Fuldaer
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Jut-ct, Samstag, den 29. November 1902.
29. Jahrgang.
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0 Vergiftete Waffen.
Kaiser Wilhelm II. ist eine impulsive Natur. Er war daher zu erwarten, daß d>e Theilnahme der Kaiser» an der Beerdigung Krupp« nicht vorüber gehen würde ohne eine Ansprache, in welcher die Eat.üstung de« Kaisers über die schweren Angriffe des sozialdemokratischen Hauptorgans auf den Verstoi denen zum Ausdruck kamen. Diese Erwartung hat sich am Mittwoch erfüllt, indem Kaiser Wilhelm im Waltesaal des Essener Bahnhof« an die Mitglieder des Direktoriums und die Arbeiter der Kruppschen Werke eine von der ,Fu!d. Ztg.' im Wortlaute bereits mitgetheilt« Ansprache hielt, in welcher er sich als einen Freund de« Verewigten bezeichnete und betonte, daß er als Oberhaupt der deutschen Reiches den Schild des deutsche» Kaiser« über dem Hause und dem Andenken des Verstorbenen halten wolle. Von Krupp sagte er, er sei ein Opfer seiner unantastbaren Integrität geworden. In den schärfsten Worten geißelte er eie niederträchtige und gemeine That des.Vorwärts", die mit ihren Folgen «eiter nicht« fei als Mord; denn, so betonte der Kaiser, e« besteht kein Unterschied zwischen demjenigen, der den Gift trank einem andern misat und kredenzt, und demjenigen, der aus dem sicheren Versteck seine« Redaktion«bureau« mit den vergifteten Pfeilen seiner Verleumdungen einen Mitmenschen um seinen ehrlichen Namen bringt und ihn durch die hierdurch hervorzerufenen Scelen- qualen tödtet."
Von den Sozialdemokraten die jene Schänd- that beginge«, sagte er, daß sie des deutschen Namens sich unwürdig gemacht haben. Er warf ihnen Undankbarkeit vor, weil gerade die Arbeiter- devölkerung Krupp so unendlich viel zu verdanken habe. Und er sagte zu den Krupp'schrn Arbeiter»: „Ich oertraM darauf, daß Ihr die rechten Wege finde» werdet, der deutschen Arbeiterscheft fühlbar und klar zu machen, daß weiterhin eine Gemeinschaft oder Beziehungen zu den Urheber» dieser schändliche« That für brave und ehrliebende deutsche Arbriter, deren Ehrersschild befleckt worden ist, ausgeschlossen sind. Wer nicht das Tischtuch zwischen sich und diesen Leuten zerschneidet, legt moralisch gewissermaßen die Mitschuld auf fei» Haupt Ich hege das Vertrauen zu den deutsche« Arbeitern, daß fie sich der vollen Schwere des Augenblickes bewußt find und als deutsche Männer die Lösung der schweren Frage finden werden.-
Es wäre nicht schwierig, gegen diese warm- herzigen Worte des Kaisers mancherlei formelle und materielle Einwendungen zu macht», auch wenn man nicht jede« Wort pressen will. Aber wir verzichten darauf. Nur ein Bedenken vermöge« wir doch nicht ganz zu unterdrück?», daß er sonst nämlich nicht Gepflogenheit ist, in einem schwebenden Gerichtsverfahren Partei zu ergreife». Je höher der Einzelne gestellt ist. umso mehr wird er sich de« B-devken nicht verschließen können, welche aege» eine solche 9 ff eie Aussprache er- Hobe» werde» können. Es liegt uns natürlich vollkom-
Strandgut.
Roman von O. Elster.
27 ------- (Nachdruck »erbeten.)
«Wie Gott e« will Aber Fräulein Erna, wenn ich heimkehre, darf ich dann hrer wieder vorsprechen — darf ich Sie Wiedersehen?"
Er hatte ihre Hand ergriffen und sah bittend in ihr Auge. Er fühlte den leisen, »atmen Druck ihrer weichen Hand, er la« in ihrem Auge die Innige Zärtlichke-t ihre« Herz-n«, und er hörte in ihren leise g« flüsterten Worten: „Ich werde mich herzlich freuen, wenn ich Sir wiese: sehen dürfte" ihre Liebe, ihr Vertrauen.
Sie hotten nicht darauf geachtet, daß Jobst »nb Else ihnen nicht gefolgt waren.
Else war auf die Bank in der Grotte zurückgesunken und vtdeckie die überströmrvden Augen mit den Händen. Sie glaubte sich allein, al« fie durch die ernste Stimme Jobst« emporgkschreckt wurde.
