Einzelbild herunterladen
 

Knld aerMZ citung

mit den JBtllagtn

niustrirte SonntagsZeilung",Suldaer Seschichtsölättef und rofletTe^fisR.

29. Jahrgang.

Iuk-a, Mittwoch, dm 3. Dezember 1902.

X 278.

wirbentl Xobott

G Staatsstreich oder Revolution?

Am Vorabend des Staatsstreichs" oder so ähnlich überschreibe« die Zeitungen, welche die Sache der ObstruktiovSparteien im Reichstage vertret;«, ihre Leitartikel u«b Parlamentsrück­blicke. Dagegen überschreibt die .Kreuzzeitung' ihre Betrachtungen über das gleiche Thema mit den bezeichnenden WortenVerfrühte RevoluiionS- »ersuche". Sanz ähnlich hat ja auch am Montag der Abg. von Kröcher den Gedanke« ausgeführt, daß der gegenwärtige Augenblick eine bedenkliche Aehnlichkeit mit den Vorabenden großer Re­volutionen hat. Nachdem daS parlamentarische Mehrheitsprinzip in seiner absolute« Geltung selbst die Frucht der Revolution, über ein Jahrhundert fast unbeanstandet die zivilifirten Staaten beherrscht hat, wenden sich bemerkenswmher Weise heute die revolutionären Bestrebungen gerade gegen daS Mehrheitsprinzip, gegen die Grundlage d-s Parla­mentarismus. Eine Partei, die daS formale Recht ihrer Bestrebungen selbst nur darauf gründet, daß sie in absehbarer ZUt die Mehrheit des Volkes hinter fich haben werden, eine Partei, die auf diese Hoffnungen das Recht gründet, die ganze bisherige Gesellschaftsordnung umzustürzen, hat es nicht abwarten können, bis wirklich ihre Agitation ihr die Mehrheit im Volke gesichert habe. Obwohl nur die Minderheit im Volke und erst recht eine kleine Minderheit in der Volks­vertretung beansprucht sei, daß der ganze Reichs­tag mitsammt dem BundeSrath ihrem Beto sich beuge, ihr zu Liebe auf de« Zolltarif verzichte. DaS istder UmsturzdeSMehrheitSpriu- zipS, der Umsturz aller parlamenta­rischen Ordnung.

Die Führer der Sozialdemokratie haben die Geduld verloren, sie können eS nicht abwarten, bii die allgemeinen Wahlen in allerdings «och nebelhafter Ferne ihr einmal die Mehrheit im Reichstage sichern. Dazu kommt der von der sozialdemokratischen Partei und Preffe systematisch genährte Größenwahn, der sie dazu »erführt, ihre jetzige, doch zahlenmLßige noch untergeordnet« Bedeutung im Reichstage zu überschätzen. Un­geduld und Uebermuth haben sie dazu verleitet, den Versuch zu machen, dem deutschen Reichstag und damit der großen Mehrheit des deutschen Volkes ihren Willen aufzuzwingen. Sollte ihnen dieser Versuch gelingen, so müßte die« ohne Frage die ernstesten Folgen nach fich ziehen. Die Ungeduld der Sozialdemokraten, den gesellschaft­lichen Umsturz, bett fie erstreben, herbeizuführen, würde nach einem solchen Erfolge erst recht fich keine Zügel mehr anlege« laffen. Der Uebermuth würde in dem Maße steigen und fie zu neuen Thaten ermuthigen, je mehr ihr kecker Auftreten in Folge der Schwäche ihrer Gegner unb nament­lich der Regierung dazu führt, sie als die Herren der Situation erscheinen zu laffen.

Ran wende uns nicht ei«, daß ja nicht nur die wilde Sozialdemokratie Obstruktion mache, sondern auch die zahmeFreisinnige Vereinigung".

Die Macht des Geldes.

Krimmal-Roman von Arthur Eugen Simsen.

- ------- (Nachdruck verboten.)

1. Kapitel.

Ich kann'« noch immer nicht faßen, meine liebe Frau Griesheim vor acht Tagen noch gesund und wohlauf, und heute schon tobt und begraben!"

Die junge, in Trauer gekleidete Frau, die dem alten Herrn gegenüber saß, strich mit dem weißen Battifltuche über die Augen und seufzte dabei tief und schmerzlich.

