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Jul'öcr, Donnerstag, den 13. November 1902.
29. Jahrgang
± Aus Fulda's Vergangenheit.
Ein Sohn de- Dombaumeisteis Dienzenhofer.
In der vorigen Woche waren zweihundert Jahre vergangen, seitdem der Träger eines kunsthistorisch berühmte« Namens in unftrer Stadt das Licht der W-lt erblickte. Am 5. Nos. des Jahres 1702 nämlich wurde dem oom Fürstabt Adalbert von Schleifras nach Fulda als StiftLbaumeister berufenen JohanKes Dienzenhofsr jein zwZter Ssha grboreu, der in der Taufe die Namen Justus Heinrich erhielt. JustuS Heinrich Dienzenhofsr wurde Architekt wie seise Borfahrsn es gewesen. Nur weiß die Kunstgeschichte vor», ihm nicht zu rühmen, daß er den künstlertschm Glanz, der damals die in Franken und Böhme« schasfesde Baumeisterfamilie DteuMhofer umsrb, noch erhöht habe; im Segrnlhril, es wird mit Ge« rinzschätzMg o'e?zeichnet, daß er, der lrtzte die Baukunst ausübende Eproffe der ftäukischen Linie Dirnzenhofer in küchlertschem Kö^.e« nicht entfrrrt an ftiseti genialen Vater, den Schöpfer unseres Domes, herameichte. Trotzdem hat es Jastus Heinrich Dienzenhofer wrnisstens in der äußeren LebenSsteLung so weit gebracht wie sem Vater und sein gleichfalls berühmter Oheim Johann Leonhard Dirnzenhofer. Nach, dem Johannes Dienzenhofer, der bekanntlich noch vor der Vollendung unseres DomeS in seine Heimalh, die alte Bischofsstadt Bamberg, zu ückgekehrt, am 20. Juli 1726 verschiede» mar, folgte tbm sei« Sohn JustdS Heinrich in Amt und Würde» nach. Gewiß war eS der kunstbewährte Familienname, der den Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn bestimmte, den erst VierundzWa^zißjährigen cm 24. Roo. 1726 zum fürstlich Bamberzischu, Hofdaumeister zu ernennen. JustuS H-inrtch DiWzentzofrr vermählte sich mit Anna Katharina Burger, «nd aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor. Auch wurde er gleich seinen Vorfahren am 30. Sept. 1736 in be« Stadtrath von Bamberg erwählt, doch starb et schon im Alter von 42 Jahren am 14. Dezember 1744.
Bon de» Werken, die er geschaffen, zählt btt Kuüflschrtftsteller Wkizmann, dem wir auch die hier mitgrtheiltrn Date» entnehmen, folgende auf: Dar Seehöser Wachthaus, das Zmghaus an der Hallstadter Straße, das Schloß zu VilSeck und die Gewächshäuser in Pommers« felden. Doch sollen diese Bauten ganz unbe« deutend sein.
Wenngleich nun dieser letzte Vertreter der Architektevfamilie Die^zeZhofrr in der Kunst« gefch.chte als ziemlich belanglos gelten mag, so ist er doch für die Fuldaer Lokalgrschichte tnso« fern von Jnterrffe, als er der Sohn jrt.es kunstgewaltigen MarneS ist, dessen Genie wir unsere stolze Domkirche verdanken. Johannes Dienzenhofsr ist ja in de« letzten Jahrzeh-tten mehr und mehr gewürdigt worden. Besonder- ober wird sein Fuldaer Domdau al- eine hoch- bedmtende, künstlerische Thal gepriesen, wie dies in de« neuesten Publtkationen über ihn: Br. Hugo Schmerber, „Beiträge zur Geschichte Dirnzr«. Hofer" (Prag 1900) und Otto Albert Wetz« mann, „Eme Bamberger Baumeisterfamitte um die Wende des 17. Jahrhundert»" (Straßburg 1902) entschieden da g-than ist. Freiltch ist es nur ei» kleiner Tyeil des gebildeten PrblikumS, das von dirfr« Forschungen und Studien zur deutschen Kunstgeschichte Kennt«iß gewinnt. Um aber auch im Grkähmtß u«b Munde des Volkes den Namen unseres Dombaumeist'rr lebiabiß zu erhalten, dü ste wohl kein Mittel sich bisset et weise», al« bet Namengebung einer neuen Straße — (die ja brt der stetig zunehmenden Erweiterung unserer Stadt nicht selten in Frage tritt) — einmal Dterzen- hofer die Pathrnschaft zuzuweise«. Dasselbe wä;e auch für Andrea» Herrlein zu wü-schen; zu Fulda'» Ehre, damit auch den nach M-rkwürdtgkette» auSspähenden Fremde» gleich in Erinnerung gebracht würde, daß hier Künstler von mehr all lokaler Bedeutung gelebt und gewirkt haben.
