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„Tllustnrte Sonntags »Zeitung , „Fuldaer ßescbidifsblätter und fotterie»ri$fe.
G 248 Jutöa, Montag, den 27. Oktober 1902. 29. Jahrgang
G Stark gelichtet
zeigten sich am SamStag die Rethen unserer Volksvertreter im Reichstage. Als die T tzung Begann, sah man nur hier und da in den Baaken einige Abgeordnete ihre Partei markiren. Und das hatte die mit Sicherheit vorauszusehende große Rrdkfluth der Sozialdemokraten bewirkt. Auf der Tagesordnung stand heute vämlich bet Fortberathang der Mindestzölle das liebe Rindvieh, und daS war ja für die Lmke die günstigste Gelegenheit, di» Reden, die st« sich neulich hatten „verkneifen" müssen, weil ihre Fletfchnoth Interpellationen von der Tagesordnung abgefitzt wurden, heute von sich iu gebe». Da infolgedessen keine Abstimmung erwartet wurde, reisten gestern die Abgeordneten schaarenweise in die Heirnaihzmück, um über Sonnlag dort dringliche Geschäfte |u besorge«. Das kann ihnen kein Mensch Übel nehmen.
Sie kamen dadurch allerdings um den Genuß, eine 3^/zstündige Rede Bebels mitanzuhö en. Herr Bebel war freilich so bescheiden, zu verrathen, daß es eine reine Menschen qaälerei sei, im Reichs- tage Reden anzuhören und selbst zu halten, nachdem di« Mehrheit das „Unannehmbar" des Reichskanzlers mißachtet habe. Die Rede BebelS, der bei seiner übersprudelnd schnellen Redeweise und seiner Vorliebe dafür, in.etner Rede alles herunterzusagen, was er auf dem Herzen hat, ob's streng zum Thema gehört oder nicht, beiland zum großen Theil aus allgemeinem AuSeinandersitze« über die ganze Zollpolitik und die parlamentarische Sage. Wenn daS so weitergehen soll, dann werden wir bei jedem der umstrittenen Zollpositionen die Generaldebatte über die Zollvorlage «och einmal aufgerollt bekommen.
Das ist das Segenthrtl von dem, waS Herr Bebel über die Absicht seiner Partei sagte: diese wolle nur eine erschöpfende sachliche Behar-d- lung aller Punkte. Herr Bebel hatte schon mindestens eine Stunde gesprochen, ehe er eigentlich zur Sache kam; daS nennt man nun „sachlich" sprechen! Die Linke lachte selbst, als er diese „erschöpfende" sachliche Behandlung sowie über alle Tarifsätze namentliche Abstimmung ankündigte, angeblich nur zu dem Zwecke, damit das Volk er- fahre, wie die Abgeordneten gestimmt haben. Als ob dies nicht ganz klar wäre nach den entscheidenden Abstimmungen und Erklärungen der Parteien!
DeS Weiteren erging sich- Herr Bebel in nicht weniger „sachlichen" Auseinandersetzungen über die Lage der Landwirthschaft. Ganz wagte er die landwirthschaftliche Nothlage nicht zu leugnen (was andere sozialdemokratischen Redner schon gethan haben!), aber er meinte, sie werde übertrieben und sei vielfach selbst verschuldet; die Bauern müßten eben ihre L-benShaltung mehr mit den Erträgen ihres Betriebes in Einklang bringen! WaS würde wohl Herr Bebel sagen, wenn man den Industriearbeitern rathe« würde: Spekulirt nicht auf Lohnerhöhungen, bringt eure Lebenshaltung mit euren derzeitigen Löhnen in Einklang, d. h. ihr müßt euch nach der Decke strecken! Den soz. Arbeitern aber wird Verachtung der „verdammten Zufriedenheit" eingeimpft, den Bauern aber Genügsamkeit und Sparsamkeit ge»
KiS Wechenschcrfi.
Roman von Paul vom Wildbach.
48 ------(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Damals hatte Hohenthal wohl heiter gelacht und ernstlich abgeraihen, solchen weichlichen Gedanken nachzuhänaen, die dem in Roth und Gefahr stehenden Manne nicht ziemten und nicht fruchteten.
J.tzt war das aber anders geworden. Da« Ziel war erreicht; der Man» war erprobt und hatte die Prüfung bestanden; er war eine gefeierte Persönlichkeit geworden, und die Zukunft lag «eit offen vor ihm; da durfte der ehemalige Leutnant es schon wagen, selbst nach der Hand einer Gräfin zu fragen.
