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FuidaerMZeitung

J£ 271.

JuL-a, Dienstag, den 25. November 1902.

29. Jahrgang

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frW^3.h15(1i.,hMHlustnrte Sonntags-Zeitung , »Juldaer ßescbicbtsblätter* und üofierTe-risf^.

S Erneuerung des Kartells?.

Dem sozialdemokratische« Hauptorgax oder einem derAenoffex" hat wieder einmal ein günstiger Wind" etwas auf den Schreibtisch ge- weht: An der Spitze der Sonntag-xummer fee- »Vorwärts' erscheint ein Rundschreiben, deffen Inhalt die Bekämpfung der Sozialdemokratie betrifft, und im Anschluß daran ein Aufruf der sozialdemokratischen Rsichstagsfraktion an die Genoffen", de« Wahlkampf aufs vorzüglichste zu orqanifire« u«d für die Wahlkaffe der Sozial- demokratieMillionen" aufzubringen. In dem ersten Schriftstück wird auf die bei allen bisherige« Wahle« stark gestiegene« Wählerzahlen der Sozial- demokratie hingewiesen und mitgetheilt, daß ir. drei Ausgabe« eine Broschüre verfaßt worden sei, welche in alle« Wahlkreise«, wo die Sozial­demokratie in Betracht kommt, verbreitet werden soll, um das sozialdemokratische Programm zu widerlege». Diese Flugschrift, so heißt eS, hat den Beifall von Sachverständigen der ver­schiedensten Parteirichtuxge» gefunden. Nu« wendet sich daS Rundschreiben anHerren bezw. Firmen" der verschiedenste« Arbeitszweige, mit der Bitte, daß jeder in seinem Kreise den Betrag von 500 Mark aufbringe und an ve« Säckelmeistrr dieser Bereinigung zur Bekämpfung der Sozialdemokrarie schicke.

U«terzeichnet ist dieser Rundschreibr« von einer Reihe konservativer, freikonseroativer und nationalliberaler Parlamentarier, von Vertreter« der Großindustrie und Hochfinanz und Sgl., kurz von Männer«, die politisch zu den ehemali­ge« Kartellparteien, theilweise vielleicht auch zur freisinnige« Vereinigung, wtrth. schaftlich aber zur Vertretung der bedeutsamsten Arbeitgeber-Interessen gehören. Sollte«, waS durch das kleinlaute Schweigen des »Berliner Tageblattes' bestätigt zu werden scheint, auch Mitglieder der freistnxigen Vereinigung an dem Rundschreiben betheiligt sei«, so wäre dies besonders pikant im Hinblick auf die hündische Gefolgschaft, welche dieselbe Partei zur Zeit im Reichstage der Sozialdemokratie leistet. Sehe« wir vou dieser allerdings sehr intereffanten Li«, zelheit vorläufig einmal ab, so bleibt als charak­teristischer Kennzeichen jener Rundschreibens die doppelte Thatsache übrig, daß dar alte Kartell zu einem bestimmten Zwecke wieder anflebt, und zwar nur zu deutlich im Sinne einer Drrtretuxg der Uutermhmer-Interesses. Wenn die Herren geglaubt habe», einen Hauptschlag gezen die Sozialdemokratie zu führen, so wäre« sie schwer im Jrrthum. Sie haben den Fehler gemacht, der Sozialdemokratie einen neuen Vorwand für die Behaupt«« g zu liefern, daß die Sozialdemokratie die einzige eigentliche Vertretung der Arbeiter« klaffe sei, u«d daß daher aus Klassrninstixkt die Arbeitgeber Bereinigt mit Kartellpolitikern die Sozialdemokratie bekämpfen. Ihr Rundschreiben wird daher nur ein neues Zugstück der sozial- demokratischen Agitation bilden, und die von jener Seite ausgehenden Flugschriften werden nicht nur in den Auge« der Arbeiter vo« vorn­herein als gegex sie gerichtet angesehen, sondern auch von der Sozialdemokratie, der sie in die Hände gefallen find, schon jetzt ix einer Weise

Strandgut.

Roman von O. Elster.

23 . -------- (Nachdruck »erboten.)

15. Kapitel.

Auf Schloß Machnow wurden die Schiff­brüchigen mit der größten Liebenswürdigkeit aus­genommen. Flau v»L Windheim, Nzathe und Erna zristen sich zärtlich besorgt um Else, die anfs äußerste durch die anSgestaudenen Ge- fahren angezriffen war.

