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29. Jahrgang.
Iuköa, Donnerstag, den 27. November 1902.
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»och die Wiederherstellung der Regierungsvorlage bei § 12 abgelehnt. Die Stimmen der Linke» ersetzten hier allerdings den Ausfall reichlich, aber diese werden dennoch am Schluffe gege» da- ganze Gesetz falle», sodaß wenigstens ei» Theil der Konservativen zur Mehrheitsbildung einstweilen nicht zu entbehren ist. Fest steht also bisher gar nichts, wenn auch die Hoff» nung nicht ausgegeben zu werden braucht, daß die Konservativen schließlich an ihrem Wider» spräche das Gesetz nicht scheitern lassen werde». DaS Centrum ist einig.
X 3*m zweite» Bürgermeister »o» Kerli» ist von dem betreffenden Ausschuß der Stadtverordneten derRegierungSrath Dr. Georg Reicke vorgeschlagen. Uebrr die Persönlichkeit dieses Herr« thetlt die liberale «Nationalzettung^ mit: „Sr. jur. Georg Reiche ist der Sohn deS bekannten Kantforschers und OoerbibliothekarS Dr. Rudolph Reiche in Königsberg und 39 Jahre alt; er war Konfistorialrath und Justitiar d«S brandenburgischen Konsistoriums. Ja weitere« Kreise« wurde er bekannt durch seine Stellung» nähme in der Bewegung gege« die lex Heinz« und sollte deshalb nach Königsberg versetzt werden; er lehnte jedoch diese Versetzung ab und war im Begriff, sei» Amt aufzu- geben, als er vor einem Jahre zum Mitglied in das ReichSoerficherungsamt berufen wurde." Die Berliner Stadtverordneten würden danach gewiß keinen Staatsbeamten zum Bürgermeister nehmen, wen« er nicht durch sein Auftreten gege« die lex Heinze und als Mitglied der berühmten Soethebundes seine Qualifikation zu« Bürgermeistrr einer „freisinnigen" Stadt« Verwaltung erbracht hätte.
* Aer König »•« Sachse« al» I«eK- gegner. Unter dem Vorsitz de« Fürste« Karl zu Löwenstein fand am Sonntag in Dresden eine Versammlung von Mitgliedern der Anti Duell» Liga statt, in der die Bildung einer Dresden« Ortsgruppe beschlossen wurde. Der Fürst theilt« mit, König Georg von Sachsen habe ihm persönlich erklärt, daß er mit den Tendenzen der Anti-Duell» Liga einverstanden sei.
* Gin ZKinisterjuviläum. Derbayerisch« Finanzmtnister Dr. Freiherr von Riedel feiert sein 25jährigeS Ministerjubiläum nicht am Tage der im Jahre 1877 erfolgte« Ernennung, sonder» am Tage des Dienstantritts, das ist am 1. Dezember. Freiherr vo» Riedel ist nunmehr der einzige bayerische Minister seit Bestehe» der Vrrsaffung, welcher 25 Jahre als Minister amtirt hat. Ihm zunächst an Ministerjahren stand Dr. Freiherr v. Lutz, welcher vo« 1867 bis 1890 Justiz- bezw. Kultusminister war. Dr. Graf v. Crailsheim wird alsbald daS Bienstalter des Herr» v. Lutz erreiche«. Auch in anderen Länder» find Minister mit so hohen Dienstjahre« al« DepartementSchef natur« gemäß selten: dem württembergischen Finanz- Minister v. Renner und Fürst Bismarck, wie dem preußischen HauSminister Freiher« v. Schleinitz waren mehr als 25jährige Ministerien be» schieden, ebenso konnte der österreichische Lau« deSvrrtheidungsminister Freiherr v WelserS« heimb vor einiger Zeit auf 25 Ministers ihre zurückblicke«. Der Ptinzregent wird Herrn von Riedel zum Mi«isterjubilä»m noch besonders a«S»
-d- Stadt und Land.
