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„Blusfrirte Sonntags-Zeitunq , .Juldaer Beschichtsblätter* und rottene-risfe.

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M 245. Juköa, Donnerstag, den 23. Ottober 1902.

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29. Iatzrgau^

G Die Gerste

ist dasjenige Gewächs, aus welchem das edle Bier gebraut wird. Darum ist eS kein Wunder, daß der Serstevzoll heute im Reichstage noch so viel Interesse fand und so heiß umstritten wurde, »bwohl doch »ach den gestrigen Abstimmungen das Schicksal des ganzen Zolltarjfes doch bereits als besiegelt gilt. Oder sollte die launige Be- merkung bei Präsidenten Grafen Balleflrem, der, als er zu Ehren der 200. Satzung (das «ar die heutig« Sitzung) einen schönen Blumen­strauß auf seinem Platze fand, die Hoffnung aussprach, das möge eine gute Vorbedeutung sein, auf daß auch der Spätherbst der Session noch schöne Blumen und segensreiche Früchte der Gesetzgebung zeitigen möge, etwa einen ernsten Hintergrund habens

Die Gerste soll nach der Regierungs» Vorlage einen Mmdestzoll von 3 J6 tragen — mehr wol­len die Regierungen, besonders die bayerische, im Interesse der Großbrauereien, welches heute auch von dem bayerischen Bevollmächtigten Mtnisterial-Direktor v. Geiger wärmstens ver­treten wurde, nicht bewilligen. Dagegen verlangt der Kommissions-Antrag 51 /8, der Antrag Heim 6 Jfc Mm estzoll. D e bayerischen Bauern legen nämlich ganz besonderen Werth auf einen aus­reichenden Gerstenzoll, damit die ausländische Ein­fuhr etwas beschränkt werd'. Jetzt bleibt nämlich sogar die beste Braugerste in Bay irn vielfach un­verkäuflich, weil die Gr oßbrauer eie», um den Gersten­preis im Inlands zu drücken, was ihnen bisher nur zu sehr gelungen ist, die ausländische Gerste bevor­zugen. Die Gerstenpreise, sowie dteHopferpkeisefind heute so niedrig, daß dir Brauer recht gut oaS Bier so billig liefern könnten, daß eS im Aus­schank nicht mehr als 8 bis 9 Pfennig das halbe Liter zu stehen käme. Es ist daher auch Ußjten, wenn von einer Bierpreiserhöhnng in Folge der Gerstenzollerhöhung gesprochen wird. Bei den Hohr» Dividenden der Großbrauereien wird es ihnen ein Lrichtes, und bei ihrer Konkurrenz werden sie andererseits auch gezwungen sein, die Zollerhöhung selbst zu trage». DaS mußte der der fre,finnige Abg. Dr Röficke-Dessau, der selbst Generaldirektor mehrerer vereinigter Groß- -rauereie» ist, denn auch zugegeben, wenn er sich nachher auch den unbedachte« Z otschenruf ent­schlüpfen ließ: „Nur vorübergehend! um nach­her um so mehr herauSzuschlagen!" Die nackte Profitwuth deS Großkapitals kam hierbei so recht deutlich zu Tage. Doch wird eS mit dem "HrrauSfchlagen" wohl noch gute Wege haben. Immerhin ist es brmrrkenswerth für die Kühn­heit dieser Herren, daß ste, die trotz aller großen Dividenden, dir sie jetzt schon einheimsen, für die Zukunft verheißen, dre Profitschraubr noch schärfer anzuziehen, einem Abg. Gerstenberger, der als armer Land Pfarrer uneigennützig seine ganze Kraft daran setzt, um seinen bedrängten Bauern zu Helsen, „Jnteressenpolitik" vorzuwrrfen wagen, wie eS H-rr RSsicks getha» hat. Ja, warum rede« Sie denn heute im Reichstag, Herr Brauereidirektor?

Der'Abz. Gerstenberger fertigte den Herr» mit schneidendem Sarkasmus ab und hielt ihm, der vvrfchützte, das Interesse der Kleinbrauer

Kiö Wechenfchcrst.

Roman von Paul vom Wildbach.

<0 ------(Nachdruck verboten.)

Doch nur einen Augenblick--so sah er

schon ei», welch' einen Fchler er machte, wenn er sich ängstlich zeigte. Mit Gewalt nahm et i sich zusammen und sagte, indem er eine Thräne in seinem Auge zu zerdrücken versuchte:

„Verzeihen die g-äbige Frau Gräfin mein Erschrecken. . . Es ist jr kein Wunder, wenn «i« treuer Diener unserer geliebte» Herrschaft unter all' den traurigen Ereignisse» der letz en Zeit nervös wird."

