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JS 281 Iur-a, Samstag, den 6. Dezember 1902.
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29. Jahrgang.
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| Drittes Blatt. |
Mochen-Rnudscha«.
(Nachdruck verböte«.)
X Fulda, 6. Dez. 1902.
Da« parlamentarische Barometer steht auf Sturm. Es war freilich nicht ander- zu erwarten, als daß dar Gelinge« einer BerstLndigung der MehrheitSparteien unter sich und mit de« Regierungen und die so verbesserte Ausstcht ans ein Zn- standekommen des Zolltarifs die Obstruktionsparteieu der Linken vollends in Wnth bringe« und z»r Lnß-rften Kraftanspannung veranlasse« würde«, um da- Tarifwerk dennoch zum Scheitern z« bringen. Die Verständigung selbst hat auch die MehrheitS- parteie« keineswegs vollkommen befriedigt. Auf die Bindung der Biehzölle insbesondere mußte verzichtet werde«. Immerhin find die Vortheile de» Kompro- misies für die Landwirthschaft größer als die Nachtheile «nb e8 würde daher thöricht von den laud- wirthschaftSfreuudlichen Parteien, de» Sperling in der Hand fahren zu lasten wegen der Taube auf dem Dache. Am längsten sträubten fich die Konservativen unter dem Einflüsse deS Bundes der Sandwirthe, der in landwirthschastlicher Beziehung eme ebenso radikale Politik treibt, wie die Sozialdemokraten hinsichtlich der industrielle« Arbeiterschaft. Sie haben aber wenigstens zur Hälfte nachgegebe«, nachdem man ihnen die Herabsetzung einiger induflri- ever Zölle auf landwirthschaftliche Maschinen und Gwäthe zugestanden hatte. Auf dieser Grundlage, dieses heißt im Wesentlichen auf der Grundlage der Kommiffionsbeschlüffe ist der Antrag Kar- dorff zu Stande gekomme«, welcher den ganzen Zolltarif, der ja doch nur als eio Instrument zu Handelsvertrag-Verhandlungen in Betracht kommt, aber keine srlbständige Bedeutung hat, al» Anlage in de» § 1 Abs. 1 bi» Zollgesetzes selbst aufnimmt. Damit sah die Linke die Möglichkeit schwinden, an alle 946 Positionen de- Zolltarif- ihre Obstruktion-- anträge und »Reden zu knüpfe«. In ihrer wilde« Wuth darüber riefen fie im ReichStageLärmszenen hervor, wie sie in der deutschen Volk-Vertretung bisher ««tr» Sri waren. Dieselben Leute, die fortwährend der ehrheit.Bruch der Geschäftsordnung" vorwarfen, zerrisse« alle Bande der Ordnung und machten jede geordnete Geschäftsführung durch Toben und Schreien SUweift ganz unmöglich. Ja, fie zwangen sogar de« bgeordnete« Dr. Bachem, eine Rede vorzeitig abzu- breche«. Der Präsident, gegen dessen Autorität fie fich offen auflehnen, wurde durch diese tiefbedauer» lichen Szenen so erschüttert, daß er jetzt viel häufiger und viel länger, al- ei früher der Fall war, da» Präsidium an seine Vizepräsidenten abgibt. Die Presse der Obstruktion sucht die Sache so darzvstellen, als ob der Präsident durch die Art, wie die Mehrheit mit der Geschäftsordnung umspringe, zu Rück- Kittsgedanken veranlaßt worden sei. Da» ist jedoch ganz falsch und wird auch schon dadurch widerlegt, daß Graf Ballestrem bereit» seit der Szene, in welcher der Abg. Ulrich ihm offen Widerstand leistete, fietS sofort seinen Sitz zu verlassen pflegt, wen« ei« Sozialdemokrat zu rede« anfängt. I» einer an wüstet» Szenen und namentlichen Abstimmungen überreiche« Sitzung, die bi» in die Nacht dauerte, ist es am Dienstag gelungen, durch da» Gestrüpp der Ge- schäftsordnangSdebatten hindurch bis zur Eröffnung der sachlichen Berathung deS Antrags Karbolff selbst, der inzwischen eine redaktionelle Aenderung erfahre« hat, durchzudri«gen- Zwar