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mit den Beilagen
„Tüustrirfe Zonntagz-^estung", „Fuldaer ßescbicbtsblätter und Eotterie-Üisfe.
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M 267.
Jutöa, Donnerstag, dm 20. November 1902.
29. Jahrgang.
Berlin. 18. November 1902.
+ Das preußische StaatominiSerinm trat unter dem Vorsitze des Ministerpräsidenten «rasen Bülow am Die»!tag w einer Sitzung zusammen. In dieser kritische» Zeit wird dieses Faktum sicherlich wieder mit der Zollfrage i» Verbindung gebracht werden. Os mit Recht, mag dahingestellt bleiben.
* An« Kefinden de» Allg. Ar. Kitze schreibt die ,RH. SB. Ztg/: Es dm lautet, daß der Erkrankung des inzwischen beurlaubte» Te»trumSabgeord»eten Profeffor Dr. Hitze ei» komplizirtrs schwieriges Herzleiden zu Gruude liege. Es liege rämlich »eben Herzerweiterung rin Fehler der Herzklappe« vor Ts ist unter diesen Umständen zu begreifen, daß vom Arzte dem erkrankten Abgeordneten jederlei anstrengende geistige und körperliche Thäiigkett aufs Strengste untersagt worden ist, weshalb Hitze auch nicht mehr an de« Verhandlungen des Reichstages theilnimmt, sonder» in diese« Tage» »ach Mürster i. W. übergesiedelt ist. Doch auch a» dem genannte» Orte wird er nur einige Tage verweile«, da ihm vom Arzte ja auch verboten ist, als akademischer Lrhrer zu wirke». Profeffor Hitze will sich vielmehr i» die Stille seiner sauerländischen Heimath zurückziehen, von deren stärkender Berglust er eine B-ffernng seines Zustandes erhofft.
* Der Schiedsspruch Ihr die Samou- Schadeusersatzausprkche wird heute im nichtamtlichen Theile deS .Reichsanz/ veröffentlicht. Die Entscheidung ist gefällt vom König Oskar II. von Schweden und Norwegen als SchiedSricher in Gemäßheit deS am 7. November 1899 zu Washington gezeichneten Abkommens zwischen dem Deutsche» Reich, dem Vereinigten Königreich von Großbritannien u»d Irland und den Vereinigten Staate» von Amerika, betreffend die Regelung gewisser anläßlich der in Samoa im 1899 auS« geführten militärischen Aktionen erhobener Schadensersatzansprüche. Das vom 14. Oktober dS. IS. datirte Aktenstück schließt mit de» Worte«:
AuS diese« »rtitben erachte» Wir, daß die i» Frage stehende militSrtsche Aktion, d. i. die Zurückholung der RaltetoaanhLnger und die Bertheilung von »affen und Munition unter fie, die Beschießung, die kriegerischen Maßnahmen an Land und die Behinderung de« fielen Straßenverkehr», nicht eil gerechtfertigt betrachtet »er,en kann, und daß delhalb Ihrer Britannischen Majestät Regierung und die Regierung der Bereinigten Staaten «ach Maßgabe del Abkommen! vom 7. November 1899 für die Verluste verantwortlich sind, welche durch die «wähnte militärische Aktion herbeigesührt stnd, während einer weiteren Entscheidung die Frage Vorbehalten wird, in welchem Umfang die beiden Regierungen oder die eine oder andere von ihnen al« für jene Verluste verantwortlich zu betrachten sind.
+ Da» Direktor»»»» her Air«» Kr«pp hat zur Kenvtniß der Werksangehörigen gebracht, daß die Berliner Staatsanwaltschaft auf Antrag Krupps wegen der gegen ihn erhobenen ungeheuerlichen Verdächtigungen und Beschimpfungen gegen den verantwortlichen Redakteur del .Vorwärts da« öffentliche Strafverfahren eingeleitet habe.
Strandgut.
Roman von O. Elster.
19 -------- (««chdruN »ert.te«.)
