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Juktza, Montag, ben 24. November 1902.
29. Jahrgang.
M 270.
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„Uluslrirte Sonntags-Zeitung", „Süldaer Beschicbtsblättef" und Cotterie-Dsfe.
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© Das alte Spiel
in der sozialdemokratischen Presse und und Partei, Unmögliches zu verlangen, aus anderer Händen daS Erreichbare anzunehmen und hinterher auf diese zu schimpfe«, weil sie den sozialdemokratischen Humbug nicht nütze» macht haben, ist schon wieder in vollem Sange. Was hat die sozialdemokratische Fraktion that. sächlich für die Arbeiter erreicht? Nichts! Vie hat nahezu gegen Alles gestimmt, dessen fich in Deutschland die Arbeiter erfreue«; nachher aber hat sie fich noch immer in das von Anderen, namentlich vom Centrum, bereitete warme Nest gefitzt, gleichwohl aber diese Andere», die durch kluge Mäßigung für die Arbeiter mehr grthan haben als alle sozialdemokratischen Schreier zusammen, des Verraths an den Arbeiterinte« ressen geziehen und fie mit Hohn und Schimpf übergossen. Genau so macht fie eS- auch j'tzt wieder mit der auf Antrag des Trntrums be- schlofsenen Reservirung der Millionen, die sich bis zum Jahre 1910 auS den Mehrerträze« der LebensmittelzSllr in Folge der Zollerhöhungen ergeben werden, für eine Versorgung der Arbeiter-Witwen» und Waisen.
Der .Vorwärts' ersrecht fich, über diese br« deutsame soziale That unter der Uebertchrift „Christliche Witwen- und Waisenoerficherung" fich auszuschleime«, und die sozialdemokratische Provinzpreffe wird natürlich nicht säume«, diese Parole aufzunrhmen. Der .Vorwärts' spricht von einem „Bettelpfennig deS Antrags Trim» born" als wenn 60, 70 oder 80 Millionen Mark jährlich «in „Bettelpfennig", eine Lappalie für arme Witwen und Waisen wären. Er behauptet, der Antrag Trimborn, der den ursprüng- lichen Antrag etwas einschränkt, aber unter voller Aufrechterhaltung seines Zieles, beweise, daß das ganze Vorgehen des Crntrums nur „großmäulige Reklame" gewesen, und daß es dem Crntrum überhaupt nicht ernst sei mit seinem Antrag. Das Crntrum habe ihn nur gestellt in der sicheren Hoffnung, daß er von der Mehrheit „gemeuchelt" werde.
DaS heißt man die Thatsachen geradezu der den Kopf stellen. I« der Kommission ist auf Antrag angonommen worden, aber nur deshalb, weil ein Gegner, der «atlib. Beumer bei der Abstimmung fehlte. ES »ar gar keine Aussicht Vorhände«, daß der Antrag im Plenum Annahme gefunden hätte, u»d ebensowenig oder noch weniger war auf die Zustimmung der BundeSrathS zu rechnen. Wollte das Centrum als» überhaupt etwas erreichen, so mußte eS, gerade weil eS ihm mit feinem Anträge ernst war, diesen so ge- flalten, daß er eine Mehrheit im Reichstage und schließlich wohl auch — gern oder ungern — die Zustimmung der Regierungen finde» konnte. Zu diesem Zwecke ist der Antrag Trimborn ringe» bracht worden, und so, aber auch nur so, ist eS gelungen, auf diesen eine Mehrheit zu vereinigen.
DaS wäre nicht möglich gewesen ohne die Ausscheidung von Hafer und Gerste und ebenso der nur durch die BevölkerungSzunahme ent» stehenden Mehreinnahmen. Und eS wäre eben» falls nicht möglich gewesen, wenn nebenbei auch noch eine «tue schwere Belastung der Arbeit- tw^l»WWWW>WWWWMWW^««I^^MM^MSSWSSSS
Strandgut.
Roman von O. Elster.
382 -------- (Nachdruck »ertöte«.)
Fast wäre Jobst niedergefallen, wenn ihn der alte Hafenmeister, der fich auch im Boot befand, nicht kräftig am Arm erfaßt hätte.
„Sir hier, Herr Baron?"
„Ja — ich kann nicht ander« . . ."
„Gut, gut. Aber fitzen Sie sich nieder.
's wird eine gefahrvolle Fahrt."