Fragen wir tut«, in welchem Hause JafluS Heinrich Dienzenhoser zur Welt kam, so könnte mit gutem Grunde das gegenwärtig im Umbau befindliche Haus „Zum goldenen Ring" all sei« Geburtshaus angenommen werde«. Denn gleich »ach bet Ankunft MsercS DsmbaumeisterS im Jahre 1700, war der Stadt daSHartung'sche Haus (goldene Ring) zu seiner Wohnung wie auch zugleich zu einer „MäzdtleinS-Schuel" vom Fürstabt Adalbert vo« Schleifras verehrt ward rn. (Dr. Georg Flügel, „das niedere Schulwesen und die Lehrerbildung im vormalige« Höchst ifte
Falda"). Spa er erbaute sich bekanntlich Dienzen- hvftr von de» vom Domdau übrig gebliebenen Stetten selbst kin statilicheS Hau» t* der Ritter- gaffe, dar aber «ach dem im B fitz oet jetzigen Eigekthümerin befindliche« L-He»»brief ihm und seiner Exfrau Anna Maria Eieonora erst em 3. Ap.il 1707 vom Fürstabt geschenkt winde. Nun findet sich aber dir Geburt und Taufe deS kleines JustuS Heinrich in der Dompfarrei verzeichnet, was doch im Widerspruch mit dem Hause „Zum goldene« Rmg" zu stehen scheint. Auf oie Geschichte dieses Hauses zurückzukommen, behalten wir uns für den nächste» Artikel vor
Jnvalrditäts- und Atters-Versicherung der Mstänoigen Handwerker.
Auf dem letzten Handwerks« un» Gewerbekammertage zu Leipzig stand em Antrag zur Be« rathung, der dir Lmfüyrungeuer obligatorischen Alters« und JnvaliditätS-Ver« ficherung für fämmiliche selbständige Handwerker durch Reichsgesetz befürwortet. Der Lulragsteller führte aus, baß von l1/* Mill, felöstänbiger Handwerker kaum 5 Ptvzent ein jährliches Einkommen von 4000 Mark haben. DaS Einkommen der Handwerker betrage im Durchschnitt 2000 Mark. Einen Nottzgrvsche« zutückzulegen, um ein sorgenlose» Alter zu haben, sei der Mehrzahl der Handwerker nicht möglich. Die Hanswerkskammer zu Breslau, von der der Antrag auSgegange» war, wurde daher mit de« nöchtgen Vorarbeiten und der Aufstellung der Leitsätze derraut.
Daß in der That auch die selbständigen H rnd- werker in ihrer großen Mehrzahl für Invalidität oder Alter einer Versicherung bedürfe», wird ziemlich allgemein anerkannt. Diesem Bebürsniß hat das ReichlinoalidenoerficherungSgesetz in der Form der freiwilligen Versicherung Rech- nung zu tragen gesucht. Wer nach dem 1. Jan. 1891 noch unselbstänoig und darum oerficherungs- pfllchtig »ar, kann auch, nachdem er selostäavlg geworden, dir Versicherung fortsetzen. Jever andere Handwerker kann freiwillig tu die Verstche« rung eintreten, wenn er dar 40. Lebensjahr noch nicht vollendet, einen Jahtesverdienst von mehr als 2000, aber nicht Über 3000 Mk. hat und n.cht regelmäßig mehr al» zwei oerstcherung»- pfl.chtige L^hnarbe ter beschäftigt.