„Weshalb wollen auch Sie uns verlassen, Else?" fragte er leise und traurig. „Weshalb »ollen Sie da» freundliche Band so jäh wieder zerreißen, das sich zwischen Ihnen und uns soeben geknöpft hat?"
Sie sah mit groben, angstvoll n Augen zu ihm auf. „Sie — Sie, Herr von Windh-im, fragen mich noch? Sie wssm aber so gut, wie ich, daß ich nicht bleiben kann, mcht bleiben darf. . Derck-n Sie an Gerda« plötzliche Abreise . . .*
„Sie wissen -?*
men fern, dem Kaiser zu unterschieben, daß er dir Richter,welche demnächst i« demStrafverfahrengege» den .Vorwärts' zu entscheide« habe» werde«, habe beeinfluffe« wolle». Der Zweck seiner An- spräche liegt melmehrin den letzte»Worte«, worin er fich an die Arbeiter wendet, klar ausgesprochen. Aber Böswilligkeit wird dies nur zu leiät absichtlich übersehen und durch gehässige Kritik «ur umsomehr die Achtung der höchsten staatliche« Autorität zu untergraben suchen. Leider müssen wir auch bezweifeln, daß die Mahnungen des Kaisers an die Arbeiter, fich von der Sozialdemokratie abzuwenden, Gehör finde« werden. Derjenige Th Sil der deutschen Arbeiterschaft, welcher der Sozialdemokratie folgt, ist durch das Drmagogentbum in der sozialdemokratische« Presse und Partei zu sehr voreingenommen und befangen, als daß selbst so eindrucksvolle und nachdrückliche Mahnungen, wie die des Kaisers, bei ihnen Gehör fi«dev könnten.
Doch das soll uns nicht hindern, der Rede unseres Kaisers, soweit fie eise scharfe Vrrur- theilung der verächtliche« Kampfes weife enthalt, wie fie leider immer mehr i« einem Theile der deutschen Presse eingerissen ist, unsere freudige Zustimmung entgegeszubringen. Die Unsitte, dis man siüb'-r rur i« anderen Ländern kannte, den Gegner durch persönliche Verunglimpfung mundtobt zu mache», hat fich leider nur zu erfolgreich auch i» de- tschen Landen eingebürgert. Die Leser der katholische« Zeitungen wissen ja «ur zu gut, wie diese immerfort fich mit der unanarnehme« Aufgabe be- ichästige« müssen, die Ehrabschneidereien und SkandalKefchichte« der sozialdemokratischen, bürgerlich-radikalen und leider auch mancher konservativ-protestantischer Blätter, welche die katholische Kirche bekämpfe«, indem sie ihre Diener persönlich verächtlich zu machen suchen, zurückzuweisen und ihre Verlogenheit und Niedertracht darzuthu«. Möchte die Rede des Kaisers wenigstens bei manchen de« Anstoß bilden zu einer Kelbstprüfung und zu einer Umkehr. EZ wäre pharisäisch, wenn die bürgerliche P-esse jetzt lediglich fich über die sozialdemokratische erheben wollte: „Herr, ich danke dir, daß ich nicht bin, wie di-sel" Anlaß zur Besserung wird man bei ernster Selbstprüsung auch dort finden, wo man die Ausschreitungen der Sorial- demokratie, übrigens mit Richt, bekämpft.
Berlin, 28. November 1902.
+ Ate Jude« üt der Kotitik. Es muß einmal offen ausgesprochen werden, daß bei dem ganzen Treiben der Obstruktion im Reichstags die Juden den Ton angeben. Der Jude Singer steht an der Spitze der gesammten Obstruktion und spielt fich als den Herrn im Reichstage auf. Sobald die Reichstagsmehrheit fich dagegen auf- lehnt und in der Nothwehr zu schärferen Maßnahmen gegen die Berschleppungsmanöoer der Linken ihre Zuflucht nimmt, schreit die ganze
„Ihre Schwester hat e« mir erzählt. Sie mußte ja nicht den wirklichen Beweggrund Gerda« — ich aber weiß ihn, Herr von Windheim — und deshalb muß ich jetzt feit* . . .
„Nein, Else, Sie müssen nicht fort! Sie hälfen mich nicht »erlassen!*
„Soll ich Ihnen mit deutlichen Worten sagen, wa« Gerda von hier fei (getrieben hat? Soll ich Ihnen sagen, daß sie wußte — daß ich — daß Sie . . . ach, erspare« Sie mir da« Geständniß! Sie verstehen mich ja auch ohne Worte "
In seinen Augen leuchtete D glücklich auf.