machten am Mittwoch die Sozialdemokraten und die Freis. Vereinigung neue Schwierigkeiten, aber es ist nicht zweifelhaft, daß man auch dies«»-Debatte, nachdem sie einmal eröffnet ist, auch zu Ende führen und zu einem sachlichen Beschlüsse gelangen kann. Sobald dies erreicht ist, ist die 2 Lesung de» Zolltarifs erledigt und man lanu dann gleich in die 3. Lesung eintreten. Freilich muß man darauf gefaßt sein, daß di« Linke noch mit aller Gewalt dieser Ziel zu verhindern suche« wird. Die Sozialdemokratie appellirt bereits a« die Gasse, während die Herren „Wadelstrümpfler" von der Freis. Bereinigung auf allerhand Hintertreppen in gewissen Palais ihre Ansichten unmittelbar und mittelbar vor die „maßgebendste" Stelle zu bringen juchen. Bus der bekannten Vorliebe de» Kaiser» für überseeische Politik und überseeischen Handel schließen fie nämlich, daß der Kaiser vielleicht noch dafür S gewinnen wäre, den Zolltarif ganz fallen zu lassen.
ir verzichten darauf, diese kühne Hoffnungen etwas «Sher auf ihren Werth z« beleuchten und beschränke« uns lediglich darauf, zu betonen, daß im deutschen Reiche lediglich der Reichstag und der Bundesrath z« entscheide» habe«, dem Kaiser aber kein Vetorecht zusteht.
I« welchem Maße die Herren von der Freis. Bereinigung, die um ihr Fähnlein «ach und »ach die gesannnten Reste deS Liberalismus zu sammel« hoffe«, chre Zuversicht auf den Kaiser setzen, hat die Beurteilung gezeigt, welche dessen Rede bei der Gin- weihnng dec RuhmeShalle in Görlitz in der Presse dieser Richtung gefunden hat. Der Kaiser hat hier de« denrschen Volke „Freiheit bei Denken»", „Freiheit in der Weiterbilbung bet Religion" »nb „Freiheit der wissenschaftlichen Forschung" gewünscht, aber nicht die „Freiheit, fich nach Belieben schleckt zu regieren". Ueber diesen letzten Zusatz geht jene Presse stillschweigend hinweg, um ihre Leser nicht noch besonders darauf aufmerksam zu mache«, daß der Kaiser den politische« Freiheiten bei deutsche« DvkkS offenbar keine so große Achtung entgegen
bringt, wie den vorgenannten geistigen Freiheiten. Im Grunde ist diese Erscheinung de» Herrn Libe- rale« gar nicht unangenehm; fie wage« e» nur jetzt noch nicht, ihrem Publikum dieses offen z« zeigen. I» Wahrheit aber ist ihnen der sogenannte „aufgeklärte Despotismus", de« fie an Friedrich II. von Preußen rühmen, während fie zugleich Kaiser Wilhelm II. und Friedrich II. vergleiche», keineswegs ei« Schreckbild, sondern thatsächlich die einzige Grundlage ihrer Zukunft-Hoffnungen. Sie wisse« aber ganz genau, daß sie im Volke an-gespielt habe» und darum geht ihr Streben «ur »och dahin, ihre Leute in die Umgebung de» Monarchen und i« die einflußreiche« Stellnnge« in der Leitung des Staatswesen» zu bri«geu. Die Thatsache aber, daß der Kaiser dem deutsche« Volke Freihett de- Denken», der wissenschaftliche« Forschung «nd sogar in der Weiterbildung der Religion wünschte, hat die Herzen dieser Liberalen höher schlage« gemacht. Sie find felsenfest überzeugt, daß der Kaiser »«»mehr innerlich auf ihrer Seite stehe. Wie fie glaubten, ihn in volkswirthschaftlichen Fragen auf ihre Seite herübergezogen zu habe« durch beu Verkehr mit Männern der hohen Finanzwelt und der großen überseeischen Handelsverkehrs, wie z. B. de» Direktors Ballin von der Hamburg-Amerika-Linie und der Direktor» Wigand vsm Norddeutschen Lloyd, ebenso glauben fie nur auch i« den grundsätzlichen Frage» ver Weltanschauung, tu Religio«, Philosophie und Wissenschaft den Kaiser für sich gewonnen z« haben. Wir wolle« hoffe«, daß