„Die bedauerliche Erscheinung, daß alljährlich eine Anzahl Höfe de« Schwarzwalde« von ihren Besitzern abzustoßen gesucht «erden, ist nicht durch die ErwerbungSpolitik der Regierung veranlaßt, di« im Gegentheil viele Kauftanbietungen zurück« weist und jedenfalls zu Verkäufen nicht ermuntert; sondern die tiefste Ursache de« Feilbietens zahl« reich« Höf« liegt in dem Rückgänge der Rentabilität der Landwirthschast, woran die Leutenoib, nämlich der chronisch« Arbeitermangel und bte wachsende Unzuverlässigkeit des Gründe« und der Taglöhner, soweit solche ihre Arbeitskraft auf den Schwarzwaldgehöften überhaupt noch verdingen wollen, bei ungemessenen Lohn- und Verköstigung«- ansprüchen eine der vornehmsten Ursachen sind. In vielen Fällen de« Verkaufes sind als unmittelbarster Grund hierfür feiten« der veräußernden Hofbesitzer di« durch Gesindemangel heröeigeführten unerträglichen Zustände herbeigeführt worden ..."
Wer schreibt denn da«? Der liberale Finanz' Minister Buchenberger in seinem Werke „Finanzpolitik und Staatshaushalt". Die angeführte Stelle richtet sich gegen Vorwürfe, die in der Presse erhoben worden waren, die badisch« Regierung kaufe systematisch Bauernwirthschaften im Schwarzwalde auf, um sie aufzuforsten.
Wohin gerathen denn die Leute, die früher bei den Bauern im Schwarzwalde und anderwärts arbeiteten? In dis Städte und in die Industrie- centren. Und was für Wi, langen hat diese Wanderung? Lassen wir darauf eine der radikalsten aller freisinnigen Berliner Zeitungen antworten, nämlich die .Berliner Zeitung'. Diese schrieb kürzlich: „In die Städte und Jndustriccentren strömt gerade im Oktober ein großer Zuzug vom platten Laude; und wenn er auch diese« Jahr nicht so bedeutend ist, wie in den Jahre» des Ausschwunge«, so drückt er doch empfindlich genug auf den gewerblichen Arbeitsmarkt. Die sinkende Tendenz der Arbeitslöhne bei den ungelernten Ar- beitem rührt in der Hauptsache von der Einwirkung diese« billigen Zuzuges her."
Auch dies« Zeuge ist agrarischer Gefiinung ganz gewiß vollkommen unverdächtig. Um so werthvoller ist in diesem Falle sein Zrugniß, dar ei« vollkommene« Berdammungsurthetl aus spricht über die Zoll- und Wirthschaftspolitik der eigne« ftetfinnigen und erst recht der sozialdemokratischen Partei. Den« diese Politik ist ei, die alle dir bösen Erscheinungen, wie sie im Vorstehenden gekennzeichnet wurde«, am allermeisten fördert, dir diese Uebrlstände ins Ungemessene steigern und schließlich unser deutsches Vaterland ins Verderbe» stürzen würde, wen« sie nach freie« Wille» bei uns schalten u«d walten könnte. Die Arbeiter also sind eS genas ebenso wie die Bauern, die bedauernSwerthe Opfer dieser verkehrten wirthschastltchen Entwickelung «erden; gerade die Arbeiter in den Städten, denen die Sozial- demokratie den Himmel aus Eide» zu bringen behauptet, leiden schwer unter Iben Wirkungen derjenigen wirthschastltchen Entwickelung, die nach de« Sinne der Sozialdemokraten ist und vo» diesen gefördert wird.j
Wie ungemein stark Sie Abwanderung der Volkselemente vom platten Lande nach den Städten und Jedustrikcrntten ist, ist wenig bekannt.
Strandgut.
'Roman von O. Elster.
36 -------- (Nachdruck »erbeten.)
Sre sah nach der Uhr. Schon war er fast 12 Uhr. Ei» ungeduldiger, zorniger, bitterer Ausdruck wachte sich auf ihrem Antlitze geltend.
Sollte sie sich auch in Ewald von Windheim getäuscht haben?
Doch nein — jenseits des Riffes tauchte ein weißblitzendes Segel auf. Ein schmuckes, in Helle« Farbe« schimmerndes Boot flog vor dem Winde dahin,. daß die Wille» an seinem Bug «mporschäumten.
Das war fein Boot! Sie erkannte es, den« schon oftmals hatte sie in stiller Sehnsucht Ausschau nach dem kleinen Fahrzeuge gehalten und fein Erscheine» mit heimlicher Freude begrüßt.
