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cnut and Verla, der Z-ldacr Aclieudruckera pelerrgag« Nr. 1 (KirawsUk,

Jutöa, Mittwoch, beit 26. November 1902.

M 272

29. Jahrgang.

Bon Kruppös Werk.

Dievedevtung derWrltfilma Krupp, beten Befitzer am letzten Samstag durch ein tragisches Srichick auS dem Leben abberufen ist, beruht, so berichtet die »Germania', in der Ausbeutung und Berwerthurg der geniale« Erfindungen,

welche bet Begründet des Hauses, Alfred Krupp, auf dem Gebiete der Herstellung und Verwendung des Gußstahls nach vielen vergeblichen Versuche« g-mvcht hat.

Schon vor der Mltte des 18 Jahrhunderts (um das Jahr 1740) war es dem Engländer Huntimann in Doncaster, bann in Hands, worth bei Sheffield einem Uhrmacher geglückt, mit Hilft rtnes WkbofenS mit hoher Este u»o besonders fester KokeS in kleinen luftdicht vrr- schlofiene« Tiegeln vom besten feuerfesten Mate- tial Stahl zu erzeugen, welcher für die feinsten Werkzeuge, Uhrfeder», Rafirnufftr, Instrumente rc in Gebrauch kam. In ungewohnter Weife hob sich in Folge dessen die Eisen-Industrie Englands. Sheffield wurde durchHunlSmann'S E findung die Weltmetropole der Stahlw-rareN'Fabrikation. Im Iahte 1835 gab es dort nicht weniger alt 62 Betriebe mit 534 Schmelzöse« für Gußstahl. Die Zahl der Einwohner der Stadt hatte sich in 100 Jahre» (oon 1740-1840) um das Zehn- fache (oon 10,000 auf 100,000) vermehrt, da bei weitem der größte Theil deS gewonnene» Stahle- an Ott und Stelle verarbeitet und dann als fett ge Waare in die ganze Welt auSgefühu wurde. Noch im Jahre 1840 galt dir Mark» HantSmann auf dem Weltmärkte als die beste Sorte, die gleichfalls von einem Sheffielder Fabri> kante« hergestillte Marke Marshall aiS die nächst­beste. .

I» diesen Verhältnissen Wandel geschafft und daS industri'lle Engiano durch Verbefferung des Gußstahl > Prozeffes weit überholt zu haben, ist daS Verdienst Alfred Kruvps. Wer hätte eS im Jahre 1826, als der Vierzehr jährige nach bemTode dlSVatersFriedrich von dnQaarta deSGymnafinmS weggrholt wurde, um unter bet Ausstcht der Mutier die L-i-u«g der kleinen er­erbte« Wrrksiäite zu übernehme», ahnen können, daß dieser Jünglirg sich dwch unablässiges Rin ge« zum ttsi«.» Großindustrie llen Deutschlands, ja der Wklt emporarbeiten würde? Mühsam hatte Krupp der Aeltere it-sa seit dem Jahre 1810 Versuche mit der Stahl.Fabrikation anzefieöt und daS erzeugte Rohmaterial größtentheilS selbst zu Lohgerber-Werkzeugen, Tuchscheerblä.tern, Ham­mer sättel« und Münzstimpeln verwendet, bet Ab­satz beschränkte sich meistens auf das damals etwa 4OOO Einwohner zählen e Esten und deffrn nähere Umgebung. Nur die Stempel für die Münzen gingen i« die weitere Ferne. Von dem Vater erbte Alfred Krupp weder Kapital noch Kredit und i« der unansehnlichen Werkstä te nut 4 stätr- dige Arbeitet, aber eine Willenskraft und uner- schütterliche AuSdaner, welche ihm zu den größ ten technische« und wirihschaftlichen Erfolge« vet- helfe» sollten.

Wie leicht begreiflich lenkte der junge Fabri- laut zunächst feine Aufmerksamkeit auf den größeren Absatz bet bisherigen Erzeugnisse der Fabrik. Er unternahm zu diesem Zwecke größere Reisen, die ihn schon bald i«S Ausland, nach Oesterreich und England führten und feinen Ge- fichtSkreis wesentlich erweitertes'. In den dreißiger Jahre« begannen sodann die ersten Versuche, de« Bußstahl auf Grund eigener Erfindungen zu oer-