Und al« die Frage bald darauf von Scharfenegg in aller Form gestellt ward, da wurde sie »on Cora von Ostmark mit einem freudigen, kräftigen „3a* beantwortet.
®« folgten einige Monate eines fröhlichen, glücklichen Brautstandes, während deren Niemand so sehr bemüht war, dem jungen Paar ein warmes Nestchen zu bereiten, als Hildegard von Ostmark, welche neben der gewissenhaftesten Erfüllung ihrer vielen Vereiusobliegeuheiten eine wahrhaft «ütter* liche Sorgfalt auch für ihre besonderen Schutzbefohlenen, wie ße sagte, entfaltete.
Nach drei Monate« war die Hochzeit, welche in der Erinnerung a« die «och unvergessenen traurigen Ereignisse im Haufe Ostmark im aller- rngften Kreise gefeiert wurde. Dann trat das
predigt! Wahrscheinlich leben die Bauern verschwenderischer als die Arbeiter. Die Bauern dürfen sich diese Brbel'sche Fach (predigt merken, um sie den sozialdemokratische« Agitatoren, wen« diese wieder als „Bauernfänger" (so hat sie der boy-rische Obergenosse v. Vollmar bekanntlich selbst genannt) auf'S Land hinauskommen, um sie mit rothen Kalendern und schöne« Worten für sozialdemokratische Wahlen zu begeistern.
E st der zweite Theil der 3'/, stündigen Rede handelte vo« Viehzucht, Viehzöllen und Fleisch- «oth. Es war aber entschieden der weniger interessante Theil, denn er brachte nur Redewendungen, die wir schon so und so oft von dieser Seite gehört habe«, untermengt mit maßlos heftigen Angriffen auf die „Agrarier", das Cent, um und die Regierung.
Abgesehen von zwei minder belangreichen Richtig > stellungen von Setten bayerischer und sächsischer Bevollmächtigten, kam es am SamStag nur noch zu zwei Entgegnungen auf BebelS Rede, von welche« die eine der preußische Landwirthschaftk- minister v. Podbtelski hielt, die andere der reichsparteiliche Abg Samp, der auch sehr aufgeregt werden kann und sich daher einen Ordnungsruf zuzog. Herr v. Podbielski legte de« Nachdruck darauf, daß die »anit fiten Zustände in Rußland doch «och große Vorsicht bet der Einfuhr von Schweinen und Rindvieh zur Noth- wendigkelt machen. Er hofft auch «och auf eine Verständigung — wie, daS sagte er nicht. Ec wie auch Herr Gamp bestreiten entschirden, daß die Viehzucht so rentabel sei, wie Bebel behauptete, und keines Schutzes bedürfe. Gamp führte auch ein Zeugniß des Berliner Schlachthausdirektors HauSburg an, wonach die jetzigen hohen Preise nur die Folge der früheren zu niedrigen Viehpreise sind, und er zeigte, daß die Schweinepreise bereits wieder im Rückgänge begriffen sind. Für daS nächste Jahr prophezeite Herr Gamp sogar eine wahre Schweinenoth für die Land- wirthe, d. h. Ueberfluß an Schweinen und dadurch einen großen Preissturz. Hoffentlich steht er darin doch zu schwarz.
Nach diesem vielversprechenden Anfang der Viehzollberathung, bei dem mehr vom Schwein als vom Rindvieh die Rede war, wurde die Be> rathung auf Montag vertagt. Hoffentlich stellen sich bis dahin die abgereisten Reichsbote» wieder ein, heute waren ihrer kaum 100 anwesend, von denen 70 etwa zu gleichen Theilen auf Centrum und Sozialdemokratie entfielen. Die konservativen und liberalen Parteien, deren Vertreter es »ach der Heirnath am nächsten haben, schwänzen am schlimmsten.
Berlin, 25. Oktober 1902.
+ Die netteste Iralllionoliste de* Ztzeichr- <66*. die am 24. d. Mts. mit dem Verzeichniß der Bevollmächtigte« zum Bundesrath und der Reichstagsmitglieder herauSgegeben wurde, weist die Parteien in folgender Stärke auf: Centrum
junge Paar eine längere Reife nach Italien, Palästina und Aegypten an — ein Stückchen von dem schwarzen Erdtheil wollte der berühmte Reisende doch auch seiner Gattin zeigen^ Dann sollte Scharfenegg einen ehrenvollen Posten im auswärtigen Dienste einnehmen, zu welchem ihm seine afrikanischen Erlebniffe de» Weg gebahnt hatten.
Nahezu ein Jahr war seit der Ankunft der beiden „Afrikaner" schon dahin gegangen.