Mit einer Empfindung bei Neidei hörte er von der reichen Verlobung seines Vetters. Er selbst hatte noch keine Zeit gefunden, fich um fein persönliche! Glück zu kümmern. Dai Streben, möglichst rasch die Stufenleiter del Beamten emporzuklimmen, nahm feine ganze Kraft, fein Denken und feine Zeit in Anspruch. Jetzt hatte er erreicht, wohin er gestrebt; er stand auf der obersten Stufe fest, ein Schritt weiter, und das Miuikerportefeuille winkte »hm. Und doch fühlte er sich nicht befriedigt. 61 fehlte seine« einsamen, arbeitsreichen Leben der Glanz, der Duft, die Farben. Er besaß nichts als sein Gehalt, und er war ein viel zu guter Rechner, als daß er seine Einnahmen jemals überschritte« hätte. Deshalb «angelte aber auch seinem Dasein die richtige Freude; das Gespenst der Armuth, der vsrhältniß- mäßigen Armuth, stand stets drohend «eben ihm, wenn er einmal so recht genießen wollte. Und er schmachtete insgeheim nach der reiche« Tafel Hk» Lebens, nach dem Genuß!
Er begann nach einer reichen Parthie zu suchen. Aber dal Alter hatte ihn wählerisch gemacht, er fand keine ihm zusagende Parthie, bis er die Braut seines Vetter» kennen lernte. Da« war fein Geschmack! Schön, stolz, vornehm, Besitzerin einer Million — ah, wie dumm, daß er Jobst nicht zuvorgekommen war. L „
♦ Ds» Mvvd -er Landwirthe bleibt in einem offizielle« Organ dabei, daß die Ablehnung der Zolltarifoorlage wünschenswerth sei. DaS Blatt schreibt neuerdings:
Ob dal Feilschen um jene für die deutsche Santo« wirthschaft hochbedeutsamen und sehr schwerwiezenden Differenzen zwischen RegiernneSvorlnne und der «egen« wärtigen ReichStaesanschauuvg aussichtslos ist, da! kann erst die Zukunft lehren. Jrdenfall« haben die agrarsreundlichen Abgeordneten alle Ursache, mit äußerster Zähigkeit gegen dal Zustandekommen, der von dem westfälischen Herrn empfohlenen Regierungsvorlage zu käwpfen. Ihre unveränderte Annahme wäre für die deutsche Ländwirthschaft ein größeres Unheil als ihre Ablehnung und Foit- »auer selbst del gegenwärtigen Zollverhältniffel.
Gegenüber solchem Geschreibsel frage» wir nochmals: waS ist für die Ländwirthschaft beffer: daß sie eine» erhöhte» Zollschutz erhält oder aller Voraussicht »ach für absthdare Zeit darauf verzichte« muß? Was mit diesem Reichstag für die La»dwirthfchaft nicht zu erreichen ist, wird vom künftigen sicher nicht zu haben fein. Es ist ei» Verbreche» an der deutschen Land- wirthschaft, durch Unwahrheiten, z. B. Hinsicht- ich der Gärtnereizölle, und bodenlose Heber» reibungen »ach sozialdemokratischer Manier nur Ür die Agitation zu arbeiten, unbekümmert darum, waS aus dem Bauern wird. Die Bauern aber werden sich daS merke»!
Hk Dewlsche »nd polnische Sozial. demoKrale«. Auch die Sozialdemokraten haben feit längerer Zfit ihre Polenfrage. Die pol» nischen „Genoffen" in de» Provinzen Pose» und Schlesien (Oberschlefien), ferner in Berlin usw. haben fich eine Sonderorganisation geschaffen, betrachten fich als eine selbständige Partei und wollten daher natürlich auch die Autorität des sozialdemokratische» Parteivor- sta»de8 nicht anerkennen. Auf dem lrtzten Parteitag in München wurde diese schwierige Frage besprochen, und besonders Bebel leistete dabei der Neigung, den polnische» „Seroffe«" »förmlich den Krieg zu erkläre», erfolgreich Wider- sta»d. Er hat jetzt die Senugthuung, mit seiner vorsichtigen Haltung Recht zu bekommen. Anfangs sah eS ja nicht danach aus, denn beide Theile traten sich in Oberschlefien schroff gegenüber und stellten getrennte Kandidatenlisten für die ReichStazswahlen auf. Jetzt aber ist eine Einigung zu Münde gekommen, durch welche diese seindlichen Kandidaturen beseitigt werde»; neue Konferenzen sollen gemeinsame Kandidaten aufstelle». Die polnische sozialistische Partei behält ihre innere Selbständigkeit, ihre eigene Preßkommisston, die theil» in Ober- schlefien, theils i« Posen gewählt werden soll; aber als oberste Instanz erkennen die pol- nischen „Genoffen" nun auch den Parteitag der deutschen Sozialdemokratie an, zu welchem fie besondere Delegirte entsenden. Das ist das Ergebniß einer Besprechung, die zwischen den Führern der polnischen Sozialdemokraten, darunter auch solchen auS Galizien und natürlich auS Oberschlefien, und dem deutschen Parteivorstand in Berlin stattfand. Diese! Abkommen beweist, daß die nationale Rivalität nicht unbedingt ein Hinderniß sür ein gemeinschaftliche! Vorgehen sein muß. Achte» aber schon Sozialdemokraten ihre gemeinsamen Prinzipien so hoch, daß sie um ihretwillen die nationale« Streitigkeiten zurück-
Uab jetzt mußte er die Entdeckung mache», daß Gerda ihren Bräutigam nicht liebte.