Sie müssen stch zur Ruhs legen, liebes Fräulein," mahnte Frau von Wtndheim in tolltet» l'chem Tone.Agathe und Erna «erden Sie auf Ihr Zimmer geleite», und auch für Sie, Herr Kopttän," wandte sie sich an Bernhard, werde ich ei« Zimmer so rasch wie möglich herrichte« lassen."

Um mich brauche« Sie sich nicht zu sorge», gnädige Frau," entgegnete Bernhard lächelnd. Ich habe derartige Unfälle schon oft ix meinem be­wegten Lebt« durchgemacht, und das bischen Seewaffer, welche- mich durchnäßt hat, schadet mir nichts."

I« der That merkte man seiner hohen kraf- tigen Gestalt nicht die geringste Ermüdung an. Set« dunkles Auge flog mit lebhafte« Blick zu Erna vo« Windheim hinüber, welche «eben der in einem Sessel ruhenden Else stand und i« schwesterlicher Zärtlichkeit den Ar« um fie ge­schlungen hatte.

Erna blickte bei den Worte« Bernhards auf, und ihre Augen begegnete« sich. Rasch aber

zerpflückt und verarbeitet werde», daß fie gewiß vollständig wirkungslos bleibe«.

Um so mehr freue« wir uns, daß das C en- trum an dieser Aktion nicht betheiligt ist. Wir Katholiken habe« überhaupt nicht xöthig, uns vou andere» Leuten, namentlich aber nicht vo« Vertretern des Jntereffenstandpunktes der Arbeit­geber, Flugschriften gegen die Sozialdemokratie liefern zu laffen. Dazu haben wir den Volks- verein für das katholische Deutschland, dem jeder katholische Man» als Mitglied ange- hören sollte. Wir führen den Kampf gegen die Sozialdemokratie schon viel länger und nachdrück­licher, aber nicht im Geiste des KlaffenkampfeS, sndrrn gerade dadurch, daß wir de« Klaffex- Lmpf grundsätzlich ablehue« und dieBe rsöhnung der sozialen und «irthschsftliche« Gegensätze auf der Grundlage christliche: Liebe und Gerechtigkeit erstreben. Wir habe« aber auch alle Beran« laffung, gegenüber den Bestrebungen auf der Hut zu sein, welche, wenn auch zunächst nur zu einem bestimmten Zwecke, die Wiederauferstehung des BiSmarck'schen Kartells zum Ziele habe«. Der Kampf gegen die Sozialdemokratie ist uns die Loosung, mit welcher eine Smiguxg der widerstrebende« Elemente erzielt werde» soll. Sobald es gelingen sollte, diese Einigung prak­tisch herzustellen, würde das Kartell wieder eben- so wie früher feixe Spitze thEächlich mehr gegen das Centlum als gegen die Sozialdemokratie richten. Die starke Stellung der deutsche« Katho­liken, die ix ser ausschlaggebende» Rolle des Emtrums im Reichstage und i« dem katholischen Reichstag-Präsidenten ihre« sichtbaren Ausdruck findet^ ist ja längst schon sehr vielen Leuten ein Dorn un Auge.

Berlin, 24. November ^S02.

* Der Ke-rrx««saSseord«ete Pfarrer DimzenSorg, Vertreter für den Giegkrsis Mül­heim-Wipperfürth im Abgeordnetenhaus, hat fein Mandat «iedergelegt. Herr Pfarrer Dauzenberg gehört, obwohl ererst" 71 Jahre alt ist, zu den Veteranen der CrntruMsftaktio». Nachdem er schon dem konstituirenden Reichstage für dr« Norddeutschen Bund angehört hätte, war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses 18701879 und seit 1891 ununterbrochen bis zu seiner jetzigen Mandatsniederleguxg. Schon in den Jahre« deS Kulturkampfes zeichnete er sich als ei» hervorragender Redner aus, während ihm ix den letzten Jahre« dieSoetalrebe zum Kultusetat Seitens der Cextrum-fraktion über- trage» war, die i« ihrer Art ein Meisterstück war und in den zahlreichen gefammelteR und gruppieren Beschwerde« der Katholiken auf dum Gebiete des Kultusr-ffort- und der Schulverwal­tung alljährlich erkenne« ließ, wie sehr die katholische Kirche «och jetzt unter den Anschauungen und unter den Folgen der Kulturkampfzeit zu leide« hckt.

wandte da- junge Mädchen den Blick wieder ab, während eine tiefe Gluth ihre Wangen über­flam Ate, und beugte sich aufs neue zu Eise Nieder. Bernhard vthmete tief auf. Er hatte die zarte, anmuthige Erscheinung Ernas noch nicht ver- geffen uxd doppelt reizend schien fie ihm jetzt, da er fie in der Häuslichkeit ihrer Heimath wieder sah.