Wer hätte da« auch ahnen können, Herr Medizinalrellh," erwiderte sie; da« alte Sprich­wort : Heute roth, morgen tobt, hat fich hier wieder einmal bewahrheitet. Al» Sie vor acht Tagen vor Ihrer Abreise hier Abschied nahmen, war mein lieber Mann noch so sehr vergnügt; aber nachher äußerte er doch einmal die Besorgntß, Sie hätten seine Krankheit wahrscheinlich nicht richtig erkannt."

Ach wa», ich konnte außer einer ganz unbe­deutenden und gefahrlosen Erkältung keine Krank­heit finden; Herr Roderich Griesheim »ar in dieser Beziehung etwa» allzu peinlich. Wie »er­lief die Sache weiter?"

Einige Tage »ach Ihrer Abreise klagte er über stechende Schmerzen in der Brust, Ohren- brause«, heftigen Durst u«d Schwindel, aber er wollte nicht haben, daß ich einen anderen Arzt rufen ließ. In der Nacht brach'S loS, ein furcht­barer Blutsturz, wie er Ihne« in ihrer lang-

Auch bei dem kleine» Gernegroß, diesemFeind- che»" der ReichStagsmehrheU, wie Herr von Kröcher mit boshaftem Humor fich auSdrückre, find Unzufriedenheit und Uebermuth oder Größe«, wahn die Triebfedern ihres Handels. Sie schmeicheln fich mit der Hoffnung, nicht etwa die Mehrheit des Volkes für ihre Sache zu gewinne», sonder» mit der Hoffnung, de« Stufen d«S Thrones nicht mehr fet« zu fei«. Die Vorliebe deS Kaisers für die Marine, für überseeische Politik und überseeische« Handel hat ihn persönlich mit einflußreichen Herren, die derFreisinnige» Ber- einigung" angehöre«, bekannt gemacht. Die Herren Barth, Brömel, Pachnicke rc. können e» aber nicht abwarten, bis die politische Entwicke­lung oder die persönliche Anschauungsweise deS Kaisers so weit gediehen find, daß ihnen die reisen Früchte deS kaiserlichen Vertrauens in den Schoß fallen. Sie wollen daher der Entwickelung nach- helfen, indem sie daS Bollwerk bet Schutzpolitik, welches ber Zolltarif immer noch darstellt, Nieder­reißen und die Bahn frei machen für eine aera deS Friedenshandels. So find fie, die um Kaiser­gunst buhlen, an die Seite der schärfsten Anti­pode« des KaiserthumS, an die Seite der Sozial­demokratie gedrängt worden. Leider hat diese böse Nachbarschaft auch auf sie schon stark revo­lutionär abgefärbt, sodaß der Kaiser, wen« er ihr gegenwärtiger Verhalten mit einiger Aufmerk­samkeit verfolgt, doch wohl Bedenken tragen könnte, in den Herren Barth und Senoffe« seine künftigen Minister zu erblicken.

Drohend schreibt da« Organ diese« Partetchen«, dar,Berl. Tageblatt':Ein Volk, da« mündig geworden ist, läßt sich nicht von einer Handvoll unternehmender Junker und Junkergenoffen tyranni- fixen. Da« würden auch die Kröcher und Genoffen erfahren, wenn fie er auf eine Probe ankommen ließen."

Wen« die Sache nicht so ernst wäre, könnte e« un« Spaß machen, die Herren Moffe und Levy- sohn usw. einmal Ernst mit ihren Drohungen machen zu sehe». Wit fürchten allerding«, daß wir doch um diese« Genuß komme« würde«. Die tapferen Makkabäer de« ,Berl. Tageblatt»' werden sich schon bet Zeiten hinter die breiten Rücken der Proletarier zurückziehen. Uebrigen» stimmt der Satz beffer, wenn man stattJunker und Junker- genoffeu" einsetzt:Juden und Judengenoffen".

Wie dem auch sei, die Sachlage ist ernst genug und vielleicht noch ernster, al» wir sagen dürfen. Trotz der scharfen Worte, welche der Kaiser in Effen gegen die Sozialdemokratie ge­sprochen hat, glaubt dieFreifiunige Vereinigung" sowohl auf die persönlichen Neigungen bei Kaiser«, al« wie auf die Wahlhilfe der Sozialdemokratie ihre Politik aufbaueu zu dürfen, sodaß fie gleich­sam ein Bindeglied zwischen dem aufgeklärten Despotirmu« der sozialen Demokratie darstelleu würde. Der Gedanke ist kühn, aber e« fehlt ihm nicht an einigen thatsächlichen Unterlagen. Doch er ist freilich so kühn, daß er trotz alledem scheitern würde. Aber auch nur der Versuch, ihn aur- zuführen, würde Zustände heraufbeschwören, welche entweder de« Avsolutirmu» oder die Re­volution, vielleicht auch nacheinander beide», bedeuten würde. Da« Ende wäre jedenfall» ein Ende mit Schrecken. Möchten die leitenden Männer

