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29. Jahrgwg.

Jutta, Freitag, dm 28. November 1902.

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Schuld Dir gegenüber, Dir uxb der Mutter vxb bett Schwestern gegenüber abgetragen habe — Du sollst nicht verzweifel«, wie ich nicht verzweifel« will! Deine Schultern waren vielleicht zu schwach, die Last zu, tragen, welche die nächste Zeit un« auferlegen wird, aber ich bin jung und stark, ich vermag sie zu trage« — und ich werde sie trage« — da- schwöre ich Dir zu!"

Er beugte sich über die Hände seiner Vater«, doch dieser umfing ihn mit den Arme» und zog ihn an sei« Herz. Da« greise Haupt lehnte er auf den Scheitel seine« Sohne« und flüsterte leis« und zärtlich: „Stets lieber, lieber, braver Junge.*

17. Kapitel.

„Wie herrlich ist «« hier", flüsterte Else, al« fie am Arme Erna« durch den »eiten, wald- ähnlichen Park streifte.

Die beide« jungen Mädchen hatten rasch innig« Freundschaft geschloffen. Vom erst«, Begegnen an empfanden sie jene unbewußte Sympathie zu einander, an« der di« festeste Freundschaft zu ent­steh«« pflegt. Kau« waren sie einen Tag lang beisammen, und doch waren st« schon vertrautere Freundinnen, al« Erna und Gerda Brückner trotz ihre« »och,«langen Zusammensein« jemals ge- wesen waren.

I, einer von wilden Wein überwucherten Grotte, deffen Blätter der nahende Herbst bereit« dnxkelroth und gelb gefärbt hatte, ließe« ste sich nieder. Ma« genoß von diesem Punkte au« eine schmale Durchsicht nach de« Meere zu, und dar Sage schweifte ttber die wogende Fläche bi« zxm fernsten Horhont.

Strandgut.

Roman von O. Elster.

gß -------- (Nachdruck »etiotex.)

„Wenn ich allein die Schuld zu baßen hätte, ich wSrde ohne Klage die Sühne auf «ich nehme«. Rein Leben «ißt nur noch nach Wochen, nach Tagen — aber Ihr, Ihr seid jung — ein lange« Leben liegt noch vor Such — ein lange«, arme», elendes Leben."

Aufächzeud in der Qual der Selbstvorwürfe lehnte er da« greise Haupt zurück. Schwere Thränen perlten unter den geschloffenen Ang««- lidern hervor und rollte« über die eingefallenen Wangen In de« weißen Bart.

Auf da« sch«erzltchst« bewegt ergriff Jobst die Hand de« Vater« und drückte fie an di« Lippe«.

„Du bist ungerecht gegen Dich, Vater," flüsterte er Mit bebender Stimme. »Du warst «u« stet« ei« gütiger, liebevoller Vater, Du erfülltest uns jeden unserer Wünsch«, Du opfertest Dich selbst, in­dem Du mir halfst, al« mein Letchtfixn mich an den Rand der Verderben« geführt. Du hallest kein Wort de« Vorwürfe« für mich in jener Stunde — Du halfest mir mit de« liebe«, ftöh- liche« Lächeln auf den L'ppen, Du klagtest nicht, sonder« Du warst st,t« darauf bedacht, mir, de« Leichtsinnige«, di« Weg« de« Leben« zu ebnen.

„Wenn von Schuld und Sühne die Rede sei« kann, so ist die Schuld mein, wie die Sühne «ein fein wird. — Hier, mein Vater, schwör« ich e« Dir, nicht zu ruhen und zn raste«, bi« ich di«

ft Nach N««ez«ola Werden demnächst die dkutschrn Kreuzer „Niobr", „Ariadne" und „Amazone" in See gehen. Damit wird die deutsche Seemacht in den amerikanischen Ge- reiftet« aus sieben Schiffe anwachsen.

