Beilage zu Ar. 259 der Juldaer Zeitung.
Geliebte Diözesanen!
Ho oft die Oberhirten der Diözesen Preußens am Grabe des hl. Bonifatius zu gemeinsamer Berathung sich versammeln und brüderlich vereint im Gebete vor den Gebeinen des Apostels Deutschlands den Gnadenbeistand des heiligen Geistes über sich und ihre Diözesanen herabrufen, betrachten sie es als ihre erste Obliegenheit, den Gruß der Huldigung in ihrem und ihrer Diözefen Namen dem Oberhaupte der Kirche, dem Vater der katholischen Christenhert darzubrmgen. Dieses Zeugniß der Einheit und Einigkeit im Glauben und Leben steht unauslöschlich geschrieben auf der Schwelle unserer Berathungen; die Treue gegen Christl Braut, die heilige Kirche, und gegen ihr Oberhaupt bildet den Leitstern unserer Verhandlungen.
Auch heute senden wir das Zeugniß unserer Ergebenheit zur ewigen Stadt. Doch wärmer als sonst ist es uns ums Herz, da wir den Blick hinwenden zu dem edlen Hohenpriester, auf dessen greisem Haupte nun nahezu ein Dierteljahrhundert -die dreifache Krone ruht, dessen zitternde Hand aber noch immer fest und sicher das Steuer des Schiffleins Petri führt, und deffen Herz mit ganz besonderer Liebe und väterlicher Sorge stets den Katholiken Deutschlands zugewandt war.
Wenn wir in diesem Augenblicke zurückschauen auf das Leben unsers heiligen Vaters, zurückschauen auf seine Kämpfe und Leiden, seine Arbeiten und Er- folge, dann hebt sich unser Auge voll Dank zu Gott dem Herrn, dessen Wege so wunderbar, dessen Rathschlüsse so unerforschlich sind; dann möchten nur im Geiste gemeinsam niederknieen am Grabe des hl. Petrus, um in stillem, heißem Gebete alle unsere Sorgen mit denen des obersten Hirten niederzulegen in die Hände Jesu Christi, der zu allen Zeiten das Schwache auserwählt, um Großes zu vollbringen.
Die Gefühle, die in diesem Augenblicke unser Herz so lebendig ergreifen, sind auch euere Gefühle, geliebte Diözesanen, und daher finden unsere Worte in eurer aller Herzen den mächtigsten Widerhall. Auch eure Gedanken sind in diesem Jubeljahre Leo's XIII. mehr als je hingewandt zu unserem gemeinsamen geistigen Vater, der die höchsten und heiligsten Interessen der Katholiken des Erdkreises von hoher Warte aus hütet und schirmt.
O, könnten wir an dem Tage, an dem Leo XIII. auf volle 25 Jahre apostolischer Hirtenarbeit zurückschaut, euch alle im Geiste hinführen in das stille, weltfremde Gebirgsstädtchen Carpineto, wo vor 93 Jahren der ehrwürdige Jubelgreis das Licht der Welt erblickte, wo er im trauten Familienkreise unter der Obhut
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am Grabe des hl. Bonifatius zu Sulda versammelten Erzbischöfe und Bischöfe
entbieten dem ehrwürdigen Klerus und den Gläubigen ihrer Diözesen Gruß und Segen im Herrn.
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