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Fuldaer

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mit den Beilagen

Iu0öa, Mittwoch, den 29. Oktober 1902.

29. Jahrgang

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Juldaer ßescbicMsbläftef und roflerie-üisfe

»Herzlich gern."

Er folgte der rasch Daoonschreitenden. Ja der Thür wandte er sich noch einmal um und sein Blick begegnete den dunkle» Avgm Slfts. die ihnen lächelnd uachschaute.

Das Pensionat der Frau Antonie Brückner war in der That eines der besten und vor­nehmsten des ganzen Stadtviertels. Eine Reihe Dosier, schöner, bequemer und gut ausgestatteter «immer bot den vornehmen Fremden, welche auf kür­zere oder längere Zeit Berlin b-suchten, angenehmen und ruhigen Aufenthalt. Nahe am Reichstag, urm Generalstabsgebäude und der Kriegsakademie gelegen, benutzten die Reichs Laos ab geordneten und

! »Nun dann wollen wir die Zimmer in i orriaumie es, oei Frau »nroi Ordnung bringen und nachher frühstücken Sie oder längere Zeit zu wohne», wlt uns. Ich laste Sie heute nicht fort; heute """ ...... ~

müssen Sie unser Gast sein."

Alle fühlten sich bei der stets freundlichen rrso> tuten Frau wohl und bewiesen ihre Dankbarkeit durch zadlreiche Geschenke aus ihrer Heimath: seidene Tücher und Deckchen, japanische N^ppr«- Sachen, kunstvolle Kästchen und dergleichen, sodaß der Salo» der Frau Antonie nach und nach das Aussehen eines japanischen Museums erhielt.

Nicht immer war es der braven Frau so gut gegrügen. Als junges Mädchen oerheirathete sie sich in Düsseldorf mit dem um 20 Jahr älteren genialen Maler Rudolf Brückner, besten äußere Verhältnisse, wie das ost bet genialen Männern der Fall, nicht allzu glänzend waren. Mit großen Plänen beschäftigt, vernachlässigte er dis praktischen Bedürfnisse des Lebens. Alle Hoffnung setzte er auf einen goßen staatlichen Auftrag.

die Offiziere, welche im Seneralstabsgebände be- schäfttgt waren, das Pensionat, welches ihnen ein komfortables Heim ohne den Lärm und das Getriebe des großen Hotels bot. Der Ruf der Frau Antonie Brückner befestigte sich in der vor. nehmen Gesellschaft von Jahr zu Jahr, und als es ihr vor einig-r Zeit glückte, mehrere vor­nehme uns reiche japanische Ojfiziere, welche sich zum Studium der deutschen HeereSeinrichtunge» in Berlin aufhietten, als Mieiher zu erhalten, gestaltete sich ihre Sage noch günstiger, denn die Japaner verbreitete» den' Ruf vonMama Brückner", wie Frau Antonie in kardialer Weise genannt würde, in ihrem Vuterlande, und wohl keiner der vielen japanischen Offiziere, Gesandt-

M 250.

schaftS.Attachees und Beamten, welche im Laufe der Jahre die deutsche Rrichshauptstadt besuchten, versäumte es, bei Frau Antonie Brückner kürze e

»Aber," so fuhr sie eifrig fort, da stehen wir und ve>schwatzen die Zeit und Sie werd?« von der weiten Reise müde sein. Darf ich Ihnen ihr Zimmer anwrisen? Mein Pen- Rouat ist eigentlich nicht sehr besetzt. Sie können sich also zwei hübsche Zimmer auSsuchen. Es ist noch ein schöner Balkonzimmer frei. Wo haben Vie Ihr Gepäck?"

Ich habe die Nacht im Hotel logirt, da ich erst spät gestern Abend hier ankam. Mein Bursche wird wohl bald kommen."

heitsparteien nachgibig zu stimmen. Diese find vielmehr, wie Abz. Trimborn (Trntr.) mit Recht betonte, nun erst recht bedenklich geworden, je mehr fich die Herren von der Regierung gegen die Mindestzölle auf Vieh wehren, um so mehr wächst das Mißtrauen, daß gerade das Vieh be BertragSoerhandlungen als Kompensationsobjekt herbalten soll. Bor den Wahlen vielleicht wollte der Staatssekretär mit Reichstagsauflösung drohen? hat das Tentrarn, so erklärte Trim- born, keine Angst. Solche Schreckmittelchen ist man gewöhnt; fie ziehen nicht mehr.

