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• Gewerblicher Kinderschutz — ein alter Thema, das doch ewig neu bleibt! Obwohl nun seit Jahrzehnten in den Volks- Vertretungen und in der Presse unendlich reicher Stoff zusammengetragen worden ist. um danach die ungemein hohe Wichtigkeit des Schutzes gegen die gewerbliche Ausbeutung schulpflichtiger Kinder zu beurthrilex und erkennen zu können, fehlt es immer noch in erstaunlich hohem Grabe an dieser nöthigen Eekenniniß. Der liebe Schlendrian in der Hauptsache, aber leider auch ausgesprochen böser Wille thun daS Ihrige, um stets von neuem die dringende, die geradezu schreiende Notdwendigkeit einer allgemeinen reichsgesttziichen Regelung des gewerblichen Kinderschutze« vor der Orffentlichkeit darzuthnn. Denn wenn zum Beispiel die Handels- und Grwerbekammer für Mittelftanken in Nürnberg nach laugen AuSein- andersetzurge« ausdrückliche Bejchlüfft saßt gegen die Hauptbestimmungen des vorliegenden Gesttz- entwurfes, so kann das unmöglich auf einem Mangel an Kenntniß der einschlägigen Verhält- niffe beruhen, muß vielmehr in ausgesprochener und unmittelbarer Abneigung gegen die solh- wendige Reform seinen Grurd haben. Diese Beschlüsse find von der genannten Körperschaft erst vor wenige« Wochen gesoßt worden, nachdem also die erste Lesung des Sesetzrntwurses im Reichstage stattgefusde« hatte; und gerade die Herren in der Handelskammer von Miltelfranken mit seiner um Nürnberg herum und anderwärts so hoch entw'ckelten Industrie wiffen auf jeden Fall ohne eine einzige Ausnahme ganz genau, daß die herrschende Kinderausbeutung theilweise geradezu zum Himmel schreit. Aber wann fand man jemals bet dem fortgeschrittene« Liberalismus unserer Tage Verstänbniß sür solche Dinge? Niemals! Dieser Liberalismus ist darum in Wahrheit so rückschrittlich geworden, wie keine einzige andere Partei bei uns in Deutschland.
Aber auch manche Kenner der Berhältniffe, auf die es hier m diesem Falle ankommt, wiffen «och nicht vollkommen Bescheid über den ungeheuer« Umfang der Ausnützung der Kinderarbeit, wie fie in manchen Gegenden getrieben wird. So find namentlich gewiss« Zahlen noch nicht allgemein bekannt, die Aufschluß geben über die Ausnützung der gewerblichen Kinderarbeit im Königreiche Sachsen. D«e Handelskammer in Plauen hat eine Umfrage bei Fabrikanten vorgenommen, und diese Umfrage hat, wie schon in der .Fuldaer Zeitung' mitgetheilt wurde, geradezu ungeheuerliche Ziffern ergeben.
Neuerdings st> d aus parlamentarischen Kreisen selbst Stimmen laut geworden, die empfahlen, diesen Gesetzentwurf über den gewerblichen Kinder- fchutz von der Tagesordnung dieses ganzen Reichstages abzusetzen, und leider ist festzustellen, daß di« Sitzungen der Kommisfion, die fich in Vor« berathung damit zu beschäftigen hat, im Allgemeine« nicht gut besucht find. Das eine ist ebenso
zu bedauern wie das andere. Gerade die Arbeit dieser Kommisfion hat eine so hohe soziale Bedeutung, daß recht dringend ein besserer und regelmäßiger Besuch derselben gewünscht «erden muß; auf keinen Fall darf das Gesetz von der Bildfläche während dieser Tagung des Reichstages verschwenden. Ei» solches ArmuthSzeugnrß darf die Ver tretung des deutschen Volkes fich nicht ausstellen, daß fie eine so hochbedeutende Sache unter den Tisch fallen läßt, nachdem Jahr um Jahr der Bundesrath aus demselben Parlamente heraus aufgefordert worden ist, einen Gesetzentwurf dieser Art vorzulegen. Es ist wohl auch zu hoffen, daß die Befürworter deS Schlendrians nicht Die Meinung einer Mehrheit im Reichstage vertreten, saß vielmehr wirklich die Kommisfion dem Gesetzentwürfe eine Form geben werde, die alsdann nach kurzer zweiter und dritter Berathung Billigung im Plenum deS Reichstages ohne vieles neue
Redenhalten firdet.
