■ Juköa, Montag, den 1. Dezember 1902.
29. Jahrgang»
Jfä 276.
mit den Beilagen , . _______
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„Illustrirte Sonntags »Zeitung, „iuldaer Ge$cbid)t$blättef und rotierie-Dsfe.
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0 Was sagt die Regierung dazu?
Dar ist die Frage, die jedenfalls oft genug laut wird in diesen Tagen, wo der Reichstag so unwürdige Schauspiel« geboten hat. Gerade diejenigen Parteien, welche stet» am lautesten von den Belksrechten sprechen und den reinen Parlamentarismus, wie er in England, Italien, Frankreich usw. in Geltung ist, al« ihr politisches Ideal betrachten, find bet uns an der Arbeit, den Parlamentarismus vollständig zu untergraben und dem Absolutismus die Wege zu ebnen. Wir wollen einmal einen Augenblick annehmev, dies« Parteien wären mit ihrer Gegnerschaft gegen den Zolltarif im Rechte; gibt die« ihnen aber ein Recht, der Mehrheit ihren Willen anfzuzwingen und jede Beschlußfassung über den Zolltarif unmöglich zu machen? Geben ihnen auch noch so starke Bedenken gegen den Tarif das Recht, über „Vergewaltigung" zu schreien, wenn die Mehrheit de« Reichstages fich ihrer Tyrannei widersetzt, um als Mehrheit Mehrheitsbeschlüsse zu Stande zu bringen? Das find Fragen, auf die jeder Verständige mit „Nein" antworten muß. Aber e« find auch Fragen, die keineswegs blos den Reichs- taa, sondern dar ganze deutsche Volk angehen, dessen geordnete Vertretung zum Spielball der Willkür des Juden Singer und seiner Rotte vollständig herabgewürdigt wird, und man sollt« meinen, solche Fragen wären schwerwiegend genug für das ganze Verfaffungsleben des deutschen Reiche«, um auch von den Verbündeten Regie-, rungen auf'» allerernstlichste erwogen zu werden. Unmöglich können fie den Kämpfen, die jetzt im Reichliche geführt werden, mit Gleichgiltigkeit, Sleichsam al« unbetheiligte Zuschauer, »usehen.
Das ist wohl Di« allgemeine Auffassung im Volke, und man fragt sich daher, wie die Regierung fich wohl daS weitere Schicksal nicht bloß des Zolltarifes, sonder« des Reichstags selbst denkt, wenn eS dem Toben der Obstruktion gelingen sollte, ihr Ziel zu erreichen. Wir wiffen nicht, ob Graf Bülow in den Besprechungen mit de» Führern der Mehrheitsparteien auch über diese Frage fich geäußert hat, und ob ihm überhaupt irgend ein bestimmter Plan oorschwebt. Es wäre aber doch wohl Zeit, daß auch der Reichskanzler im Namen der Verbündeten Regierungen ein Wörtlein spräche, um den Odstruktionsparteien zu zeigen, daß mehr auf dem Spiele steht, als nur das Zustandekommen oder der Sturz des Zolltarifgesetzes. Wir »erlangen nicht, daß vom Bundesrathstischr auS dem Reichstage Vorschläge gemacht werde», wie er die Obstruktion überwinden solle, oder daß gar, nach der etwas blutrünstigen Phantasie eines parlamentarischen Berichterstatters, die bewaffnete Macht einschreite, um die lärmenden und schreienden Abgeordneten auf der äußersten Linke» aus dem Saale hinauszubefökdern, ober man darf verlange», daß in einer KrtfiS, wie der gegenwärtigen, welche keineswegs bloß eine innere Angelegenheit deS Reichstags ist, auch die Regierungsgewalt ihre Autorität in die Wagschale werfe. To gut wie Graf Bülow zu Beginn der 2. Lesung die Linke davor gewarnt hat, die Axt an die Wurzel des Parlamentarismus zu legen, ebenso gut könnte er auch in diesem Augenblicke eingreifen, um de» rasende» Rolande» der Linke» zu zeigen.
Strandgut.
Roman von O. Elster.
28 -------- (Nachdruck »ertöten.)
„Wies,?'
„Gestern Abend erhielt ich eine» Brief von de« Rittmeister, der Else frei gibt."
„Rama?"