werthe». Es gelang ihm die Herstellung einer Löffelwalze zur Fabrikation von silbernen und plattirten Löffeln, deren Patent er in England so gut verkaufte, daß er seinen Betrieb vergrößern konnte. In den vierziger Jahren gründete er mit Hilft des Wiener Kaufmanns Alexander Schöllet, eines thei»ländischen LandSmannS, zu Berndorf bei Leobersdorf in Oesterreich eine Metallwaatenfabrik, deren Leitung bet jüngere Bruder Hermann übernahm. Rat auf solche Wei e hatte er in den habsburgische« Ländern seinen Münzwalzen und Münzsiemprln größeren Absatz ficheru können. Dir Rückwirkung auf das Stamm ge schäft blieb nicht auS. Die Zahl der Arbeiter wat beteilS Über 100 gestiegen, al» er auf der Gewerbeausstellung in Berlin neben drei Gußstahlglocken 2 Gewehrlänfe nud außerdem kugelfeste Kürasse auS dem selbe« Material ausstellte, die zwar große An- erkennurg fanden, aber keinen durchschlagenden Erfolg brachten. Bei der preußischen Militär- Verwaltung herrschte damals die Uebetz-ugun«, das Dteyse'sche Zündnadelgeweht sei so voll­kommen, daß es keiner Vetbefferung mehr be­dürft. Ein solcher Bescheid wäre dem Durch- schnittsfabrikariten gewiß der Anlaß gewesen, er t. muthigt die Hände in den Gchooß finken zu taffen und sich mit den gewöhnlichen Artikeln des Be­triebes zu begnügen. Einen Mann wie Alfred Krupp konnten diese Fehlschläge jedoch nicht zu Boden drücken. Et ging vielmehr zu noch größeren Plänen übet, als er umfangreiche Ver- suche mit der Herstellung von Kanonen aus Gußstahl begann.

Auf den Gedanken, Geschütze aus Gvßstahl zu fabriziren, wat bis dahin noch Ri.-mand ge­kommen und zwar aus dem einfachen Grunde, weil eS unmöglich fchie», große Gußstahlblöcke oon vollkommen gleichartigem Maiertal herzu- stellsn. Mußten doch bei der Gewinnung von Gußstahl Schmelztiegel v-rwendet werden, deren jeder nur ein kleine« Quantum Rohmaterial (12-20 Kilogramm) faßte. Alfred Krupp war oer Erste, dem es gelang, vermittelst eines ganze» Systems ineinander greifender Mittel (sorgfältige Auswahl des Rohmaterials und der Schmelz­tiegel, zweckmäßige Anlage der Schmelzöfen, vor« zügliche Schulung der beteiligten Arbeiter u. a) große Blöcke Guß stahl von vollkommen gleich­artiger Beschaffend«! zu erzeugen. Nachdem er schon im Jahre 1847 den ersten DteipfÜndet der preußischen Regierung zur Prüfung übet- sandt hatte, stellte et 1851 aus der erste» Londoner internationalen Industrie­ausstellung eine» Gußstahlblock im Grwichie oon 4500 Psu«d aus, der die Bewunderung aller Fachleute im höchste« Grade erregte. Das Prob- l«m wat gelöst zum Aetget der industriellen

glaubet von einem Deutschen. Ma» würbe sich jedoch irren, wen» man glaubte, es fei nun für Alfred Krupp der enbgiltige Erfolg i» der GeschÜtzsabtikatio« errungen gewesen. Letztere blieb für ihn immer noch ein kostbarer Luxus- artikel, der wohl große Summe« für immer neue Versuchs verschlang, aber wenig einbrachte. Roch im Jahre 1858 äußerte Krupp zu einem Artillerie­offizier, für den Bey von Lunik oder den Khedive von Aegypten fei leichter zu arbeiten als für Preußen, den« deren Artillerie prüfe nicht so lange, als die preußische Artillerikkommisfion, und zahle, noch ehe Vie Rohre abgrlirsert feien. Es mußten also noch immer die sog. Friedensartikel, Etftsbahnmateriul u. im gl. die Kosten deS Be­triebes und der Versuche decken. Dies wurde erst anders, * als der Prinzregent Wilhelm von Preußen, der persönlich im Jahre 1853 die Krupp'sche Fabrik in Augenschein ge­nommen hatte, im Jahre 1859 durch Kabinets- otdre der Effenet Fabrik 300 neue Kanonen ts Bestellung gab. Aber welch' mühesoller Weg wat bis dahin zmückgelegt worden! Um so schnellet reift« jetzt die Frucht der:(ang- jährige« Aussaat. Gibt es doch nur wenige Staate» der Welt, welche in den letzten vier Jahrzehnten nicht die Krupp'sche- Fabrik in Nahrung «esetzt hätten, die bis 1898 nicht weniger als 37000 Geschütze fertig gestellt hatte. Von Jrhr zu Jahr erweiterte sich der Geschäftsbetrieb, der im In- und Auslande zahlreiche E feitgxubtn und Kohlen­zechen, Hochöfen und ganze Werke (wie die Gruson- roetle in Buckau und die GermKNiawerft zu Berlin und Rtel) an sich zog.