Mehrere Boote wettetferten, wer zuerst da« gefährdete Schiff erreichte. Solange man fich in dem schützenden Hafen befand, überwanden die er- fahreuen Schiffer leicht die euch hier hoch gehende See. Al« man aber die Molen verließ und hinaurschoß in die tobende, schäumende See, da galt e« einen Kampf um Leben und Tod. Schweigend arbeiteten die braven Schiffer. Mit todermulhigen Augen blickten fie in dar schäumende Chao« der Wogen; die Muskeln der Arme, welch« Ruder führten, spannten fich an, al« sollten fie zerspringen. Fest zusammengepreßt waren di« Lippen, und in hastigen Athemzügen hob u«d senkte fich die Brust. Ab und zu flogen die Blick, der Männer zu dem alten Hafenmeister hinüber der aufrecht an der Spitze seine« Boote« stand, und die Richtung angab, zuweilen seinen Ruderern einen kurzen Befehl zurufend.
In den Händen hielt er ein zusammengerolltes Tau zum Warf bereit.
„Noch einmal legt Euch in die Riemen", rief ?r seinen Leute« zu, „dann find wir nah genug.
geb er für den Zweck der Antrags in Aussicht gestellt worden wäre. Darum hat der Abg. Trimborn diese Frage ausdrücklich abgewiese» und offengelassen und keinerlei Bindung der CentrumS in dieser oder jener Richtung zu- gestanden. Sr hat aber nicht, wie der .Vorwärts' ihm unterschiebt, gesagt, daß dar Centrum Arbeitgeberbeiträge jedenfalls ab lehnen werde. Das Centrum hat fich vielmehr überhaupt zu nichts verpflichtet, weder zur Annahme noch zur Ablehnung solcher Beiträge. Und daS Gleiche gilt nicht nur für Arbeitgeber, sondern auch für Arbeitnehmer. Es ist ja, trotz aller Schwarzmalereien auf gegnerischer Seite, zar nicht auS- geschloffen, daß die Finanzlage der Reiches bis zum Jahre 1910 fich wieder soweit beffer« wrrd, daß das Reich die Koste« der Verficherung ganz »der größtenthetls über«ehme« ka«n. Wozu als» heute, wo fich die finauziellen Verhältniffe noch gar nicht übersehen lasten, sich schon die Hände binde»? DaS ist es und nichts Anderes, was das Centrum, was der Abg. Trimborn sagen wollte.
Das ganze Geschimpfe der sozialdemokratische» Blätter e»tspri«gt nur der Wuth darüber, daß dis Sozialdemokraten nicht selbst auf de« Ge- danken gekommen sind, bet dieser günstigen Gelegenheit (eine beffere kommt gewiß nicht wieder) die Wittwen- u«d Waisenversicherung ein gutes Stück der Verwirklichung näher zu bringen. Sie verstehen fich nur auf das Maulausreißen und suche« dann alle von Anderen erhobenen vernünftigen Forderungen zu übertrumpfe«. Ob etwas daraus wird oder nicht, ist ihnen gleich; ihnen kommt es ja nur darauf an, Agi- tattons stoss zu haben. Das Centrum aber hat es von jeher vorgezogen, praktisch zu arbeiten uxd das Erreichbare zu sicher«, de«Arbeitern wie de« Handwerker« und de« Baurrp. Damit ist eS «och immer zum Ziele gekommen und wird auch mit sei«er Fürsorge für Wittwen und Waise« zum Ziele kommen. Die Verleumdung, daß es ihm nicht ernst damit |et, wird es durch die That widerlegen: Wenn die Regierungen auch dem Anträge Trimborn noch widerstrebe« sollten, so wird das Centrum doch ntchi von ihm lasten, es wird eher den Zolltarif, als seine« An- trag scheitern lassen — die Verantwortung dafür hätte nur der BundeSrath zu tragen.
Berlin, 22. November 1902.
♦ Iri-drich Alfred Krupp f. Exzellenz Krupp in Esten ist Sonnabend Nachmittag 3 Uhr gestorben. Der Tod ist in Folge eines früh 6 Uhr eingetretenen Gehirnschlage« erfolgt. Diese Trauerbotschaft meldete un« in den Abendstunden de« Sonnabend der Telegraph au« Villa Hügel und wir konnten fie noch Abend« in der Stadt ver» breiten. — Friedrich Alfred Krupp wurde am 17. Februar 1854 zu Esten an der Ruhr geboren; er hat also ein Alter von nur 48 Jahren erreicht. Al« einziger Sohn von Alfred Krupp
daß ich da« Tau dem Dampfer zuwe:fen 'kann ... vorwärts, Leute! — Aufgepaßt! Eine Sturz
welle kommt..."