„Wenn Dr wüßtest, El'e." flüsterte er, „wie glücklich mch Deine Worte machen!"
„Nicht so — nicht so — * rief sie, dir Hände wie abwehrend ihm enttzegenstreckend. Aber er ergr.ff ihre Hände und zog die Widerstrebende mit sanfter Gewalt an sich.
„Und wenn Alles sich so verhielte, wie Deine Worte a»deuten," fuhr er fort, „f» würde ich Dich doch nicht mehr vsn meiner Seite lassen. Gerda und ich, wir befanden uns Beide in einer unheilvollen Selbsttäuschung — ja, es ist wchr. Dein Dazwischentreten hat uns Beiden die Augen geöffnet, wir erkannten Beide, d^ß wir uns gegen ft feig unglücklich machen würden, unglücklich machen müßten. Als Du im schwanken- de« Boot in meinen Armen ruhtest, als ich Dich vom Bord des gestrandeten Ech ffeS hinabhob tn das rettende Boot, als Da dankbar lächelnd zu mir aufschautest, — da fiel rS wie Schuppen von meinen Augen — dis Täuschung verschwand wie ein böser Trausi, und ich schwur mir selbst getreu zu blüben u*b mich von de« Fesseln zu
Judenfippe im Parlament und tn der Presse über „Vergewaltigung". Bei den stürmischen Szenen am Donnerstag waren Juden die Hauptregifleure. Herr Singer, dem wir nicht zutrauen, daß er sich über irgend etwa« aufregen kann, wa« nicht feinen eigenen Geldbeutel oder seine Diktatur in der Sozialdemokratie betrifft, sprach allerdings sehr aufgeregt, aber nur in der wohlberechneten Absicht, aufteizend zu wirken. Die 3 Ordnungr- rufe, die er sich zuzog, waren über seine ganze Rede planmäßig vertheilt. Außer ihm zog fich auch der Jude Stadthagen einen Ordnungsruf zu. Während er redete, pflanzten fich vor ihm die Juden Herzfeld, Hoch und Haase auf und schwangen den Tak,stock zu dem Chorus wüster Zwischenrufe, den ihre Rotte hinter ihnen auffühlte. In der Berliner Presse find e« gerade die bekannten Judenblätter, wie die.Volkszeitung' de« Herrn Cohn, da« .Tageblatt' der Herren Msssr und Levysohn und sogar die nationalliberale ,Rationalzeitung', welche über den angeblichen Gewaltstreich bet Mehrheit am wildesten rasen. Die ,Ratio»alzeitung' eriheilt sogar ihrer eigenen Ftakeion und ihren Führern Bassermann, Sattler und Paasche in der anmaßendsten Form einen scharfen Rüffel. Unter diesen Umständen nimmt es kaum Wunder, daß innerhalb der Mehrheitsparteien, namentlich auch im Gentium, wo bekanntlich der Antisemitismus prinzipiell abgelehnt wird, zur Zeit eine lebhafte Empö ung über da« herrschsüchtige und freche Gebühren de« Juden- ihrim« fich geltend macht. Der Weizen des Äntifemitirmus blüht. — Dar ist auch ein Erfolg, freilich kein beabsichtigter de« von orientalischer Wildheit und Herrschsucht ein- gegebenen Gebühren« der Obstruktion.
+ Der eigentliche Zlrhever -er M- lchmbigtmge« fleges Kv«pp soll ei« be- kannter, auf Capri lebender Hamburger Maler sein, gegen welchen der italrersssche Unter- suchungSrichter bereits ein Haftbefehl erlassen habe; der Künstler sei geflüchtet. Wir scheu nicht ein, warum das .Berliner Tageblatt', das diese Meldung bringt, bm Namen SeS Künstlers verschweigt. Warum so zart-: Rücksichten gegen eine» Verleumder?
+ Die I!«g schritten gegen die Sozial bemoÄretie, die nach der jüngsten Enthüllung be« .Vorwärts' in 8 Millionen Exemplaren verbreitet werden sollen, haben angeblich einen gewisse Heinrich Fränkel zum Verfasser, der bei den letzten Reichttagswahleu freisinniger DnrchfallSkaudidat war.