jährigen Praxis vielleicht selten vorgekommen ist. Mein Bruder holte sofort eine« Arzt, ber die Sache auch durchaus nicht leicht nahm und energisch Mittel anordnete. Aber der Doktor war kaum au» dem Hause, als ein zweiter Blutsturz eintrat, der dem geliebten Leben ein Ende machte."

Der Medizinalrath halte da» sorgfältig rafilte Kinn ans den Knopf seine« Stocke« gestützt; feine klugen Augen ruhten finnend auf dem blaffen, aber feingeformten und wirklich schönen Antlitz der jungen Frau.

Welcher Arzt hat ihn behandelt?" fragte er.

Dr. Kleinschmidt. Von einer wirklichen Be­handlung kann eigentlich keine Rede sein; wir hatten «och keine Zeit gefunden, die ungeordneten Mittel anzuw«nden,alr dasLeben schon entflohen wat."

Ließen Sie nicht den Arzt sofort wieder rufen ?"

In den ersten Minute« waren wir so sehr in Anspruch genommen, daß wir nicht daran dachten, und dann sagte mein Bruder, e« sei ganz unnöthig, ber Arzt könne doch nicht mehr helfen."

Aber er kam doch am anderen Morgen?"

Mein Bruder ging zu ihm und berichtete ihm da» Vorgefallene. St« seiften ja, der Doktor Kleinschmidt ist ein vielbeschäftigter Arzt; er nahm die Nachricht sehr glelchgiltig auf. Wie viel hätte ich damal« darum gegeben, wenn Sie, der alte, treue Freund meiner Familie, hier ge­wesen wären!"

Der Medizinalrath rückte die weiße Halebinde zurecht und wiegte mit theilnehmender Miene da» ehrwürdige, graue Haupt.

Da hätte ich auch nicht helfen können," sagte er,gegen den Tod ist nun einmal kein Kraut gewachsen. Ich ver sichere Sie meiner herzlichen

im Reiche diese Dinge recht eindringlich be- herzigen und nicht verHlen, ihre Auffaffung auch dort zur Geltung zu bringen, wo, wie die Dinge im deutschen Reiche fich nun einmal entwickelt haben, die Entscheidung fallen wird!

Berlin, 2. Dezember 1902.

+ Der Zlleichrtag hatte heute einen große« und wichtige« Tag. Dies zeigte fich schon äußer­lich nicht nur in dem starken Besuche deS Reichs­tags selbst, sonder» auch in dem gewaltige» An­drang zu de« Tribüne». DaS Publikum erwartete nämlich h.ute die Entscheidung über den Antrag Rarborff ober mindestens doch über deffen Zuläsfigkeit. Und dies mit Recht: Wir habe« schon gestern angekündigt, daß die Mehr­heit einschließlich der Nationalliberalen entschloffen war, die tagelangeGeschästSordnungsdebatte" zu schließe«, sobald fie ohne die Obstruktio«Sparteie» in beschlußfähiger Zahl versammelt wäre. DaS war heute der Fall: Nahe an 300 Abgeordnete waren anwesend, darunter besonders rühmlich das Eentrum, von welchem nur einzelne wenige durch Krankheit ober sonstige zwingende Gründe ver- hinderte Mitglieder fehlten.Der Reden find genug gewechselt, nun laßt u«S Thaten sehen!" war die Losung dieser Dauersitzung, die eine Un« maffe von namentliche» Abstimmungen brachte, da die Linke immer neue Schwierigkeiten machte. Trotzdem gelang eS, die endlose GeschäftsordnungS- bebotte über die Zulässigkeit deS Antrags Kar- darf und auch eine neue GeschästSordnungsdebatte zu schließen. Oder vielleicht noch mehr? Im Augenblick, wo wir diesen Bericht schließen müssen, ist gerade eine dritteGeschästSorduungSdebatte" eröffnet worden. JedensallS zeigte fich die Mehr­heit entschlossen, be» Kampf durchzukämpfen und sie hatte auch insofern Erfolg, als ber Antrag Kardorff sowohl in der bisherigen wie in einer redaktionell verbesserten neuen Fassung für zulässig erklärt wurde. DaS Stimmenverhältniß etwa 200 gegen 45 Stimmen bewies, daß nur eine ganz untergeordnete Minderheit sicherdreistet, eine gewaltige Mehrheit zu tyrannistren.