Es leuchtete in seinen Augen auf. Sie bemerkte den forschenden, fragenden Blick, mit dem er sie ansah, und senkte leicht eriöthend die Augen.
„Ich komme freilich au« einer anderen Welt", sagte er langsam und lächelnd. „Sie nennen dieses weite Schloß, den Park ein Wrack; in gewisser Beziehung haben Eie recht, aber das alte Wrack kann ja wieder neu aufgetakelt werde» und schwimmt dann wohl noch eine Weile auf den Wellen."
„Es fragt fich nur, ob diese Neuaustakelnng der Mühe lohnt", versetzte fie ungeduldig. „Wenn es nach mir geht, kehren wir in jene Welt zurück, au« der Sie kommen."
»Jobst hat de» Abschied eingereicht?" fragte er rasch.'
„Ja, er will hier auf Machnow leben. Sein Kni« ist schlecht geheilt."
„Ich habe ihn in Berlin gesehen — er hinkt.
Wieder die ungeduldige Bewegung ihrer Schultern. „Ich weiß", stnterbrach fie ihn, ab» wollte fie sagen: sprechen wir doch von etwa« anderem
Ein leis«, kluge« Lächeln huscht« uw feine Lippen. Er war jetzt feiner Sache gewiß.
„Ihr Märchen liegt mir «och immer im Sin», gnädige« Flänlei«", sagte er nach einer Welle. „Besitzt da« Märchen keinen Schluß?"
Ungewiß blickte fie ,« ihm ans.
Plötzlich trat er näher an fie heran und ergrif ihre Hand. „Ich kenne den Schluß", stsistert« er heftig und sie «Ü leidenschaftlichem Blick an« schauend. „Der Ritter tödtet den Lindwurm, Man«
treten kaffe», bann sollte man meinen, daß Katholiken, die doch durch weit erhabenere Srundanschauunge» miteinander verbunden find, erst recht über die kleinlichen Frage» des Nationalitätenstreites Hinwegkommen und über ei« einige!, gemeinschaftliche! Vorgehen sich verständigen könnte«. Wie steht e! aber bei den katholiken in Oberschlefien? Wenn die Ab- onberung der Polen so weiter geht, bann werden >ei den nächsten Reichstags» ahlen oie Pole» jroar für fich selbst nicht ei» einzige! Mandat gewinnen, wohl aber da! eine ober andere den ge« chlossen vorgehenden Sozialdemokraten in de» Schooß werfen. WaS geschieht, um die! zuverhinder ?
+ Die polizeilichen Zlevergriffe der letzten Zeit habrn be» preußischen Minister bes Innern veranlaßt, eine genaue Untersuchung anzuorbnen; je nach bem Ausfall sollen Maßnahme» getroffen werbe», um solche unliebsame» Vorkommnisse für bie Folge zu vermeiden.
* Köln, 18 Nov. 1902. Bei den heutigen Stab!verordneten.Wahlen erhielte» in der zweien Klaffe bie Kandidaten der CentrnmS- Partri: Moritz 2119, Froitzheim 2100 und Scherer 2118 Stimmen, während auf die liberale» Kandidate» Eitel 1990, Wiethcff 2004 und Bornheim 1990 Stimmen entfielen. Die Kandidaten der Centrums - Partei fino somit gewählt und daS Centrum hat 20, die Liberalen 25 Stadtverordnete.