* Offen (Ruhr), 27. No». 1902. Der Kranz, den der Kaiser am Sarge Krupps nieder- lege« ließ, trug die Inschrift: Meinem beste« Freunde. Wilhelm. — Gegenüber einer Meldung, daß Krupp sich auf Eapri zu einer Vrrspotmng katholischer Einrichtungen und Ber- achtuRg katholischer Gebräuche Herbeigelaffen habe, bemerkt dir .«ffener Volkszeitung', daß Krupp anerkanntermaßen von großer kon­fessioneller Duldung gewesen fei. Dankbar sei es beispielsweise stets ars-rkanut worden, daß er trotz der an sehr hoher Stelle vertretenen gearntheiligen Anschauung als Mitglied des Reichstages für die Rückberufnng der Jesuiten gestimmt habe. Die Gouvernante seiner Äinbet, bemerkt das Offener ErntrumSblatt weiter, wat katholisch, katholische Geistliche, auch Otdenögeistliche katholischen Standes speisten gelegentlich an seiner Tafel auf Schloß Hügel. — Der Inhalt bei Testamentes ist bisher noch nicht bekannt geworben; inbeffen steht eins

hl Jet»«. „Hlustrirte Sonntags-Zeitung", „Suldaer 6esct)id)tsblätW und roftttieDsfe

von diesen Beschlüssen die Zollsätze der Nr. »08 auf 4.50 SW., der Nr. 809 auf 7,50 Mk., der Nr. 810 auf 12 Mk., der Nr. 816 aus 8 und 12 Mk., der Nr. 815 auf 8 Mk., der Nr. 905 auf 4 Mk. und der Nr. 906 auf 15, 12,10, 9, 7, 5,50, 4.50 und r Mark festgesetzt.

Dieser Anttag bedeutet die en bloc-Xn» nähme der Zolltarifs i« a>,emttnen nach Maßgabe der KommisfionSbeschlüffe. Rur einige Industrie,ölle, besonders solche auf land- wirthschaftliche «eräthe, find im Ginver. ständniß mit der Regierung, die frier eine wettere Konzession machte, ermäßigt worden. Außer von de« Abgeordneten ». Kardorff ist der An­trag unterzeichnet von 2 weiteren Abgeordneten der Reichtpartei, Dr. Stockmann und v.Tiede- wenn, von de» Konservative« ». Kröchet und Graf Limburg-Stitum, von den National- liberalen «affermann, Dr. Paasch« und Dr. Sattlet und endlich von den Centrum «-Ab- geordneten Gröber, Herold, Dr. Guah« und Gpeck. Die Linke war durch diesen Antrag vSSig über- rascht, obwohl fie eigentlich durch mancherlei Ve- richte, die während bet letzten Wochen in die Zeitungen gedrungen waren, daraus hätte vor­bereitet sein können. Scheinbar kam ihr der Präfi- deut zu Hilfe, indem er Zweifel an der geschäft« - ordnungSmäbigeuZulisfigkeitdeSAntragesäußene, aber die Redner bet Linken waren im Anrecht, wenn fie diese Zweifel dr« Präsidenten für fich in de« Sinne ausbeuten wollten, daß nun die Uuzuläsfigkeit de« Antrages entschiede« sei. Der Präsident hat nur Zweifel geäußert, keineswegs aber in bestimmter Weise die Uuzuläsfigkeit de« Antrages behauptet. 6t hat bei fr alb auch dem Hause die Entscheidung über dies« geschäfttord- xunakmäßige Frszs überlassen. Wie wir bestimmt wiffex, besitzt die Mehrheit, welche de« Antrag gestellt hat, indessen ganz unzweifelhafte Beweise dieser Zulässigkeit. Ganz ebenso hat der Reichstag schon roteberholt verfahren. Solche Präcrbenzfälle find aber überall da, wo die Geschäftsordnung selbst keine klare Auskunft gibt, entscheidend für die Auslegung derselben.

Leider wurde eS de» Wortführern der Mehr­heit durch daS Toben der ObstruktionSparteiev, das fichbiSzur offenen A»flehnung gegen die Autorität bei Präsidenten steigerte, am DonrerStag unmöglich gemacht, die geschäftS- ord«»«zSmäßige Zuläsfigkeü ihres Antragei. zu begrünbeu. Wiederholt ermahnte Abg. Dr. Spahn die aufgeregte» Herren zur Bernunft. Vergebens! Sowie er versuchte, auf die Be- gründung der Zulässigkeit bei Antrages einzu­gehen, wurde er durch erregte Zwischenrufe daran gehindert. Diese Lärmszenen, bei welche« Aus­drücke wie „Räuberbande", „Taschen­diebe" und dergleichen sielen und in deren Ver­lauf der Abz. Singer fich erfrechte, den Mit- gliedern der RehtheitSpartrien »srzuwerfW, sie bei dem Zolltarife ihr persönliches Jntereffr »erträteu (als wenn die Börsen- und Handels- jude« kein Jntereffe an dem Gesetze hätte»!), waren nickt nur des deutschen Reichstages in höchstem Maße unwürdig, sondern fie waten auch eine große Dummheit vs» de« Soziale demokLten. GS wurde ihnen nämlich die Zu- ficherunH gegeben, daß dis Entscheidung über den Antrag ’ freute noch nicht sollen sollte unddaß