+Ki« Parteitag ber freistuuige« Dolsts partei ber Stadt Kertt« ist am Montag im Brandenburger Hause abgehalte» worden. Er war von etwa 60 Vertreter« der Berliner Ver­eine besucht. Außerdem waren die Abgeordnete» Blell, Dr. Hirsch, Kopsch, Kreitling, Dr. iangerhanS, Träger, Dr. Wiemer und Dr. Zwirn anwesend. In einstündiger Rebe schilderte Abg. Kopsch die jüngsten Vor- gänge im Reichstage und begründete daS takttsche Verhaltender freisinnige» Volkspartei, Es wurden vier Resolutionen gefaßt, die sämmtlich daS Ver­halte« der Fraktto« billigten. Drei dieser Reso­lutionen wurden jedoch wieder zurückgezogen und ber Parteitag nahm folgende, vom Stadtverord­neten Cassel vorgeschlagene Resolution einfthn»

Theilnahme; hoffentlich hat ber Herr Gemahl ge­ordnete Verhältnisse hinterlassen, so daß Ihnen wenigsten« drückende Sorgen fern bleiben."

Ich will da« auch hoffen," seufzte die junge Frau;mein guter Mann hat gewiß da» Setnige geihan, um meine Existenz auch nach seinem Tode ficherzustellen. Im vergangenen Jahre hat er sich in die LebenSverficherung eingekauft er überraschte mich mit der Police an meinem Ge­burtstage die Versicherungsgesellschaft wird hoffentlich keine Bedenken tragen, die Summe aus* zuzahlen."

Wie könnte fie da« ?"

Mein Mann war nur ein Jahr verfichert."

Und wäre e« nur ein Tag gewesen, die Ge­sellschaft ist zur Zahlung verpflichtet, sobald fie die Prämie in Empfang genommen hat."

Di« dunklen Augen der Wittwe hefteten fich zitternd auf da« Gesicht be» alten Herrn, in deffen Zügen fich nur herzliche« Wohlwollen und innige Theilnahme spiegelten.

Mein Bruder fürchtet, daß wir dabei auf einige Schwierigkeiten stoßen werden," sagte fie leise;er meint, die Gesellschaft werde einen Todtenschein verlangen, der von unserem Hauearzt ausgestellt ist."

Es genügt vollständig, wenn nur ein Arzt ihn ausgestellt hat."

Ich befitze allerdings einen solchen Schein vom Herr« Doktor Kleinschmidt, aber Sie würden mir einen recht großen Gefallen erzeigen, wenn auch Sie"

Die junge Frau stockte und drückte da«. Tuch wieder vor die Augen, der Schmerz über de« herben Verlust schien fie zu übermannen.

mig an:Der Parteitag spricht zu der Hal' tung der ReichStagS-Fraktion der frei' sinnigen Volkspartei bei der Bekämpfung »eS ZolltarifeS feine volle Zustimmung und Anerkennung aus in der Ueberzeugung, daß der Kampf gegen die LebenSmtttel-Vertheuerung und für die Handelsverträge mit aller Entschieden­heit geführt, aber die parlamentarischen Grundrechte und Institutionen gewahrt werde» müssen."

-s-AlSdevIlrheSer berMerständignug" bezeichnet übereinstimmend mit der Auffassung des Abg. Richter die »Deutsche Tageszeitung' die Sozialdemokratie, obwohl diese?Organ >e8 Bundes der Landwirthe selbst täglich mit der größte« Schärfe gegen die BerBändigung, wie sie in dem Antrag Kardorff formulirt ist, sich auSspricht. DaS Blatt, welches be« bringen« ste« Wunsch hegt, daß der Antrag Kardorff ab- zelehnt werde, betont trotzdem oder vielmehr gerade deswegen, daß viele Abgeordnete, die sonst mit dem Bunde der Landwirthe abseUS geblieben wären, durch die Sozialdemokratie auf Die Berständigungsbrücke gedrängt worden sind. Wir können hinzufüge«, daß dieS auch hinsicht­lich deS CeutrumS deswegen zutrifft, als ge­rade die Haltung der Sozialdemokratie so rasch und in einer noch wenige Tage vorher nirgends erwartete» Weise daS Centrum einig gemacht hat. Auch die etwa 10 Mitglieder des CmtrumS, welche die verhältnißmäßig 'hohen Beschlüsse der Kommission betreffs der Biehzölle bis dahin ab­gelehnt hatten, gaben nunmehr ihre« Widerstand auf. So hat also auch daS Crntrum alle Ur­sache, der Sozialdemokratie ganz besonders dank­bar zu sei«.