Die Gesammtzahl der Krupp'schen Beamten und Arbeiter betrug am 1. Januar 1899 nach den Angaben von Dr. KleyBei Krupp (Leipzig, Dunker und Hun'.blos)"41750. Die eigenen Z-chrn der Firma lieferte« in den neunziger Jahre» täglich 350 Dopprlwoggon Kohle», dieKiUpp'schen Hochöfen in derselbe» kurzen Spanne Zett 120 Doppetwaggon Roheisen.

Wrhmüihigen Herzens hat Alfred Krupp, der am 18. Juli 1887 seinem Lebenswerk entrissen wutty, diese beispiellos große Erbschaft seinem einzigen Sohn Friedrich Alfred hinterlassen. L tzierer hat den Besitz treulich gehütet und an- sehnlich vermehrt. Wird i» den Uebetiebenben der Familie die Schaffenskraft und die Energie deS Begründers lebendig bleiben und das erste Stahlwerk der Welt in der bisherigen Form un­geschmälert fort geführt werden? Das ist die Frage, w lchs angesichts des bedauernswerthenHinschetdens oeS letzten männlichen Erben Alfred Krupps viele Tausende sich unwillkürlich votlegen. MS e dieselbe unter dem Britathe der altt« bewährte» Freunde deS Hauses eine günstige Lösung finden!

IM*«1

Uermiscbtes

* Acht SStzne Seim Mikitär hat eine in Hohen­rad- bet D-lttzsch wohnende SBdtrat. Die acht Bifiber tt ßen sich vor einiger Zeit zusammen in ihren Uniformen photographirm urb übersanoten dak Gruppenbild dem Kaiser. Dieser Tage wurde die Photographie nebst einem Schreiben d-S Geheimen C.vilkabinetS zmück- gesandt, worin der glückliche» Mutter mitgerhellt wur e. daß der Kaiser von dem Bilde Kenntniß genommen habe, der Mutter zu ihren braven Söhnen seinen Glück­wunsch autspreche und ihr zugleich ein Ehrengeschenk oon 80n B k überwe'se.

Dicht zu vefiehren! Zur Zeit beschäftigen sich in München einige Menschenfreunde mit einer neuen

Gründunq, die auf den Ausschank von nur alkohol« freienBetränkent« einem eigenS zu diesemZw-cks fein eingerichteten Restaurant hinzielt. Als Pachter und Wirth hierfür fand sich, nebenbei bemerkt, mit einer Emlaae von 10(00 Mk. ein biederer Schwabe. Stimmt- liche Bedingungen waren gegenseitig bereits zur vollen Zufriedenbett erledigt bis auf eine, die vorschrieb, oer Herr Wirth uty> Pächter müsse sich schon von wegen deS Renommees und der R-.klamr selbst zum Sbstinenz- ler b kehre» und dürfe sich nur alkoholfreie Getränke zu Wemüthe führe». An diesem Punkt scheiterte aber der ganze Bertrag, denn der biedere Schwabe äußerle sich »ach den ,Münch. N. N/ wüitlich:Ja wisset Sie, m-tne Herra, ausschenka und verkausa thu t dös Zeug scho, ad r selber saufa thu iS r.et um's Berrecka."

* Die Iarve der Keide. Bekaniitlich ist Seide die Ausscheidung zweier neben dem Brrdauungskanal der Seidenraupe liegenden Drüsen. Diese Diüse», vielfach gewundene Schläuche, laufen in die im Kopf gelegene Spinnwarze aus und münden in eine gemeinschafUiche

O-ffnung, auS bet das honigdicke Sekret heraustritt, das an der Luft sofort zu einem Faden erhärtet. Ge­wöhnlich ist die Seide beim Austritt aus dem Körper der Raupe farblos, oft aber auch strohgelb oder grün­lich. lieber den Ursprung dieser Färbung haben die Ge­lehrten schon seit Langem gestritten. Einzelne glaubten, das Thier erzeuge die Farbe selbst, andere schrieben sie Berunreinigunge» bei der Ausscheidung des Sehet? zu, und wieder andere führten sie auf da? Blattgrün des Maulbeerbaumes zurück. Letztere Ansicht scheint richtig zu fein. Lrvrat und Conte fütterten nämlich nach der »Köln. Bztg/ neuerdings Seidenraupen mit Maulbeer- blättern, die mit giftfreiem Anilinroth oder Antlmblau getränkt waren. Danach wurde» nicht allein die Seiden­raupen roth oder blau, sondern sonderte» auch Seide von entsprechender Färbung ab. Einspritzungen obiger Farbstoffe i» den Afterfuß der Raupe hatten dasselbe Ergebntß.