Hohenthal, der eS früher nie mehr so lange in den Kulturstaaten ausgehalte« hatte, weilte noch immer im Lande, und »er ihn genauer beobachtete, mußte bemerken, daß in seinem ganzen Wesen eine gewisse Unruhe stch geltend machte. Bald schien er nachdenklich, bald wieder lebhaft bewegt, waS zu seinem sonstigen entschlossenen Wesen gar nicht paßte.
Den Verkehr im Ostmark'schen Hause hatte er seit einiger Zeit gemieden; eines Tages aber erschien er dort wieder und hatte mit der Gräfin eine längere Unterredung.
WaS alles verhandelt wurde, brauche« wir hier «icht zu wiederholen. Kurz, er hatte ihr seine Bewunderung ausgesprochen für den Muth, mit welchem fie an die Erfüllung aller ihrer schweren Pflichten herangettete» sei, und ihr, für den Fall ste seine Hilfe annehmen wollte, seine Hand angeboten.
Sie hatte ihn ruhig auSsprechen lassen und ihm dann geantwortet: „Ihr Antrag ehrt mich sehr, «ein lieber Hohenthal. Trotzdem kann ich ihn nicht annehmen. DaS Schicksal hat mich zu schwer getroffen, als daß ich ihnen noch bieten
106, Polen 14, Konservative 52, Reichspartei 20, Antisemiten 10, Nationalliberole 53; Frei* finnige Vereiniaung 14 fress. Volkspartei 26, süddeutsche Volkspartei 7; Sozialdemokraten 58; Fraktionslos 35; erledigt 2 (6. Liegsitz und 3 Schleswig-Holstein) Rechnet man die Fraktionslosen zu den ihnen am nächsten stehenden Fraktionen, so gehöre» der Mitte des Hauses 184 Abgeordnete an: 106 Centrum, 14 Polen, 10 Elsaß-Lothringer, 3 Deutsch.Hannoveraner, sowie der ReichStagspcäfident Graf Ballestrem, welcher dem Herkommen entsprechend formell keiner Fraktion angehört. Zur Rechte» zählen 99 (52 Konservative, 20 Reichspartei. 10 Antisemiten, 2 .wilde" Antisemiten, 11 Wild Konservative, Bund der Landwirthe 6, 3 bayrr. Bauer- bündler und der christlichsoziale Abg. Siöcker) Zur Linken wolle» außer de« vorgenannten freifinnigen Gruppe« und den Sozialdemokraten nach dem „Ruck nach links" wohl auch die Nationalliberalen gerechnet fein, sodaß sich für die Linke einschließlich 4 „Wilder" die Gesummt- zahl von 162 ergibt.
+ 52 Krsatzrvrhlen haben in der 10. Legi« lainrperiode de« Reichstags vom Jahre 1900 bis jetzt stattgesunden, und zvar inso'ge Ablebens des bisherigen MandatirHabers 34, infolge Man- datsniederlegung 13, infolge Ungiltigerklärung 4 und infolge Aberkennung des Mandat« durch gerichtliches llrtheil (Schmidt-Aschersleben) 1.
+ MahkprSkemge« haben am SamStag in verschiedenen Asthellungen des Reichstages stattgefunden. Die Wahlen der Abgeordneten Hagen («all., 2. Oberfranken) und Dr. Dahlem (Centrum, 3. Wiesbaden) wurden für gütig erklärt. Dagegen wurde« die Wahlen der Abgeordneten Wehl (natl., 14. Hannooc) und Faber (natl., 3. Oberfranke«) beanstandet und, da Wahlproteste Vorlage«, der Wahl- prüfungskommisston überwiesen.
+ Ki«e N»1erpff»stervah«, die Berlin von Süden nach Norden i» einer Länge von 11 Kilometer durchqu-re« und mit einem Aufwand von 56 Millionen Mark von der Stadt gebaut werden soll, ist vom Berliner Magistrat auS- gearbeitet worden.