Erst gegen 7 Uhr schloß die Sitzung, nach­dem der Sozialdemokrat Haase noch eine sehr übrrflüsstge Rede gehalten. Zur Abstimmung wird eS erst morgen, Mittwoch, kommen. Dann wird Abg. Dr. Barth von der freifinnigen Ver­einigung den Präfidenten ersuchen, die weitere Berathung der Zolloorlage nicht mehr auf die Tagesordnung zu setzen, und dieses Anfinnen wird ab gelehnt werden. Was sonst noch von Reportern über die Stellung der Par­teien usw. verbreitet wird, ist verworrenes Ge­rede, auf das man fich nicht verlaffen kann.

1 Infolgedessen hätten während der jüngsten Kaiser' Manöver in Ungarn der Kronprinz und Erzherzog Franz Ferdinand nicht mit einander verkehrt. Die Geschichte ist in allen Einzelheiten erfunden. Zwischen dem Kronprinzen und dem Erzherzog Fran, Ferdinand bestehen feit Jahren freundschaftliche Beziehungen, die nie durch irgend welchen Zwischenfall getrübt worden find. Die beiden Reise«, die unser Kronprinz nach Oesterreich und Ungar« unternommen hat, verliefen ohne jeden Mißklang.

+ Das Zfräftdisl chrSSnde de« Neich»- lage« ist im Rohbau fertig. Bis zum Herbst des nächsten Jahres soll das Gebäude, dessen Bau im Jahre 1898 begann, bezogen werden können.

+ Z» der vündlerischen Aufflnchekung S-S-» die Ilotte« - Soltttü, die Dr. Heim im Reichstage verrathen hat, bequemt sich jetzt endlich die.Deutsche Tagssztz.' zu einer Äufktärung. Sie jammert über üble Nachreden, bestreitet eine Verpflichtung Dr. Hahns oder des Bundes der Landwirthe, etwas zu erwidern und stellt schließ­lich fest,daß der Brief von keinem Mit» gliede des engeren Vorstandes des Bun» deS der Landwirthe stammt," Das wird den Bündlern wenig helfen. UebrigenS wird Herr Dr. Heim wohl schon das Geheimniß etwas mehr lüften.

+ Ki« Ireifinniger -Sr de« 6 Mark- Gerssenzoik! Nach dem amtlichen Protokoll hat bei der Abstimmung über den Antrag Heim, 6 Mark für Gerste, auch der Abg. Ritter« Merseburg, Mitglied di-r freisinnige» Volks» Partei, für den Antrag gestimmt. I» freisinnigen Kreisen möchte man sie» auf eine« Fehler im amtlichen Bericht zurückführen; aber das ist wenig glaubhaft. Ritter ist nämlich selbst Landwirth, und so hat er eben durch seine Abstimmung be» wiesen, daß vor ler praktischen Erfahrung die Einwendungen der freihändlerischen Theoretiker nicht standhalten. Nachher scheint man ihm freilich klargemacht zu haben, wie sehr er seine Parteiblamoren", denn b i den folgenden Ab« Hmmungen fehlte Herr Ritterunentschuldigt".

* 31,000 §etlew zählt die Pfarrei St Atu» inMerlin wahrlich eine Riesen- Pfarrei! Der eifrige Pfarrer derselben, Herr Erzpriester Frank (in Berlin NO., Pallisaden» traße Ne. 73), hat «un, damit die Pfarrei ge» heilt werden könne, zur Erbauung einer »wetten Kirche einen sehr geeigneten Bauplatz in der Thorn» traße zum Preise von 171,000 Jfa. gekauft, den Quadratmeter zu 50 A, was für jene Gegend ein billiger Preis ist. Ss ruhen aber auf diesem Krundftück noch 140,000 Ä Schulden, und zwar chon vor dem Kirchenbau, der wohl auch 300,000 Ä kosten wird. Diese Summen müssen aufgebracht werden. Herr Pfarrer Frank hat nun einen kleinen Führer durch das katholische Berlin lerauSgegebe», der ein äußerst praktisches Büch» lein ist und den er einem Jede« unentgeltlich und postfrei zussndeni will, welcher ihm

ein Almosen für ssinen Kirchenbau sendet.