Gleich einem wilden Thier stürzte fich die Woge auf da« kleine Bsoi, al« wollte fie e« zerschmettern und in der Tiefe begraben. Aber der Mann am Ruder halte gut aufgepaßt — ein rascher Griff — das Boot fuhr herum — die Woge traf es nicht mit voller Wucht, sondern hob er nur hoch empor auf ihrem starken Racken. Pfeilgeschwind schoß da« Boot wieder in die Tief«. Aber nur ein kurzer Raum trennte da« Boot vom Dampfer. Der alte Hafenmeister erhob da« Tau.
„Achtung!" rief er mit weithin schallender Stimme, und im hohen Bogen flog da« kräftig geschleuderte Tau auf bas Deck des Dampfers.
Die Leute am Bord hatten mit aufmerksamen Augen die Bewegungen de« Boote« verfolgt. Al« da« Tau auf Deck flog, ergriffen e« kräftige, rasche Hände, und mit lautem Halloh holte man da« Boot heran, da« fich in wenigen Augenblicken längsseits an den Dampfer legte, durch die hohe Bordwand und da« Riff einigermaßen gegen die tobende See geschützt.
Auf dem Deck drängte fich die Menge der Paffagiere angstvoll, hastig nach dem rettende« Boot.
„Halt!" rief die Stimme des Kapitän«. „Die Frauen und Kinder zuerst. — Zurück da! — Hebt die Frauen über Bord. — Heda — Bootsmann, aufgepaßt. . ."
Mehrere Frauen und Kinder wurden in dar heftig schwankende Boot gehoben. Schreckensbleich, wqinend oder erstarrt in Schreck lauerten fie fich am Boden nieder.' , ...
(geb. 1812, gest. am 14. Juli 1887) und Enkel von Friedrich Krupp, dem Begründer der großen Gußstahlfabrik, setzte Friedrich Alfred Krupp da« große Werk seiner Vorfahren fort und vergrößerte darselbe insbesondere noch durch den Ankauf de« Gruson'Werke« bei Magdeburg und der Schiffsbau- und Maschinen-Aktiengesellschaft „Germania" in Berlin und Kiel. Für seine Arbeiter und Beamten hat Krupp stet« ein wohlwollende« Herz gehabt, auch in Betreff der Arbeiterfürsorge mit seinen «llerding« sehr reichlichen Mitteln — Krupp war der höchstbesteuerte Mann in Preußen — viel geleistet. Krupp' war Befitzer von 547 Eisen» stelngruben in Deutschland und einigen bei Bilbao in Nordspanieu. Ein Heer von fast 30 000 Ar- bester« wird in den Krupp'schen Werken beschäftigt. Al« Kanonenkönig hat Krupp für sämmtliche Staaten Europa« mit Ausnahme von Frankreich Geschütze geliefert. Ebenso wie Frhr. v. Stumm hat Krupps keinen Sohn zur Fortführung de» väter» lichen Erbes Hinterlasten. Er find nur zwei Töchter vorhanden. Bon 1893 bis 1898 gehörte Krupp auch dem Reichstage an und zwar als Hospitant der Reichspartei; er ist jedoch in seiner parlamentarischen Thätigkeit niemals hervorgrtreten. Die Nachricht von seinem Tode kommt sehr überraschend. Bekanntlich war Krupp erst vor wenigen Tagen im ,Vorwärts' und In anderen sozialdemokratischen Blättern wegen seine« Aufenthalt« auf Capri heftig angegriffen und schwerer sittlicher Verfehlungen beschuldigt worden.
ft Kerr v. Mindstsim, der Berliner Polizeipräsident, ist zum Regierungspräsidenten in Frankfurt a. O. ernannt worden. Doch scheint diese Stellung für ihn nur als Fcholungs- und DurchgangSposten gedacht zu sei«, oenn das .Berliner Tageblatt' deutet an, daß Herr von Windheim vom Kaiser zum Oberprästdenten von Brandenburg auSersehe« sei
ft Der Arrrengerreral Delsrrey weilte am Samstag mit seiner Gattin, feiner Tochter und seinem Schwiegersöhne Ferreira längere Zeit im ReichStaae.
