Einzelbild herunterladen
 

eitung

Fuldaer

fflustrirte Sonntags'Zeilung*,SuMaer StschichkbMtt' tmö Mtrie-tfeft,

29. Jahrgang.

6. November 1902.

Iuköa, Donnerstag,

M 256.

(0 Kanäle und Kanalisirungeu.

«

dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überweise.

In diesem Sinne hat den» auch die Kommis- fion ei»stimmig Beschluß gesaßt. Zweifellos wird auch das Plenum des Reichstags mit über» »Lltigender Mehrheit de» Standpunkt der Rom» Mission sich zu eigen mache».

I» seinem Bericht hat nun der Abg. Sit- tart eine« bemerkenSN-erthe» Ueberblick über die

r- Einer polUischen verschlänge gleich hat sich 1 di« Frage do» der Verlängerung der Maivkana- lisirung über Offenbach hinauf bis Aschaffenburg jahrelang durch die Auseinandersetzungen t» der LageSvreffe u»d in den Parlamenten hingezoge». Jetzt endlich scheint die Seeschla»ge von einem gesunden und lebensfähige» Kinde entbunden z» erben. Am Dienstag ist bekanntlich der preußische DerkchrSministec von Budde in München eingetroffen, und scho» im Voraus wurde i» halbamtliche» bayerischen Verlautbarungen darauf hingewiesen, daß unter verschiedenen politische» u»d wirlhschaftlichen Frage», die zwischen dem preußischen VrrkehrSminister und dem bayerischen Mintsterprästdenten Grafen von Crailsheim besprochen «erden sollten, die w'chtigste die alte Frage von der Verlängerung der Mainkanaltsirung btS hinauf »ach Aschaffenburg sei» werde.

Wen« Minister zusammenkommen, um über Fragen dieser Art sich zu unterhalten, dann pflegt rS sich nicht um orieutirende Vorgespräche und Unter Haltungen so von ungefähr zu handeln, sonder» um de« Abschluß von Unterhandlung«, die voraufgeaaugen find, vo ist eS augenschein­lich auch in diesem Falle. Die früheren Ver­handlungen zwischen Bayer» und Preußen über denselben Gegenstand scheiterten daran, daß Preußen von der bayerischen Regierung ganz bestimmte Bürgschaften in Tarifsacheu »erlangte, die die frühere Ludwigsbahn, nunmehr unter preußischer Verwaltung, vor Verlusten durch die Ausführung der Mainkanalisirun» bis hinauf nach Aschaffenburg bewahre» sollte. Natürlich lehnte es die bayerische Staaisregierung ab, auf solche Forderungen etnzugehen, die fie gar nicht erfüllen konnte, wen» fie nicht ei»e Art w.rth- schafllichen Selbstmordes am eigenen bayerischen Heide vornehme» wollte. Jetzt soll, wie wir aus gut unterrichteter Quelle vernehme», bte preußische Regierung beffere Anerbietungen gemacht haben, und die Folge davon wird aller Vrrmuthuug nach die sein, daß bei den Ministerbesprechungra in München die Grundlagen sür die Verlängerung der Mainkanaltstrung biS hinauf nach Aschaffenburg festgesetzt werden. Wie wir weiter a»S derselbe» gute» Quelle i» München vernehmen, kann man schon im Voraus mit einiger Sicherheit daraus rechnen, daß dem bayerischen Landtage bet der nächsten Gelegenheit eine entsprechende Vorlage iber die Bestreitung der Kosten dieser «eitere» Kanalifiru»g deS MaineS -»gehe» werde. Und daraus muß man »etter den selbstverständlichen Schluß ziehen, daß dasselbe auch im preußische«

Landtage geschehen »erde.

Dre Entwicklungsgeschichte dieser wichtigen »irthschastliche« Frag- ist lehrreich.

ES wurde vorher schon bemerkt, daß die preußische Regierung vor dem Bürgschaften von Bayern verlangt habe, um nicht die StaatSbahn zwischen Frankfurt und Afchaffenbur« Schade» erleide» zu laffen unter dem Stnfluffe dieser verlängerten Aainkanaltfirung. DaS ist genau derselbe Standpunkt, den die Gegner der preußt- scheu Vorlage über de» berühmte» Mittelland- Kanal bei de» Berathungen über diese» Letztere» immer und immer wieder im preußischen

trotzdem »icht sür nothwrndig erachtet, der Stel­lungnahme d-S Reichstages fich «inigermaßen an-

Strandgut.