* Die Nachricht von der Maudataniebev' kantet des Centrumsabgeordneten Dauze«' berg für den Wahlkreis Mülheim-GiegkreiS* Wipperfürth ist «ach der .Germania' nicht richtig. Herr. Landragsabgeordneter Dauzen­berg gedenkt noch z« bleibe».

h. Die AuschuldigANgeri gegen -Krupp find nach den Privat Meldungen verschiedener Blätter, z. B. auch der soziabstenfreundlichen .Mcankf.Ztg.'ali erfunden undalSdaS Werk einer gewerbsmäßige« Verleumder-und Eppresserbande, von denen Italia« wimmelt, nachgswiesen worden. Krupp sei vollständig unschuldig. Hoffentlich werde« die deutschen Blätter jetzt auch gegenüber de« Skandal-Geschichten über katholische Geistliche und OrdenSleute, dis ebenfalls »ongewerbSmäßigenBerleuMdktnvetbteitetwetbe«, etwas vorsichtiger!

ft I«« Iottzeipräsideule« so« Karli« an Stelle des zum RegierunqSpr Sfidrnten von Frank- furt a. O. ernennten Herrn von Windheim ist «ach bet ,Nat. Ztg.' der Potsdamer Polizei- Präsident Graf Bernstorfs in Aussicht ge­nommen. Beschlüsse feies inbeffen noch nicht

wax fich heute lediglich übet die Geschäfts- orbnungSstage unterhalten wollte. Nein! Die Linke verharrte eigenfinnig auf bet Forberung, die Verhandlung bis morgen suSzusetze», obwohl dadurch praktisch gar nichts anderer erzielt wurde, »IS »aS «an den Herren ohnehin zugestanden hatte. Ja, fie schädigten fich nur insofern selbst, alS fie durch ihr Tobe« eS fich selbst unmöglich machte«, die Gründe der Mehrhett kennen zu lernen. Sie werden fich daher auch auf deren Widerlegung nicht »orbeteiien können. Dadurch haben fie fich für morgen selbst ihre Situation verschlechtert. Der Zorn ist eben ein schlechter Rathgeber.

AuStoben laffex! war gerade »«gekehrt die Parole bet Mehrheit, die de« schmachvollen Pro- vokatione» der Minderheit im Großen und Gan­zen mit eiserner Ruhe antwortete. Auch der Präsi­dent machte n«r selten von dem Ordnungsrufe Gebrauch und vermied eS, gegen renitente Ab­geordnete bis zum äußerste« zu gehen, sonst hätte es jedenfalls «och wüstere Scene» und sogar Thät- lichkeits« gegeben. Um den Reichstag vor einer solche« Entwürdigung zu'bewahre», ließ der Präfi- »ext heute viel «ehr durchgehen a!S sonst. Hoffent­lich erweist fich diese Ruhe und Besonnenheit alS dar richtige Mittel, um die parlamentarische Maschine wieder in einen ruhigen Gang z» brin­gen. Wenn nicht, so wird allerdings zu schär- seren Mitteln gegriffen werden müssen. Rament- lich wenn die Obstruktion, reis eS der Abgeord«. Pachnicke von der freifinnigkn »erüniguns, diesem bedauernSwerthe« Anhängsel der Sozial­demokratie, in Ausficht stellte, dazu übergehen sollte, jede« Fall des Widerstandes, also auch Lärm und Gewalt, für erlaubt zu halten, so hätte der deutsche Reichstag die Pflicht, z« zeigen, daß er sich nicht alles gefallen läßt und daß er eben soch nicht der österreichische Reichs- rath ist.

gefaßt.

* Eine Vorlage über die Anleihe von 228 MMio«a« ist heute von den Stastverordneten der Stadt Berlin genehmigt worden.

