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Jutöa, Samstag, den 25. Oktober 1602.

29. Jahrgau?i

M 247.

HW j

Urtbetl des I». xnb Auslandes, glänzendes Zeugniß abgelegt yat von der Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie, so ta6 wir «ns zu der Hoff iung berechtigt glaube«, daß ste von nachhaltig günstigem Einfluß auf unser gelammtes Wirthschaftsleben fein wird. Die Ausstellung rot b eine« nicht unerheblichen geldliche» Ucberschuß bringen, der zu gemeinnützigen Zwecke» Verwendung finden soll Die zur Schlußfeier ver­sammelten Fesriheilnehmer danken ihrem Kohen Protektor aus vollem Herzen ehrerbietig iür das warme persön­liche J-tereff-, daS Ero Kaiserliche Hoheit für das der allgemeinen Wohlfahrt de- Vaterlandes dienende Aus-

stellun,-unternehmen gezeigt habe«. Wir wagen die Hoffnung auszusprechen daß dieses große unter Ihrem hohen Protektorat so glücklich durchgeführte Unternehme« auch in Er». Kaiserlichen und Königlichen Hoh-it Er­innerung fortleven wird.

H Lueg, F. Roeber, Vorsitzende.

«skstersa A«ßtUiz«-Mw.

von Jos. Brunau.

XV.

------ (Nachdruck verboten )

Düsseldorf, L0. Okt. 1902.

ZumAbfchiednehmenjust daS rechte Wetter.* To konnte man am Morgen deS heutig?« Gchlußtatzes 6er Ausstellung wohl mit demTrompeter von Säckivgen" fingen, Dis feuchren-kalte« Nheinnebel lagerte« in der Frühe über der Ausstellung und doch, am M.t>sg wollte

Oberhofmarfchallamt

Berlin.

Ew. Majestät melde» wir ollerunlerlhättzst den heute stattfindenden Schluß ter Industrie- und Kunst- Ausstellung Wird fi d beglückt hintufügen zu dürfen, daß die AuSstellu-g nach übereinstimmendem UrthM des In- und Auslandes Mizendes Z ugn ß abgelegt hat von der LeiftvngSfähihke t der deutsch?« Industrie, so daß wir unS zu der Hoffnung berechnt glauben, daß ste von nachhaltig günsttgem Einfluß auf unser ge« sammleS W rthschaftSlebrn sein wird Die Ausstellung werd eine» nicht unerheblichen Uebetfchrß erbringen, der zu gemetnnütz'g«» Zw-cken Betwendung stade» scll Vie zur Schlußfeier vei sammelten F fttbeilaehmer sind dankerfüllt in der Erinnerung an Ew Majestät allerguä- dtgsten Besuch, a» die huldvolle Genehmigung der Ueber- nahme des Prot ktorateS durch Se. Kaiser! chr und Königliche Hohheit den Kronprinzen und an die Ent­sendung der Kriegsschiff« Vanth-r und Sleipner, deren Aufenthalt auf dem AuSstrllungSgelände zur Hebung deS JntrreffeS an der deutschen -reewehr in erfreulichem Raaße beigetrageu hat. Di» Festv-rsammlung eröffnet die heutige Feier durch begeisterte Huldigung an Ew. Moj ftät, al« den E Halter und> derer deS Frindens, durch den diese Entfaltung der Kräfte deutsche» FleißeS ermöglicht wurde.

H. Lueg, F. Roeber, Vorsitzende.

Au zweiter Stelle sprach Herr P ofeffor Fritz Roeber.