* IleSen die KeschSfLsprsxi» be» Kohkeu- syubiAat« wird her .Korrefp. d- Bandes d. Land«.' «on wohlunterrichteter fachmännischer Seite geschrieben:
DaS Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat hat den Kohlensrobhandlungen ihr ganzes BerkaufSgebiet für den Streckenverfand in so «nd so viele Rrvtere einge- theilt, und haben die «ohlenfirmen rin oder mehrere Reviere zuaetheilt bekommen, in welchen fie die »en bestimmten Zechen unter Vermittelung deS Syndikats gekauften Rodlenmenge« wieder verkaufe» dürfen. Ferner gibt es auch Rheder firmen, welche nur nach dem Hafen Kohlen beziehe» und ihre ganze» SyndikaMohlenmengerr nur auf dem Wasserwege verschleißen dürfe». Sehr viele Kohlenhandlungen find nun von dem Syndikat nicht berückfichtigt worden und waren deshalb darauf angewiesen, Geschäfte mit den Nichtsyndikatrzechen zu machen. Diese Firmen, welche also mit dem Syndikat dir kt nicht arbeiten konnte», durften anfänglich Ab-
befreie», die mich do« meinem wahren Glück fern hielten. Und als Gerda mir in überhebendem Stolz entgegen trat, als fie eine verletzende Forderung stellte — da sah ich den Abgrund, der uns trennte, und ich gab fie frei und fie schied von mir. Urb muh will sich auch meine Klein-Else von mir scheiden?"
Weinend verbarg fie sein Haupt an seinem Herze«.
„Ich muß es ja", schluchzte fie, „ich darf nicht ander« handeln."
„Jch kann Dr freilich kein glänzendes Leben versprechen — vielleicht nur ei« L bm der Arbeit, der Arrnath" — fuhr er zärtlich fort. „Aber auÄ ein Lebe« der Liebe, der Tre«e. — Ich bin stark und muthig, wenn auch körperlich ein armer Krüppel."
„O schweig — schweig."
„Und doch war e« dies, welche« die Neigung i« Gerdas Herzen zu mir erstickte! Aber zu Dir habe ich das $:rtrou-n, daß Du mich trotzdem lieben wirst, doß Dir das Herz, die Seele mehr gelten, als der armselige Köiper. — Esse, Du darfst mich nicht wieder verlasse« — Du be ehst (in Unrecht an Deinem und an meiiem Leb.» .... e« fei denn, Du liebtest mich nicht I"
Sie blickte unter Thräne« lächelnd zu ihm auf.
' „Gerade wssl ich Dich so unendlich li»be," flüsterte sie, . muß ich jr fort von vier. Nach dem ich die Braut eines anderen Mannes . .
„Ich dachte nicht daran — verzeih!'
Em Schart«« flog bei der Einnerung an daS seltsame Vnlökmiß Elsas mit Lern Ritt-
schlöffe in Kohlen für ihre alte Kundschaft mit de» SyndtkatShändler» machen und auf diese Weise ihre Existenz fristen. Als aber bei schlechter Konjunktur die Konkurrenz der nicht zum Syndikat gehörende» Zeche» dem Syndikate fühlbar wurde, erließ «S a» seine Händler folgenden UkaS: 1. Keine Firma darf außer den vom Syndikat gekauften Mengen noch Kohlen von Zeche» führen, welche sicht dem Syndikat beigetrete» find. 2. Keine SyndikalSfirma darf an solche Firme», welche Kohlen von Nichtsyndikatszechen führen, fernerhin auch »ur einen Wagen Kohlen verkaufen. 3. Keine Rhederfirma, welche mit dem Kyidikate arbeitet, darf für Rechnung anderer Firmen Kohlen von Nichtsyndi« katSzechm auf dem Rheine verfrachten.
* Statistik der Kvaakerekaste«. Im nächstjährigen Etat des Reichsamts des Inner« soll dem Vernehm?« nach ein größerer Betrag für die Bearbeitung des statistischen Materials der Krankenkassen auSgeworfe« sein. Man will damit ein übersichtliches und möglichst lückenloses Bild von der sozialpolitische« Wirksamkeit dieser Kaffen erhalten Bekanntlich haben die Etats der letzt?» Jahre Positionen ähnlicher Art für die Unfallstatistik enthalten.