Aber seine gewohnte Sicherheit wollte doch nicht Wiederkehr»; er hatte ein Zittern in den Beinen, das er noch nie empfand, mb e8 war ihm, als ob jede« Augenblick die Polizei und Gendarmen eintrete» würden, um ihn mitzunehmen.

Dte Gräfin setzte den Zweck ihres Kommens kurz auseinander; sie wolle durch eine besondere Wohlthat den Pächtern gegenüber das Andenken ihres verstorbene« Gatten ehren und sich deshalb zunächst über den Stand der Güter uns die Lage der Verhältnisse inforwiren.

Unter gewöhnliche» Umständen würde Unding, soweit eS an ihm lag, sich einem solchen Vor- haben entschieden widersetzt haben. De» Pächtern freiwillig eine Wohlthat zuwenden — da» war P eine Umstürzung seines ganzen bisherige» Systems, welche« ausgesprochenermaßen darauf ausging, uus denselben nur immer so viel wie Möglich herauszupressen. Jetzt aber war er nicht

zu vertreten, mit Recht vor, wie die Großbrauer draußen im Gegentheil Alle« daran setzen, die Kletnbrauereien todtzumachen. Diese haben auch weniger Interesse an einem niederen Serstenzoll, da sie ohnhtn meist inländische G rste verarbeiten und, gerade auf die Bauern al« Konsumenten am meisten angewiesen, an deren Wohlergehen selbst stark interesstrt find. Es ist also auch thörichte« Gerede, wenn der Abg. Müller- Meiningen von einer „Strcingulirung" der Klein­brauer phantafirt. Diesem Redner der freisinnigen Volkspartei konnte Herr Gerstenberger übrigen« einen Aufruf der Münchener Groß- brauereien zu Gunsten be« Wahlfond« der freisinntaen Volkspartei entgegen- halten. Da müssen sich die Herren hier im Reichstage doch dankbar erweisen!

Dieselbe Stellung, die auch noch Herr Got- Hein zu verlheisigen suchte, nahmen auch die Sozialdemokraten ein, deren Sprecher Dr. Süde- kum war. Dieser legte außerdem noch besonderen Nachdruck darauf, daß die Geiste al« Futtermittel recht billig sein müsse, damit wir auch möglichst billiges Fleisch bekommen. Diesem Einwand trug Abg Gerstenberger insofern Rechnung, al« er sich mit seinen Freunden vom Centrum bereit er­klärte, die Futtergerste au« dem Mindest­zoll her auszunehmen.

Im selben Sinne wie der Centrumsredner sprachen auch Abg. Hilpert vom bayerischen Bauernbund und Abg. v. Kardorff von der Retchspartet, der unter lebhaftem Beifall rechts und in der Mitte die Solidarität der ganzen Landwirthschaft in Nord und Süd pro« Uamirte gegenüber den Versuchen der Linken, nie Viehzucht-Interessenten gegen die Gerstenbauern aurzuspielen. Herr Dr. Hieber endlich aus Württemberg stellte sich al« Naiionalltberaler natürlich aus den Boden der Regierungsvorlage. — Nach 6 Uhr wurde die Weiterberathung auf Dsnnerstag 1 Uhr vertagt.

Berlin, 22. Oktober 1902.

+ Nachlese wird in be» Blättern von de» DienStagS-Abstimmurtgen im Reichst« re gehalten. ES zeigt sich dabei, daß die Angaben über einzelne der Abgeordneten, ob sie gefehlt oder sich enthalte«, mit Ja oder Nein gestimmt h -be«, noch nicht ga»z sicher sind. Man wird also gut thun, in dieser Beziehung den amtliche» stenographische« Bericht abzuwarten. Soviel er­gibt sich aber schon jetzt als sicher, daß 1. nicht 6 — 10, sondern mehr als 10, wahrscheinlich 14 konservative Abgeordnete dem Bunde der Landwirthe die Gefolgschaft verweigert, 2. sechs Nati-«nalliberale trotz der gegenteiligen E senacher Resolution für die KommssstonSbe- schlüffe gestimmt, und 3. die bayerische» Bauernbündler entgegen dem, was nach de» Worte« ihres Sprechers Bachmeier erwartet wurde, bei der Abstimmung über de« Antrag

im Stande, etwa» anderes zu thun, als zu allem, was die Gräfin vorschlug, einfach „ja" zu sagen.