Ja traumhafter Schnelle zog sich eine Zauber­stadt den Rheinstro» entlang, in die Industrie und Gewerbe einzogen, mit de« gewaltige« schein­bar von kyklopendänden gefügte» Maschinen und allen Wundern der Technik. Ueberall gewann da» tobte Material Lrbeu. Durch unsichtbare Kräfte bewegt, drehten sich ungeheure Räder in rasendem Schwung, in stan- und augenverwirrender Schnelle. Auf und nieder, hin und her gingen im Gleich­takt die mächtigen stählernen Kolbenstangen, hoch Vefe« die weitgespannten Krahne» und aus den leisesten Wink neigten und hoben sich die riesige» Geschütze, da« ganze eine st»uner««e the Summe von Genie, Thalkrast und Arbeit, die Leistungen mr zweier Prssinzen unsere« Staate« auf den Gebieten der Industrie und des Gewerbe«. Und mitten darin et« Palast tu vornehmer Rahe wie ein alter Pairtsierbau, «in Hriligthum der Kunst, im Innern Schätze altes und neuen Schaffen« bergend, eine Zuflucht für Alle, die au« dem Sturm und Drang sich h eine Oase innerer Harmonie und Sammlung flüchten wollten. Die­selbe Industrie errichtete dies G bände, bereit Kräfte man durch den scharfen Kampf um die «irthlchzstliche kxisteuz vollständig tu Anspruch ge­nommen glaubt«, von der mau erwartete, daß sie nur noch da« Materielle im Leben schätzte. Richt, daß der stolze Bau al« ein bleibende« Denkmal für dis Ausstellung erhalten bleibt, erfüllt un« mit so hoher Freude, denn bw Erinnerung an diese Ausstellung wird sobald nicht verlöschen, sondern daß die Industrie e« ist, welche bekundet, daß ihr die Pflege der Kunst al« eine noth- rvendige Lsberrrediugung für alle erscheint, daß der Kultur der Schönen und Ideale» nicht unter­drückt werden darf durch die schwere Last der Tageearbeit. Verlangt doch auch da« moderne Empfinden immer mehr «ach künstlerischem Ein­fluß auf da« größte wie do« kleinst?.

Jugeudfrisch, «oller Hoffrnmgm tritt unsere erste große Kunstausstelluug ia dir Welt. Glück- verheißend möge es da fei«, daß sie mit der Ke- sam»t-Ausstellung den Name« bei jageudliche« Hohenzollrru.Gohres aa der Dpitzchsühren durfte. Seine Begeisterung für das Gchöee, seine ein« flehende Ttzeilnahme für die Birlseitigkeit der techni­schen Errungenschaft«« habe« dem deutschen Kro«- privzen tm Sturms dis Herze« gewsnur«. Auch t» Zukunft, dtff-n find wir gewiß, wird Seine Kaiser!. Hoheit Allen», wa« eS in Industrie und Kunst Gewaltiges und Großes gibt, sein Interesse bewahre« und seinen hohe« Schutz gewähre«. Lasse« Vie unS dem Danke, den dis Ausstellung dem Kaisersahne schuldet, Ausdruck gebe« in demRufs: Seine Kaiser!. Hoheit der Kronprinz deS Deut­sche« Reiches und von Preußen, er lebe hoch!"

Nachdem alsdann Oberbürgermeister Marx nochmals allen venDark Düsseldorfs ausgesprochen hatte, machte er b«kannt, saß dem Borfitzenden der Industrie-AusstellungGeheimrath Lueg das Ezr-enbürgerrecht verliehe« sei und daß im Kunst« palaste sine von der Stadt grstistete Ehrentafel den Name« und daS Bild des Vorsitzmde« der

Elt des Bdbgea

Utastrfrte Sonntags-Zeitung",Suklaer ßestbkNsbläHer* und rofietfe-DsÄ.

Die Politik des Grafen Bülow hat auch in anderen Dingen nur kleine Kreise auf ihrer Seite. Da« zeigte sich besonders bei dem Besuche der Buren generale in Berlin. Nur einige mehr oder minder abgeblaßt freisinnige und nationalliverale Blätter vertheidigten die osfizielle Haltung gege» die Burenhelde», von denen Beamte und Militär keine Notiz nehmen dursten. Da­gegen waren sowohl die konservativ gerichteten, tote die ganz link stehenden Schichten der Berliner Be­völkerung voller Begeisterung für die Buren undver- urtheilten um so schärfer die zugeknöpfte Haltung der amtlichen Kreise. Auch der pekuniäre Erfolg der Buren war sehr groß. Diese haben sich ihrerseits durchaus taktvoll benommen, und es fiel weder aus ihrem Munde noch auS der Volksmenge irgend ein Wort, das in London oder sonstwo hätte mit Grund verletzen können. Nun sind die Generale wieder in London, um die Verhandlungen mit Chamberlain fortzusetzen.