Roman von O. Elster. --(«achtzru« etcietee.) 6. Kapitel.

unserer Einladung gefolgt ist. Für meine Damen war eS allerdings eine Keine Hebet: rafchung, aber ich denke, wir werden uns letzt öfter sehen/

Es schien Jobst, al« blinzelte der Luge Se- schäftsmann seinem Vater zu, ans beffen stark ge- rölhetem Gesicht ein breite« behagliche« Lachen ruhte. Jobst unterdrückte da« unangenehme Ge­fühl, da« ihn in diesem Hause wieder befiel. Ein gewiffer Trotz beseelte ihn; «a« half alle Srntl- Mentalität, die Hauptsache »ar, zu leben unb ben äußeren Schein zu wahren. Mit einem leichten Galgenhumor begrüßte er die Damen, Frau Julie Brückner, eine breite, gewöhnliche Erscheinung, auf deren feistem Antlitz ein gutmtthlger Zug lag und die fich zum Empfang ihrer Gäste mit allen Brillanten, die in ihrem Besitz waren, geschmückt hatte, und Fräulein Gerda, die in der weißen, spitz-nübersäten Toilette, eine Schnur «hier Perlen in dem dunkelblonden Haar, eine prächtige Brillant­agraffe am Halsausschnitt de« Kleide«, in der That sehr vcrtheilhast au«sah.

Aber da« kalte, hochmüthige Gesicht, die kühl und forschend blickenden grauen »«gen, der leicht spöttische Zug um ihren scharf geschnittenen Mund berührten Jobst unangenehm. @« fehlte ihrem »uge der »arme, zu Herzen dringende »lick, und ihrem Lächeln jene Anmuth und scheu« Zurück- Haltung, welche den schönsten Schmuck eine« jungen Mädchen« bilden. Gerda »ar inmitten de« arbeiten- den, hastig erwerbenden Berlin aufgewachsen. Die Künste, di« WiSenschaste«, alle Regungen de« menschlich« Leben«, fie mußten dem einen Zwecke dienen: Relchthum zu sammeln, um ein vornehme« und behagliche«, genußreiche« Scheu führen zu

Die Raschineufabrik »Friedrich Brückner und Söhne' lag im Norden Berlin«, »«geben von mehreren anderen großen industriellen Etabliffe- ment«, deren himmelanragende Schornsteine Tag und Nacht dichte Dampfwolken ausstießeu, so daß der ganze Stadtthetl mit einer düsteren, grau- schwarzen Rußschicht überzogen war. Hier pul- firte nicht da« glänzende, vornehme Leben der Straßen wie im Centrum und im Westen der Madt. Elegante Equipagen sah man nur hin und wieder, und selbst die Droschken erster Klaffe waren nur seltene Erscheinungen. Aus den Bürger- steigen fluthete nicht «ine vornehme oder doch vor- Achm scheinende Menge auf und nieder, sonder« e« drängten sich einfach gekleidete Schaaren vo» Arbeitern und Arbeiterinnen aneinander vorüber, wenn die Fabriken Mittag«Iund Abends ihr« Thore öffneten, «ährend die Straßen sonst von Menschen ziemlich leer waren und nur belebt wurden durch spielende Kinder, durch vorüberraffelnde Pferde- bahnwageu, Omnibuffe oder hochbepackte Lastwagen, die aus de« Straßenpflaster donnernd und pol­ternd dahin fuhren, daß die Fensterscheiben bet Häuser zittert«.

Dar hart arbeitende Berlin eröffnete fich hier de« erstaunte» Blick, der ge«ohnt gewesen wat, auf de« glänzenden Bilde der westlichen Mtadttheile 4« welle».

seitherige» ReichStagSverhandlungen über die ein- getragene» Berufsvereine gegebe». Daraus er­gibt fich. daß der Reichstag fich bereits fett über 12 Jahre» mit diesem Gegenstände beschäftigt. Der erste Antrag von Dr. Hirsch und Ge- »offen (frels.) datirt vom 14. Mai 1890. Auch i» der Session 1890/92 war eine Resolution deS Abg. Dr. Hitze (Centr.) gestellt, bie ben gleichen Zweck verfolgte. Auf die Berathung dieser Resolution wurde rni5 Rückficht auf ben gleichartigen Antrag Hirsch verzichtet, dieser aber ka« in jener Session nicht mehr im Plenum zur Erledigung. Darauf wurde der Antrag in der Faffung, die ihm eine 14zliedrige Kommission gegeben hatte, in der nächsten Session, unter m 25. November 1892, wieder eingebracht. Die Auflösung deS Reichstags im folgenden Jahre ließ auch diesen Antrag, ebenso wie einen ahn- liche» Antrag der Abgg. Dr. Lieber, Dr. Hitze und «enoffen vom 5. Juli 1893 wieder in der Versenkung verschwinden. Doch brachten die letzt- i genannte» Abgeordnete» am 16. November 189S ihre» Antrag wieder ein, ebenso in gleicher Fassung auch der freisinnige Abg. La ngerfeldt.