Die Gräfin fragte auch nach den Verlusten bei dem Löwenthal'schen Bankbruch. Da tonte er kaum eine Zahl nennen; er wußte nicht, ob er dir wirkliche Einbuße oder die angebliche von ihm in die Bücher eingetragene Summe vor- bringen sollte.

Und die Gräfin ließ nicht locker. Ec hatte gehofft, nach einige« Minute» werde sie sich wieder entfernen; aber sie stellte immer neue Detailsr«ge», al« suche sie mit Absicht ihn zu verwirren. Woher ste nur solche Sachkenntnisse hatte — hatte sie sich doch früher nie um die Verwaltung kümmern dürfen — jedenfalls hatte da der alte Shrbach feixe Hand im Spiele. Dieser hielt sich zwar so reservirt und sprach fast leie Wort, spielte nur be« stille« Zuhörer, aber sicher wer ihm kein X für ein U vorzumachex.

Dem k uge« Rentmeister Unding stand schon lange der Helle Angstschweiß aus der Stirn, als ihm endlich ein Ausweg einfiel.

Er sagte bet Gräfin, daß er fich unwohl fühle und bitte, die weiteren Auskünfte für einen späteren Tag verschieben zu dürfen.

Die Gräfin hatte bie ungemüthliche Stimmung Fiuding« längst bemerkt. Aber eine unbestimmte Ahnung hatte ihr gesagt, daß an seinem un> sichere« Auftreten keineswegs ein körperliches Uebelbeftiben allein schuld sei« körne, und eben deshalb war sie um so energischer mit ihre« Fragen in ihn gedrungen.

Die Bitte, die Untersuchung verschieben zu wollen, mochte ste freilich nicht ab schlagen, aber

Wan gen heim sich der Stimmabgabe ent­halte», dagegen später für die KommisfioiS- beschlösse gestimmt hab»». Das wird man fich in Bayer» merken müssen für den Fall, daß Bauer» bundSblätter etwa das Centrum angreifen, weil eS nicht für die unerreichbaren Sätze beS Antrags Wangenheim gestimmt hat. Für bie nationalliberalen Agrarier bittet bie Natliv. Korresp. ihre links sieh ende» Parteigenossen bereits um gut Witter: Sie seien vielleicht durch Versprechungen gebunden gewesen! 9bn aber dürfen solche Versprechungen bei Wahlen nicht wehr gegeben werde«; wer'« glaubt! O du be- wundernSwerthe nationalliberale „Einigkeit" l

+ „Ks wird fortgewu»fielt k" So rufen die Preßsrgane der Linke« ärgerlich aus, weil es heute Muern Zwe f«l mehr unterliegen kann, daß die Verbündete« Regierungen trotz aller Zoll- gegnerschaft gegenüber den MehrheitSparleie« sich doch nicht in einen dauernden Gegensatz zu diesen hineinfetzrn lassen wollen. Tie wisse«, warum! Mit oem Liberalismus macht man heute keine Wable» mehr, und die Sozialdemokratie als Regierungspartei? B rr! Der Reichstag wird daher nicht aufgelöst und auch die Zollvor­lagen werden nicht zurückgezogen. So er­klären heute ix wehemüthiger Usbneinstimmung alle Blätter der unterlegenen Minderheit. Scho» fürchten Einige, es körnte bis zur 3 Lesung doch »och une Verständigung zwischen Regierung und R-tchswgLm.hrheit ar-gebahnt werde«. Doch daS glauben wir nicht. Und w?-u auch: Wie will man der Obstruktion Herr werden? Der Zolltarif ist tobt — daran ist nichts mehr zu ändern, eS müßte dann ein politisches Wunder geschehen. . .

h Die Ke«krr»«sf»sktiou der Reichs­tages bettelt) heute wettet die Bindung bet Gersten- und Haferzölle und erklärte fich mit be« KLmmiffiosSbeschlüffen bet 2 Lesung einverstanden. Nur bet bayerische Theil bes Centrums mit Dr. Heim an bet Spitze wird für die von Heim beantragten 6 Mark für beide Arten stimmen.

h Die Mvli»ty«küo«mlffisx he»zfieich». tage» wählte heute zum Nachfolget deS ver­storbene» Abg. Dr. Lieber als Vorsitzenden den Abg. Dr. Spahn (Certtrum).

ft Die polnische züsichstagsfeaklio» setzte heute ebenfalls die Berathunge» des Zolltarifs fort und stimmte der Bindung der Gerste und Haferzölle i« der KommisfionSfaffung zu. Sie wird auch für die Bindung der Biehzölle stimmen.