* Münster, 18. Nsv. Z« der kürzlich hier abgehaltenen Prüfung für Lehramtsbe- werberinnen waren 80 erschiene», 76 kathol. und 4 evangl. Bei dem erste» Termine dieses Jahres fa»den sich ei* 60 katholischen, 3 evangl., bei dem zweiten 30 katholischen, eite einzige evangelischen Bekenntnisse!. Im ganzen waren demnach zu zählen 166 katholische und ganze 8 protestantische Prüflinge. Die Kommisston zählt aber, wa! die wiffenschaftlichen Fächer betrifft, fünf protestantische Mitglieder. Von ihnen kommen zwei vom evangelischen Lehrerinnenseminar zu Burgsteinfurt und eine! vom Seminar zu Herdecke besonders hierher, um ihres Amtes zu walten. Für die 166 Katholikinnen werden 4 katholische Examinatoren als hinreichend angesehen! Das merkwürdigste ist, daß Hr. Bachmann, der junge evangelische ReligionSlehrer de! Panlinurns, die Sprachlehrerinnen auch im Deut- scheu und in der Pädagogik prüfte. An dem genannten Gymnafium findet et für eine Handvoll protestantischer Schüler keine genügende Arbeit. Zeigt fich auch hier wieder die Macht de« protestantische» KonfistoriUmS? Gibt es i» Preußen eine Prüfungskommission, bie unter ähnlichen Verhältnissen so zusammengesetzt wird, wie e! in Münster geschieht? In der Stadt der Studtbegeisterung aber fährt man fort, das Wohlwollen de! Kultusminister! zu preise». Von zuständiger Seite verlautet, daß im nächsten Jahre hier keine Zöglinge au! klösterlichen Institute» zur Prüfung zugelaffen würden. Die Verfügung bei Herrn Stadt werde ihre Wirkung habe», ba von einem Entgegenkommen wegen der praktisch-pädagogischen Vorbildung keine Rede sei. Ander! find die Diakonissen gestellt: sie besitzen in Kaiserswerth ein Lehrerinnen- seminar und eine Seminarvorschule, woran acht Diakonissen thätig sind. (Köln. VolkSztg.)
e Dari», 18 Nov. 1902. Präsident Loubet unterzeichnete das Dekret, durch welche! der Unter» uchnngSrichter LeMercier,der dieUitersuchung n der Humbert-Angelegenh eit führte,seine! Amtes entsetzt wird, sowie das Dekret, durch welches der SouSchef der Sicherheitspolizei i» Paris, Hamard, zum Chef dieser Behörde et» Mannt wird.
e Nov», 19. Nov. 1902. Die Königin ist von einer Tochter entbunden worden. Da« Töchterchen, ei ist das zweite, erhält de« Namen Masalda.
O Deterollnrg, 18. Nov. 1902. Der Zustand des russische» Thronfolgers, des Großfürsten Michael, der lungenleidend ist, hat fich verschlimmert. Der Kranke ist sehr schwach, so. daß die physikalische Behänd» lungsmethode seines amerikanischen Arztes, Dr. Phelan, aufgegeben werde» mußte. Der Großfürst soll von den russischen Aerzte» so gut wie aufgegeben fei«. Rur die Lust der Krim schiebt die Katastrophe hinaus. .
• Kovst«m1tv-pek, 19. Nov. 1902. Sinern auswärtigen Telegramm von den Dardanellen zufolge umzingelten von insgesammt 300 au! dem Dienst entlassenen Soldaten 50 int Namen ihrer Kameraden daS Hau! de! kom- manbirenden Generals und verlangte» ihren sür vier Jahre rückständigen Sold undZurückbeförderung in ihre Heimath. Der Sultan spendkte, um etwaigen Unruhen aus dem Wege zu gehe», 230 000 Franc!.
• Athen, 18. Nov. 1902. Der Matrose Köhler hat ein Geständniß abgelegt, wonach «r den Mord und den Raub auf der „Loreley" begangen habe. Da« Kriegsgericht hat die Angelegen- hett bereit« in seine Hände genommen.
e New 18 Nsv. 1902. Der frühere Staatssekretär von Transvaal, Reitz, veröffent» licht in der ,North America» Review' eine* Artikel, in dem er sagt, bet Friedensvertrag binde da! Gewiffen der Männer nicht, die ch« mit dem Messer an der Kehle, um Frauen u»b Kinder zu retten, unterzeichneten. ES sei selbstverständlich Pflicht seiner Landsleute i» Südafrika, den Gesetzen gehorsam zu sein, aber al! Jurist müsse er sage», daß ein unter Zwang geschloffener Vertrag nicht bindend sei. Ferner führt Reitz auS, bie Engländer hätte» nicht die Treu« ge- halten. Dadurch sei auch die andere Partei ihr«! Wortes entbunden.