Chamberlains Weltpolitik sorgt übrigens selbst dafür, daß es den Engländern niemals an Sorgen, an Gut- und Blut-Steuern fehlt. Kaum sind sie den Krieg in Südafrika los, so macht ihnen ein verachtetes, von Islam durchsetztes Negervolk in der Mitte des schwarzen Erdtheils schwere Sorge. Im Somali­lande hat sich einer jener fanattschen Volkstribunen und Sektirer des Islam, dertolle Mullah", der von einem europäischen Abenteurer, einem ehemaligen österreichischen Osfizier Namen« Karl Inger unterstützt wird, eingenistet und herrscht angeblich über 2040000 Krieger. Eine englische Expedition unter Oberst Swayne, die gegen ihn ausgesandt war, hat Schlappen über Schlappen erlitten und ist sogar in Gefahr, daß ihr der Rückzug zur Küste abgeschnitten wird. Es könnte ihr also ein ähnliches Schicksal beschieden sein, wie dem edlen Gordon in Chartum. Hoffentlich erreichen die ausgesandten englischen Verstärkungen den Oberst Swayne noch früh genug, um ihn mit seiner stark geschätzten, an Munition, Lebensmitteln und Waffer »othletdenden Truppe in Sicherheit zu bringen. Zur Niederwerfung des Mullah genügen jedenfalls die englischen Streitkräfte im Somalilande nicht, und er haben daher mehrere indische Regimenter bereit» Marsch­ordre nach Astika erhalten.

Während so der Islam in Afrika stürmisch al» Angreifer vorgeht, in all seiner ursprünglichen Wild­heit, muß er sich im Südosten Europas in der Defensive halten. Die Türkei hat alle Hände voll zu lhun, um der ewigen Ausstände in Mazedonien und Albanien Herr zu werden. Die gebirgige Natur des Lande» be­günstigt de« Bandenkrier, und es bleibt je en falls ab­zuwarten, ob die letzthin gemeldeten Scv appen der bulgarischen Banden de» Aufstand schon j yt erlöschen lassen. Von Bulgarien her sollen sie allero ng» keine Hilfe zu erwarten haben die bulgarische Regierung hat de» Mächten versprochen, scharf auf die Unruhe­stifter aufzupaffen. Aber es bleibt abzuwarten, ob e» ihr gelingt, alle Schlupflöcher an der Grenze zu ver­stopfen. Die letzten Meldungen lauten sogar wieder recht hoffnungsvoll für die Aufständischen.

Bon den Halbbarbaren im Orient bis zu deran der Spitze der Civilisatton marschierenden" grande nation ist ein weiter Schritt. Aber die gegenwärtige kirchenfeindliche Hetze in Frankreich, die mit erfundenen Klosterskandalen und anderen unsauberen Mitteln arbeitet, läßt die heutige Civilisation Frank­reichs auch nicht gerade in glänzender Beleuchtung erscheinen. In dem Taumel, der die Kirchenfeinde er­griffen hat, verlangen sie jetzt gleich ganze Arbeit: Da» Konkordat soll gekündigt, die Trennung von Staat und Kirche proklamirt, das Kultus­budget gestrichen, die Gesandtschaft beim heiligen Stuhle aufgehoben werden. Das war selbst dem radikalen Ministerpräsidenten Combes zu viel auf einmal. Er wehrte sich gegen die sofortige Berathung dieser Anträge und ließ durch einen seiner Getreuen einen Kammerbeschluß herbeiführe», welcher alle jene Anträge zunächst einer großen Kommisfion überweist. Aus dieser werden sie wohl so schnell nickt wieder herautkommen. E» wäre allerdings grundfalsch zu glauben, nun wäre für die Katholiken nichts weiter zu fürchten; soll ihnen doch jedes Recht aus eigene Schule» geraubt werden! Sie müssen also dem glänzenden Vorbilde der Bischöfe, die eine so herrliche Pcotefl- schrist gegen die Klosterstürmerei erlösten, ungeachtet der ihnen drohenden Rache der Jakobiner, folgen und einmüthig immer und immer wieder Recht und Freiheit gegen die rohe Gewalt vertheidigen.