Am 5. Dezember 1894 legte» die Abgg. Dr. Lieber, Hitze u. Sen. ihre» wieder unerledigt gebliebene« Antrag dem Reichstage zu« dritte« Male vor, und Abg. Dr. Schneider (frei?.) I stellte denselben Antrag am gleichen Tage. Um

Landtage geltend gemacht haben, der aber! dort tarnet und tarnet wieder von den Ver­tretern der preußischen StaatSregierung mit höchster Emphase als uurichltg zurückgewiese» w*tbe. Die preußischen Herren Regie'u»gs- Vertreter, der ftühere Berk-hrSmivister v. Thielen an btt Spitze, stellten sich vielmehr auf ben aa»} entgegengesetzten Gesichtspunkt, daß der Kanal im ^gemeine» be« Verkehr hebe» und beleben «nb auf diese Weise mittelbar auch der Eisenbahn »Ütze», dieser aber memalS schaben werde; ja, bie Herren verspotten sogar die Warnet 00t ungünstigen Kanalelvflüffen auf bte; Einnahmen der Eisenbahnen mehrfach al8 un- wissende Dilettanten, un) doch machte fich die- selbe preußische StaatSregierung dieselben Be- denken zu Nutzen, um vo» der bayerischen Staatsregierung allerhand Tarifzugeständuiffe herauszupreffen. Das ist ei* wundersamer Gegensatz, der nicht- weniger als geeignet ist, die Stellung zu stützen, bie bie preußische Regierung bisher in der Behandlung deS be- rühmten Mittellanb-Kauals eingenommen hat.

Auf der ander» Seite find früher Besorgnisse laut geworden, daß die Mai»»Kanallstrung bis | Asch-ffrnburg ein neues Smsallsthor für fremdes Getreide zum Schade» der bayerischen Landwirth- schäft »erden könnte. In diesem Einzelfalle braucht ma» solche Besorgniffe nicht zu hegen. Es han­delt fich nicht um eine» neuen Wafferweg, son- der» nur um die Verbesserung einer bereits längst vorhandenen Wafferverbinbung auf einer verhält- nißmäßig kurze» «trecke. Das Land Bayern er- zmgt mehr Getreide, als es braucht. Man könnte darum eher annehmen, daß bie Verbesserung dieser Wasserstraße der bayerischen Landwirthschaft von Nutzen werden, als zum Schaden gereichen könnte, beispielsweise auch für bie leichtere Ausfuhr der vorzüglichen Frankengerste. Im Uebrige» würde diese Kanalifirunz deS Mains dem Lande Bayern und namentlich seiner nordwestlichen Ecke nur Ruhe« schaffen, genau so wie den anliegenden preußischen LandeSthellev.

zupaffen. .

Den Anlaß z» diesen Erwägungen, die ja nicht zum erstenmal« hier zu« «»«druck gelangen lwlr erinnern nur an die wiederholten Reich»' tagSverhandlungen über die Anträge auf Auf- Hebung deS JefuitengefetzeS und auf Ge­währung vo» Diäte» für die Mitglieder desi Reichstage«) bietet uns der soeben auSgegebene 102. Bericht bet Petitionskommission deS Reichstages. Der Knappschaft-älteste, Wilhelm Hartmann in Rotthansen.^rel6 ®f im Namen von 450 am 15. Juli 1900 in Rott- häufen versammelten Bergarbeitern eine Petition eingereicht, deren Bitte dahingeht, der Reichstag möge bie Verbündeten Regierungen nm Vorlegung eines Gesetzentwurfs betreffend die Anerkennung der Berufsorganisation der ! deutschen Bergarbeiter ersuche»; nur durch ein solches Gesetz werde de» Bergarbeitern «die Garantie gewährt, daß sie ihre R Äte a!S Glieder des bestehenden Staats-und WttthschsftssystemS voll und ganz ausübe» könnten, und ei» solcher Gesetz werdezu einer ruhigen Entwickelung des ganzen wirthschastlichen Leben- beitragen.