dies nicht i» so weitgehendem Maße, wie die Liberalen glaube«, der Fall sein möge. Som allgemein christliche» Standpunkte aus müßte» wir es bedauern, wenn der Kaiser, der so ost herrliche Zeugnisse starkmüthigen christlichen Glauben» abgelegt hat, sein Schiff i« die seichten Gewässer der liberalen protestantische» Theologie und Philosophie steuer« würde. Allerdings hat der häufige Verkehr bei Kaisers mit dem Führer dieser Theologie, dem Prof. Harrrack i» Berlin, der die Gottheit Jesu leugnet, schon wiederholt die ernstesten Bedenken der pofitiv gerichteten, altgläubigen protestantische» Zeitungen und Zeitschriften hervorgerufen. Immerhin dürfen wir hoffen, daß der Kaiser fich bei diesem Entwickelung-gange das unbefangene Urthoil, da» er nicht selten gegenüber Einrichtungen und Männern der katholischen Kirche gezeigt hat, zum mindeste» bewährt.
Die von Kaiser Wilhelm I. besonders gepflegte über'eeische Politik de» Reiche« ist i« Begriffe, an die Lösung einer Frage heranzutreten, die, so unbedeutend auch der augenblickliche Gegner ist, dennoch manche Schwierigkeiten und Gefahren in sich birgt. Wir meinen die Exekution gegen Venezuela, welche in Gemeinschaft mit einem englischen Geschwader von de« deutsche», in be» amerikanischen Gewässer» theils schon vorhandenen, theil» soeben dahin beorderte« Kriegsschiffen ausgesührt werden soll. Der Präsi,e«t Castro sucht nämlich die Bereinigten Staate« vo» Nordamerika in die Sache hineinzuziehen, indem er fich offenbar auf die vermöge der bekannte» Menroe-Dociri» im Amerika herrschende« Geneigtheit stützt, sich in die Angelegenheiten der anderen amerikanischen Staaten zu mischen. Birher hat Präfident Roosevelt diesen Verlockungen allerdings widerstanden, aber wohl mehr wegen der finanziellen Verpflichtungen, welche au» den Plänen Castro'» und seine» Newyorker Bankiers Seligmann (!) für die Ver- einigte« Staaten, denen nicht» geringere» al» die ZinSgarantie für eine venezolanische Anleihe angesonnen wurde, erwachse« wären. I'zwischen wird auch von einer „geheimen Mission" Castro'» nach Nordamerika und Europa gesprochen, jedenfalls auch zunächst zu dem Zwecke, um die leeren Tasche« de» Abenteurer» zu füllen. Da» deutsche Auswärtige Amt hat bereit durch ben Mund der .Köln. Ztg.' zu ver- stehe« gegeben, daß e» dieser Mission keinen Werth beimißt und einfach baldige Bezahlung der venezolanische« Schulden an die deutsche« Gläubiger verlangt, widrigenfalls die Schiffskanouen ei« gewichtige» Wörtlein zu reden haben werde».
Im fiebrigen hat die vergangene Woche auf dem Gebiete der auswärtigen Politik keine besonderen Ueberraschungen gebracht. Bemerkenswerth ist nur, daß jetzt auch Deutschland der „einzige Freund" des Sultan», diesem geratbe« hat, Reformen in Mazedonien einzuführen. Der Sultan hat da» schon oft versprochen, «uv er hat auch jetzt wieder eine besondere Kommission dafür ernannt. Aber Niemand glaubt an den Ernst seiner Versprechungen, schon deswegen, weil solche Reformen heidenmäßig viel Geld kosten würden. Vor allen Dingen müßten die türkischen Beamte« ihre Gehälter auch wirklich aus« bezahlt bekomme«, damit fie fich nicht vo« Erpressungen zu ernähre« brauchen. Jedenfalls steht die Sache ernst in Mazedonien Auch Rußland scheint gewillt, nur bi» zum nächsten Frühjahr ruhig zuzusehen. Inzwischen bricht der Aufstand immer wieder von Neuem au». Es wird Zeit für die Türkei, fich endlich auf ihre Pflichte« zu befinnen, sonst kann e» für fie — und für Europa im nächsten Frühjahr ernste Verwicklungen gebe«.