Der Führer enthält sine genaue Beschreibung

aller katholischen Pfarreien Berlins und der nächsten Umgegend, die Gottesdienstordnung,

Angabe der (Stengen der Pfarreien, Mttthrilung über vas katholische Schulwesen, die Anstalten

Ulusfrirte Sonntags »Zeitung

Als dieser ihm aber durch Neid und Mißgunst Anderer entging, war er her Verzweiflung nah?, die Enttäuschung warf ihn auf das Krankenlager, und nach wenigen Woche» starb er, seine Frau und seine drei Kinder in bitterster No h zurück lassens.

Der trauernden, verzweifelnden Wsitwe stand tn jener Zett der junge Dragoneroffizier Jobst von Winvheim treu zur Seite. Jobst woynte schon zu Lebzeiten dessen genialen Künstler« bd Fran Anto -ie,er kannte dessen hochstrebendeSeele und ward, elbst-ifllerisch beanlagt, dessen Schaler. Nach dem Tode des Künstlers half er der Wittwe, sie und wo er konnte, und die lebensfteud.ge, tapfre, energievolle, rheinische Natur Amoaiens raffte fich denn auch bald aus ihrem auf und griff

ms Leber- mit Willensstärken fleißigen Händen an. Und da« Leben beugte fich der wuthigen, fchaffens- lusttgen Frau, sornß sie jetzt, zrölf Jahre nach )tm Tode ihres Gatten, ohne Sorge in die Zukunft blicken konnte.

Ihr ältester Sohn Johannes war Künstler wie ein Vater, war verheirathet und wohnte in einem oestltchen Votort Berlin«; ihr zweiter Sohn Srrnhard hatte in der kaiserlichen Maiine gedient. Auf Anrathen eines japanischen Offiziers war er n japanische Dienste getreten und nahm jetzt eine geachtete Stellung als Marine-J agenieur in der aufblüdende» Seemacht Japan» ein. Else) das Nesthäckchrn, lebte bet der Mutter und half ihr n der Wirthschast, nebenbei fich mit Malerei be- chästigend, da auch sie da« Talent ihres Vaters geerbt hatte.

S he« Sie, mein lieber Herr Baron," sagte Frau Antonie, als fie rett Jobst im Frühstücks-

Biekpressen nichts, da fie auch kein Vieh zu ver­kaufe« hätte«, sondern ihr Zugvieh selber kaufen müssen. Ja, wovon solle« fie den« kaufe«, woher dar baare Geld nehme«, um ihre Be» dürfniffe zu bestreiten, Steuern zu zahle« u. s. w., wenn sie weder Getreide noch Vieh zu verkaufe« Haden?!

Dieken Widerspruch beleuchtete Graf Kanitz recht wirksam. Im Uebrigen ist zu erwähne«, daß er die Bekämpfet der Fletschtheuerung auf ei« viel nachdrücklicheres Mittel, dieser zu steuern, nämlich die Abschaffung des Unwesens der Vieh« kornmisstonäre oder Proxer hin wieS Inder That wird durch dieses überflüssige Zwischen­glied den Großstädter« das Fleisch viel mehr vertheuert als durch Zoll und Grenzsperre, und die Bauern Haden nichts davon.

Der bayerische Sozialdemokrat Segitz, d-r auf einen nationalliberalen Befürworter der Re­gierungsvorlage Namens Depken folgte, blamirte fich nach Kläiten. Ec brüstete sich wieder ein­mal mit derSachlichkeit" der sozialdemokratischen Reden. War er aber selber sagte, davon be­schäftigte fich ober kein Wort sachlich mit dem Gegenstand. Warum man nickt auch Minimal- löhne für die Arbeit fordere? (Herr Segitz ver­wechselte also Zölle und Löhne und vergaß die hohen Jndustriezöll?; über Minimallöhne kann man sich bei an j er er Gelegenheit aussprechen, wir werden dem gewiß nicht aus weichen.) Wenn die Landwirthschast, meinte er weiter, mit den jetzigen Preisen nicht auskommen könne, dann müsse fie eben verstaatlicht werden. Bildet sich Herr Segitz wirklich ei«, der Staat werde billiger produziren ober sich mit Preise« unter dem Selbstkostenpreise begnügen? Aus solchen Redensarten bestand seine ganze Rede.