Ju der gleichen Richtung bewegt fich eine Petition drS 8000 Mitglieder umfaffenben Der- bandes deutscher Lohnsuhr-Unternehmer in Frankfurt a. M. Diese Petition führt aus. daß zwar für eine Reihe von Gewerben das Jnnnngs- wesen wohl geeignet fei, die gemeinsame Inter- effen-Vertretung wirksam zu gestalten, nicht aber sät das Fuhrgewerbe. Die Erfahrung habe darum gezeigt, baß vo» den zahlreichen Bereinigungen der Fuhrwerks-Besitzer im Deutsche» Reiche nut ein ganz geringer Theil von dem Rechte der Bll- b»»g einer freien Innung Gebrauch «emacht habe.. richtete» "die Ab-

wmdigkett, Ä Uetzttcher Srundlaze eine Ja- eine ^«tfrr^S

stitulion ruschaffen, durch welche die Zt le des J^lation an di? Regierungen, die am

6- 8»!' i8» W nett. Diese Forderung würde i» zweckentsprechen- der Werse durch Annahme deS Antrages Barg- mann bett, bie eingetragenen Berufs-Vereine er- füllt werden.

In der Sitzung der PetitionS - Kommisfio» vom 5. Februar 1902 gab bet ans Antrag der Referenten beige,ogene Regierung- - Kommiffar «ch Obrr-Reg'rrungsrath Grünet eme ErklS- rn»g ab, bie fich lediglich auf bie frühere ab- lehnenbe Stellungnahme beS Bunde-- ratheS (Beschluß vom 6. Oktober 1898) bezog mit dem Bemerken, seitdem hätte» dir Verbün- beten Regierungen »zu einer erneuten Etel- lungnahme keine Veranlassung gehabt.

Diese Erklärung nimmt sich merkwürdig ge- »ug a»8 angesichts der immer »nimmer wieder- kehrenden Bemtchung« auS der Mitte des Reich«- tags heraus, den Beruf« Vereinigungen die gesetz­liche Anerkennung zu erwirk«. Der Bericht- erstatt« derSommlsfion, Abg.Slttart(Crntr.) meinte nicht mit Unrecht, daß die vorliegenden Petitionen den Regierungen Grund genug zu einer erneuten Stellungnahme geben, unb er bat daher die Kommission, die Bedeutung dllser Beran- laffung zu verflärken, indem sie die Petitionen

känzler Fürst Hohenlohe dahin beantwortet wurde, daßbie in blefet Beziehung unternom­menen Vorarbeiten zu einer Btschlußsaffnug des Königlichen vtaatSministerinrns noch nicht ge­führt habe«*.

Das preußische Staatsministerium und der Reichskanzler haben fich Zell gelaffen, wir man steht. In bet Session 1895/97 wurden die An- träge wieder erneuert, abermals ohne Erfolg. Am 11. Dezember 1896 nahm der Reichstag außerdem eine von der Kommisfion für da« Bürgerliche Gesetzbuch beantragte Resolution auf baldthnttlichste Regelung der RechtSoerhäll- niffe der Berufsvereine mit großer Mehrheit der Bundesrath beschloß dagegen,ihr keim Folge zu geben. Im Jahre 1897 kehrte» bte I anträge wieder und beschäftigte» 4 Sitzung« im Januar 1898, außerdem noch mehrere a»bm Sitzungen desselben Jahres, sowie der Iah« 1900, 1901 unb 1902. Heute noch liege» dem Reichstag vier verschiedene Entwürfe, die daS gleiche Ziel verfolge», vor unb harre« der Erledigung: nämlich: 1. ein Gesetzentwurf, beantragt von Dr. Lieber, Dr. Schädler, Dr. Hitze, Dr. Spahn, Gröber (Tentrum);