Herders Koaversationslexiko».
Seit viele« Jahre« war ei der dringende Wunsch der Katholiken deutscher Zunge, ein Nachschlagewerk (Konversatiouslexikon) zu bekomme«, das nicht wie Moy r und Brockhaus, die in ihrer A t gewiß vorzüglich find, die einzelne« Gegen- stände ix ttberalisirrnder Weise behandelt unb aus manche« Gebiete« einfach tendenziös, natürlich In der Richtung gegen katholtsche Auffassungen, sich bewegt Da» dürfte denn doch ein sehr berechtigter Wunsch sein. Ra« ist et«
solches Lexikon im Verlage von Herder in Freiburg L B. im Erscheinen begriffe« und der erste Band liegt bereits vollständig vor. Hebet diesen erste« Band schreibt der bekannte Schriftsteller Dr. Kausen im Heft 10 der .Wahrheit':
„Im Rovemberheste 1901 widmete» wir dem eben erschienene» Probehefte und erste« Hefte des neue« Herd.-rschen KonoersationS-Lex konS ei« herzliches und frohes SeleitSwort. E» erging uns wie viele» unserer Gesinnungsgenosse«: Sin Hochgefühl der Befriedigung, ja ei» gewisser Stolz mischte fich in die Freude über de« vo» der rührige« BerlagShandlung unternommenen kühnen Wurf. Die Ankündigung des Erscheinens eines auf katholischem Boden fußende» Konver- satisnSlrxikonS großen Stils deuchte ux< wie eine Antwort auf be» von so vielen Unberufenen gepflegte» Spott Über die Inferiorität der Katholiken.
Heute ist ei an der Zeit, zu» erstenmalr Nachprüfung zu halten, ob dar groß angelegte Werk auch in der That dar gehalten hat, waS »8 versprach und man vo» ihm erhoffte. Der erste Baud deS auf 8 Bände berechneten Lexikons liegt abgeschloffrn in einer ebenso eleganten wie würdigen und solide» Ortginaldeckr mit geschmackvolle« Einschlagblätter» vor uns. Es ist keine Uebertreibnng, wen« wir sazen: dieser erste Band kann fich »eben jedem unserer neueste« und renornmir'eften KonversationS-Lexka sehen laffen und hat in gar keiner Hinficht den Wettbewerb zu scheue», weder in der äußeren Ausstattung noch in Bezug auf dis Zuverläfstgkeit, Genauigkeit, Gründlichkeit, Vollständigkeit und wissen- fchaftliche Gediegenheit des Inhaltes. Papier und Druck fiid tadellos, die Jlluftratione», namentlich die prächtigen Karten, Vollbilder und Tafel« in Schwarz- und Farbendruck stehe» auf der volle» Höhe der heutige« Technik. Durch kurze Zeichen ist Betonung, Aussprache und Se- schlecht der Wörter angedeutet.
DaS Lob, das Herders KonvrrsationS-Lex'kon im Wettbewerb mit andern hinsichtlich der Vollständigkeit seines Textes gespendet wird, würde hinter der Wahrheit zurückbleiben, wenn nicht hinzugefügt würde, daß eS feine Konkurrenten gerade in diese» Paukte seit übertrifft. Denn darin liegt ja der Hanptoorzug de» neue» Lexikons, daß el die Lücken auSfüllt, welche gegnerische Engherzigkeit und Vorurtheiligkett, zu» Theil auch tendenziöse Absicht und böser Wille zum Schaden der Katholiken in den gangbarsten Nachschlagewerken offen gelaffen hatten, und daß eS anderseits de« ganzen «irren Wust vo« Irr- thümrr« und falschen Anklage« in catholioin beseitigt »nd durch objektive, nüchterne WahrheitS- z-UZniffe ersetzt. . . .