Bo« dem Staatssekretär Grafen Posa- dowSky mußte fich Hnr Segitz vor allen Dinge« noch einmal aus dem wirthschaftliche« Abc-Buch belehren kaffen, wobei Graf Posadwsky sogar den Fraktion genoffen Segitz', den Abg. Schippe! als Zeugen anführen konnte. Hübet- ! zeugend wies Graf Posadowski nach wie un« geheMr wichtig gerade eine strenge Urb rwachung der Grenze für die Gefunderhaltur unseres ViehstandeS ist, der einen Werth von 7Milli- ordert dorstellt. Der Staatssekretär lttte dann noch einmal die Gründe bet Regierungen für ihre Setreiderninirnalzölle und gegen Mindestzölle auf Vieh dar, um schließlich daS Unannehm­bar deS Reichskanzlers für weitergehende For­derungen, dienicht realijirbat seien, zu vari- iren. Ec beschwor sogar die 2000jährige deutsche Geschichte herauf, um vor der Uneinig­keit der Parteien zu warnen:Die Mehr- heitSp art eie« werde« die Folgen tragen. Die warnende Schrift steht schon an der Wand, und es gehört kein Daniel dazu, um diese Schrift lesen zu können."

Andere Leute werden finden, daß dieses eigen- artige Menetekel sehr an Deutlichkeit zu wünschen übrig laffe, und daß der Prophet Daniel-Posa dowsky gerade da aufgehört habe, wo er an­fing, ietereffant zu werden! Jedenfalls hatten seine Warnungen, seine Beschwörungen, die er theils aus der deutschen, theils aus der biblischen Geschichte entnommen, nicht den Erfolg, die Mehr-

Strandgut.

Roman von O. Elster.

-------- (Nachdruck verdate»)

Rimmer wieder zusammentraf,so hat fich alles nach Wunsch gestaltet, und wenn ich auch et« rastloses Leden voller Sorge und Arbeit hint« mir uAd wr-nr ich auch keine Reichthümer gesam­melt habe, so stehe ich doch selbständig da und brauche mich nicht auf die Hilfe der reiche« Ver­wandten meines ManneZ zu verlassen."

Lebt denn der Vetter Ihre- Gatten noch?" fragte Jobst.

Gewiß, der alte Friedrich Brückner lebt noch. Ihm bin ich in gewisser Weife Dank schuldig, wenn er auch über feie Zukunft meiner Kinder anders verfügen wollte als ich. Et wollte meine Söhne in {eher Maschinen-Fabrik als Schlosser u«d Mechaniker beschäftigen. Ich verachte wahr» hastig keinen Stan?, aber wir waren eS dem Name» meines MavneS schuldig, daß wir seinen Söhnen eint andere Lebensbahn eröffnete», und ich hab? es et reicht."

Jyr G rsp äch wurde durch' den Eintritt zweier Herren unterbrochen. Ez war der japanische G?» fandtschafts-Uttachä Vicomte Aoki und der japa­nische R ttmerfter Sokori, welche Frau Antonie mit cnkinonteller Höflichkeit begrüßte«.

Während der Rittmeister Sokoti in seiner schwarzen, schnurbefttzien Uniform eine hübsche Er­scheinung bo>, die unterstützt wurde durch zwei feurige schwarze Auaen und ein sanftes, schöne«, etwas frauenhafte« Gesickt, zeigte der Btkomte die ganze Häßlichkeit der asiatisch mongolischen Raffe. Ec besaß nichts weniger al« den feinen Typus der voruehmkn Japaner. Seine kleine, ziemlich starke Gestalt, fein dunkelgelbes Gesicht mit den vorstehenden Backenknochen und negetartigen Lippen, die schmalen, geschlitzten, schwarzen Augen, da«

* Viehzölle und Grenzsperre; beschäftigten auch «och die ganze DienStagSsthung des Reichstags, die gegen dis Montagrfitzung sogar wieder einen Aufschwung der Debatte be­brütete. Das war in erster Linie dem mel stärkeren Besuch der DienStagifitzung zu danke». Zwar kam es noch nicht zur Abstimmung, aber das Haus schien doch .ziemlich" beschlußfähig zu fei*. Anfangs allerdings dünkte dies Viele« «och recht zweifelhaft, u«d die Parteien ließen daher den Telegraphen arbeiten, um die Säumigen heranzuholen. Später aber, besonders bei den Rede« des Staatssekretärs Grafen PosadowSky und deS Abgeordnete« Trimborn, wies da« Haus eine schon recht stattliche Besetzung auf. Das wirkte sofort auf die Stimmung, bei den Rednern sowohl wie bei den Hörern, und das HauS folgte mit lobenswerter Aufmerksam­keit und Frische de« Rednern, von denen «ament> lich Graf PosadowUy, Trimborn und Graf Kanitz es verstanden, dem Gegenstand, so gründ­lich er auch schon erörtert war, doch «och einige interessante Seiten abzugewinnen.