Inzwischen wird die Verlegenheit, die der ftanzöfi- schen Regierung in den großen Arbeiteraus- ständen erwachsen ist, immer größer. Auch die Hafen­arbeiter streiken jtGt in Masse und unterstützen da­durch die Bergarbeiter, deren Auftreten leider immer gewaltthätiger wird. Dagegen hat der große Bcrgarbeiterstreik in Amerika ein ftiedliche» Ende gefunden freilich nur ein vorläufige».

In Venezuela ist ei den Ausständischen nicht gelungen, Castro zu fangen. Sie mußten sich bei La Viktoria mit schweren Verlusten zurückziehen. Der Ausstand ist damit freilich noch lange nicht entschiede«.

wohl dem Tag«Sgestirn da» Aufkommen gegen die grauen Woikrmnaffen recht schwer wurde.

So find wir denn «och eirmil im lieben Düsseldorf vereinigt, um dem glücklich vollendete« und gelungenen Werke8Met" zu sage«; noch einmal flattern do« allen Thürme» die bauten Wimpel zum Willkommen, noch einmal gleit't daS Auge über all die Pracht und all den in feste Materie« gebannten (Seift, der auch heute, wo der Ausst llung letz es Stündlein geschlagen, »och den Zug ir8 Große, die u> verblichene achtunx- gebietewbe Majestät gewahrt hat.

Gr sind ihrer noch recht oute, welche den Wunsch hatten, der Ausstellung in den letzten Tage« »och einmalGuten Tag" zu sagen. Ganz enorm war der Andrang gestern am letzten Sonntage, wo die Besucherzahl 95,685 erreichte. Und heule drängt es sich am frühen Morgen sckon, am M trag fluthet es überall und der Abend mit den in Aus sicht gestellten großen Ver- anstaltUNgen wrrd ohne Zweifel et» lebensgefähr­liches Gedränge bringe«. In bet mächtigen Kuppelhalle, da wo der Grössnungsakt sich vollzog, waren wir heute auch versammelt, um den Abschied zu feiern, bei welcher Gelegenheit denn auch denen, die preis gekrönt au» dem Wett­bewerb der Kunst, Industrie und deS Gewerbes hervorgegangen find, ihre Anerkennung zu Theil werden soll.

Leider war es in der Halle so unruhig, daß von de« Reden nur wenig verstanden werde« konnte. Als erster Redner hob Herr Geheim­rat» Lueg nochmals die großen Schwierigkeiten hervor, welche dem Werke entgegengestanden. Mit Stolr durfte er alsdann sage«:

Wir find überzeugt, mit unserer Ausstellung dem gesummten Vaterlande einen Dienst ge­leistet zu haben, der wohl die großen Opfer «verth ist, die vor der rheinisch-westfälischen In­dustrie für das U ternehmen gebracht find.

Besonderes Interesse weckte« die Ausführungen über das fina«-i lle Ergedniß, zu welchem Redner sagte: Freue« wi- uns, daß heute mit absoluter Sicherheit feststeht, daß wir nicht nur den Garantiezeichnerk ne eingezahlten Beträge mit ZinS und ZinseSzi-r zurückgeben und auch den rückzahlbaren BeitrarsfondS von annähernd */* Million Mark zurückerstatten könne«, sonder» daß wir auch, nach Erfüllung unserer sämrnt« lichen Verbindlichkeiten, einen nicht unerheblichen Ueberschuß behalte», über dessen Verwendung zu gemeinnützigen Zwecke» seinerzeit daS Haupt­komitee zu beschließen haben wirb.

Heber de« Haupttheil unseres UeberschusseS haben wir, wie Sie ja alle wisse«, im Voraus verfügt, er ist der Kunst von Rheinland und Westfalen zu Guts gekommen, die nun ein dauerndes, würdiges Heim gefunden hat. Möge« die Hoffnungen, die c-on der Künfilerschaft an diese Heimstätte geknüpft werden, in Erfüllung gehen, daS Knnstausstrllangsgebäude ei« bleibendes Denkmal fei« an die Ausstellung 1902, der es seine Enistrhung verdankt!