* Ein sinnreiches System der Zollhinter- ziehuna ist nach der ,D. Warte' von den Zcllbeamten in New-Aim entdeckt worden. Seit einiger Zeit war ihnen ausgefallen, daß riesige Mengen Eis in die Stadt kamen. Obgleich es keinem Eingangszoll unter­liegt, kam es dem Empfänger theurer, als er es wieder verkaufen konnte, und die Spürnasen zerbrachen sich den Kopf, den Grund dieses seltsamen Handels aus­findig zu wachen. Da die Einfuhr immer zunahm, beschloß man endlich, das Geheimuiß aufzuklären. Beim Schmelzen des Eises bemerkte man, daß ei Mineralwasser enthielt, auf dem ein hoher Eingangs- zoll liegt. Die Sache ist dem Gerichte übergeben; eine Berhastung ist schon erfolgt und andere stehen bevor. Man schätzt den Schaden des Staates auf 200 000 Mk.

* Ei» kolossaler Schwindel ist in Antwerpen aufgedeckt worden. Etn amerikanischer Börsenagent mit Namen Oventhal angeblich aus New-Ocleaus, hat dortigen Importeuren große Quantitäten Mais, deren angebliche Verschiffung er durch falsche Papiere nach­wies, verkauft. Der Schwindler ist verschwunden, nach­dem er i» einem Pariser Bankgeschäft Tratten im Betrage von 100000 Dollar auf seine Schuldner ein­gezogen hatte. Diese find in großer Verlegenheit, da sie ihrerseits die gekauften Maare» wieder verkauft hatten und ihren Bedarf nicht zu decken vermögen.

* Vom Kaseruenhof. Unteroffizier: »Heute beim Exerziren habe ich bemerkt, daß Sie nieste», und bald darauf niesie auch der Herr Leutnant! Für künftige Fälle merken Sie fich, daß zuerst der Herr Leutnant zu niesen hat und dann Sie/

* Widerlegt. Arzt:Ich konstatire Rasielgeräusch in der Lunge, Sie müssen sich in acht nehmen, sprechen Sie nicht zu viel.* Student:Das nützt ja doch nichts. Neulich beim Referendar-Examen hab' ich fast gar nichts gesprochen und bi« doch geraffelt."

* Die richtige Tonart.Was spielt denn da Fräulein Laura?"Eine Symphonie in D-moll." Das dachte ich mir doch gleich. Sie demolirt ja des ganze Piano."

Astronomisches Lexikon. Auf Grundlage der neuesten Forschungen, besonders der Spektral-Änalyse und der Himmels. Photographie, bearbeitet von August Krisch. Das Werk ist kompl. in 20 Lie­ferungen zu 50 Psg. Auch in zwei Hälften L 5 Mk. (A. Hanleben'S Verlag in Wien).

DasAstronomische Lexikon" »erfolgt den Zweck, dem fich für die Astronomie Jnteresslrenden ein Buch in die Hand zu legen, welches ihm ermöglicht, fich über jeden ihm unbekannten, ober nicht ganz klaren astronomischen Ausdruck und seine Bedeutung leicht und rasch zu belehren, ohne in Spezialwerken mühseltg suchen zu müssen und auf diese Weise das Studium ober die Lektüre störend zu unterbrechen. Da die beiden zwar jüngsten, aber für die Astronomie so hoch be­deutungsvollen Hilfswissenschaften: die Himmelsphoto- graphie und die Spektralanalyse, so manche noch vor nicht langer Zeit als unlösbar scheinende Probleme enthüllte« und unser Wissen fast täglich bereichern, so legte der Verfasser aus diese zwei genannten Dlsziplinen uud die aus ihnen resultireuden neuesten Errungenschaften ein besonderes Augenmerk, so daß das vorliegende Werk das Neueste von dieser den menschlichen Geist so mächtig fesselnden Wissenschaft bringt. Der Verfasser hielt eS ferner auch geboten, von den namhaftesten Astronomen aller Zeiten kurze Lebensabrisse zu bringen und auch die Namen derjenigen nicht unberücksichtigt zu lasten, deren Träger in irgend einer Werse der Astronomie uennenswerthe Dienste geleistet haben. Das ganze Werk ist möglichst populär verfaßt und verdient dre weiteste Verbreitung, nachdem das Interesse für die hehrste aller Wissenschaften, die HimmetSkunde, unausgesetzt zunimmt.

St-Us«««- Ä*> WAzerzMttzim,

vanHouteris Cacao

Nahrhaft & wohlschmeckend. h Kilo

genUgt für