Sine Durchsicht des ersten Bande» wird auch dem peinlichsten Kritiker kaum Anlaß zu Bran- standukgen gebe«. Die Mitarbeiter hab» der forschende» Sonde der Kritik dir Arbeit sauer gemacht. Modern im gute« Sinne, hat dar Werk alle neue» Errungenschaften der Wissenschaften, der Forschung und der Technik berücksichtigt. Den weitverzweigte» Gebieten de» heutigen Real- wiffen» ist besondere Sorgfalt zugewandt. Die Form der Darstellung ist ebenso knapp wie faßlich und übersichtlich. Kein überflüssiges Wirt, aber in jedem Wort die peinlichste Genauigkeit. Daten und Z ffern find bi» in die jüngste» Tage fortgeführt. Auch die größeren und bedeutenderen Artikel Überraschen durch ihre Kürze, zeig«» aber auch bet näherem Zuschauen, daß aller Wesentliche berührt und die knappe Form ei» Kunstwerk ist.
Der abgeschloffene vorliegende erste Band dürste ein noch wirksamerer Werber sei» als die bisherige« Hefte. Den» der Bmd gibt eine be stimmte Vorstellung von dem, was das ganze Werk bieten wird. Der erste Band ermöglicht auch eine» Vergleich mit de« AnschassungSkoste» anderer große« L x ka. Der Begleich fällt sehr zu Sanften bei H-rderschen Lex ko»S aaS, dessen Einzelband mit 1740 Spalten Text und einem kostbaren Bildermaterial gebunden »ur 12,50 Mk. kostet, sodaß da» ganze Werk fich geb »eben auf 100 Mk stelle» wird.
Die BerlagShandlung hat einen große« Wurf gewagt. Der Einsatz ist hoch. Von be« Auf. Wendungen einet solche« Werke« kann fich nur der Fachmann eine« annähernde« Begriff mache». SS ist eine Ehrenpflicht der gebildeten deutschen Katholiken, dal neue L x.kon in seinem Kampfe gegen die zersetzenden Einflüsse der anderen große« L x ka zu unterstützen. Da» katholtsche Dkutschlano muß zeigen, daß eS ein solches Unternehmen zu würdigen weiß. Sin Mißerfolg wäre ein geistiges ArmuthSzeugniß. Möge deshalb jeder Katholik, deff-v Mittel e» nur troendwie erlauben, schon heute in den Kreis der Besteller treten. Der prächtige erste Band sollte viele« Tausenden eine Aufmunterung und ein Sporn sein. Mit Stolz dürfen »ir jedem Gegner diese erste große Probe unseres .KonoersationSlex konS' oorwrisen."
Schukßeldks — WähmWikdnd«.
Nachdruck verboten.
Jeder Jahreszeit hat die Natur ein Staat« - kleid gegeben, woran man fie gleich erkennen kann, wie de« König am Hermelin-Mantel, ben Ritter an Helm und Schwert.
Um da« lockige Haupt deS F r ü h l t« g S «ehe« leichte, sauste Westwinde und besäet mit Blüthrn, wie mit kleinen Silbrrstückchen, die Straße«, die er wandelt und d,e lichtglänzenden Glocke» der Maiblume« läuten ihm Willkommen entgegen. — Der Sommer hat den goldene» Kranz seiner Aehre« und fitzt auf dem Thron seiner Gewitter- »eilt» in M 'j fiät wie ei« alter König. MU gelben und rolhen Blättern spielt der Herbst, bunt ist er angezoze», wie der Hofnarr einer alte« König?; viel Schwänke und Narrenstreiche hat er im Kopf, um den statt der N irrenkappe mit klingende« Schellen Wrinblä trr hänge», d'raur die blauen und röthliche« Trauben hervor» gucken — und ernste Lehren und WetShrits- sprüche im Herzen. Der Winter endlich geht daher, still und schweigsam im Sturmschritt «nd um ih» flattert der lange unabschbare Z ag grauweißer Schneeflrcken.
