpfte — ei» Spiel, daS heute übrigens die Mehrheitsparteien der Hauptsache nach unter fich allein abmachte», um so teer Obstruktion den Wind au« den Segeln zu nehme». Die letztere hatte dafür die Genugthunng, ihren ge- gefürchtetsten Dauerredner, den Gen offen »ntrick.

„Na, und es wäre vielleicht der Sachlage angemessen, wen» Sie der junge» Witta» die Summe recht bald zahlen wollten," fuhr der Doktor fort; „in solcher Lebenslage ist es immer ei» Trost, daares Geld im Hause zu haben."

Der Azent verneigte fich zustimmend und eilte in seine Wohnung zurück.

Seine Zweifel waren gehoben, das Attest be« Doktors hatte die letzten Bedenken beseitigt; jetzt galt es, Gruner an teer Ausführung seiner Drohung zu verhindern.

Eire Stunde später brachte der Agent ein Schreiben an die Direktion seiner Gesellschaft zur Post, dem er das Attest beigefügt hatte.

« 2. Kapitel.

Das prächtige Herbstwetter lockte an diesem Sonntag Nachmittag die Spaziergänger schaaren- wrise aus den engen Straße» teer großen Stadt hinaus ins Freie.

Die letzten schöne« Herbsttage mußte man wahrnehmen; Sturm, Frost und Stege» konnten schon in der nächsten Nacht die Herrschaft an- treten und bann war's für lange Zeit mit dem Genießen ber erfrischenden Gotteslust vorbei. —

Auch an dem Hause des MrdizinalralheS fluthete dieser Menschenstrom vorbei; der alte Herr mit dem weißen Haar und der weißen Halsbinde stand droben am Fenster und blickte gedankenvoll auf dis Menge hinunter, manchen Gruß nicht gewahrend, der zu ihm hinaufgesandt wurde.

Im Hintergründe des geräumigen und mr kunstfinnigem Geschmack eingerichteten ZimmerS faß eine stttttliche Dame mit leicht ergrautem

Dieser Antrag wird jedenfalls auf stürmischen Widerstand stoßen. Doch wird die Dichtheit hn bei energischer Haltung trotzdem ohne zu große» Zeitverlust durchsetzen und damit den Unfug, den die Obstruktion jetzt mit ihren lange« und häufige» Reden zur Geschäftsordnung treibt, bedeutend einschränken können. Sollten die ^Skandaldemokrateu" zu große Lärmszene» machen, so wird man freilich auch davor nicht zurückschrecken dürfe», dem PrSfidevte» die Mög­lichkeit zu geben, die Befolgung seiner Anord- »unge» auch thatsächlich zu erzwingen. Be­sonder« erfreulich ist a» dem Anträge, daß ihn auch fast alle kleineren Fraktionen unterzeichnet haben. Dadurch ist er auS einem Antrag der Mehrheitsparteien zu einem Antrag teer Orte- nuusiSparteien geworden. Daß die Freifinntge Volkspartei Eugen Richters fich abseits gehalten har, wird man bedauern, aber bei ihrer schwie­rigen Stellung dennoch begreife» könne». UebtigeKS kann selbst die Natioxalzeitnug, welche gegen Ihre eignen Parteigenosse» von teer »atio» alllberalen Reichstagsfraktion gerichtet hat, weil sie ven Antrag Kardorff unterstützten, nicht

hstts kerne Eile, ich kann noch warten. Mir fehlt ja nichts, so lange ich hier bei Euch wohne und an Eurem Tisch speise; eS fragt fich, ob die Zünftige Gattin in ollen Dingen so liebevoll für mich sorge» wird, wie Du eS thust, Mutter."

„Man findet nicht immer ix der Ehe die goldenen Berge, die man fich von ihr verspricht", »ahm der Medizinalrath daS Wort, während er auf den Kaffeetisch zuschritt; „ich glaube, Elisa­beth Gruner hat das auch erfahren."

„Sie ist unglücklich gewesen?" fragte der Sohn rasch.

„Unglücklich? Ich will ba« gerade nicht be­haupte»; Roderich Griesheim war kein roher Mensch, im Gegenihell, er zeigte fich stet« sehr besorgt um seine Gattin, aber wie e« mit bau Einkünften ausgesehen hat, daran« bi» ich nie klug geworden. Der Bruder Elisabeth« und dieser Roderich Griecheim waren für mich inner problematische Naturen; der Himmel mag wi|w, wovon fie gelebt haben."

„So werben bie Sorge» jetzt die arme Fra» doppelt bestürmen!" sagte der Advokat, in erregte« Tone. „Griesheim wird Schulden hiuterlaffm haben — sprach sie bei deinem Besuch nicht tea-

trid)tin! täglich. • B

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der wieder sehr langsam und fast flüsternd sprach, referire» zu hören ober eigentlich nur auf der Rednertribüne zu sehen. Herr Antrick hatte sicher den besten Willen, eine mehrstündige Dauerrede zu hatten, aber so langsam et auch sprach, nach 2 Stunde» war ihm fei» Material auegegangex und fo kam es, daß die Sitzung über Erwarten früh ihr Ende faxte. Die nächste Sitzung findet, trotz dem heuchlerischen Wider­spruch der einen ungeheuren Fleiß markirexben Linken erst am nächsten Dienstag statt mit bet Tagesordnung: Antrag Gröber auf Sextee« rang der Geschäftsordnung. Am Montag ist bekanntlich für mehrere Diözese» katholischer Feiertag.

X Die Kiudämmttug der HefHSstoord- »««-»d-Satt-w, welche der gestern bereits von uns angekündigte Antrag der Ordnungsparteien bezweckt, ist unterzeichnet von den Abgeorteueten Gröber (Centr.), Bassermann (Natl.), Herold (Sentr.), v. Kardorff (Reichsp.), Gras Limburg-Stitum (kons), v. Nor­man n(kons.), Dr. Paosche (Natt.), Dr. Satt­ler (Natl.),Dr. Spahn (C-ntr.), Speck (Centr.), Dr. Stockmann (Reichsp.) v. Tiedemann (Reichsp.) unö über 200 anderen Abgeordneten ans den beiden konservativen Fraktionen, den Nationalliberalen, dem Centrnm, der deutsch- sozialen Reformpartei (Antisemiten) den Elsässer», den Deutsch-Hannoveraner» und sem Bund der Landwirthe. Die Polen haben fich ihre Stellung­nahme noch vorbehalten bis zur Befragung ihrer Frattio». Der Antrag lautet:

„Der Reichstag wolle beschließen, den ersten Satz deS § 44 bet Geschäftsordnung durch folgende SeRti* mu»,en zu ersetzen:

„Das Wort zur Geschäftsordnung wird»« nach stete« Ermessen deS Präsidenten er« theilt. Eine von demselben zugelaffene Bemerkung zur Geschäftsordnung darf die Dauer von fünf Mi­nuten nicht übersteigen.

Jetzt lautet der 1. Satz in § 44 bet bestehenden Geschäftsordnung:

„Sofortige Zulaffung zum Worte können nut die­jenigen Mitglieder verlange», welche über die Verwei­sung zur Geschäftsordnung reden wollen."

Otlnw» to.« moMitir wumm. ii. III— .

29. Jahrgang.