„Ja, «ein Kind. Er gibt Dich frei. Er ist hrimberufe», wie alle im Ausland weilenden japanischen Offiziere, weil ein Krieg auSgebroche» ist. DaS Vaterland ruft, so etwa streikt Sokoti i» auflodernd«« PatrottsmuS. Mit Begeisterung folge ich dem Raf — »b ich jemals wtederkehre, »riß nur der Himmel, Der Krieg wird lang und mörderffch werde», Japan wird nicht eher Frieden schließen, bis «S seine Forderungen erfüllt sieht. Unter diesen Umständen halte ich ,s für unrecht, «einer theuren Tlse Schicksal mit dr« meinigen noch länger zu verknüpfe» — schweren Herzen« gebe ich sie frei, eS ist das höchste Opfer, welches ich dem Baterlande bringen kann . . . so etwa schreibt der brave Mensch. Ich habe Dir den Brief «itgebracht. Else — Du magst ihn nachher selbst lesen."
Else «einte a» dem Herzen der Mutter. Der Gedanke an Gokoti hatte mit Zentnerschwere auf ihrer Seele gelastet, jktzt athmet« sie erleichtert auf. Da»» reichte fie Jobst die Hand, die bitfit tiefbewegt an die Lippen führte.
„Jrtzt kann ich Dir mit freiem, frohem Herzen angehören," flüsterte sie.
„Und Bernhard — wo ist Bernhard?" fragte
wohin die Reise geht, wenn fie so fortfahren. Jetzt wäre ei« solches Eingreifen jedenfalls noch viel nothwendiger, und viel wirkungsvoller, als zu Beginn der Bernthung.
Die Regietu«gen.dürfe» den Mehrheitsparteien nicht allein die Verantwortung für aller, waS geschieht, überlaffen. Diese habe« leider, indem sie auf Verlangen der Konfewativen einige Ausnahmen iw den Antrag Kardorff hineinschrieben, der Linken die Handhabe gegeben, noch mehr solche Ausnahmen zu beantragen und auf diese Weise den Zweck des Antrags vielleicht gar zu vereiteln. Es wäre wahrscheinlich bester gewesen, vorher eine gründliche Aenderung der Geschäftsordnung vorzunehmen, eine Aufgabe, an welcher der Reichstag doch vielleicht nicht vorbeikomme« wird. Die jetzige Geschäfts- ordnuxg des Reichstags ist entstände« in ruhigen Setten, als man derartige Szenen und einen sol- che« Mißbrauch der Ordnung deS Haases, wie es jetzt getrieben wird, nicht vorauSsah. Vie gewährleistet nicht mehr die Aufrechterhaltung der Ordnung, die doch ihr eigentlicher Zweck ist, und fie bedarf daher, auch von dem Zolltarife ganz abgesehen, einer zeitgemäße» Revision. Aber kann und wird fich der Reichstag dazu entschließen, wen« die Regierung sich scheinbar ganz neutral im Hintergründe hält? Kan« der Reichstag überhaupt Aufgaben, wie der gegenwärtige Augenblick sie ihm stellt, lösen, ohne daß seine Beschlußfähigkeit dauernd aufrecht erhalten wird? Indem die Regierungen aber «ach wie vor fich gegen Anwesenheitsgelder für die Abgeordneten ablehnend verhalten oder doch der Entscheidungen jaus irgend welchen umach- lichrn Rücksichten ausweichen, machen sie sich zu Mitschuldigen an dem Nebel der zeitweilige« Beschlußunfähigkeit des Reichstags, ebenso wie die fehlenden Abgeordneten sich zu Mitschuldigen der Obstruktiv« machen.
Diese Betrachtungen klingen vielleicht pessimistischer, als sie manche unserer, Leser »ach dem Gelingen einer Verständigung zwischen Regierung und ReichStagSmehrheit erwartet habe«. Unsere Leser werden sich aber erinnern, daß wir immer vor allzu große« Hoffnungen gewarnt und namentlich auch auf die Gefahren hingewiesen haben, welche aus der Unmöglichkeit entspringe», den Reichstag ohne Diäte» dauernd beschlußfähig zu erhalten. Kann aber der Reichstag unter solchen Umständen den Zolltarif nicht zu Stande bringen (man gibt übrigens in der Mehrheit die Hoffnung «och nicht aus, trotz der wüsten Radau- szenen der letzte» Tage), den» wird, das wiederholen wird, die ganze Verantwortung auf die Regierungen fallen, die ihrerseits nicht nur durch ihr allzu vorzettige» „Unannehmbar", sondern auch durch ihre laue Haltung angesichts der die Grundlage unseres Verfaffungslebens erschütternden Kämpfe im Reichstage daS Ihrige dazu beigetragen haben, um die Aussichten ihrer Vorlagen zu verschlechtern.