Else ward zu B-tt gebracht. Bernhard klei­dete stch dagegen nur mit Hilfe feer Garderobe Jobsts um und erichie« dann wieder bei dem gemeinsamen Abendessen in der große« Halle, a« die sich die Terrasse schloß.

Auch Ewald von Wi»dheim hatte sich ei», gesunde« und berichtete, wie die übrigen Schiff­brüchige« untergebracht waren, und daß mau jetzt, wo die See sich allmählich wieder beruhigte,

** die Bergung der Schiffsladung denken könnte. Der Dampfer würde wohl auch wieder flott ge- macht werden können.

Bernhard unterhielt stch mit dem alte« Baron und den Damen, die seinen intereffanten Er- zähluszen aus den ferne« Welten ^aufmerksam lauschte«. Besonders Erxas große Auge« hingen mit gespanntester Ausmerksamkeit an den Lippen des Erzählers, deffen Blicke den ihrigen oft be- gegxeten uxd sich fragend in die ihrigen ver­senkte«.

E- »ar. Erna, «lr richtete Bernhard feixe Worte hauptsächlich an st«, und ein seliges Glück«, gefühl über flachste ihr Her,.

Jobst saß schweige«d da. Seine Grdanken »eilten bei Else, deren zärtliche, liebende Worte immer «och tu seine« Herzen wiederklangen, deren große dunkle, mit innigem Ausdruck zu

* As» dsntsche Aroiestomttom«» zu Begi«n deS20.Jahrhunderts vonDr.Huppert ist soeben in dritter Auflage (6. u«d 7. Tausend) erschiene«. Die Schrift ist, wie die.Kölnische Volkszeitung' mittheilt, um zwanzig Seite« ver­mehrt und enthält die neueste« authentische» Aenßerunge« über die ixnerkirchlichen Zustände im Protestantismus, lieber die Aufnahme der Schrift in de« protestantischen Kreise« und na­mentlich über den Zweck der Beröffent- lichuxg äußert stch «er Verfasser in dem Vor­wort zur dritten Auflage in folgende« Sätze«:

Bei den Besprechungen unserer Schrift find von der Kritik fachliche Ausstellungen nicht gemacht worden. Die protestantischen Blätter haben lange ge­zögert, bis fie Besprechungen ihre Spalten öffneten. Die Oreane non der Richtung des .RetchSboten' er­eiferten stch »eidlich über die Schrift der «ReichS- bote' selbst hat fie nurdurchgeblättert" während andere, wie die .Deutsch-Evangelischrn Blätter' und die .Christliche Welt' die Schrifternst, würdig und geschickt",überaus geschickt" nrgnen und fie auch pro. testantifchen Kreisen als lesenSwrrth empfehlen. Ein angesehenes Blatt, die ,Kre«z-Zeitung', hat beklagt, daß durch derlei Beröffentlichunzen der konfessionelle Friede gestört werde, und leinen protestantische» Kollegen gerathen, die konfesfionelleu Gegensätze durch ihre Polemik nicht zu verschärfe». Wir waren uns wohl bewußt, daß durch unsers Veröffentlichung der konscffionelle Frieden nicht gefördert werde, und des­halb hätte» wir fie unterlaffen, wenn nicht fortgesetzt in der schärfsten Weife Angriffe auf die Katholiken er­folgten, denen gegenüber die Pflicht der Selbsterhaltung eine energische Zurückweisung gebietet. Noch auf der diesjährigen Jahresversammlung deS sächstschrn Landes- veretns deS Evangelische» Bundes Ende September er» klärte Superintendent Meyer:Wir müffen die Katho­liken der römischen Kirche abwinden." Dai ist denn auch die Tendenz der Gesellschaft zur Ausbreitung deS EvsAgeltums, wie der Los von Rom-Bewegung. SolchenAbwinduags"bestrebungen gegenüber wird auch kein gerecht urtheilender Protestant de» Katholik«» zumuthen, zu schweigen. Solange die antikatholische propagandistische Thätigkrit auf protestantischer Seite ix der bisherigen Weise fortdauert, werde» wir auch fortfahren, an der Hand protestantischer Zeugniffe zu zeigen, was der hrutize Protestantismus den Katholiken zu bieten vermag. Die Veröffentlichung unserer Schrift «ir betone» daS nochmals ist ein Akt der Nothwehr, und wir habe» u»8 bemüht, die Grenzen der rechten Gegenwehr nirgends zu überschreite».