* «Ad Lar-dwirtHsHafL 8« muß mit Dank anerkannt und frstgestellt werbet', daß unser« Heorerverwaltung in neuerer Zeit bei der Anschsffung der BerpflezungsmiUel für da« Heer mehr und mehr die deutsche Land- »irthschaft berüchlchsigi. In der neuen Vor- schrift für den Betrieb und die Verwaltung der Truppenküchen ist z. B. bestimmt, daß in den Truppenküchen nur Raturbuitcr, keine Margarine verwendet werden darf. Schinken muß von Thier«« herrähre«, welche im Inland geschlachtet wurde«; amerikanische« Schmalz darf nicht verwendet . reiben. Auch ist --fMMchor

f Konserven untersagt.

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Berlin, 27. November 1902.

»In der heutigen Sitzung dos M«»beoratHs wurde dem AuSschußprotokoll, betreffend Ab­änderung von SalzsteuerbefreinngSvor- schriften, sowie dem Auöschnßberichte über bte Vorlage vsm 24. Oktober d. I., betreffend die GewähnmZ von Brennstenervergütnug, ferner dem Ank'chußberichte über eine Mugabe, betreffens die Rückgrwährnng von Breunfteuer aus «illigkeitSgründen und über de» RrichStagS- deschlxß vom 7. Juni d. Js. i«r Pstitts» de« allgemeinen deutschen MufikverbanbeS zu Berlin, betr. die Konkurrenz ber Rilitärmnsiker, zngestimmt. Ferner wurde die Errichtung ge­mischter Privattransitlager ohne amtliche« Mttverschluß für »au- und Nutzholz i« Straß­burg i. E, Mannheim, Kehl und Ludwig«hafen a. Rh. genehmigt. Ebenso wsrds auch die Vor­lage betreffend die Einführung »es Lohn­büchern für die Kleider- «nb Wäschekonstktion genehmigt

„Immer neue Schönheiten entdecke ich hier", sprach Else lächelnd, deren künstlerisch gebildeter Auge entzückt »»» all' den herrlichen Landschaft«- bilder« war.

„Ja, e« ist schön hier in dem alte« Sulennest, »ie Papa Schloß Machnow nennt", extgegnet« Erna sinnend. „Und dennoch gefiel e« ber Braut meine» Bruder« nicht, sie fühlte fich bedrückt durch die Einsamkeit, fie vermochte fich hier nicht zu gewöhnen."

„Gerda ist an ein glänzende«, bunte« Leben gewohnt. — Ich fürchtete bei ber ersten Bekannt­schaft mit Gerda bereit«, daß fich mein Bruder in ihr getäuscht habe« würde. Di« Ereigniff« haben mir recht gegeben."

„Sa« ist geschehen, Erna?" fragte Else er­schreckt. „Ich fühle, e« ist etwa« vorgefallen — Gerda läßt sich nicht blicken . . .?"

Erna blickte ernst vor fich nieder.

„Wir wollte« e« Ihnen, unser» liebe» «ästen, eigentlich verberge», aber . . . rea« nützt e«, Sie müssen e« ja doch bald erfahre« . . . Gerda hat Machnow »ettaffen und die Verlobung mit meinem Bruder aufgehoben ..." x

In sprachlosem Schreck starrte Alse die Frenndin an.

„Wie war e« möglich?" flüsterte fie. „Wie -konnte Gerda so handeln?"

„Gestern Abend fand eine Unterredung zwischen ihr und Jobst statt, welch« de« Bruch herbei- führte. . ."

„Gestern Abend — nach unserer »nkunst?" „Ja — doch wie blaß Sie plötzlich geworden

find, Alse! — Sie find noch angegriffen, — wolle« reis nicht in da« Schloß zurückkehren..."

„Nein, nein", schluchzte Else auf. „Lassen Sie mich — ach, ich verstehe alles — Erna, ich — ich bin schuld an diesem Zerwürfniß . .

„Aber, liebste Else . .

„Ich kau« Ihnen nicht erklären, wie da« alle« gekommen ist, glauben Sie mir aber, daß ei ohne mein Zuthun so gekommen ist."

„Ich kann mir Ihre Worte nicht erkläre« ' ' In diese« Augenblicke tauchten die Gestalte« Bernhards und Jobsts in dem Laubengange auf, ber }» bet Grotte führte.