Herrische» gteidfr
Berlin, 29. November 1902.
* Wie Antersuchnug weg«» der falsche» Nefch»tti,««ge» gegen Krupp nimmt auf
Mama Brückner plötzlich. „Ich dulde eS nicht, daß fich mein Sohn um der gelbe» Asiate» willen die gefunden Knoche» entzwei schießen läßt . . ."
„Bernhard befindet sich in Stettin, wohin ihn «in Telegramm seiner Gesandtschaft sandte. Frage« Sie übrigen« einmal mein Schwesterchen Erna — e« scheint mir, al« ob diese mehr von den Plänen Bernhard« weiß, al« wir alle zusammen."
Sprachlos vor Erstaunen saß Mama Brückeer da. Aber e« «ar keine Zeit mehr, zu fragen und erzähle». Der Wagen rollte in den Schloßhof, der Wagenschlag ward aufgerissen, Mama Brückner durch Jobst h«rau«gehobe», und «he fie fich besinnen konnte, fühlte fie fich von zwei weichen Armen umschlungen, und eine scheue, zärtliche Stimme flüsterte: „Seien Sie herzlich willkommen, Mama Brückner."
„Sehen Sie, Mama," rief Jobst fröhlich, „Ihr Name wird schon von meinem Schwesterchen acceptirt."
Frau Antonie sah in zwei große, blaue Kinder- äugen, die mit schüchterner Bitte zu ihr ausschaute».
„Sie — Sie find Fräulein Erna, von der mir mein Bernhard so viel erzählt hat?"
Erröthend nickte das junge Mädchen mit dem Köpfchen.
„Nun bin ich beruhigt über Bernhards Schicksal," fuhr Mama Brückner lächelnd fort und preßte die zarte Gestatt Ernas zärtlich an das Herz.
18. Kapitel. '
Monate find verfloffen. Mama Brückner fitzt an ihrem Schreibtisch und rechnet mit einem Eifer,
Capri ihre« ungestörten Fortgang. Von Tag zu Tag stellt fich indeß die vollkommene Unschuld Krupps an de» ihm zur Last gelegten Verbrechen deutlicher heraus. Der neapolitanische Untersuchungsrichter Collengo hat in Folge der bekannten Zeitungsartikel sorgfältige Erhebungen auf der ganzen Insel Capri angestellt unv auch nicht die geringste Spur einer Anklage gegen Krupp gefunden. Zwar hat fich herauSgestellt, daß Sittlichkeitsoergehen, wie sie Herrn Knrpp vorgeworfen wurde», jüngsthin in ziemlicher Zahl auf Capri begangen worden sind, aber Herr Krupp ist in keiner Weife daran betheiligt gewesen, und die Capresen sind außer fich vor Entrüstung, daß gerade ihr Wohlthätrr, der durch sein einfaches Auftreten und durch die Gediegenheit feiner Lebensführung so manchem andere» Fremde« als gutes Vorbild hätte dienen könne«, in so niederträchtiger Weise verunglimpft werde« mußte. Herr« Krupp ist fein ungeheurer Reichthum zum Fluche geworden. Die gewerbsmäßige« SrprefsungS- und Verleumderbande» in Neapel sagten fich, daß aus diesem Besitzer ungezählter Millionen vielleicht eine reiche Beute herauszupreffen sei, und fie setzten alle Hebel in Bewegung, um Herr» Krupp in irgend einer Weise zu kompro- mittiren. Auch ein deutscher Gauner stand mit ihnen im Bunde. WaS durch neapolitanische Frauenzimmer aller Art und jeden RangeS mit Herrn Krupp versucht worden ist, bildet einen förmlichen Abenteuerroman. Aber alle diese Anschläge mißlangen und so versuchte man es denn schließlich (wie es scheint, auf den Rath jenes Deutschen), Herrn Krupp der Knabenlikbe zu zeihen. Der heikle Gegenstand verbietet uns, näher auf die geradezu teuflifche« Machenschaften einzugehen, die ins Werk gesetzt wurden, um die angeblichen Verfehlungen KruppS glaub- hast erscheinen zu (offen. Durch die Gerichtsverhandlungen wird ja auch ein Theil dieses fürchterlichen SchmutzrS auch der Oeffentlichkeit unterbreitet werben. Die konservative unb katholische Partei aus Capri, derma» zuerst die Verbreitung der verleumderische» Anklagen gegen Krupp zugeschrieben hatte, veröffentlicht eine Erklärung, in der sie mit aller Energie diese Annahme zurückweist. Kein ehrenwerther Mann in Capri habe je den leisesten Verdacht gegen Krupp gehegt oder ausgesprochen. Alle Welt auf der Insel wisse, daß Krupp ein musterhaftes, tadelloses Leben geführt habe. Der Gemeinde- raih beschloß einstimmig, in der Pfarrkirche für die Seele des Verstorbenen eine Todtenfeier abzuhalten.