Friedrich Brückner wohnte jedoch schon feit Jahren nicht mehr i» dem sichern, schwarzen, von Fabrikgebäuden aller Art ersüllte» Stadt- thell. Er hatte sich draußen in dem nahen Pankow eine geräumige und geschmackvoll ein- gerichtete Billa gebaut, von einem mit alten Bäumen bestandene« Park umgebe», die schützend ihre Arme u« die Billa Brückner breiteten, so daß lei» störender Ton deS hastigen ArbeitS- gettiebeS in die ländliche Stille drang. Im Winter wurde frellich diese» Sommersitz mit einer großen Stadtwohnung vertauscht, welche im Weste» Berlins lag. Denn Frau Julie Brückner sowohl wie ihre Tochter, Fräulein Gerda Brückner liebte» die Geselligkeit. Theater unb Soxcerte, Wohlthättzkeitsbazare unb Bälle DinerS und Abendgesellschaften füllten die Winter­monate au«, während man im Sommer fich in bie ländliche Ruhe zurückzog, wenn man nicht in irgend einem fashionablen See- oder GebirgS- Badeort weilte Nur die beiden Söhne Fried­rich« Brückners, Wllhelm und Fritz, wohnten in dem alle» Hause nahe der Fabrik, de»» die Ge­schäfte lagen zum größten Theil sin ihren Händen, andererseits waren die jungen Herren auch viel zu lebenslustig, als daß fie fich in die ländliche Stille Pankows vergrabe» mochten.

Kurz vor der festgesetzte« Stunde träfe» Herr », Windheim und Jobst i» Billa Brückner ein. Auf der b«Ue» Veranda, vor der Ach ein präch­tiger Rasenplatz mit Blumenbeete» ^nd herrliche« Bo-kettS auebrettete, wurde» sie -durch Herr» Brückner empfauge».

Ich freue «ich sehr, Herr Bar0», sagte er mit verbindlichem Lächeln,daß auch ihr Soh»

Bon der linken Seite de« Reichstages ist gegen die MehrheUSparteien der Borwurf erhoben wor- be», eS fei geradezu eine »elelbigung der »er; bftnbeten Regierungen, bie Berathung des Zoll- tarisS fortzusetze» unter hartnäckigem Ausdruck der Hoffnung, daß die Regierungen trotz ihre« wiederholte»Unannehmbar I doch »och nach- geben könnte». Ohne die Herren von der Linke» in dem Vergnügen, freiwillige RegierungSkom- miffare ,» spielen, störe» zu wollen, möchten wir fie doch ersuche», nicht bloß dem Ansehen der Regierungen, sondern auch der Würde des Reichs­tags, dem fie selbst angehöre», einige Beachtung schenken und deshalb ihren ObstruktionsgelÜsten Zügel anlegen zu wollen. Aus dem gleichen Grunde möchten wir auch de» Herren zu bedenken geben, ob denn der BnndeSrath auch immer den Reichstag so behandelt habe, wie dieser es wohl beanspruchen könnte. Auch der Reichstag hat ja schon i» mancherlei Fragen wiederholt seine Anficht mit aller Klarheit und Entschiedenheit Ausdruck gegeben, und der BundeSrath hat es

tonnen. Die junge Dame war da« rechte Kind ihrer Zell und der gewaltig emporkommend«« Weltstadt. Sentimentalität war ihr fremd; «it kühlem Blick beobachtete fie alle Berhältuiffe und iyr scharfe« Unheil traf in Bezug auf de» prattW« Werth irgend eine« Werke«, irgend einet THG ober eine« Streben« stet« da« Richtige. Sie hcütt in formeller Beziehung viel gelernt, fie kannte dte Welt und da« L-ben, fie schien jede weicher« Regung zu verachten unb verfolgte rücksichtslos ihr Ziel. Gefell gegen jede Schwäche «ürde sie unberührt und «nbesieckt selbst durch die gefähr­lichsten Situationen de« Leben« fich durchgekämpft habe»; niemal« würde st« ein Unrecht begehe«, niemal« sich im Geringsten etwa« vergebe» hab««, leidenschaftslos «nb «ellklng, da« war der Haupt- zug ihre« Eharakter«. ,

Aber der schöne« u»d stolzen Erscheinung fehlte dennoch der Duft der Jangfräulichkell, der echten Weiblichkeit, welcher alle Herzen gewinnt, ohne eS selbst zu wiffe». Sie glich der prächtig« Lilie ohne Duft, die stolz auf die kleinen Blume« zu ihren Füß« niederschaut.

Sie hätte fich schon ost vermähl« tonn«. Aber die einfachen Fabrikanten oder der atme bürgerliche Affeffor, fie war« ihr alle nicht gut genug. Ihr Ehrgeiz strebte höher; fie«« stolz auf ihre Schönheit, stolz auf ihren Reichthum, und wenn fie sich einem Manne zu eigen gab, dann wollte sie mll ihm auch auf der Höhe beV Leben« stehen. v.

DaS Diner wat vortrefflich; die Weine ganz vorzüglich, so baß der alte Baron in die sröh- lichste Stimmung gerleth. Er schn-te mll den Damen, »eckte fein« Sohn, und Jobst setost ge-