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„lüustnrte Sonntags-Zeitung , „Fuldaer ßescbicbtsblättef" und toderK-Nzfe.
JK 263.
Julöa, Freitag, den 14. November 1902,
29. Jahrgang.
[] Der glänzende Sieg der österreichischen Christlich-Sozialen wird von der liberale« Presse meistens mit einer merkwürdigen Kurzsichtigkeit und Beschränktheit gewürdigt. Die Wiener werden zu wahren Idioten gestempelt, die rirsizen Ttimmenzahlen der Christlich »Sozialen auf Betrug zurückgeführt, und was dergleichen lächerliche Aujflüchte mehr find. Da zeigt ein ganz gewiß nicht „klerikaler" Mitarbeiter einer „unparteiischen", aber meist nationalliberale Politik machenden Berliner Zeitung, Oswald von Romstadt, denn noch mehr Einsicht und Einverständuiß. Er schreibt «. a. (im «Tag' Nr. 531): „Dar Crntrum Wiens, in dem die Jntelltgenzwähler überwiegen, entsendet nur christlich soziale Abgeordnete in den Landtag . . . Gegenüber den Siege« in Wien find die Berluste in den übrigen Städten bedeutungslos. Man weiß, daß gerade bei den Wahle» in den Landstädten Einflüsse mitspielen, dir er verhindern, daß die Wahlen zum Ausdruck der Gesinnung der Be- völkerunz werden. Den Christlich»Sozialen ist die absolute Herrschaft im Landtag sicher. Dr. Lueger ist nun wirklich der Herr von Men und Riederösterreich.
Damit ist aber die politische Bedeutung der Wahlen nicht erschöpft. Sie beweisen di« geringe Werbekraft des liberalen Ge- dankens in der Fassung, die ihm die fort« schrtttlichen Parteien geben. Die liberalen Schlagworte verfangen nm noch dort, wo sich, w e in Steiermark, der Liberalismus in das Gewand der Bauernbü«dlerei hüllt. Aber auch die Sozialdemokratie hat neuerdings wieder viel von dem Nimbus der Kraft verloren, mit dem ste sich gern umgibt. Trotz des ungünstigen Ausfalls der letzte» ReichSraths» wählen in Böhmen und Mähren behauptet sie, daß die Mehrheit der Arbeiterschaft in ihrem Lager steht. Dir Wahlen in Wien beweisen, wie sehr die Sozialdemokratie ihre Kräfte überschätzt; denn di« Parteiver» dankt ihre bescheidenen Erfolge nur der Mitarbeit der koalirten Gegner der Christlich-Soziale». (Trotzdemgelang es ihr bekanntlich nicht, das Mandat ihrer Führers Dr. Adler in der Stichwahl zu dr- Haupte«. Red.)
„Der Ausgang der Wahlen i» Niederöster- reich ist aber besonders in ei»er Richtung lehr« reich: Die Parteien, die mit ihrer ReichSfeind- schäft und ReichSverdroffenheit kokettirten, fanden nirgends die erwartete Gegenliebe. Dir Christ. lich-Sozialen haben ihre großen Erfolge nicht zuletzt der Energie zu verdanken, mit der sie sich immer als österreichische Partei bekennen . . ."
Weniger freundlich für die Christlich-Sozialen, aber doch ebenfalls auch ehrlich ist folgendes Urthetl der protestantisch > konservative» .Kreuz. Zeitung' in ihrer Rundschau über die äußere Politik der letzten Woche (Nr. 531): „Der Sieg der Christlich'Tozialen und Antisemiten in den österreichischen Wahle» ist als ein Sieg des KlertkaliSmus über die Alldeutschen
Strandgut.
Roman von O. Elster.
15 -------- (R«<6Hv<t aerbaten.)
„Sie werden überrascht sein. Machnow liegt sehr romantisch, freilich ein wenig einsam. Indessen hat sich eine Stunde von dem Schloß jetzt «in kleiner Badeort aufgrthan, das Fischerdorf Machnow, es soll sehr hübsch dort sein. Vielleicht verlebe ich dort meine Sommerferien; ich bedarf der Erholung — dann würde ich die Ehre habe», Sie wieder zu seh«»."
Der Tanzordner trat heran, um Herrn von Windheim und Serba in ein Karree etnzureihen. Die Musik hab an, und der beginnend« Tanz macht« der Unterhaltung ein Ende.