+ D«» Befinde« des AS«. Sichert hat fich, wie wir von ihm nahestehender Seite er­fahren, gegen gestern gebessert. Wenn die Besse­rung anhält, so darf angenommen werden, daß er auch diesen Krankheitsanfall überwinden wird. E» soll dafür Sorge getragen werken, daß er, wenn sein Gesundheitszustand es zuläßt, Berlin verläßt, damit er bet parlamentarischen Thättgkeii auf längere Zeit entsagt u«b in bet Stille des Land­leben« Erholung und vollständige Wiederherstellung fach:. Von anderer Seite wird jedoch das Be­finden Rickerts al« sehr besorgnißerregend bezeichnet. Er liege nun schon em dritten Tage noch immer ohne Besinnung, bie Kräfte nähmen lang- fern ab.

sie beschloß, Vorsorge zu treffen, daß keine un­berufene Hand Veränderungen treffe» könne.

„Gut/ sagte sie, „verschnbrn wir da« Wettere bis Morgen früh 8 Uhr. Hoffentlich hat fich bis dahin Ihr Unwohlsein wieder gehoben. — Ihnen wird eS ja auch wohl so passe«, mein lieber Ehrbach?"

„Ganz, wie Frau Gräfin befehle«," «ar die Antwort, worauf die Gräfin die Thüre des BureauS hinaaSschritt, zugleich ab r darauf Acht hatte, daß auch Unding sofort das Gebäude verließ.--

Andern TagS punkt 8 Uhr war die Gräfin mit Ehrbach schon wieder ttn VirwaltungSgebsuse.

Auch bie Buchhalter unb bie anderen Be­amte» waren alle zur Stelle, nur der Ober­rentmeister Unding fehlte noch. Sollte fein gestriges Unwohlsein vielleicht ernstere Natur an­genommen haben?

Man wartete eine Viertel-, eine halbe Stunde. Als dann Unding »och immer nicht erschien, beauftragte bie Gräfin einen der Buchhalter, in ihrem eigene« Wage« nach bet nicht allzu weit entfernten Wohnung Unding» zu fahre« und nach seinem Verbleib zu frage«.

Allein wir eiftmate man, als bie Antwort zurückkam, daß Unding gestern Abend noch ver­reist fei. Er habe in aller Eile das nöihigste Gepäck zusammengerafft und sei da»« zum Bahn­hof gefahren, angeblich um eine «cthwendige Dienstreise anzutreten.

Die Gräfin blickte forschend in das Angesicht Ehrbach's und meinte: „Die Sache wird immer rärhselhafter. Gehe» wir daran, die Auflösung zu suchen.".

+ ZleSer die lä*fti«e Erledig«»- der Gefch«fte des Aetchslage» werden »er« iariedene Versionen in den parlamentarische» Kreisen verbreitet. Nach einer u«S von der linke» Seite zusegangen-n Information ist mau der Ansicht, daß der Präst e«t höchstens zwei Wochen hintereinander den Tarif auf die Tage«, ordnunq setze» wird und, wen« er fich von der Nutzlosigkeit der weitete« Berathung überzeugen sollte, da daS Haus durch btt non sozialaemo« kratiicher Seite fortwährend beantragten nament­lichen Abstimmungen ermüdet werde» dürfte, dem Hanse empfehlen wird, die Tarifderathung vor­läufig abzusktzrn. Soll'- diese Ansicht zutreffen und bet Vorschlag die Mehrheit finde», so müßte der Reichstag anderes Arbeitrmattrial derathen.