Wie fie dahinjageu, fich zusammenballen zu Riesenstatue« von grauem verwitterten Granit» gefleht, nun zerreißen und ihre Flock» wie er» starrte Thräne« über die Landschaft streuen und an die Zweige der Bäume, die blattlosen, schmuckberaubten, wie ebenso so viele Perlen und Diamanten hängen. SchmerzenSthräsen fiad el nicht, diese Flocke», Freude bringen fie dem kahle» Strauchs, umhänge» ihn zierlich mit ihre» filbergestickte» Schleier: keine Braut trägt ih» besser, reichere Spitzen Hai keine Körigin. Dor» sorglich breitet die Na m die weiße Schnee'ecke auS, um kein neugieriges Auge in .ihre Werkstatt dringen zu lasse», wo auf den Wirk Goitrs die schaffenden Kcüfte an dem große» buntfarbige» T-ppich weben und wirken, mit dem fie im Lenz u*S Überrasche« «oll;«.
Wir stche« am Fenster im warme» Gemach und schaue« träumerisch hinan! in das Schneetreiben. Gleiche» die Flocken nichts genan unsere» eig enen Ziele» und Gedanke» Gerade so verworren durcheinander jagt daS Geschick sie hin. Sie glänzen, «en« fie a»S unserer Seele emporsteige«, auch so weiß u«d unbefl ckt und wir hoff », sie als silberne Sterne am Himmel unseres Lebe»! anfhängen zu können, bis der Sturm kommt und fie auf die Straße wirft in de« Staub hinein, gerade wie die arme» Schneeflecke», die zu häßliche» Wasserlache» zusammenrinnen. Andere find glücklicher; sie fallen auf hohe Giebel »nd spitze Ttzürme und der Frost nagelt fie fest. DaS find die groß-n Ziele, »uch denen man so lange schaut, trachtet, ringt und rennt, Ruh» »nd Liebe, Macht und Reichthu», bis auch sie zerschmelz;« an der Sonne der Wahrheit «nd als Dichtigkeiten zerrinnen.
Wen» wir jetzt i« diese« WeihnachtStagen über die Straße» eile» und u«S die Schneeflocken kalt t»S G-ficht schlage», »ahnen sie uns a» die Traulichkeit des HtttseS, »ahne» sie u«S daran, daß dort der schönste Friede» und daS reinste Glück zu fluten ist. Richt im Getümmel des sich drängende» Ehrgeizes suchet daS Glück, nicht im Tumult der sich bekämpfende» gegen- fettig vernichtende» Bestrebungen, sonder» zu Hanse, wo unter« W tthnachtSbaum daS Krippe- lei» aufgebaut ist und daS Jesukind alle» Glieder» der Fmrilie zulächelt: „Der Friede sei mit Euch!^ thb Friede im Herr» ist daS höchste Glück deS Sebewi!
Bleibt daheim i» den W'ihnachiStag», freuet Euch im Kreise Eurer Lebe«! Weihnächte» ist ei» Fest der Familie. Der Stern, der einst über dem Stalle in Bethlehem gestasdeu, er erscheint unS nicht mehr in seinem magische» Lichte, wohl aber können «ir am Ta»»enba«m ihm zu Ehre» noch viele hundert Kerzen anzünden, vor be» Kripprlei« beten n»d de» SngelSgesang „Ehre sei Gott in der Hö)el" mit «ufere« Menschenlippen nachfpreche«.
Wen« draußen die weiß;» Flocken niederrieseln, grüßen wir sie all Botschafterinnen der sezenbrivgenden Weihnacht «zeit, als wahre Frie- densspenderinue»! Mild und »arm decke« sie die Wett mit weißem Mantel, in jeder Flocke klingt ein leiser Ton, der Friede ruft und Freude.
Friede fd allen Menschen auf Erden und Freude nicht allein im Palast, so adern auch in der kleinsten Hütte und überall erklinge eS in frohem Jibeltoa: „0 du fröhliche, o du selige, gnaden bringende Weihnachtszeit!"
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