Mit sinnende« Ang n folgte Jobst v«n seine» Sitz au» de« Tanz. Ihm war der Eindruck nicht entgangen, den die Erscheinung seine» Vetter« auf Gerda gemacht hatte. 6e lächelte trübe vor sich hin und klopfte mit dem Stock leicht an sein steife» Bein, al« wollte er sagen: „Ja, ja, ein Krtzwel, wie Du, hat kein Anrecht «ihr auf da« Glück!"
Seine« Sinnen wurde er plötzlich durch di« Anrede «tue« junge», in ftemdländischer Uniform vor ihm stehende» Offizier« ««triffen: „Habe ich die Ehre, Herrn Jobst von Windhetm zu sprechen?"
„Da» ist mein Name. Mit wem habe ich die Ehre? . .
„Wir habe» ua» nur einmal im Leben gesehen, Herr von Windheim", entgegnete der jange, dunkel, äugige Offizier. „Ich hab« Sie aber sofort wieder erkannt, obgleich zehn Jahr« verflossen find . . .
zu betrachten und war nach de» Fehler», die tm Lauf« des letzten Jahre« vo« Führer» und Ge. solgschast der Alldeutsche« gemacht worden find, vorherzusehen. Es ist ein Triumph für Rom (!), der die in Frankreich erlittene» Niederlagen einigermaßen versbßen wird."
Daß die Nte-erläge der Alldeutsche» „vor. herz »seh en" gewesen wäre, ist jedenfalls nur mit Einschränkung zu verstehen; die Alldeutschen selbst und ihre „freifinnige»" und sozialdemokratische» Helfershelfer haben jedenfalls kerne Niederlage »orauSgrsehe», sondern mit größter Sicherheit auf einen glanzvollen Sieg gerechnet. Gerade darum sind ste jetzt auch völlig „aus dem Häuschen".
Berlin, 13. November 1902.
h Der Avgeordneke Ar. Ach- hk.t 6e» kanntltch dieser Tage infolge eine« schweren Herz» leiden» seine parlamentarische Thätigkeit unterbrechen müssen. Wie wir zu unserem Bedauern erfahren, ist fein Zustand sehr ernst.
+ Schade! Die Nachricht, daß die Sozial, demokraten im Landtage vonSchwarzburg- Rudolstadt die Mehrheit hätten, wird bestril- trn. Nicht 9 von 16. sondern erst 7 Mandate wären im Besitze der Sozialdemokratie; über das 8. enischeide die Stichwahl am letzte» Donners- tag. Jammerschad-I Es wäre doch gar zu schön gewesen, einen sozialdemokratische« Landtags- Präsidenten daS Hoch auf den Fürsten ausbringe« zu köre«. Vorgenacht haben es den Ruvokstädtern ja schon die Leipziger. Im „revolutionären Leipzig" — so neuntes allen Ernstes die Partei- presse — hat Köniz Georg die Einrichtungen der Leipziger O tskra»k«r-kaffr besichtigt ur.b die sozialdemokratischen Mitglieder des 5t si tt- Bor- standeS haben — schaudernd bedo i.t es die Chemnitzer,Bolksstimme' — nicht ehe - in Folge von Ueberrumpelung, sondern nach vorheriger Verabredung mitgemacht und haben Hoch ge» rufe»! Schaudervoll, höchst schaude:ooll!
+ HewerSliche Kwderarveit. Die 19. Kommission des Reichstages nahm am Donnerstag die §§ 14 bis 18 meist - «ach der Vorlage an. Sie lautes j?tzt: § 14. Auf die Beschäftigung eigener Kinder bei öffeitltche» Schaustellungen finden die Bestimmungen des § 6 Anwendung. §15. Die Beschäftigung eigener Kinder im Betriebe von Gast, und Schank- wirthschafte« ist gestattet. Durch Polizeiverord- »unge» der zu« Erlasse solcher berechtigten Be- döcde« kann die Beschäftigung beschränkt werden. Die Beschäftigung von Knabe« unter 12 Jahren und überhaupt von Mädchen bei der Besunung von Gästen ist verböte». § 16. Auf die Beschäftigung beim Austragen vo« Zeitungen, Milch und Bäckereien firde» die Bestimmungen im § 8, § 9 Absatz 3 dann Anwendung, wenn die Kisder für dritte beschäftigt werden. Im Uebrige» ist die Beschäftigung von eigenen Kinder« beim Austragen von Maaren und bei sonstigen
mein N«me ist Bernhard Brückner ... vor zehn Jahren Maschinist auf Seiner Majestät Sch,ff „Lorelei" — jetzt Oberingenieur der Marine Seiner Majestät de» Kaiser» von Jrpan . . ."