* B-» der „Verständigung" wird in der Preffe jener Parteien, welche seither am allermeiste» sich bemüht haben, jede Verständigung zu hintertreibe«, fortgesetzt am eifrigste« geredet und zwar in einer Weise, als ob gar kei« Zweifel am Gelingen derselben möglich wäre. Aber indem diese „Freisinnigen" und verwandten Organe vom „Umfall" der Mehrheitsparteien sprechen, wollen sie nur ihre eigene Umfallsbereit- Willigkeit maskiren. Auch psychologisch ist dieses Treiben begründet; denn jene Freistnns- manne«, ja selbst manche Sozialdemokraten wären selbst überglücklich, wenn sie als „staatSer- haltende" Parteien von oben mit Händedrücken und vertraulicher Zwiesprache beehrt würden und darum könne« fie fich gar «icht vorstellen, daß andere Leut« standhafter sein könnten, wie fie selbst . . . Thatsächlich aber hat fich an der Situation, so wie wir fie konsequent gezeichnet haben, nichts geändert. Die Aussichten des Zolltarifs haben fich eher verschlechtert als verbessert. A» dieser Thatsache werden auch die weiteren Besprechungen deS Reichskanzlers mit den Vertrauensmännern der MehrheitSParteien (fie wurden auch am Samstag Abend fortgesetzt)
„Ist noch Platz für eine Person?" rief eine Stimme an Byrd.
„Ja — herunter mit ihr!"
Jobst stand neben dem alten Hafenmeister und blickte nach oben. Plötzlich schrak er zusammen. Ein bekannte« Gesicht neigte fich Über den Bordrand.
„Bernhard Brückner — find Sie'» — ?!" „Halloh — da« ist mein Mann! — Wer find Sie — ? Alle Wetter — Herr von Windheim ..."
„Ja — ja — kommen Sie herab . . ." „Nicht ich — meine Schwester zuerst!" „Ihre Schwester?!"
„Macht rasch da oben", rief der Hafenmeister. Bernhard zog seine Schwester an den Rand de« Deck-«. „Muth, Muth, Else . .
„Ich gehe nicht ohne Dich, Bernhard . . ." „Er kommen noch mehr Boote — ich rette mich schon. Da unten ist Herr von Windheim, Du bist In gutem Schutz — lebe wohl, Schwester.
Er hob da« junge Mädchen empor, das heftig zitterte. „Fürchtest Du Dich?"
„Nein, nein . . ."
Sie erzitterte auch nicht vor Angst, der Name de« heimlich fo heiß Geliebten klang noch immer in ihrem Herzen nach.
Jetzt schwebte fie in der Lust, jetzt ward fie sanft und sicher herabgelaffen, zwei starke Arme umfingen fie — „Else — Klein-Else" — flüsterte eine halb erstickte Stimme — lächelnd blickte fie in die treuen, blauen Augen des Geliebten, dann schloß sie ihre Augen und lehnte das Haupt auf feine Schulter. Eine leichte Betäubung umfing sie, aber mochte jetzt auch die Welt versinken, mochte sie selbst hinabgezozen werben in die feuchte
kaum etwas ändern — es fei de««, daß di* Regierungen erheblich weiter «achgebe«, als fie bisher gethan. Das Centrum wird em Sonntag Nachmittag in einer besonderen Sitzung den Bericht seiner Delegirte», der Abg. Gröber, Herold, Spahn und Speck, entgegennehmen. Dies ist das richtige Wort, denn Angebote zu machen hat nicht mehr das Crntrum, sonder« nur der Herr Reichskanzler!
ft AevuSsetzmeg U« Indnfiriezölle um durchschnittlich 25 Prozent, und zwar der Zölle auf unedle Metalle und Maaren daraus, sowie Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse und Fahrzeuge, ferner auf die Erzeugnisse der chemischen Industrie haben die Konservativen zu der zweiten Lesung der Zolltarifs beantragt. Das «ar schon bisher bekannt. Die AuSstchten deS Zolltarifs werden dadurch keineswegs verbessert.
