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M 266.

Jul'-a, Dienstag, den 18. November 1902.

29. Jahrgang.

Wegen des morgige« Feiertags wird die nächste Nummer unseres Blattes erst am Donnerstag ansgegeben.

Eigenartige Politiker treiben ingewisse« «ationalliberalen Blätter«, die man sonst als führend, Organe ihrer Partei zu betrachten pflegt, ihr Unwesen. Während die nationalliberale ReichStatzssraktion anscheinend bemüht ist. mit den Mehrheitsparteien zu einer Berstäudigung zu gelangen, für welch« auch die Verbündeten Regierungen zu gewinnen wären, nehmen jene Blätter fortgesetzt eine Haltung ein, die nur geeignet ist, eine Verständigung zu erschweren und der Obstruktion Vorschub zu leisten. Wir haben hier besonders die Berliner .National.Zeitung' im Auge und die »Kölnische Zeitung', die beide, obwohl fie sonst und auch in Zoütarifftage« vielfach wett auseinander gehen, doch an Gehässigkeit gegen die MrhrheitSparteie« des Reichstags sich gegen, fettig nichts nachgeben.

Die.National-Zettung' gefällt sich besonders darin, in dem Kampfe um die Ordnung im Reichstage, den die Mehrheit gegen die Ob» struktion der Linken zu führen gezwungen ist, fast durchweg den Letzteren Recht zu geben und die nationalliberale RetchStagsfraktton unaus­gesetzt von einem Zuiammengehe« mit der Mehr­heit abzuschrecken. Die.Germania' führte vor einige« Tage» die ganze Obstruktion wesentlich auf jüdische Einflüsse zurück. Wir möchten ger» anderer Ansicht sein, aber wenn man bedenkt, daß geraoe dasjenige nationalliberale Blatt, welches die meisten jüdischen Beziehungen hat, der Obstruktion unter Führung deS Juden Singer gemeinschaftlich mit den jüdischen Organen der freifinnigen Vereinigung die Stange hält, so hält eS schwer, der Auffassung der.Ger­mania' zu widersprechen.

Auch die »Kölnische Zeitung' sieht eS an. scheinend mit Unbehagen, daß die natioualliberalr ReichStagsfraktion zur Bekämpfung der Ob­struktion «stwirkt. Sie hat den Gedanken aus­gesprochen, daß eS vielleicht noch einmal noth- wendig sein könnte, gegen einereaktionäre" Mehrheit im Interesse von Geisterfreiheit und Kultur-Obstruktion zu treiben, und daß eS fich dann für ein« liberale Partei bitter räche« könnte, daß fie jetzt zu Aenderungen der Geschäfts­ordnung zu dem Zwecke, die Zollobstruktion der Linken zu überwinden, ihre Unterstützung ge- liehen hat. DaS führende Organ der Obstruktion, der.Vorwärts', hat diese AuSlaffung natürlich mit großer Freude verzeichnet.

Inzwischen hat die »Kölnische Zeitung' dem .Vorwärts' ein neues Vergnügen bereitet. Sie hat der Regierung vorgeschlagen, dem Reichstage Diäten zu bewilligen, wogegen an fich gewiß nichts einzuwenden wäre, aber fie hat da- in einer so beleidigenden Weise gethan, daß ihr Vorschlag eher daS Gegentheil zu bewirken geeignet

Strandgut.-

Roman von O. Elster.

18 -------- (Itatknut wertete«.)

Seit einigen Tagen weilte Gerda Brückner auf Schloß Machnow. Der alte Baron hatte sich von dem Schlaganfall so weit wieder erholt, daß er seine Famtl,e nach Machnow begleite» konnte. Man wollte ihn in Berlin zurückhalten, aber «r bestand darauf, hrimzukehre«.Ich will wenig­stens in meinem alten Eulenneste sterben und begraben sein,- lallte er mit schwerer, halbge­lähmter Zunge.Wenn ich hier sterbe, kommt Euch oie Ueberführung meiner Leiche »eit theurer. . .

Du wirst wieder gesund werden," tröstete Jobst. Doch der Baron schüttelte leicht das graue, in den SchmerzenStagen um ein Jahrzehnt gealterte Haupt und flüsterte:Nein, mein Junge, 'S ist aus mit mir. Ich hätte mir gewünscht, eS hätte mich damals gleich vollends niedetgeschmetlert eS wär' ein schöner Tod gewesen aber es hat nicht sollen sein, und ich soll mich »och einige Zftt hirqualk«. Deshalb bringt «ich nur nach Machnow, 'S gckt noch manches zu regeln, ehe ich mein Haupt zur letz­ten Ruhe nieberlegen kann."