Eine sehr wichtige, aber noch strittige Frage ist: Wer soll »ach der Einführung des Tchutz- gesetzes die Kontrolle über die rechte Befolgung desselben ausüben? GrafPosadowsky meinte ________ ______ g
bei der ersten Lesung: die Lehrer; im Allge-1 triebe ovn Werkstätten, in denen die Beschäftigung meine» scheint die Lehrerschaft zur Uebrrsahme nach § 12 verboten ist, im Hrndel-gewerb« dieser neren Aufgabe geneigt zu se n. Diese Ueder- unj> V-rkehrSgewerben, wenn fie unter 10 nähme würde wohl auch als die beste 8öfa»g Jahre alt find, überhaupt nicht, eigene Kinder dieser Frage zu begrüßen sein. Nur fragt es fich i gh er 10 Jahre aber nicht in der Zeit zwischen dann immer noch, in welcher Weise diese Aas. I g Uhr Abenvs uav 8 Uhr Morgens beschäftigt gäbe von den Lehrer» zu lösen sein würde, da- ro8I$)tn. Nach einem Arurag Trimborn (Ctr.) mit tue Kontrolle dann auch wirksam fich gestal- wu,be noch hinzugefügt, daß di* Beschäftigung erst !;« könnte. Darüber find noch recht genaueAuS- eine Stunde nach beendetem Nachmittagsunterricht einandersetzanze« nothweadig, und zwar ix der beginnen darf, und daß um Mittag den Kindern Kommission, damit nachher im Plenum des Reichs- | e,ne wenigstens zweistündige Pause zu gewähren tages nicht noch ausführliche Berathunge» «öthiz । tst. Sonntag« dürfen auch eigene Kinder in Werk- werde». I statten oder im Handelsgewerbe nicht beschäftigt
werden. Die weiteren Sätze der § 13, die den
„Mit Vergnügen, mein junger Freund . . . habe einen furchtbaren Durst " I
Der Geheime Regterungsrath im Landwirth- schaftlichen Ministerium, Freiherr Ewald von Windheim, mochte einige vierzig Jahre zähle«. Er hatte eine vorzügliche Karner« gemacht und hoffte noch höher emporzuste'gm; in den parlamentarischen Kreisen bezeichnete man ihn al« den Nachfolger de« Herrn Minister«. M t einem eleganten Aeußeren verband er «in vornehme« Wesen und gediegene Kenntniffe, welche er jroer- zeit in da« richtige Licht zu stellen bestrebt war.
Mit vornehmem Lächeln schnitt er an der Seite de« lebhaft plaudernden Kommerzienrath« durch den Festsaal. Aber sein Auge schweifte überall umher, und seinem aufmerksame» Blick entging kein Vorgang, keine Persönlichkeit von irgend welcher Wichtigkeit.
Frau von Wtndheim, eine mittelgroße, hager« Gestalt, deren verkümmertem G ficht man die fortwährende Sorge ansah, die Ehr« ihres alten Namen« wenigsten« äußerlich aufrecht zu erhalt««, saß neben der tm Glanze der Perlen und Brillanten strahlenden Kommerzienräthin. Ihre Töchter, Agathe und Erna, tanzten mit zwei jungen Gardeoffizieren. Hervorragende Schönheiten waren die beiden Fränlestt von Wwdhrim durchaus nicht. Auch in ihre» Toilette» »ermochten fie nicht mit den Töchter» der reichen Kanfirute und Fadri- kanten zu wetteifern. Die ältere Schwester Agathe mochte bereits die dreißig überschritten hoben, und wenn fie auch die schlanke, vornehme Gestalt d«S Wdldhrtm'schen Geschlechtes geerbt hatte, so war doch die Dorge und manche Enttäuschung an ihrem an fich nicht unschönen Gesicht nicht
mehr Peters' VerurtHeilung anfGrund eines ganz anderen BeweiSmaterials erfolgte. So ist eS in der That; daran wird Herr Peters nicht rütteln können.
n Mit Worarveiteu znr Reform des Strafrechte» wirk» nach einer Mittheilung des Professors Bi'ckmeyrr in München eine Komis- fion befaßt sein, die in den nächste» Wochen im Rrtchkjustizamt zusammentrrten wird.
ft Ai« Astrstinue« Werei«. Wie die „D Tagrszrg.' mirtheilt, btt wir die Verantwortung dafür überlassen müssen, ist auf ein« Anregung der Prinzessin Karl zu Gale-Horstmar, gebotene Prinzessin Hohenlohe- Schillingssürst, unter Zu- st mmung von 71 Fürstinnen (zwei Königinnen, 35 Fürstinnen aus regierenden und 34 auS vormals reichsunmittelbaren Häuser») ein Verein deutscher Fürstinnen zur Hebung der Sittlichkeit gegründet worden.