* Münster, 25. Okt. 1902. Anläßlich der Errichtung einer staatswissenschasttichen und juristischen Fakuttät und der Erhebung der Akademie Münster zur Universität ist die Stadt prächtig geschmückt. Zur Einleitung der Feier fand gestern Abend 'ein großartiger Fackelzug der gesummten Studentenschaft statt. Vor dem Schlosse hielt etud. matb. Kremer eine Ansprache an den Kulturminister, dem zu Ehren der Zug stattfand. Der Minister dankte und bracht« ein Kaiserhoch an», welches begeistert ausgenommen wurde. Nach Abfingen der Nationalhymne wurden die Chargirten vorgestellt* Unter den Klängen de« Gaudeamu« löste sich der Zug auf. Gestern Vormittag fanden in der Domkirche und in der evangelischen Grlöser- kirche feierliche Festxo'te«dienste statt, an welchen sämmtliche geladene Gäste theilnahmen. Vertreter sämmtlicher preußischer Universitäten trafen heut« ein. Um IVI» Uhr fand in der Aula der Uni- verfikät der Festakt statt, an dem außer den drei Ministern die Spitzen der Behörden theilnahmen. Kultusminister Studt brachte der neuen rechtr-
könnt?, was em Mann von fe*net Gattin verlangen darf. Die gegenseitige Hochachtung und Freundschaft dürfe» wir uns immer zolle», aber zu einer glücklichen Ehe genügt das nicht. Auch hat mir Gottes Hand ein anderes Feld gezeigt, auf welchem ich meinen Beruf zu erfüllen habe, und ihm darf ich mich nicht entziehen."
Sie hatte sehr ernst gesprochen, die Frau, welcher so viel z« tragen auferlegt war, und Hohenthal hatte fie schweigend angehört.
Als er dann aber nicht gleich eine Antwort fand, nahm fie wieder ihre» gewöhnliche» ruhig- heiteren Ton an und fragte scherzend: „Soll ich Ihnen einmal eine Liste vorlegen vo» denjenigen, welche» ich allen Mutter und Pflegerin sei» muß? Da ist der Kinder-Verei», der HUflosen-Verein, die Bewahrschnle . .
„Vergessen Sie, was ich zn Ihnen gesprochen, gnädige Frau", unterbrach Hohenthal die Gräfin, „und — beten Sie sür mich, de» ruhelose» Wan- derer, daß die Vorsehung auch mich endlich den friedlichen Hafen finden lasse» möge, den er doch jedem seiner Geschöpfe bestimmt hat."--
Als Hohenthal das gräfliche Haus verlassen hatte, wunderte er sich selbst, daß e« einem Manne, welcher von einer Dame auf eine» ernste» Betrog soeben einen Korb erhalte», so wohl zu Muthe fein könne.
Daß er eine besondere Leidenschaft für Hildegard vo» Ostmark je empfunden habe, konnte er selbst nicht behaupte», für fie so wenig wie für irgend ei« anderes weibliches Wesen. Er war nur voller Bewunderung über die Hingebung, mit welcher fie sich all' ihre« so zahlreiche» und so schwierige» Obliegenheiten widmete, und er
und staatswiffünschrftlichen Fakultät seine Glückwünsche dar. Justizminister Schönstes sprach Namens der preußischen Justiz Vermattung Glückwünsche au«. Namen« der Rektoren sämmtl'cher preußischer Univr'firäken übermittelte der R ktor der Beiliner Univrrstiät die besten Wünsche. F-hr. v. Landsberg tbeilte mit, daß die Provinz Westfalen 50000 Mr. für wissenschaftliche Arbeiten von Angehörigen der Universität gestiftet hab«. Oberbürgermeister Jungbludt machte die Stiftung von 50000 Mk durch die Stadt Münster für 6 Stipendien zu 300 Mk. jährlich für Juristen bekannt. Der Kultusminister theitte eine große Reihe von Auszeichnungen mit. Um 4 Uhr fand ein Festmahl im Rathhau'e statt.
Ans dem Reichstage.
*O 208. Sitzung vom 25. Oktober 1902, 12 Uhr.
Die 2. Berathunz der Zollvorlage wird bei ganz schwacher Besetzung bei der Tarssftell! Rindvieh fortgesetzt Die Regierungsvorlage enthält keine Mindestsätze hierfür, der autonome Tarts steht vor: Bullen und Kühe daS Stück 25 Mk , Jungvieh 15 Mk., Kälber 4 Mk. da« Stück, ferner Ochsen 12 Mk. pro Doppelzentner Lebendgewicht.
Die Kommission verlangt für alles Rindvieh unterschiedloS 18 Mk. pro Dz. Lebendgewicht und alS Mindestsatz 20 Proz weniger, also 14,40 Mk. pro Dz. Lebendgewicht.
Ein Antrag Htzangenheim fordert als Mindestsatz 18 Mk. pro Dz. Lebendgewicht.