Da aber die Ausnutzung dieser Versicherung»« Möglichkeit durch Sie Hanvweiker noch v el zu wünschen übrig läßt, foroett em Tyrtl der Handwerker oieAurdehnungoeS Versicherung», zwange» auf alle sslbstäsoige« Handwerker. Asoern ist die rrtchegesetzlche Rente za niedrig und ste foroetn daher eine besondere Handwerke roersicherung, womöglich unter Beihilfe de» Reiche» oder der Emzeistaaleu.
Einen weitere« sehr bemerkenSwetthen Vorschlag vrcöffentlicht nun vor kurzem Landeroer« stcherunzSraly Jllmg (Lübeck) in der .Skalen Bikunntlich garen zahlreiche ju»«ere Handwerker einmal der Rrichrmsattdenvristche rung unterstanden uns in der Regel auch vere td Anwartschafr auf Re.cherenje erlangt. Sr ist darum unwitth,qaftltch, nach dem Ginirut i« die Selbständigkeit fich entweder überhaupt nicht weiter zu oerstcher« uns dadurch den Anspruch auf ReichSrente verloren gehen zu Uff en, oder in eine neue selbständige Haudwerkeroerstchrtung einzultete» uu» dadurch den bereu» erworbenen Renteuanipruch ebenfalls ausjugebev. Wenn die Handwerker auf dem Gothaer JnnungStage (1901) •en Wunsch äußerten, daß Sie Rttchdregirrung auf die Erstattung bet Hälfte der entrichteten Beträge an die selbständig gewordenen @t|tUen elngehe« möge, so liegt da» auch nicht im In- teuffe de» Handwerkers, da er hierdurch sür eine einmalige Summe von im besten Faue 80 bis 100 Mk. »ie Anwartjchast »auf eine Invaliden» teure von jährlich 130 bis 180 Ml., ote er fich schon durch eine oerhältnißmäßig geringe lausende Jahresabgabe dauernd erhalten und zugleich erhöhen tonn, preisgidi. Die Retchsrente allein bleiet freilich für die Handwerker im Falle der Erwerbsunfähigkeit oder des AtterS noch keine genügende Hilfe. Der genannte Vorschlag beruht nun aus folgenden beiden Gruadgedanken: 1. 6» muß die bereits bestehende An« wartschast auf Rente aufrecht erhalten werden; 2. Es ist eine Hund iverker-Jn- nung »«Pens io nrkass e auf möglichst breiter Grundlage an ote Relchs»ersiqe- rung al» Zuschußkaffe anznglieoern.
Aus die Einzelheiten diese» gewiß sehr erör» Lern»werth«n und de« HanSwerkerlreisen zur Be uchtang und Becathung wohl zu empfrhlenoen Bo schlag«» einzugehrn, wttr^e h.rr zu weil sUhren. «4 sei nur noch Oimedt, oaß jui solche JunuM
Sie mMtärische Nesetzmig von Südaftika.
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Nachdem englischerseits die bilden Buren« Republiken dem britlsch«sü asrtkanische» Koioniol reich einorrleibt worden find, ist nun such di> Stärke der militärilchen Garnison endgiltig be stimmt worden. I« Garze» ist biefelbe auf eine Friedensstärke von 70000Mann sest.es-tzt worden. Düs ist weniger al» man Anfangs beabstchtigt hatte, cb?r andererseits mehr, al» Kttchenet nach seiner Rückkehr vorschlug. Zu den BtsätzungS- trvpp n gehören auch solche «ährend des Kriege» entstandene koloniale Bataillone, die man al» Garnisont-uppen bestehen li-ß. Man nimmt a«, daß. mit der Zeit diese Roionialen de« Haupt Prozentsatz der südaftlkak ischen Friedensarmee auSmachen werden. Die berittene Truppe wird nut ein Viertel der ganzen Friedenttruppe a«S- machen, und an Artillerie wird die Armee schwächer sein al» ein englische» Armeekorps. M-rn scheint anzunehme«, daß die nur kleine und schwache Kap-Artillerie dirsen Ausfall an Artillerie genügend decken werde. Die Vertheilung auf die verschiedenen Kolonien wird fich folgendermaßen gestalten:
Kavall.