Hc Iie Zfeefie ist von der deutschen Rechtsprechung nie verwöhnt worden. UnS wundert daher gar nicht die folgende, uns soeben zugehende Miltheilung: In dem bekannten Urheberschutz' prozeß des Pros. Dr. Sch «oller gegen den stad phil. Woth hat das Reichsgericht auf Verwerfung der Revision erkannt. DaS Uriheil deS Landgerichts Berlin I vom 19. Mai 1902 auf 200 Mark Geldstrafe oder 40 Tage Se- fängniß ist damit rechtskräftig geworden. DaS Reichsgericht hat danach entfchieden, daß nach dem Urheberrecht vom 19. Juli 1901 auch die Wiedergabe von Bemerkungen aus nicht, öffentlichen Vorträgen strafbar ist, ohne Rücksicht SSSM SS«S^«SSSSSSS^^SSS!^SSSSSI daß ihre Wangen hochroth gefärbt werden, während Jobst in dem Zimmer mit ernstem Ausdruck auf dem Gesichte auf und ab geht. Er zieht das verletzte Bein immer noch etwas nach, aber seine ganze Haltung ist freier und leichter geworden, unb seine Wange« zeigen die frische Farbe der alten Gesundheit.
„ Du wirst Dich selbst überzeugt habe», Mama," sagte er mit trübe« Lächeln, „daß mir nicht- weiter übrig bleibt, als Machnow zu verkaufe», nachdem mir der Kommerziemath Brückner die Hypothek gekündigt hat."
„Der Kommerziemath sollte sich schämen," fuhr Mama Brückner auf. „Mit großen Verlusten in seinem Geschäft motivirt er seine Kündigung — da» glaube ihm, wer eS kann."
„Laß es gut fein, Rama, er ist in seinem Rechte."
„Warte einmal, mein Sohn — Du sagtest, daß Du fünfzigtausend Mark nöthig hättest, um die Hypothek des KommerzienrathS zurückzahlen zu können!"
„Ja, für das Uebrige habe ich anderweitig Deckung gefunden."
„Nun gut, ich verschaffe Dir die 50000 Mark." „Du, Mama?"
„Ja, ich. Und ich freue mich, endlich wieder gut machen zu könne», waS Du vor langen Jahren an mir gttha» haft. Ja, ja, wein Sohn, Deine Hilfe, die Du einst der arme«, oerlaffene» Witwe »»gedeihen ließest, hat gute Zinsen getragen. Bor einigen Tagen war eine Dame bei mir, welche mein Pensionat für 60000 Rk. erwerben wollte —"
darauf, wie die veröffentlichten Theile hinsichtlich ihre- UmfangeS fich zum ganzen Werke verhalten. Durch de» Spruch des Reichsgerichts ist nun endglltig festgefleltt, daß die Presse fich strafbar macht, wenn fie Borträqe oder Theile von solchen aus nichtöffentlichen Verhandlungen, wie Kon- greffe», Synode», geschloffenen Bereinigungen unb anbeten Zusammenkünften, die nur für die Mitglieder zugänglich find, in die Oeffentlichkeit bringt, ohne daß eine ausdrückliche Genehmigung der beteiligten Faktoren oorliegt.