Trotz seine« steifen Bsine» sp ang Jobst rasch empor und streckte dem junge« Offizier beide Hände entgegen. „Bernhard Brückner — wahrhaftig! Sie find'«! Wie mich da« freut — wie mich dar freut! Wo ist Ihre Mama, we ist Else?"
„Meine Mutter und Schwester konnten der freundlichen Etnlaoung leider nicht Folge leisten. Ich vermochte e» mir ab.'r nicht zu versagen, Sie zu begrüßen."
„D,s «ar sehr recht von Ihnen," entgegnete Jobst und schüttelte Bernhard freudig erregt die Hände. „Und wie Sie Ihrer Schwester ähnlich sehen! An dieser Sehnlichkeit würde ich Sie er- kannt haben . . . aber nun müssen wir ein Glas Wein zusammen trinken und Sie sollen mir erzählen, w e es Ihnen da d? außen t« der weiten Welt ergangen ist Kommen Sie — reichen Sie mir armen Krüppel den Ar« — so, so — und «un lassen Sie im» zum Büffet gehen."
Vorsichtig und sicher führte Bernhard Brückner Jobst durch die Menge.
Al« der Geheimrath von Windheim Gerda zu ihre« Platz zurücksührte, «ar Jobst «och nicht zurückgekehtt.
Gestatten Sie, gnädigste Koufine, daß ich bi» zur Rückkehr Ihre» Biäutigam« an Ihrer Seite Platz nehme?"
Gerda neigte zustimmend da» Haupt. Er ärgerte sie, daß Jobst so wenig Rücksicht aus fi- nahm. Dann aber warf sie de» Kopf stolz zurück, man sollte ihr den Aerger nicht anmeiken, und in
Botengängen gestattet. Durch Polizeiverord- »ungen der zum Erlasse solcher berechtigten Behörden kann die Beschäftigung beschränkt werden; §17. Als Werkstätten gelten neben de» Werkstätten im Sinne des § 105b Absatz 1 der Gewerbeordnung auch Räume, die zum Schlafe-«, Wohne» oder Kochen dienen, wenn darin gewerbliche Arbeit verrichtet wirr, sowie im Freie» gelegene gewerbliche Arbeitsstelle«. (MU § 17 beginnen die ge mein s amen Bestimmungen) §18. Beträgt der Unterschied zwischen der gesetzlicher! Zeit und der Ortszeit mehr als eine Viertelstunde, so kann die höhere Vrrwalrungs- behörde bezüglich der in diesem Ersetze vorgesehenen Bestimmungen über Anfang und Ende der zulässige« täglichen Arbeitszeit für ihren Bezirk oder einzelne Tdetle desselben Abweichungen von der Vorschrift über die gesetzliche Zeit in Deutschland (Gesetz vom 12. März 1893) zu- laffen. Die Abweichungen dürfen nicht mehr als eine halbe Stu de betrage». Dir gesetzlichen Bestimmungen über die zulässige Dauer der Beschäftigung beiden unberührt.
+ ArieLmsrher. „Einem in diesen Tagen oh« dem Reichstage abgesandten konservativen Brief" entnimmt der .Vorwärts' folgenden „er- schLtteinden Roihschrei":
„Lieber Schatz! Ich kann leider auch heute nickt zur Jagd in Sieben fein, ich muß vielmehr bei dem schönen Weiter al» Stimmvieh dienen auf Befehl dec Juden und Juden- genoffen."
„Der Brief eröffnet un» tiefe Einblicke in da« Seelenleben der Zolljunker", meint der .Vorwärts'. Un» nicht; uns beweist diese Benutzung eines „gefundenen" Pkwatbliefe« nur wieder einmal, daß das sozialdemokratische Haup'organ auf da« Niveau der schmutzigsten Revolverpresse herabgesunken ist. Im Uebrigen ist bas Unrecht, da« den einzelnen Argeordneten bu ch die sozialhemokratische Zeitvergeudung g> i dreht, von dem Briesschreiber zwar kräftig, aber der Sache nach gar nicht so unrichtig gekennzeichnet.
h Aie chct tzättoordeenAgrssommilfion des Reichstags ist am Donnerstag zusammengetreten, um zu prüfe-, ob der Antrag Brömrl, einen Tags zuvor gelten Beschluß bez. der geschäst- lichen Behandlung einer Frage wieder umzustoßen, zulässig war. Irr der Kommission ging die überwiegende Ansicht dahin, daß das Plenum der Kommission gar nicht den Antrag Brömel selbst überwiesen habe. Schließlich wurde folgender Antrag Gröber-Rören (Ctr.) angenommen: Die Geschäftsordnung enthält keine Vorschrift, welche Anträge zulaffen würde, einen nach Maßgabe des § 19 Abs. 2 der Geschäftsordnung gefaßten Beschluß ü;er Trennung oder Verbindung der Berathung innerhalb derselben Diskussion „aufzuhrben." Drsür stimmten Konservative, Crntrum, Nationalliberole und derAntisemit Werner. Berichterstatter tst Adg. Zehnter (Crntrum.)