«rlill.
Ber Jnfant.
Jaiant
Transvaal
3560
750
' 4500
27000
Oiaeg flußkolonie
lOuO
450
1500
8000
Raptolonte
1000
4'0
8? 00
12000
Naial
1000
4.0
1500
60L0
Nach ZeitungSmittheiluNge« haben übrizens die Bataillone i« Südafrika nach EntUffung b!t Relervtsten bei W ilern nickt ihre volle Stä-k und werden diese auch mit den au» England herauSge sandle« V rstälkungen kaum erreichen.
Unsere beistrhende Karte gibt dem Leser einen Uederbllck über die S äike der Trupverbesetzun^ nach den einzelnen Truppe, gattu«^ n durch besondere Singnatute (»ergl. oie Z ichenerklä u»p unten recht» in der Karte) unter scheiden. Am stärksten ist verhältnißmäßta Natal und die TranSvaalkolonte bedacht, worin man wohl einen btfonbetex Wunsch der britische« Regierung zu e blicke« hat.
Unser Kartenbild läßt durch die schwierige Umrechnung des britiichen Kolonialb-sitzeS in Südafrika die Geschlossenheit und Etasachheit desselben deutlich hervortreten.
Mitglieder, auf w lche die Bor mes tzurg d-r betest» erwo bi«eu R^t,navwar schail, ickt zutr ff^ besondere Uebet#an sbestimmm ge-j getroffen a>nt- be« müßte».
Ueraiscbtes
* Die Hundertjährigen in Preußen. Nach de» Ergebnissen ßei Bottezawung vom 1. D?zember 1900 gab es rm preußische-, Staate nur 35 P-nonen tm Alter von über 100 Iihren: in Ostpreußen 2 weibliche, in Westpreußen 1 män iliche und 10 weibliche, in Brandenburg 2 weibliche, n> Posen 2 mä-nl'che und 8 weibliche, in Schlesien 1 männliche und 3 weibliche, in Schleswig-Holstein 1 männliche und 1 weibl-che, in Hannover 2 wetbltche und in Rheinland 2 weibliche. I' den vorstehenden Zahlen tritt die größere Langlebigkeit der wecklichen Personen klar zu Tage Gruppirt man die Angehörigen dieser höchsten Altersstufe werter nach Alter und Familienstand, so ergibt sich, daß v. n den Männern 1 Junggeselle, 1 Ehemann und 3 Witwer waren, von den Frauen 1 unve. heirathet Gebliebene und 29 Witwen. D m Religionsbek-n-stinfse nach waren von den 35 Ueberhunderijährigen 23 Katholiken, die, mit Ansnahme emer im Rqeinlande lebenden Witwe, alle in Westpreußen, Posen -und Schlesien ihren Wohnsitz hatten; weitere 10 waren Evangelische, davon ß in Brandenburg, Schleswig- Holstein und Hannover und 4 in Ostpreußen und Posen, und 2 waren Juden und lebten in Westpreußen und im Rheinlande. Demenisprechend war als Muttersprache bei 21 Personen polnisch, bei 13 deutsch und und bei einer Person masurisch angegeben
* Ein Wiedersehen. Eister Tourist (in einen Abgrund gestürzt, zu einem anderen der bereits unten liegt): „Ach, ich meine wir sollten uns kennen?" — Zweiter Tourist: „Jawohl — ich habe bereits im Vorjahre in „Geierschlucht" die Ehre gehabt!"
1 Erkundigung. Lieschen (zum erstenmal die Abbildung eine» Husarenleutnants erblickend): Mama, gibt's denn dergleichen wirklich leb-ndig?"
* Zechers Heimkehr. A: „Wenn ich jetzt nach Hause komme, hat meine Frau nichts Eillgeres zu thun, als mir die Stiefel aus^uziehen!" — B: „Das ist noch gar nichts, ich wette, mir fliegt schon der Stiefelknecht entgegen!"
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