Und so brachte «an ihn zurück nach dem Schlöffe seiner Väter, von dem er vor ewigen Wochen so lebensfroh, so hoffnungsvoll, so üoer- müthig in aufschä^neuder Lebenslust ansgrzoge» «ar, als einen schnmchen, kranke», halbgelähmten Greis, der nur den «inen Wunsch noch hegte, in

wäre. Sie meint, die Regierung solle dem Crn- trum zum Lohne für die Aufgabe seiner Zoll- forderunge»den Brocken der Anwesen- heitSgelder vorwerfe«." Tie schreibt:Der Kardinal wird seine Schuldigkeit schon thun, wenn er auf einen Tazelohn vo» 20 Mark ge­stellt wird, laffen wir dem Kardinal dock seine sonderbaren Begriffe von der Würde des Reichs- tagS. Die Interessen, die mtt der Zolltarisvor- läge zusammenhängen, haben ei» so gewaltiger Gewicht, daß man die Bedenken gegen den Kuh­handel mit AnwesenheitSgelder» ruhig zurückstellen ton».*

In blindem Haffe gege« die MehrheitS- Parteien druckt der .Vorwärts' diese Gemeinheit der.Kölnischen Zeitung' mtt Wonne ab. ohne fich durch die Erinnerung beirre» zu laffen, daß die Sozialdemokrat«« doch auch Anwesenheits­gelder verlangen und aus der Parteikaffe, auS den gesammelten Arbeitergrofchen schon jetzt be­ziehen. Darum braucht ihnen freilich auch nicht viel daran zu liegen» wenn der BundeSrath noch immer nicht an die Gewährung von Anwesen- HeitSgelder» Herangehen will. Ja dieser Be­ziehung find fie ja in einer ähnlichen glückliche» Lage wie die von ihnen sonst so heftig befehdeten Hintermänner der »Kölnischen Zeitung', die na> tionalliberale» Jndustriedarone deS Westens. Diesen Herren, die i» der Lage find, 20 Mark für ihr Frühstück auszugeben, kann es ja gleich fein, wen» die Sozialdemokraten durch ihre Ob­struktion zahlreiche weniger mtt Glücksgütern ge­segnete Abgeordnete» deren wir Gott seiDank im Centrum recht viele haben, zwingen, auf ihre eigene» L.osten viele Mo»ate lang in der theuren Hauptstadt deS Reiches auSznharren. Ist eS schon viel verlangt, wenn man diese» Abgeord­neten zumuthrt, sich durch eine böswillige Ob­struktion Zett und Geld stehlen zu laffen, jo muß es doch geradezu al» eine Gemeinheit erbärm­lichster Art bezeichnet werden, wen» die.Kölnische Zeitung' in Protzenmanier vonBrocke» vor­werfen* spricht u»d daS für ihre schwere» Opfer und das Bestreben, auf diese Weise die Beschluß­fähigkeit deS Reichstags zu erhalten, als einen Kuhhandel" bezeichnet.

Die Rationatliberale» haben alle Ur­sache, diesem Treibe» ihrer hervorragendste« Parteiorgane etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. We«n sie fich nicht veranlaßt sehen, die Sehäsfigkeit dieser Blätter von ihren Rock- schößen abzuschütteln, so wird man fortan nicht umhin können, in die Ausricktigkeit ihrer Haltung im Reichstage einige Zweifel zusetzen.

Fast noch mehr Beranlaffung hätte aber die Großindustrie, unzweideutig festzustellen, daß fie mtt einer KarnpfeSweise, wie fie die ihr nahe­stehende .Kölnische Zeitung' beliebt, nichts zu ihn« habe« wolle». Der ga»ze Zolltarif ist vorwiegend auf die Wünsche und Interessen der Großindustrie zugeschnitten, die aber im Reichstage nur über eine kleine Zahl vo» Abgeordnete» unbedingt versügen kann und daher nicht einen einzige» der industriellen Schutzzölle durchsetzen ka«n, wenn die landwirthschaftfreu»dlichen Mehrheitsparteien dagegen find. Durch so qehäsfige Bekämpfung und Verhöhnung dieser MehrheitSparteie», wie fie die .Kölnische Zeitung' treibt, «erde» die

Ruhe sterbe« zu können und beigesetzt zu «erde» in dem alte» Erbbegräb» inmitten des ver­wilderten Parker. Seine Damen begleitete» ihn, nur Jobst blieb noch auf einige Tage in Berlin zurück, um einige geschäftliche Angelegenheiten zu regel».