Buudesrath ermächtigen, unter gesessen Voraussetzungen Ausna' men zuzulaffen, wurden auf Antrag Schuler und Genoffen in einen neuen § 18a gefaßt mit der Änderung, daß solche Abnahmen auch für di« in § 12 bezeichneten Werkstätten, wo Kinderarbeit iw!en ist, unter Umständen zu-
von 5 Juden, die ausschieden, wurden in Folge dessen 2 Deutsche, 2 Polen und ein Parteiloser gewählt. Wenn man bedenkt, daß die Jaden in der Provinz Pose« fich in letzter Zeit ostentativ alS Deutsche geberden, während fie früher zu den Polen hielten, so wird man ein Lächeln Über diesen R i«faO, zu dem die Deutschen mit den Polen zusammen wirk e», nicht unterdrücken könne».
* Der angessgte ,.Hrach" wegen des Antrages Aichbichler firlam Mittwoch noch ziemlich gelinde aus. Die Obstruktion setzte zwar, nachdem sie die Annahme deS § 8 in der Komis- fionSfaffung und die Durchberathung deS § 9 wenigstens bis zum Diskusfionsschluß nicht hatte verhindern können, bei der Festsetzung der Tagesordnung für Donnerstag wohl in der angekündigten Weise ein. indem der Abg. Singer gegen dar
+ chewervlicher Lrisderfchvh. Die 19. Kommission des Reichstages beschäftigte fich am Mittwoch weiter mit den Bestimmungen des Gesetzentwurfs über die Beschäftigung eigener Kinder. Nach § 13 dürfen eigene Kinder im Be-
IuL-a, Donnerstag, den 13. November 1902,
spurlos vorübergegange«. Ihre großen, blaß braue« Augen blickten müde und traurig; selbst ihr Läckeln besaß einen trüben Ausdruck, um ihre« Mund zuckte eS oft roie in schmerzlicher Resignation.
Erna war bedeutend jünger, kaum zwanzig Jahre alt. Ihre schlanke, etwa« schmächtige, zerbrechliche Figur ließ fie noch jünger erscheine«, als fie in Wirklichkeit war. I» sanften Wellen- Knien schmiegte sich d«S hellblonde, fast weiße Haar um das zarte Ooal ihres von leichter Röths überhauchten Antlitzes, auS dem zwei große tiefblaue luge« in kindlich frommer Harmlosigkeit hnvorblickten. Ihre biegsame G.stalt war von entzückender Anmuth. leicht wie einer Gazelle schwebte fie dahin, und diese Grazie ihrer Bewegung und die große» blauen Kinderaugen ließen verg-ff n, daß ihre Nase «twaS sp tz, ihr Mund etwas groß aerathm war. Die, frische» Lippe« lachten so ftöhlich und zeigten habet die herrlichen Perlenzähne, u«d die runden Wange« blühten t« rosiger Gesundheit, daß man auf die einfache Toilette gar nicht achtete. Ja blendender Schönheit erstrahlte dagegen Gerda Brückner, welche aus Rücksicht aus ihren Verlobte« «icht tanzte, fosbern neben seinem Sessel faß und mit ! stolzem Lächeln die Huldigungen der jungen Herrenwelt entgegennahm.
Jobst vermochte sein Bein «och nicht wieder vollständig zu gebrauchen, «ne Steifheit war im Kniegelenk zurückgeblieben, die ihn oftmals I mit vesorgniß erfüllte. Beim Gehen mußte er I fich eine« derben Krückstockes bedienen. Als fein Setter, der Geheimrath, heranttat, erhob er stc> I ei« wenig schwerfällig aus feinem Sessel, und
Strandgut.
Roman von O. Elster. -------- (N«ch»ruck » erbeten.)
Erscheint täglich, M. Ausnahme der Sonn-und Fe,er- U«t- Lierteljährl.
ahnevrmerrtoh» »nd VefteSgeld in Fulda und au«. •ideiSOLMSti
fich auf den Stock stütz-nd, streckte er dem Vetter die Rechte entgegen.
„Das ist recht vor Dir, Detter, daß Du auch zu meinem E-revtage kommst. Du kennst meine Braut noch nicht"
„Ich batte noch nicht die Ehre, Dein Fäulein Bram per',örlich kennen zu lerne«.'