rl + Keilte zKeiKvegSustigmegsverträge mehrt Wie verlautet, beabsichtigt der national­liberale Abg. Frhr. Heyl zu HernSheim mit Unterstützung anderer Parteien, zum Zolltarif- gesetze eine Resolution zu beantrage», die den Zweck verfolgt, daß i» Zukunft Meist­begünstigungsverträge nicht mehr ab­geschlossen werden.

X Nie Konservativst» ttttb ber Zoll­tarif. Der Präsident deS preuß. Abgeordneten­hauses, ReichStagsabg. von Kröcher, Mitglied der konservativen Partei, hat in der Reichstags- »vom 1. Dezember d. I. seine« eigen« freunde« eine» schweren Borwurf gemacht. Er führte u. a. aus:

Meine Herren! Wer bie Geschichte der französi­sche» Revolution von Thoma» Earlple gelesen hat, wird sich sagen, daß zu keiner Zeit in Frankreich der Leichtsinn und die Gewohnheit, die Pflichten dem Bergnüzen unterzuordnen, so groß ge­wesen ist, wie unmittelbar vor der Revo­lution, daß viele von de» Gründ- und kleinen Seigneur» erst a«S dem Taumel aufgewacht sind, al» sie aus de« Schassot waren. Und täuschen Sie ch nicht, unser Leben jetzt hat eine ver­zweifelte Aehnlichkeit damit .... GS geht jetzt, meine ich, um Kopf und Kragen; um die Sxistenz vo» allem, waS wir halten wollen, handelt eS fich nun­mehr. Ich bitte deshalb die Herren, die fthle», wenig­stens in der Zukunft da zu sein. Ich verkenne nicht, daß eS sehr schwer für einen Abgeordneten ist, immer hier zu feilt, und daß auch viele unter de» Herre» find, die sich ungeheuer «»gern i» de» Reichstag habe» wähle» laffen; ich selbst bi» et» klasstscher Zeuge dafür Recht viele der gewählte» Herren sind nicht hier. Ich verkenne nicht die Unbequemlichkeiten für

Bitte, zeigen Sie mir doch den Schein meine« Kollegen," sagte ber Medizinalrath nach einer kurze« Pause,ich will Ihnen ja gern dm Weg ebnen, wenn ich es vermag."

Frau Griesheim erhob fich unb schritt zu dem Schreibsekretär.

Sie übergab ihm den Schein unb legte bas nöthige Schreibgeräih vor ihn auf ben Tisch, bann nahm ste ihre« Sitz ihm gegenüber wieber ei«.

Sie haben ihn schon am zweite» Tage be­erdige» laffen?" fragte ber Medizinalrath erstaunt, nachdem er ben Schein gelesen hatte.

Ich mußte das; der ZersetzungSprozeß trat so rasch ein, daß ich die Leiche nicht länger lieg« laffen konnte, ich durfte eS de« Mitbewohner« dieses Hauses nicht zumuthen."

Der alte Herr nickte ^stimmend und schrieb rasch einige Zeilen nieder.

Ich denke, das wird genügen," sagte et; sollte aber die Versicherungsanstalt dennoch Schwierigkeiten machen, so wird mein Sohn ge­wiß gern bereit fein. Ihnen mit Rath und That zur Seite zu stehen."

Vorausgesetzt, daß ihm dazu Zett bleibt i 8r ist so sehr in Anspruch genommen, daß et meinen Prozeß vielleicht nicht übernehmen kann"

Er ist allerdings ein vielbeschäftigter Advokat," unterbrach fie der Medizinalrath, unb über fein Gesicht glitt ein Zug stolzer Senugthuung,aber Ihne« wird er die Bitte nicht abschlagen. And was der Doktor Barnap übernimmt, das ruht in guten Händen."

Eine leichte Röthe überzog die Wange« der jungen Witwe; sichtbar verlegen senkte sie vor