Mit gereifter neugieriger Spannung betrat Gerda da» alte Schloß. Ihr, die gewohnt war, i» lichten glänzenden Räumen zu weilen, im- ponirte» anfangs die gewaltige» Mauer», die tiefen Fensternischen, die Schießscharte» glichen, die finstere« Korridore mtt de« schwarze« Bilder«, de« verrosteten Waffen und den mannigfache» Jagdtrophäen. Sie bewunderte die große Halle mit dem gewaltigen Kamin, die altertbümlichen, wurmstichigen Möbel, die von de« Motten an- genagten Gobelins, . die riefize» Himme'bttten, die noch an» sem vorige« Jahrhundert sta mmten, und daS alte, schwere Silbergeschirr in den großen Schränken und Truhen

Sie empfand ein Gefühl de» Stolzer, daß fie binnen kurzem als Herrin über das Schloß gebieten sollte, über dem Jahrhunderte hinweg- gezogen und das von dem einst mächtigen, blä­henden kriegertfche« Geschlecht der Windheims erzählte. Aber ihrem scharfe«, phantsfielosr« Auge entgingen auch die Mängel nicht, welche $ dem romantiscken Bilde anhaftetr«. Sie sah die gegenüber der Villa Brückner kärgliche Einrichtung der Wohnzimmer; fir bemerkte die tzttfachheii de» Leben» auf Schloß Machnow, die mit dem alten Neunen und dem verblichene« Glanz nicht übereinstimmte, fie sah den verwilderte« Park mit de» zerbröckelten SteinfiZuren, sie bemerkt« di« schadhaften Dächer ans den WirthschaftS-

Ausstchte» auf ein Zustandekommen des Zoll­tarifs «ach den Wünschen der Industrie gewiß nicht oerbeffert.

Berlin, 17. November 1902.

4- Zu dem Muer Seim Zürich stago-Nräsi- Nent«« waren geladen und erschienen: Vom Centrum die Abgeordneten Graf Hompesch, Freiherr v. Hertling, Dr. Bachem, Gröber und Dr. Schädler; von be* Konservativen Graf Schwerin. Löwitz, v. Normann, Graf Limburg- Sttrum» Gras Stolberg - Wernigerode; von den Nationalliberale» Gras Oriola, Büfing, Bafferman« und Dr. Sattler. Neben dem Reichs­kanzler waren ferner die Minister und Staats­sekretäre Graf Posadowsky, Müller, Freiherr v. Richthofen und v. Thielmann erschienen. Man unterhielt fich über die Zollpolitik, aber zum Ab­schluß der sogen.Verständigung" konnte es bei dieser Gelegenheit natürltch nicht kommen.

h Auorcke soll dem Reichstag verloren gehen. Wer ist Knörcke? Er war Lehrer und da»» Standesbeamter in Berlin, nebenbei sreifinniger Parlamentarier. Sein Auftreten erregte gewöhn­lich Stürme von Heiterkeit, die er aber keines­wegs beabsichtigt hatte. In seinem Wahlkreise Torgau soll er nun abgesägt und durch den Charlottenburger Arzt Dr. Bernstein ersetzt werden. Auch deragrarischer" Neigungen ver­dächtige Abg. Gutsbesitzer Ritter im Wahlkreise Merseburg soll einem waschechten Freihandels- mann, Generalsekretär Fi sch er-Berlin, weichen.

Die aöergkäuvifch« Armeusiommissiou der Stadt Berlin hat gestegt. Bekanntlich hatten die bisherige« 12 Mitglieder dieser Kommission, als ein weiteres Mitglied hinzugewählt werde« mußte, ihr Amt niedergelegt, weil keiner vo« ihnen einer Kommission von 13 Mitglieder» «gehöre» wollte. Die Zahl 18 schien ihnen doch gar zu gefährlich. Geradez» erheiternd wirkt es, daß man in der Hluptstadt der Bildung und Intelligenz diese» abergläubischen Einwand sür berechtigt anerkannt hat. Man hat nun den AuSweg gesunde», daß man noch ein 14. Mit­glied zu dieser Kommffsio» gewählt und damit die stürmische» Wogen der Erregung besänftigt hat.