„Nun, so begrüße Deine zukünftige Toufine und gestehe, daß meine Gerda zu uns langanf- gewachsenen Wtndheims herrlich paßt,' lacht« Jobst gutmüthig und legte den Arm leicht nm Gerdas fchlmke F-gur.
Mit einer gew ffe» Ueberraschung schweifte deS Scheimrarhs Auge über die vollendet schöne Gestalt des jungen Mädchen-, das ««ter seinem bewundernden Blick leicht erröthete. Die schmeichelnde, vertrauliche Berührung JodstS war ihr in diesem Augenblick unangenehm; sie bemerkte, wie eS um den Mund des Geheimraths leicht spöttisch zuckte, als er sagte:
„Ich kann eS meinem Vetter nicht verdenke«, daß eru« solche» Schatz schützend seinen Arm legt.'
Gerda machte eine ungeduldige Bewegung, und Jobst ließ langsam seinen Arm finken.
„Gnädige Confins tanzen nicht?' fragte der Geheimrath lächelnd.
„Meine Braut hat aus Rücksicht auf mich abgelrhnt/ entgegnete Jobst statt GerdaS, obgleich ich fie gebeten habe, auf mich keine Röck- ficht zu nehme«.'
„DaS bebaere ich lebhaft,' fuhr Ewald von Wmsheim fort. „Ich würde Dich sonst gebeten haben, Setter, mir zu gestatte». Dein Fräulein Braut zur Quadrille zu engagiren, die soeben beginnt.'
Berlin, 12. November 1902. lässig stnb.
-i- D,. Amk Vet-ks, der ftübt re Reichs- + A t«K »»« AenLschen nnb kommiffar in Deutsch-Ostaftika, wurdr vor fünf Zf-len bei eine Ztadtoerordnetenwahl - wer Jahren disziplinarisch abgemtheilt und aus dem hätte daS erwau-r! In Briese« ist diese« ReichSdienst entlassen, weil er aus Ehrsucht Kartell zu Stande gekommen, und zwar gegen mehrere Neger und eine Negerin, die er mit sich die Jude«, die unverhältmßmaßig stark unter führte, hatte hängen lasse«. Jetzt sucht fich Herr den Stadtverordneten vertreten waren. An Stelle Dr. P-terS von dieser Anschuldigung weißzn- c * *** ***
waschen, weil angeblich der sog. Tnckerbrief, der ihn schwer bloßstellte, und den Bebel 1896 im Reichstage verlas, gefälscht war. Peters hat den Abg. Bebel dieser Tage im Reichstage ausgesucht, um von ihm einen Widerruf zu erzwinge«. Bebel verwies ihn aber an sie Gerichte und weigerte fich, seinen Sswährs mann zu nenne«, weil er diesem sein Wort verpfändet hatte, seine« Namen zu verschweige«. Peter« setzte fich nun aufS hohe Roß und saß im „Tag' alS „Ehrenmann' über Bebel zu Gericht. Darauf a«t»ortet jetzt der .Vorwärts' in einem „Hänge- PeterS als Hüter der öffentlichen Moral' über- schriebenen Artikel mit dem Hinweis, daß der Tucker-Brief in dem Disziplinarverfahren von 1897 «>chi die geringste Rolle gespielt, daß viel
„Da ist ja unser Kommerzienrath!' rief der alte Baron. „Hier mein lieber Brückner, habe ich die Ehre. Ihnen meinen Vetter, den Geheim- rath von Windhrim, zuzuführen, der fo»ben ein- getroffen ist."
„Herr Seheirrrath, ich freue mich ««endlich, ich glaubte schon, auf die Ehre ihres Besuches verzichten zu müsse«.'
„Der Vortrag bei Exzellenz dem Minister hielt mich so lange zurück, — ich bitte deshalb um iktsckuldignng, Herr Kommerzienrath. Aber da Sie jetzt zur Familie gehören, glaube ich, auch hüb g&te später erscheinen zu dürfen."
Er reichte dem Kommerzienrath bte schlanke feine aristokratische Hand und lächelte ein wenig, wobei unter dem langen Schnurrbart große, schneeweiße Zähne fichtbar wurden.
„Aber ich bitte, Herr Geheimrath" — tief Brückner. „Wie ist'S, haben Sie unsere Damen schon begrüßt?"
, Ich hatte »och nicht da« Vergnügen" ....
„So gestatten Sie, daß ich Sie den Dame« zuführe."
,Lch bitte darum "
Die beiden Herren begaben fich in den Bnll- faal, während der alte Baron an da« Büffet trat und prüfende Umschau hielt.