Am Mast stand eine schlanke, hohe Männer- gestalt. AIS das Boot dem Vorgebirge näher kam, schwenkte der Mann seinen weißen Hut — trendig zuckte es in dem Herzen Gerda's auf, sie hatte sich nicht getäuscht, ei war Ewald von Windheim — und zum Gruße für ihn ließ sie ihr Spitzentaschentuch hoch in den Lüste« flattern.
Der Kiel deS Bootes knirschte auf dem KieS deS UferS. Ewald sprang an den Nrand und eilte mit auSgestreckte« Händen auf Gerda zu.
„Gerda — meine theure Gerda," rief er, während ei» triumphirender, freudiger Schein auf feinem sonst so ruhigen, fast kalten Gesichte erglänze.
Man weiß allgemein, daß sie feit einer Reihe von Jahren stattfindet; aber von ihrem Umfange hat man im allgemeinen nicht die richtige Vor- stellnng. Vo» der vorletzten bis zur letzten Volkszählung hat beispielweise daS überwiegend land- wtrthschafüiche Königreich Württemberg 120 000 Seelen verloren. Die fränkischen Regierungsbezirke in Bayern hatten einen Verlust von rnnd 93 300, die bayerische Pfalz einen solchen von 41 000 Seelen zu verzeichnen. Noch ganz anders sieht cS in den nördliche» und östlichen Theilen deS Deutsche» Reiches auS, die vorwiegend der Landwirthschast gewidmet find. Dir entsprechenden Verluste betragen beispielweise in der Provinz Schlesien 470 380, in Ostpreußen 451 916, in Pose» mehr als 300 000 Bewohner und so fort. Dafür gewannen durch Zuwanderung Berlin 800 000, Hamburg 267 000, München 248 000 Einwohner; andere große Städte wie Leipzig, Breslaus, Nürnberg usw. nahmen in demselben Maße zu. Und die westfälischen J-idustriebrzirke zogen 260 000, die rheinischen 292 000 und das industrielle Königreich Sachsen 250 000 Fremd- geborne an sich.
Gerade jetzt, wo eS sich um die Entscheidung über die Gestaltung unserer Zollpolitik sür einen langen Zeitabschnitt handeU, muß von neuem an diesen verderblichen Sang unserer wirtschaftliche» Entwickelung und an diese ungeheuerlichen Völkerwanderungszahlen erinnert werden, wie sie kürzlich durch die amtliche Statistik feigestellt worden find.
Wer trägt die Verantwortung dafür, wenn nicht durch eine Aenderung unserer Wirthschafts- Politik der Anstkß gegeben wird zu einer Besserung der Sage der Landwirthschast? Dir Der« kündeten Regierungen. Ihre Verantwortung ist doppelt groß, «eil sie am allergenauesten wissen, wie böse ei um diese Sage der Landwirtschaft bestellt ist. Die Ausführungen des badischen Finanzministtrs lasse« das gerade recht deutlich erkennen. Lüder hat man auS de» Thrten der Regikrungrn «och nicht dr» Schluß ziehe» können, daß die nöthige Srkenntniß zum Durchbruche gelangt sei! Noch mehr: di« preußische Staatsrisenbahn beitpiels- weise befördert noch immer geradezu die Abwanderung der Arbeiter aus de« Ackttbaugegenden im Osten der preußische« Monarchie nach den westlichen industriell«» Bezirken derselben, indem sie ermäßigte Fahrpreise gewährt für den Transport von Arbeitern vom Osten nach dem Westen.
Mit schönen Redensarten und geflügelten Worten ist unS nicht gedient. Thate« müssen geschehen, Hrndlungr» müssen wir sehen, die in Wahrheit zeugen davon, daß die Regierungen nicht mehr gtfhff rötlich die Umwandlung Deutsch« landS in einen Industriestaat fördern wolle« — schleunige und wirksame Handlungen!
Berlin, 26. November 1902.
♦ Di« zweite Lesung de* Tarifgesetze* ßeendtgt! Der Reichstag hat am Mittwoch nach
Er wollte ihre Hände erfassen, doch mit einem stolzen Lächeln wehrte sie seinem Ungestüm ab.
„3d) danke Ihnen, Herr von Windheim, daß Sie meine Bitte erfüllt haben," sagte sie förmlich. „Ich sehe daraus, daß ich Ihnen vertrauen darf. . . ."