+ Gegenüßer be« Ar. Karl Arier», welcher den Leutnant a. D. Fritz Bronsart von Schellendorff der Urheberschaft be» ge- »tischtenTuckerbrieses* beschuldigt hatte, erllärt dessen Gattin, daß ihr Mann zu diesem Brief« in keiner Beziehung stehe eine Lerficheruug, die auch von anderer Sette schon bestätigt wurde. Fran v. Bronsart beutet an, daß ihr Mann bloß deswegen den Peters noch nicht verklage» konnte, weil er gegenwärtig tm Inner» Ostafrika« fich befindet.

ft Mit seiner »-weste» Krtes-Affaire ist der .Vorwärts' hereingelegt worden. Der angeb­lich von einem konservative» Reichstags- abgeord»ete» stammende Brief, worin dieser

g-bäuden, fie sah mit dem nüchternen, scharfe» Blick der in der Weltstadt aufgereachsenen Frau be.t langsamen, aber unaufhaltsamen Riebergang deS einst so prächtigen Befitzthums, wen» nicht neue reiche Mittel ausgewandt werde» konnte», um all die Schäden zu beseitige«, welche fich mit den Jahre» fast untilgbar i« den Besitz ein- gefresse» hatte».

Dazu kam die drückende Einsamkeit auf Schloß Machnow. Tage lang sah man nichts als die wogende, wallende See, die auf- und abschwank-nde« Wivfel der Bäume des Parke- und deS Walde»; TaZe lang hörte man nichts al» das Brausen der Brandung, al» das Rausche» deS WrldeS. Herrlich war die Aussicht aus be» Fenster» des Schlosses auf die weithinschäumende See oder nach der anderen Sette hi» auf die Wälder und Wiesen und Felder großartig, überwältigend war der er te Eindruck aber es fehlte das Lebe», es fehlten die Menschen, e» fehlte das geschäftige Treiben der Weltstadt, daS selbst bis zu den Stufen der vornehmen, ruhigen Villa Brückner bratbde und brauste. Es fehlte der Großstadt-Tochter der ewige Wechsel, der Reiz des bunten Lebens, das Gewirr der Straße», daS Hasten und Treibe«, das «ielgeftaltete Schauspiel der Welt die erhabene Einsamkeit der Natur, das tiefe Schweigen ringsum, da« toLtenstille Hans, die endlose Weite b.r wallende« See, die vorübeteilendin Wolke«, daö lautlos in der Ferne oorbeischwebende Schiff, die kreischende« Möoen auf dem Rss da draußen daS Alles lastete mit Cmtnerschwer« auf ihrer Seele, er­drückte fie, beengte sie, machte fie Heroik! und unruhig. Erfreut athmete fie auf, als nach

fich beschwert, nicht zur Jagd kommen zu können, weil er auf Befehl vo« Inden und Judengenoffen als Stimmvieh dienen müsse, stammt auS dem Jahre 1848 und hat de« damaligen Abgeordnete« Otto von Bismarck, de» späteren Reichs­kanzler, zum Verfasser. Der .Vorwärts' thnt nun so, alS habe er dies gewußt und nur einen Witz machen «ollen. Wer'S glaubt!

X Ki« Kesetzerrtwutf üver 6 auf man- Heische Kchi-vsg-richt- befindet fich, wie ein Regiernrigskommifsar am Samstag in der 17. Kommiffion des Reichstags mittheilte, im Sta­dium der Vorbereitung und werde demnächst an den Bundesrath gelangen. Im Reichstag kann der Entwurf natürlich nicht eingebracht werden, solange kein Ende der Zollberathung abznsehe n ist. Di« Ueberwindung der Obstruktion liegt daher auch im Interesse des Kaufmanns­stande«. Di« Kommission, welcher der Antrag Bassermann über denselben Gegenstand vor liegt, vertagt« sich im Hinblick auf jene Erllärung de« Regierungsoertreter« auf unbestimmte Zeit. Der,Tag' weiß zu melde«, daß derGesetzentwurf besondere Kammern bei den Gewerbegerichte« vorsehe. Da der Entwurf fich nach der Erklärung der Regierung erstim Stadium der Vorbereitung" befindet und dem Bundesrath noch nicht vorliegt, so wird man abwarten müssen, welche Gestalt der Entwurf bei seiner Einbringung im Reichs­tage zeige« wird.

ft K-schlag«ah«t wurde die Nr. 268 be« .Vorwärt-' vom 15.November wege«schwerer Beleidigung deSKanonenkönigS" Krupp, be­gangen durch eine« Artikel mit der Ueberschrist Krupp auf Capri". Er wird darin schwere^ nach § 175 deS R.-Ltr.-S. strafbarer Vergehen beschuldigt.