Wer den .Reichsbotex', feie .Wartburg', die »Tägliche Rundschau' usw. beständig verfolgt, wird dem Verfasser Recht geben müffen. Die gssammte katholische Presse würde kirchenpolitische Polemik in der seitherigen Weise nicht mehr treiben, wenn feer EoanZelifche Bund, die Ge- stllschaft zur Ausbreitung des Evangelium-, der .Reichsbote', feie »Wartburg', die ,Täzl. Rund­schau' usw. mit ihrer hetzerischen Thätigkrit gegen die katholische Kirche aufhörr« wollte». Solange das aber nicht der Fall ist, trotz der Mahnungen der ,Kre«Mckv«A', die bei ihren Kolleginnen nicht auf fruchtbaren Bode« gefallen find, wird auch die katholische Presse vom Rechte und der Pflicht der Nothwehr G -brauch machen. DaS ist jeder Katholik seiner eigenen Ueberzeugung schuldig.

X M SsMKMHizeN Iatzk NAd doch «iHS deschtnßlShig waren am Montag die Reichsboten versammelt. Zur Berathuxg stand der Antrag Bebel (§ 11b), aus den Zoll- er träge« 100 Millionen Mk. für das Volks - schulwesen jährlich den Gnzelstaaten zu über­weisen. Herr Bebel hatte diese« a« sich ganz «SSSSSSSSWI WSSSSSSSSWSSSSSSSS! ihm aufschauexs« Augen er stets vo« neuem vor sich suftauchen sah, die wir zwei sanft schim- mer«de Sterne aus dem Nebel der Nacht hfer. vorstrählten, so mild, so beseligend, so beglückend. Er achtete kaum auf seine Braut, die in stolzem Schveigen dasaß und sich fremd i« der Um­gebung fühlte, dis doch ihre Heimath werden sollte.

Man hatte die Thürs nach der Terraffe zu geöffnet. Die finsteren Wetterwolke« waren »er. flsge«. das magische Licht des MondeS ruhte flimmernd auf dem Meere und fee» Wipfeln feer Bäume. Der Sturm hatte sich gelegt, aber »och immer erklang ei« hohle- Brausen ix fee« Wipfel«, und mit dumpfem Donner schlug feie Brandung der noch hochgehende« See an die Küste.

Die brausende See, die sich überstürzenden Wellen, deren schaumgektönte Kämme wie flüssiges Silber im Monfeevstrahl erglänzten, baten von der Terraffe aus einen majestätischen Anblick, der feie Seele des Zuschauers mit einem erhabenen Ge­danken erfüllen muß.

Aber Gerd«, die nach Aufhebung feer Tafel auf die Terraffe getreten war und «lst finsterem Blick auf das herrliche Bild zu ihren Füßen nieder­schaute, verstand nichts von diesem Eindruck. Ihre Seele war erfüllt von Stolz und Mißmuth; fie fühlte fich zurückgesetzt, unbeachtet, fie war verletzt in ihrem hochmüthigen Egoismus durch die Theil- nähme, welche man ihren Verwandten entgegen- brachte, die fie in früherer Zeit kau» al« solche betrachtet uxd off die fie mit einem gewissen spöttischen Mitleid herabgesehen hatte.