+ Zum -Gesetze beantragen die Abgeordneten Bebel, Stadthagen und Antrick (Soz.) einen neuen § 11b, wonach aus de» Zoll» ertrüge« de« Bundesstaaten jährlich 100 Millionen Mark zur Förderung des VolkSschul» wesens überwiesen werden sollen. Wir find mit dem Ziele deSAntrages, ganz einverstanden, aber daß derselbe die Bedeutung einer Demonstration haben kann und dieAnnahme des ZolltarifeS ganz unmöglich machen würde, darüber sind sich die Sozialdemokraten selbst klar. Jedenfalls hätten fie, wenn fie so mit vollen Händen Gelder vertheilen, die ihnen nicht gehören, auch die Pflicht, dafür zu sorgen, daß Gelder für den gewünscht« Zweck vorhanden seien, mit anderen Worten für die Zollerhöhungen zu stimmen. DaS «erden fie natürlich nicht thun, denn bei aller „Zielbewußtheit" find Logik und Konsequenz nicht ihre starke Seite.
4- Die ,jAorfrrrcht der Soziakdemo- kratte". Der „Freisinn" oder Liberalismus ärgert sich immer, wenn er so genannt wirb. Aber jetzt meldet da« freisinnige „Bert Tageblatt', daß eines der ältesten liberalen Blätter Westpreußens, die ,Altpreußifche Zeitung' der Sozialdemokratie zum Kauf angeboten worden ist. Nur der hohe Preis, der gefordert wurde, verhinderte einstweilen dieses interessante Geschäft. Die Sozialdemokraten hoffen anscheinend «och einen billigeren Preis zu erlangen, indem fie mit der Herausgabe einer neuen sozialdemokratischen Zeitung drohen. DaS ,Berl. Tagebl.' ist mit Recht sehr betrübt. Mit dem Liberalismus geht eS eben überall zu Ende, und die Sozialdemokratie löst ihn in den Städten, die Bündlerei auf dem Lande ab.
X Die polizeiliche« nvd richterlichen Mißgriffe waren am Samstag der Gegenstand der Reichstagsverhandlung. Die Sozialdemokraten, welche die bezügliche Interpellation eingebracht hatten, ließen fie durch den Abg. Heine, der sehr ausführlich auf eine lange Reihe solcher unliebsamen „Füll-" einging, dabei fich aber auch mancher tendenziösen Uebertreibungen nicht enthalten konnte, begründen. Mit erfreulicher E »tschiedenheit verurtheilteTlaatSsekretärNi e bet« ding im Namen des R ichSkanzlerS alle jene Urbergriffe, wen» er auch die Darstellung deS Vorredners nicht in allen Punkte« als zutreffend Tiefe, sie fühlte fich geborgen, sicher in seinem Arme, und mit ihm zu sterben erschien ihr al« kein Schmerz.
Da« Boot flog aus der dem Lande zufirsrnen- den Brandung pfeilgeschwind zurück. Jobst halt« fich in dem Bug de« Kahnes niedergesetzt und hielt die wie leblose Gestalt ElsenS in den atmen, fie mit der Jacke de« Hafenmeister« einhüllend, die dieser ihm zugeworfen hatte. RegungSlo« stand er da, da« Auge auf da« blaffe, stille Gesicht de« Mädchen« gerichtet. Wehmüthige und doch glückliche Gedanken durchflurheten seine Seele. Ja diesen Minuten fühlte er erst, mit welcher Kraft und Innigkeit er Else tiebtej in diesen Minuten begriff er nicht, wie cs eine Zeit hatte geben können, wo er glaubte, Gerda zu lieben.
Ein leise« Erbeben zitterte durch ihren Körper — ein leichter Seufzer hob ihre Brust, und leicht öffneten fich ihre Lippen. Und bann schlug fie die Augen, die großen, dunklen Augen auf und blickte in kindlichem Erstaunen wie aus einem Traum erwachend zu ihm auf.
„Wo bin ich?" flüsterten ihre Lippen.
„Gerettet bist Du — kleine Else —*
Die Gewalt seiner Empfindung drängte ihm Thräneu in die Augen und erstickte seine Stimme.
Eine feine Röthe stieg in ihren Wangen empor, ein glückliche« Lächeln umspielte ihre Lippen, die traumhaft sprachen: „Bei Dir . . . bei Dir . . ."
Dann schmiegte fie fich sanft in seine Arme und schloß die Augen.
„Du sollst leben, — leben und glücklich sein.. .* „Glücklich?! — Gibt ei ein andere« Glück aus ver Welt, al« mit Dir zu sterben?"