„Trinken wir ei« •lo« Sekt zusammen, Herr Baron," fragt« Fritz Brückner.
A«s de« Reichstage
-aa 214. Aitznng »em 12. November 1902, 12 Uhr.
Auf der Ta«eSorduung strbt zunächst die Wahl eine« Schriftführers au Stelle deS Abg. e. Norman« (b’t feix Amt niederle«t, nachdem ihn die konservative Fraktion zu ihrem Borfitzenden gewählt.) Gewählt wird der Ab,. Himley (kons).
Sodann wird die Berathung de« Zolltarifge- setze« 8 S (Kampfzoll-Paragraph) fortgesetzt.
Ab,, vtnmer (Natl.) vertheidigt »en auf feinen Antrag von der Kommfifion beschlossenen Absatz 2, demzufolge Waaren aus Ländern, welche Deutschland die Meistbegünstigung verweigern, denselben Zöllen und Zollabfertigungsvorschriften solle« unterworse» werden können, die im Ursprungslande auf deutsche Maare An- Wendung finden. Redner vrrweift auf die geringschätzige Behandlung Deutschlands in Amerika und auf die «nt-
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29. Jahrgang-
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Verlange« des Abg. Spahn, den Antrag Aichbichler auf die Tagesordnung zu fetzen, in lang- athmiger Auseinandersetzung über § 35 der Gr- chästsordvung Widerspruch erhob, und die frei« nnige Vereinigung. zeigte fich auch hier im
Schlepptau der Sozialdemokratie, aber dann fielen die Schläge hageldicht auf die Obstruktion nieder, o daß diese recht kleinlaut wurde. Nicht nur )ie Abgg. Bassermann (natlib.) und Spahn wiesen «ach. daß § 35 nur die „Schwerinstage' im Auge hm, und zwar aus den Erklärungen des Urhebers des § 35, deS Grafen Schwerin, vom Jahre 1869 selbst, sondern auch der Führer der freisinnigen Volkspartei, Abgeordnete Eugen Richter, widerlegte, gestützt auf eine lange parlamentarische Erfahrung, unter . )inweis auf Präcedenzfäüe und auf die Urthrile von gewiegten Parlamentariern wie Lrvetzow, s)e«mgsen und sogar — Rickert, dem ebenorr- iorbenen Führer jener Grupp?,die heute nur noch als Schwanzstück d *r Sozialdemokratie funairt,schlagend die formalistischen Trugschlüsse der Obsirukiions- prrcher. Ja, er erklärte ei unumwunden sür einen kompletten Unsinn, von dem Reichstag erwarten zu »ollen, daß er sich selbst die Hände oll gebunden haben, sodaß er einen Antrag, der hm dringlich scheint, nicht jederzeit in Berathung nehmen könnte. Damit war die Sache der Obstruktion für heute verloren, mochte fie fich auch noch so heftig sträuben. Die weitere Debatte, solange fie auch «och dauerte, hatte kein Interesse mehr bis auf eine Aeußernng Bebels, er werde beim Etat für alle Beschlüs'fe namentliche Abstimmung fordern, um die Mehrheit zu zwingen, iu beschlußfähiger Zahl zur Stelle zu fein. Dann wird der BundeSrath chon Diäten bewilligen müssen! Bei der Abstimmung stimmte« 187 Abgeordnete, darunter auch Richter mit seiner Bolkspartei — be« Abg. Müller - Meiningen ausgerommen —, für den Antrag Spahn, den Antrag Aichbichl-r am Donnerstag zu berathe«, 67 stimmte» dagegen, und drei, darunter der Präsident, enthielte« sich der Abstimmung. ES war hübsch anzusehen, wie Sagen Richter den diffentirenden Partei- üenossen "Müller-Meiningen herunterfiauchte. Er war sichtlich entrüstet und ließ sich «ur schwer d^rch einen anderen Parteigenossen beruhige«. Am Donnerstag kommt also der Haupt- krach: der Antrag Aichbichler, nachdem er am Mittwoch schon seine Schatten vorausgeworfen und die Sitzung auf acht Stunden gebrach: hatte.
Inserel«: DÜ einspaltig« Petit» geile ober oereM RaumlSPfa..R«« Hamen die Petitzeile 25 Pfg.; bef Wiederholung«; wirbentsprechevtztz ÄadaU gewätzrch
mit (kti örilägen or»« „» v„l-, »n sm»«» »cti«»»«aww i
„lüustrirte Sonntags-Zeitung", „Yuldatr Geschichtsblätter" und Collerie-Eisfe.
Veutsches Reich.