+ Die bayerische Aegieravg nttb der erhöhte chersteazalk. Der Münchener,Allge- meine» Zeitung', welche bekanntlich aus dem Ministerium des Grasen Crailsheim bedient wird, wird do« „absolut zuverlässiger Seite" mitge- thrilt, daß auch Bayirn nichts gegen die gedachte Erhöhung des Minim alzolles für die Brauereigerfte einzuwenden hat, wofern es durch dieses Zugestäadniß mösssch wird, auf dem Boden der Tarifoorlage eine so große Mehrheit des Reichstages zu vereinige«, um dafür die Zukunft des deutsche« Reiche« so enorm wichtige Gesetz zu Stande zu bringe«. Wir begrüße« diese Erklärung mit Genugthaung, glaube» aber, daß die bayerische Regierung im Interesse ihres Ansehens besser gethan hätte, wenn sie schon bisher nicht so schroff gegen jede Erhöhung des Geistenzolles Stellung genommen hätte.
V Merkt»», 28. Nov. 1902. Der Kaiser hörte gestern Abend von 61/, Uhr an im hiesigen königlichen Schlosse die Borträge deS KrregSministers, Generals der Infanterie ». Srßler und deS EhefS deS MilitärkabinetS, GenrraSeutenantS Grafe» von Hülfen-Häseler. — Der Prästdent deS Landgerichts zu Stendal NischelSky ist im Alter von 57 Jahren gestorben. — Wie der .ReichSanzeiger' meldet, ist der Stiftsherr Dr. BelleS- h r i m in Aachen zum StiftSpropst bei dem Kollegiat- stift in Aachen ernannt worden. Stifti»topft BelleSheim, am 16. Dezember 1839 zu Movtjoie (Rheinland) geboren, ist Dr. theol. und jur. utr. Als Domvikar an der Kathedrale zu Köln arbeitete er lange Jahre auf dem erz- bischöfliche» Generalvikariat und widmete fich nebenbei eifrig den Studien, insbesondere der Kirchengeschichte. — Ggmnafialoberlehrer Professor Birck in Mülheim am Rhein ist zum Stiftsherrn bei dem Kollegiatstift in Aachen ernannt worden. — Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht eine Berordnung über die Inkraftsetzung deS Gesetzes, betreffend die Unfallfürsorge für Gefangene, vom 30. Juni 1900. Nach dieser Verordnung tritt dar Gesetz mit dem 1. April 19c 3 seinem vollen Umfange nach in Kraft - Der zum Kammergerichtsrath ernannte bisherige AmtSzerichtSrath Menge (freikonservativ) zu Berum in Oftfriesland hat sein Mandat zum Hause der Abgeordneten für de» Wahlkreis Smden-Norden »iedrrgelegt.
*Harb-le-e«,28.Noo. 1902. (Amtlich.) Bei der heutigen Landtagsersatzwahl für den Wahlkreis I Magdeburg (Dalzwedel-Sardelegen) wurde Rittergutsbesitzer von Davier-Seg- gerbe (konf.) mit fämrntliche« 252 Stimme« gewählt. Ein Gegenkandidat war nicht ausgestellt.
meister Sokoti über fei« soeben noch in dem Glanze des Glücks und der Liebe strahlendes Gesicht.
„Du zürnst mir — ich weiß tu," fuhr sie mit schmerzlichem Lächeln fort, „daß ich jenes Mannes Liebe nicht zmückzewiesen — ach, Jobst Du wußtest ja nicht, daß ich an Deiner Liebe verzweifelte, daß ich fort von hier wollte, weit, weit fort, weil ,ch e« nicht ertragen konnte, Dich glücklich i« einer anderen Liebe zu sehen — weil ich nicht an Deine Liebe zu mir glaube« konnte. Usb al« ich einsah, daß unser beider Herze« fich getäuscht, als ich erkannte, daß Du mich liebtest — da war e« für mich und Dich zu spät — da hatten wir Beide jene« verhängnißoollen Schritt getha»''
„Noch ist eS nicht zu spät, Else, wenn Du mich wirklich liebst. Deine Mutter kommt heute Abend — ich spreche mit ihr — gibst Du mir die Eilaubniß? Darf ich ihr sagen, daß wir Bride frei sind — darf ich, meine süße kleine Else?"
„Ich gehöre zu Dir," flüsterte sie. Wie Da c« willst, so mag es geschehen."
„Du wolltest mir entfliehtN," sprach er zärtlich u» d weich. „Du wolltest ein Meer zwischen Dich und mich legen, aber selbst das Meer wollte unsere Herzen nicht trennen, unsere Liebe nicht vernichten. Es erhob fich grollend und warf Dich an den heimischen Strand zurück und an mein Herz. Als Strandgut habe' ich Dich gesunden,'' fuhr er in zärtlichem Scherz fort, „und dieses Strandgut behalte ich jetzt für mein ganzes Leben." ---