Nach einem ausführlichen Referat deS Abg. Aerotd betont
Abg. Aevek (Soz.): Nachdem die ReichStagsmehr- heit das Unannehmbar der Regierung schon bei den Mindefizöllen für Getreide nicht beachtet habe, müßte in einem konstitutionellen Staate der Reichskanzler beim Kaiser auf Auflösung des Reichstages bringen oder, wenn dies abgelehnt wird, dem Kaiser seine Entlastung geben. Für die Mitglieder deS Hauses sei eS bei der jetzigen Lage der Dinge doch eine reine Menfchenquälerei, sei es Reden zu halten, sei es Reden anzuhören. (Lebh. Beifall und Heiterkeit links.) Die Sozialdemokraten würde» keine Obstruktion machen, fie würde» nur auf eine ganz erschöpfende fachliche Behandlung jedes einzelnen Punktes der Vorlage dringen (Heiterkeit), damit das Volk im Lande ganz genau erfahre, um was eS sich hier handle. Und fie würden auch Überall namentliche Abstimmung verlangen (Heiterkeit l'nks), damit daS Volk die Name« derjenigen erfahre, die in. dieser wichtigen Frage für oder wider gestimmt haben. Wenn ihnen freilich wie neulich daS Wort abgefchnitten werde, so würden die Sozialdemokraten freilich auch alS Akt der Rothwehr zur Obstruttion greifen. Die landwirthschaftliche Nothlage fei nicht ganz zu leugnen, aber ste werde übertrieben und fei »um großen Theil selbstverschuldet. Der zweifellos schwierige Betrieb der Landwirthschaft müffe sorgsamer fein, und die Landwirthe müßten ihre Lebenshaltung; mehr mit den Erträgen ihres Betriebe? in Einklang bringen. Bei unS sei die Landwirthschaft ein Lieb- lingSkind der Regierung, und noch dazu ein »et» »ogelte3. (Rufe links: Sehr richtig!). Sonst hätte« die Herrn um Sanitz eS gar nicht wage» dürfen, der Regierung jetzt eine solche Opposition zu mache«. Redner bekämpft die Maßregeln, welche die Bieheinfuhr beschränken, sowie da? Fleischbeschaugesetz. Diese wie die Zölle bezweckten nur, daS Fleisch zu vertheuern. WaS über EinschleppungSgesadr behauptet werde, fei eitel Berede olme thalsächlichen Hintergrund. Der bayer. Minister v. CrailShetm habe verrathen: die Sperre müffe bleiben, denn in Oesterreich sei daS B.eh zu billig! (Graf Kanitz: In Bayern versteht man daS nicht.) Köstlich! Also die Bayern feien zu dumm dazu! Nein, Herr v. Crailsheim sei dem Grase» Kanitz g« ehrlich gewesen. Redner verbreitet stch da»» ausführlich über dte sog. Flei schnoth, wobei er dem Minister v. Podbielski vorwirft, er habe stch zum Agenten
hatte es alS ehe Art Rstterpfilcht gehalten, daß er, als der »ScLfte Frem d ihres selige« Gatte», ihr seine Hilfe dabei anbiete.
Nun sie ihm erklärte, daß sie dieser Stütze keineswegs bedürfe, fühlte er sich in der That wie von einer schwere« Last befreit und für neue Aufgaben frei.
Wenige Tage später war Hohenthal mit kurzem Abschied auS der Hauptstadt oerschivunden, ohne daß er einem seiner Bekannte« hinterlassen hätte, wohl» er fich gewendet.
N cht weit von einem stille» Provinzialstädt» 4en steht ein stattliches Haus, von dessen Giebel ei« großes Kreuz verkündet, wessen Dienste feine Insasse» stch gewidmet habe». ES Ist das Mutterhaus einer Mssfions-Gesellschaft, deren Mitglieder fich de» Zweck gesetzt habe», ihren armen, heidnischen Brüdern vom Stamme Cham im schwarze» Afrika das Licht deS Chrlstenthnms und der Kultur zu bringen.
Der Ober« der Gesellschaft ist ein stattlicher Greis mit asketischen Zügen und einem Augen» paar, au« welchem dar Feuer eines wahrhaft apostolische» Esser« noch heute in jugendlichem Glanze leuchtet.
Vor ihm steht jetzt, wenige Wochen nach den letzten, oben erzählte« Vorgänge«, ein Man« in be» besten Jahren, mit ernstem Gesicht, der soeben die Bitte vo getragen hat, in die Gesellschaft der Missionare ausgenommen zu werden.
„Sie find der berühmte Afrika-R sseude, dessen Erfolge seit Jahren die Welt erfüllen?" srag^ der greife Superior feen Bittsteller, „and Sje wollen wirklich Theil nehme» an unserer beschwe