Möge diese Schöpfung auch der nächste» Aus­stellung, die ich ja wohl nicht mehr erlebe« werde, zu Gute komme», möge ste wiederum ein Glanz­punkt sein, um den sich die gijantischen Werke der Industrie schaare». Ich denke, daß wohl selten ein schönerer Platz eine Ausstellung ge­tragen hat, als unsere Golzheimer Jftsel, und daß Düsseldorf wiederum bewiese« hat, wie sehr e8 durch seine zentrale Lage im rheisssch-west- Mischen Industriegebiet für Nusstellunzen be­sonders geeignet ist.

Von dieser Ueberzeugunq und von den Er- fahruugen des Jahres 1880 ausgehend, hatten wir auf einen starken Besuch bestimmt gerechnet und angenommen, daß der BevölkerungszuRnhme entsprechend, annähernd 2*/s Millionen Mensche» die UuSstellung besuchen würde».

Mit Befriedigung können wir heute feststellen, daß unsere Voraussetzungen eingetrcffeu find, trotz der uszünsttgen wirthschastlichrn Lage, die wir nicht in Rechnung gezogen hatte«, und trotz des ungünsiizea Wetters, oaS dem Ausstellungs- besuche große« Abbruch gethan hat.

Bis zum 15. Oktober ist die Ausstellung von 3 056 627 zahlende» Besuchern und die 36 681 Lbonnente» eingerechnet, im ganze« von 4 882 450 Personen betreten worden. Sn Eintrittsgeld, einschließlich der Abonnements, find 3 184 355 Mark eingenommen worden.

Redner schloß mit einem Hoch auf den Deutschen Kaiser.

Es wurde die Absendung folgender Tele­gramme beschlösse«:

Seiner Kaiserlichen Hoheit dem Kronprinzen

Bon».

E». Kaiserlichen nnb Königlichen Hoheit tli unserem hohen Protektor melden wir ehrerbietigst, daß heute die Industrie- und Knust-AnSstkllnng geschlossen roird. Wir rooren hocherfreut, Seiner Majestät de» Kaiser melden

Wochen-Rnrrdfcharr.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 23. Okt. 1902.

Die Würfel sind gefallen!" Wie oft haben wir toohl in diesen Tagen da» Wort Cäsar», als er den Rubicon überschritt, an der Spitze von Zeitungsbetrachtungen über die Zollkämpfe im Reichstage gelesen! I« der Tdat, mit den Ab­stimmungen am Dienstag ist die Entscheidung über die Zollvorlage der Regierung gefallen. Noch einmal hatte der Reichskanzler die Volksvertretung befchrooren, das Erreichbare nicht zu gefährden"; alles hatte er aufgeboten, die düstere Prophezeihung, einen land- wirthschaftlicheren Kanzler al« ihn werde man nie «ehr haben, auf höhere Getreidezölle werde sich dar Ausland niemals einlassen, die Regierungen müßten in dieser Sache ein höheres Maß von Autorität bean­spruchen u. s. to. es war Alles vergebens. Der Reichskanzler vermochte die Mehrheit nicht davon zu überzeugen, daß die 50 Pfennige mehr, welche die Kommission beschlossen, Handelsverträge unmöglich machen müssen, und daß die Vorlage der Regierungen wirklich das äußerste Maß dessen vvrstellen, was diese der Landwirthschaft zugestehen könne. Im Gegentheil, die Mehrheit war der Meinung, daß von einem freundschaftlichen Entgegenkommen einer Regie­rung, die starr auf ihren eigenen Vorschlägen beharrt «nd kein Tüpfelchen davon ablasseu will, doch wirklich nicht gesprochen werden könne, daß hingegen die Reichstagsmehrheit den Regierungen schon sehr weit, man behauptet sogar: bis zur äußersten Grenze deffen, was im Interesse der nothleidenden Landwirthschaft gefordert werden muß, entgegen­gekommen sei. Unter solchen Umständen konnte auch dasUnannehmbar" des Reichskanzlersun­annehmbar in jedem Stadium der Verhandlungen" nicht verhindern, daß die Mindestsätze der Kommission für Roggen und Weizen (öVa und 6 Mark) mit starker Mehrheit angenommen wurden, die Regierungsvorlage also gar nicht «ehr zur Abstimmung kam. Dagegen erklärten fich nur kleine Minderheiten für die weitergehenden Anträge Wangenheim und Heim.