— Kaxau, 13. Noo. 1902. Wie die ,Münch. Neuest. Nachr.' roch über die gestrige Konferenz der bcy-rtschen Kommission für dos Main « Kanalttirungsprojekt erfahren, r’Htbe das Projekt allgemein gebilligt. Dasselbe zerfällt in ein solches für die Kauali-
lebhaster Weise plauderte ste «it dem Geheimfach, dessen Augr» bewundernd auf ihrem schönen, stolzen Antlitz ruhten.
11. Kapitel.
In einem gemächlich-» Winkel nahmen Jobst und B-rnhard bei einet Flasche Rothwrin Platz. Die Musik de« Ballsaale« und da« lebhafte Ge- fvräch »er Menge klang nur gedämpft zu ihnen und Röste ihr Plaudern nicht.
„Erzählen Sie, lebet Kamerad, denn so darf ich Sie doch fitzt nennen, von Ihrem Leben in den sonnigen Wtttcn der Ferne", sagte Jobst, mit Bernhard anstoßend. „Man könnte Sie wahr- haftig um Jzr Dssein beneiden. Wr« sehen Sie mcht Alle« — welche bunte, reiche W:lt lernen Sie kennen."
„Ja, Sie haben recht, es ist eine bunte, reiche Welt, in der ich lebe. Aber glauben Sie mir, mein bester Herr von Windbeim, da« Glück wohnt doch in irgend einem stillen Winkel der Heimrth. Wie »ft schle cht sich die Sehnsucht nach der Hetmath in» Herz, wenn ich in den Palmwäldern Japans weile, oder am Bord eine« Kriegsschiffe» mich da« blaue Meer umwogt. Deshalb begrüß!« ich auch den Auftrag de« Marineminister« mit Freuden, nach Deutschland und England zu reisen, die Schiffswerft« in diesen Ländern genau kennen zu lernen, »m in Jepan selbst eine Schiff«bau«erkstait großen Stils etnznrichte». Sechs Monate dauert mein Urlaub — die Hiu- unb Herreise natürlich abgerechnet. Aber fast möchte ick von hier der japanischen Regierung «ei« Abschiedsgesuch einreichen, wenn mich nicht noch ein mehrjähriger Kontrakt bände."
—Mi———a—MB-' sicur-g dec Strecke zwischen Hauau und Aschaffenburg und in ein anderes für die Umschlaganlagen bei A!chcff:nburg. Ersteres umfaßt vier Staustufe« und soll, ebenso wie die beiden Staustufen zwischen Offenbach und Hanau, tw gleichen Dimensionen ausgeführt werde«, wie die bestehende Kaealistrung unterhalb Offenbachs, sodaß die großen Rheikschiffe ungehindert bis Aschaffenburg verkehren könne«. Die Kanalistrung der Strecke zwischen Hanau und Aschaffenburg erfordert auf einer Flußstrecke von etwa 50 Kilometern einen Kostenaufwand von rund 9V, Millionen. Das unbearbeitete Projekt für die Umschlag« , anlagen bei Aschaffenburg erzielte gegenüber dem ursprünglichen Projekt eine nicht unwesentliche Kost?ner,parniß, und zwar eine solche von 12 statt 16 Millionen im Voranschlag. Gin großer Thkil dieser Anlagen ist ausschließlich für den Umschlag von Kohle» für den Staatsbahnbetrieb bestimmt, deren Gesammtmenge nach der Vollendung des Werkes auf 800,000 Tonnen vor« gksshen ist. Das Projekt entspricht durchweg de» veueAen technischen Errungenschaften.
Ans de« Reichstage.
-gp 215. Ivitzmlg oam 18. November 1902, 12 Uhr.
Auf der Tagesordnung steht der Antrag Aich- dichter und Ben. auf Abänderung der Bestimmungen der Geschäftsordnung über di« namentlichen Abstimmungen. ES stad hierzu 19 sozialdemokratische AbänderungSanträge etngegangen.