„Bet Sott, das dürfen Sie, Gerda! Sie riefen Ihren Ritter — er kam, Sie zu befreien!"
„Ich vertraue mich Ihnen an," fuhr sie lächelnd fort, „weil ich keinen ander» Freund hier besitze und well ei mir unmöglich gemacht war, «och eine» Tag länger auf Schloß Machnow zu verweilen."
„Go haben Sie die Verlobung gelöst?!"
„Ich bin frei —" entgegnete sie, tief auf- athckend — „hätte ich sonst diesen Schritt gethan?"
„Gerda — Ihr Vertraue« — Ihre — Siebe soll nicht getäuscht werden. Alles ist zu Ihrer Aufnahme bereit — und ich — ich bin der glücklichste Mensch auf Erden!"
„Wollen Sie mir versprechen, Herr vonWind- heim, die Grenzen nicht zu überschreiten, welche zwischen unS jetzt »och gezogen find, wollen Sie mir verspreche«, in mir nur die Same zu sehen, welche ihre Ehre, ihren Ruf einem Ehrenmanne anvertraut, dann — folge ich Ihnen."
„Ich verspreche eS — klingt mir doch aus Ihren Worten eine glücklich« Hoffnung hervor."
„Die Hoffnung zu hegen, gestatt« ich Ihnen," sagte sie in leichter Schelmerei und reichte ihm die Hand, die er innig an die Lippen preßte.
Und bann führte er sie zu dem Schiffchen hinab. Mit sicherem, festem Fuß stieg sie in daS leichte, schwankende Boot und blieb aufrecht im
etwa zwei Dutzend Sitzungen die zweite Lesung deS Zolltarif-Gesetzes glücklich zu Ende geführt. Die Sozialdemokraten waren so gütig, ihre „ABC"- Obstruktions-Anträge zwischen den §§ 11 und 12 schon bei „h" abzuschließen. Ebenfalls waren auch sie begierig, die mit dem Abschluffe des Se- setzes zu erwartenden Entscheidungen kennen zu lernen. Selbstverständlich werden sie bei dem Zolltarife selbst nur um so energischer mit der Obstruktion wieder einsetzen. So gelang es denn a» diesem Tage, auch den § 12 »och durchzube- rathen, welcher die Bestimmungen über das Inkrafttreten des Gesetzes nach der Regierungsvorlage, die auf den Antrag Paasche heute wieder hergestellt wurde, einer Kaiser!. Verordnung mit Zustimmung des BundesratheS Vorbehalt. Die Konservativen ließen erklären, daß str an dem Kommisfions-Beschluffe, wonach daS Gesetz spätestens am 1. Januar 1905 in Kraft treten soll, festhalten. Wie lange, mag heute dahingestellt bleiben. NamenS des CentrumS erklärte Abg. Dr. Spahn schon jetzt die Bereitwilligkeit zur Wiederherstellung der Regierungsvorlage in diesem Punkte, nachdem Graf Posado wSky auf dieser Bedingung entschieden beharrt hatte. Die vertrauliche» Besprechungen der letzten Tage hatten nämlich gezeigt, daß die Regierungen auch ohne gesetzlichen Zwang, schon im eigensten Interesse ihrer Finanzen, das Inkrafttreten deS neu?» Zoll- gesetzeS möglichst beschleunigen werden. Somit ist also eine der Schwierigkeiten, welche bisher einer Verständigung im Wege standen, beseitigt. Auch die weiteren Schwierigkeiten könnten als behoben angesehen werden, wenn nicht die Konservativen wieder unnachgiebiger geworden wärm. DaS Centrum hat von der Regierung an Zugeständnissen mehr erreicht, als man jemals gehofft hatte; eS wird daher geschlossen vorgehen können. Nach Annahme deS § 12 mit 196 gegen 76 Stimmen waren nur noch die Petitionen zum Tarisgesetzr zu erledigen. Hier versuchten die Sozialdemokraten und ihre Schildknappen vo» der freisinnigen Vereinigung ein neues Ob- struktiorks-Manöoer, oder sie erneuerten vielmehr ein schon früher zmückgewieseneS Verlange», daß die P-titionen einzeln bei den zugehörigen Taris- Posttionm berathm werde« sollte«. Nach längerer SeschästSordnungS - Debatte, in welcher namentlich Abg. Dr. Bachem (Centr.) dieses Verlangen als et« Obstruktions-Manöver brandmarkte, daS im Widerspruch mit der ganzen bisherigen Praxis deS Hauses stand und geeignet wäre, überhaupt jedes Gesetz mit einer größeren Anzahl von Paragraphen unmöglich zu machen, wurden entgegen der Forderung der Linken die sämmtlichen Petitionen zum Tarisgesetze und zu de» Mtndestzöllen für erledigt erklärt. Am Donnerstag um 2 Uhr beginnt die zweite Lesung des ZolltariseS selbst,