tze Scho« wieher veschkutzunfähig! Die Samstage und Montage sind nun einmal die Unglückstage deS Reichstags. Hebet Sonntag fahren nun einmal zahlreiche Abgeordnete stets gern in die Heimath, und gewiß nicht immer zu ihrem Vergnügen ober aus Sehnsucht nach ihrer Familie, sondern auch weil fie sich doch auch dann und wann einmal zu Hause blicken lasse» müssen, um in ihren BerufSpflichten (eS sei nut an die geistlichen Mitglieder des Hanfes erinnert) zu erfülle». Manche freilich könnte» und sollte» daher auch übet Sonntag in Berlin bleiben. Am Samstag war der Reichstag vielleicht nicht einmal beschlußunfähig; aber die meiste» Mitglieder waten nicht im Saale, als Herr Singer nach zwei Odstruktionsrede« — von Stadthagen unb Barth — die Vertagung beantragte und die Beschlußfähigkeit bezweifelte. Da- Bureau konnte nicht umhin, diesen Zweifel zu theile», und damit wat die Sitzung »ach etwa zweistündiger Dauer beendet. Viel habe» die Obstruktionsparteien dadurch freilich nicht gewonnen, da die Mehrheit ohnehin nicht die Absicht hatte, schon am SamStag die Geschäfts- otdnungsdebatte über den Antrag Kardorff zu Ende zu bringen. Aber diese vet ehtten Sitzungen machen doch immer einer schlechte« Eindruck und beleben aufs Neue de» Muth unb bie Hoffnungen berObstruktioniste«. Darum sollte man solche Vorkommnisse benn doch unter allen Umständen vermeide». Die „Schwänzet" kö»»en sich auch nicht damit entschuldige», baß sie bie Ausfüllung bet Samstagssitzung durch die Poleninterpellation erwartet hätte«. Denn es war schon am Tage vorher bekannt, baß bet Reichskanzler biefelbe jetzt noch nicht beantworten will. — So wat benn heute dieser Punkt im Handumdrehen erledigt, unb bei Gerede über bie Zulässigkeit des Antrags Rar» borff ging weiter. Von ben Reben bet Herten Stadthagen unb Barth ist weiter nichts zu sagen, als baß sie seht hetausfotbernd sprachen. Offenbar gingen fie barauf auS, neue Lärm- fjenen hervorzurufen. Aber bie Mehrheit that ihnen nicht ben Gefallen, sich reize» zu lassen. Rur Herr Richter von bet freisinnigen Volkspartei fuhr erregt auf, als, während ihn Barth heftig angriff, B bei ihn in Zwifchenrufen als „Bettäther" beschimpfte. I» dem Lärm, der wähtenddeffen auf der Linken herrschte, hatte Vizepräsident Büsing diesen Rus überhört, rief dann • aber den Abgeordneten Bebel zur Ordnung. Um die Tumnltanten wenigstens vom Rednerpult fernzuhatten, hat übrigens der Präsident Graf Ballest rem angeordnet, daß der Raum zwischen den Bänken und der Rednerbühne frei bleiben muß. — Ob das viel helfen wird, wenn die Linke Skandal machen will, ist
. „Rama ....?"
„Da ist ihr Brief. — Ich erbat mir bis heute Mittag Bedenkzeit. Jetzt weiß ich, waS ich zu thun habe. Die Dame will mir 45000 Mark bat auszahlen, — die sollst Du habe», unb für bie übrigen 5000 Mark wirb auch schon Rath geschafft."
„Nein, Mama, ich kann es nicht annehmen."
„Hab' ich mich etwa geziert, Deine Hilfe anzunehmen. Nut eine Bedingung stelle ich — Ihr müßt mich auf Schloß Machnow aufnehme», benn hier in einer Berliner MiethSwohnung mag ich nicht Hause». Unb bann, Jobst, wollen wir gemeinsam wirthschaften, unb Du sollst sehen, baß Mama Brückner noch Energie unb That- kraft besitzt."
„Wie soll ich Dir danken, Mama."
„Dadurch, baß Du meine Else glücklich machst,"
„Aber Elsen's Brüder?«
„Ist denn bas Kapital verloren? Im Gegen- theil, es soll gute Früchte tragen. Uebrige» hat Bernhard nichts nöthig. Er hat soviel erwerbe«, daß er sorgenfrei leben lan», we»« er »ach diesem unglückseligen Kriege da Hinte« i» Asien heimkehrt. Unb mein ältester Sohn wirb schon einverstanden sein."
„Also abgemacht, Jobst, »och heute schreibe ich an bie Dame!"
„Hm Elsens Willen nehme ich Dein groß- müthige« Anerbieten an . . ."
„'S ist gut Jobst, 'S ist gut, wir verstehen unS. men« ich auch Deine Schwiegermutter werde« soll."
Dankbar küßte er ihr bie breite, hartgearbeitete