Graf Kanitz, der am Dienstag die Debatte eröffnete, ist unstreitig der gewandteste und unter» richtetste Redner in wirthschaftlichen Fragen, den die Konservative« haben. Mit Glück wandte er fich gegen die Freisinnigen, denen er das zähe Festhalte« freisinniger Stadtverwaltungen wie z. B. in Breslau an de« städtischen Schlachtsteuern und Nahrung?Mittelabgaben vor- hielt, und gegen die Sozialdemokraten, die zwar hohe Löhne für die Arbeiter fordern, zugleich aber auch billiges Fleisch und Brot verlangen, obwohl doch die Landwirthe bei unzureichenden Verdienst den städtischen Gewerben nichts zu verdienen geben könne«. Das trifft also die städtischen Arbeiter, Was die Landarbeiter anbe­langt, so betonte nachher Graf PosadowSky, I daß diese nur dann hohe Löhne erhalten können, wen« die Landwirthe auch gute Preise bekommen. Die Linke konnte hiergegen um so weniger ein­wenden, als sie selbst gerade vorher dem Staats- fekretär Beifall gespendet hatte für de« Satz, daß die Abwanderung der ländlichen Arbeiter in die Städte nicht durch polizeiliche Zwangs- mittel, sondern nur durch hohe Löhne gesteuert werden könne.

Auf der Linken versteht man Überhaupt nichts Anderes, als nur immer Nein zu sagen. Jeder Zollschutz wird abgelehnt, die Grenzmaßregeln werden bekämpft, kurz Alles, was dazu beitragen kann, die Laudwirthschaft gesund und lohnend zu machen, heftig angefeindet, dafür aber verlangt man von ihr, daß sie hohe Löhne zahle und Vieh und Getrerd« womöglich noch unter den Selbst-1 kosten liefere. Dieselbe Inkonsequenz zeige sich ix der immer wieder kehrenden Behauptung, die I kleinen Landwirthe hätten von befferen Ge­treidepreisen nichts, da sie nichts zu verkaufen hätten, sondern noch zukaufen müßten. Und ebenso heißt es dann auch, fie hätten von befferen

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Berlin, 28. Oktober 1902.

* Der Berliner Aesuch des dänischen Aronprtnzen scheint in Paris stark zu beun­ruhigen. Selbst ernste Blätter wie .TempS', ,Debals' rc. verhehlen nicht die Belorgniß, eine Ännäherung der Berliner und Kopenhagener Höfe könne auch innigere Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland anbahnen und Frank­reich schaden. Mehrere Blätter rufen in kind­liche« Wendungen die französische Prinzessin Waldemar an, oon der fie erwarte«, daß sie mit ihrem großen Etnfluffe in Kopenhagen feindliche Machenschaften -?egen Frankreich zu verhindern wiffen werde. J > gemessener Form schreibt der .Figaro', der Besuch des dänischen Kronprinzen beim deutschen Kaiser fei ein Beweis dafür, daß zwischen den Gegnern von 1864 keine Spannung mehr herrsche, und das könne nur zur Festigung des allgemeinen europäischen Frieden« beitragen. Die Wiener »Neue Freie Presse' schreibt, dem Besuche des dänische« Kronprinzen in Berlin sei gewiß eine politische Bedeutung beizumessen; denn er beweise, daß die Jahrzehnte währende Abneigung der Dänen gegen Deutschland nach­gelassen und auch in Kopenhagen sich die Ansicht Bahn gebrochen habe, daß eS besser sei, mit dem Deutschen Reiche in Frieden und Freundschaft zu leben.

* Ae«s«1i. Die »Nordd. Allg. Ztg.' schreibt: In die reichsdeutsche Presse ist eine Erzählung der in Wie« erscheinenden »Alldeutschen Korre­spondenz' übergegangen, «ack der während des Besuches deS deutschen Kronprinzen am Wiener Hofe eine Entfremdung zwischen dem Kronprinzen und den jüngeren Erzherzöge», vor allem dem Thronfolger, eingetreten märe.

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