Elfe sprang auf. „Lassen Sie uns gehe«, Srna — dort kommt Jobst . . /

Mit eigenem Lächeln blickte Erna auf die erregte Freundin. Die letzte» Worte hatte» ihr verrathen, wie eS i» dem Herze» ElfeS auSfah. Aber sich »»gesehe» zu entferne«, war nicht mehr möglich. Die Herren hatte» die beide» j»«ge» Mädchen schon erblickt und traten rasch auf ffe zu. _ , •

„Ich suchte Dich, Slse," sagte Bernhard, indem er Erna höflich grüßte. „Ich habe DK und auch Ihne«, gnädige« Fräulein, eine Mtt- Heilung zu machen, ich muß noch heute »ach Stettin zurück."

„Du willst abreisen?"

„Ja, ich muß. Ich habe an unsere Gesandt­schaft nach Berlin geschrieben, um die Sw zögerung meiner Ankunft in Kopenhagen zu ent­schuldige«, vor einer Stunde erhielt ich die tele­graphische Antwort, daß ich mich sofort «ach

-ST 274._____________________

__ In beit Wiener Vteichsrath

konnte man fich am Donnerstag zuweilen i« Deutsche» Reichstage »ersetzt Wen. So stürmische Szenen hat das sonst so sehr auf die Wahrung seiner Würbe bedachte Hau« wohl «och nie gesehen. Der Umstand allein, daß ei« Präsident wie Graf Ballestrem, dem eS doch gewiß nicht an «icherhett und Exergie fehlt, erklären mußte, daß er gegrn einen Unfug. wie ihn der Offenbacher „Genosse" Ulrich trieb, machtlos fei, kennzeichnet z«r Genüge die Atmosphäre dieser wilderregten Reichstagssitzung. Unentschuldbar ohne Frage war da« wüste Ge- bahren ber sozialbemokratischen Obstruktionsleute, wohl begreiflich aber ihre Wuth; handelte e« fich doch freute um nicht« Geringeres, al« um die enbgiltige Niederwerfung der von der Sozialdemokratie etablirte» Dik- tatur der Minorität!

Und darin liegt zugleich enthalten die Snt- scheiduvg Über die Wei wichtigste» Fragen diese« WinterS: Erstens, «er soll Herr sein im Saufe,die Mehrheit der erwähltexBertteter de« deutschen Volke« — oder btt Jude Singer und seine Gefolgschaft? Und zweiten«: Gelingt r«, den Zolltarifgesetzentwurf zum Ge- setze zu erheben ober nicht?

AuS bet zweite» Frage ergibt sich, baß eine Verständigung über den materiellen Inhalt des Zollratif« vorhergehen mußte, benot man data» denken konnte, den Reichstag von bet Zwingherrschaft beS Herr» Singer zu befreien. Erst am Donnerstag Vormittag ist e« ge­lungen, jene Verständigung perfekt zu machen. Der Ernst bet Lage, die «»gefreute Last btt »erantreottung bestimmten die Konservative, nicht in ihrer Gesammthett, aber b-ch in frin- reichexbrr Zahl fich dem Kompromiß anzu- schließe», welche daS Cextrum mit dem Reichsbanner und de« Nationnlibetalen ge- schloffen hatte. EL »ar sachlich durch«»« be- gründet und taktisch »othwendiß, wen» wir i» be« »orhetgehenden Tage« stet« betört habe», daß die Verständigung noch sicht al« vollzogene Thatsache betrachtet werden dürfe; in der That ist e« erst am Donnerstag ge­lungen, dem Kompromiß eine sichere Mehrheit zu verschaffen.

Nachdem dies aber gelungen »ar, mußt« sofort auch übet den Weg, auf welche« dar Kompromiß im Plenum durchgrführt werden könne, allen Kniff« der Obstruktion zum Trotz, entschieden «erden. Auch i» dieser Beziehung kam man jetzt, mit einigen Zugeständnissen an die Konservativen, unschwer z« einem bestimmte« Lrgebxiß und diese« fand seine Formulinnrg in dem folgende», freute sofort im Plenum eingebauten Anträge v. Kardorff: Der Reichstag wolle beschließe»: für be» Fall der Annahme der § 1, Abs. 1 d,S Entwurf« eines Zolltarifgesetzr«, denselben zufaffe» wie folgt:

Bei bei Einfuhr von Waaren in da« deutsche Zollgebiet werde«, soweit nicht für die Einfuhr a»g bestimmten Länder» andere Vorschriften gelten, Zölle nach Maßgabe der dem Reichstag am 6. Oktober 1903 vorgelegten endgültige« Beschlüsse der XVI. Kommission über den Zoll- tatff erhoben. Jedoch werden i« Abweichung

Fuldaer

mit den Beilagen

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