Wer waren fie, daß fie solcher Beachtung,

löbliche«, aber natürlich völlig aussichtslose« An- trag deS Längere« begründet, währexddeffen zahl- reiche Abgeordnete ix der Restauration ihr Mit- tazsmahl oder ihre« Kaffee ein«ahme« uxd andere i» den Lese- und Schreibsälen fich aushielten. Auch Herr v. CzarlinSki hatte Namens der Pole« den Antrag befürwortet, als plötzlich schneller als man erwartet hatte dis Diskussion zu Ende «ar; es hatte stch auf der Linken offen­bar i« Folge einer Verabredung, niemand mehr zum Worte gemeldet. Nun trat eine unvorher­gesehene Folge des abgekürzte« Verfahrens der namentliche« Abstimmung eis: diese war sch«eller beendet, als alle Abgeord­nete» wieder hereingeströmt waren. Obsndrein hielten fich die Sozialdemokraten offenbar auSBoSheit von derAbstimmung fern, sodaß sie sammt den Polen, die übrigens wohl nur durch den Nbg. v. EzarlinSki vertrete« waren, nur 9 sage und schreibe: neun Stimmen für ihren Antrag, für den Herr Bebel doch in tönende« Worten ei« dringendes Kultur- bedürfniß geltend gemacht hatte, zusammen- brachte«. Mit Nein stimmten 162 Abgeordnete, während 7 fich der Stimmabgabe enthielte«. So­mit waren nur 178 Abgeordnete im Saale an­wesend, während erst 199 das Haus beschluß- fähig machen. Die Ätzung mußte schon bald «ach 3 Uhr abgebrochen werden. Von rechts wünschte man bis Anberaumung einer neuen Sitzung auf denselben Tag, aber feer Präsident, der wohl etwas ungehalten war über die theil- absichtlich, theils fahrlässig herbeigeführte Be­schlußunfähigkeit des Hauses, entschied mit ener­gischer Betonung, daß die Berathung deS Zoll- tarifzefttzss erst am Dienstag nm 1 Uhr fort­gesetzt werde. Hierzu habe« die Sozialdemokraten (Rofenow u Ge».) inzwischen einen neue« § 11 o beantragt, der von den Zollsrträge« 49 Millionen für Aufhebung der Salzsteuer verwendet Wisse« will. Auf diese Weise kann mast mtt 11 d, 11 e u. s. w. noch das ganze Alphabet durchmachen, bm dazu gehört herzlich wenig Erfindungsgabe, um mit d^r Formulk ung popu-' lärer Wünsche eine obstruktioxistische Ko­mödie aufznführex.

X Die zweite NemiHrmg des IEsrif- Hesetzer wird, wie man annimmt, am Dienstag »der Mittwoch zu Ende gehen, falls die Sozial­demokraten nicht immer neue Obstruktives - An­träge (stehe am Schluss- des Reichstags'Berichte-) eindringen. Es steht nämlich, hiervon abgesehen, nur noch die Berathung des § 12 a«S, der eine bestimmte Frist für das Inkrafttreten des Zolltarif. Gesetzes festsetzt ein Kommis­sions-Beschluß, dem die Regierungen widersprechen, weil er sie bei Vertrags - Bsrhandlunzen in eine ungünstigere Lage bringe als feie ausländische« Unterhändler. Abg, Paasche (natl,) hat ihnen daher den Gefallen gethan, zu beantragen, daß der Zeitpunkt des Inkrafttretens des Zolltarif- Gesetzes durch Kaisers. Verordnung bestimmt »er» fee« soll. Ob es möglich sein wird, feie Bedenke« der Reichstags-Mehrheit gegen eine solche Lösung zu zerstreuen, wird stch wohl am Dienstag zeige«.

X De« fionlrrvktive AKkrag «mf Kerav- derIrrdnstriezölke umfaßt nicht weniger als 140 Nummern des Tarifs. Der.Vorwärts' s«smilMIWJIlMIMIIIW

solcher Rücksichtnahme weith waren? Die Kinder eine» armen, im Elend fast gestorbenen Künstlers l Bernhard, ein Abenteurer, der fich durch einen günstige» Zufall zu einer angesehenen Stellung in einem halb barbarischen Staatswesen empor- geschwungen, Else, feie Tochter einer Fra», feie stch ihren Lebensunterhalt mühsam durch Ab- vermiethen vo« Zimmern an einzelne Herren erwarb!

Auf Else besonders' konzentrirte fich ihr instinktiver Haß. Sie war fich schon in Berlin bewußt gewesen, daß fie in ihr ehe Nebenbuhlerin in der Gunst Jobsts z« fürchten hatte; sie triumphirte über fie, als fie fich mit Jobst ver­lobte, aber fie erkannte jetzt mit scharfe« Auge, daß Jobst die dunkeläugige Else noch nicht ver­gessen, daß fich seine Phantasie noch immer mit ihr beschäftigte. Sie vermochte den Gedanken nicht zu ertragen, daß fie ihrer Toufine nachstehex sollte.

Sie warf den Kopf trotzig empor und wollte fich wieder in feen Salon begebe«, wo feie kleine Gesellschaft um bett allerchümlichen, mächtige« Kamin versammelt war, in dem man eta hell- lodernde» Feuer entfacht hatte, als die hohe Ge­stalt Ewalds neben ste tret.

So einsam und in Gedanken versunken, gnädige» Fräulein?" fragte er mtt leiser Stimme. Wollen Sie mir gestatten, en Ihrer Einsamkeit theilzunehmen, die Abenteuer des Kapitän« da drinnen werden auf die Dauer langweilig."

Die übrige« Herrschaften scheinen fie indessen sehr interessant zu finden."

Allerdings," lachte Ewald leicht auf.Der Herr Kapitän sowohl wie Fräulein Else nehmen