Dasselbe Bild wie bei Roggen enb Weizen zeigte sich natürlich dann auch bei Gerste und Hafer. Nur tritt gerade bei der Gerste der Gegen­satz noch schärfer hervor, weil der Unterschied zwischen dem Satze der Regierung (3 Mark) und der Kom­mission (5*/a Mark), sowie dem Antrag Hei« (6 Mk.) hier viel bedeutenver ist. Daran ist insbesondere die bayerische Regierung schuld, welche im Interesse der dortigen großen Exportbrauereien, die sganz unge­rechtfertigter Weise die ausländische Gerste bevorzugen, um den GerstenpreiS im Jnlande möglichst zu drücken, den Gerstenzoll so niedrig als möglich gestellt wissen will, während umgekehrt die Vertreter und Freunde der bayerischen Landwirthschaft, die heute selbst erst­klassige Gerste kaum noch, jedenfalls aber nur zu unlohnenden Preisen verkaufen kann, der unge- meflenen Einfuhr ausländischer Gerpe eine einiger­maßen wirksame G-enze setzen wollen. Dieser Gegen- satz, der übrigen» auch sonst in Süddeutschland und großen Theilen Norddeutschlands (z. B. Schlesien) von großer Bedeutung ist. beherrschte die Debatte. Außerdem arbeiteten die Redner der Linken mit dem Argument, daß die Gerste möglichst billig sein müsse, «m als Viehfutter zu dienen «nd so billiges Fleisch schaffen zu helfen. E» ist aber nicht zu erwarten, daß der höhere Gerstenzall die geringere Gerste, die nicht zur Brauerei verwendet wird, nennenswerth vertheuern wird. Andererseits ist sicher, daß ein stärkerer Zollschutz für Gerste auch len Anbau von Gerste steigern und dadurch auch jener Viehzucht, die Gerste alt Futtermittel verwendet, nützen wird.

Die Frage ist nun: Was werden die Regie­rungen thun? Die Herren Sattler, Barth «. A. haben gerathen, den Reicht tag aufzulösen. Das konnten sie um so le chter, al» sie darüber beruhigt sein dürfen, daß die Regierungen ihre» Rath doch nicht befolgen werden. Dean ton» könnten sie dabei gewinnen? Geht die Linke aut den Neuwahlen verstärkt hervor, so ist da» für diemittlere Linie", welche nach dem Reichskanzler der Regierungteutwurf darstellen soll, ebensowenig ein Gewinn, als wenn die Rechte verstärkt wird. Einen Zolltarif kann die Regierung überhaupt nur mit den jetzige« Mehrheits­parteien, insbesondere mit dem Lentrum zu Stande bringen. Ein anderer Rath ist der: Die Vorlage jetzt zurückzuziehe« und dem Reichstag einen anderen Gesetzentwurf vvrzulegen, durch welchen eie bisherigen Handelsverträge einfach verlängert werden. DaS geht natürlich nicht ohne vorherige Verständigung mit de« Auslände und dürfte bei der Reichstagsmehrheit auch wenig Gegenliebe finden. So steht «an i« der Dhat jetzt vor einem Rithfel; die HandelSpblitik der Regierungen ist in eine Sackgasse gerathen, au» Welcher ein Ausweg bis jetzt nicht erkennbar ist es fei denn, daß die Regierungen bi» zur 3. Lesung fich doch noch entschließe», in den wesentlichsten der strittigen Punkte dem Reichstage entgegenzulommen. Graf Bülow freilich wird diesen Rückzug kaum antreten können. Und ein anderer Kanzler? Ja, der könnte die» vielleicht, aber wir glauben nicht an einen Kanzlerwechsel; der ganze Kur» gehtoben" zu sehr in der Rtchtung der Exportindustrie-Wünsche, so kräftig auch Graf Bülow versicherte,von oben" habe man sich in die Gestaltung de» Zolltarif» in keiner Weise einzemischt.

der Himmel Ute Düsseldorfer Ausst llung »icht au dürfen, daß dir AuSkellung nach übereinstimmendem ohne einen freundlichen Souueusiadl lassen, wie- heS Knb Auslandes, oiämenhe« «euenift