Abg. Spatz» (Teatrum) begründet den Antrag damit, daß die namentlichen Abstimmungen sich in der letzten Zeit so sehr häuften. Es handle sich hier um keine Frage des materiellen Rechtes für die einzelnen Abgeordneten, sondern nur um eine Zweckmäßigkeit»« frage. Redner weist darauf hin, wie viele namentliche Abstimmungen in der Zeit seit Beginn der 2. Berathung des Zolltarifs stattgefunden, und wie viel Zeit da» gekostet habe. Die Zolltarif-Bor läge fei so wichtig, daß es Pflicht deS Hause» sei. Alle» zu lhun, um die Durch, berathung zu beschleunigen. Wie große, wichtig» Interessen hängen davon ab! Schon auf die bloße MSg« ltchkeit hin, die Vorlage zu Stande zu bringen, müsse man di« Abstimmungen gütlich verkürzen. (Widerspruch links.) Ja, Ste wollen freilich die Vorlage nicht zu Stande kommen lassen aus wahltakttschen Rücksichten. (Lebhafte Unruhe links, Beifall recht» und in der Mitte.) Aus die Details deS Antrages eingehend, bemerkt Redner, er senke sich die Sache so, daß der Präsident den Abgeordneten gefärbte Zcttel zur Verfügung stelle. Davon, daß Jemand für Andere Zettel abgtben könne, wie das nach der ,Voff. Ztg.' in Frankreich geschehe, könne natürlich bei un» keine Rede sein. Die Gefahr einer Fälschung sei bei un» ausgeschlossen, denn die Schriftführer sollten ja den Zettel entgegen nehme» und darauf achten, daß Jeder nur einen abaibt. Er nehme übrigen» an, daß wir überhaupt mit der Zeit von den vielen namentlichen Ab- stimmungen abkomme« würden. Jetzt seien es nur die erregten Zeiten, derenthalben so viele solcher Abstimmungen verlangt würden. Richtig sei ja, daß die Abstimmung der einzelnen Abgcordneten bei dem neue» Modus nicht sofort bekannt werde. Aber dieses sofortige Bekanntgebrn der Namen habe doch nicht nur Vorzüge, sondern auch seine Schattenseiten. Insofern nämlich, wenn über die Abstimmung des Einzelnen ein Jrrlhum entsteht und sein Name dann, ehe eine Berichtigung erfolge, durch die Blätter gehe. Wenn wir zu einem beschleunigten Abschluß des Zolltarifs kommen, so find wir überzeugt, daß wir damit dem ganzen Volke einen Dienst erweisen. (Beifall recht» und in der Mitt«)
Abg Kinger zur G-schäftsordnung, stellt den Antrag auf Uebetgang zur TageSordnuuz über den Antrag Bichbichler und begründet die» in längerer Rede, worin er die oft gehörte» Anwürfe gegen die Mehrheit
„So gefällt e« Ihnen nicht in Japm?"
„Ich h?be dort oisl Schönes gesehen und manches Gute genossen. Man Hai mich mit Ehren überhäuft, aus dem einfache» Marine'Maschinisten ist ein hoher Ingenieur - Ofsiz'er aeworden, mein« Brust schmückt der japanische Chryfante« mum Orden, ich bin dir rechte Hand des Marine- Ministers — aber die Sehnsucht nach der Hlimath wird durch alle die Ehre« und Auszeichnungen nicht gestillt, und wenn ich die schwarz-wriß-rothe Flagge über einem deutschen Kriegsschiffe flattern sehe, io bedauere ich doch stets, nicht im deutsche« Dienste geb! teben zu fein. Stoßen wir an, Herr vo« Windheim: Deutschland soll leben!"
„Deutschland soll leben!"
Die Gläser klangen zusammen und wurden auf einen Zig gelrert.
„Die Freude Ihrer Mama und Ihrer Schwester war natürlich groß, als «re heimkehrten," sagte Jobst nach einer Weile nachdenklichen Schweigens.
„Gewiß — sie meiste vor Freude. Besonders Else konnte sich gar nicht beruhigen. Mit de« Mädchen ist eine auffallende Veränderung vorgegangen in den zwei Jahren, seit ich es nicht gesehen habe. . . ."
„Else ist ein schönes, stattliches Mädchen ge- worden."
„Das ist sie — doch nicht diese Veränderung meinte ich. Ihr früheres fröhliches Wesen hat sie verlasse«, seit ..."
Er schwieg und blickte sinnend «ei sich nieder.
„Fahren Sie nur fort," sprach Jobst lächelnd. „Ich weiß von der Verlobung Eise'S mit dem Rittmeister Sokoti."