X „Aerständignng". Immer und immer wieder müssen wir vor dm verfrühten und optimistischen Meldunzen warnen, welche von einer Verständigung zwischen Regierung und Reichstagsmehrheit wie von einer vollendeten Thatsache sprechen. Es ist überhaupt noch keine geschloffene Mehrheit vorhanden, da innerhalb der Konservativen der Bund der Landwirthe Oberwasser bekommen hat. Aus Furcht vor dem Bunde haben die Konservativen am Mitt-
Bug desselben stehe», als der Bootsmann vom Lande abstieß. Bald erfaßte der Wind das Segel, es rauschend aufblähend; leicht zur Seite neigte sich das schmucke, kleine Schiffchen; schäumend rauschte der rasche Kiel durch die blaugrünen Fluthen, und im Dunst der Ferne verschwanden die Hügel und die Zinnen deS alten Schlosses Machnow.
Ohne mit dem stolzen Auge zu zucke«, sah Gerda das Schloß versinken. Vor ihr lag die wogende, schäumende und blitzende See--
vor ihr das glänzende, reiche Leben!--
Auf Schloß Machnow wartete man vergeblich auf das Erscheinen Gerdas zum Frühstück.
„Das gnädige Fräulein har einen Spaziergang nach dem Strande unternommen," meldete der Diener. „Es habe nicht bestimmt, wann es zurückgekehrt fein werde."
Frau vo« Windheim war nicht sehr erstaunt über diese selbständige Handlungsweise Gerdas; st« war an diese schon gewöhnt, wenn sie ei gerade heute recht rücksichtslos von Gerda fand, dem gemeinschaftlichen Frühstück femznbletben, wo ihr« Verwandte«, Bernhard und Elfe, zu Gast aus Schloß Machnow waren.
Elfe war noch etwas blaß und angegriffen. Schweigend, mit niedergeschlagenen Augen saß fi« da, nur zuweilen einen dankbaren Blick Erna zusendend, wenn diese mit zärtlicher Theilnahme sich nach ihrem Befinden erkundigte.
Auch Jobst beteiligte fich nicht an der Unterhaltung, welche von dem alten Baron und Bernhard geführt wurde. Der Baron lebte ordentlich auf unter dem erfrischenden Einfluß,
den Bernhards natürliche Männlichkeit und harmlose Heiterkeit ausübte.
„Sie müssen meine Schwester wenigstens einige Tage beherberge», Herr Baron," faßte Bernhard. „Ich habe gestern Abend noch a« unsere Mama telegraphirt, und die ängstliche Mama telegrophirte mir heute Morgen wieder, daß fie heute Abend in Klein-Machnow eintreffen werde, um Else in Empfang zu nehme». Ich werde dann morgen mit der Eisenbahn meine Reise nach Kopenhagen fortsetzen, wohin mich meine Geschäfte rufen."
„Fräulein Else ist unS ein lieber Gast, Herr Kapitän," entgegnete der Baron, „und selbstverständlich wird auch Ihre Mama bei unS wohnen."
„Ich würde mir erlauben, in einer Woche etwa wieder zu kommen," fuhr Bernhard fort. „Dann wird sich Eise ja so weit erholt haben, daß wir unsere gemeinsame Reise fortsetzen können.
„Lind Sie denn noch immer entschloffm, Ihren Bruder zu begleiten, Fräulein Slse?"
„Ja, Herr Baron . . /
„Unsere Heimath ist die Welt geworben, Herr Baron," sagte Bernhard mit einem wehmüthtge« Lächeln, indem sein Auge dem Blick Ernas zu begegnen suchte, über deren zartes Antlitz ein trüber Schatten flog.
DaS Gespräch wandte fich dann der Politik zu. Man besprach daS Verhäktniß Japans zu China.
Da überreichte der Dimer dem Baron einen Brief.