X A-iratfi für Arveiterfialifii». Der neugebildete, au8 der Kommt, fion für Arbeiter« statistikhervorgegangeneBeirathfür Arbeitet« statistik hielt heule im kaiserlich statistische» Amt feine erste Sitzung unter dem Borütz des Präsidenten des statistischen Amis G H Oierregierungsrath Dr. Wilhelmi ab. Anw-send waren 12 Vet« tretet bet Verbündete» R gierun-ten und bei Reichsamts des Innern, und 6 R-ichstagSabge- ordnete, darunter Dr. Hitze und Letocha vom C?»trum. Der Vorsitzende gedachte i» ehrende» Worten deS verstorbene» Leiters der badische» Fabrikinspektion OberregierungSraths Dr. WörriS- hof,r, des frühere« Mitgliedes der Kommisfio« für Arbeiterstatistik. Nach Eintritt in die Tages­ordnung wurde bet Entwurf bet Geschäfts­ordnung des Beiraths einer eingehevoen Erörterung unterzöge«. Ferner wurde übet die Herausgabe einet monatlichen Zeitschrift durch die Abtheilunge« des Beirut he für Ar beiter statistik derathen. Die Herausgabe der Z uschrift, die zunächst monatlich, u»d zwar nicht unevtoelilich, «bet doch zu einem niedrigen Preise (etwa 10 Pfg. pro Nummer, 1 Mark Jahresabonnement) er­folgen solle, stelle lediglich die Erfüllung einer der arbeiterstatistischen Abthe.lung zugewtefene» Aufgabe» bar. Der Schwerpunkt für diese Zeit­schrift falle in die Erstattung der Berichte über den Arbettsmarkt und iw bie Aufstellung einer zentralifirten Arbeit« markistatistik. Außerdem würde ste noch berückfichtigen bie Arbeitsbedingungen und den Arbeiterschutz, die Arbeit» Hy fiewe, die Arbeitr- veisichnung und daS Sparkoffenwesen, der Or­ganisationen bet Arbeitsgeber unb Arbeiter,- die Arbeitsstreitigkeiten, be» Arbeiterhaushalt, dal ArbeirerbildungSwefen, bie Roifurooeteine unb Genossenschaften, Gesetzgebung und Rechtsprechung, sowie anbete für bie Arbeiterverhältniffe bedeut­same» Mittheilunge« unb Thatsachen Nach längerer Debatte, en der fich u. a. Präsident v. Schicket, Geh. RegierungSrath Neumann und die Abgg. Dr Hitze, Jakobsköter und Schmidt- Elberfeld behelligte«, wurde nach dem Antrag« des Verfitzenden Ueberweisung an eigenen Aus­schuß beschlossen. Es wurden dann noch Aus­schüsse für Erhebungen im Fleischer­gewerbe und Fuhrgewerbe bei den Kon­toristen und Zeitungen gebildet. Bei den zwei letzte» Ausschüssen find Präsident von Schicket und Ober-RrgierunMath aus dem Handelsministerium Neumann zu Referenten bestellt werden. Bei dem Punkt: „Weitere Be- ■9SB.. i

Sie ließ den älteste« Buchhalter rufe» und machte ihm kurz Mittheilung von dem Vor­gefallene«. Dänu hieß sie ihn und Ehrbach fich mit ihr nach dem Geschäftszimmer Undings be­geben und be» Stand der Dings prüfen.

Das Schloß der Thüre wurde gewaltsam geöffnet, und mas sand noch alles, wie man e8 gestern Abend verl.ffm. Ja der Schieblade bei Schreibtisches steckt? »er Schlüsselbund Fin^ingS, welche» er in der Eil« a''zuziehen vergessen.

Sie Gräfin ersuchte die beiden Herren, bie Geschäftsbüchrr zu prüfen und zu vergleichen, während ste selbst in dem Armsessel Undings Platz nahm uns wie zufällig bie Schieblade mit dem Schlüsselbund aufzog.

Obenauf fand sie das nach England abreffirie Packet. Sie öffnete dasselbe, und siehe da: daS waren ja bie Wrrthpaptere, von welchen in den Büchern stand, daß sie durch bie Manipulationen Löwenthals verloren gegangen seien. Der Buch­halter unb Ehrbach lasen fich gerade gegenseitig bie einzelnen Nummern der Papiere vor, und wirklich — ei stimmte ganz genau.

Nichbem bie Gräfin eine Wrile zugehört, unterbrach ste bie neiden Revisoren und machte sie aufmerksam auf den sonderbaren Fand, und deren Erstaunen war nicht minder groß. Nun konnte man fich das gestrige Erschrecken Unding« und ebenso sein plötzliches Verschwinden ex Laten.

„Wir scheinen gerade noch im rechten Augen­blick gekommen zu sein," meinte bie Gräfin. „Wir wollen die Untersuchung sitzt aber recht gründlich machen."

„Wenn wir sofort die Polizei benachrichtigen, wäre es wohl «och nö lild, den Flüchtling auf-