* Diefreisinnige Aereiuignug" ist «ach ihrem wirthschattlichen Ursprung die reinst« Partei be« flüssigen Kapitals, die Brr- treteri« der Bank-, Börsen- unb Großhandels- welt. Die Extreme berühren fich: Diese Mam­monspartei kämpft Schulter an Schulter mit der Sozialdemokratie, wShrenb die Freifinnige Volkspartei unter Richter'S Führung trotz ihrer freihSMerischen Tendenzen fich doch so viel un­befangene« Blick bewahrt, um die allgemeiuen Juteressen Über den geschäftlichen »der partei­politische« EgoiSmuS stellen zu können. Di« Zeitung beS Herrn Richter muß fich zugleich gegen die ebenbürtigen Schimpfereien derftei- finnigen" unb bet sozialdemokratischen Presse vev- theidigen. Bon der Verbohrtheit der freisinnige» Vereinigung gibt auch die von unS schon gekenn­zeichnete Eingabe be« zugehörigen Handel«- vertragsvereinS Zeugniß. die dem Reichs­kanzler in anmaßendem Tone bas Dümmste, waS überhaupt denkbar ist, voMschreiben wagt.

+ Meieremlisemitische ztzSpeleien- im deutschen Reichstage beschwert fich bi« Cohn'sche .Volkszeitung' in Berlin, weil bei bet letzten namentlichen Abstimmung nach btm alte» Modus bei Aufruf deS Abg. Wurm (so,d.) eine Stimme von recht» gerufen habe« soll:Enb« Job, alles Jud!" Wen« eS fich nur bamtt nicht so verhält, wie mtt bem angebliche« Zwischenruf Si«gerleben", be« bet .Vorwärts' bem Abg. o. Maffow in den Mund gelegt hatte, den dies« einiger Zett der Geheimrath Ewald von Wind- Heim zum Besuch erschien.

Gerda stand auf der breiten Terrasse und blickte düsteren AugeS auf die See hinaus, a# drunten in dem kleinen Hafen ein kleines zier­licher Segelboot anlegte. Gerda hatte daS flinke Schiffchen schon längere Zett beobachtet. Leicht wie eine Möoe glttt es übet dir Wellen, seine weißen Segel schimmerten wie srisch gefallener Scknee in der Sonne, und weiß-schäumend kräusel­ten fich die Wellen an bem schwachen Kiel.

Ein romantischer Wunsch stieg in bem Herz« Gerda« auf. Sie träumte ein altes, Halboer« gesseneS Kindermärchen von der emfamen Prin­zessin auf meerumrauschtem Felsenschloß, zu bet ein fremdet schöner Ritter? mann auf dem durch einen Schwan gezogenen Schiffchen kommt, w» fie zu befreien ....

Sie lächelte spöttisch, als fie fich auf diesem Traum ertappt«, der so wenig in die andere Welt und zu ihrer realistischen Anschauung.paßte. Ueberrascht aber schaute fie auf, al« das Segel­boot drunten anlegte, und ein leichter, freudiger Ausruf entschlüpfte ihren Lippen, als fie Ewald von Windheim erkannte, bet rasch und gewandt aus dem Boot sprang unb die schmale Treppe emporeilte, die zu der Schleßlerraffe hinanfflihrte.

Herr Geheimrath, welche llederraschung?!" rief fie dem auf die Terrasse Tretenden entgegen.

Versprach lch Ihnen nicht, Sie auf SchlH Machnow zu besuchen, gnädiges Fräulein?"

Ihr Auge ruhte mtt lächelndem Wohlgefallen auf feinet schlanken, eleganten Gestalt in d«m modernen Reise-Anzug«, in dem er weit frischer «d jünger aus, ah, al« in bem ernste« schwarz« M