© Saigon, 19. No ,. 1902. Nach den letzte» hier eingegangenen Nachrichten befindet fich btt nördliche Theil SiamS im Aufstande gegen die fi-mestsche« Behörden. SS fanden bereit! mehrere Zusammenstöße zwischen de« Regierung!» truppen und Aufständische» statt. Der Anfsta»b ist veranlaßt durch Steuereintreibungen fiamefischer Agenten, welche die Bevölkerung dabei brandschatzten. Viele Einwohner flüchtete« nach dem Gebiete des sranzöfische« LaoS, wo voll» ständische Ruhe herrscht,
usland
aber nimmt er die befreite Prinzessin auf die Arme und trägt fie fort auf fein Schiff, dessen Segel ein günstiger Wind schwellt. Ueber de« Meere« Wellen hinweg geht die rauschende Fahrt — der finstere Thurm, in dem der Lindwurm haust, verschwindet in Nacht und Nebel und leuchtend steig die schöne Welt enpor. — Ist nicht so der Schluß de« Märchen«, Gerda?" •■x»-
Sie erbebte, al« fie Ihren Name» von feinen Lippen vernahm. Leuchtend vor ihre« Augen stand die schimmernde Welt, nach der fich ihr Stolz, ihr Ehrgeiz sehnte», und der neben ihr Stehende erschien ihr al« der wahre Vertreter jener schöne», blinkende« Welt.
„An de» Stufe« de! Königsthrones kniet der Ritter mit der befreite« Prinzessin nieder," fuhr er fort, „und der Herrscher legt segnend bie Hand auf die Häupter der auf immer Vereinte« . . ."
Gewaltsam entriß fie fich dem 8a«« feiner Worte und entzog ihm ihre Hand.
„Ich wußte nicht, daß Sie Dichter find, Herr von Windheim," kam es in leichtem Spott Über ihre Lippen.
„Ich bin e! durch Sie geworden," flüsterte er leidenschaftlich.
Sie athmete hastig auf und wandte fich ab.
„Habe ich Sie verletzt, Gerda . . .?"
„Wollen Sie nicht Ihre« Verwandte» begrüßen?" entgegnete fie.
„ES ist wohl meine Pflicht — begleiten Sie mich?"
„Sie werbe« einen Diener in der Halle finden, der Sie anmelden kann."
„Fräulein Gerda!"
Bittend streckte er ihr die Hand entgegen, zögernd legte fie die ihrige hinein. Ihre Ang« trafen fich; er la! in ihrem Auge, daß fie ih« nicht zürnte.
„Auf Wiedersehen, Herr von Windheim!" sprach fie leise, und er fühlte den warmen Gegen» druck ihrer weißen Hand.
14. Kapitel.
„Thut mir die Liebe, meine Kinder, und haltet Hochzeit, so lange ich noch am Leben bin," sagte der alte Herr von Windheim zu Jobst und Gerda, mit denen er auf der großen Veranda deS Schlöffe? saß. „Lange dürst Ihr dann nicht mehr warten," setzte er mit schmerzlichem Lächeln hinzu. _ u .
„Sie dürfe« fich nicht solch' trüben Gedanken hingeben," entgegnete Gerda in höflichem, aber wenig herzlichem Tone . . . „Ihre Gesundheit befestigt fich von Tag zu Tag mehr ..."
„Meinen Sie, mein Kind? Ach, sehen Sie nur meine Hand! Gleicht fie nicht einer Tobten» hand?"
Er streckte die zitternde, abgemagerte Hand an«, welche in frühere« Tage» so über- müthig da! GlaS zu schwi«ge« verstanden batte.
„Ich bin ein Wrack," fuhr er düster fort, .da! die Welle« deS Todes bald übe» flachem"
„Lieber Papa!" Jobst legte Mlichdte Hand um die Schulter« des Alten, der fich leicht an ihn lehnte.
Gerda erhob fich und trat an die Balustrade der Terrasse. Ihr Gesicht «ahm einen finster«.